Skip to main content

Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie and Paläontologie"

See other formats


FilR 

MIMRAIOGIE, 
GEOlOGIE  UND  PAlAEONTOlOGlE, 

GEGRÜNDET  VON 

K.  C.  VON  LEONHARD  und  H.  G.  BRONN, 

UND  FORTGESETZT  TON 

G.  LEONHARD  und  H.  B.  GEINITZ, 

Professoren  in  Heidelberg  und  Dresden. 


JAHRGANG  1867. 

MIT  VII  TAFELN  UND  35  BOIZSCHNITTEN. 


Druck  und  Verlag  von  Friedrich  Schweizerbart 
1867. 


QCr  Ö2  1902 


Inhalt. 


I.  Oi*ig^itial~/^bhasidluiig^eii. 

Seite 


H.  B.  Gbinitz:  Carboiiformation  und  Dyas  in  Nebraska   1 

G.  WüRTTENBBRGER :  Über  die  Zechsteinforniation,  deren  Erstführung  und 

den  unteren  Buntsandstein  bei  Frankenberg  in  Kurbessen  ...  10 
L.  WürtEnberger:  die  S<;hichtenfolge  des  Schwarzen  und  Braunen  Jura 

im  Klettgau   39 

W,  Bbtsecke:  über  das  Alter  des  i'alcaire  de  la  Porte-de- France  .  .  60 
A.  Kenngott:  über  einige  Erscheinungen,  beobachtet  am  Nalrolith  .  .  77 
G.  Werner:  über  die  äiedeutung  der  Krystallttächen  Umrisse  und  ihre 

Beziehungen  zu  den  Symmetrie-Verhältnissen  der  Krystall-Systeme  129 
Fr,  Alb.  Fallou:  über  den  Löss ,  besonders  über  sein  Vorkommen  im 

Königreich  Sachsen  143 

K.  Th.  Liebe:  Näheres  über  das  Jodblei  aus  Atakama  159 

G.  Jenzsch:  über  den  Granat  als  wesentlichen  Gemengtheil  des  Gneisses 

und  der  Gneissite  des  Sächsischen  Erzgebirges  165 

F.  Sandberger:  nachträgliche  Bemerkungen  zu  seiner  Abhandlung  über 

Olivinfels  171 

ScHAFHÄuTL :  weitere  Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  der  bayerischen 

Alpen  (hiezu  Taf,  I  und  II  nebst  3  Holzschnitten)  257 

H.  B.  Geinitz  :  Beiträge  zur  älteren  Flora  und  Fauna  (hiezu  Taf.  III)  273 
H.  Fleck 5   über  die  chemischen  Vorgänge  im  Fossilien-Bildungs-Pro- 

cesse  291 

A.  Kenngott:  über  die  alkalische  Rcaction  einiger  Minerale   ....  302 

R.  Blum:  bunter  Sandstein  in  Formen  von  Kalkspath  320 

C.  Fuchs:  die  vulcanischen  Erscheinungen  im  Jahre  1866      ....  325 
C.  Fuchs:  die  vulcanischen  Erscheinungen  im  Jahre  1866  (Schluss)     .  385 
E.  Stühr:  das  Pyropissit-Vorkommen  in  den  Braunkohlen  bei  Weissen- 
fels  und  Zeitz  (Preuss.  Provinz  Sachsen)  nebst  Karte  (Taf.  IV) 

und  2  Holzschnitten  403 

A.  Kenngott:  über  die  alkalische  Reaction  einiger  Minerale   ....  429 
Hbrm.  Credner:  Beschreibung  einiger  paragenetisch  interessanter  Gold- 
Vorkommen  in  Georgia,  N. -Amerika  442 

A.  Streng:  über  die  Diorite  und  Granite  des  Kyffhäuser  Gebirges  (mit 

3  Holzschnitten)   513 

A.  Stelzner:   die  Bildung  und  die  späteren  Veränderungen  des  Faxe- 
kalkes 5  aus  dem  Dänischen  des  F.  Johnstrup  (hiezu  Taf.  V)     .    .  543 


IV 


Seite 

E.  E.  Schmidt:  über  die  kleineren  organischen  Formen  des  Zechstoin- 

kalkes  von  Selters  in  der  Wetterau  (hiezn  Tat'.  VI)   576 

A   Streng  :    über  die   Diorite   und   Granite   des  KyfFhäuser  Gebirges 

(Schluss)  ".   641 

Gümbel:  kurze  Notiz  über  die  Gliederung  der  sächsischen  und  baye- 
rischen oberen  Kreideschichten  (mit  1  Holzschnitt)   664 

Fr.  Scharff:  über  missbildete  Steinsalz-Krystalle  (mit  17  Holzschnitten)  670 

L.  Agassiz:  über  den  drsprung  des  Löss   676 

E.  Weiss:  über  eine  neue  Anthracosia  in  der  Saarbrücker  Steinkohlen- 
formation (mit  3  Holzschnitten)   680 

G.  WüRTTENßERGEK :   die  diluvialen  Eisensteine  des  Kreises  Fritzlar  im 

R -gicrungsbezirke  Cassel,  verglichen  mit  den  Basalteisensteinen  des 

Vogelsberges                                                      .    685 

P.  Waage:  über  die  Krystallform  des  Gadolinit  (mit  2  Holzschnitten)   .  696 

A.  Kenngott:  über  die  alkalische  Reaktion  einiger  Jlinerale   .    .    .    .  769 

Herm.  V.  Meyer:  über  I^iastodon   785 

C.  W.  Gümbel:  Skizze  der  Gliederung  der  oberen  Schichten  der  Kreide- 
formation (Pläner)  in  Böhmen    795 

M.  Websky:  über  die  Krystallform  des  Kryoliths  (hiezu  Taf.  VII)     .    .  810 

C.  W.  C.  Fuchs:  Beiträge  zur  Mineral-Chemie   822 

II.  Briefweclisel. 

A.    Mittheiliingen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Fr.  Sandberger:  Anhydrit  aus  dem  Mont-Cenis-Tunnel ;  krystallisirter 
Nephelin  in  Drusen  von  PfafTenreuth  bei  Passau;  Nakrit  pseudo- 
morph  nach  Scheelit  von  Ehrenfriedersdorf:  Talk  nach  Enstatit: 
über  Bohrungen  bei  Wyhlen  am  Rhein  im  Herbst  1866   ....  79 

Ferd.  Zirkel:  Dünnschliffe  ächter  Basalte  81 

H.  Tr\utschold  und  J.  Auerbach:    Berichtigung  über  einen  Aufsatz  v. 

EiCHWALD's  die  Neocomschichten  Russlands  betreffend  ....  178 
L.  Würtenbehger:  Ammonites  bimammatus  Olenst.  auch  im  Kleltgauer 

weissen  Jura  ...   179 

E.  Weiss:  kündigt  seine  preisgekrönte  Abhandlung  „Beiträge  zur  Kennt- 

niss  der  Feldspath-Bildung"  etc.  an  •  .    .    .    .  179 

D.  F.  Wiser:    flächenreiche   Flussspalh -  Krystalle  vom   Galenstock  in 

Oberwallis:  Eisenglanz  mit  Rutil  und  Xetiotim  vom  Piz  Cavradi ; 
Brookit  mit  schneeweissem  Araiänth  aus  dem  Griesern-Thal     .    .  337 

V.  V.  Zepharovicu:  über  die  vom  Werner-Verein  in  Brünn  herausge- 
gebene geologische  Karle  von  Mähren  und  österr.  Schlesien     .    .  339 

P.  Platz:  Wollastonit  und  Prehnit  im  Schwarzwald;  geologische  Auf- 
nahmen in  Baden  340 

Fr.  Sandberger:   Analyse  des  grünen  Pyromorphits  von  Badenweiler; 

rhomboedrische  Krystalle  von  StalFelit  449 

W.  Benecke:  Bericht  über  seine  bisherigen  Untersuchungen  des  Muschel- 
kalkes am  unteren  Neckar:  Übereinstimmung  mit  Würzburg     .    .  450 

Fr.  Scharff:  Kalkspath  und  Pseudomorphosen  des  Granats  von  Auer- 
bach an  der  Bergstrasse  452 

C.  W.  C.  Fuchs:  die  neuesten  vulcanischen  Ereignisse  auf  Santorin     .  455 

A.  Paülinyi  :  über  Petlkoit   456 

F.  Henrich:  Argumente  für  einen  feuerflüssigen  Erdkern  458 

Th.  Kjerulf:   Bemerkungen   über  den  Bericht  seine  geologische  Karle 

von  Christiania  betreffend  589 


V 


Seite 

C.  W.  Paykull:  Staiirolith  von  Nordmarkens  Eisengrube  in  Wermland; 

Prclinit  von  Upsala  ;  Vivianit-Bildung ;  Epichlurit  pseudomorph  nach 

Granat  und  Eisenoxyd  nach  Quarz  von  Langban  590 

0.  Bütschly:  mikroskopische  Untersuchungen  von  Augiten:  eigenthiim- 

liche  Farben-Erscheinungen  im  polarisirten  Licht  700 

Stein:  Phosphorit-Pscudomorphosen  nach  Kalkspath  701 

Burkart:   nähere  Angaben  über  die  Fundorte   des  Domeykits  und  der 

iVIanganblende  in  Mexico  826 

E.  Stöhr:    Argille  scagliose   im  Apennin;    über  den  erloschenen  Vul- 

can  Ringiiit  auf  Ost- Java  830 

D.  F   WisER :   Zusammenvorkommen  von  Rutil,  Anatas  und  Brookit  im 

Griesern-Thal  832 

F.  Sandberger:  Staffelit  und  Osteolith ;  Kascholong  nach  Quarz:  Chrom- 

Zoisit  833 

F.  Sandberger:  über  den  Serpentin  von  Todtmoos;   die  Naturforscher- 
Versammlung  in  Rheinfelden  835 

Theodor  Petersen:  Nickelhaltiges  iMagneteisen  von  Pregratten  in  Tyrol  836 
C.  ^V.  Paykull:  Analyse  eines  talkartigen  ^Minerals  von  Langbans-Eisen- 

grube     .    .    .    \  S38 

R.  Blum:   nähere  Angabe  des  Fundortes  des   von  ihm  beschriebenen 

bunten  Sandsteins  in  Formen  von  Kalkspath  839 

B.    Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

0.  Zincken:  über  in  einem  untermiocänen  Braunkohlen-Lager  bei  Born- 

städt  unfern  Eisleben  aufgefundene  Pflanzen-Reste  82 

L.  Zeuschner  :  Geologisches  aus  Polen   83 

L.  Agassiz  :  Lössbiidungen  im  Thale  des  Amazonenstroms  180 

J.  Barrande:  die  Fauna  in  den  Schiefern  von  Hof  zeigt  den  engen  Zu- 
sammenhang zwischen  der  primordialen  und  zweiten  Fauna      .    ..  181 
Ed.  Süss:   über  jurassische  Geschiebe  aus  der  Gegend  von  Stettin  und 

Königsberg  342 

E.  DE  Verneuil:  die   ausserordentliche  Versammlung  der  geologischen 

Gesellschaft  in  Paris    344 

Barbot  de  Marny  :  dyadische  Fossilien  bei  Soligalith  (Gouv.  Kostroma)  345 
C.  Zincken:  unteroligocäne  Petrefacten  von  Löderburg  bei  Stassfurt     .  345 

P.  Groth  :  über  Gesteine  vom  Kyffhäuser  459 

H.  V,  Meyer:  Mastodoit  angustidens  von  Heggbach;  neue  Vorkomm- 
nisse aus  der  Molasse  von  Biberach  ;  Säugethierreste  aus  der  Bohn- 
erzformation  der  Grafenmühle  bei  Pappenheim:  Aiithracotherium 
Alsaticum  aus  der  Braunkohle  von  Schlüchtern:  Mustleu  Gam- 
lit'zensi.'i  aus  der  Braunkohle  von  Gamlitz  bei  Ehrenhausen  .  .  460 
G opfert  :  Notizen  über  die  ältesten  fossilen  Landpflanzen  und  andere 
Pflanzen  der  paläozoischen  Formation:  nebst  einer  Nachschrift  von 

H.  B.  Geinitz  462 

J.  Bock:  über  Heyrichia  Grewingkii  592 

L.  Agassiz:  über  das  Ei^'sex  Institute  in  Salem   ,     .  593 

L.  Zeuschner:  devonische  Formation  im  Sandomirer-Chenciner  Gebirge  593 
J.  W.  Dawson:   die  Schichten   von  St.  John  unterteufen  die  untersten 
Schichten  der  Steinkohlenformation  und  enthalten  eine  charakteri- 
stische devonische  Flora   ...  701 

J.  Barrande:    Arethnsina   Konincki   bezeichnet  die   erste   Phase  der 

dritten  Silurfauna  Böhmens  702 

Julius  Haast:  Ausgrabungen  von  Dinornis  auf  Neuseeland     ....  840 


VI 

Seite 

C,  ZiNCKEN :  flächenreicber  Steinsalz-Kryslall  und  Eisenlues  von  Stnss- 

furt  '  840 


III.  Heue  liiteratur. 

A.  Bücher. 

1866:  J.  Andre:  Beete  Jukes:  A.  Breith.vupt:  G.  Canestrini  ;  C.  G. 
Carus;  H.  V.  Dechen:  P.  van  Diest:  Forbes  Leslie:  M.  F.  Gätsch- 
MANN ;  F.  (Jarrigou  und  H.  Filhol;  F.  Fötterle  ;  R.  Ludwig:  VV. 
G.  Hankel:  Jemsch:  R.  K>'er  ;  C.  G,  Laube:  J.  IMarcou:  S.  Wil- 
son: A.  Oborny;  R.  Pallman:  Th.  Petersrn:  F.  Pictet  und 
Humbert;  A.  Sadebeck;  E.  Sauvage  und  E.  Hamy;  G.  Scarabelli; 
K.  V.  Seebach:  G.  Stäche;  F.  Stoliczka:  E.  Suess;  G.  Vogt:  L. 
Vortisch:  A.  Weisbach:  V.  v.  Zeph^rovich:  F  Zirkel  ....  85 
C,  J,  Andrae;  W.  Benecke:  A.  Boskowitz:  A.  Breithaupt :  A.  Bre- 
zina:  E.  Desor:  Ch.  d'Elvert;  A.  Erdmann;  L  R.  v.  Fellenberg; 
C.  W.  C.  Gümbel:  W.  v.  Haidinger:  F.  Hilgkndorf;  C,  F.  Nau- 
mann: L.  RüTiMEYER:  ü.  Schlönbach:  G.  Tschermak:  W.  Waagen: 

E.  WEIS5:  T.  C.  Winkler   .    .  182 

F,  CoRNET  und  A.  Briart;  Ehrenberg:  J.  Fournet:  H.  B.  Geinitz: 

W,  V.  Haidinger:  R.  Jones  und  W.  Kirkby:  Th.  Kjerulf  und 
Tellef  Dahll :  C  Lossen:  Alb.  Müller:  A.  Reuss:  S.  Sexe:  A 
Schrauf:  0.  Speyer:  R.  Stalsberg:  G.  Suckow  347 

J.  Brandt;  H.  Eck:  IEhrenberg;  R.  Richter;  F.  Römer;  F.  Sand- 
berger:  Gr.  Wyroubofp  467 

L.  Dressel:  C.  Fallm'x:  A.  v.  Koenen:  Fr.  v.  Kubinyi:  J.  Lemberg: 

F.  Meeke  und  H.  Worthen  ;  K.  v.  Seebach:  Seeley:  A.  Winchell 

und  0.  xMarcy;  H.  Wortiien  596 

A.  Delesse  und  Lapparent:  M.  Hoernes  und  L.  v.  Koechel:  R.  Pum- 
pelly    704 

E.  Desor:  E.  v.  Eichwald:  A.  Gaudry  ;  J.  Hall:  A.  v.  Volborth  842 
186T:  A.  Lielegg;  C.  F.  Zinceen  '.  88 

B.  v.  Cotta  183 

W.  Bölsche;  Freiberger  Festschrift:  K.  v.  Fritsch,  W.  Reiss  und 

A.  Stübel:  0   Heer:  H.  le  Hon:  B.  Juckes:   Ch.  Lyell:  Milne- 

Edwards  ;  A.  Pichler,  A.  Schenk  348 

L.  Agassiz,  Beiträge  zur  geognostischen  Kenntniss  des  Erzgebirge.s; 
J.  Bigsby;  f.  Brandt:  J.  Fikenscher;  R.  Göppert  ;  C.  Grewingk: 

0.  Heer:  G.  Laube;  H.  Mltller:  A.  Reuss;  Wartha  468 

E»  Boricky:  H.  Fischer:  H.  Grebenau:  A.  v.  Groddeck  ;  Fr.  v. 
Hauer;  Fr.  v.  Kobell:  A.  v.  Koenen:  A.  Kuhlberg;  Fr.  Lang 
und  L.  Rütimever:  J.  Lemberg:   Ch.  Mayer:   Omboni;  A.  Rruss: 

L.  Rütimeyer:  F.  Senft  597 

G,  Bischof;  E.  Boll:  A.  BuR-\t:  Th  Haupt:  G.  L\ube:  J.  Lommel  ; 
Alb.  Müller;   Oldham:   G.  Rose:   L.  Rütimeyer;   W.  Trenkner: 

White  uud  St.  John;  C.  Zelger;  F.  Zirkel  704 

J.  Barrande;  A.  Beblo:  W.  Blanford;  E  Beyrich:  E.  Boricky;  L. 
V.  Buch  (Ewald,  Roth  und  Eck>.  B.  v.  Cotta:  H  Burmeister: 
Ch.  Darwin;  E.  Dumortier:  H.  Fleck:  0.  Fraas  ;  Frischmann; 
A.  Fritsch:  A.  Gaudry:  J.  Gosselet:  C.  Grewingk:  Gümbel  ;  K. 
Haushofer:  Johnstrup;  F.  Karrer;  F.  Kaufmann:  R.  F{ner:  A. 
Knop;  Fr.  v.  Kobkll;  N.  v.  Kokscharow:  G.  Laube:  M.  Löbe  : 
R.  Ludwig:  G.  Lunge:  J.  Mayr:  C.  Mösch;  A.  Oborny:  F.  Old- 


VII 


Seite 


ham;  G.  Omboni  ;  K.  Peters;  F.  Pictet;  W.  Rächette;  G.  Rose; 
Runge;  ä.  Schenk:  Th.  Scheerer:  0.  Schneider;  S.  Scüdder;  K. 
V.  Seebach;  E.  Stöhr  ;  R.  Yion  ;  H.  Vogrlsang;  J.  Weisbach;  G. 
Werner:  C.  White:  P.  Wiis'KLEr:  Th.  Wolf;  V.  v.  Zepharovich; 

F.  Zirkel    .......    1  .  842 

B.  Zeitschriften. 

a.    Mineralogische,  Paläontologische  und  Bergmännische. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  Wien  8"^.   [Jb.  1866^  vi]. 

1866,  XVI,  Nr.  3.  Juli-Sept.    A.  277-423;  B.  105-122     ....  88 
XVI,  Nr.  4.  Oct.-Dec.    A  425-534;  B.  123-209     ....  349 

/«^r,           Nr.  /,  Jan.-März.           1-192    599 

XVll,  Nr.  2,  April-Juni.       193-315    846 

Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.    Wien  8°. 

1867,  No.  7,  S.      1-  24    351 

„   ^,  „     25-  48    351 

„  5,  „     49-  68   469 

„   4,  „     69-  96    469 

„  5,  „     97-112    470 

„   6,  „   113-130    599 

„   7,  „    131-156    600 

„   8,  „    157-182    705 

„   9,  „    183-202    705 

„JO,  „   203-232    846 

„  11,  „   233-250    847 

Zeitschrift  der  Deutschen  geologischen  Gesellschaft ,  Berlin  8*^,  [Jb. 
1866,  VI.] 

1865,  XV II,  4-  S.  599-714;  Tf.  XVII    89 

1866,  XVI II,  7 ;   „      1-176;    „         I    90 

ÄVIII,  2;   „  177-376;    „     II-IV    600 

XVIII,  3;   „  377-647;    „      V-XII    706 

XVIII,  4-   „  648-819;    „  Xlil-XVl  707 

1867,  XIX,  1  ;   „     1-236:    „       1-V    847 

XIX,  2,   „  237-435;    „     VI-XI    848 

Verhandlungen  der  russisch-kaiserlichen  mineralogischen  Gesellschaft 
zu  St.  Petersburg.    Petersburg  8^^.    [Jb.  1866,  vii.| 

1866,  zweHe  Serie,  I,  S.  1-366,  Tf.  I-VI   184 

Bulletin  de  la  Societe  ge'ologigue  de  France  [2.]j    Paris  8^.  [Jb. 

1866,  VII.] 

1865-1866.  ÄXIII,  f.  30-41;  p.  465-656    91 

XXIII,  f.  42-51:  p.  657-811      ..........  185 

1867,  XXIV,  ^o1;    '  p.     1-128    353 

XXIV,  No.  2:     p.  129-256    603 

XXIV,  No.  3;     p.  257-384    709 

XXIV,  No.  4;     p.  385-576    851 

The  Quarterly  Journal  of  the  Geological  Society.  London  8^.  [Jb. 
1866,  VII.] 

1866,  XXII,  Nov.:  Nr.  88;  A.  p.  391-639;  B.  25-30    187 

1S67. XXIII,  Febr.;  „    89;  A.  p.      1-  76;  B.    1-  4   471 

XXIII,  Mai:     „    90',  A.  p.    77-137;  B.    5-  8   709 

XXIU,  Aug.;  „    91;  A.  p.  138-281;  B.    9-16   853 


Vlll 


Seite 

H.  V.  Meyer  u.  W.  Dunker:  Palaeontographiea,  Beiträge  zur  Naturge- 


schichte der  Vorwelt.  Kassel  4^.  [Jb.  1S66,  vii.] 

1S67,    ÄV,  Lief.  4       .    .    .    .  ^   352 

ÄIV,     „2    602 

ÄV,     „     5    849 

ÄVI,     „3    849 

H  .Woodward:  The  Geological  Magamne.     London  S'\    [Jb.  1866^  vii.] 

1866,  Nr.  28-29,  Oct.-Nov.,  p.  433-528    93 

Nr.      30,  Dec,         p   529-584    189 

1867,  Nr.      31,  Jan..          p.      1-  48    357 

^r.32-34,  Fevr.-Apr.,  p.    49-192    472 

Nr.      35,  May,         p.  193-240    605 

^r.36  17,  June-Juli.  p.  241-336    710 

^r.3S-39,  Aug.-Sept.,  p.  337-432    855 

Bruno  Kerl  und  Fr.  Wimmer  :   Berg-  und  Hüttenmännische  Zeitung. 
Leipzig  40.    [Jb.  1866,  vii.] 

1866,  Jahrg.    ÄÄV,  Nr.  36-46:  S.  305-396   90 

XÄV,  Nr.  4T-S2;  S.  397-460    184 

1867,  Jahrg.  XÄVl,  Nr.       1-9  :  S.      1-  80    353 

Nr.  10-25-.  S.    81-216   707 

Nr.  26-39  ;  S.  217-336    849 

b.    Allgemeine  Naturwissenschaftliche. 

Sitzungs-Berichte   der  k.  Bayerischen  Akademie  der  Wissenschaften, 
München  8^.  [Jb.  1866,  viii.] 

1866,  I,     3;  S.  237-433   183 

//,      /;  S.      1-71   349 

2-4;  S.    72-568    598 

1867,  I,  1-3,  S.     1-404    845 

J.  C.  PoGGENDORFF:  Aunalcn  der  Physik  und  Chemie.   Leipzig,  8^  [Jb. 
1866,  viii.J 

1866,     6-7;    CXXlll,  S.  177-496    88 

8;   CXXIII,  S.  497-644    351 

9-11]  CXXIX,  S.      1-480    352 

12;   CXXIX,  S.  481-668    470 

1S67,     i-2;    CXXX,  S.      1-336    598 

3;     CXXX,  S.  337-496    707 

4;      CXXX,  S   497-644    847 

5;    CXXXJ,  S.     1-160    847 

Erdmann  u.  Werther:  Journal  für  praktische  Chemie.  Leipzig  8".  [Jb. 
1866,  viii.l 

1866,  No.  13-14  ;    98.  Bd.,  S.  257-384    80 

No.   15-16;    98.   „     S.  385-508    183 

No.        77;    99.   „     S.      1-64   184 

No.         18;    99.    „     S.    65-128    352 

^0    19-24;    99.    „     S   129-530    470 

1867,  No.       1-5;  100.    „     S.      1-320  .   599 

No.          6;  100.    „     S  321-384   707 

No.       7-8:  100.    „     S.  385-508    848 


Verhandlungen  des  Naturhistorischen  Vereins  der  Preussischen  Rhein- 
lande und  Westphalens.    Bonn  8".    |Jb.  1866,  viii.J 
1866,  XAIII,  1-2;  Verhandl.  1-218 :  Korr.-Bl.  1-74;  Sitz.-Ber.  1-85  601 


Seite 


Württember^ische  naturwissenschaftliche  Jahresliefte.   Stuttgart  8^  [Jb. 
1866,  VIII.] 

1866,  ÄÄII,  2u.3;  S.  129-252    850 

1867,  XXUI,        1;S.      1-144.   354 

Correspondenz-Blatt  des  zoologisch-mineralogischen  Vereins  zu  Regens- 
burg.   Regensburg  8^\    [Jb,  1866^  viii.] 

1866,  XX,  S.  1-216   470 

Verhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Basel.    Basel  S*'. 
[Jb.  1866,  VIII.] 

1866,  IV,  3;  S  401-613    353 

Dreiundvierzigster  Jahresbericht  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vater- 
ländische Cultur.    Breslau  8^. 

1865,  S.  1-218  91 

Abhandlungen  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur. 
Breslau  8«. 

1865,  S.  1-90  91 

1866,  S.  1-267   81 

Sitzungsberichte  der  naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  zu  Dres- 
den.   Dresden  8  '.    [Jb.  1866,  ix  ] 

1866,  N.  10-12-,  S.  113-157   354 

186r,  N     /-  5;  S.     1-  47    602 

Verhandlungen  des  nalurforschenden  Vereins  in  Brünn.    Brünn  8**. 

Jahrg.  1865,  IV,  S.  1-330    355 

1866,    V,  S  1-236    851 

Abhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Halle.    Halle  S^. 

1867,  X.  Heft,  1-2,  S.  1-196    708 

Erman's  Archiv  für  wissenschaftliche  Kunde  von  Russland.   Berlin  8**. 

[Jb.  1866,  ix.] 

1867,  XXV.  2  :  S.  175-348    185 

XXV,  3;  S.  349-506    706 

Bulletin  de  la  Jodete  Imp.  des  Nattivalistes  de  BIoscou.   Moscou  8^. 
[Jb.  1866,  IX.] 

1866,  No.  2,  XXXIX,  p.  299-613    91 

No.  S;  XXXIX,  p.      1-315  604 

No.  4:  XXXIX,  p.  316-358    708 


Comptes  rendus  hebdomadaires  des  se'ances  de  V Academie  des  sciences. 
Paris  40.    [Jb.  1866,  ix]. 

1866,  No.  6-8;  6.  Aout  -20.  Aout;  LXIIl,  p.  229-  360  .  .  92 
No.  9-19;  27,  Aout  -  5.  Nov.;  LXIII,  p.  361-  812  .  .  355 
No.  20-27;  12.  Nov.    -31.  Dec:    LXIIl,  p.  813-1152  .    .  471 

1867,  No.  1-7;  7.  Janv.  -11.  Fevr.:  LXIV.  p.  1-  292  .  .  603 
No,  8-15  ;  25.  Fevr.  -15.  Avr. ; '  LXIV,  p.  293-  798  .  .  709 
No.  16-25;  22.  Avr.    -24.  Juin;     LXIV,  p.  799-1309  .    .  851 

V Institut:  1.  Sect.  Sciences  mathematiques,  physiques  et  naturelles. 
Paris  40.  [Jb.  1866,  ix.] 

1866,  13.  Juin    -29.  Aout;  No.  1693-1704;  XXXIV,  p.  185-280  186 

5.  Sept.  -24.  Oct.;  No.  17051712:  XXXI V,  p.  281-341  356 
31.  Oct.   -26.  Dec;    ^o.  1713- 1721 ;  XXXlV,  p.  345-416  471 

1867,  2.  Janv. -IS.  Mars;  ^0.1722-1732;  XXXV,  1-88  851 
Memoires  de  la  Societe  des  sciences  naturelles  de  Strasbourg.  Paris 

et  Strasbourg. 

1867,  tom.  VI  93 


X 


Seite 


Annales  de  Chimie  et  de  Physique.  Paris  8^.    [Jb.  1866,  ix.] 

1S66,  Juin  -Aout.,  VIII,  p.  129-512   1^6 

Sept.-Oct.,  IX,  p.     1-256    186 

Nov.  -Dec,  IX,  p.  257-528    356 

1867,  Janv.-Fevr.,  X,  p.     1-256   604 

Mars-Avril,  X,  p.  257-512   853 

Mai,  XI,  ^.      1-128    853 

Nouvelles  Archives  du  Museum  d'histoire  naturelle,  publiees  par  les 
professeurs-administrateurs  de  cet  e'tablissement.  Paris  4*^.  [Jb. 
1866,  ix.J 

1866,    II,  fasc.  5;  p.  177-288    186 

//,  fasc.  4;'  p.  289-313    604 

186r,  III,  fasc.  1;  p.      1-  64    604 

III,  fasc.  2-,  p.    65-128    853 

Bibliotheque  universelle  de  Geneve  B.  Archives  des  sciences  phy- 
siques  et  naturelles.    Geneve  8^.    [Jb.  1866,  ix.] 

1866,  N.  104,        Aout;         p.  481-640    186 

^.105-106,  Sept.-Oct.;  p.      1-320    186 

N.lör-7ÖS,  Nov.-Dec;  p.  321-640    604 

186T,  ^.109-110,  Janv.-Fevr.;  p.      1-336   •    ...  604 

Bulletin  de  la  Socie'te  Vaudoise  des  sciences  naturelles.  Lausanne  8^ . 
[Jb.  1866,  X.) 

1866,  No  34,  IX,  p,      1-104  93 

No.  56,  IX,  p.  225-312    .    .    ,   604 

No.  57,  IX,  p.  313-368    853 

Report  of  the  thirty-fifth  Meeting  of  the  British  Association  for  the 
Advancement  of  Science,  held  at  Birmingham  in  Sept.  1865. 
London  8", 

1866,  p.  I  LXVII  n.  1-383    93 

Philosophical  Transactions  of  the  Royal  Society  of  London.  Lon- 
don 4".  [Jb.  1866,  x.J 

1866,  CLVI,  1;  p.  1-397    356 

Natural  History  Transactions  of  Northumberland  and  Durham.  New- 
castle-upon-Tyne  8^. 
1866,  I,  2;      143-280   ,   357 

The  London,  Edinburgh  a  Dublin  Philosophical  Magazine  and  Jour- 
nal of  Science.  London  8^.  [Jb.  1866,  xj. 

1866,  July  -Sept.;  No.  213-215-,  p.      1-240    186 

Oot.   -Dec;   No.  216-218;  p.  241-480    356 

1867,  Suppl.;         'No.  219;  p.  481-552    604 

January;         No.  220;  p.      1-  80    604 

Febr.-May;    No.  221-224;  p.    81-400   854 

S.  Haughton:  The  Dublin  Quarterly  Journal  of  Science.  Dublin  8^. 
[Jb.  1866,  X.] 

l«ö<?,  July;  No.  JrZ///,  p.  159-234    188 

Journal  of  the  R.  Geological  Society  of  Ireland.  London  8^.  (Jb. 
1866,  X.] 

1865-1866,  vol.  /,  part.  2,  p.  1(  3-190  189 


Selby,  BabingtoNj  Gray  and  Francis  :  The  Annais  and  Magazine  of  na- 
tural history ,  including  Zoology ,  Botany  and  Geology.  Lon- 
don 8».    [Jb.  1866,  x]. 


XI 


Seite 


1866, XVIII,  Nr.  103-106;  p.  145-344    95 

ATF///,  Nr. p.  345-504    188 

1S6T,    ÄIÄ,  ^r.  109,        p.     1-  72    ....   357 

ÄIÄ,  Nr.  110-112;  p.    73-304    605 

ÄIÄ,  Nr.  113-114,  p.  305-448    709 

ÄÄ,  Nr.  115-116;  p.     1-152    855 

Commissao  geologica  de  Portugal.  4^. 

1865-1866    605 

B.  SiLLiMAN  and  J.  D.  Dana:  the  American  Journal  of  Science  and 
Arts.   New-Haven  8"".  [Jb.  1866,  x.\ 

1866,  Sept.,    No.  125;  pg.  141-292    96 

Nov.,   No.  126;    „    293-444    190 

1867,  Jan.,    No.  127:   „       1-140    358 

May,    No    129;    „    285-428    710 

July,    No.  ISO;    „       1-144    854 

IV.  /luszüg^e. 

A.    Mineralogie,  Krystallogr aphie,  Mineral-Chemie. 

Fr.  Scharff:  über  die  Bauweise  des  Feldspathes   97 

V.  V.  Zepharovich:  eine  neue  Calcit-Form  von  Pribram    98 

A.  Weisbach:  über  den  Kupferwismuth^lanz    99 

PisANi:  über  den  schwarzen  Spinell  aus  dem  Dep.  Haute-Loire  ...  99 

Eddy:  Anatas  bei  Smiethfield,  Rhode  Island   100 

Church  :  Woodwardit,  ein  neues  Mineral   100 

Fr  V.  Kobell:  über  einen  Thomsonit  (Faroelith)  aus  Island  ....  100 

Th.  Petersen:  über  den  Phosphorit  von  Diez  in  Nassau   101 

Th.  Petersen:  Analyse  des  Hyalophan   102 

Frikdel:  Adamin,  ein  neues  IMineral                                              .    .  102 

L.  Smith:  die  Smirgel-Grube  von  Chester  in  Massachusetts  nebst  Be- 
merkungen über  den  Smirgel  und  die  ihn  begleitenden  Mineralien  102 
Jackson:  Analyse  einiger  Mineralien  aus  den  Sniirgel-Gruben  von  Chester  104 

Igelström:  die  Mineralien  von  Horrsjöberg  in  Wermeland   105 

G.  Brush:  Diaspor  bei  Newlin  in  Pennsylvania   106 

G.  Brush  :  Uwarowit  bei  New-Idria  in  Californien   106 

Websky:  Monacit  bei  Schreiberhau  in  Schlesien    ........  106 

Strüver:  Mineralien  im  Granit  von  Baveno  und  Montorfano    ....  107 

A.  Kenngott:  über  das  Vorkommen  des  Flussspath  in  der  Schweiz      .  107 

A.  Kfnngott:  über  den  Turmalin  der  Schweiz   108 

N.  V.  Kokscharow:  über  den  Kupferil   191 

V.  V.  Zepharovich:  über  den  Wulfenit  von  Pribram   192 

Shepard:  Hagemannit,  ein  neues  Mineral  von  Arksut-Fjord  in  Grönland  193 

S.  Haughton:  Analyse  eines  grünen  Orthoklas  aus  Grönland    ....  193 

N.  V.  KoKscHAROw:  über  den  Lawrowit   193 

N.  V.  Kokscharow:  Platin  mit  polarem  Älagnetismus   194 

J.  Cooke:  über  den  Danalit,  eine  neue  Mineralspecies  aus  dem  Granit 

von  Rockport  in  Massachusetts   194 

W.  Blake:  „California  minerals^\    Toronto  1866    195 

L.  R.  VON  Fellenberg:  Serpentin  aus  dem  Malenker  Thal  in  Graubündten  197 

L.  R.  VON  Fellenberg:  Kalkspath  von  Merligen   198 

Shepard:  über  Columbit  von  Northfield  in  Massachusetts   198 

K.  V.  Hauer:  Pseudomorphosen  von  Chlorit  nach  Granat   198 

G  TscHBfiMAK:  über  den  Silberkies    199 


Xll 

Seite 

V.  V.  Zepharovich:  Turmalin  und  Margarodit  von  Dobrowa  in  Kärnthen  199 

S.  Haughton:  Analyse  einiger  Zeolithe  von  Bombay   200 

Ferd.  Römer:  über  von  Zinkspath  umhüllte  Reste  einer  Flederniaus     .  201 

A.  Kenngott:  über  den  Rutil  der  Schweiz   201 

Th,  Petersen:  über  die  Grauerze  des  Binnenthaies     ......  203 

W.  C.  Hankbl:   über  die  thermoelektrischen  Eigenschaften  des  Berg- 

krystalles   205 

Ad.  Oborny  :  über  einige  Gyps-Vorkommnisse  Mährens  und  speciell  das 

von  Koberitz  und  Austerlitz                                                        .  206 

F.  Sandberger:  über  die  Umwandlung  von  Kalkspath  in  Aragonit  .  .  359 
K.  V.  Hauer:   Untersuchungen   über  die  Feldspathe  in  den  ungarisch- 

siebenbürgischen  Erupliv-Gesteinen   360 

N.  V.  Kokscharow:  Chalkophyllit  im  Ural   361 

Igelström:  über  Ekmanit,  ein  neues  Mineral   361 

Wartha  :  über  den  Pennin   ,   362 

E   Weiss:  eingewachsene  Feldspath-Zwillinge  nach  dem  Bavenoer  Ge- 
setz   362 

G.  Städeler:  über  die  chemische  Zusammensetzung  des  Lievrit  .    .    .  363 
0.  Prölss:  Umwandelungs-Pseudomorphosen  nach  Orthoklas  von  Rechen- 
berg im  Erzgebirge     363 

R.  L.  V.  Fellenberg:   über  ein  grünes  Mineral  aus  dem  Berner  Ober- 
land ,   363 

A.  Kenngott:  über  den  Anatas  der  Schweiz   364 

L.  Smith:  über  ein  neues  Meteoreisen,  den  Colorado-Meteoriten  von  Rüssel 

Gulch,  Colorado   365 

H.  Höfer:  Analyse  einiger  Magnesia-Gesteine  der  Obersteiermark    .    .  366 
Alb.  Schrvuf:    Gewichts-ßestimmung,  ausgeführt  an  dem  grossen  Dia- 
manten des  kais.  Österreich.  Schatzes,  genannt  „Florentiner"    .    .  367 

Gr.  Wyrouboff:  über  die  (arbenden  StofPe  im  Flussspath   473 

Gr.  Wyrouboff:   mikroskopische  Untersuchungen   über   die  färbenden 

Stoffe  im  Flussspath   474 

V,  V.  Zepharovich:  Fluorit  aus  der  Garns  bei  Hieflau  in  Steiermark    .  475 

F.  Sandberger:  Zirkon  (Hyacinth '  im  Fichtelgebirge    476 

Alb.  Arbnts:  Partzit,  ein  neues  Mineral   476 

V.  v.  Zepharovich:  über  den  Enargit  von  Parad   477 

G.  Tschermak:  über  die  isomorphe  Reihe  Glaukodot,  Danait,  Arsenik- 

kies   477 

Igelström:  über  den  Richterit   478 

Naschold:  Analyse  eines  Steinmarkes  von  Rochlitz   479 

E.  Calberla:   Analyse   eines  Titaneisenerzes  aus  dem  Nephelindolerit 

des  Löbauer  Berges   479 

Fr.  v.  Kobell:  über  das  Verhalten  des  Disthen  im  Stauroscop  und  über 

die  dabei  zu  beobachtenden,  nicht  drehbaren  Kreuze   606 

Igelström:  über  den  Hydrotephroit   607 

Igelström:  über  den  Pyroaurit   607 

E.  BoRicifY :  über  den  Delvauxit  von  Nenacovic  in  Böhmen  ....  608 
Phipson  :  Vorkommen  von  Diamant  in  metallführendem  Sande  bei  Free- 

mantle  im  w.  Australien   608 

Weisbach:  Vorkommen  von  gediegenem  Antimon  in  Canada    ....  609 

K.  Haushofer:  Gymnit  von  Passau   609 

K.  H.\ushofer  :  ein  neues,  chloritähnliches  Mineral  von  Bamberg  .  .  .  609 
K.  V.  Hauer  :  Untersuchungen  über  die  Feldspathe  in  den  ungarisch-sie- 

benbürgischen  Eruptiv-Gesteinen   610 

Bbrüemann  :  über  ein  neues  Mineral  Pastreit                                 ...  611 

Igrlström  :  über  den  Lamprophan   612 


XIII 

Seite 

II.  Crednkr:  über  Kupfer-  u.  a.  Erze  in  den  Kupfergruben  von  Duck- 

town  in  Tennessee    612 

G.  Tscherm.ak:  über  die  kobaltführenden  Arsenkiese  Glaukodot  und  Da- 

nait   712 

V.  V.  Zepharovich:  der  Löllingit  und  seine  Begleiter   715 

C.  Rammelsberg  :  Analyse  der  Karlsbader  Feldspath-Zwillinge      .    .    .  716 

A.  Reuss  :  Markasit  pseudomorph  nach  Eisenglanz   716 

Maskelyne:  über  die  Krystallgestalt  des  Kupferoxydes   716 

G   Klemm:  Vorkommen  von  Zinnober  im  N    von  Spanien   717 

G.  Werner:  über  die  Varietäten  des  Kalkspath  in  Württembera  .        .  718 

MoNTEFioRE  Levi  :  Nlckclgrube  von  L:»  Balnia  bei  Locarno  im  Val  Sesia  718 

Lipold:  der  Goldbergbau  von  Königsberg  in  Ungarn  ....         .    .  719 

Uph^m  Shepard  :  neue  Classification  der  Meteoriten  mit  einer  Aufzählung 

der  meteoritischen  Mineralien   719 

Über  den  Gehalt  von  Kohlenstoff  und  bituminösen  Stoffen  in  Meteor- 
steinen .    ,        .    724 

V.  v.  Zepharovich:  über  Barrandit  und  Sphärit   857 

N.  V.  KoKscHAROw  :  über  den  Lenchtenbergit   859 

C.  Rammelsberg:  Analyse  der  (ilimmer  von  Utö  und  von  Easton     .    .  859 

M.  v.  Hantken:  neues  Meerschaum-Vorkommen  in  Bosnien      ....  860 

Fr.  V.  KoBBLL :  „zur  Berechnung  der  Krystallformcn".  München,  1867  860 
Ad.  Knop:  Molekular-Constitution  und  Wachsthum  der  Krystalle.  Leipzig, 

1867    861 


B.  Geologie. 

Ferd.  Zirkel:  „Lehrbuch  der  Petrographie."    2  Bde.    Bonn  1866   .    .  109 

A.  DEL  Castillo:  über  den  Erzreichthum  Kieder-Californicns  ....  112 
H.  Laspeyres  :  die  hohlen  Kalkstein-Geschiebe  im  Rothliegenden  n.  von 

Kreuznach   113 

C.  F.  Zincken:  die  Braunkohle  und  ihre  Verwendung :  1.  Tbl.  die  Phy- 

siographie  der  Braunkohle    .    1'14 

F.  V.  Hochstetter:  geologische  Ausflüge  auf  Java  .115 

E   Süss:  Untersuchungen  über  den  Charakter  der  österreichischen  Ter- 
tiärablagerungen   117 

E.  Süss:  über  den  Löss   .119 

Godwin-Austrn:  über  die  känozoischen  Formationen  Belgiens  .  .  .  120 
K.  V.  Hauer:   die  Gesteine  von  den  Mai-Inseln  in  der  Bucht  von  San- 

torin   206 

C.  Simon:  Kupfer-  und  Bleierz-Ablagerungen  im  Buntsandsteine  und  Vo- 

gesensandsteine  der  Umgegend  von  Saarlouis  und  St.  Avold  .  .  207 
H.  xMüller:  die  Kupfererz-Lagerstätten  von  Gumeschewsk  und  Soimo- 

nowsk  im  Ural   208 

J,  Andre:  Studien  über  die  Verwitterung  des  Granits     ......  209 

W,  Wicke:   über  die  Phosphat-Knollen   in   dem  Eisenerze   von  Gross- 
Bülten  und  Adenstedt   210 

M.  Graff:  über  die  Kupfergruben  von  L'Alp   211 

B.  Silliman:  über  den  Gaylussit  im  Nevada-Gebiete   211 

C.  Naumann:  Lehrbuch  der  Geognosie.    III.  Bd.,  1.  Lief.    (2.  Aufl.)   .  212 
Kleinschmidt:  die  Braunkohlen-Formation  des  Westerwaldes    .    .    .    .  213 
Th.  Scheerer  :  über  das  Vorkommen  des  Silbers  zu  Kongsberg    .    .    .  215 
E.  Weiss:  „Beiträge  zur  Kenntniss  der  Feldspath-Bildun?  und  Anwen- 
dung auf  die  Entstehung  von   Ouarztrachyt   und  Ouarzporphyr." 
Haarlem,  1866   ^   216 

Delesse  und  Laugel:  ,,Revue  de  Geologie  pour  les  annees  1862  et  1863"  221 


V  ^^^^  ' 

Seite  ' 

Edm.  Fuchs:  „i}Je'moh'e  sur  le  gisenient  salin  de  Stassfurt-Anhalt'^^  .  221  i 
H.  V.  Dkchen  :   Geologische  Übersichtskarte   der  Rheinprovinz  und  der  j 

Provinz  Westphalen   222  ' 

C.  Naumann:  Geognostische  Karte  des  Erzgebirgischen  Bassins  im  Kö-  I 

nigreiche  Sachsen   225  , 

G.  Stäche:  Geologisches  Landschaftsbild  von  Siebenbürgen     ....    226  ; 

E.  V.  SoMMARUGA  :  Chemische  Studien  über  die  Gesteine  der  ungarisch- 

siebenbürgischen  Trachyt-  und  Basalt-Gebirge  230 

B.  V.  Cotta:  „über  das  Entwickelungsgesetz  der  Erde"   230  | 

Peron:  über  die  Geologie  der  Umgebungen  von  Anmale  in  Algerien  232 
L.  Lartet:   Untersuchungen  über  die  Veränderlichkeit  des  Salzgehaltes 
des  todten  Meeres  an  verschiedenen  Stellen  der  Oberfläche  und  in 
verschiedenen  Tiefen,   sow^ie  über  den  wahrscheinlichen  Ursprung 
der  darin  befindlichen  Salze   233  j 

F.  V.  HocHsTETTER :  Beiträge  zur  (leologie  und  physilsalischen  Geogra-  I 

phie  der  Nikobar-Inseln   234  | 

Selwyn  :  über  Gold  führende  Drift  und  Quarzriffe  von  Victoria  .  .  .  235  i 
L.  Fischer:  das  mineralogisch-geologische  Museum  der  Universität  Frei-  ' 

bürg  236 

Beete-Jükes:  Kohlenschiefer  und  alter  rother  Sandstein  des  s.  Irland  und 

n.  Devonshire  236 

ScARABELLi,  GoMMi,  Flamini:  „sulla  probabilita  che  il  sollevamento  delle 

Alpi  Stasi  effetuato  sopra  iina  litiea  ctirva   238 

A    Stelzner:  über  Gesteine  von  Capverden  367 

Alb.  Müller:  weitere  Beobachtungen  über  die  krystallinischen  Gesteine 

des  Maderaner-.  Etzli-  und  Fellithales  368 

Th,  Petersen:  Analyse  des  Dolomits  aus  dem  Binnenthal  371 

S.  Haughton  :  Analyse  eines  Basalt  von  Neuseeland  371 

W.  V.  Haidinger:  der  Meteorsteinfall  am  9.  Juni  1866  bei  Knyahinya  .  371 

Delesse:  Carte  geologique  du  departement  de  la  Seine  372 

Geognostische  Karte  der  Niederlande   ...   373 

Th   Kjerulf:  Geologisk  Kart  over  Christiania  Omegn  373 

Th.  Kji:rülf  und  Tellef  Dahll:  Geologische  Karte  des  südlichen  Nor- 
wegen  374 

Th.  Kjürulf:  Olivinfels  in  Norwegen  480 

Th.  Scheerer:  über  die  chemische  Constitution  der  Plutonite      .    .    .  480 
A.  Fellner:   chemische  Untersuchung  einiger  böhmischer  und  ungari- 
scher Diabase  484 

S.  Haughton:  Analyse  einer  Lava  von  Neuseeland  484 

G.  Tschermak  :  Quarzporphyrit  aus  den)  Val  San  Pelegrino  485 

K.  V.  Fritsch,  W.  Reiss  und  A.  Stübel:  „Santorin.    Die  Kaimeni-lnseln." 

Heidelberg,  1867    485 

J.  Fikenscher  :   Untersuchung  der  metamorphischen  Gesteine  der  Lun- 

zenauer  Schieferhalbinsel  486 

Die  Fortschritte  der  berg-  und  hüttenmännischen  Wissenschaften  in  den 

letzten  hundert  Jahren,    Freiberg,  1867    489 

R.  Harknkss:   über  die  metamorphischen  und  fossilhaltigen  Gesteine  in 

der  Gegend  von  Galway  491 

Dawson:  Bemerkungen  über  Bohrlöcher  von  Würmern  in  der  Lauren- 

tiangruppe  von  Canada  491 

F.  Stoliczka:  Übersicht  der  geologischen  Beobachtungen  während  eines 

Besuches  verschiedener  Provinzen  im  w.  Tibet  492 

W.  Keene:  über  australische  Kännelkohle  und  Clarkb:  über  das  Vor- 
kommen und  die  geologische  Stellung  der  Öl  führenden  Ablage- 
rungen in  Neu-Süd-Wales  492 


XV 


Seite 

Binney:  über  die  obere  Sleinkohlenformation  in  England  und  Schott- 
land  .493 

Browell  lind  Kirkby:  über  die  chemische  Zusammensetzung  verschie- 
dener Schichten  des  Zechsteins  und  des  damit  verbundenen  rothen 
Sandsteins  494 

A.  Fellner:   Untersuchung  des  Miascits   von   Ditropatak   bei  Ditro  in 

Ostsiebenbürgen  613 

G.  TsCHERMAK  :  Quarzführcnde  Plagioklas-CJesteine  615 

Herm.  Müller:  Geognostische  Verhähoisse  und  Geschichte  des  Bergbaues 
der  Gegenil  von  Schmiedebf^rg.  Niederpöl)el,  Wanndorf  und  Sadis- 
dorf in  dem  Altenberger  Bergamtsrevier  616 

B.  Tlrley  :   der  Ziukbergbau  der  Altenberger  Gesellschaft  bei  Amme- 

berg  in  Schweden  619 

L.  Agassiz  :  Glaciaf  Phenomena  in  Maine  621 

S.  A.  Sexe:  Ti-aces  d  une  e'poque  (jluciaire  dans  les  enuirons  du  fjord 

de  Hardanger    621 

J  F.  Walker:  über  eine  phosphatische  Ablagerung  im  unteren  Grün- 
sande von  Bedfordshire  622 

J.  W.  Holland:  Benierktingen  über  die  Geologie  von  Sinai     ....  622 

C.  H.  Hitchcock:  über  Petroleum  in  Amerika  623 

L.  Lartet  :  über  die  bituminösen  Schichten  von  .ludäa  und  Coelesyrien 

und  über  das  Auftreten  des  Asphaltes  in  der  Mitte  der  Gewässer 

des  todten  Meeres  626 

J.  Fournet:  über  die  Lauerstatten  des  Schu  efelmolybdän,  insbesondere 

bei  Pelvoux  626 

L.  SmoNiN :  la  vie  souterraine  ou  les  mines  et  les  mineurs     .    .    .  626 
Malowsky:  geologische  Skizze  der  Beskydcn    .........  628 

L,  Dressel  :    die  Basaltbildung  in  ihren  einzelnen  Umständen  erläutert. 

Haarlem,  1866   726 

J.  Lemberg:  die  Gebirgsarten  der  Insel  Hochland  chenilsch-geognostisch 

untersucht   729 

A.  Kublherg:   die  Insel  Pargas  (Ahlön),   chemisch-geognostisch  unter- 

sucht 731 

K.  Haushofer:  glaukonitischer  Kalkstein  von  Würzburg  735 

J.  Lommel:   geologis(;h-paläontologische  Sanmilung  von  1000  Stücken, 

herausgegeben  von  dem  Heidelberger  Mineralien-Comptoir.  5.  Aufl.  735 
Wartha:  chemische  Untersuchung  einiger  Gesteine,  fossilen  Holzes  und 

Kohlen  aus  der  arktischen  Zone   736 

Academie  der  Wissenschalten  in  Californien  743 

G.  DE  S  .PORTA :   über  die  Temperatur  der  geologischen  Perioden,  nach 

den  durch  Beobachtung  fossiler  Pflanzen  gewonnenen  Erfahrungen  744 
G.  Laube:  der  Torf  744 

B.  Roha:   der  Kohlen-   und  Eisenwerks-Complex  Anina-Steierdorf  im 

Banat  744 

A.  Reuss  :  die  Gegend  zwischen  Kommotau  ,   Saaz ,  Raudnitz  und  Te- 

tschen  in  ihren  geognostischen  Verhältnissen  geschildert      .    .    .  744 
Zweiter  Jahresbericht   über  die  Wirksamkeit  der  beiden  Comite's  für 
die  naturwissenschaftliche  Durchforschung  von  Böhmen  im  J  1865 

und  1866    745 

F.  Zirkel:  Beiträge  zur  geologischen  Kennlniss  der  Pyrenäen     .    .    .  746 
Hawkshaw  :   geologische  Beschreibung  des  ersten  Katarakts  in  Ober- 
egypten  748 

Fr.  V.  Haoer:  geologische  Übersichtskarle  der  österreichischen  Monar- 
chie 749 

Ad.  Pichler  :  zur  Geognosie  der  Alpen  750 


XVI 


Seite 

Dklesse  et  DE  Lapparent:   ^^Revue  de  Geologie  pour  les  annees  1864 


et  1865"   .  751 

A.  Gentill:  Gletscher-Ablagerungen  bei  Vergiate  752 

T.  Bkrtblli:  Electrische  Versuche  an  den  Schwefelquellen  von  Fornovo 

in  Parma  752 

G.  Rose:  über  die  Gabbro-Formation  von  Neurode  in  Schlesien  .    .    .  862 

Th.  Wolf:  die  Ausw^ürflinge  des  Laacher  See's  864 

Ad.  Obor:sy:   die  geognoslischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Na- 

miest  866 

L.  J.  Igelström:   über  bituminöse  Schichten  von  Gneiss  nnd  Glimmer- 
schiefer in  Wermland  867 

M.  H.  Close  :  Karte  der  allgemeinen  Eisbedeckung  von  Irland     .    .    .  867 

G.  DE  Saporta:  über  die  Temperatur   der  geologischen  Perioden,  nach 

den  Beobachtungen  an  fossilen  Pflanzen  867 

J.  Wkisbach:   die  mit  der  mitteleuropäischen  Gradmessung  verbundenen 

nivellitischen  Höhenbestimmungen  im  Königreiche  Sachsen.  Dresden, 

1867    867 

M.  Lörr:  die  Porphyre  der  Umgegend  von  Altenburg  ....  .  868 
0.  Schneider:  Geognostische  Beschreibung  des  Löbauer  Berges  .  .  .  868 
Em.  Stöhk  :    Ii  vulcano    Tenggher  della  Giava   Orientale.  Modena, 

1867   •  869 

E.  Stöhr:  schiarimenti  intorno  alla  carta  delle  salse  e  delle  localitä 

oleifere  di  Monte  Gibio.    Modena,  1867    870 

C.  Paläontologie. 

J.  D.  Dana:  über  Cephalisalion   120 

J.  D.  Dana:  über  den  Ursprung  des  Lebens   ...  121 

King  und  Rovvney:  über  das  sog.  So'50o«-Gestein    122 

H.  Burmrister:   einige  Bemerkungen   über  die  im  Museum  zu  Buenos 

Aires  befindlichen  tityptodon-   123 

C.  Giebel:  Taxodon  Bnrmeisteri  n.  sp.  von  Buenos  Aires  .  ...  124 
C.  Giebel:  die  im  zoologischen  Museum  der  Universität  Halle  aufge- 
stellten Säugethicre   124 

R   Kner:  die  Fische  der  bituminösen  Schiefer  von  Railjl  in  Käriithen  124 

R.  Kner  :  die  fossilen  Fische  der  Asphalt-Schiefer  von  Scefeld  in  Tirol  125 

YouNG:  über  Platysomns   126 

Pictet  et  Humbert:   „Nouvelles   recherches  sur  les  poissons  fossiles 

du  Moni  Lihan''   238 

A.  Sadrbeck  :  ein  Beitrag  zur  Kenntniss  des  baltischen  Jura   ....  242 

G.  Laube:  die  Gasteropoden  des  braunen  Jura  von  Baiin   242 

G.  Laube:  die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  III,  1  ....  242 
Pereira  da  Costa:  Motice  sur  les  squelles  hnniaifis  de'couverts  au  Ca- 

beco  dWrruda   243 

Jones  und  Holl:  über  paläozoische  Entomostraceen:  VI.  silurische  Spe- 

cies     244 

Geinitz  und  Liebe:  über  ein  Äquivalent  der  takonischen  Schiefer  Nord- 

Amerika's  in  Deutschland  und  dessen  geologische  Stellung  .  ,  .  244 
E.  Süss:   Bedeutung  der  sog.   bracUischen  Stufe   oder  der  Cerithien- 

Schichten   245 

Carruthrrs:  über  einige  fossile  Coniferen  Früchte   247 

Corxuel:  Beschreibung  von  P/«?/.S'-Zapfen  ans  limnischen  Schichten  der 

Neocom-Etage  des  Pariser  Beckens   249 

C.  Andrae:  vorvveltliche  Pflanzen  aus  dem  Steinkohlen-(iebirge  der  preus- 

sischen  Rheinlande  und  Westphalens   249 


XVII 


Seite 

Ed.  Lartf.t  :  zwei  neue  fossile  Sirenen  aus  dem  Terliärbecken  der  Ga- 

ronnc   249 

IIiLGENDORF :  IHafiorbis  multiformis  im  Steinheimer  Siisswasserkalk  .  250 
Nicholson:  einige  Fossilien  aus  den  Graptolithenschiefern  von  Dumfries- 

shire   251 

Whitney:  Geologien/  survey  of  California.    Palaeontology.    II.     .    .  251 

Berendt:  marine  Diluvial-Fauna  in  West-Preussen   252 

Barbüt  de  Marny:  über  die  jüngeren  Ablagerungen  des  südlichen  Russ- 
land   252 

Lechmere  Güppy:  über  die  tertiären  IVIoliusken  von  Jaraaica     ....  253 
Fr.  M'Coy:  über  die  Australischen  tertiären  Arten  von  Trigonia     .    ,  255 
L.  RüTiMEYER;  Beiträge  zu  einer  paläontologischen  Geschichte  der  Wie- 
derkäuer, zunächst  an  Linne's  genus  Bos   377 

L.  Rütimeyer:  über  Art  und  Ra<;e  des  zahmen  europäischen  Rindes     .  380 

G.  Egerton  :  über  eine  neue  Art  Aeanthodes  aus  dem  Kohlenschiefer 

von  Langton     382 

H.  Woodward:  über  mehrere  fossile  britische  Crustaceen  (mit  4  Holzschn.)  383 
J.  W.  Kirkby:   über  die  Fossilien  des  marl-slate  und  unteren  Zech- 
steins in  Durham   383 

BoYD  Dawkins:  über  die  fossilen  britischen  Ochsen    495 

Brandt:  Zoogeographische  und  paläontologische  Beiträge   495 

Beiträge  zur  Urgeschichte  der  Menschheit   497 

E.  Desor:  „über  die  Dolmen,  deren  Verbreitung  und  Deutung"  .  .  .  498 
J.  F.  Brandt:  Nochmaliger  Nachweis  der  Vertilgung  der  nordischen  oder 

STELLER'schen  Seekuh  [Rhytina  borealis)   498 

E.  W.  Benecke:  Geognostisch-paläontologische  Beiträge   499 

T.  C.  Winkler;  Musee  Teijler.    Harlem,  1866    500 

F   V.  Hochstetter:  Neue  Funde  von  iMoaresten  und  eines  riesigen  Wall- 

fisch-Skelettes  auf  Neu  Seeland   500 

0.  Heer:  über  die  Fölarländer.    Zürich,  1867    501 

C.  V.  Ettingshausen:  die  fossile  Flora  des  Tertiärbeckens  von  Bilin  .  502 
Ed.  Suess:  fossile  Wirbellhiere  bei  Eibiswald  in  Steiermark  ....  503 
Fr.  M'Coy:  über  einige  neue  Arten  fossiler  Voluten  aus  den  Tertiär- 
schichten von  Melbourne   503 

R.  Owen:  über  den  oberen  Schneidezahn  von  Nototherium  Mitchelli  503 

Owen;  über  Kiefer  und  Kieferzähne  von  Cochliodonten    503 

Th.  H.  Hlxley:  über  Aeaiithopholis  horridiis,  ein  neues  Reptil  aus  dem 

Kreidemergel   504 

J.  YouNG :   Notiz  über  neue  Gattungen  der  carbonischen  Glyptodipte- 

rinen   504 

W.  C.  WiLLiAMSoN :  über  eine  Chiiwtherium-Fährle  aus  dein  Keuper- 

sandstein  von  Daresbury  in  Cheshire   504 

Kner:  über  Xenacant litis  Declieni   505 

H.  Woodward:  über  einige  Puncte  in  der  Structur  der  Xiphosuren  und 

ihre  Verwandtschaft  mit  den  Eurypteriden   505 

R.  Richter:  Aus  dem  Thüringischen  Schiefergebirge   506 

A.  E.  Rbuss  und  G.  C.  Laube:  die  Versteinerungen  des  braunen  Jura 

von  Baiin  bei  Krakau   507 

0.  Speyer:    die   oberoligocänen  Tertiär-Gebilde  und  deren  Fauna  im 

Fürstenthume  Lippe-Detmold.    Cassel,  1866    508 

F.  L.  CoRNET  et  A.  Briart:  Notice  sur  l  extension  du  calcaire  grossier 

de  Möns  dans  la  valle'e  de  la  Haine   509 

C.  W.  Gümbel:  über  neue  Fundstellen  yon  Gosauschichten  und  Vilser- 
Kalk  bei  Reichenhall   510 

Ehrbnberg  :    Ein   Beitrag  und  Versuche    zur  weiteren  Kenntniss  der 


XVIII 


Seite 

Wachsthums-Bedingungen  der  organischen,  kieselerdehaltigen  Ge- 
bilde  510 

N.  Barbot  de  Mabny:  Bericht  über  eine  Reise,  ausgeführt  1865  in  Ga- 

lizien,  Volhynien  und  Podolien  630 

H.  Eck:  Conchylien  im  mittleren  Muschelkalke  bei  Rüdersdorf  .  .  .  632 
F.  RoEMER :  Geognostische  Beobachtungen  im  Polnischen  Mittelgebirge  632 

F.  Roemkr:  über  das  Vorkommen  mariner  Conchylien  in  dem  oberschle- 

sisch-polnischen  Steinkohlen-Gebirge     ....   633 

C.  Grewingk  :  über  Hoplocrinus  dipentas  und  Baerocrinus  Ungeri  .  633 
J.  Marco ü :  die  Kreideformation  in  den  Umgebungen  von  Sioux-City,  der 

Mission  von  Omahas  und  Tekama,  an  den)  Ufer  des  Missouri  .  .  634 
A.  E.  Rkuss:  fossile  Korallen  von  der  Insel  Java   634 

G.  DB  Saporta  :   über  eine  Sammlung  fossiler  Pflanzen  aus  der  oberen 

Kreide  von  Haldern  in  Westphalen  635 

W.  Bölsche:  die  Korallen  des  norddeutschen  Jura-  und  Kreide-Gebirges  635 
Giov.  Canestrini:  Oggetti  trovati  nelle  terramare  det  Modenese    .    .  636 

Origine  del  uomo  638 

F.  Foetteble:  die  Braunkohlen-Ablagerungen  im  Eger-Bassin  in  Böh- 
men  \  752 

J.  Barrandb:  yyiysteme  silurien  du  centre  de  la  Bohemp^^  .    .    .    .  753 

R.  Richter:  aus  dem  thüringischen  Zechstein  757 

Bigsby:  ein  kurzer  Bericht  über  den  Thesaurus  siluricus  ....  757 
Meek  und  Worthew:  Beiträge  zur  Paläontologie  von  Illinois  und  anderer 

westlicher  Staaten  760 

Meek:  Bemerkungen  über  die  Verwandtschaften  der  B eller ophontidae  761 
White  und  Si.  John:  vorläufige  Notiz  über  neue  Gattungen  und  Arten 

von  Fossilien      .    .  761 

Huxley:  über  ein  neues  Exemplar  des  felerpeton  Elginense      .        .  761 
Reuss  :   über  einige  Crustaceen  -  Reste  aus  der  alpinen  Trias  Öster- 
reichs  762 

Meek  und  Worthen  :  über  einige  neue  Typen  organischer  Reste  aus  den 

Kohlen-Gebilden  von  Illinois  763 

Mayr  :  vorläufige  Studien  über  die  Radoboj-Formiciden  763 

Stur:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Flora,  der  Süsswasserquarze,  der  Con- 

gerien-  und  Cerithien-Schichten  im  Wiener  und  ungarischen  Becken  763 
Reuss:   die  fossile  Fauna  der  Steinsalz-Ablagerung  von  Wieliczka  in 

Galizien   .  764 

Reuss:  über  einige  Bryozoen  aus  dem  deutschen  Unteroligocän       .    .  765 
Rütimeyer:   Versuch  einer  natürlichen  Geschichte  des  Rindes  in  seinen 
Beziehungen   zu  den  Wiederkäuern  im  Allgemeinen.    Eine  anato- 
misch-paläonlologische  Monographie  von  Linne's  Genus  i'os     ,    .  765 
Lang  und  Rütimeyer:  die  fossilen  Schildkröten  von  Solothurn  ....  766 

Paläontologische  Mittheilungen  aus  Russland  766 

C.  Marinoni:  der  erste  paläontologische  Congress  zu  Neufchatel  1866  767 

Ang.  CoiNTi:  neue  fossile  Pteropoden  vom  Monte  Mario  768 

0.  Fraas:  die  neuesten  Erfunde  an  der  Schussenquelle  bei  Schussen- 
ried  im  September  1866,  und :  Beiträge  zur  Culturgeschichte  des 
Menschen  während  der  Eiszeit  871 

H.  A.  Nicholson  :  über  einige  Fossilien  der  unteren  Silurformation  des 

südlichen  Schottlands  873 

H.  A.  Nicholson:  über  eine  neue  Gattung  der  Graptolithen  mit  Bemer- 
kungen über  reproductive  Organe  874 

E.  Ray  Lankester:  über  Didymaspis,  eine  neue  Gattung  Cephalaspis- 

artiger  Fische  874 

J.  W.  KiRKBY  und  J.  Young:  über  Reste  von  Chiton  und  Chilonellus 


XIX 


Seite 


aus  carbonischen   Schichten  von  Yorkshire  und  dem  westlichen 

Schottland  874 

J.  W.  Dawson:  über  einige  Überreste  paläozoischer  Insecten  aus  Neu- 

Schottland  und  Neu-Braunschweig     ...   374 

J.  W.  KiRKBY :  über  Insectenreste   aus  der  Steinkohlenfovmation  von 

Durham  875 

S.  H.  Scudder:  Untersuchung  über  die  zoologische  "Verwandtschaft  der 

ersten  Spuren  fossiler  Neuropteren  in  Nord-America  875 

T.  C  Winkler:  Muse'e  Tei/ler  6.  livr.    Haarlem,  1867    875 

F.  DU  Bois  DE  MoNTPEREUx:  CoHchiologie  fossile  et  Apercu  ge'ologique 

des  formations  du  Vlateau  Wol/tini-PodoHen  876 

W.  Carruthbrs:  über  C'ycadoides  Yatesi  876 

Miscellen. 

Brief  von  SxoLiczKa  —  die  geologische  Reichsanstalt  in  Wien     .    .    .  127 

Schenkungen  und  Stiftungen  für  wissenschaftliche  Zwecke  ....  255 
Kohleninduslrie  in  dem  Zwickau-Chemnitzer  Steinkohlenbassin  im  Jahr 

1865    639 

Wiederbeginn  des  Kanimerberger  Steinkohlenbergbaues   639 

Geologische  Gesellschaft  zu  Florenz  1867    768 

Nekrologe. 

A.  Th.  Ponson  —  Ch.  Maclarrn  —  W.  Hopkins   128 

H.  A.  Whyat-Edgkll  —  A.  Bryson  —  Casiano  di  Prado  -    Fr.  Foot 

—  J.  Smith  —  G.  Feathbrstonaugh  Eude-Deslongchamps  .  .  256 
Alberto  Cav.  Parolini.  —   Adolph  v.  Mohlot.  —   Erzherzog  Stephan. 

—  e.  a.  kossmässler   511 

Joseph  Micksch   640 

J.  L.  H,  MicHRLiN   768 

Faraday,  von  Breda,  Zinkeisen,  William  John  Hamilton   876 

Versammlungen. 

Internationaler  Congress  für  Anthropologie  und  vorhistorische  Archäolo- 
gie in  Paris  im  Aug.  1867    384 

der  British  Association  zu  Dundec  am  4.  Sept.  1867    640 

der  deutschen  Naturforscher  und  Ärzte  z,n  Frankfurt  a.  M.  vom  18.  bis 

24.  September  1867    640 

Mineralien  -  Handel 

Mineralien-Sammlung  zu  verkaufen  256 

J.  Messikomer  in  Wetzikon  (Zürich)  bietet  Gegenstände  aus  den  Pfahl- 
bauten an  384 

Thomas  Dickert  empfiehlt:  Relief-Modelle  interessanter  Gebirge  mit  geo- 

gnostischer  Illumination  512 


Beri  ch  ti  gungen. 

S.  546  Z.  '2  T.  0.  lies  „zoologischen"  statt  geologischen. 
551  Z.  1  V.  u.  lies  „abgeschlillen"  statt  ahgeschlosson. 
702  Z.  9  V.  u.    „    „devonischen"     „  senonischen. 


Carbonformatioii  und  Dyas  in  Nebraska 

von 

Dr.  H.  B.  Heinitz. 


In  einer  monographischer]^  Arbeit,  welche  den  oben  stehen- 
den Titel  trägt  und  mit  5  Tafeln  Abbildungen  versehen  ist,  habe 
ich  das  Resultat  meiner  Untersuchungen  über  die  von  Professor 
Jules  Marcou  im  Sommer  1863  in  der  Carbonformation  und  der 
Dyas  von  Nebraska  gesammelten  Versteinerungen  niedergelegt, 
die  mir  in  freundlichster  Weise  von  ihm  und  von  Professor  L, 
Agassiz,  Director  des  berühmten  Museums  für  vergleichende  Zoo- 
logie in  Cambridge,  Mass.,  zu  diesem  Behufe  anvertrauet  wo^den 
waren.  Diese  Arbeit  ist  unter  dem  10.  Sept.  1866  bei  der  K. 
Leopoldinisch-Carolinischen  Academie  eingereicht  worden  und  soll 
demnächst  in  dem  33.  Bande  ihrer  Acten  veröffentlicht  werden. 
Nachdem  die  geehrten  Leser  des  Jahrbuchs  schon  einen  hierauf 
bezüglichen  Brief  des  Professor  Marcou  (Jb.  1863,  51),  sowie 
eine  Notiz  über  seine  im  Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France, 
2.  ser.,  t.  XXI,  p.  132 — 146,  niedergelegte  Abhandlung:  i^une 
reconnaissance  geologique  au  Nebraska^'^  und  die  Entgegnung 
derselben  durch  F,  B.  Meek  (Silliman  et  Dana,  American  Jour- 
nal, 2  ser..  Vol.  39,  p.  157 — 172)  kennen  gelernt  haben  (Jb. 
1865j  498),  wollen  wir  nicht  unterlassen,  wenigstens  die  Schluss- 
folgerungen, die  sich  aus  unseren  Untersuchungen  ergeben  haben, 
hier  zusammenzufassen. 

1)  Unter  33  von  Plattes mouth  in  Nebraska  unterschiede- 
nen Arten  sind ,  mit  Hinzurechnung  der  als  Gattung  leitenden 
Phillipsia,  30  Arten  schon  in  der  Carbonformation  (Kohlen- 

Jahrtuch  1867.  j 


I 


2 

kalk  und  Culm,  sowie  höheren  Schichten  der  eigentlichen  Stein-  I 
kohlenformation)  Europas,  Indiens  oder  Amerika's  bekannt  ge-  , 
wesen,  unter  welchen  Stenopora  columnaris  Schloth.  sp.  gleich-  I 
zeitig  in  den  marinen  Schichten  der  Dyas  (oder  der  Zechstein-  \ 
formation)  auftritt. 

Zwei  andere  Arten,  Solemya  biarmica  de  Vern.  und  Stro- 
phalosia  horrescens  de  Vern.  sp.,  welche  bei  Plattesmouth  vor- 
kommen, haben  in  Europa  bisher  für  die  Schichten  der  Dyas 
(oder  permischen  Formation)  als  charakteristisch  gegolten;  in-  I 
dessen  ist  zwischen  Solemya  biarmica  de  Vern.  aus  diesen  Ge-  j 
bilden  und  Solemya  primaeva  WCox  aus  dem  Kohlenkalke  von  | 
Irland  nur  schwer  eine  Verschiedenheit  herauszufinden.    Ebenso  ^ 
scheint  es  bei  der  nahen  Verwandtschaft  zwischen  Strophalosia  < 
horrescens  und  einigen  Productus-Kv\idn  ^   dass  auch  diese  Art, 
wie  in  Amerika,  so  auch  in  Europa  schon  in  der  Steinkohlenzeit 
existirt  habe.    Eine  unter  jenen  33  Arten  befindliche  Koralle, 
die  als  Cyathaxonia  sp.  aufgeführt  worden  ist,  kann  wegen  un- 
genügender Bestimmung  nicht  entscheidend  seyn,  hat  jedoch  unter 
den  Arten  der  Carbonformation  ihre  nächsten  Verwandten.  i 

Nach  allem  Diesem  scheint  es  vollkommen  gerechtfertiget  zu  | 
sein ,   die  aus  den  Schichten  von  Plattesmouth  in  Nebraska  be- 
schriebene Fauna  als  carbonisch  zu  bezeichnen.    Ihr  geologi- 
scher Horizont  darf  dem  Fusulinenkalke  Russlands  und  Spaniens 
oder  der  oberen  Abiheilung  des  Kohlenkalkes  gleichgestellt  werden.  ' 

Nach  Marcou's  Erörterungen  der  dortigen  Lagerungsverhalt-  j 
nisse  würden  aber  die  nördlich  von  der  Mündung  des  Platte- 
River  bei  Bellevue  u.  a.  0.  in  Nebraska  auftretenden  Schichten  . 
des  Kohlenkalkes  einen  tieferen  Horizont  im  Gebiete  des  Kohlen-  ! 
kalkes  einnehmen. 

Da  die  60  Fuss  mächtige  Kalksteinpartie  bei  Rock  Bluff, 
8  Meilen  südlich  von  Plattesmouth ,  sich  im  Hangenden  der  Fu- 
sulinenkalke von  Plattesmouth  entwickelt  hat,  so  wird  man  sie 
wohl  unbedenklich  als  den  marinen  Vertreter  der  oberen  oder 
productiven  Steinkohlenformation  betrachten  können.  Das 
einzige  uns  von  dort  bekannt  gewordene  Fossil ,  Murchisonia 
Marcoviana  n.  sp.  ge\vährt  als  neue  Art  keinen  Anhaltepunct, 
da  sie  ebensowohl  der  carbonischen  3L  angulaia  Phill.  sp.  als 
der  dyadischen  M.  subangulata  de  Vern.  verwandt  ist. 


3 


2)  Von  jenen  33  bei  Plattesmouth  unterschiedenen  Arten 
steigen  13  Arten  in  die  höher  liegenden  Schichten  hinauf,  indem 
11  derselben  auch  in  der  Etage  B  von  Nebraska-City,  Vyoming 
oder  Morton  und  13  noch  in  der  Etage  C  bei  Nebraska- City 
nachgewiesen  wurden.  Einige  derselben ,  wie  namentlich  ein 
Fragment  des  Productus  semireticulatus .  mögen  allerdings  sich 
hier  auf  secundärer  Lagerstatte  befinden  und  aus  tieferen  Schich- 
ten in  die  letztere  eingeschwemmt  worden  seyn.  — 

Unter  67  bei  Nebraska- City  gefundenen  Arten  fallen  3 
in  die  Etage  A,  6  in  die  Etage  B,  63  in  die  Etage  C  und  1  in 
die  oberste  Etage  D. 

Von  diesen  63  Arten  der  Etage  C  gehören  41  ihr  ausschliess- 
lich an,  wahrend  15  Arten  auch  in  der  bei  Nebraska-City,  Mor- 
ton, 4  Meilen  W.  von  Nebraska-City,  Bennett's  Mill,  3  Meilen 
NW.  von  Nebraska-City,  und  Vyoming,  7  Meilen  N.  von  Ne- 
braska-City entwickelten  Etage  B  auftreten,  2  Arten  sich  schon 
in  Etage  A  bei  Nebraska-City  und  13  Arten  auch  in  den  alteren, 
der  unteren  Carbonformation  zugerechneten  Schichten  von  Belie- 
vue,  Plattesmouth,  Rock  Bluff  u.  s.  w.  gefunden  haben. 

Diese  Zahlen  beurkunden  eine  neue,  im  Allgemeinen  von 
der  der  Carbonformation  verschiedene  Thierwelt,  welche  jener 
der  Dyas  vollkommen  entspricht. 

Die  Reihe  der  neu  ausgeprägten  Arten  beginnt  in  Etage  A 
mit  Schizodus  Rossicus  de  Vern.  ,  einer  für  die  Dyas  oder  per- 
mische Formation  in  Russland  typischen  Art,  welche  von  Pro- 
ductus Koninckianus  de  Vebn.  begleitet  wird ,  einer  dem  Pro- 
ductus Cancrini  de  Vern.  in  derselben  Gebirgsformation  am  aller- 
nächsten verwandten  Form.  Die  dritte  Art,  Chonetes  mucronata 
Meek  et  Hayden,  ist  aus  den  älteren  Schichten  in  die  jüngeren 
unverändert  übergegangen.  — 

Die  in  Etage  B  nachgewiesenen  Versteinerungen  sind  theil- 
weise  neu,  wie  Macrocheüus  HalUanus  Gein.,  Astarte  Mortonensis 
Gein.:  theilweise  sind  sie  aus  älteren  Schichten  herübergegangen, 
wie  Bellerophon  carbonarius  Cox,  Allorisma  subcuneata  M.  et 
H.,  Athyris  subtilita  Hall,  Spirifer  cameratus  Morton,  Orthis 
(StreptorhynchusJ  crenistria  PmLL.,  Strophalosia  horrescens  de 
Vern.,  Productus  semireticulatus  Mart.,  Pr.  Koninckianus  de  Vern., 
Pr.  punctatus  Mart.,  Chonetes  mucronata  M.  et  H.,  Actinocrinus 

1 


4 


sp.,  Stenopora  columnaris  Schl.  sp.  und  Polypora  marginata 
M^Coy:  Iheilweise  sind  es  ausgezeichnete  dyadische  oder  per- 
nriische  Formen,  wie:  Schizodus  Rossicus  deYer^.^  Area  striata 
Schl.,  Nucula  Beyrichi  v.  Schaur.  ,  Clidophorus  Pallasi  de  Vern. 
sp.,  Camarophoria  globulina  Phill.  sp.,  Strophalosia  horrescens 
DE  Vern.  sp.,  Productus  horridus  Sow.,  Stenopora  columnaris 
Sohl,  sp.,  Polypora  biarmica  v.  Keys,  und  Acanthocladia  Äme- 
ricana  Swallow. 

Von  besonderem  Interesse  ist  hier  der  erste  Nachweis  des 
Productus  horridus  in  Amerika,  dieser  im  deutschen  und  eng- 
lischen Zechsteine  ausserordentlich  häufigen  Art,  die  man  auch 
in  Polen  und  auf  Spitzbergen ,  noch  nicht  aber  in  Russland  an- 
getroffen hat. 

Jene  63  Arten  der  Etage  C  bei  Nebraska-City  enthalten, 
ausser  21  neuaufgestellten  Arten,  22  Arten,  welche  für  die  Zech- 
steinformation von  Europa  und  theilweise  von  Kansas  bezeich- 
nend sind,  während  eine  andere  Art,  Guilielmites  permianus  Gein. 
eine  Leitpflanze  für  das  untere  Rothliegende  (oder  die  untere 
Dyas)  in  Deutschland  ist.  Wir  erblicken  unter  denselben:  *  Cy- 
there  Cyclas  v.  Keys.,  Serpula  Planorbites  MtiN.  sp.,  *  Ällorisma 
elegans  Kg.,  *  Solemya  biarmica  de  Vern.,  Schizodus  truncatus 
Kg.,  *  Sch,  Rossicus  de  Vern.,  Sch.  obscurus  Sow.,  *  Nucula  Ka- 
zanensis  de  Vern.,  N.  Beyrichi  v.  Schaur.,  *  Clidophorus  Pallasi 
de  Vern.  sp.,  Äucella  Hausmanni  Goldf.  sp.,  Amcula  (Monotis) 
speluncaria  Schl.  sp.,  Ävicula  pinnaeformis  Gein.,  Camarophoria 
globulina  Phill,  sp.,  *  Strophalosia  horrescens  de  Vern.  sp,, 
*  Productus  Cancrini  de  Vern.,  *  Stenopora  columnaris  Schl. 
sp. ,  *  Polypora  biarmica  v.  Keys,  und  Synocladia  virgulacea 
Phill.  sp. 

Sämmtliche  10  mit  einem  *  ausgezeichneten  Arten  sind,  mit 
Ausnahme  von  Stenopora  columnaris,  die  jedoch  dort  sehr  ge- 
wöhnlich ist,  zuerst  in  den  permischen  Schichten  von  Russland 
entdeckt  und  mit  nur  wenigen  Ausnahmen  auch  in  dem  Zech- 
steine Deutschlands  und  Englands  nachgewiesen  worden. 

Eine  weit  kleinere  Anzahl  von  Versteinerungen  dieser  Etage 
(12  Arten)  stimmt  mit  bekannten  Arten  der  Carbonformation  aus 
Europa,  Indien,  Neu-Holland  oder  Amerika  überein,  als:  *  Bei-, 
lerophon  interlineatus  Portl.,  Rhynchonella  angulata  L.,  Athyris 


5 


suhtilita  Hall,  *  Spirifer  cameratus  Mort.,  Sp.  laminosus  McCoy, 

*  Orthis  crenistria  Phill.  sp.,  der  wahrscheinlich  eingeschwemmte 

*  Productus  semireticulatus  Marx,  sp.,  *  Pr.  Flemingi  Sow.,  Pr. 
Orbignyanus  de  Kon.,  die  schon  mehrfach  genannte  Stenopora 
columnaris  Schl.  sp.,  *  Fenestella  elegantissima  Eichw.  und  Po- 
lypora  marginata  M'Coy;  zehn  andere  Arten,  welche  der  Etage 
C  zukommen,  wurd(^n  aus  der  Steinkohlenformation  Nordamerika's 
beschrieben,  wie:  Bellerophon  carhonarius  Cox,  B.  Montfortianus 
NoRW.  et  Pr.,  Pletirotomaria  Graymllensis  Norw.  et  Pratt.,  Cli- 
dophorus  occidentalis  M.  et  H. ,  Myalina  suhquadrata  Shum., 
Pecien  Missouriensis  Shum.,  Lima  retifera  Shum,,  Spirifer  plano- 
convexm  Shum.,  *  Strophalosia  horrescens  de  Vern.  (incl.  Pro- 
ductus Rogersii  Norw.  *  et  Pratten  et  Pr.  Norwoodi  Shum.)  und 
Chonetes  mucronaia  ]VIeek  et  Hayden. 

Fasst  man  diese  mit  den  vorher  genannten  zusammen,  so 
würden  jene  63  Arten  Versteinerungen  der  Etage  C  sich  in  der 
Weise  vertheilen,  dass 

21  Arten  darunter  neu  sind, 

22  Arten  der  Dyas  oder  permischen  Formation,  und  zwar, 
mit  Ausnahme  der  von  dem  Ufer  in  das  Zechsteinmeer  einge- 
schwemmten Frucht  des  Guilielmites  permianus ,  sämmtlich  der 
marinen  Abtheilung  derselben ,  oder  der  Zechsteinformation  an- 
gehören, dass  endlich 

20  Arten  schon  in  der  Steinkohlenzeit,  oder  der  Carbon- 
formation ,  vorhanden  gewesen  sind ,  die  in  der  Zeit  der  Dyas 
noch  fortgelebt  haben. 

3)  Diese  Zahlenverhältnisse  erinnern  an  das  allgemeine  Ver- 
halten zwischen  der  Pflanzenwelt  der  Steinkohlenformation  und 
des  unteren  Rothliegenden,  oder  der  limnischen  Abtheilung  der 
Dyas,  welche  bekanntlich  auch  eine  Anzahl  von  Arten  mit  ein- 
ander gemein  haben,  während  eine  grössere  Anzahl  von  neuen 
Formen  sich  diesen  zugesellt  (vgl  Göppert.  über  die  Flora  der 
Permischen  Formation  im  Jahrb.  1865,  S.  301—306). 

Noch  mehr  aber  tritt  dadurch  eine  Ähnlichkeit  mit  dem  Ver- 
halten dieser  beiden  Formationen  an  einzelnen  Localitäten  in 
Deutschland  hervor,  wo  bei  einer  concordanten  Lagerung  der 


Auch  hier  bezeichnet  ein  *  die  aus  Russland  bekannten  Arten. 


i 


Schichten  es  oft  sehr  schwer  wird,  eine  scharfe  Grenze  zwischen 
der  Steinkohlenformation  und  der  Dyas  zu  ziehen. 

Sie  erinnern  in  gleicher  Weise  an  das  Verhalten  der  ober- 
siiurischen  zur  unterdevonischen  Fauna,  oder  der  oberdevonischen 
zu  jener  des  Kohlenkalks  an  solchen  Orten,  wo  diese  Reihen 
sich  ungestört  und  unter  ähnlichen  Bedingungen  nach  einander 
entwickelt  haben. 

Nicht  überall  sind  die  Grenzen  zwischen  einer  und  der  dar- 
auf folgenden  Gebirgsformation  so  haarscharf  zu  ziehen,  wie  diess 
der  Fall  da  ist,  wo  limnische  Bildungen  in  Wechsel  mit  marinen 
Ablagerungen  treten  oder  wo  mächtige  kalkige  und  thonige 
Niederschläge  durch  charakteristische  Sandstein  -  Ablagerungen, 
wie  etwa  den  Old  Red  Sandstone,  schon  petrographisch  von  ein- 
ander sehr  deutlich  geschieden  werden. 

Aus  den  von  Marcou  und  Meek  beobachteten  Lagerungs- 
Verhältnissen  lässt  sich  im  Allgemeinen  mehr  auf  eine  Concor- 
dante  als  eine  discordante  Lagerung  der  Schichten  der  Carbon- 
formation und  der  Dyas  in  Nebraska  schliessen:  es  ist  schon 
desshalb  dort  schwieriger,  als  in  vielen  anderen  Gegenden,  eine 
scharfe  Grenze  zwischen  beiden  zu  ziehen. 

Wenn  wir  jedoch  festhalten  wollen,  dass  die  bei  Platte s- 
mouth  entwickelte  Reihe  dem  oberen  Kohlenkalk  oder  dem  Fu- 
sulinenkalke  entspricht,  dass  jene  Kalksteinpartie  bei  Rock 
Bluff  als  der  marine  Vertreter  der  oberen  productiven  Stein- 
kohlenformation angesehen  werden  darf,  während  die  ganze  bei 
Nebraska- City  aufgeschlossene  Schichtenreihe  zur  Dyas  gehört, 
so  würde  die  untere  Grenze  der  letzteren  noch  im  Liegenden 
der  Schichten  von  Nebraska-City  gefunden  werden  müssen. 

Die  bei  Nebraska-City  vorkommenden  Versteinerungen  ge- 
hören einer  Zone  an,  welche  den  untersten  bis  mittleren  Schich- 
ten der  deutschen  Zechsteinformation  (oberen  Dyas)  entspricht. 
Die  letztere  aber  ist  sowohl  in  Deutschland  wie  in  Russland  von 
der  productiven  Steinkohlenformation  noch  durch  die  untere 
Abtheiluiig  der  Dyas  (oder  das  untere  Rolhliegende)  getrennt, 
und  es  ist  daher  wohl  zu  erwarten,  dass  auch  in  Nebraska  ein, 
wenn  auch  marines,  Äquivalent  dieser  Abtheilung  vorhanden  seyn 
werde. 

Nach  diesen  Andeutungen  halten  wir  es  für  sehr  wahrschein- 


1 


lieh,  dass  mindestens  ein  Theil  der  Schichten,  welche  Meek  und 
Hayden  mit  anderen  amerikanischen  Collegen  als  obere  Stein- 
kohlenformation CWP^^  Coal  measures)  zu  bezeichnen  pflegen, 
vielmehr  dem  unteren  Rothliegenden  parallel  stehe,  in  welchem 
Falle  die  Zahl  der  Arten,  welche  die  Schichten  von  Nebraska- 
City  mit  der  wirklichen  Steinkohlenformation  gemeinschaftlich  ha- 
ben, sich  um  etwas  verringern  würde. 

Professor  Marcoü  hat  diese  Verhältnisse  sehr  richtig  gefühlt, 
wie  aus  seinen  Mitlheilungen  deutlich  hervorgeht,  wenn  er  auch 
die  Grenze  der  Dyas  nach  nnten  hin  jedenfalls  zu  weit,  selbst 
bis  in  die  Schichten  von  Plattesmouth  ausgedehnt  hat. 

4)  Die  Dyas  von  Nebraska  zeigt,  so  weit  uns  dieselbe  bis 
jetzt  bekannt  geworden  ist,  einen  wenn  nicht  einseitigen,  so 
doch  vorherrschend  marinen  Charakter.  Zur  Ausbildung 
ihrer  limnischen  oder  terrestrischen  Abtheilung,  insbesondere 
eines  eigentlichen  Rothliegenden,  hat  es,  wie  an  anderen  Orten 
von  uns  gezeigt  worden  ist,  meist  der  Mitwirkung  der  Porphyre 
bedurft,  eine  nicht  unwesentliche  Bedingung,  die  in  Nebraska, 
wie  es  scheint,  nicht  gegeben  gewesen  ist.  Für  das  Vorhanden- 
sein von  benachbartem  Inselland  während  der  Ablagerung  der 
marinem  Schichten  bei  Nebraska-City  könnte  allerdings  das  Vor- 
kommen des  Guilielmites  permianus  in  diesen  Schichten  mit- 
sprechen. 

Diesem  einseitigen  oder  doch  vorherrschend  marinen  Cha- 
rakter der  ganzen  in  Nebraska  auf  einander  folgenden  Reihe  Ge- 
birgschichten  von  dem  Beginn  der  Carbonformation  an  bis  in  die 
Zeit  der  oberen  Dyas  entspricht  die  Natur  und  das  relative  Ver- 
hältniss  in  der  Vertheilung  der  organischen  Überreste. 

Wir  haben  mit  Rücksicht  auf  die  geognostischen  Verhält- 
nisse in  Sachsen  früher  *  einmal  ausgesprochen,  dass  sich  das 
carbonische  Meer,  d.  h.  ein  Meer,  aus  welchem  sich  die  ma- 
rinen Schichten  der  Carbonformation  abgeschieden  haben,  im 
Laufe  der  Zeit  in  ein  Zechstein meer  umgewandelt 
habe,  was  uns,  wahrscheinlich  in  Folge  eines  Missverständnisses 
der  Worte  »carbonisches  Meer«  von  einer  Seite  sehr  übel 


Gefnitz.  geognost.  Darstellung  der  Steinkohlenformation  in  Sachsen. 
Leipzig  1856,  p.  32. 


8 


genommen  worden  ist.  In  Nebraska  tritt  aber  eine  solche  all- 
mähliche Umwandlung  des  früheren  carbonischen  Meeres  in  ein 
Zechsteinmeer  mit  aller  Klarheit  vor  Augen.  Man  sieht  hier  die 
Bürger  des  alten  Meeres  allmählich  verschwinden  und  an  ihre 
Stelle  treten  neue  ausgezeichnete  dyadische  Arten. 

Manche  der  älteren  Arten  scheinen  in  der  That  nur  geringe 
Veränderungen  erlitten  zu  haben,  um  ihre  Umprägung  zu  Arten 
der  Zechsteinformation  bewirken  zu  lassen.  In  dieser  Beziehung 
verweisen  wir  auf  einige  Producti^  von  denen  es  nicht  unmög- 
lich ist,  dass  sie  allmählich  in  den  entsprechenden  Zustand  einer 
Strophalosia  übergegangen  sind ,  wie :  Productus  scabriculus 
Mart.  sp.  in  Strophalosia  horrescens  de  Vern.,  oder  in  Europa: 
Productus  Cancrini  de  Vern.  in  Strophalosia  Morrissiana  King 
und  Productus  Leplayi  de  Vern.  in  Strophalosia  Leplayi  Gein. 

Ebenso  kann  Orthis  (Streptorhynchus)  crenistria  Phill.  sp. 
als  der  unmittelbare  Vorläufer  der  Orthis  pelargonata  Schl.  be- 
trachtet werden.  Es  bedurfte  zu  dieser  Umwandlung  vielleicht 
nur  der  Verkürzung  des  Schlossrandes  und  einer  stärkeren  Ver- 
längerung des  Wirbels. 

Die  nahen  Beziehungen  vieler  hier  als  neu  unterschiedenen 
Arten  zu  schon  bekannten  sind  in  der  Hauptschrift  hervorgehoben 
worden  und  es  ergibt  sich  daraus ,  wie  diese  fossile  Fauna  von 
Nebraska  etwa  ihrem  dritten  Theile  nach  ganz  oder  doch  am 
nächsten  mit  der  aus  entsprechenden  Schichten  Russlands  bekann- 
ten Fauna  übereinstimmt,  was  wiederum  auf  eine  gleichzeitige 
Bedeckung  dieser  von  einander  so  entfernten  Landstriche  durch 
jene  alten  Meere  von  neuem  hinweist. 

Selbstverständlich  haben  fast  sämmtliche  in  dieser  Monogra- 
phie abgebildete  Exemplare  bei  der  Hauptsammlung  verbleiben 
müssen  und  sind  in  das  von  Agassiz  begründete  und  dirigirte 
Museum  für  vergleichende  Zoologie  in  Cambridge,  Massachusetts, 
zurückgesandt  worden,  während  mir  wohlwollend  gestattet  worden 
ist  5  Duplicate  davon  für  das  Königl.  mineralogische  Museum  in 
Dresden  zurückbehalten  zu  dürfen. 

Es  wird  diess  vielen  unserer  geehrten  Fachgenossen  zu  ver- 
nehmen erwünscht  seyn,  da  Versteinerungen  aus  der  Dyas  Nord- 
Amerika's  bis  jetzt  in  den  Museen  Europa's  noch  zu  den  grössten 
Seltenheiten  gehören,  wir  aber  ausserdem  auch  der  besonderen 


Güte  des  Professor  J.  Dana  in  Newhaven  eine  Reihe  derselben 
aus  Kansas  verdanken,  auf  welche  in  diesen  Blättern  gleichfalls 
mit  Rücksicht  genommen  worden  ist. 

Diess  schien  um  so  Wünschenswerther  zu  seyn ,  als  hier- 
durch die  Identität  der  europäischen  Avicula  speluncaria  Schl. 
mit  Monotis  Hawni  der  Amerikaner,  sowie  einiger  anderen  eu- 
ropäischen Zechsteinarten  festgestellt  werden  konnte  und  als  ge- 
wiss sehr  Viele  mit  uns  nur  bedauern  konnten,  dass  noch  so 
wenige  der  aus  den  permischen  Schichten  Amerika's  beschrie- 
benen Fossilien  durch  Abbildungen  erläutert  worden  sind. 


Iber  die  Zechsteiuformatioii ,  deren  Erzfülirung  und  den 
unteren  ßuntsandstein  bei  Franlienberg  in  Kurhessen 

von 

Herrn  Grm  Würtenberg^er, 

Berginspector  zu  Schwalbenthal  am  Meisner. 


Vom  nordöstlichsten  Ende  des  rheinisch- westphälischen 
Schiefergebir^es  zieht  sich  ein  aus  Grauwacken  und  Thonschie- 
fern der  unteren  Steinkohlenformation  gebildeter  Arm  durch  den 
südlichen  Theil  des  Fürstenlhums  Waldeck  in  die  ausserdem  aus 
geologisch  jüngeren  Gesteinen  bestehende  Provinz  Obeihessen. 
Um  diesen  Ausläufer,  welcher  seiner  Gestalt  nach  ursprünglich 
eine  in  das  damalige  Urmeer  hinausgetretene  Landzunge  gewesen 
seyn  muss,  legt  sich  mantelförmig  und,  wenn  auch  stellenweise 
unterbrochen  oder  durch  den  später  abgesetzten  bunten  Sand- 
stein verdeckt,  in  einem  doch  leicht  zu  verfolgenden  Zusammen- 
hange die  Zechsteinformation,  welche  sicii  hier  ebenso,  wie  am 
Rande  des  Harzes,  Thüringer  Waldes,  Spessarts  etc.  als  wahre 
Küstenbildung  zu  erkennen  gibt.  Demjenigen  Theile  dieser  Ge- 
gend, welcher  innerhalb  einer  durch  besagten  Arm  gebildeten 
und  mit  der  Öffnung  nach  Süden  gerichteten  Bucht  liegt^  gehört 
das  Zechstein-Vorkommen  bei  Frankenberg  an,  mit  dessen  Be- 
schreibung die  nachfolgenden  Blätter  sich  beschäftigen  sollen. 

Das  alte,  rechts  der  Kdder  gelegene  Grubenfeld,  auf  wel- 
chem bei  genannter  Stadt  in  früheren  Zeiten  Bergbau  auf  Kupfer- 
erze im  unteren  Theile  des  Zechsteiiis  betrieben  wurde,  besteht 
mit  Ausnahme  eines  von  Geismar  ohne  grosse  Unterbrechung 
nach  dem  Rosenberge   bei  Dörnholzhausen   sich  hinziehenden 


ii 

Streifens  von  Gesteinen  des  Culnns  und  einiger  imbedeuteren 
Puncte  bei  Geismar,  welche  ebenfalls  jener  Bildung  angehören, 
aus  buntem  Sandsteine,  unter  welchem  nur  am  Altenfeld3,  sowie 
bei  Geismar  und  Ellershausen  wenige  und  zwar  kleine  Partien 
des  Zechsteins  zu  Tage  treten,  während  ausserden»  dessen  Schich- 
ten nur  durch  den  Bergbau  bekannt  geworden  sind.  — 

Von  der  das  rechte  Edderufer  bildenden  niedrigen  Grau- 
wackenkette  (dem  Frankenberger  Stadtberge,  Burg  genannt,  dem 
Kegelberge  und  deiü  den  Namen  Winterstrauch  führenden  Hügel- 
zuge) ninunt  das  fragliche  Terrain  gegen  Osten  hin  ein  sanftes 
Ansteigen   zu  einem   von  mehreren  Thälchen  durchschnittenen 
Plateau,   auf  dessen  Höhe  das  Zechenhaus,    1150  rheinl.  Fuss 
hoch,  gelegen  ist.    Da  die  Edder  bei  Frankenberg  und  zwar  an 
der  Wiihelmsbrücke  vor  dem  Gossberge ,  850  Fuss  über  dem 
Ostseespiegel  fliesst ,  so  beträgt  die  relative  Höhe  des  Zechen- 
hauses jedoch  nur  300  Fuss,  ein  Umstand,  welcher  mit  Rück- 
sicht auf  die  tiefe  Lage  der  Grubenbaue  unter  demselben  bei 
der  grossen  Entfernung  von  5200  Fuss  dieses  Punctes  vom  Edder- 
thale  die  VVasserlosung  beim   früheren  Bergbau  sehr  erschwert 
haben  muss.    Die  grössten  der  Thäler,  welche  die  erwähnte  pla- 
teauartige Erhebung  durchziehen  und   z.  Th.  auch  begrenzen, 
sind  der  Hainbacher  Wiesengrund ,  aus  der  Nähe  von  Geismar 
nach  Westen  in's  Edderthal  verlaufend ,  sowie  der  Gernshäuser 
Grund,  nördlich  von  Dörnholzhausen  beginnend  und  sich  west- 
wärts bis  kurz  vor  Frankenberg,  dann  aber  nach  Aufnahme  des 
kleinen  Oschreufelhales  in  nordwestlicher  Richtung  in's  Edder- 
thal ziehend.    An  dem  ersteren  lag  das  Hollerfelder,  an  letzte- 
rem das  Freudenthaler  und  Hesselsbacher  Revier,  zwischen  den- 
selben dagegen  das  alte  und  neue  Gnadenthaler,  sowie  das  Hunds- 
länder (in  älteren  Zeiten  »Huhnsländer«)  und  Zinngraber  Revier. 
Es  erscheint  diese  Gegend  daher  auch  von  einer  grossen  Menge 
Pingen  oder  alter  Halden,  den  letzten  Spuren  des  ehemals  blühen- 
den Bergbaues,  bedeckt.    Weiter  nach  Osten  hin,  zwischen  Geis- 
mar und  Dainrode .  abgelegen  von  dem  übrigen  Grubenterrain 
und  an  das  sogenannte  Altefeld  angrenzend,   baute  das  Koppel- 
bühler  Revier  (in  den  ältesten  Acten  Kupferbiehler  Revier  ge- 
nannt). 

Die  Zechsteinformation  auf  der  rechten  Edderseite  über- 


12 

lagert  mit  Ausnahme  einiger  wenigen  Puncte,  an  welchen  Roth- 
liegendes ,  wie  z.  B.  am  Wege  von  der  Frankenberger  Teich- 
mühle nach  der  Marburger  Landstrasse,  zwischen  Geismar  und 
Louisendorf  etc.  in  sehr  unbedeutender  Entwickelung  vorkommt, 
unmittelbar  den  Culm,  wie  diess  namentlich  durch  den  im  Hain- 
bacher Wiesengrunde  angesetzten  Gnadenthaler  Wasserlosungs- 
stolln  erwiesen  worden  ist,  welcher  nach  Auffahrung  von  615 
Lachter  Länge  durch  Thonschiefer  und  Grauwackenschichten  die 
unterste  Lage  des  Zechsteins  oder  das  sogen.  Liegende  des 
Kupferlettenflötzes  angehauen  hat  Nach  allen  überlieferten  Nach- 
richten scheint  in  der  ganzen  Ausdehnung  des  alten  Grubenfeldes 
dieses  Verhältniss  ebenso  zu  seyn  und  nur  nach  dem  südöst- 
lichen Ende  desselben  hin,  in  der  Nähe  des  früheren  Gernshäuser 
Teiches,  in  der  Teufe  Rothliegendes  sich  zwischenzulegen.  Dieses 
Gestein  geht  in  der  nächsten  Umgegend  zwar  nirgends  zu  Tage 
aus,  denn  das  Conglomerat  an  der  benachbarten  Freien-Mark  ge- 
hört zum  bunten  Sandstein  und  nicht  zum  Todtliegenden,  da  hier 
der  Zechstein  mit  den  darauf  folgenden  Gebirgslagen  durch  einen 
Hauptwechsel  hinabgestürzt  worden  ist,  jedoch  findet  sich  auf 
einem,  dem  Special-Grubenrisse  des  Hesselsbacher  Revieres  vom 
Jahre  1816  beigefügten  Gebirgsdurchschnitte  zwischen  dem  neuen 
Förderschachte  und  dem  Bergmannstrost,  in  der  Nähe  jener  Ver- 
werfung, Todtliegendes  von  Mächtigkeit  in  der  Sohle  des  Zech- 
steins angegeben. 

Auf  dem  linken  Edderufer,  dessen  höhere  Berge  ebenfalls 
aus  Schichten  der  unteren  Steinkohlenformation  bestehen,  beginnt 
das  Auftreten  der  Zechsteinbildung  bei  Haine  (zur  besseren  Un- 
terscheidung von  dem  in  demselben  Kreise  liegenden  Haina,  auch 
»Hainchen«  genannt),  an  einigen  Stellen  am  Fusse  des  Homber- 
ges,  ferner  zeigt  sich  dieselbe  Frankenberg  gegenüber  in  kleinen 
Partien  nahe  der  Köhlermühla,  am  Stätteberg,  bei  Schreufa  und 
Viermünden.  Auf  dieser  Seite  ist  das  Rothliegende  besser  ent- 
wickelt als  auf  der  anderen  und  tritt  mehrfach  in  grösseren 
Massen  zu  Tage.  Dasselbe  erscheint  als  ein  durch  kalkhaltigen 
und  sehr  sandigen  Eisenthon  zusammengehaltenes  Conglomerat 
abgerundeter  Gesteinstrümmer  von  Kieselschiefer,  Thonschiefer, 
Grauwackensandstein,  Quarz,  Granit  und  Kalkstein,  von  welchen 
die  Gerölle  des  letzteren  Eindrücke  durch  die  anderen  Conglo- 


13 

meratgemengtheile  erlitten  haben.  Solche  Gerolle  mit  Eindrücken 
sind  z.  B.  zwischen  der  sog.  neuen  Brücke  über  die  Edder 
oberhalb  Frankenberg  und  dem  Würzeberg  zu  finden ,  dürfen 
aber  nicht  mit  den  schon  bekannten  Kalkstein-  und  Dolomit-Ge- 
röllen  mit  Eindrücken  (conf.  dieses  Jahrbuch  von  1859,  p.  153  etc.) 
verwechselt  werden,  welche  in  den  Conglomeraten  des  unteren* 
bunten  Sandsteins  bei  Frankenberg  vorkommen. 

Betrachtet  man  die  Frankenberger  Zechsteinbildung  geuauer, 
so  ist  gar  nicht  zu  verkennen ,  dass  dieselbe  auf  dem  rechten 
Edderufer  in  auffallender  Weise  eng  mit  dem  bunten  Sandsteine, 
auf  dem  linken  dagegen  mehr  mit  dem  Rothliegenden,  welches 
auf  der  anderen  Seite  meist  fehlt,  verbunden  ist.  Die  genaueste 
Kenntniss  der  einzelnen  Glieder  der  nur  wenig  zu  Tage  treten- 
den Zechsteinformation  verdankt  man  den  früheren  Bergbauar- 
beiten auf  dem  Grubenfelde  zwischen  Frankenberg,  Geismar  und 
Dörnholzhausen ,  wesshalb  zunächst  die  daselbst  erhaltenen  Auf- 
schlüsse hier  wiedergegeben  werden  sollen. 

1.  Lagerungs-Verhältnisse. 

a)  Schichtenfolge 

Unter  allen  Überlieferungen,  welche  auf  die  Reihenfolge  der 
durch  Abteufung  von  wenigstens  200  Schächten  rechts  der  Edder 
bekannt  gewordenen  Schichten  Bezug  haben,  zeichnen  sich  beson- 
ders diejenigen  von  Riess  und  Ullmann  durch  ihre  Zuverlässigkeit 
aus,  indem  dieselben  mit  den  früheren  Grubenberichten  am  besten 
übereinstimmen.  Dieselben  sollen  als  das  Vollständigste  des'  bis 
dahin  über  die  Gliederung  der  Frankenberger  Zechstein-  und  der 
damit  zusammenhängenden  Buntsandstein-Bildung  Veröffentlichten 
in  unten  folgender  Übersicht  nebeneinander  gestellt  werden,  wäh- 
rend derselben  die  Einlheilung  von  Cancrin  nur  desshalb  beige- 
fügt worden  ist,  weil  solche  wegen  Beibehaltung  der  in  alten 
Zeiten  bei  den  Bergleuten  gebräuchlich  gewesenen  Localbezeich- 
nungen  für  die  einzelnen  Schichten-Abiheilungen  Interesse  ge- 
währt. 

Das  von  Schulze  in  Leonhard's  mineralogischem  Taschen- 
buche, Jahrg.  1820,  pag.  105  etc.  gegebene  Schichtenverzeich- 
niss  ist  hier  unberücksichtigt  geblieben ,  nicht  etwa  weil  dessen 
Aufsatz  aus  einer  Zeit  stammt,  in  welcher  der  Bergbau  schon 


14 


nicht  mehr  im  Betriebe  war,  sondern  weil  die  angeführte  Reihen- 
folge dem  Frankenberger  Kupferwerks-Budjet  für  das  Jahr  18iO, 
welches  die  geognostischen  Verhältnisse  des  Grubenfeldes  über- 
diess  nur  sehr  unvollständig  behandeltj  wörtlich  entnommen  wor- 
den ist  und  daher  den  Werth  eigener  Beobachtungen  um  so  we- 
niger haben  kann,  als  besagte  Schichtenfolge  nur  eine  locale, 
beim  Abteufen  des  Schachtes  Neue-Hülfe  im  Gnadenthaler  Re- 
viere erhaltene,  ist.  *  — 

In  der  letzten  Columne  nachstehender  Übersicht  finden  sich 
die  Ergebnisse  der  Untersuchungen,  welche  im  Jahre  1856  und 
später  angestellt  worden  sind,  als  eine  Gewerkschaft  den  Ver- 
such machte,  den  alten  Bergbau  wieder  aufzunehmen.  Bei  dieser 
Gelegenheit  wurden  mehrere  neue  Schächte  im  Freudenthaler, 
neuen  Gnadenthaler  und  Hollerfelder  Reviere  abgeteuft  und  ein 
Stölln  im  Hesselsbfecher  Reviere  angesetzt,  wobei  die  erhaltenen 
Gebirgsdurchschnitte  mit  den  Schichten- Verzeichnissen  in  den 
alten  Grubenacten  und  die  durchsunkenen  Gesteine  mit  den  Hand- 
slücken in  der  UiLMANNSchen  Originalsammlung  zu  Marburg  ver- 
glichen werden  konnten.  Dabei  fand  es  sich  zuerst,  dass  sämmt- 
liche  Sandstein-  und  Conglomerat-Schichten  des  unteren  bunten 
Sandsteins  ein  doloinilisches  Bindemittel  hatten  und  dass  die 
darin  eingeschlossenen  Letteniager,  sowie  die  obersten  Kalk- 
steinbänke des  Zechstein-Gebirges  mehr  oder  weniger  kalkbitter- 
erdehaltig  waren.  Es  ist  ganz  erklärlich ,  dass  Ullmann  solches 
übersehen  hat,  da  zu  seiner  Zeit  die  weite  Verbreitung  des  Do- 
lomits  und  dessen  Vorkommen  in  den  verschiedensten  Formatio- 
nen noch  nicht  so  genau  bekannt  gewesen  seyn  mag. 

Auf  die  Grauwacken-  und  Thonschiefer-Schichten  und  an 
betreffender  Stelle  auf  das  Rothliegende  folgt  nun  aufwärts  bis 
zu  Tage: 


Schulze's  Verzeichniss  a  a.  0.  p.  112  enthält  unter  No.  5  einen  we- 
sentlichen Schreibfehler  5  indem  daselbst  „5,  6  bis  8  Lachter  feinkörniger, 
gelblicher  Letten"  angegeben  worden  sind,  während  in  der  benutzten  Quelle 
„6  bis  8  Lachter  feinkörniger,  gelber  Sandstein"  stehen.  Es  sind  diess 
die  Schichten,  welche  Cancrin  mit  dem  Namen  „gelbes  Gebirge"  aufgeführt 
hat.  D.  Verf. 


15 


fS  3 

I  to  z; 


''Zu 


•=  ^  .E      9^  B 

-a     t=  .-S  -5  .-2 

(=  —  =  = 


J3  t-  Ä 


33  ^  , 

si  — 

CO  o:»  3  = 

«  -3  13  CO 


I  s 

s 


c  05 


—  (U 

£  S 


o  « 


tX  CO 

S  -o 

—  S-i 

o  « 

ts)  S 


(0 


2  = 

CO 


S  C  e 
S  fc-  v 
201= 

«  j=  fcß  © 
I      ^-5  c 

t-  iS   =  s 

©  «  s  2  5 


S  ^  2  £  ^ 
■I    J  « 


3  £ 


s 


=  Q  = 


Ii 


^    W  £ 

s;  d  :« 


«  £ 


b£j=  1::  .i= 

•j^  o  aj 


■fl 


i  =  s 
£  ä-s  r  =^ 

_^»-  =  ^  J  «  33  c 

"  I  c  ^ 

-Tt  o  n 

c  cß  oj  c 

«  ^  CO  4) 

S  CO 


£ 


«  Cd 


-  ^ 


=  c 

O  1; 


~  tu- 


'S! 


CO    ^    <U  1*^ 

i-  <£  CO  ^ 
O  O  a  ^  Oh 


H  «  £  ° 
=  o  r  j= 

«  bc  £ 

5  bi  E  _ 
-  ^  biVi  s 
=  ^  S  <-  = 

•53  :»    ^  g  ^ 

■e  cj  bc  ü 

••^     tn     E  r/j 

'5  o 

ttl    3  B 
CO  ~  ~  aj 
=    "    ^  -C 

Q  CO  ■>  ü 


<0   S  ^  ' 

bt  c  -7  i 

C  Oi  — 

=  ^ 

3^  -a  £ 

fc.  £  CO 

.2f  3  ^ 


E  —  (X) 

'33  _  c 


^  -O  rH 
'üi       _ ' 

w  E  |^^ 

O    3i  — ( 

tu  -5  ^ 
E  :r  3 

«  =>  2 

0  ^.^£ 

1  =  ^  J 

^  «  u  ^- 

=  1  g  ^ 

■33  3  bc 

-  .t;  g  bi 


0)  aJ  «3  i-H 


—  -er  ~  9- 


c  £  - 


£    E  3 

et  CJ 

3  ,»t 


•Nif  Jas 

QO  13  S 
^  bijr 


>   £  QJ 


3  J2 


II 


bi 

-o  3  ^ 

.£  I  i 

£  g  « 

fc.  -E  -3 

«  O 

C-3 

3  ^  c!o 

«2^ 


£  B! 
3.  c 

bt  « 


5  S 


CO 


g  T3  _bi: 

I  -Je 
—  o 

•  <U  :co 
'  V 


OCX) 


2 


16 


®  o  c  — ' 


t«        S!  ^ 

<3  C2 

-§■§1 
In-- 


n:  c  w  c 

1    ^  1 

«  2  J2  :S  13  = 
cfe  "  S 


■5  - 

c  o  =  s- 


r:  =  ^  c  ^  .z 

 ^  «  = 


—  c  ü  ^ 


^S3 


— . .-  « 

Z  .  a;  sj  ^  — 

j5  o  a,  -^S  -c  fcd  CQ 


ü  S3 


ü  iE  ü  rä  =  c  ü 

_  ™  u 


=  'S  ^  c  _  _r 

^  :=  ^      I  ^2 


M      CS    «~  ^ 


a  « 


:S    C    S  ^ 


O  -c 


■2  .£  'S  C 


O  a  g  J  -o 

^  J  3  X  . 

c  -  S  ^ 

«  o  =>  -g  5 

15  ^  ? 

Ii 

-  s 

3  :S  ^  S 


13  tt* 

W2 


S  TS 


I 

R 


K«"    c  =  « 

= J  s  £  ^  S  i 


_    »  ^ 

1 

-  H 

—  c  ^ 

1 15 

:0  _ö 


£  c 


2  -  5=  -= 


=  5^ 


s  »        c  c  c 


^    rs    1^    >^  •  — 

ja 

1=21  Iii 

j=  aj  =  .s 

O  :C        ^  .5   o  ■% 


£  g  'S  • 


I  ^ 

O  «5 


:=  w  bß 

:0   «    2  fti 


Ä  CT) 


3 

—  © 

in 


17 


9 


u  w 

's*  I:  §  ■ 

^  :=  o 
ß5  bc 


i  « 

1  o  15 

i  S  = 
igll 

i  oll 


 VI 

£  §  S 
1^  ,  .l'^ 


t  s 


2  =2 
cc  — 


:3  U 


■<  N 


s 


3i  .=  vZ,  - 


•5  =  ® 
^  -  2 

3  = 


«    2  ^ 

^  ^  -g 


>£ 


II 


E  S 


«  TT   —  « 


c  ^  — 

3  u  CJ5 


C6  <u  i; 
5-.  fct' 


SM 

-  S 


.5 

*5  'S  <o 


SS  = 

bK  aj 

's  ^ 

S 

c  -a 


K  aj 


II 
II 

y  aj 


=    4)  U 

a;  ."S  *s 

=  ^1 

S  ®  ^ 

-=  Ol 


£-§  S 


t:  =  M 
^-a7 


^  E- 


c  c 
£  1^ 
£  S 


bc- 

«  Sä 

bc^ 


=  5 


oj  aj 
-  >  £ 

CJ    >    c    ,  . 


•5  ai      :o  j= 

C  «  ^  .=  =5 
aj  aj  =  -3  E 


bc 


aj 


^3  =  W 


:=  ?  -  , 

3    b    N  0) 

■£  o^-^ 

O  —    C  N  - 

od 


3  3 


CQ  CQ 

05  O 


■5  « 


c  ^  c 


bc 

:0  'S 


II 


_Jj  CD   bc  c 

^  »1  •  —  aj 

n  .22  ^  S 

iä  lu  u  tu 

4^  b.  o  a; 

-=  ^  —  j  .2f 


:0    aj    Q    C5    O  . 

05  «  Cu  las  sc  -  ■ 


aj  bß  ^. 


O  » 

cd 


ö 

CS 

bc  c 
III 

:0   sc  =2 


Jahrbuch  1867. 


V 


18 


a  -"TS  3 

p  g  C  N 

^  :c3  o  S 

5  i 

S  S  _  fl 

"    ^  ^ 

o  te  !Z 


«  r=  =  £  =  .° 
„TTt  re  —  "c  **" 

bf^       .£  ^ 

„  i;  -  ^ 


ÖL—    t-   ,  C 

§  i  c  - 
^  -f^  tsj 


£  £ 


c  c 
s  s 


'S  .5  2  S 

s 


3    4J  - 


Esc. 


t,"  Ä  =  =  .'S 

CS    =    =    „  'S 

esc      c  o  .S 


S  =  =  S 
c  —  ^  c  bt 


^  «  £ 


"5  fcx) 


©  5  5r;  ri 


"3^  S 


Ä  c  :3  äi  ^ 
IS 

'S  • 

s  §  «  1  1 
.S  aa  SS  H  p< 

«  §  S  ^ 


-c  3= 


CO  :0 
t.  fc. 

-O  'S 


—  —  fcf 


2"^  o 


CO 


—  es 

tn 

.£ 


CO 


i3 


£  c 

fei  •-  ?  ^ 

ff  1^  C  Ä 

:0    g  » 


O  ü 


£  = 


11 


=  £ 


in 


Co« 


g6 


3  <E  iXl 

.2  S  CD 


C  ::j  a 


ü  03 


1^' 


So"*» 

o   'S  « 


S  O  V 
-jfQ  CS 
CO  ^ 

-=  ~  ^• 


-a  £  £ 


5  ^ 


III 


-^3 

E  = 


i;5  btCd  <a£-o 


q6 


19 


-  S  « 


I     .-^  C   C    '  A 

c  -  «-s  =  S 

C        o  ü 

"ö  — 


C   I  oc 

Ä   3  CO 
CO 


o  -r  Q.  a;  =  o  ^ 


CO  O 
«  O 


c  ü  K  c  c 


r  o  « 

33 

03 

c  o 


03 

fc-  c  o 

43  :r 


t:  7^  -Q 


„_^a3    03    03  a,J3f- 


03   M  .> 

2  s  « 

rt-,  23 


J  .5*  '2  'S 

.51111 

s_  —  ^ 

öß     r  c 

C    fc.    03    s  O 

^ —  j= 

«3   -  -  I  o 


-  bt 


W  CO  m  — 
03  'S    C  "1 


s 

ig  15 

03  ^ 


1-3  <= 


C3  S 
CO  g 

:0  CO 


ex 


...         C  :0  "O  — 


—  _    C  * 


^03 


W  :0 

es  *- 

*r  03 

C5  «- 

U  03 

03  C 

ö  c 


.45  «  ■ 


-C  03 


t.  i3  aj 

=     C     w  » 

3  fsc;=  <o 


C    CO  c  _j 

C3    C  C  ^ 

C  ^  _  •« 

^  o  J=  = 

-Q  r-"  td 


Ä  CO 
-  J:  .2 

03  ^ 


s=  c  - 
-a  .=  "O 
=  -ü  — 

03        ^  , 

Iii 


"2  J 
"=  'S  =1 


£  i  i 
=  eil 


Ulis 

53     .r  r;  j= 

S3    53    g    5  J 


03  g 


:0 


fcJ3 


53  bC. 


5  _bx:c=  cv> 

:0  "li  :CB  ^ 


C  ■» 

o 


O  C   5  :« 


£  - 
«sc  j=  - 


ö  -c  ca 
^1  £ 

;=     03  *s 


r,      S  C3 

5^  _53  J 


CO 

£  « 


c:  £  iM 


fcC 
03 


bc 


£ 
£ 

öl 


2  • 


I 
1 


20 


Aus  vorstehender  Zusammenstellung  ergibt  sich  ganz  unge- 
zwungen, dass  die  Schichten  unter  dem  Lettenlager ,  welches  in 
den  4  Columnen  mit  den  respectiven  Nummern  7,  19,  15  und 
12  bezeichnet  ist,  der  Zechsteinformation,  dagegen  dieses  selbst, 
sowie  die  dasselbe  überlagernden  Schichten,  also  der  Letten,  das 
gelbe  und  rauhe  Gebirge  Cancrin's  ,  dem  unteren  bunten  Sand- 
stein angehören.  Die  unterste  der  aufgezählten  Flötzlagen  als 
weisses  Todtliegendes  zu  bezeichnen,  wie  schon  versucht  worden 
ist,  dürfte  nicht  zu  rechtfertigen  seyn :  auch  möchte  überhaupt 
ein  Versuch,  die  Frankenberger  Schichten  mit  denen  des  Rie- 
chelsdorfer  oder  Mannsfelder  Zechsteins  zu  identificiren ,  seine 
grossen  Schwierigkeiten  bieten,  dagegen  kann  das  beschriebene 
Erzflötz  unbedingt  als  ein  Äquivalent  des  Kupferschiefers  anderer 
Gegenden  betrachtet  werden.  Es  spricht  dafür  nicht  nur  das  Vor- 
kommen der  UUmannia  Bronni  Göpp.  ,  welche  afich  in  Sachsen 
und  Schlesien  im  Kupferschiefer  sich  zeigt,  und  dasjenige  häu- 
figer Reste  der  Alethopteris  Martinsi  Germ.,  die  zuerst  im  Manns- 
felder Kupferschiefer  gefunden  worden  ist,  sondern  auch  die 
weiter  unten  zu  einer  näheren  Besprechung  kommende  ünter- 
teufung  eines  ächten,  Petrefacten  enthaltenden  Zechsleins  durch 
die  erzführenden  Schichten.  Ausserdem  scheint  auch  die  Berech- 
tigung vorzuliegen,  die  dolomitische  Schicht  No.  11  in  der  letz- 
ten Spalte  (No.  12,  13  und  14  nach  üllmann  und  No.  18  nach 
RiESs)  dem  Rauhkalke  anderer  Gegenden  gleichzustellen.  Ein- 
zelne Stücke  dieser  Schicht,  welche  in  1856  von  dem  Montgom- 
mery-Stolln  durchfahren  wurde,  sind  vom  Riechelsdorfer  Rauh- 
kalke in  Nichts  zu  unterscheiden.  Sogar  zwischen  der  von  Ull- 
BiANN  ZU  Frankenberg  selbst  gesammelten  Suite  der  dasigen  Ge- 
birgsarten  in  der  Marburger  Universitäts- Sammlung  findet  sich 
ein  Handstück  aus  der  fraglichen  Schicht  mit  dem  Namen  »Rauch- 
wacke«  bezeichnet.  Mag  die  beteeffende  alte  Etiquette  nun  von 
ÜLLMANN  in  späteren  Zeiten  selbst  oder  von  dessen  Nachfolger 
geschrieben  worden  sein,  so  ist  daraus  wenigstens  ersichtlich, 
dass  das  Gestein  schon  frühe  seiner  wahren  Natur  nach  erkannt 
worden  ist.  * 

Sehr  auffallend  ist  es,  dass  von  obengenannten  Autoren  nur 
Cancrin  der  nach  Steinsalz  gebildeten  Würfel,  welche  in  der 
untersten  Schicht  seines  Kalkgebirges  bis  zu        Zoll  Kanten- 


21 


länge  und  so  häufig  auftreten,  dass  solche  noch  jetzt  auf  den 
Halden  fast  aller  Schächte  zu  finden  sind,  erwähnt,  übrigens 
in  einer  Weise,  welche  es  klar  erscheinen  lässt,  dass  er  den 
Ursprung  der  auf  den  Gesteinsflächen  meist  nur  als  Würfel- 
ecken hervortretenden  Krystalloide  nicht  gekannt  habe.  Diese 
Ecken  sind  oft  plattgedrückt  und  alsdann  nur  als  3  Kantenlinien 
(Cancrin's  «Kreuze«)  sichtbar.  — 

Ebenso  häufig  und  in  keiner  der  betreffenden  Beschreibun- 
gen erwähnt,  sind  jene  leistenartigen,  zuweilen  förmliche  Netze 
darstellenden  Erhabenheiten  auf  der  Unterfläche  der  Kalkstein- 
schichten, welche  als  theilweise  Ausfüllungen  oder  Abdrücke  von 
Schwindrissen  in  einem  darunter  liegenden  Lettenlager  angesehen 
werden  müssen  und  dem  öfteren  Wechsel  der  kalkigen  und  tho- 
nigen Schichten  ihr  Vorhandensein  in  so  grosser  Menge  ver- 
danken. 

Es  verdient  hier  noch  besonders  hervorgehoben  zu  werden, 
dass  die  Frankenberger  Zechsteinbildung,  welche  im  Durchschnitte 
also  8  bis  9  Lachter  Mächtigkeit  besitzt,  nach  den  ULuiANNSchen 
Angaben  in  den  oberen,  nach  denen  von  Riess  in  den  unteren 
Schichten  deutlicher  gegliedert  erscheint.  Berücksichtigt  man  da- 
bei, dass  zur  Zeit  der  persönlichen  Beobachtungen  des  Letzteren 
das  Freudenthaler  Revier  besonders  stark  im  Betriebe  war,  wäh- 
rend zur  Zeit  des  Erstem  vorzugsweise ,  ja  fast  allein,  auf  dem 
neuen  Gnadenlhaler  Reviere  gebaut  wurde,  so  dürfte  wohl  daraus 
der  Schluss  zu  ziehen  sein,  dass  nach  der  Südostseite  des  Gru- 
benfeldes hin  die  unteren ,  nach  der  Nordwestseite  die  oberen 
Zechsteinschichten  in  grösserer  Mannigfaltigkeit  und  deutlicher 
abgegrenzt  auftreten.  Diess  stimmt,  vielleicht  nicht  ganz  zu- 
lallig,  mit  dem  Einfallen  der  Schichten  nach  Südosten  überein. 

Während  übrigens  der  Zechstein  hier  fast  überall  in  ziem- 
lich gleichbleibender  Mächtigkeit  auftritt,  ist  die  Höhe  der  darüber 
liegenden  Decke  von  buntem  Sandsteine  ganz  von  der  Configu- 
ration  des  Terrains  abhängig  und  erscheint  daher,  ohne  Rück- 
sicht auf  die  Weltgegend,  bald  mehr,  bald  weniger  bedeutend, 
abgesehen  von  den  Hebungen  und  Senkungen,  welche  durch  das 
-Vorkommen  von  Rücken  und  Wechseln  veranlasst  worden  sind. 
So  war  z.  B.  auf  dem  Schachte  Bergmannstrost  im  Gernshäuser 
Grunde,  Hesselsbacher  Reviers,  der  bunte  Sandstein  nur  5  Lachter, 


22 


dagegen  in  dem ,  höchstens  70  bis  80  Lachter  westlich  davon 
entfernten  Schachte  Neues-Glück  schon  11^4  Lachter  mächtig, 
und  hier  hatte  keine  Schichtenstörung  durch  eine  Verwerfung 
stattgefunden,  die  Differenz  vielmehr  nur  darin  ihren  Grund,  dass 
die  jüngsten  Sandsteinschichten  des  Neuen-Glücks  auf  dem  Berg- 
mannstroste  fehlten.  Auf  dem  Wechselschachte  am  Ochsenberge, 
neuen  Gnadenthaler  Reviers,  überlagerten  14 V4  Lachter  bunten 
Sandsteins  den  Zechstein,  während  bei  vollständiger  Entwickelung 
des  ersteren  derselbe  nach  Riess  sogar  etwas  mehr  als  20  Lach- 
ter Mächtigkeit  erreicht,  welche  ausnahmsweise  noch  übertroffen 
wird,  wie  sich  diess  in  1792  auf  dem  Freudenthaler  Reviere  beim 
Abteufen  des  Lehnenschachtes,  östlich  vom  Zechenhause,  gezeigt 
hat,  welcher  mit  29  Lachter  Teufe,  als  derselbe  der  Wasser- 
und  Wetternoth  wegen  wieder  verlassen  werden  musste,  den 
bunten  Sandstein  noch  nicht  durchsunken  hatte.  Auch  die  Schächte 
Neuer-Seegen  und  Prinz  Wilhelm  im  neuen  Gnadenthaler  Reviere 
sollen  bis  auf  22  Lachter  Teufe  im  bunten  Sandstein  gestanden 
haben. 

Der  die  Zechsteinformation  überlagernde  untere  Buntsand- 
stein, also  derjenige  des  alten  Grubenfeldes,  ist  besonders  durch 
Führung  mächtiger  Gonglomeratbänke  und  durch  das  dolomitische 
Bindemittel  charakterisirt,  in  welcher  Beziehung  dessen  Schichten 
den  entsprechenden  im  Waldeckischen,  bei  Gommern  in  der  Eifel, 
im  Schwarzwalde  etc.  gleichen.  Diese  Conglojneratbänke ,  ob- 
gleich durch  den  früheren  Bergbau  als  über  den  Zechsteinschich- 
ten liegend  bekannt,  sind  trotzdem  späterhin  lange  Zeit  für  Roth- 
liegendes gehalten  worden,  bis  A.  Schwarzenberg  dieselben  von 
Neuem  für  bunten  Sandstein  erklärte  und  auf  der  von  ihm  mit 
H.  Reusse  1853  herausgegebenen  geognostischen  Karte  von  Kur- 
hessen als  solchen  bezeichnete.  Leider  geschah  es  aber,  dass 
bei  dieser  Gelegenheit  auch  achtes  Rothliegendes  zum  bunten 
Sandsteine  gezogen  wurde.  Erst  L.  H.  Grebe  hat  in  1857  bei 
der  im  Auftrage  der  Landesanstalt  für  die  geologische  Unter- 
suchung des  Kurstaates  vorgenommenen  Aufnahme  der  Gegend 
von  Frankenberg  Rothliegendes  und  bunten  Sandstein  scharf  und 
richtig  getrennt. 


23 


b.    Streichen,  Fallen,  Veränderungen  und  Ausgehen  der  Schichten. 

Nicht  nur  die  erwähnten  Rücken  und  Wechsel,  d.  h.  grössere 
oder  kleinere  Flötzverschiebungen,  sondern  auch  viele  Sättel  und 
Mulden  oder  Flötzbiegungen  haben  die  bei  regelmässigem  Auf- 
treten unter  h.  7  streichenden  und  5  bis  7^  gegen  Osten  ein- 
lallenden  Schichten  dermassen  gestört,  dass  die  mannigfachsten 
Streichungen  zwischen  0  h.  2  Acht,  bis  9  h.  6  Acht,  und  dem- 
gemäss  ein  Einfallen,  welches  mitunter  auch  noch  über  15^  geht, 
gegen  NO.  durch   0.  und  S.  hindurch   bis  SW.  vorkommen. 
Während  Sättel  und  Mulden  zu  unbedeutend  waren,  um  dem 
Bergbau  grosse  Hindernisse  entgegenzusetzen,  wurden  diese  mit- 
unter beträchtlich  durch  die  grösseren  Rücken,  von  welchen  sich 
das  Kupferlettenflötz  und  mit  demselben  alle  darüber  liegenden 
Schichten  oft  um  mehrere  Lachter  verschoben  zeigten.    Die  Ver- 
anlassung zu  solchen  Verschiebungen  sind  in  allen  Fällen  entweder 
hohle  oder  mit  dolomitischem  Sandsteine  ausgeliillte  und  nicht 
nur  den  Zechstein,  sondern  auch  den  aufgelagerten  bunten  Sandstein, 
durchsetzende  Gangspalten  von  1  Zoll  bis  zu  mehreren  Lachtern 
Mächtigkeit  gewesen ,  welche  meist  unter  Winkeln  von  60^  und 
weniger,  seltener  unter  mehr  Graden,  niedersetzen.    Die  grösste 
derartige  Verrückung  beträgt  18  Lachter  und  trennt  das  neue 
von  dem  alten  Gnadenthaler  und  dem  Hollerfelder  Reviere,  welche 
letztere  beiden  auf  dem  sogenannten  hohen  Flötze  lagen,  wäh- 
rend ersteres  auf  dem  in  der  Teufe  liegenden  Theile  der  Kupfer- 
lettenschicht oder  dem  sog.  tiefen  Flötze  baute.    Das  Sireichen 
dieses  über  2  Lachter  mächtigen,  von  grünlichgrauem .  durch  ein 
thonig-dolomitisches  Cement  verbundenen  Sandsteine  mit  Gang- 
trümmern von  fleischrothem,  schaligem  und  stänglichem  Schwer- 
spathe  erfüllten  Rückens  geht  aus  der  Nähe  der  obersten  Holler- 
felder Tageschächte  über  den  Wechselschacht,  dicht  auf  der  Ost- 
seite der  Neuen-Hülfe  vorbei,  bis  zum  Abhänge  der  Warte  und 
beträgt  10  h.  6^/2  Acht.    Günstigerweise  kann,  da  der  Wechsel- 
schacht gerade  auf  diesem  Rücken  steht,  die  Gesteinsbeschaffen- 
heit von  des  letzteren  Ausftillungsmasse  an  einzelnen  Stücken 
auf  der  Halde  jenes  Schachtes,  auf  welcher  sich  solche  mit  noch 
daransitzendem  rothem  Baryte  finden,  untersucht  werden.  Ein 
zweiter  Hauptrücken  mit  ähnlicher  Sandsteinausfüllung  trennt  das 
Hollerfelder  vom  neuen  Gnadenthaler  Reviere,  nordöstlich  vom 


24 


Triangel  und  der  Neuen-Hoffnung,  bei  einem  Streichen  von  8  h. 
1^4  Acht.  Die  Mächtigkeit  dieses  Rückens  ist  aber  ebensowenig 
wie  die  der  nachfolgenden  bekannt.  Der  dritte  Hauptrücken  von 
derselben  Beschaffenheit  zieht  sich  westlich  vom  6.  Lichtloche 
des  Gnadenthaler  Stolln's,  sowie  von  dem  alten  Schachte  Prinz 
Wilhelm  in  der  Oschreufe,  die  Casseler  Strasse  schneidend,  durch 
das  Freudenthaler  Revier  in  2  h.  Acht.  Ein  vierter  Rücken 
streicht  von  der  Oschreufe,  östlich  des  Prinzen  Maximilian,  über 
einen  Theil  der  Lehne  nach  dem  Freudenthal  über  der  Neuen 
Hütte  in  9  h.  5^/2  Acht.  Die  das  Hesselsbacher  Revier  nach 
Südwesten  begrenzenden  zwei  Rücken,  die  letzten  von  grösserer 
Bedeutung  für  den  ehemaligen  Bergwerksbetrieb,  scheinen  sich 
zu  schneiden,  indem  der  eine  in  8  h.  5^'2  Acht.,  der  andere  in 
9  h.  7  Acht,  streicht  j  dieselben  sind  jedoch,  weil  sie  ausseror- 
dentlich starke  Wasser  führten  und  das  Kupferlettenflötz,  wie  sich 
schon  über  Tage  erkennen  liess,  ansehnlich  in  die  Teufe  stürz- 
ten, durch  den  früheren  Grubenbau  nicht  durchörtert  worden, 
daher  deren  Mächtigkeit  auch  nicht  bekannt.  Näheres  über  den 
breiten  Sandsteinrücken  hinter  dem  Dorfe  Geismar,  welchen  Riess 
pag.  94  und  Ullmann  pag.  73  erwähnen,  findet  sich  nirgends  auf- 
gezeichnet. 

Eine  günstige  und  zwar  die  einzige  Gelegenheit  zum  Beob- 
achten eines  Rückens  bietet  sich  noch  jetzt,  zwar  nicht  auf  dem 
Grubenfelde  selbst,  aber  in  einer  doch  nicht  zu  weiten  Entfer- 
nung von  demselben,  beim  Dorfe  Haubern.  Dicht  bei  diesem 
Orte  ist  riämlich  durch  den  nach  Halgehausen  abgehenden  Hohl- 
weg ein  fast  4  Lachter  mächtiger  Rücken  von  hellrolhem ,  fein- 
körnigem Sandstein ,  welcher  die  z.  Th.  aus  Conglomeraten  be- 
stehenden und  unter  flachem  Winkel  einfallenden  Schichten  des 
unteren  bunten  Sandsteins  durchsetzt,  blossgelegt.  Derselbe 
streicht  in  1  h.  2  Acht,  bei  einem  Einfallen  von  ca.  60^  0.  und 
hat  ein  fingerdickes  Saalband  von  weissem,  sandigem  Letten.  Die 
Grösse  der  Verwerfung,  welche  jener  Rücken  hervorgebracht, 
lässt  sich  nicht  bestimmen,  auch  bleibt  es  zweifelhaft,  ob  der- 
selbe bis  in  den  Zechstein  niedersetzt. 

Wechsel  kommen  weit  häufiger  vor  als  Rücken ,  doch  sind 
die  vorhandenen  Nachrichten  über  dieselben  wegen  der  mindern 
Wichtigkeit  derartiger  Veränderungen  sehr  mangelhaft.    Erst  in 


25 


den  spätesten  Zeiten  des  BergbaueSj  nach  dem  Jahre  1800,  hat 
man  die  vielen  Wechsel,  durch  welche  zwischen  der  Neuen-Hülfe, 
dem  Wechselschachte  und  dem  Neuen-Seegen  das  Kupferlelten- 
flötz  Sprünge,  meist  aber  nur  von  wenigen  Zoll  Höhe,  erlitten 
hat,  genauer  beobachtet.  Dieselben  sind  nur  l  bis  2  Zoll  mächtig 
und  haben  eine  Ausfüllung  von  gelblichgrauem ,  dolomitischera 
Sandstein  oder  sind  hohl.  Die  meisten  und  grössten  jener  Wechsel 
streichen  zwischen  8  h.  6  Acht,  und  9  h.  7  Acht.,  während  die 
kleineren  jene  unter  3  h.  1  Acht,  bis  3  h.  6  Acht,  schneiden. 
Ein  aus  dem  Hollerfelder  Reviere  bekannter  Wechsel,  zwischen 
dem  ersten  und  zweiten  und  nordwestlich  vom  dritten  Taoe- 
schachte  auftretend,  hält  die  Streichungslinie  3  h.  3^2  Acht.  ein. 

Sowohl  die  erwähnten  häufigen  Veränderungen,  als  auch  die 
Tagessituation  bringen  es  mit  sich,  dass  in  der  Gegend  von  Geis- 
mar und  zwar  auf  der  Seite  nach  Louisendorf  und  Ellershausen 
hin,  der  Zechstein,  dagegen  näher  nach  Frankenberg  hin,  nämlich 
an  der  Freien-Mark,  in  der  Eulenteile,  bei  den  Schächten  Haus 
Hessen  und  Leopold  im  Freudenthaler  Reviere,  an  der  Lehne, 
auf  der  Warte,  am  Ochsenberg,  in  der  Oschreufe,  am  Mittelfelde 
und  Winterstrauch  die  untere  Abtheilung  des  bunten  Sandsteins 
und  zwar  fast  überall  mit  ihren  Gonglomeratbänken  zu  Tage 
ausgeht. 

2.    Besondere  Charakteristik  des  Erzflötzes. 

a)  Gesteinsbeschaffenheit. 

Eine  ausführlichere  Betrachtung  verdient  die  fast  den  unter- 
sten Theil  der  beschriebenen  Zechstein  -  Bildung  einnehmende 
Schicht,  deren  beigemengte  Kupfererze  vom  Jahre  i594  an  bis 
zur  Mitte  des  Jahres  '1818  Gegenstand  des  bekannten  Franken- 
berger  Bergbaues  gewesen  sind .  nämlich  das  Kupferlettenflötz. 
Dasselbe  besteht  meistens  aus  einem  zu  schieferiger  Absonderung 
geneigten,  mageren  Thone  (Letten),  zuweilen  aber  auch  aus  unab- 
gesondertera,  etwas  fetterem  Thone  von  hellgrauer  Farbe,  hin  und 
wieder  durchzogen  von  dunkelgrauen  und  braunrothen  Flammen 
und  Streifen.  Dieser  Thon  und  zwar  der  schieferige,  magere 
mehr  als  der  andere  schwillt  im  Wasser  durch  Aufsaugen  des- 
selben an,  indem  er  sich  dabei  in  nach  und  nach  immer  mehr 
aufblätternde  Bröckchen  zertheilt,  welche  bei  der  geringsten  Be- 


26 


wegung  auseinanderfallen ,  sich  aber  zu  einer  plastischen  Masse 
vereinigen  lassen.  Ähnliche  Umwandlungen  des  Kupferlettens 
erfolgen  auch  bei  längerem  Liegen  im  Freien.  Die  Einwirkung 
der  Luft  auf  denselben,  besonders  unter  Beihülfe  der  Sonnen- 
strahlen, leitet  das  Zerkleinern  durch  Schwinden  und  Bersten  der 
Masse  ein  und  der  Hinzutritt  von  Regen  vollendet  dann  durch 
weitere  Aufschieferung  der  entstandenen  eckigen  Thonbröckchen 
und  Erweichen  derselben  das  gänzliche  Zerfallen. 

Wie  sämmtliche  sandige  und  thonige  Gesteine  der  oben 
aufgezählten  Zechsteinschichten  enthält  auch  der  Kupferletten  — 
abgesehen  von  den  eingeschlossenen  Kalkconcretionen  —  kohlen- 
saure Kalkerde  ^  jedoch  nicht  viel  und  auch  nicht  gleichmässig 
durch  die  Masse  vertheilt.  Beim  Übergiessen  mit  Säuren  braust 
derselbe  nur  stellenweise  auf,  was  aber  nicht  allein  vom  Kalk- 
gehalte, sondern  zum  grössten  Theile  von  beigemengten  Kupfer- 
carbonaten  herrührt. 

In  Bezug  auf  die  Kalkausscheidungen  im  Lettenlager  ist  be- 
sonders hervorzuheben,  dass  dieselben  keine  Nieren,  sondern 
stark  plattgedrückte  Kugeln  oder  linsenförmige  Körper  darstellen, 
welche  mit  dem  kreisförmigen  Querschnitte  den  Schichtungs- 
flächen parallel  im  Flötze  liegen  und  sich  demgemäss,  wenn  sie 
längere  Zeit  an  der  Luft  gelegen  haben,  auch  aufspalten  lassen, 
sogar  von  selbst  aufschiefern,  niemals  aber  concentrisch-scha- 
lige  Absonderungen  zeigen.  Hierin  ähneln  diese  Concretionen 
den  sog.  Imatrasteinen,  auch  haben  sie,  wie  diese,  auf  der  Ober- 
fläche ringförmig  verlaufende,  concentrische  Furchen  und  Reifen, 
was  mit  jener  Spaltbarkeit  im  Zusammenhange  steht. 

Da  der  beigemengten  Kupfererze  wegen  die  Eigenschaft  der 
Flötzmasse,  im  Wasser  zu  zerfallen,  früher  dazu  benutzt  worden 
ist,  erstere  aus  dem  geförderten  Gesteine  auszuwaschen,  so  findet 
sich  solches  an  den  Halden  selbst  nicht  mehr  vor,  indessen  haben 
die  schon  früher  erwähnten  neueren  Schächte,  welche  in  1856 
und  später  Behufs  Wiederaufschliessung  des  Erzflötzes  abgeteuft, 
nachträglich  aber  wieder  verstürzt  worden  sind,  Gelegenheit  ge- 
geben, im  Hollerfelde  den  gewöhnlichen  und  im  Freudenlhale  den 
schieferigen  Thon  jener  Schicht  aufs  Neue  untersuchen  zu  können. 

Vom  Letten  des  neuen  Schachtes  Justus  im  Freudenthaler 
Reviere  Hessen  sich  62,25— 71 7o  Thon  abschlämmen  und  37,75 


27 


bis  297o  blieben  als  Rückstand,  wovon  1,5—6%  aus  Kupfer- 
erzen, Eisenoxyd  und  kohlensaurem  Kalke,  der  Rest  aber  aus 
einem,  theils  von  sehr  feinen  Quarzkörnchen,  theils  von  kleinen, 
sandigen  Schieferthonrückständen  gebildeten  Sande  mit  beige- 
mengten Kohienpartikeln  bestand.  Dieser  Letten  konnte  etwa 
36%  Wasser  halten,  ohne  solches  wieder  austropfen  zu  lassen. 

Derselbe  Letten,  welcher  sichtbar  kleine  Qu^intitäten  von 
Kupferlasur  beigemengt  enthielt,  wurde  mehrmals  mit  Salzsäure 
und  chlorsaurem  Kali  digerirt  und  eingedampft  und  zeigte  fol- 
gende Zusammensetzung: 

;66,975  Sand  (Quarzkörnchen  und  unlösliches  Thonerde- 
g  ]  Silicat), 

00  13,421  Kieselerde,  als  Hydrat  im  Letten  vorhanden, 
\8,589  Kieselerde,  an  Thonerde  gebunden, 
7,874  Thonßrde. 
0,891  Eisenoxyd, 
0,110  Eisenoxydul, 
1,410  Kalkerde, 
1,893  Kupferoxyd, 
0,632  Kali, 

8,887  Hydratwasser,  Kohlensäure  und  Kohienpartikeln, 
100,682. 

Der  Sandrückstand,  durch  anhaltendes  Kochen  mit  Schwefel- 
säure zersetzt,  ergab 

58,475  Quarzsand, 
4,645  gebundene  Kieselerde, 
3.855  Thonerde, 

so  dass  also  der  Gesammtgehalt  an  gebundener  Kieselerde  13.234 
und  an  Thonerde  11,729  beträgt. 

Der  Gehalt  von  Eisenoxyd,  Eisenoxydul,  Kalkerde,  Kupfer- 
oxyd und  Kohlenpartikeln  scheint  sehr  variabel  und  nur  das  Ver- 
hältniss  zwischen  Thonerde  und  gebundener  Kieselsäure  ein  ziem- 
lich constantes  zu  sein.  Verschiedene  Versuche  über  die  Sand- 
beimengung lassen  schliessen ,  dass  dieselbe  im  Verhältniss  zur 
gebundenen  Kieselerde  eine  ziemlich  gleichbleibende  ist,  was 
wohl  auch  vom  Kieselerdehydrat  und  Kali  gelten  mag. 

Der  Thon  aus  einem  Versuchsschächtchen  im  Hollerfelde 
Hess  sich  beim  Schlämmen  in  84%  Thon  und  16%  Rückstand 


28 


trennen,  welcher  letztere  aus  lO^/o  Kupfererzen,  Schwefelkies,  Ei- 
senkies, Eisenocker  und  kohlensaurem  Kalke,  sowie  6\  feinem 
Ouarzsande,  sandigen  Überbleibseln  von  Schieferthonbröckchen 
und  Kohlenstückchen  bestand.  Die  Wasserhaltungskraft  dieses 
Thones  zeigte  sich  grösser  als  die  des  Lettens:  nach  dem  Durch- 
schnitte mehrerer  Versuche  nahm  derselbe  54%  Wasser  auf, 
ohne  davon  wieder  austropfen  zu  lassen. 

Da,  wo  das  Plötz  zu  Tage  ausgeht,  lässt  sich  dessen  Be- 
schaffenheit wegen  Mangels  an  Aufschluss  und  wegen  der  stalt- 
gehabten, zerstörenden  Einwirkung  der  Witterungsverhältnisse 
nur  ungenügend  erkennen;  ausserdem  sind  es  auch  nur  wenige 
Stellen ,  welche  eine  Beobachtung  jenes  Lettenlagers  zulassen  5 
rechts  der  Edder  ist  diess  nur  östlich  und  nordöstlich  von  Geis- 
mar, an  den  Wegen  nach  Ellershausen  und  Louisendorf  der  Fall. 

b.  Metallgehalt. 

Ein  steter  Bogleiter  des  eben  beschriebenen  Flötzes  und 
besonders  charakferistisch  für  dasselbe  sind  Pflanzenreste  (vom 
Frankenberger  Bergmanne  früher  allgemein  mit  dem  Namen 
»Graupen«  bezeichnet)  und  im  engsten  Zusammenhange  mit  sol- 
chen steht  der  Kupfer-  und  Silbergehalt  des  Flötzes,  welcher 
fast  durchgängig  als  Imprägnation  der  Pflanzenreste  vorkommt.  Letz- 
tere gehören  zum  grösslen  Theil  der  Ullmannia  Bronni  Göpp. 
(früher  Cupressus  Ullmanni  Br.  ,  vid.  Göpp.  Monogr.  d.  fossil. 
Coniferen  p.  185)  an  und  bestehen  aus  Stamm-  und  Aststücken 
jener  Pflanze  (Stangengraupen),  aus  einzelnen  mit  dachziegelför- 
mig  übereinander  greifenden  Blättchen  bedeckten  Theilen  von 
Zweigen  (Korngraupen  oder  Kornähren  —  unter  letzterem  Namen 
in  die  Sammlungen  übergegangen  — ),  aus  zahllos  im  Gestein 
zerstreuten,  einzelnen,  oval-lanzettlichen  Blättchen  (sog.  Fliegen- 
fittigen),  sowie  aus  den  schildförmigen  Fruchtschuppen  der  Zapfen 
genannter  Pflanze  (Sterngraupen) :  sellener  kommen  die  sogen. 
Blättergraupen  vor,  Überreste  von  Araucarien  und  Farren,  näm- 
lich Alethopteris  Martinsi  Germ,  und  einer  Pecopteris- Art  (vid. 
Dünker,  Palaeontogr.  l.  Band,  p.  33). 

In  überwiegender  Mehrzahl  zeigen  sich  die  eben  angeführ- 
ten, nicht  nur  im  Letten,  sondern  auch  in  den  eingeschlossenen 
Kalkconcretionen  auftretendeu  Pflanzentheile   in  Steinkohle  und 


29 


zwar  in  eine  pechkohlenartige  Masse  (eigentliche  Kohlengraupen) 
oder  in  leichte,  z.  Th.  faserige  Kohlensubstanz  (gebrannte  Koh- 
lengraupen) verwandelt;  einzelne  Theile  finden  sich  auch  ganz 
vererzt  (Erzgraupen) ,  dagegen  in  Kalkstein  umgeänderte  Ast- 
stückchen (versteinerte  Holzgraupen)  nur  sehr  selten.  — 

Verkohlte  Pflanzenreste  treten  übrigens  auch  im  Liegenden 
des  Erzflötzes  und  in  den  dasselbe  zunächst  überlagernden  Schich- 
ten aufwärts  bis  incl.  zu  No.  6  der  letzten  Columne  auf ;  so  z.  B. 
zeigten  sich  im  Jahre  1812  beim  Abteufen  des  Schachtes  Neues- 
Glück  im  Hesselsbacher  Reviere  die  Fliegenfittige  als  Vorboten 
des  Erzflötzes  schon  1^2  Lachter  über  demselben,  auch  finden 
sich  jetzt  auf  einzelnen  Halden  mitunter  Kalksteinplatten,  welche 
Pflanzenreste  gemeinschaftlich  mit  Krystalloiden  nach  Steinsalz 
enthalten  and  aus  der  eben  bezeichneten  Schicht  No.  6  stammen. 

Die  verkohlten  Stangengraupen  werden  den  Holzfasern  ent- 
lang von  metallischen  Trümmern  und  Adern  von  unmessbarer  Dicke 
bis  zu  2  Linien  Stärke  durchzogen  und  dieses  so  constant,  dass 
selbst  die  ausgesucht  reinsten  Kohlenstückchen,  welche  gar  keinen 
Kupfergehalt  zu  besitzen  scheinen,  solchen  schon  bei  oberfläch- 
licher Untersuchung  auf  chemischem  Wege  verrathen.  Vorzugs- 
weise sind  diese  kleinen  Gangtrümmer  aus  Kupferglanz,  etwas 
gediegenem  Silber,  welches  auch  in  dünnen  Blechen  sich  findet, 
und  Schwefelkies,  zuweilen  aus  Kupferfahlerz,  Kupferkies,  W«iss- 
kupfererz  und  Buntkupfererz  zusammengesetzt  und  dazwischen 
legt  sich  mitunter  etwas  Kalkspath,  dichter  Kalkstein  oder  Kalk- 
mergel. Als  Seltenheit  ist  auch  Rothgiltigerz  mit  vorstehenden 
Mineralien  vorgekommen,  wie  an  einem  Belegstücke  in  der  Dunker- 
schen  Sammlung  zu  Marburg  zu  sehen  ist.  Bei  den  sogen.  Korn- 
ähren und  Sterngraupen  tritt  die  Kohle  oftmals  mehr  zürück  und 
wird  stellenweise  oder  gänzlich  durch  silberhaltigen  Kupferglanz, 
welcher  nur  sellener  von  einem  oder  mehreren  der  übrigen  ge- 
nannten Erze  begleitet  wird,  ersetzt,  wogegen  bei  den  Fliegen- 
fittigen  und  Blättergraupen  die  Kohle  sehr  vorwaltet,  bei  ersteren 
zuweilen  aber  auch  eine  totale  Vererzung,  meist  Umwandlung  zu 
Schwefelkies  oder  Kupferglanz  eingetreten  ist.  Auf  der  Ober- 
fläche sämmtlicher  Arten  von  Graupen  zeigen  sich  nicht  selten 
Überzüge  von  erdigem  und  faserigem  Malachit,  erdiger  und  strah- 
liger Kupferlasur,  sowie  Schwefelkies,   traubig  und  in  kleinen 


30 


Krystallen.  weniger  häufig  von  Kupferglanz,  gediegen  Silber  und 
Rothkupfererz.  Auf  den  in  der  Sohle  des  Erzflötzes  vorkommen- 
den Fliegenfittigen  ist  Eisenoxydhydrat  ein  sehr  gewöhnliches 
Überzugsmittel.  Malachit.  Kupferlasur,  Schwefelkies  und  Eisen- 
oxydhydrat kommen  übrigens  auch  in  kleinen  Partien  eingesprengt 
und  auf  den  Absonderungsflächen  des  Lettens  und  der  darüber 
liegenden  Kalkschichten  vor,  auf -welchen  sich  zuweilen  auch  trau- 
biger Kupferglanz,   seltener  Buntkupfererz  und  Silber  einfinden. 

Die  Grösse  des  nutzbaren  Metallgehaltes  im  Flötze  ist  sehr 
wechselnd,  wie  diess  durch  die  früheren  Gruben-  und  Aufberei- 
tungsarbeiten, sowie  den  Hüttenbetrieb  und  die  im  Kleinen  von 
Zeit  zu  Zeit  angestellten  Probeschmelzungen  sich  vielfach  er- 
wiesen hat.  Im  Hollerfelder  Reviere  lagen  die  Erze  nur  spärlich 
im  Kupferletten,  waren  sehr  eisenschüssig  und  hatten  einen  mitt- 
leren Kupfergehalt  (10  bis  32  Pfund  im  althessischen  Centner 
von  108  Pfund  Wascherzen),  aber  verhältnissmässig  wenig  Silber 
(1  Loth  oder  ^32  Pfund  im  Centner):  ähnlich  verhielten  sich  die 
Erze  im  Koppelbühler  und  Hundsländer  Revier,  doch  kamen  die- 
selben häufiger  vor,  waren  nicht  so  stark  eisenschüssig  und  noch 
silberärmer  (^4  Loth  im  Centner);  im  alten  und  neuen  Gnaden- 
thaler Reviere  traten  ziemlich  viel  Erze  auf.  deren  Kupfergehalt 
zwar  nicht  hoch  war  (10  bis  20  Pfund),  welche  aber  viel  Silber 
führten  (2  bis  2^2  Loth);  die  Erze  des  Freud enthaler  Re vieres, 
auf  deren  Entdeckung  in  1590  der  nachherige  Bergbaubetrieb 
gegründet  wurde ,  hatten  im  Allgemeinen  ziemlich  viel  Kupfer 
(18  bis  32  Pfund)  und  niedrige  Silbergehalte  (^2  bis  Loth), 
das  beste  Ausbringen  jedoch  lieferte  das  Hesselsbacher  Revier, 
dessen  häufig  beigemengte  Erze  nicht  nur  viel  Kupfer  (16  bis 
36  Pfund),  sondern  auch  am  meisten  Silber  gaben  (2,  2^2  bis 
3  Loth).  —  ' 

Welche  Unterschiede  aber  selbst  zwischen  Erzen  von  ein 
und  derselben  Fundstätte  vorkamen,  zeigen  nachfolgende,  im  Jahre 
1812  angestellte  Proben  mit  Erzen  vom  Schachte  Neues-Glück  im 
Hesselsbacher  Reviere.    Es  lieferten  nämlich; 

Ausgelesene  Stangengraupen  36  Pfund, 

Wascherze  aus  dem  obersten  Theile  des  Flötzes  36^/4  » 
Wascherze  aus  dem  untersten  Theile  desselben    30  » 


31 


Durchschnittsproben  vom  Flötze  aber  nur     .    .    2  P/4  Pfd. 
Kupfer, 

die  Erze  aus  der  Mitte  des  Flötzes  scheinen  also  hier  am  ge- 
ringhaltigsten gewesen  zu  sein. 

Nach  einem  Hauptdurchschnitte  wurden  aus  der  im  Laufe 
von  5  Jahren  {1809  bis  1813  incl.)  auf  den  Gruben  der  verschie- 
denen Reviere  geförderten  Flotzmasse  3.15%  Erze  ausgewaschen 
und  sämmtliche  Proben ,  welche  während  jener  Zeit  häufig  und 
regelmässig  angestellt  wurden,  ergaben  als  Mittel,  dass  1  Cent- 
ner jener  Wascherze  19,6  Pfund  Kupfer  (18,  iöVo)  ^j24  Loth 
Silber  (0,036%)  enthielt.  Hiernach  führt  also  das  Kupferletten- 
flötz  durchschnittlich  0,571725%  Kupfer  und  0,001134%  Silber, 
welche  Gehalte  beim  früheren  Hüttenbetriebe  jedoch  nur  zu  ^/a 
bis  höchstens       wirklich  ausgebracht  wurden. 

Die  früheren  Erfahrungen  haben  gelehrt,  dass  der  Gehalt 
an  Erzen  durchaus  nicht  gleichmässig  im  Flötze  vertheilt,  viel- 
mehr an  einer  Stelle  mehr  concentrirt^  an  einer  anderen  so 
spärlich  vorhanden  war,  dass  eine  Gewinnung  desselben  dadurch 
unmöglich  gemacht  wurde.  Beispielsweise  führte  das  Kupfer- 
leltenflötz  wenig  Erze  oder  war  durchgängig  ziemlich  arm  auf 
dem  Neuen- Seegen  und  der  Neuen-Hoffnung  im  neuen  Gnaden- 
thaler Reviere ;  die  Erze  kamen  im  Lettenlager  nesterweise  vor 
auf  dem  Wetterschachte  im  Freudenthaie  und  auf  der  Gottesgabe 
im  alten  Gnadenthaie ;  von  unhaltigen  Lettenmitteln  durchzogen 
zeigte  sich  das  Flötz  vor  vielen  Streben  zwischen  dem  Wechsel- 
schachte und  der  Neuen-Hülfe  im  neuen  Gnadenthaie;  endlich 
taub,  d.  h.  ohne  nennenswerthen  Erzgehalt,  war  dasselbe  an 
manchen  Stellen  des  Schachtes  an  der  Oschreufe,  der  Maria  und 
des  Wechselschachtes  im  neuen  Gnadenthaie,  des  Neuen-Carl 
und  des  Schachtes  unter  der  Wasche  im  Freudenthaler  Reviere. 

Aber  nicht  immer  tritt  del^  Erzgehalt  allein  an  das  Kupfer- 
lettenflötz  gebunden  auf,  selbst  in  höher  liegenden  Schichten  ist 
solcher  beim  früheren  Bergbau  ausnahmsweise  angetroffen  wor- 
den, jedoch  entweder  nicht  recht  entwickalt  oder  wenigstens 
nicht  auf  weitere  Erstreckung  aushaltend.  Nach  den  alten  Acten 
fand  sich  in  1775  auf  dem  Schachte  Landgraf  Wilhelm  im  Freu- 
denthaler Reviere  beim  Abteufen  1  Lachter  über  der  Erzsohle 
eine  fingersdicke  Lage  von  Kupferglanz  mit  43  Pfund  Kupfer  und 


32 


7  Loth  Silber  im  Centner,  bei  Brechung  des  Füllorts,  also  zwi- 
schen jenem  Puncte  und  dem  Erzflötze,  wieder  eine  solche  Lage. 
1  Lachler  weit  fortsetzend ,  und  darunter  erst  der  eigentliche 
Kupferletten  In  einem  auf  dem  Kronenfelde  bei  Geismar  in  1790 
niedergebrachten  Schürfschachte  lag  2^/4  Lachter  über  dem  Erz- 
flötze ein  dergleichen  zweites  von  6  Zoll  Mächtigkeit,  dessen 
übrige  Dimensionen  jedoch  nicht  ermittelt  wurden ,  weil  beide 
Plötze  nicht  edel  genug  waren,  um  verfolgt  werden  zu  können. 
Auch  Ullmann,  p.  79  seines  Werkes,  erwähnt  —  jedoch  ohne 
genauere  Angabe  der  betreffenden  Stellen,  zweier  übereinander 
liegenden  Erzflötze  mit  1^2  Lachter  Zwischenraum  im  Hessels- 
bach und  neuen  Gnadenthaie. 

Wie  in  dem  äquivalenten  Kupferschiefer  die  eingemengten 
Erze  vorzugsweise  aus  Schwefelmetallen  bestehen,  so  auch,  wie 
oben  schon  gezeigt  worden  ist,  hier  im  Kupferletten.  Die  Ge- 
wässer, aus  welchen  der  Absatz  des  Flötzes  erfolgte,  müssen 
also  mit  einem,  schwefelsaure  Metalloxyde  in  Auflösung  gehabten 
Thonschlamme  erfüllt  gewesen  sein,  aus  welchem  die  in  grosser 
Menge  in  die  Finthen  hineingerissenen  Landpflanzen,  Ullmannien, 
Araucarien  und  Fairen  beim  Vermodern  die  Reduction  jener 
Salze  zu  Schwefelmetallen  bewirkten  und  auf  diese  Weise  soge- 
nannte Graupen  bildeten,  welche  von  dem  sich  niedersetzenden 
Thone  eingehüllt  wurden.  Die  Bindung  des  Metallgehalts  dieses 
Flötzes  an  die  Pflanzenreste  zeigt  deutlich,  dass  dieselben  wirk- 
lich das  Mittel  gewesen  sind,  die  Erze  aus  dem  Wasser  auszu- 
scheiden. Auf  diese  Weise  erklärt  es  sich  leicht,  wie  bei  dem 
Einschlüsse  der  Pflanzenreste  in  dem  Thonschlamme  des  Erz- 
flötzes  Kupferglanz ,  Buntkupfererz ,  Kupferkies  ,  Weisskupfererz, 
Kupferfahlerz,  Rothgiltigerz  und  Schwefelkies  sich  haben  bilden 
können.  Dass  ausser  und  mit  diesen  Schwefelmetallen  aber  auch 
gediegenes  Silber  vorkommt,  k#n  nicht  auffallen,  da  die  leichte 
Zersetzbarkeit  der  Silbersalze  durch  organische  Stoff'e  bei  Mit- 
wirkung des  Lichts  bekannt  ist.  Malachit  und  Kupferlasur,  welche 
hier  überall  die  anderen  Kupfererze  begleiten,  sind  wahrschein- 
lich nur  zum  kleineren  Theil  secundäre  Producte,  grösstentheils 
scheinen  dieselben  gleichzeitiger  Entstehung  mit  den  andern  Erzen 
zu  sein.  Bei  derselben  ist  wohl  an  eine  Einwirkung  kohlen- 
saurer Wasser  zu  denken,  welchen  auch  die  Bildung  der  im 


33 


Kupfeiiettenflötze  so  häufig  liegenden ,  linsenförmigen  Kalkcon- 
cretionen  zugeschrieben  werden  rnuss,  deren  reguläre  und  stets 
gleichrnässige  Gestalt,  concentrische  Reifung  der  Oberfläche  und 
mit  der  Schichtung  des  Flötzes  zusammenfallende  und  genau  in 
Verbindung  stehende  Absonderung  auf  eine  chemische  Entstehungs- 
weise, nicht  aber  auf  eine  Herbeiführung  von  anderen  Stellen 
und  mechanische  Abrundung  hinweist. 

Auffallend  ist  die  starke  Zertrümmerung  der  Pflanzenreste, 
welche  übrigens  am  Holze  und  nicht  erst  nach  der  Vererzung 
desselben  stattgefunden  hat;  dieselbe  zeigt  klar,  dass  die  Pflan- 
zen durch  Finthen  zusammengeschwemmt  und  auf  ihrem  jetzigen 
Fundorte  abgesetzt  sein  müssen.  Wahrscheinlich  hatten  dieselben 
ihren  Standort  aber  in  der  Nähe,  denn  sonst  würden  sie  doch 
wohl  nicht  so  gut  erhalten  geblieben  sein.  Damit  stimmt  freilich 
nicht  überein,  was  Ullmann  p.  125  anführt,  dass  nämlich  die  mehr 
oder  minder  zerstückten  Graupen  beinahe  durchgehends  einen 
abgerundeten ,  stumpfkantigen  Umriss  hätten.  Auch  F.  Römer 
sagt  in  der  dritten  Auflage  von  Rronn's  Lethaea  geognostica, 
I.  Band,  2.  Theil,  p.  152,  dass  dieselben  meistens  Spuren  des 
Gerolltseins  an  sich  trügen.  Diese  Annahmen  dürften  jedoch 
auf  einem  Irrthume  beruhen  und  daher  rühren,  dass  die  in  die 
Sammlungen  übergegangenen  vererzten  Pflanzenreste,  besonders 
die  sogenannten  Stangengraupen  und  Kornähren,  durch  den  Wasch- 
process  aus  dem  Kupferletten  gewonnen  worden  sind  und  dess- 
halb  an  den  Kanten  abgerundet  erscheinen.  Frisch  aus  der  Fiötz- 
masse  genommene  Graupen  sind  ganzrandig  und  wohl  erhalten. 

Zur  Beurtheilung,  wieweit  die  Zertrümmerung  der  üllman- 
nien  gegatigen  ist,  sei  hier  angeführt,  dass  die  grösste  Stangen- 
graupe ,  welche  jemals  —  soweit  bekannt  —  bei  Frankenberg 
vorgekommen  und  deren  Grösse  actenmässig  s.  Z.  Aufsehen  er- 
regte, zu  Anfang  des  Jahres  1813  bei  Abteufung  des  neuen  För- 
derschachtes im  Hüsselsbacher  Reviere  gefunden  wurde  und  20  Zoll 
Länge,  13  Zoll  Breite  und  3  Zoll  Dicke  besass.  Dieselbe  be- 
stand aus  reiner,  mit  Kupferglanz  reichlich  durchwachsener  Koh- 
lenmasse und  wog  30  Pfund.  Der  Seltenheit  wegen  wurde  die- 
selbe längere  Zeit  zu  Frankenberg  aufbewahrt  und  im  Juli  1815 
vom  dasigen  Bergamte  an  Kurfürstliche  Oberrentkammer  zu  Cassel 
eingeschickt.    Schon  Graupenstücke  von  3  Zoll  Länge  fanden  sich 

Jahrtuch  1867.  3 


34 


beim  früheren  Grubenbetriebe  nicht  häufig,  die  meisten  waren 
sogar  nicht  über  einen  Zoll  lang. 


In  weiterer  Entfernung  vom  Grubenfelde  ist  rechts  der  Edder 
in  früherer  Zeit  durch  bergbauliche  Versuchsarbeiten  das  Auf- 
treten der  Zechsteinformation,  z.  Th.  unter  Tage,  an  mehreren 
Puncten  nachgewiesen  worden. 

Am  Kall  zwischen  Frankenberg  und  Röddenau  wurde  1756 
das  durch  einen  Fluthgraben  zum  Vorschein  gekommene  Letten- 
flötz  mittelst  eines  Schächtchens  untersucht,  es  erwies  sich  aber 
so  arm.  dass  aus  97  Ctr.  Erzen  nur  ^2  Ctr.  Gaarkupfer  erhalten 
werden  konnte. 

Auf  dem  Altenfelde  unweit  Geismar  erreichte  man  in  1791 
mit  einem  kleinen,  4'',8  Lachter  tiefen  Schürfschachte  den  Kupfer- 
letten, die  Erze  kamen  aber  nur  nesterweise  vor,  auch  waren 
die  Wasser  im  Schachte  zu  stark,  als  dass  die  Versuchsarbeiten 
hätten  fortgesetzt  werden  können. 

Im  Haubern'schen  Felde  erreichte  ein  in  1695  angesezter 
Schacht  Prinzessin  ^laria  mit  4  Lachter  Teufe  die  Erzsohle,  doch 
scheint  nicht  viel  daselbst  gewonnen  worden  zu  sein.  Ein  an- 
derer Schürfschacht  bei  Haubern,  in  1793  nahe  vor  dem  Walde 
nach  Kloster  Haina  hin  abgeteuft,  traf  das  Lettenflötz  in  7^2  Lach- 
ter Teufe,  fand  solches  aber  unedel. 

Versuche  im  Kronenfelde  zwischen  Geismar  und  Louisen 
dorf,  welche  zur  Aufsuchung  von  Kupferletten  in  1790  angestellt 
wurden,  waren  gänzlich  erfolglos ,  da  das  Plötz  als  unedel  sich 
erwies. 

Bei  Ellershausen  wurde  in  1775  ein  bei  der  obersten  Mühle 
zu  Tage  ausgehender  Letten  mittelst  Auffahren  eines  8  Lachter 
langen  Stöllns  und  eines  darauf  gesetzten  3^2  Lachter  tiefen 
Schächtchens  untersucht.  Die  Erze  waren  abe*  arm,  denn  1  Ctr. 
gab  nur  1^2  Pfund  Kupfer.  In  1788  teufte  man  über  dem  Dorfe 
2  Schächte  ab  und  erreichte  auch  damit  ein  20zölliges  Erzflötz, 
welches  aber  durch  viele  Wechsel  gestört,  arm  und  voller  Was- 
ser war. 

Noch  ist  zu  erwähnen ,  dass  bei  Haubern ,  am  Wege  nach 
Altenhaina,  in  früheren  Zeiten  ein  im  Zechsteingebirge  liegender. 


g5 

mächtiger  Gypsstock  abgebaut  wurde.  Da  an  der  betreffenden 
Stelle  die  Erdoberfläche  wieder  verglichen  und  bebaut  worden 
ist,  so  kann  über  das  Vorkommen  des  Gypses  zwar  nichts  Nähe- 
res mehr  angegeben  werden,  immerhin  bleibt  dasselbe  merkwür- 
dig, da  die  geognostischen  Verhältnisse  des  alten  Grubenfeldes 
bei  der  äusserst  geringen  Entwickelung  der  oberen  Zechstein- 
bildung ein  solches  in  dieser  Gegend  nicht  hätten  erwarten 
lassen. 


Auf  der  linken  Edderseite  findet  ein  Zusammenhang  der 
Zechsteinformation ,  wie  solcher  auf  der  gegenüberliegenden  zu 
beobachten  ist,  nicht  statt,  da  zwischen  Haine  und  Viermünden 
vielfache  Unterbrechungen  nicht  nur  von  Grauwacken  und  Thon- 
schiefern der  unteren  Steinkohlenbildung,  sondern  auch  vom  Roth- 
liegenden vorkommen  ,  auch  ist  diese  Formalion ,  hier  ebenfalls 
meist  von  buntem  Sandsteine  bedeckt,  nicht  so  genügend  aufge- 
schlossen, wie  durch  die  vielen  Schächte  auf  dem  jenseitigen 
Grubenfelde.  Es  bieten  desshalb  auch  nur  einzelne  kleine  Par- 
tien von  Zechsteingliedern,  welche  am  Rande  des  bunten  Sand- 
steins zu  Tage  ausgehen,  sowie  hier  und  da  angestellte  Schürf- 
versuche Gelegenheit  dar,  Beobachtungen  über  die  fraglichen 
Schichten  anzustellen. 

Dichter,  fester  Zechstein  in  mehr  oder  minder  dünn  abge- 
sonderten Laoten  tritt  nur  in  kleinen  Partien  am  Fusse  des  Stätle- 
bergs,  an  einigen  Puncten  zwischen  dieser  Stelle  und  Viermün 
den,  sowie  an  den  Delläckern  und  auf  dem  Roderfelde  bei  letz- 
terem Orte  zu  Tage.  Auf  einer  Halde  unter  dem  Stätteberge, 
am  Wege  nach  Schreufa,  finden  sich  durch  Gervillia  kerato- 
phaga  Schloth.  und  eine  Turhonilla  charakterisirte  Zechstein- 
stücke mit  eingesprengtem  Bleiglanz  und  Kupferkies,  ebenso  auf 
verschiedenen  alten  Halden  zwischen  Viermünden,  Treisbach  und 
Sachsenberg,  woselbst  in  alten  Zeiten  und  noch  im  16.  Jahr- 
hundert Bleibergbau  stattgefunden  haben  soll.  Jener  Zechstein 
am  Stätteberofe  ist  noch  besonders  erwähnenswerlh  und  bekannt 
durch  das  Vorkommen  des  Bleiglanzes  als  Versteinerungsmasse 
der  genannten  Conchylien. 

Durch  Schürfarbeiten ,  welche  die  Auf-  und  Untersuchung 

3* 


des  Kupferlettenflötzes  zum  Zwecke  hatten,  ist  im  Jahre  1856 
der  Zechstein  in  der  Haine'r  Gemarkung  am  Homberge  näher 
bekannt  geworden,  wo  derselbe  aus  einem  gelblichgrauen,  an 
der  Luft  zerfallenden  Thonmergel  besteht,  welcher  nach  unten 
hier  und  da  von  Malachit  imprägnirt  ist  und  beim  Mangel  des 
Kupferlettenflötzes  unmittelbar  das  Rothliegende  bedeckt.  In  der 
Röddenauer  Feldmark  fehlt,  wie  die  Versuchsarbeiten  ergeben 
haben,  ebenfalls  der  eigentliche  Kupferletten,  der  Zechstein  nimmt 
Thon  und  Sand  auf.  so  dass  dadurch  theils  ein  sandiger  Mergel- 
thon, theils  ein  thontger  Sandmergel  entsteht  und  dieses  Gestein 
führt  in  der  untersten  Schicht  von  1  bis  3  Fuss  Mächtigkeit  spär- 
liche Graupen  oder  Anflüge  von  Malachit.  Unter  dem  Zechstein 
trifft  man  auch  hier  überall  auf  Rothliegendes.  Am  Fusse  des 
Stätteberges  unweit  Frankenberg  haben  zwei  neuere  Schürf- 
schächtchen  in  der  untersten  mergeligen  Lage  des  durch  oben- 
genannte Petrefacten  ausgezeichneten  Zechsteins  grosse  Kohlen- 
graupen aufgefunden,  welche  von  Kupferglanz  durchzogen  er- 
schienen und  von  Kupferlasur,  namentlich  auf  den  Kluftflächen 
des  Gesteins,  sowie  von  Ullmannienblältchen  begleitet  waren. 
Nicht  fern  von  dieser  Stelle ,  auf  dem  linken  Ufer  der  Nuhne, 
sind  in  der  Schreufaer  Gemarkung  mit  einem  Schürfe  ebenfalls 
untere  Zechsteinschichten  mit  Malachit-Einsprengungen  und  Be- 
schlägen aufgeschlossen  worden ,  ein  ausgebildetes  Kupferletten- 
flötz  hat  sich  aber  ebensowenig  gefunden,  wie  an  den  übrigen, 
zu  Versuchen  ausgewählten  Puncten  des  linken  Edderufers.  Wäh- 
rend hier  die  vom  übrigen  Zechstein  nicht  scharf  abgegrenzten 
unteren  Lagen  desselben  bei  Zunahme  des  Thongehaltes  Kupfer- 
erze enthalten,  sind  es  an  anderen  Stellen  auf  dieser  Flussseite, 
nämlich  da,  wo  der  Zechstein  fehlt,  die  obersten  Schichten  des 
ausserdem  intensiv  braunroth  gefärbten  Todtliegenden,  welche 
unter  Annahme  einer  gelblichgrauen  Farbe  Kupfererze,  Vorzugs 
weise  Malachit  und  Kupferlasur,  führen  und  auf  diese  V^'eise  die 
sog.  Sanderze  bilden.  So  verhält  es  sich  z.  *B.  am  Fusse  des 
Würzebergs,  in  einer  kleinen  Schlucht  neben  der  Strasse  von 
Frankenberg  nach  Röddenau,  wo  sich  diese  von  der  Chaussee 
nach  Somplar  abtrennt.  Hier  liegt  zuunterst  in  starken  Bänken 
Rothliegendes,  darüber  in  einer  nur  wenige  Zoll  mächtigen  Schicht 
Grauliegendes  mit  Kupfererzen,  welches  alsdann  von  etwa  20  Fuss 


37 


Rauh  kalk  —  in  einzelnen  Schichten  durch  Schizodus  Schlot- 
heimi  Gein.  charakterisirt  —  überlagert  wird.  Ähnliches  kommt 
auch  bei  Viermünden  vor,  in  dessen  Nähe  im  Jahre  1747  sogar 
ein  Ouantu'ifi  Sanderze  gewonnen  worden  sind.  Anstehend  sind 
solche  daselbst  am  Eselspfade  noch  jetzt  zu  sehen. 

Ältere  Untersuchungen  auf  der  linken  Edderseite  haben  ab- 
bauwürdige Erzmittel  ebenfalls  nicht  aufgefunden.  Im  Röddenauer 
Felde  wurde  1749  ein  kleiner  Stölln  zum  Zwecke  der  Gewinnung 
von  Kupfererzen  angesetzt,  später  aber,  weil  sich  die  Flotzmasse 
als  unschmelzwürdig  erwiesen  hatte,  der  Grubenbetrieb  wieder 
eingestellt.  Ähnlich  verhielt  es  sich  im  Rodenbacher  Felde ,  wo 
in  1790  am  Wangershäuser  Wege  ein  Schächtchen  abgeteuft,  das 
mit  5^/4  Lachter  Teufe  erreichte  Flötz  aber  taub  gefunden  wurde. 
Im  Zinmnermannsgraben  unweit  Schreufa  bekam  man,  wie  es  in 
den  alten  Berichten  heisst.  in  1775  Anzeichen  von  Kupferschiefer 
von  der  Beschaffenheit  derer  zu  Thalitter.  Die  Schiefer  wurden 
mit  einem  Stölln  verfolgt,  im  dritten  Lachter  schnitten  dieselben 
aber  ab  und  legte  sich  rotfter  Sandstein  vor,  worauf  der  Stölln  im 
fünften  Lachter  mit  der  übrigen  Arbeit  eingestellt  wurde.  Die 
früheren  Versuche  auf  Sanderze  bei  Viermünden  sind  oben  schon 
erwähnt.  Später,  in  1782,  wurde  auf  Veranlassung  eines  dasigen 
Einwohners,  welcher  Kupfererze  aufgefunden  haben  wollte,  ein 
Schürfschächtchen  im  Kalkstein  2^2  Lachter  niedergebracht,  aber 
keine  Erzspur  aufgefunden. 

Ein  anderes  Vorkommen  von  Kupfererzen  bei  Viermünden, 
unter  den  Delläckern,  hat  hinsichtlich  seines  Alters  mit  allen  bis- 
her beschriebenen  keine  Gemeinschaft,  ist  aber  hier  ebenfalls 
anzuführen.  Auf  einer  nicht  sehr  mächtigen  Schicht  charakte- 
ristiscjien  Zechsteins  liegt  ein  mürber  dolomitischer  Kalkslein, 
also  Rauhkalk.  Theils  in  dünnen  Streifen  in  diesem  Rauhkalke, 
theils  stückweise  in  einem,  die  Klüfte  desselben  erfüllenden,  so- 
wie dieses  Gestein  bedeckenden  rothen  Thone  kommt  Kupfer- 
pecherz und  auf  den  Klüften  in  unregelmässigen  Bröckchen  auch 
Kupferkies  von  schön  goldgelber  Farbe  vor.  Von  technischer 
Bedeutung  erscheint  dieses  Vorkommen  aber  nicht. 

Abgesehen  von  diesem  zuletzt  erwähnten  Puncte  ist  — 
nicht  nur  bewiesen  durch  alle  bekannten  Schürfversuche,  sondern 
auch  durch  die  Gesteins-Beschalfenheit  mancher,  aus  früheren 


38 


Zeiten  herrührender  Pingen  —  als  sicher  anzunehmen,  dass  auch 
links  der  Edder  die  einzelnen  Vorkommen  von  Kupfererzen  Theile 
einer  und  derselben  Lagerstätte  sind,  wen!)  auch  nach  dem  Vor- 
hergehenden ein  Flötz  von  selbstständiger  und  gleichmässiger 
Ausbildung,  wie  auf  der  Jenseite,  nicht  vorkommt.  Da,  wo  Grau- 
wacken,  Thonschiefer  und  Rothliegendes  zu  Tage  treten,  ist  zwar 
der  Zusammenhang  der  kupfererzführenden  Schicht  verloren  ge- 
gangen, unter  dem  bunten  Sandsteine  scheint  dieselbe  aber  un- 
unterbrochen fortzusetzen,  im  Allgemeinen  jedoch  ärmer  an  Kupfer- 
gehalt zu  sein,  als  das  Erzflötz  rechts  der  Edder.  Übrigens  fehlt 
es  doch  noch  sehr  an  Aufschluss ,  um  eine  nur  einigermassen 
genaue  Beschreibung  der  Zechsteinbildung  zwischen  Haine  und 
Viermünden  geben  zu  können  und  auch  von  der  Zukunft  werden 
wohl  schwerlich  noch  bedeutende  Aufschlüsse  in  dieser  Beziehung 
zu  erwarten  sein,  da  die  an  den  meisten  Stellen  vorgenommene 
Umwandlung  der  Erdoberfläche  zu  Ackerland  eine  genaue  Un- 
tersuchung des  Terrains  in  ausgedehnterem  Maasse  unmöglich 
gemacht  hat. 


Die  Scliichtenfol^e  des  Schwarzen  und  Braunen  Jura  im 

Rlettgau 

von 

Herrn  Leopold  Würtenbepg^ep. 


In  der  südlich  vom  Randen ,  zwischen  dem  Rhein  und  der 
VYutach  gelegenen,  unter  dem  Namen  Kleltgau  bekannten  Land- 
schaft bieten  der  längs  der  Westgrenze  von  Oberhallau  bis  in  die 
Gegend  von  Schwerzen  hinziehende  Höhenzug,  sovs^ie  die  Um- 
gebung von  Lauchringen  und  Kadelburg  am  Rhein  mehrfach  Ge- 
legenheit dar  zum  Studium  des  unteren  und  mittleren  Jura. 

Es  sei  mir  nun  erlaubt,  hier  vorläufig  einen  kurzen  Über- 
blick über  die  Gliederung  dieser  Formation  in  dem  erwähnten 
Distrikte  zu  geben.  Eine  ausführlichere  Bearbeitung  der  Lias- 
formation  gedenke  ich  später  nachfolgen  zu  lassen. 

1.    Der  Schwarze  Jura  oder  Lias. 

Obwohl  die  oberen  Keupermergel  in  unserem  Gebiete  an 
mehreren  Orten  theilweise  gut  aufgeschlossen  sind,  so  ist  doch 
die  Grenzregion  zwischen  Keuper  und  Lias  unglücklicherweise 
jedesmal  verhüllt,  so  dass  man  bis  jetzt  noch  gar  nichts  von  dem 
Vorhandensein  der  Schichten  der  Amcula  contorta  weiss.  Auch 
konnten 

die  Schichten  des  Ammonites  planorbis  noch  nir- 
gends im  Lager  beobachtet  werden.  In  der  Umgebung  von 
Unterhallau  fand  ich  zwar  auf  den  Feldern  lose  herumliegende 
Brocken  eines  hellgrauen,  etwas  spathigen,  ziemlich  festen  Kalk- 
steins ,  welche  viele  charakteristische  Exemplare  des  Ammonites 
Johnstoni  Sow,  {Amm.  psilonotus  plicatus  Quenst.)  einschliessen. 


40 


ausserdem  fand  ich  darin  noch  Terehratula  perforata  Piette 
CTerebr.  psilonoti  Quenst.),  Lima  punctata  Sow.  sp.  und  Ostrea 
irregularis  Goldf.  Hieraus  geht  hervor,  dass  die  Zone  des  Am- 
monites  planorhis  im  Klettgau  deutlich  entwickelt  ist. 

Die  Schichten  des  Ammonites  angulatus  fand  ich 
nur  bei  ünterhallau  anstehend.  Im  sogenannten  »Goldgässle« 
sind  dunkelgraubraune ,  ziemlich  weiche .  oolithische  Thonkalk- 
bänke in  einer  Mächtigkeit  von  etwa  4'  aufgeschlossen.  Sie  ent- 
halten viele  Petrefakten .  die  aber  meistens  nicht  gut  erhalten 
sind.  Am  öftersten  findet  man  Ammonites  angulatus  Sow.  und 
Lima  punctata  Sow.  Ferner  erhielt  ich  noch:  Ostrea  irregularis 
G0LDF.5  Pecten  disparilis  Quenst..  Pecten  sepultus  Quenst  ,  Lima 
Hermanni  Goldf.,  Pleuromya  sp.,  Pholadomya  prima  Quenst., 
Mytilus  nitidulus  d'Orb.  etc. 

Über  diesen  oolithischen  Thonkalken  liegen  dann  16' — 20' 
dunkelgraue,  kurzbrüchige^  weiche  Schiefermergel ;  zuweilen  sind 
dünne  (nur  einige  Zoll  hohe),  harte,  feinkörnige  Sandsteinschich- 
ten eingelagert,  die  wieder  zu  dünneren  Schieferblättchen  ver- 
wittern. Organische  Reste  zeigten  sich  in  dieser  Region  noch 
keine.    Nach  oben  wird  sie  begrenzt  von  den  Arietenkalken. 

Vor  nicht  langer  Zeit  fanden  mein  Vater  (F.  J.  Würtenberger) 
und  ich  an  der  Grenze  unseres  Gebietes  in  der  Nähe  von  Riet- 
heim bei  Zurzach  (Kanton  Aargau)  einen  schönen  Aufschluss  im 
unteren  Lias.  Hier  sind  unter  den  Arietenkalken  mehr  als  20' 
machtig  ebenfalls  weiche,  dunkelgraue  Schiefermergel  aufge- 
schlossen, welche  mit  den  erwähnten  vom  Hallauer  Berg  in  Be- 
zug auf  mineralogische  Beschaffenheit  gut  übereinstimmen ;  sogar 
jene  harten  feinen  Sandsteinschichtchen  findet  man  ganz  in  der- 
selben Weise  wie  hei  Hailau  eingelagert.  Die  untere  Grenze 
konnte  nicht  ermittelt  werden.  Im  Ganzen  genommen  sind  diese 
Mergel  hier  ebenfalls  arm  an  Fossilresten  Eine  Ausnahme  da- 
von machen  einige  festere  Steinmergelbänke  der  obersten  Region, 
welche  ziemlich  petrefactenreich  sind,  ja  an  einigen  Stellen  so- 
gar als  eine  wahre  Muschelbreccie  erscheinen,  welche  hauptsäch- 
lich aus  den  Stielgliedern  des  Pentacrinus  angulatus  Opp.  und 
theilweise  zertrümmerten  Muschelschalen  zusammengesetzt  ist. 
Aber  auch  manche  sehr  gut  erhaltene  Muschel  lässt  sich  heraus- 
klopfen; so  fanden  wir  eine  Anzahl  prachtvoll  erhaltene  Exem- 


4i 

plaro  von  Modiola  psilonoti  Quenst.  und  Lima  punctata  Sow. 
mit  Vioa  Michelini  Tgm.  Ferner  zeigte  diese  Breecie  neben  einer 
Anzahl  unbestimmbarer  Trümmer  noch  folgende  Arten:  Ostrea 
irregularis  Goldf.  .  Pecten  disparilis  Quenst.,  Cardinia  sp.,  Uni- 
cardium  cardioides  d'Orb.,  Prohlematicum  Quenst.  Jur.  tab.  6, 
flg.  11.  Man  wird  wohl  mit  Bestimmtheit  annehmen  dürfen,  die 
eben  besprochene  Muschelbreccie  entspreche  jenem  Fentacriniton- 
lager,  welches  Dr.  W.  Waagen  aus  dem  Aargau  anführt  *  und 
als  Äquivalent  der  Zone  des  Ammonües  angulatus  bezeichnet. 
Waagen's  Pentacrinitcnlager  liegt  direct  über  den  für  den  Aar- 
gauer  Lias  charakteristischen  Insectenmergeln ,  welchen  die  er- 
wähnten petrefactenleeren  Schiefermergel  von  Rietheim  nach  den 
Lagerungs-Verhältnissen  und  der  mineralogischen  Beschaflfenheit 
wohl  ohne  Zweifel  auch  angehören  werden.  Da  aber  nun  diese 
letzteren  den  bei  Hallau  über  den  oolithischen  Schichten  mit 
Ammonites  angulatus  folgenden  Ablagerungen  entsprechen,  so 
wären  hierdurch  die  bis  daher  für  den  Aargauer  Jura  eigen- 
thümlich  gehaltenen  Insectenmergel  auch  auf  der  rechten  Seite 
des  Rheines,  in  unserem  Gebiete  nachgewiesen.  Freilich  zeigten 
sich  bei  Hallau  noch  keine  Spuren  von  den  Insectenüberresten, 
welche  Heer  in  diesen  Ablagerungen  in  der  Schambelen  bei  Mül- 
ligen an  der  Reuss  nachwies.  Wenn  diese  Parallelisirung  aber 
dennoch  richtig  sein  sollte,  so  dürfen  die  Insectenmergel  nicht 
mehr  bis  zu  dem  Pentacrinitcnlager  der  Zone  des  Ammonites 
planorbis  zugethcilt  werden,  da  bei  Hallau  die  oolithischen  Bänke 
mit  Ammonites  angulatus  schon  weit  tiefer  liegen.  Wie  schon 
erwähnt,  werden  diese  Mergel  bei  Hallau  von  den 

Ariete  n kalken  überlagert.  Diese  bestehen  aus  mehreren 
4" — ^5"  dicken  Bänken  eines  bläulichgrauen,  sehr  harten,  spathigen 
Kalksteins,  der  durch  Verwitterung  eine  bräunliche  Färbung  annimmt. 
Die  Mächtigkeit  der  Arietenkalke  beträgt  etwa  8'.  Sie  sind  meistens 
reichlich  mit  organischen  Resten  angefüllt,  die  aber  gewöhnlich 
schwierig  aus  dem  harten  Gesteine  herauszubringen  sind.  Gry- 
phaea  arcuata  Lmk.  und  ariete  Ammoniten  sind  die  vorherr- 
schenden Petrefacten ;  erstere  findet  sich  zu  Hunderten  gewöhn- 


*  W.  Waagen,  der  Jura  ia  Franiten,  Schwaben  und  der  Schweiz, 
Würltemb.  naturw.  Jahresh.  1863,  p.  139. 


41 


lieh  auf  den  Schichtenflächen  eingebacken.  Die  Arietenkalkc 
sind  im  Klettgau  an  vielen  Stellen  aufgeschlossen.  Wegen  ihrer 
Festigkeit  und  Dauerhaftigkeit  gelten  sie  überall  als  ein  ge- 
schätztes Baumaterial  und  sind  daher  an  vielen  Orten  durch 
Steinbrüche  aufgeschlossen;  so  z.  B.  ganz  besonders  in  der  Um- 
gebung von  Erzingen  und  Trasadingen,  ferner  aber  auch  bei 
Unterhallau,  sowie  in  der  Gegend  von  Lauchringen  und  Kadel- 
burg  am  Rhein.  Als  die  wichtigeren  Fossilresle  der  Klettgauer 
Arietenkalke  sind  etwa  folgende  zu  betrachten:  Ammonites  Bück- 
landi  Sow. ,  kmm.  Deffneri  Opp.  ,  Amm.  Sinemuriensis  d'Orb., 
Amm.  spinaries  Quenst.,  Amm.  Scipionianus  d'Orb.,  Amm.  Gmün- 
densis  Opp.,  diese  letztgenannte  Art  fand  sich  bei  Trasadingen 
in  einem  wohlerhaltenen  riesigen  Exemplar,  Amm.  sp.  (ähnlich 
Amm.  longipontinus  Opp.),  Nautilus  striatus,  Belemniies  acutus 
MiLL.,  Pleurotomaria  anglica  Sow.,  Lima  gigantea  Sow.,  Lima 
Hermanni  Goldf.,  Pecten  Hehlii  d'Orb.,  Pecten  textorius  Schloth., 
Avicula  Sinemuriensis  d'Orb.  ,  Pinna  Hartmanni  Ziet.  ,  Cardinia 
gigantea  Ouenst.,  Terehratula  Pietteana  Opp.  CTerehr.  vicinalis 
arietis  Quenst.),  Spiriferina  Walcotti  Sow.,  Spirif.  tumidus  Büch, 
Rhynchonella  Deffneri  Opp.  (Terebr.  triplicata  juvenis  Qüenst.) 
etc.  Die  im  Klettgau  über  den  Arietenkalken  folgenden  Abla- 
gerungen kann  man  als 

Ölschiefer  und  gefleckte  Mergelkalke  bezeichnen,  weil 
sie  das  Äquivalent  darstellen  zu  der  von  Quenstedt*  für  Schwa- 
ben unter  der  gleichen  Bezeichnung  beschriebenen  Bildung.  Diese 
Ölschiefer  bestehen  im  Klettgau  aus  einer  etwa  15" — 25"  mäch- 
tigen Ablagerung  grünlichgraubrauner ,  rauher  Schiefermergel, 
die  sehr  oft  fettig  anzufühlen  sind.  In  der  oberen  Region  sind 
zuweilen  schwarzgraue,  feinblätterige  Thonschiefer  eingelagert, 
die  aber  sehr  arm  an  organischen  Resten  sind ,  während  die 
übrigen  rauheren  und  fleckigen  Lagen  gewöhnlich  eine  Menge 
Fossilreste  einschliessen.  Neben  einer  Menge  unbestimmbarer 
Muscheltrümmer  zeigen  sich  hier  hauptsächlich :  Belemnites  acutus 
Miller,  Ammonites  planicosta  Sow.  (Opp.),  Monotis  olifex  Quenst., 
Monotis  inaequivalvis  Ziet.,  Gervillia  olifex  Quenst.,  Pecten  sp. 


*  QuENSTEDTj  1838^  dcF  Juia  pag.  66  und  85,  sowie  Epochen  der  Natur, 
1861,  pag.  533. 


43 


(QuENST.  Jura  tab.  11,  fig.  8),  Gryphaea  cf,  ohliqua  Goldf.  (kleine 
Formen),  Terebratula  mcinalis  Ouenst.,  Pentacriuus  tuberculatus^ 
Miller  etc.  Die  Ölschiefer  sind  im  Klettgau  fast  überall,  wo  die 
Arietenkalke  aufgeschlossen  sind ,  nachzuweisen.  In  den  vielen 
Steinbrüchen  bei  Erzingen  und  Trasadingen  sind  sie  namentlich 
gut  zu  beobachten,  ferner  auch  bei  Lauchringen. 

Vor  einiger  Zeit  hatte  ich  Gelegenheit,  mehrere  Aufschlüsse 
der  Liasformation  in  der  Umgebung  von  Langenbrücken  (bei 
Heidelberg)  zu  beobachten;  die  hier  aufgeschlossenen  Ölschiefer, 
welche  von  Deffner  und  Fraas  *  schon  beschrieben  wurden, 
machen  ganz  denselben  Eindruck  wie  diese  Bildung  im  Klettgau, 
auch  die  organischen  Einschlüsse  beider  Localiläten  stimmen  im 
Wesentlichen  mit  einander  überein. 

Nach  Oppel  **  muss  man  die  schwäbischen  Ölschiefer  seiner 
Zone  des  Pentacrinus  tuherculatus  einreihen.  Wenn  sich  nun 
im  Klettgau  Pentacrinus  tuherculatus  Miller  auch  noch  nicht  be- 
stimmt nachweisen  liess,  so  dürfte  aus  dem  Vorstehenden  doch 
klar  sein,  dass  die  hier  zu  beobachtenden  Ölschiefer  ebenfalls 
die  Zone  des  Pentacr.  tuherculatus  repräsentiren.  Die  in  neuester 
Zeit  an  verschiedenen  Orten  eingeführte  Trennung  der  Arieten- 
kalke in  eine  Zone  des  Ämmonites  Bucklandi  und  eine  Zone  des 
Ammonites  geometricus  konnte  im  Klettgau  noch  nicht  durchge- 
führt werden.  Gegen  oben  gehen  die  Ölschiefer  dieser  Gegend 
über  in 

petrefactena rm e  Thonmergel,  diese  sind  etwa  20' bis 
25'  mächtig,  hellgrau,  weich  und  eckig  bröckelnd,  öfters  sind 
kleine  Thoneisensteingeoden  eingelagert.  Von  organischen  Über- 
resten fanden  sich  hier  nur  sehr  selten  Ammonites  planicosta 
Sow.  (Opp.)  und  Ammonites  Valdani  d'Orb.  (Amm.  hifer  bispi- 
nosus  Ouenst.).  Es  lässt  sich  diese  Bildung  an  vielen  Stellen 
beobachten,  hauptsächlich  in  den  Steinbrüchen  der  Arietenkalke, 
wie  z.  B,  bei  Erzingen  und  Trasadingen. 

Bei  Kadelburg  am  Rhein,  wo  sich  im  sogenannten  »Rütte- 
löchli«  ein  ausgezeichneter  Aufschluss  im  mittleren  und  oberen 
Lias  findet,  werden  diese  Mergel  überlagert  von 

*  Deffner  und  Fraas,  die  Juraversenkung  bei  Langenbrücken,  Jahrb. 
für  Mineralogie  etc.    Jahrg.  1869,  S.  17  ff, 

Oppel,  1868,  die  Juraformation  pag.  45. 


44 


Schichten  mit  Rhynchonella  ranina.  Diese  Abthei- 
lung ist  etwa  2^2'  mäcblig  und  besteht  gewöhnlich  aus  zwei 
Bänken  eines  dunkelblaugrauen,  sehr  harten  Kalksteins  ,  welcher 
sehr  oft  hellgraue,  weichere  Steinmergelgeoden  und  viel  Eisen- 
kies einschliesst.  Diese  Schichten  sind  gewöhnlich  sehr  reich 
an  organischen  Überresten  (Pelecypoden  und  Brachiopoden),  die- 
selben sind  aber  nicht  gut  aus  dem  harten  Gesteine  herauszu- 
bringen; besser  steht  es  dagegen,  wenn  diese  Schichten  die 
Oberfläche  von  Feldern  bilden,  wie  diess  z.  B.  bei  Erzingen  und 
Trasadingen  der  Fall  ist,  wo  sie  dann  zu  bräunlichen  Brocken 
verwittern,  aus  denen  sich  die  Fossilreste  meistens  sehr  gut  er- 
halten mit  Leichtigkeit  gewinnen  lassen.  Bei  Lauchringen  fand 
mein  Vater  in  diesen  Schichten  den  Ämmonites  oxynotus  Quenst.  ; 
in  der  Mittel-  und  Oberregion  finden  sich  sehr  oft  wohlerhaltene 
Exemplare  des  Ämmonites  raricostatus  Ziet.,  ausserdem  will  ich 
aus  diesen  Schichten  noch  erwähnen:  Ämmonites  armatus  densi- 
nodus  QuENST,,  Amm,  hifer  ?  Quenst.,  Amm.  ziphns  Ziet.,  Amm. 
sp.  (gekielter  Ariel) ,  Belemnites  Oppeli  Mayer  *,  Pleurotomaria 
sp.,  Spiriferina  betacalcis  Quenst.,  Spirif.  iumidus  Buch,  Rhyn- 
chonella ranina  Suess  (Terehr.  oxynoti  Quenst.)  kommt  sehr 
häufig  vor,  Rhynch,  pUcatissima  Quenst.  sp,,  Rhynch.  calcicosta 
Quenst.  sp.,  Rhynch.  cf.  curviceps  Quenst.  sp.,  Terebratula  ova- 
tissima  Quenst  ,  Terehr.  vicinalis  sphaeroidalis  Quenst.  ,  Terehr. 
Fraasi  0??.,  Terebrätula  sy,  now.  (sehr  aufgeblähte  Form  aus  der 
Familie  der  Cincten),  Gryphaea  ohliqua  Goldf.,  Pecten  tumidus 
Ziet.,  Pecten  textorius  Schl.,  Pecten  aequalis  Sow. ,  Pecten  sp. 
(cf.  P.  priscus  ScHLOTH.),  Pecten  sp.  (cf.  P.  glaber  Ziet.),  Lima 
pectinoides  Sow.,  Lima  cf.  acuticosta  Quenst.,  Lima  sp.  (cf  L. 
gigantea  Sow.),  Monotis  papyria  Quenst.,  Plicatula  cf.  spinosa 
Sow.,  Pinna  sp.,  Modiola  cf.  psilonoti  Quenst.,  Modiola  oxynoti 
Quenst.,  Pholadomya  Fraasi  Opp.,  Cardinia  hybrida  Agass.,  Ser- 
pula  raricostafi  Quenst.,  Pentacrinus  moniliformis  beta  Quenst. 
etc.  Die  Schichten  der  Rhijnchonella  ranina  finden  sich  gut  auf- 
geschlossen in  einer  hohlen  Gasse  nordwestlich  von  Erzingen, 
sie  bilden  ferner  die  Oberfläche  eines  grossen  Theils  der  Höhen 


■  Vergl.  Dr.  K.  Mayer^s  Klassifikation  der  ßeleniniten  in  den  Verhandl. 
d.  Schweiz,  naturforsch.  Gesellsch.    Luzern,  tS62,  pag.  140. 


45 


nordwestlich  von  Erzingen  und  Trasadingen,  wo  mein  Vater  und 
ich  seit  mehreren  Jahren  eine  grosse  Anzahl  von  Versteinerun- 
gen daraus  sammelten,  endlich  sind  sie  auch  ziemlich  verbreitet 
auf  der  Höhe  bei  Unterhallau.  Zu  Bausteinen  eignen  sich  diese 
Kalkbänke  nicht  so  gut  wie  die  Arietenkalke,  weil  sie  leichter 
verwittern  als  diese. 

Aus  dem  Vorstehenden  dürfte  sich  ergeben,  dass  die  Klett- 
gauer  Schichten  mit  Rhynchonella  ranina  zusammen  mit  den 
darunter  liegenden  leeren  Mergeln  dem  Lias  ß  Quenstedt  in 
Schwaben  entsprechen ;  denn  in  den  Klettgauer  Raninaschichten 
fanden  mein  Vater  und  ich  beinahe  alle  jene  Arten,  welche  Prof. 
OüENSTEDT  auf  tab.  12  und  13  im  Jura  aus  seinem  Betakalk  und 
Oxynotenlager  abbildet.  In  diesen  Ablagerungen  hätte  man  also  auch 
Oppel's  drei  Abtheilungen:  Zone  des  Ämmonites  obtusus,  Zone 
des  Ämm.  oxynotus  und  Zone  de&  A,  raricostatus  zu  suchen. 
Wenn  man  aber  die  Trennung  in  diese  drei  Abtheilungen  auch 
für  den  Klettgau  durchführen  wollte,  würde  man  auf  nicht  ge- 
ringe Schwierigkeiten  stossen,  die  ihren  Grund  wohl  hauptsäch- 
lich in  der  geringen  Mächtigkeit  der  Liasablagerungen  in  dieser 
Gegend  haben.  Was  erstlich  die  über  den  Ölschiefern  liegenden 
petrelactenarmen  Thonmergel  betrifft,  so  werden  dieselben  wohl 
der  Zone  des  Ämmonites  obtusus  zufallen.  Die  schwäbische  Pho- 
ladomyenbank  im  Oberlseta  (mit  Pholadomya  Fraasi)  wird  von 
Oppel  *  noch  zu  seiner  Zone  des  Ämmonites  obtusus  gestellt;  es 
ist  aber  klar,  dass  im  Klettgau  die  Region  dieser  Pholadomyen- 
bank  schon  in  den  Schichten  mit  Rhynchonella  ranina  zu  suchen 
ist,  da  diese  die  fragliche  Pholadomya  in  zahlreichen  Exemplaren 
einschliessen.  Während  nun  aber  in  Schwaben  über  der  Phola- 
domyenbank  wieder  20'  Thone  mit  Ämmonites  oxynotus  und  bifer 
folgen  und  über  diesen  die  wieder  etwa  15'  mächtigen  Schichten 
mit  Ämmonites  raricostatus  liegen ,  so  findet  man  im  Klettgau 
diesen  letztgenannten  Ammoniten ,  sowie  Amm.  oxynotus  und 
Pholadomia  Fraasi  alle  zusammengedrängt  in  der  kaum  2  V^' er- 
reichenden Lage  mit  Rhynchonella  ranina  und  da  man  im  Klett- 
gau diese  Schichten  gewöhnlich  nur  da  ausbeuten  kann ,  wo  sie 
an  der  Oberfläche  verwittern ,   so  konnten  noch  keine  Beobach- 


*  Oppel,  1858,  die  Juraformation  pag.  51  und  53. 


46 


tungen  darüber  gemacht  werden,  ob  die  Leitmiischeln  der  Oppel- 
schen  drei  Zonen  in  derselben  Reihenfolge  übereinander  liegen 
wie  in  Schwaben. 

Der  in  Schwaben  mehr  als  100'  mächtige  Lias  [5  wird  also 
im  Klettgau  kaum  mehr  als  20'  mächtig:  gehen  wir  aber  in  den 
angrenzenden  Kanton  Aargau,  so  schrumpfen  diese  Schichten  auf 
eine  kaum  3'  mächtige  Ablagerung  zusammen,  denn  es  ist  klar, 
dass  die  Klettgauer  Ranina-Schichien  sammt  den  darunter  liegen- 
den petrefactenarmen  Thonmergeln  nur  in  der  von  Mösch*  unter 
der  Bezeichnung  Capricornierthon  beschriebenen,  kaum  1  Meter 
mächtigen  Bildung  zu  suchen  sind,  denn  Mösch,  sowie  auch  Dr. 
W.  Waagen  führen  hieraus  Ämmonites  oxynotus  Quenst.,  Amm. 
planicosta  Sow.,  Amm.  Ziphus  Qvei^st.,  Amm.  raricostatus  Ziet., 
Rhynchonella  ranina  Suess  und  andere  Leitmuscheln  der  Klett- 
gauer Ranina-Schichten  an. 

Die  OppELSche  Trennung  des  Lias  /3  scheint  sich  überhaupt 
in  Deutschland  nicht  weit  über  Schwaben  hinaus  durchführen  zu 
lassen:  denn  nach  U.  Schlönbach sind  diese  Lnterabtheilungen 
in  Norddeutschland  auch  nicht  zu  unterscheiden  und  ein  Anblick 
der  Tabelle  No.  L,  welche  Waagen  seiner  schon  mehrfach  er- 
wähnten Arbeit  beigibt,  lehrt,  dass  diess  auch  für  Franken  und 
die  Schweiz  gelte.  Über  den  Schichten  mit  Rhynchonella  ranina 
ist  im  Kadelburger  Aufschluss  der 

mittlere  Lias  noch  vortrefflich  entblösst.  Er  zeigt  aber 
hier  eine  sehr  geringe  Entwickelung,  denn  von  den  Raninaschichten 
bis  zu  den  Posidonienschiefern  beträgt  die  senkrechte  Höhe  nur 
8^/2' — 9'.  Trotzdem  lassen  sich  hier  mehrere  der  OppELSchen 
Zonen  recht  gut  unterscheiden,  aber  diess  ist  bis  fast  ausschliess- 
lich auch  nur  an  dem  ausgezeichneten  Aufschluss  bei  Kadelburg 
der  Fall,  denn  an  anderen  Klettgauer  Localitäten,  wo  die  Auf- 
schlüsse weniger  deutlich  sind,  lässt  sich  eine  solche  Trennung, 
weil  man  die  Fossilreste  wegen  der  geringen  Mächtigkeit  der 

*  Vergl.  C.  Mösch,  1856^  das  Flölzgebirge  im  Kanton  Aargau  pag.  26 
und  27. 

*"  W.  Waagen,  der  Jura  in  Franken  etc.  Württemb.  naturw.  Jahresh. 
186S,  pag.  139. 

Dr.  U.  ScHLöNBACH,  die  Schichten  des  unteren  und  mittleren  Lias  in 
Norddeutschland,  Jahrb.  f.  Mineralogie  etc.,  1863,  pag.  164  u.  tf. 


47 


Schichten  gewöhnlich  aus  mehreren  Zonen  durcheinandergemischt 
findet,  kaum  durchführen. 

Im  Kadelburger  Profil  lagert  sich  über  die  Schichten  mit 
Rhynchonella  ranina  eine  18"  mächtige  Schicht,  welche  sich 
aus  braunlichgrauen  oder  rostfarbigen,  rauh  anzufühlenden  Stein- 
mergeln zusaiiimonsetzt.  Organische  Reste  sind  zwar  häufig, 
aber  meistens  so  schlecht  erhalten,  dass  sie  sich  kautn  bestim- 
men lassen.  Es  kommen  in  dieser  Schicht  öfters  Partien  vor, 
die  nur  aus  zertrümmerten  Petrefactenschalen  zusammengesetzt 
sind,  auch  scheint  der  sandsteinartige  Charakter  dieser  Schicht 
nur  von  zerriebenen  Muscheltrümmern  herzurühren.  Es  fanden 
sich  wenig  bezeichnende  Fossilreste;  es  sind  zu  nennen:  Beiern- 
nites  sp.,  Rhynchonella  cur mceps  Qm^si.^  Pleurotomaria  expansa 
d'Orb,  ,  Lima  acuticosta  Goldf.  .  Pecten  priscus  Goldf.,  Pecten 
tumidus  ZiET.,  Pholadomya  sp.,  Plicatula  sp.  etc. 

Es  folgt  dann  bei  Kadelburg  eine  sehr  feste,  hellgraue, 
dunkelgefleckle  Kalkbank  und  über  dieser  gelblichgraue  weiche 
Thonmergel,  zusammen  16"  mächtig.  Hier  zeigte  sich  Ammo- 
nites  capricornus  Schloth.  (Amin,  maculatus  Quenst  ),  Amm. 
Davoei  Sow.,  Amm.  lineatus  Schl,,  Belemnites  umbilicatus^  Blainv., 
Rhynchonella  furcillata  Buch,  Rhynch.  rimosa  Buch,  Pleuroto- 
maria expansa  d'Orb.  ,  Pecten  tumidus  Ziet.  etc.  Die  Cephalo- 
poden  beweisen  hinlänglich,  dass  man  es  hier  mit  der  Zone  des 
Ammonites  Davoei  zu  thun  hat;  sogar  die  unten  liegende  Kalk- 
bank stimmt  genau  mit  den  von  Ouenstedt  (Jura  pag.  116)  für 
Schwaben  beschriebenen  dunkelgefleckten  Kalkbänken  mit  Ammo- 
nites Davoei  überein;  auch  im  Klettgau  steckt  dieser  letztgenannte 
Ammonit  so  fest  im  Gesteine,  dass  kein  ganzes  Exemplar  heraus- 
zubringen ist.  Unsere  Davoei-Sc\Ac\\\,en  mit  der  darunter  lie- 
genden Muscheltrümmcrbank  werden  wohl  die  von  Mösch  (Flötzgeb. 
p.  27  u.  ff.)  für  den  Aargau  unter  dem  Namen  i^Numismalis- 
Mergel«  beschriebene  Abtheilung  darstellen,  wie  aus  den  daraus 
angeführten  Fossilresten  hervorgehen  dürfte.  Die  Charakteristik, 
welche  Mösch  von  der  Unterregion  seiner  Numismalismergel  gibt, 
stimmt  gut  mit  unserer  Muscheltrümmerbank  und  bei  Waagen 
(loc.  cit.  pag.  157)  findet  man,  dass  in  der  Oberregion  dieser 
Numismalismergel  ebenfalls  eine  Lage  harter  Mergelknollen  mit 
Ammonites  Davoei  sich  findet.    Waagen  führt  aus  der  Unterregion 


48 


A7nm,  Jamesoni  Sow.  und  mehrere  für  die  Zone  des  Amm.  ihex 
leitende  Arten  an ,  so  dass  man  vielleicht  annehmen  dürfte,  in 
unserer  erwähnten  Muscheltrümmerbank  habe  man  die  Zonen  des 
Ammonites  Jamesoni  und  ihex  zu  suchen. 

Bei  Kadelburg  folgen  dann  über  den  Da^oee- Schichten 
24  Zoll  kurzbrüchige,  gelblichgraue,  weiche  Mergel,  denen  schich- 
jtenartig  gruppirte  Steinmergelknollen  von  Faust-  bis  Kopfgrösse 
eingelagert  sind.  In  den  weichen  Mergeln ,  wie  in  den  Stein- 
knollen findet  sich  Belemnites  paxillosus  Schloth.  sehr  häufig; 
ausserdem  zeigten  sich  hier  aber  noch  folgende  Arten:  Ammo- 
nites margaritatus  Montf.  (Amm.  amaltheus  Schloth.),  Belemnites 
compressus  Stahl,  Belemnites  hreviformis  ?  Ziet.,  Pleurotomaria 
expansa  d'Orb.,  Trochus  Schübleri  Ziet..  Trochus  imhricatus 
QüENST. 5  Turritella  undulata  Ziet.,  Pecten  strionatis  Qi^'enst., 
Pecten  priscus  Goldf.  ,  Plicatula  spinosa  Sow.,  Cucullaea  Mün- 
steri  Ziet.  etc.  Aus  mehreren  dieser  Arten  geht  zur  Genüge 
hervor,  dass  diese  Schichten  die  Zone  des  Ammonites  margari- 
tatus repräsentiren. 

Im  Kadelburger  Profil  findet  man  dann  über  diesen  Marga- 
n'toft/s- Schichten  die  Zone  des  Ammonites  spinatus  aufgeschlossen. 
Sie  besteht  aus  einer  3  Fuss  mächtigen  Region,  in  welcher 
vier  Steinmergelknollen-Schichten,  von  denen  jede  etwa  5"  dick 
ist ,  mit  gelblichgrauen ,  weichen  Mergeln  wechsellagern.  Alle 
diese  Knollenlager ,  welche  sich  meistens  aus  rundlichen  kopf- 
grossen  Knauern  zusammensetzen,  enthalten  ziemlich  häufig  cha- 
rakteristische Individuen  des  Ammonites  spinatus  Brüg,,  nament- 
lich die  oberste  dieser  Scliichten  schliesst  genanntes  Petrefact 
in  grosser  Häufigkeit  ein.  Belemniten  sind  hier  nicht  mehr  so 
zahlreich  vorhanden  wie  in  den  Margaritatus-Schichim.  In  den 
obersten  Thonschichten  zeigen  sich  zwar  zuweilen  sehr  dicke 
Belemniten-Individuen,  die  vielleicht  zu  Belemnites  crassus  Voltz 
gehören  dürften.  In  diesen  Spinatus-Schxchien  findet  man  bei 
Kadelburg  hauptsächlich:  Ammonites  spinatus  Brug.  (in  den  bei- 
den Varietäten  Amm.  costatus  nudus  Quenst.  und  A.  costatus 
spinatus  Quenst.  vertreten),  Belemnites  paxillosus  Schloth.,  Rhyn- 
chonella  amalthei  Qlenst. ,  Pecten  tumidus  Ziet.,  Plicatula  spi- 
nosa Sow.,  Serpula  sp.,  Diastopora  sp.  (die  letzten  zwei  Arten 
auf  Belemniten  sitzend)  etc. 


49 


Im  Klettgau  findet  man  im  mittleren  Lias  ausser  bei  Kadel- 
burg  noch  an  mehreren  Orten  Aufschlüsse,  so  z.  B.  bei  Beggin- 
gen  und  Schieitheim,  ferner  aber  auf  der  Höhe  zwischen  Unter- 
hallau  und  Trasadingen ;  auf  dem  sogenannten  »Brändleacker« 
fand  ich  hier  besonders:  Ammonites  capricornus  Schloth.,  Amm. 
Davoei  Sow. .  Amm.  lineatus  Schloth.,  Belemnites  hreviformis 
ZiET. ,  Belemnites  paxillosus  Schloth.,  und  in  Steinknollen  den 
Ammonites  spinatus  Brg.,  sowie  noch  mehrere  für  den  mittleren 
Lias  bezeichnende  Arten.  In  der  schon  erwähnten  hohlen  Gasse 
im  Erzinger  Rebberg  ist  der  mittlere  Lias  ebenfalls  aufgeschlossen, 
mein  Vater  und  ich  fanden  hier  schon  verschiedene  Leitmuscheln 
für  die  Zonen  des  Ammonites  Davoei,  Amm.  margaritatus  und 
Amm.  spinatus;  man  trifft  hier  namentlich  Belemnites  paxillosus 
und  Plicatula  spinosa  sehr  häufig.  Die  Umgebung  von  Erzingen 
zeigt  noch  mehrere  Puncte,  wo  sich  die  charakteristischen  Petre- 
facten  der  erwähnten  Zonen  finden,  auch  zeigen  sich  dieselben 
östlich  von  Degernau.  Über  den  >S/)ma^«^s-Schichten  schliessen 
sich  die 

Posidonienschiefer  an;  diese  sind  in  der  Klettgauer 
Gegend  gut  entwickelt  und  lassen ,  was  die  Mächtigkeit  betrifft, 
den  schwäbischen  Posidonienschiefern  nicht  viel  nach.  Sie  können 
in  unserer  Gegend  an  mehreren  Orten  beobachtet  werden:  zu 
ihrem  genaueren  Studium  eignet  sich  aber  der  schon  mehrfach 
erwähnte  Liasaufschluss  im  sog.  »Rüttelöchli«  bei  Kadelburg  wie- 
der am  besten.  Die  Mächtigkeit  unserer  Posidonienschiefer  be- 
trägt 20' — 22';  es  wird  diese  Zone  aus  dunkel-  bis  hell-  oder 
bläulichgrauen  Schiefermergeln  zusammengesetzt.  Öfters  zeigen 
sich  Partien,  die  zu  äusserst  dünnen  Schieferblättchen  verwittern. 
Auch  im  Klettgau  werden  die  Posidonienschiefer  durch  zwei  sehr 
feste  dauerhafte  Kalkmergelschichten  von  etwa  6  Zoll  Höhe,  die 
unter  dem  Namen  Stinksteine  bekannt  sind,  in  drei  Abschnitte 
getheilt.  Die  untere  und  die  mittlere  dieser  Abtheilungen  be- 
tragen jeweils  nur  12  Zoll,  die  obere  erreicht  dagegen  eine 
Mächtigkeit  von  mindestens  17'.  Nach  dem  Profil,  welches  Oppel  * 
aus  der  Boller  Gegend  von  den  Posidonienschiefern  gibt,  beträgt 


Oppel,  18S8,  die  Juraformation  pag.  201.    Prof.  No.  15. 

Jahrbuch  1867.  4 


50 


dort  der  unter  den  Stinksteinen  liegende  Theil  10',  der  zwischen 
denselben  gelegene  3^2'  und  die  darüber  folgende  Region  da- 
gegen nur  10'.  Wenn  daher  die  Klettgauer  Stinksteine  die  Fort- 
setzung bilden  von  jenen  in  Schwaben ,  so  wäre  unsere  untere 
und  mittere  Region  der  Posidonienschiefer  geringer,  die  obere 
aber  mächtiger  entwickelt  als  in  Schwaben. 

Die  unterste  Region  der  Posidonienschiefer  ist  bei  Kadel- 
burg  gut  aufgeschlossen ,  sie  besteht  hier  aus  schwarzbraunen, 
weichen,  sehr  feinblättrigen  Schiefermergeln,  die  häufig  Posidonia 
Bronni  Ziet.  und  Inoceramus  dubius  Sow.  einschliessen. 

Im  unteren  Stinksteine  zeigten  sich  bei  Kadelburg  und  bei 
Degernau  mehrmals  wohlerhaltene  Exemplare  von  Leptolepis 
Bronni  Agass. 

In  den  zähen  dunkelgrauen  Schiefermergeln  der  mittleren 
Region  liegen  bei  Kadelburg  Ämmonites  communis  Sow.,  Pecten 
contrarius  Ruch,  Monotis  substriata  Goldf.,  Inoceramus  dubius 
Sow.  Hier  fand  man  auch  ein  plattgedrücktes  Stück  von  einem 
Pflanzenstamm,  dessen  Substanz  in  Gagatkohle  verwandelt  ist. 

Im  oberen  Stinkstein  trifft  man  Ämmonites  Lythensis  Buch 
und  Inoceramus  dubius  Sow. 

Die  Region  über  den  Stinksteinen  besteht  gewöhnlich  aus 
unregelmässig  grobschieferigen ,  ziemlich  harten  Thonmergeln. 
Man  trifft  hier  bei  Kadelburg  besonders  Ämmonites  Lythensis 
Buch,  Ämm.  communis  Sow.,  Amm.  serpentinus  Rein..  Äptychus 
sanguinolaris ,  Belemnites  acuarius  Schloth.,  Posidonia  Bronni 
ZiET.,  Inoceramus  dubius  Sow,,  Monotis  substriata  Goldf.,  Or- 
bicula  papyracea.  Bei  Kadelburg  findet  sich  in  den  unteren 
Lagen  dieser  Region  eine  S"  dicke  Bank,  welche  Chondrites  Bol- 
lensis  Ziet.  sp.  in  grosser  Häufigkeit  einschliesst  und  in  der 
obersten  Region  liegt  eine  dünne  Schicht,  die  fast  ganz  nur  aus 
den  Schalen  der  Posidonia  Bronni  zusammengesetzt  ist.  In  der 
hohlen  Gasse  nordwestlich  von  Erzingen ,  in  der  Nähe  des  so- 
genannten Vogelhages  findet  sich  ebenfalls  ein  ausgezeichneter 
Aufschluss  hauptsächlich  in  den  oberen  Posidonienschiefern.  Mein 
Vater  und  ich  sammelten  hier  eine  grosse  Anzahl  von  Verstei- 
nerungen; man  trifflt  hier  namentlich  in  ausserordentlicher  Häu- 
figkeit den  Ämmonites  Lythensis  Buch,  sowie  Ämm.  serpentinus 
Rein.,  ' ausserdem  aber  noch:  Belemnites  acuarius  Schloth.,  Or- 


51 


bieula  papyracea  Quenst.  ,  Inoceramus  duhius  Sow.,  Posidonia 
Bronni  Ziet.,  Lolignites,  Chondrites  Bollensis  Ziet.  (ausgezeichnet 
schön  erhalten)  etc. 

Die  Klettgauer  Posidonienschiefer  findet  man  ferner  noch 
aufgeschlossen  bei  Beggingen  und  Schieitheim.  Von  letztgenannter 
Localitat  führen  Dr.  J.  Kübler  *  und  H.  Zwingli  in  ihren  interes- 
santen mikroskopischen  Mittheilungen  sechs  neue  Foraminiferen- 
arten  aus  den  Posidonienschiefern  an.  Es  sind  diess  folgende 
Arten:  Frondicularia  irregularis  Kbl.  und  Zw.,  Hybridina  ob- 
liqua  Kbl.  und  Zw.,  Cristellaria  primitiva  Kbl.  und  Zw.,  Cristell. 
rotunda  Kbl.  und  Zw.,  Cristell.  elongata  Kbl.  und  Zw.,  und  Cri- 
stell. communis  Kbl,  und  Zw.  Nach  Kübler  und  Zwingli  finden 
sich  alle  sechs  Arten  ebenfalls  in  den  Posidonienschiefern  von 
Betznau  (Kt.  Aargau).  Es  bleibt  noch  zu  erwähnen,  dass  bei 
Degernau  die  Posidonienschiefer  ebenfalls  nachzuweisen  sind ;  es 
zeigte  sich  hier  namentlich  Inoceramus  dubius  Sow.  und  Ammo- 
nites  Bollensis  Ziet.  In  der  ürngebung  von  Lauchringen  ist  diese 
Bildung  gleichfalls  anzutreffen.  Wir  gehen  nun  über  zu  der  letz- 
ten Abtheilung  der  Liasformation.  welche  man  gewöhnlich  unter 
der  Bezeichnung 

Jurensis-Mergel  aufführt.  Diese  Zone  lässt  sich  im 
Klettgau  an  mehreren  Orten  nachweisen.  Weil  sie  durch  viele 
Cephalopodenreste  immer  sehr  gut  charakterisirt  ist,  so  lässt  sie 
sich  überall  leicht  erkennen.  Wo  sie  anstehend  zu  beobachten 
ist,  wie  bei  Kadelburg,  besteht  sie  aus  einer  etwa  6  Fuss  mäch- 
tigen Thonablagerung;  diesen  hellgrauen,  weichen  Thonen  sind 
dann  zu  Schichten  angeordnete,  meistens  Kopf-grosse,  ziemlich  harte 
Steinmergelknollen  eingelagert.  Die  Thone,  sowie  die  Steinknollen 
schliessen  meistens  eine  Menge  bezeichnender  Belemniten  und  Am- 
monitenarten  ein,  unter  welchen  besonders  Belemnites  parvus  Hartm., 
Belemn.  brevirostris  d'Orb.,  Belemn.  longicostatus  Voltz,  Belemn. 
tricanaliculatus  Ziet.,  Ammonites  jurensis  Ziet.  und  Amm.  radians 
Rein,  zu  den  gewöhnlichsten  Vorkommnissen  gehören.  Wo  die 
Jurensis-Merge]  die  Oberfläche  bilden,  sind  sie  auf  Ackerfeldern 


*  Dr.  J.  Kübler  und  H.  Zwingli:  Mikroskopische  Bilder  aus  der  Urwelt 
der  Schweiz,  II,  Heft,  im  Neujahrsblatt  von  der  Bürgerbibliothek  in  Winter- 
thur  für  1S66,  pag.  9  und  10,  tab.  I.  ^ 

4* 


52 


leicht  nachgewiesen,  denn  man  kann  an  solchen  Orten  die  Bruch- 
stücke des  Ammonites  jurensis  Ziet.  mit  schönen  Loben ,  sowie 
Ammonites  radians  Rein,  und  die  angeführen  Belemriiten  zu  Hun- 
derten auflesen  oder  aus  den  herumliegenden  Knollen  heraus- 
klopfen. Von  dem,  was  mein  Vater  und  ich  seit  mehreren  Jah- 
ren in  dieser  Abtheilung  sammelten,  will  ich  hier  Folgendes  er- 
wähnen: Nautilus  jurensis  Quenst.  ,  Ammonites  jurensis  Ziet., 
Am,m,  hircinus  Schloth.,  Amm.  Walcotti  Sow.,  Ainm.  serrodens 
QuENST.,  Amm.  radians  Rein.,  Amm.  discoides  Ziet.,  Amm.  Eseri 
Opp.,  Am7n.  Aalensis  Ziet.,  Amm.  comptus  Rein.,  Amm.  Thouar- 
sensis  d'Orb.,  Amm.  costula  Rein.,  Amm.  insignis  Ziet.,  Beiern-  ♦ 
nites  hremrostris  d'Orb.,  Belemn.  longisulcatus  Voltz,  Belem.  ir- 
regularis  Schloth.,  Belemn.  exilis  d'Orb.,  Belemn.  parms  Hartm., 
Belemn.  tricanaliculatus  Ziet.  ,  Bhynchonella  jurensis  Quenst., 
Pleurotomaria  gigas  Quenst.,  Pleurot.  zonata  Goldf.,  Pecten  sp., 
Diastopora  liasica  Quenst.,  Bullopora  sp  ,  Pentacrinus  sp.,  Pen- 
•  tacrinus  jurensis  Quenst.,  Serpula  sp.  Ausser  an  erwähntem 
Aufschluss  im  Rüttelöchli  sind  die  Schichten  des  Amm.  jurensis 
in  der  Umgebung  von  Kadelburg  noch  an  einigen  Stellen  zu  be- 
obachten. Sie  sind  ferner  auch  aufgeschlossen  in  der  Umgebung 
von  Schwerzen  und  Degernau,  namentlich  aber  auch  bei  F:^rzin- 
gen.  Bei  letztgenanntem  Ort  findet  man  diese  Abtheilung  auf 
den  Feldern  in  der  Nähe  des  Bahnhofes  (es  ist  diese  Stelle  na- 
mentlich günstig  zum  Sammeln  von  Belemniten),  ferner  aber  auch 
auf  dem  Berge  beim  sogenannten  »Vogelhag«.  Ausserdem  lassen 
sich  die  JureJisis»Merge\  noch  an  einigen  Orten  auf  Bergen  zwi- 
schen Erzingen  und  Hallau  nachweisen  und  so  auch  in  der  Nähe 
von  Schieitheim,  von  welcher  Localität  Dr.  Waagen  (Ioc.  cit. 
pag.  167)  schon  ein  ausführliches  Petrefecten-Verzeichniss  mit- 
theilt. 

Aus  der  vorstehenden  kurzen  Betrachtung  der  Klettgauer 
Liasformation  mag  hervorgehen,  dass  sie  sich  mit  Oppels  System 
für  Schwaben  in  folgender  Weise  vergleichen  lässt. 


Schwäbischer  Lias  nach  Oppel. 

Klettgauer  Lias. 

30' 

Zone  des  Ammonifes  jurensis 

60" 

Jurensis-Merge]. 

Zone  des  Posidonia  ßronni. 

210" 

Posidonienschiefer. 

100' 

30" 

Schichten  mit  Ammonites  spi- 
natus. 

Obere  Zone  des  Amm.  mar- 
garitatus. 

24" 

Schichten  mit  Amm.  margari- 
tatus. 

Untere  Zone  des  Amm,  mar- 
garitatus. 

16" 

Schichten  mit  Amm,  Davoei. 

Zone  des  Ammonites  ibex. 

lo 

?  Muscheltrümmer-Schicht  mit 
Rhynchonella  citrviceps. 

150' 

Zone  des  Amm.  Jamesoni. 

Zone  des  .4mm.  raricostatus. 

25" 

Schicjiten    mit  Rhynchonella 
ranina. 

Zone  des  Amm.  oxynotus. 

Zone  des  Amm.  obtusus. 

230" 

Mergel  mit  Amm.  planicosta. 

Zone  des  Pentucrinus  tubßv- 
culatiis. 

20" 

Ölschiefer  mit  Monotis  olifex. 

Zone  des  Amm.  Bucklandi. 

80" 

Arietenkalk. 

Zone  des  Amm.  angulatits. 

200" 

Schichten  mit  Amm.  angulatus. 

Zone  des  Amm.  planorbis. 

?  40" 

Schichten  mit  Amm.  planorbis. 

280' 

96' 

Vor  Allem  ist  die  geringe  Mächtigkeit  unserer  Liasformation 
auffallend:  während  diese  Ablagerungen  z.  B.  in  Schwaben  gegen 
300'  mächtig  werden,  erreichen  sie  im  Klettgau  höchstens  100'. 
Aber  trotzdem  lassen  sich,  wie  oben  darzuthun  versucht  wurde, 
hier  doch  fast  alle  jene  Zonen,  welche  Oppel  für  Schwaben  auf- 
stellte, nachweisen.  Vergleicht  man  die  Mächtigkeit  der  einzelnen 
Etagen,  so  verhält  sich  in  Schwaben  Toarcien  zu  Pliensbachien 
zu  Sinemurien  etwa  wie  3 :  10: 15,  im  Klettgau  aber  wie  3:1:6. 
Während  also  die  Mächtigkeit  der  oberen  Etage  an  beiden  Orten 
so  ziemlich  übereinstimmt^  so  ist  in  Schwaben  der  mittlere  Lias 
lOmal,  der  untere  2i/2mal  mächtiger  *ais  im  Klettgau.  (Pliens- 


54 


bachien  im  Klettgaii  10',  in  Schwaben  100';  Sinemurien  im  Klett- 
gau 60'j  in  Schwaben  150').  Wenn  man  die  Entwickelung  des 
Klettgauer  Lias  mit  den  Ablagerungen  der  angrenzenden  Länder 
vergleicht,  so  stellt  sich  erstlich  beim  unteren  Lias  heraus,  dass 
er  sich  vielmehr  dem  Aargauer  Typus  nähert  als  dem  schwäbi- 
schen: denn  es  wurde  weiter  oben  gezeigt,  dass  im  Klettgau 
die  eigenthiimlichen  Insectenmergel  des  Aargauer  Jura  noch  ver- 
treten sind  und  dass  die  Schichten  mit  Rhynchonella  ranina  in 
Mösch's  Capricornierthonen  in  der  gleichen  Facies  wieder  zu  fin- 
den sind ,  während  die  äquivalenten  Ablagerungen  dieser  Zone 
in  Schwaben  in  Bezug  auf  ihre  Entwickelung  bedeutender  ab- 
weichen. Ebenso  schliesst  sich  der  mittlere  Lias  mehr  dem  aar- 
gauischen Typus  an  und  das  Toarcien  ist  in  allen  drei  Gebieten 
so  ziemlich  gleichmässig  entwickelt,  so  dass  man  schliesslich  doch 
anzunehmen  berechtigt  ist,  die  Klettgauer  Liasformation  im  All- 
gemeinen sei  mehr  ,nach  dem  im  Aargau  herrschenden  Typus 
als  nach  dem  schwäbischen  entwickelt. 

2.    Der  braune  Jura. 

Diese  Formation  hat  im  Klettgau  nur  eine  geringe  Verbrei- 
tung. Es  sind  wenig  gute  Aufschlüsse  vorhanden;  namentlich 
mangeln  solche  der  mittleren  Region ,  so  dass  man  hier  über 
einige  Abtheilungen  noch  im  Unklaren  ist.  Der  Braune  Jura 
muss  hier  überhaupt  etwas  kürzer  behandelt  werden  als  der  Lias. 
Weil  wir  noch  nicht  so  viel  Zeit  zu  dessen  Untersuchung  ver- 
wenden konnten  als  für  diese  letztgenannte  Formation  und  die 
Aufschlüsse  überhaupt  mangelhafter  sind,  so  kann  hier  einstweilen 
auch  nur  ein  allgemeines  Bild  von  der  Schichtenfolge  des  Klett- 
gauer Braunen  Jura  gegeben  werden.  Der  von  den  Ortschaften 
Rechberg,  Erzingen,  Wutöschingen  und  Schwerzen  umgebene 
Hügel,  welcher  im  Klettgau  unter  dem  Namen  Bohl  bekannt  ist, 
ist  grösstentheils  aus  den  Schichten  des  Braunen  Jura  aufgebaut. 
Mehr  im  Südwesten  unseres  Gebietes  trifft  man  diese  Formation 
in  der  Umgebung  der  Orte  Kadelburg,  Dangstetten,  Bechtersbohl 
und  Lauchringen.  Ferner  findet  man  den  oberen  Braunen  Jura 
aufgeschlossen  in  der  Nähe  von  Weisweil  und  Osterfingen,  sowie 
bei  Siblingen  am  Randen.  In  dem  schon  mehrfach  erwähnten 
Aufschluss  im  »Rüttelöchli«  bei  Kadelburg  hat  man  eine  vorlreff- 


liehe  Gelegenheit,  den  Übergang  von  den  Jurensis -Mergeln 
in  die 

Schichten  mit  Ammonites  torulosus  und  opalinus 
zu  beobachten.  Die  Unterregion  dieser  Abtheilung  ist  hier  in 
einer  Wasserreuse  auf  eine  ziemlich  weite  Strecke  aufgeschlos- 
sen. Sie  besteht  aus  kurzschieferigen  bis  bröckeligen,  rauhen, 
weichen  Thonmergeln  von  dunkelschwarzgrauer  Farbe.  Zuweilen 
finden  sich  etwas  härtere  Steinkohlenschichten  eingelagert.  Or- 
ganische Reste  sind  nicht  gerade  selten,  aber  doch  meistens  nicht 
gut  erhalten.  Es  zeigten  sich  bei  Kadelburg:  Eryma  sp.,  Am- 
monites torulosus  ZiET. ,  Amm.  opalinus  Rein.  ,  Belemnites  sub- 
clavatus  Voltz,  Belemn.  brems  Blainv.,  Terebralula?  sp.,  Pecten 
textorius  torulosi  Quenst.,  Pecten  udenarius  Quenst.  etc.  Na- 
mentlich den  Ammonites  opalinus  Rein,  findet  man  hier  in  zahl- 
reichen Exemplaren.  Diese  OpaUnus-l\iom  erreichen  im  Klett- 
gau eine  Mächtigkeit  von  wenigstens  200'.  Trotzdem  dass  sie 
eigentlich  selten  aufgeschlossen  sind ,  so  lässt  sich  ihre  Region 
doch  leicht  erkennen.  Sie  bilden  nämlich  gewöhnlich  bauchige 
Hügelformen,  während  die  auf  ihnen  liegenden  Murchisonae- 
Schichten  meistens  senkrechte  nackte  Felswände  darstellen.  Die 
Region  der  Opalinus-Thone  kann  bei  Kadelburg  und  Lauchringen 
auf  weite  Strecken  verfolgt  werden.  Nicht  selten  finden  hier 
in  ihrem  Gebiete  kleinere  und  grössere  Erdschlüpfe  statt.  Aus- 
serdem findet  sich  diese  Zone  noch  in  grosser  Verbreitung  am 
Bohl  bei  Rechberg.    Darüber  folgen  dann  die 

Schichten  mit  Ammonites  Murchisonae.  Es  ist  diess 
für  den  Geognosten  ein  viel  erfreulicheres  Gebiet  als  die  vor- 
hergehende Abtheilung,  weil  man  nämlich  hier  wieder  einen 
grossen  Reichthum  an  wohlerhaltenen  organischen  Resten  an- 
trifft. Es  besteht  diese  Bildung  im  Klettgau  aus  einer  ziemlich 
mächtigen  Ablagerung  regelmässig  geschichteter,  feinkörniger, 
harter,  kalkiger  Sandsteine,  welche  im  Innern  mit  bläulichgrauer, 
aussen  mit  brauner  Farbe  erscheinen.  In  der  unteren  Region 
sind  die  Schichten  meistens  dünn ,  in  der  Mitte  aber  erreichen 
sie  oft  eine  Höhe  von  3  Fuss.  Oft  zeigen  sich  in  dieser  Zone 
etwas  kalkigere  Partien,  die  eine  Unzahl  Exemplare  des  Pecten 
personatus  Ziet.  einschliessen ,  die  aber  dann  gewöhnlich  auch 
von  einer  Anzahl  anderer  Arten  wie  Ammonites  Murchisonae 


56 


Sow.,  AmmonUes  Staufensis  Opp.,  Astarte  Aalensis  Opp.  etc.  be- 
gleitet werden.  Es  lässt  sich  diess  namentlich  gut  beobachten 
auf  der  östlichen  Seite  des  Böhls  bei  Rechberg.  Wenn  die  Mur- 
chisonae-Sch'idiien  zwar  auch  sehr  oft  eine  grosse  Menge  Ver- 
sleinerungen einschliessen,  so  ist  ihre  Fauna  im  Ganzen  genom- 
men doch  etwas  eintönig.  Mein  Vater  und  ich  sammelten  bis 
jetzt  erst  folgende  Arten :  Ammomtes  Staufensis  Opp.,  Amm.  Mur- 
chisonae  Sow.  (die  beiden  Varietäten  Amm.  Murchisonae  obtusus 
OuENST.  und  Amm.  Murch.  acutus  Quenst.  reichlich  vorhanden), 
Belemnites  spinatus  ?  Quenst.,  Pecten  personatus  Ziet.  sehr  häufig, 
Pecten  demissus  Goldf.,  Pecten  sp.,  Lima  sp.,  Avicula  elegans 
MüNST.,  Astarte  Aalensis  Opp.  häufig,  Venulites  Aalensis  ?  Quenst., 
Inoceramus  amygdaloides  Goldf.,  Pholadomya  fidicula  Sow.;  bei 
Kadelburg  findet  man  ferner  auch  zuweilen  Zoophicos  ferrum 
equinum  Heer,  sowie  die  von  Quenst.  (Jura  tab.  46,  fig.  1)  ab- 
gebildeten sogenannten  Zopfplatten.  An  guten  Aufschlüssen  in 
dieser  Zone  mangelt  es  bei  uns  nicht:  es  finden  sich  solche  na- 
mentlich östlich  von  Kadelburg  im  sogenannten  «Bernetholz«  und 
in  der  »Berche«',  ferner  aber  auch  auf  der  Höhe  des  Böhls  bei 
Rechberg.    Schlimmer  steht  es  dagegen  mit  den 

Schichten  des  Ammonites  Sowerhyi  und  des  Amm. 
Sauzei.  Monotis  echinata  Sow.,  Pecten  tiiberculosus  Gingensis 
Quenst.,  Cucullaea  oblonga  Queäst.  und  Lithodendron  Zolleria- 
num  Quenst.,  welche  sich  in  der  Umgebung  von  Kadelburg  und 
Dangstetten  zeigten,  scheinen  zwar  auch  auf  das  Vorhandensein 
dieser  Zone  hinzudeuten.  Die 

Schichten  ^es  Ammonites  Humphriesianus  lassen  sich 
dagegen  schon  bestimmter  nachweisen.  Auf  der  Höhe  östlich 
von  Kadelburg  in  dem  sog.  »Bernetholz"  und  der  »Berche«  findet 
man  in  herumliegenden,  thonigen,  eisenschüssigen,  oolithischen 
Gesteinsbrocken  den  Amm.  Humphriesianus  Sow.,  Amm.  Blagdeni 
Sow.  (Amm.  coronatus  Ziet.),  Belemnites  giganteus  Schloth., 
Ostrea  flabelloides  Lamk.  [Ost.  Marshi  Goldf.  >.  Ausserdem  liegen 
in  unserer  Sammlung  von  hier  noch  Amm.  subcoronatus  Opp., 
Amm.  Eudesianus  d'Orb.,  Belemnites  canaliculatus  Schloth.,  Pleu- 
rotomaria  ornata  ?  Sow.,  Terebraiula  perovalis  Sow.,  Pecten  sp., 
Lima  gibbosa  Sow.,  Mytilus  cuneatus  d'Orb.,  Lyonsia  gregaria 
Rom.  sp.,  Lyonsia  sp.,  Pholadomya  Heraulti  Agass. ,  Trigonia 


i 


57 


costata  Park.,  Diastopora  compressa  Quenst.,  Cidaris  maximm 
GoLDF. ,  Serpula  lumbricalis  Schloth  Es  sind  diess  meistens 
Arten,  die  anderwärts  die  Zone  des  Amm.  Humphriesianus  cha- 
rakterisiren,  so  dass  man  trotz  der  schlechten  Aufschlüsse  mit 
Bestimmtheit  annehmen  darf,  diese  Abtheilung  sei  im  Klettgau 
ähnlich  wie  anderwärts  entwickelt.  An  einer  anderen  Localität 
in  der  Umgebung  von  Dangstelten  hat  man  ebenfalls  die  Spuren 
der  Ilumphriesianus-Sch\c\\iQi\,  Die  oberste  Abtheilung  des  Un- 
terooliths,  die 

Schichten  des  Ammonites  Parkinsoni  lassen  sich  in 
der  Umgebung  von  Bechtersbohl  nachweisen.  Es  zeigten  sich 
hier  und  an  einigen  anderen  Stellen  in  einem  eisenschüssigen, 
rauhen  Gesteine:  Ammonites  Parkinsoni  Sow.,  Amm.  polymorphus 
d'Orb.,  Amm.  oolithicus  d'Orb.,  Terebratula  carinata  Lmk.,  Rhyn- 
chonella  acuticosta  Ziel,  Posidonia  Parkinsoni  Quenst.    Die  f 

Schichten  des  Ammonites  ferrugineus  und  der 
Ostrea  Knorri  *,  welche  in  Deutschland  die  Bathgruppe  re- 
präsentiren,  lassen  sich  auch  im  Klettgau  an  einigen  Orten  nach- 
weisen. Am  Randen  bei  Siblingen  liegt  in  der  Oberregion  dieser 
Abtheilung  eine  wenig  über  10  Zoll  hohe  Bank,  welche  Terebra- 
tula lagenalis  Schloth.  ziemlich  häufig  einschliesst,  während  sich 
mehr  in  der  Unterregion  Ammonites  Württembergicus  Opp.  und 
Amm.  subradiatus  Sow.  zeigen.  In  der  Nähe  des  Osterfinger 
Bades,  sowie  im  sogenannten  »Bachtobel«  bei  Weisweil  findet 
man  nicht  selten  kleinere  und  grössere  Gesteinsbrocken,  welche 
fast  nur  aus  den  Schalen  der  Rhynchonella  varians  Schloth.  sp. 
zusammengesetzt  sind,  ausserdem  aber  zuweilen  auch  noch  Rhyn- 
chonella spinosa  Dav.  und  Terebratula  coarctata  Park,  einschlies- 

■"■  Indem  von  Dr.  U.  Schlonbach  ,  Beiträge  zur  Paläontolo;;ie  der  Jura- 
und  Kreideformation  im  nordwestl.  Deutschland,  erstes  Slück,  über  neue  und 
weniger  bekannte  jurassische  Ammoniten,  1865,  pag.  33  u.  fF.  nachgewiesen 
wurde  ,  dass  man  Ammonites  aspidoides  Opp.  mit  A7nm.  subradiatus  Sow. 
zu  vereinigen  habe,  so  lässt  sich  die  Bezeichnung  „Zone  des  Amm.  aspi- 
doides'"''  nicht  mehr  gut  in  Anwendung  bringen^  wesshalb  auch  hier  die  von 
ScHLöNBACH  Vorgeschlagene  Bezeichnung  „Zone  des  Amm.  ferrugineus  und 
der  Ostrea  Knorri'^'^  für  diese  Bildung  gebraucht  wird. 

Vergl.  das  von  uns  schon  früher  für  diese  Localität  gegebene  Profil 
in  den  Verband!,  des  naturwissenschaftl.  Vereins  in  Karlsruhe,  2.  Heft,  1866^ 
pag.  13. 


58 


sen.  Es  scheint  hier  dieses  Varians -ConglomevdLl  unter  den 
Schichten  des  Ammonifes  macrocephalus  anzustehen  und  wird 
also  ebenfalls  in  die  Bathgruppe  zu  stellen  sein.  Ferner  erhiel- 
ten wir  noch  von  mehreren  Klettgauer  Localitäten,  namentlich 
aus  der  Umgebung  von  Bechtersbohl  und  Dangstetten  zahlreiche 
Exemplare  von  Ammonites  Württembergicus  Opp.,  Amm.  Neuf- 
fensis  Opp.,  Amm.  subradiatus  Sovf.,  Rhynchonella  varians  Schi.oth. 
sp.,  Ostrea  Knorri  Ziet.  etc. 

Die  nun  folgende  Kelloway- Gruppe  erreicht  im  Klettgau 
kaum  eine  Mächtigkeit  von  6' — 7',  ist  aber  sehr  reich  an  orga- 
nischen Resten,  so  dass  für  die  zwei  Abtheilungen,  in  welche  sie 
bei  uns  zerfällt,  eine  Anzahl  der  bezeichnendsten  Arten  aufge- 
führt werden  können.  Auf  die  Kelloway-Gruppe  lagern  sich  dann 
im  Klettgau  die  spongitenreichen  Schichten  des  Ammonites  Oegir, 
welche  dem  untersten  Weissen  Jura,  nämlich  der  Zone  des  Am- 
monites transversarius  angehören.  *  Die  untere  Abtheilung  der 
Kelloway-Gruppe,  nämlich  die 

Schichten  des  Ammonites  macrocephalus  bestehen 
im  Klettgau  aus  einer  4' — 6'  mächtigen  Ablagerung  dunkelbrauner 
Eisenoolithe.  Das  thonige,  leicht  verwitternde  Gestein  enthält 
zahlreiche  Fossilreste,  von  welchen  namentlich  folgende  von  In- 
teresse sind :  Amm.  macrocephalus  Schloth.  ,  Amm.  modiolaris 
Luid,  sp.,  Amm.  Herveyi  Sow.,  Amm.  Bombur  Opp.,  Amm.  funatus 
Opp.,  Amm.  subcostarius  Opp.,  Rhynchonella  varians  Sohl,  sp., 
Rhynch.  triplicosa  Quenst.,  Terebraiula  sp.,  Pleurotomaria  sp., 
Pholadomya  Württembergica  Opp.,  Pholadomya  rugata  Quenst., 
Trigonia  costata  Park.  ,  Mespilocrinus  macrocephalus  Quenst. 
Die  Macrocephalus-Oo\\\\\Q  sind  namentlich  in  der  Umgebung  von 
Bechtersbohl  verbreitet,  sie  lassen  sich  aber  auch  in  der  Umgebung 
von  Osterfingen,  sowie  im  Bachtobel  bei  Weisweil  und  bei  Sib- 
lingen am  Randen  nachweisen.    Auf  ihnen  liegt  dann  eine 

Schicht  mit  Ammonites  curvicosta  und  Amm.  Bau- 
gieri,  welche  eine  Dicke  von  höchstens  10"  erreicht.  Dieses 
rostgelbe,  sehr  eisenhaltige  und  thonige  Gestein,  welchem  grosse 


"'•  Ausführlicheres  hierüber  gibt:  Der  Weisse  Jura  im  Klettgau  und  an- 
grenz. Randengebirge  von  F.  J.  und  L.  Würtenberger  in  den  Verhandi.  des 
naturw.  Vereins  in  Karlsruhe,  Heft  II,  1866,  pag.  11 — 68. 


59 


Oolithkörner  eingestreut  sind ,  zeigte  ausserdem  noch:  Amm.  anceps 
Rein.,  Amm.  coronatus  Brug.,  Amm.  Jason  Rein.,  Amm.  sulciferus  Opp., 
Amm.  Orion  Opp,,  Amm.  denticulatus  Ziet.^  Amm.  Henrici  d^Orb., 
Amfn.  Lamberti  Sow.,  Amm.  cordatus  Sow.,  Belemnites  Calloviensis 
Opp.,  welche  Arten  hinreichend  beweisen,  dass  diese  Schicht  im 
Klettgau  die  Zone  des  Amm.  ornatus  verlritt.  Sie  ist  bei  Bech- 
tersbohl,  im  Bachtobel  bei  Weisweil,  sowie  am  Randen  bei  Sib- 
lingen zu  beobachten  und  wird  hier  überall  von  der  untersten 
Stufe  des  Weissen  Jura,  den  spongitenreichen  Oe^2r-Schichten 
überlagert. 

Im  September  1S66. 


über  das  Alter  des  Calcaire  de  la  Porte-de-Frauce 

von 

Herrn  Dr.  E.  Willi.  Beiiecke. 


In  einer  kurzen  Notiz  in  dieser  Zeitschrift  (1865,  p.  802) 
und  später  in  einer  ausführlicheren  Arbeit  *  habe  ich  den  Ver- 
such gemacht,  einen  Vergleich  zwischen  den  an  Cephalopoden 
reichen  Kalken  des  südlichen  Tyrol  und  ausseralpinen,  oberjuras- 
sischen Bildungen  zu  ziehen.  Es  lag  in  meiner  Absicht,  auf 
die  dort  angeregten  Fragen  erst  dann  zurückzukommen ,  wenn 
weitere  Beobachtungen  in  der  Natur  mir  Veranlassung  dazu  böten. 
Zwei  soeben  erschienene  Abhandlungen  der  Herren  Lory  und 
Hebert  **  lassen  es  mir  jedoch  wünschenswerth  erscheinen,  dem 
früher  Mitgetheilten  schon  jetzt  Einiges  hinzuzufügen,  umsomehr, 
als  sich  aus  der  einen  dieser  Arbeiten  einige  interessante  neue 
Folgerungen  ziehen  lassen,  die  andere  aber  einzelne  meiner  An- 
gaben und  Schlüsse  einer  Kritik  unterzieht,  die  mich  zu  einer 
kurzen  Entgegnung  nöthigt. 

LoRY  zunächst  gibt  sehr  schätzenswerthe  Details  über  den 
häufig  genannten  Steinbruch  der  Porte-de-France  bei  Grenoble, 
wo  eine  Reihe  von  Schichten  abgebaut  wird,  die  konkordant  auf 

Über  Trias  und  Jura  in  den  Südalpen.    In  geogn.-paläont.  Beiträge. 
München,  1866. 

LoRv:  Hur  le  gisement  de  la  Terebratula  diphya  dans  les  cal- 
caires  de  la  Porte-de-France,  aux  environs  de  Grenoble  et  de 
Chamber]).    Bull.  Soc.  geol.  de  France,  1863 — 1866,  p.  516. 

Hebert:  Observations  sur  les  calcaires  ä  Terebratula  diphya 
du  Dauphine,  et  en  parliculier  sur  les  fossiles  dps  calcaires  de 
la  Porte-de-France  ('GrenoÄ/eJ?  ibid.  p.  521. 


61 


einander  liegend ,  von  wesentlich  gleicher  petrographischer  Be- 
schaffenheit, den  gemeinsamen  Namen  des  calcaire  de  la  Porte- 
de-France  führen,  sich  aber  nach  ihren  organischen  Einschlüssen 
in  mehrere  Abtheilungen  zerlegen  lassen. 

1)  Aus  den  zuunterst  liegenden  Bänken  wird  angeführt: 
Belemnites  hastatus,  Ammonites  oculatus,  Ämmonites  tortisulcatus, 
Ämmoniies  tatricus,  Ämmonites  plicatilis  und  in  grosser  Menge 
Aptychen  C^pt.  laevis  und  lamellosus). 

2)  Diesen  Komplex  überlagert  zunächst  eine  dicke  Kalkbank, 
in  welche  die  Aptychen  von  unten  noch  heraufsetzen,  die 
aber  ausserdem  das  Hauptlager  der  Terehratula  diphya  bildet 
und  solche  Ammoniten  einschliesst,  die  tiefer  noch  fehlen,  oder 
sehr  selten  sind,  während  sie  ihre  Hauptentwickelung  erst  in  der 
unmittelbar  darüber  folgenden,  doch  noch  zu  derselben  Abthei- 
lung gehörigen  Reihe  wohlgeschichteter,  heller,  feinkörniger,  mit- 
unter sogar  lithographischer  Gesteine  erreichen.  Terehratula 
diphya  wird  nach  oben  seltener. 

Ein  Theil  der  hier  vorkommenden  Ammoniten,  die  auch  in 
dem  nachher  noch  zu  besprechenden  HEBERi'schen  Aufsatze  einer 
eingehenden  Untersuchung  unterworfen  werden,  zeigen  nach  Lory 
eine  sehr  grosse  Hinneigung  zu  Kreidearten,  ohne  jedoch,  wie 
ausdrücklich  hervorgehoben  wird,  mit  solchen  vollkommen  über- 
einzustimmen. Auch  diejenigen  Schalen  finden  sich  nicht  selten, 
die  bisher  irrthümlich  unter  dem  Namen  Ammonites  anceps  auf- 
gefiihrt  wurden,  deren  eine  besonders  dem  Ammonites  Calisto 
sehr  gleichen  soll. 

3)  Es  folgen  Schichten,  welche  Lory  bereits  wiederholt  als 
calcaire  marno-bitumineux  ä  Ciment  de  la  Porte- de- France  be- 
schrieb: Mergel,  mit  festeren  Kalkbänken  wechselnd,  die  hier 
und  da  noch  Terehratula  diphya,  sonst  aber  Ammoniten  ent- 
halten, die  den  unter  (2)  erwähnten  (aus  den  hellen  lithographi- 
schen Kalken)  gleichen. 

So  wird  die  Lagerung  an  der  Porte-de-France  angegeben, 
wo  über  den  genannten  Schichten  das  untere  Neocom  sich  ein- 
stellt. Interessante  Abweichungen  zeigen  sich  jedoch  an  einigen 
nahe  gelegenen  Puncten.  Zu  Aizy  bei  Noyarey  und  Lemenc 
bei  Chambery  finden  sich  nämlich  an  der  oberen  Grenze  der 
lithographischen  Kalke  (2)  eine  oder  mehrere  Lagen  Breccie», 


62 


aus  gerollten,  zertrümmerten,  häufig  aber  noch  erkennbaren  Resten 
solcher  Fossilien  gebildet,  die  Lory  als  bezeichnend  für  die 
Schichten  ansieht,  die  man  in  Frankreich  Corallien  inferieur 
nennt.  Unter  vielen  anderen  Formen  wird  erwähnt:  Cidaris  co- 
ronata,  C.  florig emma,  Hemicidaris  crenularis,  Glypticus  hiero- 
glyphicus,  TerehratuUna  suhstriata,  Megerlea  pectunculus ,  sowie 
eine  grosse  Anzahl  Schwämme,  Korallen  und  Crinoideen.  Ein- 
zeln treten  auch  noch  Ammoniten  aus  tieferen  Lagen  auf,  so 
besonders  der  oben  genannte  Ammonites  Calisto. 

PiLLET  hatte  zuerst  nachgewiesen,  dass  in  den  Umgebungen 
von  Chambery  diese  Breccien  noch  unter  einer  500™  mäch- 
tigen Ablagerung  thonig-bituminöser  Kalke  mit  Ammonites  pH- 
catilis,  Ammonites  tatricus  und  A.  tortisulcatus  liegen,  die  dem 
Ciment  de  la  Porte-de-France  entspricht.  Wegen  dieser  eigen- 
thümlichen  Zwischerstellung  zwischen  zwei  petrographisch  ver- 
schieden, paläontologisch  aber  gleichartig  charakterisirte  Abthei- 
lungen bezeichnet  Lory  die  Breccien  als  eine  Art  Einkeilung, 
als  accidents  locaux ,  indem  er  nach  seinen  sonstigen  Beobach- 
tungen sich  berechtigt  glaubte,  solche  Fossilien,  wie  Cid.  coro- 
nata^  TerehratuUna  suhstriata  u.  s.  w.  erst  in  einem  höheren 
Niveau  zu  finden. 

Noch  an  anderen  Puncten,  zu  Echaillon,  la  Buise,  cas- 
cade  de  Co  uz,  mont  du  Chat  stellen  sich  Nerineen-  und 
Diceraten- Kalke  ein,  deren  bathrologische  Stellung  an  Ort  und 
Stelle  noch  nicht  ganz  erwiesen  scheint,  die  aber  zweifellos  dem 
oberen  Jura  einzureihen  sind. 

In  Form  einer  Tabelle,  auf  der  wir  zugleich  Lory's  Etagen- 
benennung eintragen,  erhalten  wir  von  dem  Auftreten  der  Schich- 
ten an  den  genannten  Localitäten  folgende  Übersicht: 


Kreide. 

Neocom. 

Corallien  superieur. 

Nerineen-  und  Diceras-KoXke. 

Corallien  inferieur. 

Ciwienf-Breccien. 

2.  Lithogr.  Kalke. 

Hauptbank  d. 

Oxfordien. 

Ter,  diphya. 

1.  Schichten  mit  Amm.  oculatus, 

tatricus,  tortisulcatus  etc. 

63 


Die  Schichten  mit  Amm.  oculatus  etc.  und  die  ganze  Reihe 
der  darüber  liegenden,  soweit  sie  noch  Ter.  diphya  führen,  be- 
trachtet LoRY  als  Oxfordien  und  zwar  im  Besonderen  als  Ox~ 
fordien  und  unteres  Corallien  (die  Breccien),  indem  das  Coral- 
lien  superieur  allein  an  einzelnen  Puncten  durch  die  Nerineen- 
und  D iceraten- Kalke  repräsentirt  sein  soll.  Die  Breccien 
sollen  dann,  wie  schon  gesagt,  eine  Art  Intercalation,  eine  Ko- 
lonie des  CoralL  inferieur  im  Oxfordien  vorstellen,  da  der  Ci- 
ment  nach  seinen  Fossilien  doch  eigentlich  auch  noch  auf  Ox- 
fordien hinweise.  Die  Fossilien  wären  also  nach  einem  in  Deutsch- 
land gebrauchten  Ausdrucke  »Vorlaufer«.  Das  Auffallende  und 
Schwierige  liegt  (ür  Loby  nur  darin ,  dass  die  Breccien  ihren 
Fossilien  nach  auf  ein  Niveau  über  dem  Oxfordien  hindeuten, 
doch  aber  zwischen  zwei  Abtheilungen  des  letzteren,  nämlich  den 
lithogr.  Kalken  und  dem  Ciment  eingekeilt  liegen.  Unter  Um- 
ständen ,  auf  positive  Beweise  hin ,  würde  jedoch  Lory  geneigt 
sein,  anzunehmen,  dass  die  Ciment-Schichten  sich  mit  dem  Co- 
rallien gleichzeitig  gebildet  hätten.  Dann  wäre  das  Haupt- 
lager der  Ter.  diphya  und  die  zunächst  darüber  folgenden  Schich- 
ten allein  Oxfordien;  Ciment  und  Breccien  wären  Corallien  in- 
ferieur^ die  Nerineen  und  Diceraten-Kalke  aber  Corallien  supe- 
rieur. Im  Sinne  dieses  eventuellen  Zugeständnisses  wurde  obige 
Tabelle,  der  besseren  Verständlichkeit  wegen,  zusammengestellt. 
Ich  bemerke  übrigens  gleich  hier,  dass  nach  meiner  später  zu 
motivirenden  Auflassung  die  Breccien  sich  ebensogut  mit  den 
obersten  Schichten  der  lilhogr.  Kalke  als  mit  dem  Ciment  zu 
gleicher  Zeit  gebildet  haben  könnten. 

Vergleichen  wir  diese  südfranzösischen  Verhältnisse  mit  den 
Südtyrolern,  so  kann  es  wohl  als  ausgemacht  gelten,  dass  die 
Schichten  mit  Amm.  oculatus.  tairicus  etc.  der  von  mir  als 
Schichten  des  Amm.  acanthicus  *  unterschiedenen  Etage  ent- 
sprechen. Die  bei  Lury  und  Hebert  angeführten  Fossilien  wider- 
sprechen dem  nicht.  Amm.  oculatus  nennt  man  häufig  solche 
Flexuosen  aus  der  Zone  des  Amm.  tenuilobatus ,  die  dem  Amm. 
flexuosus  gigas  Ziet.  sich  anschliessen,  wie  Amm.  comptus  Opp., 
Holheini  Opp.  und  in  Südtyrol  zu  den  bezeichnendsten  Vorkomm- 


Beiträge  p,  130. 


64 


nissen  in  der  unteren  Abtheilung  der  rothen  Kalke  gehören. 
Amm.  tortisulcatus  scheint  in  Südtyrol,  wie  das  in  Deutschland 
erwiesen  ist  *,  eine  ziemlich  weite  verticale  Verbreitung  zu  haben. 
In  den  Karpathen  findet  er  sich  nach  Oppel's  **  Mittheilungen  so- 
gar in  den  Klippenkalken  mit  Ter.  diphya  zusammen  ebenso  wie 
auf  der  Südseite  der  Alpen ,  geht  also  bedeutend  höher  hinauf, 
wie  Hebert  ***  annimmt.  Amm.  tatricus  ist  nur  eine  Bezeich- 
nung, die  der  verschiedensten  Auslegung  fähig  ist,  wie  ich  das 
früher  ausführlicher  nachgewiesen  habe,  f  Unter  diesem  Namen 
begriff  man  aus  den  in  Rede  stehenden  Schichten  z.  B.  meinen 
Amm.  isotypus,  cf.  Kudernatschi  u.  Andere.  Nicht  minder  ist  der 
BQnmi\\xx\g  Amm.  plicatilis  unter  der  grossen  Masse  Planulaten, 
die  sich  in  alpinen,  oberjurassischen  Schichten  finden,  nur  ein 
sehr  bedingter  Werth  beizulegen.  Die  von  Lory  angeführten 
Aptychen  gehören  auch  anderwärts  zu  den  gewöhnlichsten  Er- 
scheinungen ,  wie  sich  das  schon  aus  dem  häufigen  Vorkommen 
zugehöriger  Gehäuse  der  Flexuosen  und  Planulaten  einer-, 
der  Inflaten  andrerseits  schliessen  lässt. 

Belemniies  hastatus  im  weiteren  Sinne  begreift  auch  die 
Belemniten,  die  man  in  Deutschland  in  neuerer  Zeit  mit  den  Na- 
men Bei.  semisulcatus  MtiNSx.  und  unicanaliculaius  Ziet.  zu  be- 
zeichnen sich  gewöhnt  hat  und  die  vorzugsweise  den  höheren 
Abtheilungen  des  Malm  angehören.  Ich  brauche  auf  diese  Ver- 
hältnisse hier  umsoweniger  ausführlich  einzugehen,  als  ich  die- 
selben bereits  früher  weitläufiger  besprochen  habe  und  es  ja 
auch  scheint,  als  setzten  die  französischen  Forscher  einer  Paral- 
lelisirung  ihres  Oxfordien  mit  meinen  Schichten  des  Amm.  acan- 
thicus  keine  Zweifel  entgegen. 

Grossen  Widerspruch  hingegen  hat  meine  Einreihung  der 
genannten  Schichten  in  das  Kimmeridgien  gefunden.  Es  stim- 
men nämlich  die  Schichten  des  Amm.  acanthicus  in  vielen  Punc- 
ten  so  mit  dem  ausseralpinen  Horizönt  des  Amm.  tennilobatus 
überein,  dass  ich  nicht  zweifeln  durfte,  beide  neben  einander  zu 
stellen.    Da  nun  von  anderer  Seite  mehrfach  die  Zweckmässigkeit 

"  Oppel,  Mittheil.  p.  166. 

Oppel,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1865^  p.  550. 

Hebert  1.  c.  p.  531. 
f  Beiträge  p  183. 


65 


einer  Einreihung  eben  dieser  Zone  des  Ämm.  tenuilobatus ,  wie  • 
sie  in  Franken ,  Schwaben  und  der  Schweiz  entwickelt  ist ,  in 
das  Kimmeridgien  nachgewiesen  war,  so  folgte  es  als  eine  noth- 
wendige  Konsequenz,  dass  die  Tyroler  Schichten  und  mit  ihnen 
die  von  der  Porte-de-France  ebendahin  gestellt  wurden.  Ein 
Angriff  gegen  diese  Auffassung  wäre  daher  in  erster  Linie  nicht, 
wie  es  bei  Hebert  geschieht,   gegen,  mich,  sondern  gegen  die 
ersten  Begründer  jener  Auffassung  zu  richten.    Zwar  übernehme 
ich  auch  meinerseits  gern  vollständig  die  Verantwortung,  bemerke 
nur,  dass  es  hier  nicht  meine  Aufgabe  sein  kann,  alles  das  zu 
reproduciren,  was  in  Deutschland  bis  zum  Erscheinen  meiner  Ar- 
beit über  diese  Sache  geschrieben  ist.    Eine  Abhandlung  jedoch, 
die  später,  aber  noch  vor  Lory's  und  Hebert's  Publicatibn  er- 
schienen ist,  darf  ich  nicht  übergehen,  da  sie  speciell  südfran- 
zösische Verhältnisse  zum  Gegenstand  hat.    Ich  meine  die  »geo- 
gnostischen  Studien  in  dem  Ardeche-Departement«  von 
Oppel. *    Musste  man  sich  früher  darauf  beschränken,  das  Vor- 
kommen der  Zone  des  Amm.  tenuilobafns  in  Südfrankreich  ledig- 
lich aus  der  Literatur  als  wahrscheinlich  anzunehmen,  so  wurde 
hier  zum  ersten  Male  durch  directe  Beobachtungen  an  Ort  und 
Stelle  deren  Auftreten  und  zwar  in  einer  sehr  ausgezeichneten 
und  unzweideutigen  Weise  bewiesen.    Die  Angaben  Oppel's  be- 
ziehen sich  auf  den  Berg  von  Crussol  bei  Valence  und  die 
häufig  genannten  Umgebungen  von  La  Voulle.    Ein  Blick  auf 
die  mitgetheilten  Tabellen  lässt  sofort  erkennen ,  dass  dort  eine 
vollständige  Entwickelung  sämmtlicher  Schichten  des  Malm  von 
der  Kelloway- Gruppe  an  bis  hinauf  zur  Zone  des  Ämm.  tenui- 
lobatus stattgefunden  hat.    Aus  letzterer  im  Besonderen  führt 
Oppel  an:  Belemn.  unicanaliculatus  Ziet.,  Amm.  tenuilobatus  Opp^ 
Strombecki  Opp. ,  compsus  Opp..  Holbeini  Opp.  ,  acanthicus  Opp., 
Achilles  d'Orb.,   Aplychen  und  mancherlei  anderes  Bezeichnende. 
Da  diese  Vorkommnisse  noch  westlich  von  Gr e noble  liegen, 
so  wird  es  bei  der  Gleichartigkeit  der  Versteinerungen  und  da 
stratigraphische  Verhältnisse  nicht  widersprechen,  um  so  natür- 
licher, dem  Calcaire  de  la  Porte-de-France  die  ihm  früher  vin- 
dizirte  Stellung  mit  noch  grösserer  Sicherheit  anzuweisen.  Auch 


=•=  Oppel,  MitlheiL  p.  305. 

Jahrbuch  1867. 


5 


66 


eine  andere  französische  Auffassung,  die  des  Fehlens  der  ganzen 
Kimineridge-Gruppe  in  dem  Gebiete  zwischen  Cevennen 
und  Alpen  erweist  sich  als  unrichtig.  Oppel  hatte  in  den  geo- 
gnostischen  Studien  bereits  hierauf  aufmerksam  gemacht  und  er- 
wähnte dann  in  der  »tithonischen  Etage«  *  nochmals,  wie  auf- 
fallend es  sei ,  den  sonst  so  vorzüglichen  Beobachtungen  Lory's 
eine  solche  Hypothese  sich  beigesellen  zu  sehen. 

Nichtsdestoweniger  beharrt  Lory  in  seiner  neuesten  Arbeit 
bei  seiner  alten  Meinung  und  auch  Hebert  reproducirt  ausführlich 
die  Vorstellung  des  ywaste  homhement  oxfordien,  qui  unissait 
les  Cevennes  aux  Alpes  du  Dauphine^^^  ohne  auch  nur  der  Oppel'- 
schen  Angaben  zu  erwähnen.  Gerade  diese  liefern  uns  aber  den 
Beweis,  dass  in  der  oberjurassischen  Schichtenreihe  Südfrank- 
reichs sich  keine  Lücken  finden,  dass  vielmehr  von  dem  obersten 
Dogger  (Bath-Gruppe)  bis  hinauf  in  das  oberste  Kimmeridgien 
ohne  besonders  lang  dauernde  Unterbrechung  eine  unausgesetzte 
Ablagerung  von  Schichten  stattfand.  Da  kaum  in  einer  anderen 
Gegend  alpine  und  ausseralpine  Bildungen  in  deutlicher  Entwick- 
lung so  nahe  an  einander  treten,  so  dürfen  wir  auch  in  Zukunft 
von  hier  die  interessantesten  Aufschlüsse  über  die  Wechselbe- 
ziehungen beider  erwarten. 

Das  glaube  ich  jedoch  schon  jetzt  als  eine  ausgemachte  That- 
sache  hinstellen  zu  dürfen,  dass  über  den  echten  Oa^/brrf-Schich- 
ten.  wie  sie  in  Franken,  Schwaben,  der  Schweiz,  Südfrankreich 
(Berg  von  Crussol  und  la  Voulte)  in  Gestalt  der  Zonen  des 
Ammon.  Lamberti,  cordatus.  transtersarius.  der  Ter.  impressa 
und  des  Amm.  bimammaius  sich  wohl  ausgebildet  finden,  ein 
Meer  sich  ausdehnte .  das  auch  das  südliche  Tyrol  und  Venetia- 
nische  noch  bedeckte.  In  demselben  gelangten  die  Schichten 
zum  Niederschlage,  in  denen  die  Gehäuse  des  Amm,  tenuüobatus 
und  acanthicns  umhüllt  wurden.  Wenn  ich  in  meinen  Tabellen 
aus  Südtyrol  kein  Oxfordien  verzeichnen  konnte,  so  ist  damit 
das  Fehlen  desselben  noch  nicht  ausgesprochen.  Es  findet  sich 
im  Gegentheil  wohl  noch  in  Verbindung  mit  jenen  Crinoideen- 
Gesteinen,  die  ich  neben  dem  Posidonomyen-Gestein  erwähnte.  Die 
eigenthümliche  Erscheinungsweise  der  Facies  mahnt  jedoch  zur 


*  Oppel,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1865,  p.  540. 


67 


Vorsicht  und  lässt  es  gerathen  erscheinen,  ehe  ganz  sichere  An- 
haltspuncte  der  Vergleichung  vorliegen,  lieber  eine  Kolonne  der 
Tabelle  unausgefüllt  zu  lassen.  Auch  innerhalb  der  Schichten  des 
Amm.  acanthicus  werden  noch  Abiheilungen  gemacht  werden 
müssen,  indem  dieselben  für  jetzt  nur  als  ganzes,  geschlossenes, 
alpines  Äquivalent  den  ausseralpinen  Unterabtheilungen  des  Kim- 
meridgien  (die  Zone  des  Amm.  tenuilobatus  und  der  Zone  des 
Amm.  mutahilis  und  der  Pteroceras  Oceani)  gegenübergestellt 
werden  können.  Ein  solches  vorläufiges  Zusammenfassen  meh- 
rerer anderwärts  getrennter  Abtheilungen  in  eine  einzige  wird 
überhaupt  nicht  selten  in  den  Alpen  nöthig.  So  geringe  Wahr- 
scheinlichkeit die  Voraussetzung  auch  hat,  es  seien  alle  an  einem 
Puncto  unterscheidbare  Zonen  auch  überall  wiederzufinden,  so 
kann  man  doch  bei  dem  dermaligen  Standpunct  unserer  Kennt- 
nisse nicht  vorsichtig  genug  sich  davor  hüten,  das  einfacher  ent- 
wickelte als  das  allgemein  gültige  anzusehen.  Manches  in  die- 
sem Sinne  in  neuester  Zeit  über  jurassische  Bildungen  Geäusserte 
dürfte  sich  später  als  eine  grosse  Übereilung  erweisen.  So  lange 
wir  noch  nicht  einmal  wissen,  ob  die  Möglichkeit  und  die  Gren- 
zen der  Variabilität  für  verschiedene  Thierklassen  dieselben  sind, 
wird  es  immer  gestattet  sein,  der  angeblichen  Vereinigung  meh- 
rerer Zonen  in  eine  einzige  auf  Grund  der  Ähnlichkeit  der  Fos- 
silien Zweifel  entgegenzusetzen,  so  lange  nicht  den  blossen  Be- 
obachtungen der  Exemplare  einer  Sammlung  die  genauesten  Nach- 
weise der  Lagerung  in  der  Natur  bekräftigend  zur  Seite  stehen. 

Bevor  ich  zur  Betrachtung  der  oberen  Abtheiiung  des  Cal- 
caire  de  la  Porte^de-France  übergehe,  habe  ich  Einiges  auf  die 
von  Herrn  Hebert  geäusserten  Zweifel  gegenüber  der  Selbststän- 
digkeit mehrerer  von  mir  neu  benannter  Ammoniten,  resp.  der 
richtigen  Bestimmung  einiger  anderen  zu  bemerken. 

Amm.  eurystomus,  Beitr.  p.  121 ,  soll  nur  ein  aufgeblähter 
A,  Babeanus  d'Orb.  sein.  Es  ist  natürlich  Sache  der  indivi- 
duellen Auffassung,  wie  man  Arten  begrenzen  will.  Mir  ist  je- 
doch keine  Form  des  Amm*  Babeanus  mit  so  flachem,  breitem 
Rücken,  so  scharfer,  seitlicher  Kante  und  so  tief  einsinkendem 
Nabel  bekannt  geworden.  Eine  Vereinigung  meines  Ammoniten 
mit  der  D'ORBiGNv'schen  Art  würde  doch  auch  nur  dann  der  von 
Herrn  Hebert  gesetzten  Annahme,  die  Südtyroler  Schichten  des 

5" 


Amm.  acanthicus  gehörten  in  das  Oxfordien,  zu  Hülfe  kommen, 
wenn  alle  mehr  oder  minder  verschiedenen  Ammoniten,  die  einige 
Verwandtschaft  mit  Amm.  Babeams  d'Orb.  zeigen,  bezeichnend 
für  mittleres  Oxfordien  wären  und  das  kann  man  wohl  nicht  be- 
haupten. 

Unter  Amm.  Rupellensis  d'Orb.  (Beitr.  p.  182)  begriff  ich 
ferner  nicht,  wie  Herr  Hebert  meint,  einen  beliebigen  Perar- 
mat,  sondern  eben  diejenige  ganz  bestimmte  Form,  wie  sie  von 
Oppel  und  Waagen  mehrfach  aus  der  Zone  des  Amm.  tenuilobatus 
und  noch  in  neuester  Zeit  von  den  Hrnn.  Würtenberger  *  auf- 
geführt wurde.  Eines  meiner  über  einen  Fuss  im  Durchmesser 
haltenden  Exemplare  vom  Mt.  Baldo  ist  gut  erhalten  und  es 
fehlte  mir  nicht  an  Material  zur  Vergleichung. 

Ganz  das  Gleiche  gilt  von  A?nm.  Achilles  d'Orb. 

Die  Anzahl  der  Furchen  auf  meinem  Amm.  polyolcus  will 
Herr  Hebert  nicht  als  Ünterscheidungs-Merkmal  von  dem  A.  Zig- 
nodianus  d'Orb.  gelten  lassen.  Doch  finde  ich  bei  der  Unter- 
scheidung von  Heterophyllen,  wie  solche  von  Herrn  Hebert 
p.  526  seines  Aufsatzes  versucht  wird,  auch  die  Anzahl  der  Fur- 
chen als  Kriterium  benutzt.  Was  ich  in  meiner  Arbeit  als  A. 
Zignodianus  d'Orb.  aus  dem  Diphyakalk  citirte,  ist  allerdings 
nicht  dieser  Ammonit.  Oppel  hat  meine  Art  später  als  A,  Sile- 
siacus  **  unterschieden,  während  er  den  echten  A.  Zignodianus 
in  den  Schichten  des  Amm.  macrocephalus  bei  La  Voulte  auf- 
fand. Ich  bin  mit  den  Ammoniten  der  Gruppe  des  A.  Zignodia- 
nus noch  nicht  im  Reinen,  das  steht  nur  fest,  dass  ganz  ähn- 
liche Formen  im  Diphyakalk  (also  nach  Hebert  Kreide!)  in 
den  Schichten  des  Ammonites  acanthicus^  in  den  Schichten  des 
Amm.  macrocephalus  und  im  untersten  Unteroolith  mit  Amm. 
Murchisonae  am  Gap  St.  Vigilio  ***  vorkommen.  Also  auch 
diese  Arten  dürften  zur  Charakterisirung  einer  Schicht  als  »Oj:- 
fordien  moyem<  nicht  sonderlich  geeignet  sein. 

Wir  wenden  uns  nun  zur  Betrachtung  derjenigen  Schichten, 
welche  Ter.  diphya  einschliessen.    Hier  stehen  sich  die  Ansichten 

■"'  T.  J.  und  L.  Würtenberger,  Der  weisse  Jura  im  Kletto^aii.  Verhandl. 
d.  naturwiss.  Ver.  in  Karlsruhe,  II,  1866. 

Oppel,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  \865,  p.  550,  No.  65. 
Beiträge  p.  173. 


69 


Lory's  und  Hebert's  schröif  gegenüber,  indem  Lory  alle  Schich- 
ten mit  Ter.  diphya  für  jurassisch,  ja  sogar  für  Oxfordien  er- 
klärt, während  Hebert  im  Gegensatz  zu  einer  noch  vor  Kurzem 
im  Bullet,  de  la  societe  geoL  geäusserten  Meinung  sie  in  ihrer 
Gesammtheit  in  die  Kreide  verweist.  Wir  sahen  oben,  dass 
Lory  die  Ammoniten  des  oberen  Calcaire  de  la  Porte- de- France 
zwar  Kreidearten  sehr  ähnlich ,  aber  doch  nicht  mit  denselben 
identisch  findet  und  dann,  weil  über  diesen  Kalken  eine  Breccie 
von  jurassischem  Charakter  folgt,  die  insbesondere  dem  unteren 
Corallien  entsprechen  soll ,  alle  die  unter  eben  dieser  Breccie 
liegenden  Schichten  in  das  Oxfordien,  stellt.  Wegen  der  Gleich- 
heit der  organischen  Einschlüsse  wird  denn  auch  dem  höher  lie- 
genden Ciment  noch  die  nämliche  Stellung  angewiesen.  Hebert 
dagegen  beschreibt  einige  Puncte  an  den  Grenzen  der  Dept. 
Drome  und  Hautes-Alpes,  wo  er  Ter.  diphya  mit  echten 
Kreide-Ammoniten  aus  denselben  Schichten  sammelte.  Aus  die- 
sem Vorkommen  ergab  sich  für  ihn  die  Wahrscheinlichkeit,  dass 
auch  die,  Kreidearten  ähnlichen  Ammoniten  der  Porte- de-France 
wirkliche  Kreidearten  seien.  Er  unterzog  daher  das  ihm  zugäng- 
liche Material  dieser  Localität  einer  Untersuchung,  die  für  ihn 
allerdings  die  Bestätigung  seiner  Vermuthung  ergab,  ihn  somit 
den  Calcaire  de  la  Porte-de-France  in  die  Kreide  einreihen  Hess. 
Das  von  Pillet  und  Lory  angegebene  Vorkommen  jener  Breccie 
wird  dann  von  ihm  als  eine  eigenthümliche,  ihrer  Erklärung  noch 
harrende  Erscheinung  hingestellt. 

Mich  führten  meine  Untersuchungen  in  Südtyrol  ähnlich  wie 
Lory  zu  dem  Schlüsse,  dass  man  es  neben  einer  Reihe  an  Kreide- 
formen sich  anschliessenden  Ammoniten  besonders  noch  mit  sol- 
chen zu  thun  habe,  welche  jurassischen  Typus  zeigen.  Ja  es 
Hessen  sich  sogar  zwei,  kürzlich  aus  den  lithographischen  Kalken 
Solenhofens  bekannt  gewordene  Arten  (Ämm.  hybonotus  Opp. 
und  A.  lithographicus  Opp.)  wiedererkennen.  Einmal  also  war 
für  mich  das  jurassische  Alter  der  Diphyakalke  erwiesen,  an- 
dererseits musste  ich  sie,  wegen  ihrer  Auflagerung  auf  den 
Schichten  des  Amm.  acanthicus  als  Äquivalente  der  obersten 
ausseralpinen  jurassischen  Horizonte  ansehen.  Ich  unterliess  je- 
doch nicht,  wiederholt  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Grenze  nach 
oben,  gegen  das  Neocomien  (in  Gestalt  des  Biancone) ,  sehr 


70 


schwer  zu  ziehen  sei.  dass  mir  aus  letzterem  Exemplare  einer 
Terebratula  bekannt  geworden  seien,  die  ich  von  tiefer  liegen- 
den Formen  der  Ter.  diphya  für  den  Augenblick  nicht  unter- 
scheiden konnte,  dass  überhaupt  durch  die  ganze  Fauna,  insbe- 
sondere durch  die  Ammoniten  aus  den  Familien  der  Lineaten 
und  H eterophylle n  eine  sehr  nahe  Verwandtschaft  des  ober- 
sten Jura  und  der  untersten  Kreide  angedeutet  sei.  Ich  musste 
es  ferneren  Untersuchungen  überlassen ,  ob  und  welche  Arten 
aus  einer  Formation  in  die  andere  übergingen,  besonders,  ob 
man  zwischen  einer  Ter.  diphya  und  T.  diphyoides  zu  unter- 
scheiden habe.  Als  ich  eben  meine  Arbeit  im  Manuskript  voll- 
endet hatte,  bekam  auch  Oppel  Gelegenheit,  sich  durch  Unter- 
suchung des  reichen  Materials,  was  Hohenegger  aus  dem  Klippen- 
kalke der  Karpathen  gesammelt  hatte,  eingehender  mit  dem  Vor- 
kommen der  T.  diphya  zu  beschäftigen.  Die  Resultate  seiner 
Untersuchungen  finden  sich  niedergelegt  in  seiner  letzten  Arbeit, 
betitelt  die  »tithonische  Etage«.  *  Während  die  unlere  Grenze 
der  Diphyakalke  durch  die  Schichten  des  Ämm.  acanthicus, 
denen  z.  Th.  ausserhalb  der  Alpen  die  Schichten  mit  Äm?n.  mu- 
tahilis  entsprechen,  scharf  gezogen  erschien,  war  diess  nicht  in 
gleichem  Grade  nach  oben  der  Fall .  wo  die  mannigfaltige  Aus- 
bildung der  Facies  über  die  obere  Grenze  jurassischer  Bildungen 
schon  zu  mannigfachen  Kontroversen  Veranlassung  gegeben  hatte. 
Es  wurden  daher  alle  Schichten,  welche  über  denen  des  Amm, 
mutahilis,  longispinus  u.  s.  w.  und  unter  jenen,  welche  durch 
Amm.  Grasianns,  A.  semisulcatus  etc.  bezeichnet  sind,  lagern,  mit 
dem  Namen  der  tithonischen  Etage  zusammengefasst.  Diese 
Abgrenzung  halte  den  Zweck ,  einen  Rahmen  für  die  Aufnahme 
solcher  Schichten  zu  bilden,  welche  innerhalb  der  oben  angege- 
benen Grenzen  nach  ihren  sonstigen  Charakteren  es  zweifelhaft 
erscheinen  Hessen,  ob  sie  zweckmässiger  das  Ende  der  Jura- 
oder den  Anfang  der  Kreideformation  bezeichneten.  In  diese 
Zwischenstufen  stellte  Oppel  mit  einer  grösseren  Reihe  anderer 
Vorkommnisse  auch  die  Schichten  mit  Ter.  diphya  von  Südtyrol 
und  von  Grenoble.  Eine  Anzahl  Cephalopoden.  welche  für  die 
Gesammtheit  der  tithonischen  Etage  bezeichnend  war,  wurden 


*  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  ISßöy  p.  535. 


71 

vorläufig  kurz  charakterisirt.  Der  bald  nach  Vollendaug  dieser 
Arbeit  erfolgte  Tod  Oppel  s  Hess  die  versprochene  genauere  Cha- 
rakterisirung  und  Abbildung  leider  nicht  zur  Ausführung  ge- 
langen. 

Sehen  wir  nun,  wie  die  neueren  französischen  Arbeiten  das 
Verhältniss  der  Diphya kalke  der  Porte-de-France  zu  dieser 
tithonischenEtage  auffassen.  Da  Lory  überhaupt  den  ganzen 
Calcaire  de  la  Porte-de-France  in  tiefere  Horizonte  verweist, 
so  kommt  für  ihn  eine  Vergleichung  mit  tithonischen  Schich- 
ten gar  nicht  in  Frage.  Sein  Hauptargument  bildet  das  Auf- 
treten der  Breccien  und  diess  allein  genügt  ihm,  Ter.  diphya 
und  die  ganze  Reihe  fremdartiger  Ammoniten  in  das  Oxfordien 
zu  verweisen.  Er  folgt  dabei  der  in  Frankreich  sehr  allgemein 
verbreiteten  Annahme,  dass  die  als  Corallien  bezeichneten  Schich- 
ten eine  bestimmte  Formations-Abtheilung  darstellen,  während  in 
Deutschland  auf  Grund  der  Arbeiten  von  Mösch  und  Oppel  sich 
die  Ansicht  Geltung  verschafft  hat,  dass  Corallien  eben  nur  der 
Name  für  eine  gewisse  Ausbildungsweise  der  Facies  ^ei,  die  in 
paralleler  Entwicklung  neben  den  Cephalopoden-Horizonten  her- 
läuft. So  hat  die  Oxford-,  die  Kimmeridge-  und  die  ti tho- 
nische Gruppe  ihr  Corallien,  und  in  letzter  gerade  ist  noch 
kürzlich  das  Corallien  von  Cirin,  das  noch  über  denen,  durch 
Thiollieire's  Untersuchungen  berühmten  Schichten  mit  Wirbel- 
thierresten liegt,  eingereiht  werden  *.  Es  kann  daher  durch- 
aus nicht  befremdlich  erscheinen,  wenn  wir  auch  an  der  obersten 
Grenze  des  Calcaire  de  la  Porte-de-France  eine  solche  Scy- 
phien-,  Korallen-  und  Ech  inodermen-Facies  zur  Ausbil- 
dung gelangen  sehen.  Arten  wie  Cidaris  coronata,  Terebratu- 
lina  substriata,  Megerlea  pectunculus  z.  B.  gehen  durch  die  Zo- 
nen des  Ämm.  transversarius,  bimammatus  und  tenuilobatus  hin- 
durch, jMösch's  Cidariten-Schichten  entsprechen  nach  Waagen  und 
Würtenberger  der  oheren  Kimmeridge-Gruppe.  Es  wird  somit 
nur  einer  genauen  Vergleichung  und  Revision  der  von  Pillet  und 
Lory  angegebenen  Arten  bedürfen,  um  ihre  verticale  Verbreitung 
genauer  zu  fixiren,  keinesfalls  aber  werden  dieselben  als  ein  ge- 

*  Waagen,  Versuch  einer  allgemeinen  Klassification  der  Schichten  des 
oberen  Jura.  München,  1865.  Tabelle.  Sodann:  Derselbe  in  dieser  Zeitschr. 
1866,  p,  571. 


72 


eignetes  Mittel  zur  schärferen  Altersbestimmung  der  Schichten 
angesehen  werden  dürfen. 

Weit  entfernt  also,  in  den  Breccien  eine  auffallende  Er- 
scheinung zu  sehen,  finde  ich  im  Auftreten  derselben  nur  einen 
Grund  mehr,  die  Diphyakalke  dem  Jura  anzuschliessen.  Es 
würde  dann  diese  in  den  Facies-ünterschieden  zu  Tage  tretende 
verschiedenartige  Ausbildung  der  Schichten  vielleicht  ein  gemein- 
sames Kennzeichen  des  gesammten  oberen  Jura  gegenüber  der 
unteren  Kreide  abgeben.    Die  Ähnlichkeit  der  Cephalopoden  der 
Klippenkalke,   der  Südtyroler  Diphyakalke  und  des  Cal- 
caire  de  la  Porte-de-France  mit  Kreidearten  deutet  eben  nur 
die  verhältnissmässig  geringe  Zeit  an,  welche  verfloss  zwischen 
der  Ablagerung  der  obersten  jurassischen    und  der  untersten 
Kreide-Ablagerungen.    War  es  immer  schon  eine  gewohnte  Vor- 
stellung, in  der  grossen  Mehrzahl  der  alpinen  jurassischen  Ab- 
lagerungen die  Spuren  des  Vorhandenseins  einer  einstmaligen, 
weit  sich  erstreckenden  Meeresbedeckung  zu  sehen ,  während 
ausseralpjne  Bildungen  auf  nahes  Land  hindeuteten ,   so  findet 
diese  Annahme  auch  in  dem  oben  Gesagten  in  gewissem  Sinne 
eine  Bestätigung.    Man  darf  nur  die  Verallgemeinerung  nicht  so 
weit  treiben,  das  Auftreten  und  Fehlen  der  einen  Ausbildungs- 
weise als  ausschliesslich  bezeichnend  für  das  eine  oder  andere 
Gebiet  anzusehen.    Immerhin  fällt  der  Schwerpunct  der  Cephalo- 
poden-Facies  in  die  Gegend,  die  jetzt  die  Alpen  einnehmen  und 
weit  noch  südlich  und  östlich  derselben,  während  an  den  Gren- 
zen und  ausserhalb  derselben,  auf  Grund  mannigfacher  von  der 
Wechselwirkung  von  Land  und  Meer  bedingter,  localer  Einflüsse 
eine  grössere  Differenzirung  sich  zeigt.    Die  einander  in  einigen 
Arten  so  nahe  stehenden  oberjurassischen  und  untercretacischen 
Ammoniten  aus  Südtyrol  und  Südfrankreich  deuten  eine  fortlau- 
fende Entwicklung  des  organischen  Lebens  bei  ununterbrochener 
oder  nur  kurz  unterbrochener  Meeresbedeckung  an,  während  die 
Ausbildung  der  gleichzeitig  lebenden  Scyphien ,  Korallen  und 
Echinodermen  nur  in  der  Annahme  einer  wechselnden  Beschaf- 
fenheit des  Meeresgrundes  oder  der  Grenzen  von  Land  und  Meer 
ihre  Erklärung  findet. 

Das  Alter  des  Ciment  lässt  sich  nach  den  vorliegenden 
Angaben  wohl  noch  nicht  mit  Sicherheit  angeben.    Ob  er  eben- 


73 


falls  noch  tithonisch  oder  neocom  ist,  wage  ich  nicht  auszu- 
sprechen. Gerade  in  diesem  Falle  könnte  eine  genaue  Fixirung 
der  verschiedenen  Arten  der  Ter.  diphya  von  grossem  Nutzen 
sein.  Da  wir  in  nächster  Zeit  von  kompetentester  Seite  eine 
Arbeit  über  diesen  Gegenstand  zu  erwarten  haben,  bleiben  alle 
Speculationen  besser  bei  Seite. 

In  der  Arbeit  Hebert's,  zu  der  ich  noch  Einiges  zu  bemer- 
ken habe,  ist  wohl  zu  unterscheiden,  was  sich  auf  den  Calcaire 
de  la  Porte- de- France,  was  auf  Vorkommnisse  anderer  Localitäten 
sich  bezieht.  Letztere  lasse  ich  hier  bei  Seite.  Die  Porte-de- 
France hat  Hebert  nicht  selbst  besucht,  doch  Gelegenheit  gehabt, 
dort  gefundene  Cephalopoden  zu  untersuchen.  Es  sind  diess 
eben  jene  oft  genannten,  Kreidearten  ähnlichen  Ammoniten,  die 
Hebert  nun  bestimmt  mit  Arten  aus  dem  Neocom  identificirt. 
Es  ist  ein  unfruchtbares  Unternehmen,  über  Fossilreste  zu  spre- 
chen, die  man  nicht  vor  sich  hat,  ich  beschränke  mich  daher  nur 
auf  einiges  Wenige.  Dass  Lory  zu  einem  entgegengesetzten  Re- 
sultate gelangte  und  die  Arten  des  oberen  Calcaire  de  la  Porte- 
de-France  nicht  mit  Neocom -Arten  identificiren  konnte,  er- 
wähnte ich  oben;  und  Lory  halte  dieselben  Exemplare  vor  Augen, 
deren  Anzahl  übrigens  nicht  sehr  gross  zu  sein  scheint.  Oppel 
kannte  nicht  nur  mein  Material  aus  Südtyrol,  er  hatte  auch  das 
HoHENEGGERSche  aus  den  Karpathen  zur  Vergleichung.  Es  ist 
nicht  übertrieben,  wenn  ich  sage,  dass  Oppel's  Angaben  sich  auf 
tausende,  zum  Theil  sehr  gut  erhaltene  Exemplare  stützten.  Er 
kam  nach  der  gewissenhaftesten  Prüfung  zu  dem  Resultate,  eine 
Formations-Abtheilung  aufzustellen,  deren  näherer  Anschluss  an 
Kreide  oder  Jura  vor  der  Hand  noch  offen  gelassen  wurde 
und  deren  allseilige  Behandlung  noch  eine  längere ,  eingehende 
Bearbeitung  nölhig  machen  würde.  Sollte  es  demnach  nicht 
etwas  gewagt  erscheinen,  das  Alter  der  Diphyakalke  schon 
jetzt  nach  den  nicht  sehr  zahlreichen  Vorkommnissen  der  Porte- 
de-France  in  einer  so  positiven  Art  und  Weise  festzustellen,  wie 
Herr  Hebert  es  thut?  Viele  der  Arten  stehen  ja  Kreideformen  sehr 
nahe,  das  ist  allgemein  anerkannt,  so  besonders  die  Linealen 
und  manche  Heterophyllen.  Ammonites  ptychoicus  jedoch, 
den  Hebert  mit  seinen  nächst  Verwandten  mit  dem  Ämm.  semi- 
sulcatus  d'Orb.  vereinigen  will,  scheint  mir  von  letzterem  unter- 


74 


schieden.  Verschiedene  Beschaffenheit  in  verschiedenem  Alter, 
die  angenommen  wird,  um  Amm.  ptychoicus  Qu.,  Amm.  geminus*^ 
A.  Hommairei  \)0m.  mit  semisulcatus  d'Orb.  zu  vereinigen,  habe 
ich  bei  dem  zahh-eichen  Material ,  was  in  meinen  Händen  war, 
nicht  wahrgenommen.  Ob  man  meinen  Amm.  geminus  mit  Amm. 
ptychoicus  Qu.  vereinigen  will,  hängt  davon  ab,  ob  man  die  Mög- 
lichkeit einer  Resorption  der  Wülste  auf  der  Wohnkammer  an- 
nehmen will  oder  nicht- 

Auch  die  Unterschiede,  welche  Hebert  zur  Trennung  der 
Heterophyllen  mit  Furchen  aufstellt,  reichen  für  die  unend- 
liche Formenmannigfaltigkeit,  die  diese  Gruppe  des  gesammten 
alpinen  Lias  und  Jura  zeigt,  nicht  aus.  Amm.  Circe  nennt  He- 
bert einen  solchen  Ammoniten  der  dem  Amm.  Zignodianus  im 
Wesentlichen  gleichen  soll  und  nur  dadurch  unterschieden  sei, 
dass  er  vor  der  Furche  auf  dem  Rücken  den  Wulst  nicht  hat, 
den  Amm  Zignodianus  immer  zeigt.  Dieser  Ammonit  stammt 
aus  dem  ünteroolith  von  Digne.  Eine  ganz  gleiche  Form 
besitze  ich  aus  dem  ünteroolith  von  St.  Vigilio.  In  densel- 
ben Schichten  sammelte  ich  jedoch  einen  Heterophyllen,  der 
ganz  mit  der  von  Hebert  als  Amm.  Nilsoni  beschriebenen  Art 
übereinstimmt.  Die  Art  der  Biegung,  schwach  nach  vorn  in  der 
Mitte,  die  stärkere  Biegung  nach  vorn  auf  dem  Rücken  und  die 
Verbreiterung  daselbst,  alles  stimmt  genau.  Solche  Formen  will 
aber  Hebert  allein  auf  den  Lias  beschränken.  Nimmt  man  Exem- 
plare aus  dem  Lias  der  Kammerk uhr  zur  Hand,  so  zeigen 
diese  wieder  ein  anderes  Verhalten.  Hier  biegt  sich  bei  man- 
chen die  Furche  bereits  im  zweiten  Drittel  ihres  Verlaufes  auf 
der  Seite  stark  nach  vorn.  Noch  anders  erscheinen  Formen,  die 
ich  am  Berge  Domaro  bei  Brescia  mit  Amm.  Taylori^  mar- 
garitatus  und  cf.  pettos  sammelte.  Die  Furchen  laufen  hier  gleich 
vom  Nabel  an  ganz  entschieden  nach  vorn,  so  dass  die  Abbil- 
dung eines  solchen  Ammoniten  ein  beinahe  unnatürliches  Ansehen 
bekommt.  Schon  Hauer  (Ammoniten  aus  dem  Medolo  p.  406) 
macht  auf  solche  Formen  unter  Amm.  tatricus  aufmerksam.  Dass 
eine  grosse  dem  A.  Zignodianus  nahe  stehende  Form  ein  häufiges 
Fossil  der  Diphyakalke  ist,  wurde  oben  erwähnt.    Das.  was 


*  Beiträge  p.  189, 


75 


Hebert  mit  Amm.  Calypso  identificirt  j  dürfte  Amm.  Kochi  Opp. 
(tith.  Etage  p.  550)  sein. 

Die  Verfolgung  der  Hetero p hylle n  {Phylloceras  Süss), 
ausgezeichnet  durch  grosse  Wohnkammer  mit  ganzem  Rande, 
eigenthümlichem  Lobenbau,  vielleicht  Mangel  eines  Aptychus  und 
ungemein  vielfältige  äussere  Gestalt  "in  ihrer  successiven  Entwick- 
lung  von  der  Trias  bis  in  die  Kreide  ist  einer  der  anziehend- 
sten Gegenstände  der  Untersuchung.  Allein  es  wird,  um  zu  ge- 
nügenden Resultaten  zu  kommen ,  ein  sehr  reiches  Material 
nöthig  sein. 

Amm.  nodulosus  Cat.,  auf  den  sich  Hebert  einmal  bezieht, 
ist  eine  Jugendform,  die  zum  Vergleich  nicht  wohl  herangezogen 
werden  darf.  Auch  stammt  das  Exemplar  in  Padua  wahrschein- 
lich aus  den  Schichten  des  Amm.  acanthicus. 

Belemnites  latus  Qu.  sagte  ich  in  meiner  Arbeit.  Ich  hätte 
genauer  sagen  sollen:  Quenstedt  tab.  30,  fig.  13,  denn  diess 
Exemplar  gibt  Quenstedt  von  Bareme  mit  Amm.  tortisulcatus 
an.  Eben  eine  Art  aus  Schichten,  in  denen  sich  auch  Amm. 
tortisulcatus  findet  und  deren  Alter  ich  erst  festzustellen  suchte, 
wollte  ich  bezeichnen  und  durfte  desshalb  nicht  Bei.  latus  Blainv. 
citiren,  wie  Herr  Hebert  wünscht,  da  ich  damit  eine  Art  ange- 
geben hätte,  welche  nur  ausNeocom  bekannt  ist.  Eine  so  ge- 
wagte Angabe,  wie  die  einer  ächten  Neocom-Art  mit  jurassi- 
schen Ammoniten,  wie  Amm.  hybonoius  und  A.  lithographicus 
zusammen,  würde  ich  nur  auf  weit  umfassenderes  Material  hin 
aussprechen,  als  mir  zu  Gebote  stand.  Ich  wählte  daher  lieber 
diesen  Namen,  nur  um  die  Übereinstimmung  mit  einer  Form,  die 
auch  von  Anderen  in  gleicher  Vergesellschaftung  angetroffen  war, 
zu  bezeichnen,  als  dass  ich  eine  falsche  Angabe  machte. 

Nachdem  sich  also  Herr  Hebert  in  seinem  Aufsatze  darauf 
beschränkt  hat,  die  schon  häufig  hervorgehobene  grosse  Annähe- 
rung der  tithonischen  Formen  an  cretacische  noch  des  Weiteren 
zu  begründen,  indem  er  sie  sogar  mit  Kreidearten  vereinigt, 
übergeht  er  meine  directen  Beweise  des  Vorkommens  einiger 
Arten  aus  lithographischem  Schiefer  mit  Ter.  diphya  gänzlich, 
macht  LoRYS  Angabe  der  so  häufigen  Aptychen  im  Diphya- 
kalk  zweifelhaft,  betrachtet  das  Auftreten  der  Breccien  als  etwas 
ganz  Unerklärliches,  sieht  ganz  ab  von  den  seit  Jahren  in  Deutsch- 


76 


land  über  oberen  Jura  erschienenen  Arbeiten,  um  mit  dem  Satze 
zu  schliessen:  je  cherche  en  vain  une  seule  raison  de  placer  ces 
couches  (Diphyakalk)  au  niveau  du  Kimmeridge  clay,  ou  de  tout 
autre  horizon  du  groupe  jurassique  superieur.  Dass  denn  doch 
mehrere  solcher  Gründe  schon  öfters  geltend  gemacht  worden 
sind,  daran  allein  wollte  ich  auf  den  vorhergehenden  Seiten  er- 
innern. Hoffen  wir,  dass  bald  weitere  Untersuchungen  veröffent- 
licht werden,  welche  der  einen  oder  anderen  der  oben  ange- 
führten Ansichten  zur  Stütze  dienen,  und  somit  eine  der  interes- 
santesten geologischen  Fragen  der  Gegenwart  ihrer  definitiven 
Lösung  entgegenführen  können. 

Es  dürfte  das  Verständniss  erleichtern,  wenn  ich  zum  Schlüsse 
nochmals  die  Aufeinanderfolge  südfranzösischer  Schichten ,  wie 
sie  mir  sich  am  naturgemässesten  darzustellen  scheint,  in  Form 
einer  Tabelle  hersetze: 


Kreide. 

Neocom. 

Tithonisch. 

Ciment? 

Breccien ;  Nerineen-  und 

Lithogr.  Kalke 

Bank  d.  Ter.  diphya 

Dic.eratenkalke. 

Oberer  Calcaire  de  la  Porte-de- 
France. 

Kimmeridgien. 

Zone  d.  Ainm.  temiilobatus: 

unterer  Calcaire  de  la  Porte-de- France  und  geschichtete 
Kalke   mit   Amm.  temiilobatus  etc.    vom   Berge  von 
Crussol. 

Oxfordien. 

Zone  des  Amm.  bimammatus  vom  Berge  von  Crussol. 

I 

tiLer  einige  Ersclieiuungen,  l)eobachtet  an  Mrolilh 

von 

Herrn  Professor  A.  Kenng^ott» 


Obgleich  die  Zusammensetzung  des  Natrolith  insofern  sicher 
gestellt  ist,  als  man  weiss,  dass  dieses  Mineral  lIN^a.  i'Äl,  2H 
und  3S*i  enthält,  dass  die  Formel  desselben  meist  Na  S'i  -f- 
M  Si2  +  2H  (nach  alter  Schreibweise  Na  Si  +  AI  Si  +  2H) 
geschrieben  wird,  anstatt  welcher  ich  seit  längerer  Zeit  NaSl 
+  2H  Si  schrieb  (bei  Kieselsäure  =  Si,  ISFaXl  +  S'^^,  so 
wollte  ich  doch  das  Verhalten  des  Natrolith  mit  grösster  Sorg- 
falt vor  dem  Löthrohre  und  in  Säuren  im  Vergleich  mit  anderen 
ähnlich  zusammengesetzten  Speeles  beobachten,  um  durch  das 
Verhalten  einerseits  bestimmte  Unterschiede  zu  finden,  anderer- 
seits um  daraus  einen  Schluss  ziehen  zu  können,  wie  die  ein- 
zelnen Bestandtheile  in  einer  Formel  gruppirt  werden  könnten. 
Ich  nahm  zu  diesem  Zwecke  kleine ,  gut  ausgebildete,  farblose, 
-  durchsichtige  Krystalle  von  Monterchio  Maggiore  bei  Vicenza. 
Wenn  man  dieselben  im  Glaskolben  oder  in  der  Zange  sehr 
langsam  erhitzt,  so  werden  sie,  wie  bekannt,  durch  den  Austritt 
von  Wasser  weiss  und  undurchsichtig,  ohne  ihre  Gestalt  zu  ver- 
lieren. Hält  man  einen  so  weiss  und  undurchsichtig  gewordenen 
Krystall  längere  Zeit  in  die  Spiritusflamme ,  so  fängt  er  an  von 
den  Kanten  aus  wieder  farblos  und  durchsichtig  zu  werden,  ohn»^ 
zu  schmelzen  und  wenn  man  die  Probe  vorsichtig  mit  dem  Löth- 
rohre behandelt,  ohne  sie  zum  Schmelzen  zu  bringen,  gerade 
nur  so  weit,  um  die  Hitze  etwas  intensiver  zu  machen,  so  wer- 
den Krystalle  von  etwa  2  Linien  Länge  und   1/2  bis  1  Linie 


78 


Dicke  wieder  vollkommen  klar  und  durchsichtig,  ihre  Gestalt 
behaltend,  nur  sich  an  den  Kanten  ein  wenig  abrundend.  Die- 
sen Vorgang  erklärte  ich  mir  nun  dadurch ,  dass  die  Be- 
standtheile  in  dem  Natrolith  so  gruppirt  sein  möchten,  NaH'^ 
+  AI  SV,  dass  durch  den  Austritt  von  Wasser  das  Natron  frei 
wird  und  durch  die  Störung  der  krystallinischen  Lage  der  Theil- 
chen  die  Trübung  eintritt,  dass  durch  das  längere  Erhitzen  das 
frei  gewordene  Natron  mit  dem  Thonerde-Silicat  zu  verschmelzen 
beginnt  und  dadurch  ein  klares  Schmelzproduct  erzeugt  wird, 
ohne  dass  die  Erhitzung  so  stark  war,  die  ganze  Masse  zur  Kugel 
zu  schmelzen,  weil  die  andauernde  Erhitzung  gerade  ausreicht, 
in  allen  Theilen  die  Verschmelzung  des  überall  anwesenden  Na- 
tron mit  dem  Thonerde-Silicat  zu  bewirken. 

Wenn  diese  Erklärung  die  richtige  ist,  so  muss  daraus  her- 
vorgehen 5  dass  der  einfach  im  Glasrohre  bis  zum  Trübewerden 
erhitzte  Natrolith  alkalisch  reagirt  und  diess  that  er  auf  die  ent- 
schiedenste Weise  mit  Curcumapapier.  Indem  ich  dieses  Re- 
sultat als  Beleg  für  die  Formel  NaH-  -\-  AI  Si  ansah,  lag  die 
Vermuthung  nahe,  dass  das  Natron  auch  alkalisch  reagiren  müsse, 
ohne  dass  der  Natrolith  erhitzt  wird,  weil  es  nicht  an  die  Kiesel- 
säure gebunden  ist.  Ich  pulverisirte  daher  den  Natrolith  im 
Achatmörser  und  fand  meine  Vermuthung  vollkommen  bestätigt, 
indem  das  Pulver  auf  Curcumapapier  gelegt  und  mit  einem 
Tropfen  destillirten  Wassers  befeuchtet,  dasselbe  stark  röthet. 
Dessgleichen  bläute  es  das  geröthete  Lakmuspapier  und  färbte 
das  Fernambukpapier  schön  karmoisinroth,  so  dass  kein  Zweifel 
über  das  entschiedene  alkalische  Verhalten  des  unveränderten 
Natrolithpulvers  obwalten  konnte ,  wie  wiederholte  Versuche  es 
ergaben.  Weitere  mit  Analcim  und  anderen  sogenannten  Zeo- 
lithen  angestellte  Versuche,  welche  zu  ähnlichen  Resultaten  füh- 
ren, einer  späteren  Mittheilung  vorbehaltend,  hielt  ich  die  obigen 
Erscheinungen  für  interessant  genug,  um  sie  bald  mitzutheilen. 


Briefwechsel. 


A.   Mittheilungen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Würzburff,  den  24.  October  186ß. 
In  der  letzten  Zeit  habe  ich  nach  monatelanger  Unterbrechung  durch 
die  traurigen  Ereignisse  des  Sommers  mehrere  angefangene  Arbeilen  wieder 
aufgenommen  und  gedenke  die  Resultate  in  einigen  während  des  Winters  zu 
publicirenden  Abhandlungen  niederzulegen.  Für  heute  will  ich  einige  ver- 
einzelte Beobachtungen,  welche  ausser  Zusammenhang  mit  den  Gegenständen 
jener  Abhandlungen  stehen,  mittheilen, 

1)  Anhydrit  aus  dem  Mont-Cenis- Tunnel.  Einer  meiner  frühe- 
ren Schüler,  Herr  Ingenieur  F.  Abegg  aus  Karlsruhe ,  brachte  eine  Gesteins- 
probe aus  jenem  Tunnel  mit,  die  mich  lebhaft  interessirte.  Ein  feinkörniger 
Quarzit ,  welcher  mit  dünnen  Lagen  eines  w  asserhaltigen  weissen  Glimmers 
(Paragonit)  abwechselt,  erschien  nach  allen  Richtungen  von  Schnüren  eines 
rechtwinklig  spaltbaren  Minerals  von  rosenrother  und  blassvioletter  Farbe 
durchsetzt,  welches  sowohl  in  seinen  äusseren  Eigenschaften,  als  in  seinem 
chemischen  Verhalten  durchaus  mit  dem  gleichgefärbten  Anhydrit  von  Berch- 
tesgaden übereinstimmt.  Anhydrit,  welcher  in  den  krystallinischen  Schiefern 
der  Alpen  f  Fa^  Canaria)  meist  schon  in  Gyps  umgewandelte  Zwischenlager 
bildet,  kommt  also  auch  wie  Schwerspath.  Kalkspath  u.  s.  w.  in  Gangtrüm- 
mern in  denselben  vor.  Hier  wie  auf  den  Riechelsdorfer  Gängen  und  auf 
anderen,  wo  nur  noch  die  Quarzpseudomorphosen  nach  seinen  Formen  das 
frühere,  gar  nicht  sehr  seltene  Auftreten  desselben  andeuten,  kann  der  An- 
hydrit unmöglich  in  gleicher  Weise  gebildet  worden  sein,  wie  in  den  Stein- 
salzlagerstätten. Für  diese  haben  die  interessanten  experimentellen  Unter- 
suchungen von  Hoppe-Seyler  eine  Art  der  Anhydrit-Bildung  nachgewiesen, 
die  gewiss  auf  einzelnen  Lagerstätten  stattgefunden  hat,  ob  aber  nicht  noch 
eine  andere,  bei  welcher  eine  so  hohe  Temperatur  (130°)  nicht  erfordert 
wird,  möglich  ist,  das  zu  ermitteln,  wäre  eine  sehr  dankbare  Aufgabe. 

2)  Krystallisirter  Nephelin  in  Drusen  von  Pfaffenreuth  bei 
Pas  sau.  In  dem  Gestein,  welches  die  schönen  Krystalle  von  braunem  Ti- 
tanit  enthält,  fand  Gümbel  eine  Druse,  die  er  mir  zur  Ansicht  schickte.  Oli- 


80 


goklasgruppen  j  ganz  und  gar  mit  den  bekannten  von  Ärendal  übereinstinfi- 
mend,  graugrüner  Diopsid  und  brauner  Titanit  waren  darin  aufgewachsen, 
zugleich  auch  einige  hexagonale.  farblose  Kryslalle  OCP  •  oP  mit  Andeutung 
einer  Pyramide,  welche  mit  Säuren  und  «vor  dem  Löthrohr  alle  Eigenschaften 
des  Nephelins  zeigten.  Da  Nephelin  in  altem  kryslallinischem  Gestein  zwar 
öfter  (Zirkon-Syenit ,  Foyait)  ein-,  aber  bis  jetzt  meines  Wissens  nicht  auf- 
gewachsen gefunden  worden  ist,  so  halte  ich  nicht  für  überflüssig,  die  That- 
sache  zu  constatiren. 

3)  Nakrit  pseudomorph  nach  Scheelit  von  Ehrenfriedersdorf. 
Seither  war  Nakrit  nur  als  Pseudomorphose  nach  ei  n  e  r  Wolframverbindung, 
dem  Megabasit  bekannt,  die  auch  in  der  hiesigen  Sammlung  ausgezeichnet 
vertreten  ist.  Die  neue  stellt  hohle,  ganz  von  lebhaft  perlniutterglänzenden 
Nakrit-Aggregaten  gebildete  quadratische  Pyramiden  mit  rauher  Oberfläche 
dar,  deren  Winkel  sehr  gut  mit  der  Grundpyramide  des  Scheelits  überein- 
kommen. Die  Grösse  beträgt  6  Centim,  Die  Pseudomorphosen  sitzen  auf 
violettem  Fliissspath  und  sind  in  der  Druse  das  jüngste  Gebilde. 

4)  Talk  nach  Enstatit.  Von  Winklarn  (Oberpfalz)  befinden  sich  Ser- 
pentinstücke mit  porphyrartig  eingewachsenen  Krystallen  in  der  acad.  Samm 
lung,  welche  bis  6  Centim.  Länge  erreichen  und  theils  Schillerspath  ,  theils 
ein  (lemenge  von  diesem  mit  Talk  oder  endlich  reiner,  in  dünnen  Blättchen 
leicht  ablösbarer  Talk  sind.  Das  Gestein,  aus  welchem  jener  Serpentin  ent- 
standen ist,  wurde  mir  mit  anderen,  für  die  Serpentin-Bildung  interessanten 
von  GüMBEL  mitgetheilt,  es  ist  ein  grosskörniger,  in  keiner  Weise  von  dem 
Harzburger  unterscheidbarer  Enstatitfels.  Talk  ist  also  auch  hier,  wie  nach 
Genth  beim  Olivin  und  nach  Bllm's  und  meinen  Beobachtungen  bei  dem 
Pyrop  letztes  Zersetzungs-Product  des  magnesiareichen  Enstatits,  eine  in  geo- 
logischer Beziehung  nicht  unwichtige  Thatsache. 

F.  Sandberger. 


W^ürzburg,  den  9.  Novbr.  1866. 

Im  Herbste  des  Jahres  1862  erhielt  ich  von  dem  badischen  Finanz- 
ministerium den  Auftrag,  mit  Hrn.  Bergrath  Caroli  und  Salinenverwalter 
Sprenger  im  Oberlande  eine  Localität  zu  bezeichnen,  an  welcher  mit  Aus- 
sicht auf  Erfolg  auf  Steinsalz  gebohrt  werden  könne.  Die  Behörde  beab- 
sichtigte dann  auf  dasselbe  einen  Abbau  nach  dem  Vorgange  der  württem- 
bergischen Regierung  einzurichten  und  das  Steinsalz  als  solches  in  den  Handel 
zu  bringen. 

Wir  schlugen  vor,  die  Gegend  von  Grenzach  und  Wyhlen,  in  welcher 
die  Anhydrit-Gruppe  in  grossartiger  Entwickelung  zu  Tage  geht,  mit  meh- 
reren Bohrlöchern  zu  untersuchen.  Das  erste,  zunächst  an  der  Eisenbahn 
gelegene  bei  Grenzach  traf  auf  eine  Verwerfungsspalte  in  dem  Wellendolo- 
mit und  wurde  alsbald  verlassen,  mit  dem  zweiten,  hart  am  Rheine  bei 
Wyhlen  von  Hrn.  Caroli  in  derselben  Gegend  gewählten  wurde  die  in  nach- 


8i 


folgender  Tabelle  beschriebene  Schichtenreihe  mit  einer  Gesanuntinächtigkeit 
des  Steinsalzes  von  63'872"  bad.  durchbrochen. 


Bohrung  bei  Wyhlen,  hart  am  Rhein. 
Herbst  1S66. 


1 

j  Teufe. 

Mächtigkeit. 

Alluvium  \ 

und     \  Fetter  grauer  Thon  mit  Gerollen  .... 

1-80' 

8ü' 

Diluvium) 

Schwarzgrauer  Thon  mit  verkiesten  Ammoniten  (Ammo- 

nites  hirciniis   SCHLOTH.,   A.  radiaus  var.)   und  Be- 

lemniten  (Belemnites  exilis  ü'OkB-,  B.  tricanaliculatus 

ZiET.,  B.  parvua  Hartm.,  aus  den  tiefsten  Bänken 

auch  B.  irregularis  SCHLOTH.)  

80—235' 

155' 

Thon  mit  röthlichem  und  grauem  Gyps,  zeitweise  mit 

235—102' 

167' 

402— 412'4" 

10'4" 

412'4"— 416'8" 

4'4" 

416  8"-423'4" 

6'6" 

423-4"-425' 

1'6" 

4'25'— 426'6y2" 

1'6V2" 

426'bV2"-431,5" 

4'8Va" 

43l'3"-440' 

8'5" 

440'— 482' 

42' 

Gyps  

482'-486'4" 

4'4" 

Obwohl  nun  die  Mächtigkeit  des  Steinsalzes  durchaus  den  gehegten  Er- 
wartungen entspricht,  so  erscheint  es  doch  noch  nicht  rein  genug,  um  es 
als  solches  zu  chemischer  Fabrikation  u.  s.  w.  in  den  Handel  zu  bringen 
und  steht  daher  die  Fortsetzung  der  Bohrversuche  zur  Erlangung  von  reine- 
rem Steinsalz  in  Aussicht. 

F.  Sandberger. 


Lemberg,  den  25.  November  1866. 
Vor  Kurzem  habe  ich  eine  Anzahl  von  Dünnschliffen  echter  Basalte  vom 
Rhein,  aus  der  Eifel,  Sachsen,  Böhmen  u.  s.  w  angefertigt  und  ich  bin  au- 
genblicklich damit  beschäftigt,  dieselben  unter  dem  Mikroskop  und  mit  mi- 
krochemischen Hülfsmitteln  zu  untersuchen  und  mit  einander  zu  vergleichen. 
Dieselben  weisen  insgesammt  eine  grosse  Ähnlichkeit  auf  und  was  das  Eigen- 
thüraliche  ist,  man  erkennt  darin  zwischen  den  einzelnen  krystallisirten,  mi- 
kroskopischen Gemengtheilen  eine  farblose,  schwach  gelblich  oder  graulich 
gefärbte  Masse,  welche,  zwischen  dem  Polarisations-Apparat  betrachtet,  nicht 
den  Farbenwechsel  doppeltbrechender  Körper  zeigt,  sondern  das  Licht  nur 
einfach  bricht,  daher  wohl  ohne  Zweifel  amorpher  und  zwar  glasartiger  Natur 
ist.  Unsere  Vorstellung,  dass  die  Basalte  bis  in  ihre  kleinsten  Theilchen 
krystallinisch  zusammengesetzt  seien,  muss  demnach  eine  ßerirhligung  er- 
fahren, wenn  auch  in  einigen  Vorkommnissen  die  amorphe  Grundmasse  nur 
Jahrtuch  1367.  6 


82 


spärlich  vertreten  ist.  Der  Wassergehalt  der  frisch  und  unzersetzt  aussehen- 
den Basalte,  in  denen  auch  das  Mikroskop  keine  Zeolithbildung  nachweist, 
ist  vielleicht  wie  bei  den  Pechsteinen  an  die  amorphe  Grundmasse  geknüpft: 
mikrochemische  Reaclionen  werden  diess  noch  näher  aufklären  können. 
Deutlich  erkennbare,  trikline,  im  polarisirten  Licht  prachtvoll  farbig  gestreifte 
Feldspathe,  dünne,  spiessige  Nadeln  mit  klinobasischer  Endigung,  Augite, 
Olivine  und  Magneteisenkörner  bilden  die  übrigen  mikroskopischen  Bestand- 
theile,  welche  ich  bis  jetzt  in  den  Basalten  gefunden  habe;  von  der  Gegen- 
wart des  Nephelins  in  diesen  ächten  Basalten  habe  ich  mich  noch  nicht 
überzeugen  können.  Die  Augite  sind  meist  überaus  verunreingt,  enthalten 
Magneteisenkörnerj  Feldspathe  und  Farlikel  der  glasigen  Grundmasse  als  Ein- 
schlüsse, woher  denn  auch  wohl  der  befremdende  Thonerde-Gehalt  der  ba- 
saltischen (.wie  anch  vermuthlich  in  ähnlicher  Weise  der  der  andern)  Augite 
stammt.  Auch  lassen  sich  mit  dem  Mikroskop  vortrefflich  die  Zersetzungs- 
Processe  innerhalb  der  Basalte  studiren.  Zur  Vergleichung  gedenke  ich  dem- 
nächst auch  Phonolithe  zu  untersuchen  ;  ein  dünnplattiger  frischer  Phonolith, 
den  ich  im  Sommer  vorigen  Jahres  im  Cantal  schlug,  hat  mir  ebenfalls  eine 
einfachbrecheode  (amorphe)  Grundmasse  ergeben. 

F.  Zirkel. 


B.    Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Halle,  den  9.  Nov  1866. 
In  der  Schicht  von  bituminösem  Thon,  welche  das  interessante  Braun- 
kohlenlager von  Bornstädt  bei  Eisleben  unlerteuft  *,  finden  sich  gut  er- 
haltene Fflanzenreste,  von  welchen  bekanntlich  Göppert  zuerst  mehrere  be- 
stimmt hat.  Im  vorigen  Jahre  erhielt  ich  durch  die  Gefälligkeit  des  Herrn 
Dr.  Müller  in  ßornstädt  eine  Partie  solcher  Pflanzenreste,  deren  Bestimmung 
zu  übernehmen  der  Herr  Prof.  Heer  die  Güte  gehabt  hat.  Die  aus  28  Arten 
von  Pflanzen  bestehende  Sammlung  enthält  iO  an  anderen  Localitäten  noch 
nicht  vorgekommene  Species,  z.  Th.  von  sehr  auffallenden  Formen:  die 
Flora  ist  dem  üntermiocän  angehörig.  Die  aufgestellten  Arten  sind  fol- 
gende : 

Pteris  parschlugiana  Ung. 

V  Diplagium  MülleH  Hr. 

^'   Aspidium  serrulatum  Hr. 
Segiioia  Cuttsiae  Hr. 
Sabal  Ziegleri  Hr. 

V  „     Zinckeni  Hr. 
Smilax  grandifoHa  Ung.  var. 
Myrica  salicina  Ung. 


*  Conf.  ZiNCKEN,  die  Physiographie  der  Braunkohle.    Hannover,  1865.   S.  6^9. 


83 


Myrica  Schlechtendali  Hr. 

Quercus  angustiloba  Lldw. 
„       furcinervis  Rossm. 
^  Ficus  ?  Germari  Hr. 

Cinnamomum  lanceolatum  Ung. 
„  Rossmaessleri  ü. 

Hakea  Germari  Ettingh. 

Dryandroides  acuminata  V^g.  (?)• 

Diospyros  brachysepala  A.  Br. 
^       „         oblongifolia  Hr. 
V  Myrsine  borealis  Hr. 

^  Apocynophyllum  helveticum  Hb.  ( Neritinium). 
1/  Myrtus  amissa  Hr. 

Eucalyptus  haeringiana  Etting. 
Celastrus  europaeus  Ung.  (?). 
„         elaenus  Ung. 
y    Rhamnus  grosse-serratus  Hr. 
Juglans  Ungeri  Hr. 
Cassia  phaseolites  Ung. 
„       Berenices  Ung. 

C.  ZiNCKEN. 


Warschau,  den  15.  November  1866. 
Ich  habe  ein  wenig  bekanntes  Land,  die  Umgebung  von  Iwanisko  und 
Opatow  untersucht;  hauptsächlich  war  ich  bemüht,  um  den  Zechstein  aufzu- 
finden, aber  nirgends  zwischen  Jeiulrzejow  und  Sandomierz  findet  sich  auch 
nur  die  mindeste  Spur  davon;  auf  devonischem  Kalksteine  liegen  stets 
rothe  Sandsteine  des  Bunten  Sandsteins,  oder  auf  Quarzfels  miocäne  Kalk- 
sleine; die  dunkelgrauen  Zechsteine  beschranken  sich  nur  auf  Kajetanöw 
und  diese  kleine  Insel,  die  mit  dem  Zechsleine  von  Kurland  und  Schlesien 
in  Verbindung  stehen  musste.  Sonderbarer  Weise  sind  hier  nur  Überreste 
eines  mächtigen  Absatzes. 

Noch  an  mehreren  Puncten,  in  der  Umgebung  von  Opatow,  haben  sich 
mehr  oder  weniger  mächtige  Absätze  von  Kalktuff  gezeigt;  der  bedeutendste 
ist  beim  Orte  Kobylanki ,  dann  zwischen  den  angrenzenden  Orten  Kochow 
und  Czernikow:  der  KalktufF  ist  graulichweiss  oder  braunlich  und  sehr 
löcherig.  Bei  Karwow,  unfern  Opatow,  zeigt  sich  ebenfalls  KalktufF  in  der 
Nähe  von  miocänem  Kalk,  und  noch  gegenwärtig  bricht  eine  mächtige  Quelle 
hervor,  die  wahrscheinlich  in  früheren  Zeiten  ein  kalkhaltiger  Säuerling  war, 
dem  dieser  Absatz  seinen  Ursprung  verdankt.  Bei  dem  Orte  Lipnik  zwischen 
Opatow  und  Sandomierz  hat  man  bei  Grabung  eines  Schlammes  zuunterst 
gelblichen,  sehr  weichen  Kalktuff  gefunden,  der  sich  auf  Quarzfels  nieder- 
schlug. 

Eine  specielle  Untersuchung  der  Jurafor^Jlon  an  dem  südlichen  Ab- 


84 


hange  des  Sandomirer-Chenziner  Übergangsgebirges  bat  erwiesen,  dass  ausser 
dem  Kimmeridge-Kalke  .  mit  Exogyra  virgula  charakterisirt,  ältere  Glieder 
des  weissen  Jura  sich  befinden.  In  dem  schönen  Durchschnitt  von  Brzeziny 
bei  Morawica^  unfern  Kielce  auf  devonischem  Kalkstein  ruht  Bunter  Sandstein 
und  Muschelkalk  und  darauf  rothe  und  bunte  Thone.  die  dem  Keuper  ent- 
sprechen, darauf  auf  dem  Höhenzuge  erscheint  die  Juraformation:  an  der 
oberen  Grenze  des  rothen  Thones  liegen  mehrere  Blöcke  von  hellbraunem,  fast 
gelblich  braunem,  halbkrystallinischem  Kalkstein,  der  ganz  dem  von  Sanka 
bei  Krakau  und  dem  Kellow^ay  oder  Füllers  entspricht.  Sehr  mächtig 
haben  sich  die  weissen  Abtheilungeu  des  Jura  entwickelt,  zuunterst  etwas 
mergeliger ,  weisser  Kalkstein ,  der  dem  weissen  Jura  ß  zu  entsprechen 
scheint,  dann  folgt  in  concordanter  Schichtung  weisser,  derber  Kalkstein, 
in  dicke  Schichten  abgesondert;  dieser  Kalkstein  enthält  eingewachsenen 
Feuerstein  und  charakteristische  Schwämme  und  andere  Formen,  wie  Ämmo- 
nites  polygyratus,  Terebr.  bisujfarcinata ß  mächtige  Kalkfelsen,  ähnlich  wie 
bei  Krakau  finden  sich  oberhalb  des  Ortes  Nida. 

Weiter  östlich  bei  Drochöw  findet  sich  ein  ganz  ähnlicher  Durchschnitt. 
Auf  dem  devonischen  Kalksteine  von  Dembska  Wola  folgen  Bunter  Sandstein, 
Muschelkalk  und  bunte  Keuperthone,  darauf  auf  den  Anhöhen  ruhen  mergeliger 
w^eisser  Jurakalk  und  weisser  Kalkstein  mit  Feuerstein:  es  sind  diess  weisser 
Jura  ß  und  y  Quenstedt:  in  den  obersten  Abtheilungen  findet  sich  Rhynch. 
sparsicosta,  was  auf  höhere  Schichten  hindeutet.  Weiter  südlich  entwickelt 
sich  ungemein  mächtig  oolithischer  Kalkstein  der  Kimmeridge,  ohne  dass  eine 
Verbindung  wahrnehmbar  ist.  Koch  weiter  östlich  in  Tarnoskala,  Maleszowa, 
Brody  kommen  zu  Tage  ebenfalls  weisse  Jurafelsen,  die  dem  y  weissen  Jura 
zu  entsprechen  scheinen;  Feuerstein  und  Planulaten  finden  sich  ziemlich 
häufig  darin. 

L.  Zeuschner. 


Itm  literatiir. 


(Die  liodaktoren  melden  den  Empfang  an  sie  eingesendeter  Schriften  durch  ein  deren  Titel 

beigesetztes  M.) 

A.  Bücher. 

1865. 

Commissäo  geologica  de  Portugal.  Vegetaes  Fosseis.  Primeiro 
opuscvlo.  Flora  fossil  do  terreno  carbonifero  per  Bernardino  Anto- 
nio GoMES.    Lisboa.    4^    Pg.  44,  Tb  VI.  XI 

Commissäo  geologica  de  Portugal.  Da  Existencia  do  hörnern  em 
epochas  remotas  no  volle  do  Tejo.  Primeiro  opusculo.  Noticia  sobre 
OS  esqueletos  humanos  descobertas  no  cabeco  da  Arruda  por  F.  A. 
Pereira  da  Costa.  Com  a  versao  em  france'S  por  M.  Dalhunty.  Lisboa. 
4«.    Pg.  38,  Tb.  VII.  X 

Die  Baumaterialien  des  Mineralreiches  im  Kanton  St.  Gallen.  St.  Gallen. 
8«.    24  S ,  1  Taf. 

1866. 

Julius  Andre:  Studien  über  die  Verwitterung  des  Granites.  Mün- 
chen.   8».    S.  43. 

J.  Beete  Jukes  :  on  the  Carboniferous  Slate  (or  Devonian  Rocks J  and 

the  old  red  Sandstone  of  South  Ireland  and  North  Devon.  CQ^^^^- 

Journ.  of  the  Geol.  Soc.  1866,  320-371  )  X 
A.  Breithaupt  :  Mineralogische  Studien.    Leipzig.    8°.    122  S. 
Giovanni  Canestrini:  Oggetti  trovati  nelle  Terremare  del  Mode- 

nese.    Modena.    8^.    Pag.  15,  tav.  III.    Seconda  relatione.  Avanci 

organici.    Pg.  64.  X 
—    —    Origine  delV  uomo.    Milano     8^.    Pg.  118.  X 
C.  G.'Carus:  über  Begriff  und  Vorgang  des  Entstehens.  (Separat-Abdruck 

aus  Leopoldina,  Hft.  V,  No.  14  und  15.)    Dresden.    4^    16  S.  X 
H.  V.  Drohen:   die  Bergwerks-Industrie  auf  der  Kölner  Ausstellung  1865. 

(Abdr.   aus  „Glückauf",  Beiblatt  zur  „Essener  Zeitung".    Essen.  8^. 

19  S.    X  '-^     •    '  * 


86 


P.  VAN  Diest:  Bangka.  beschreven  in  Reistogten.    Amsterdam.   8'^.    101  S. 
2  geol.  Karten.  X 

Lieut.-Col.  FoRBEs  Leslie:   the  Earlij  Races  of  Scotland  and  their  Monu- 
ments.   2  Vol.  Edinburgh. 

M.F.  Gätzschmann:  die  Aufsuchung  und  Untersuchung  von  Lagerstätten  nutz> 
barer  Mineralien.    Leipzig.    8°.    522  S. 

Dr.  F.  Garrigou  et  H.  Filhol  :  Age  de  la  Pierre  polie  dans  les  cavernes 
des  Pyrenees  Ariegeoises.    Paris  et  Toulouse.    4^.    77  p.,  9  PI. 

Geologische  Karte  der  Markgrafschaft  Mähren   und  des  Herzogthums  Schle- 
sien.   Nach  den  im  Auftrage  des  Werner-Vereines  zur  geologischen 
Durchforschung  von  Mähren  und  Schlesien  und  den  von  L.  Hohenegger 
ausgeführten  Aufnahmen  bearbeitet  von  Franz  Fötterle.    Wien.  Zwei 
^  Blätter.    (0.525  M.  Breite  und  0,72  M.  Höhe). 

Geologische  Special  karte  des  Grossherzogthums  Hessen  und 
der  angrenzenden  Landesgebiete  im  Maassstabe  von  1  :  50,000, 
herausgegeben  von  dem  miltelrheinischen  geologischen  Verein.  Section 
Alzey,  geologisch  bearbeitet  von  R.Ludwig.  Mit  einer  Übersichtskarte 
der  wetterau-rheinischen  Tertiär-Formation.  Erläuternder  Text  S.  66. 
Darmstadt. 

W.  G.  Hankel:  über  die  thermoelektrischen  Eigenschaften  des  Bergkrystalles. 

(8.  Bd.  d.  Abh.  d.  math.-phys.  C!.  d.  K.  S.  Ges.  d.  Wiss.)    No.  IIL 

Leipzig.    8'\    S.  321-392,  2  Taf.  X 
Jentsch:   über  amorphe  Kieselerde,  amorphe  Kieselsäure  vom  spec.  Gew. 

2.  B.    Erfurt.    8»    13  S.  X 
R.  Kner:  die  fossilen  Fische  der  Asphaltschiefer  von  Seefeld  in  Tyrol.  (Son- 

derabdr.  aus  LIIl.  Bde.  d.  k.  Ac.  d.  Wiss.)    32  S.,  6  Taf.  X 

—  —  Die  Fische  der  bituminösen  Schiefer  von  Raibl  in  Kärnthen.  (Ebenda). 
46  S.,  6  Taf.  X 

G.  C.  Laube:  die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  IIL  Ablh.  Gastro- 
poden.   (Aus  LIII.  Bde.  d,  Sitzungsb.  dr  k.  Ac.  d.  Wiss.)    6  S.  X 

—  —  die  Gastropoden  des  braunen  Jura  von  Baiin.  (Aus  LIV.  Bde.  d 
Sitzungsb.  d.  k.  Ac.  d.  Wiss.)    6  S.  X 

J.  Marcou:  la  faune  primordiale  dans  le  pays  de  Gulles  et  la  ge'ologie 
californienne.  (ß^ill.  de  la  Soc.  geol.  de,  France,  2^  ser.,  t.  XXIII, 
p.  552-559.)  X 

—  ,  —    Sur  divers  armes,  outils  et  traces  de  Vhomme  americain.    ( Bull. 

de  la  Soc.  geol.  de  France,  2e  ser.,  t.  XXIII,  p.  374-377.)  X 
Memoirs  of  the  Geologicul  Survey  of  India.    Palaeontologia  Indica.  III. 

10-13.    The  Fossil  Cephalopoda  of  the  Cretaceous  Bocks  of  Southern 

India  ( Ammonitidae)  by  F.  Stoliczka.    p.  155-216.    Appendix  l- XII. 

PI.  LXXVI-LXXXXIV.  X! 
S.  Nilsson:   die  Ureinwohner  des  Scandinavischen  Nordens.    Hamburg.  8''. 

120  S.,  5  Taf. 

Adolf  Oborny:  über  einige  Gypsvorkommnisse  Mährens.  (Separatabdr.  aus  d. 
IV.  Bde.  d.  Verh.  d.  naturf.  Ver.)    Brünn.    8*^.    8  S. 


87 


R.  Pallmann:  die  Pfahlbauten  und  ihre  Bewohner.  Greifswald.  8°.  218  S., 
3  Taf. 

Theodor  Petersen:  Phosphorit  von  Diez  in  Nassau;  zur  Kenntniss 
der  Mineralien  des  ßinnenthales.  (1.  Dolomit.  2.  Hyaolophan. 
3.  Grauerze.)  Separat-Abdr.  a.  d.  VII.  Bericht  des  Offenbacher  Vereins 
für  Naturkunde.    S.  16.  X 

F.  J.  PiCTET  et  A.  Humbert:  Nouvelles  recherches  sur  les  Poissons  fossiles 

du  Moni  hiban.    Geneve.    4°.    114  p.,  19  PI. 

Ein  Extract  hiervon  in  Archives  des  sciences  de  la  Bibliotheque  universelle. 
Geneve.    8«.-    19  p.  X 

Report  of  the  thirty-fifth  JVIeeting  of  the  British  Association  for  the  Ad- 
vancement  of  Science^  held  at  Birmingham  in  September  1S65.  Lon- 
don. 

A.  Sadebeck:  Ein  Beitrag  zur  Kenntniss  des  baltischen  Jura.    (Abdr.  a.  d. 

Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1866.    p.  292-298.)  X! 
E.  Sauvage  et  E.  Hamy:  Etüde  sur  les  terrains  quaternaires  du  Boulon- 

nais  et  sur  les  debris  d'industrie  humaine  qu  ils  renferment.  Paris. 

8»    Pg.  64. 

G.  Scarabelli:   Sulla  probabilita  che  il  sollevamento  delle  Alpi  siasi  effe- 

tuato  sopra  una  linea  curva.    Florenz.    8^.    pg.  29. 

K.  V.  Seebach:  die  Zoantharia  perforata  der  paläozoischen  Periode.  (Zeitschr, 
d  deutsch,  geol.  Ges.  1866.)    8«.    S.  304-310,  Taf.  IV.  X 

G.  Stäche:  Geologisches  Landschaftsbild  von  Siebenbürgen.  (Separatabdr. 
aus  Österr.  Revue  1866.  7.  Hft.)  Mit  einer  geologischen  Übersichts- 
karte. X 

—  —  die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebungen  von  Waitzen  in  Un- 
garn.   (Aus  d.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.    16.  Bd.^  3.  Hft.)  X 

Ed.  Suess:  über  den  Löss.    Wien.    8^    16  S.  X 

—  —  Untersuchungen  über  den  Charakter  der  österreichischen  Tertiär- 
Ablagerungen,  l.  II.  (Aus  dem  LIV.  Bde.  d.  Sitzb.  d.  k.  Ac,  d.  Wiss. 
1866.)  X 

Carl  Vogt:  Lehrbuch  der  Geologie  und  Petref ac  tenkun d e.  Dritte 
vermehrte  und  gänzlich  umgearbeitete  Auflage.  In  zwei  Bänden.  Erster 
Band.  Mit  zahlreichen  in  den  Text  eingedruckten  Holzstichen  und  zwei 
Kupfertafeln.    1.  Lieferung.    Braunschweig.    8^.    S.  1 — 192. 

L,  C.  H.  Vortisch:  das  Mangelhafte  der  NEWTOw'schen  Gravitations-Theorie. 
Rostock.    80.    55  S.,  2  Taf. 

A.  Wbisbach:  über  den  Kupferwismuthglanz.  (Separatabdr.  aus  Ann.  d.  Phys. 
und  Chem.    Bd.  CXXVIII,  S.  435-441,  Taf.  8.  X 

V.  V.  Zepharovich:  M  i ner al  og  is  ch  e  M  i  tth  eil  un  ge  n.  (Aus  dem  LIV.  Bde. 
der  Sitzungsber.  d.  kais.  Acad.  d.  Wissensch.  I.  Ablh.  Juli-Heft.  Jahrg. 
1866.    Mit  1  Taf.    Wien.    8».    S.  16.  X 

Ferdinand  Zirkel:  Lehrbuch  der  Petr ogra p hie.  Zweiter  Band.  Bonn. 
8«.    S.  635. 


88 


1867. 

Andb.  Liblrgg:  die  Spectral-Analyse.  Erklärung  der  Spectral-Erschei- 
nungen  und  deren  Anwendung  für  wissenschaftliche  und  practische 
Zwecke,  mit  Berücksichtigung  der  zu  ihrem  Verständnisse  wichtigen 
physikalischen  Lehren  in  leicht  fasslicher  Weise  dargestellt.  Mit  9  in 
den  Text  gedruckten  Figuren  und  einer  lithographirten  Tafel.  Weimar. 
S.  99.  X 

C.  F.  Zincken:  die  Physiographie  der  Braunkohle.  Mit  3  lith.  Tafeln 
und  mit  Holzschnitten.    Hannover,    gr.  8".    S.  818.  >^ 

B.  Zeitsiehi'iften. 

1)  J.  C.  Poggendorff:  Annalen  derPhysik  und  Chemie.  Leipzig.  8®. 
[Jb.  1866,  813.] 

1866,  N.  6-7;  CXXXIII,  S.  177-496. 

G.  VOM  Rath:  Mineralogische  Mittheilungen.  15.  Ein  Beitrag  zur  Kenntniss 
des  Äxinits  (Schluss) :  227-260.  16.  über  die  vulcanischen  Eisenglanz- 
Krystalle  vom  Eiterkopf  bei  Plaidt  und  die  auf  denselben  aulgewachse- 
nen Augit-Krystalle :  420-432.  17.  Eigenthümlich  ausgebildete  Augit- 
Krystalle  vom  Laacher  See  :  432-435. 

A.  Weisbach:  über  den  Kupferwismuthglanz :  435-441. 

P.  Desains:  Unlersuchnng  über  die  Drehwirkung,  welche  der  Quarz  auf  die 
Polarisations  -  Ebene  der  brechbaren  Strahlen  des  Spectrums  ausübt: 
487-490. 


2)    Erdmann  und  Wrrther  :  Journal  für  praktische  Chemie.  Leipzig. 

80    [Jb.  1866,  813.J 

1866,  No.  13-14;  98.  Bd.,  S.  257-384. 
Fresenius:  Analyse  der  Trinkquelle  zu  Driburg,  der  Herster  Mineralquelle, 

sowie  des  zu  Bädern  benutzten  Satzer  Schwefclsohlammes :  321-340. 


3)    Jahrbuch   der  K.  K.  geologischen  R  e  i  c  h  sa  n  s  t  a  1 1.    Wien.  8^, 
[Jb.  1866,  710.] 

1866,  XVI,  No.  3:  Juli  —  Sept.    A.  S.  277-423:   B.  S.  105-122. 
A.    Eingereichte  Abhandlungen. 
G.  Stäche:   die  geologischen  Verbältnisse  der  Umgebungen  von  Wailzen  in 
Ungarn:  277-329. 

A.  Gesell:  das  Braunkohlen-Vorkommen  bei  Gran  in  Ungarn;  329-338. 

J.  Moser:  der  abgetrocknete  Boden  des  Neusiedler  See's  :  338-345. 

M.  Rac/.kiewicz  :   die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Littava, 

Sebechleb,  Palast  und  Celovce  im  Honther  Coniitate :  345-355. 
F.  V.  Andrian:    das  südwestliche  Ende  des  Silieiiitiitz-Kremnitzer  Trachyt- 

stockes:  355-418. 


89 


K.  V.  Hauer:  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  geologischen 
Reichsanstalt:  418-420. 

Verzeichniss  der  eingesendeten  Mineralien  u.  s.  w. :  420-421. 

Verzeichniss  der  eingesendeten  Bücher  u.  s.  w. :  421-423. 

B.  Sitzungs-Berichte. 

Fr.  V.  Hauer:  der  Meteorstein-Fall  von  Knyahinya :  eingelaufene  Berichte  über 
Santorin:  G.  Marka:  Minensprengung  zur  Eisenstein-Gewinnung  in  Mo- 
rawilza  im  Banat;  H.  Höfer:  Analyse  von  Magnesit-Gesteinen  aus  Ober- 
steiermark und  über  Gyps-Vorkoramen  in  Nagyag;  Berichte  der  Geo- 
logen aus  ihren  Aufnahms-Gebieten :  105-110:  Krennbr:  fossiler  Tapir 
von  Ajnacskö :  110;  K.  v.  Hauer:  Löslichkeits-Verhältnisse  isomorpher 
Salze  und  ihrer  Gemische;  Berichte  über  A.  Remele's  Handbuch  der 
analytischen  Mineralchemie  und  die  Spectral-Analyse  von  A.  Lielegg: 
110-111;  D.  Stur:  W.  Hblmhacker's  Übersicht  der  geognoslischen  Ver- 
hältnisse der  Rossitz-Oslavaner  Steinkohlen-Formation ;  eine  Excursion 
in  die  Dachschiefer-Brüche  Mährens  und  Schlesiens  und  in  die  Schal- 
stein-Hügel zwischen  Bennisch  und  Brünn;  Rückwirkungen  des  Erd- 
bebens vom  15.  Jan.  1S58  in  der  Umgebung  des  Mincov:  111-113;  W. 
Göbl:  geologische  Aufnahme  der  Umgebung  von  Salgo  Tarjan:  113-114. 
Fr.  V.  Haler:  Schwefel-  und  Äntimonerze  aus  Siebenbürgen:  114.  F. 
Fobtterle:  Verhandlungen  der  geologischen  Gesellschaft  für  Ungarn: 
115-116.  K.  V.  Hauer:  Zinkgewinnung  aus  Blende:  116-119.  Berichte 
der  Geologen  aus  ihren  Aufnahms-Gebieten:  119-121.  F.  Foettfrlb: 
Petrefacten  aus  der  Umgegend  von  Belluno;  Muster  von  in  Wien  ver- 
wendeten Bausteinen  und  Steinplatte  mit  Fisch-Abdrücken :  121-122. 

4)  Zei  ts  chrift  d  er  d  eut  s  c  hen  geologi  sc  h  en  G  es  e  1 1  s  chaft.  Berlin. 
80     fjb.  1866,  710.] 

186o,  XVII,  4,  S.  599-714,  Tf.  XVII. 

A.  Sitzungs-Berichte  vom  2.  Aug.  !865  -  22.  Sept.  1865. 
Rammelsberg:  über  die  chemische  Zusammensetzung  des  Topas:  560. 

B.  Briefliche  Mittheilung. 
Wbbsky:  Monacit  von  Schreiberhau:  566-568. 

C.  Aufsätze. 

A.  Kenngott:  Bemerkungen  über  den  Feldspath  des  Tonalit:  569-579. 
Ferd.  Römer:  über  die  Auffindung  devonischer  Versteinerungen  am  Ostab- 

hange  des  Altvater-Gebirges  (hiezu  Taf  XVII):  579-594. 
.1-  Roth:  über  die  Umvvandelung  des  Basaltes  zu  Thon:  594-606. 
C.  Rammelsberg  :   über  den   Ausbruch   des  Ätna   vom   31.  Januar   1865  : 

606-609. 

H.  Laspeyres:  die  hohlen  Kalkstein-Geschiebe  im  Rothüegenden  n.  von  Kreuz- 
nach an  der  Nahe:  609-638. 
H.  R.  Güppert:  über  die  fossile  Kreideflora  und  ihre  Leitpflanzen:  638-649. 
C.  Rammelsberg:  über  den  Kainit  und  Kieserit  von  Stassfurt:  649-651. 
A.  Sadbbeck:  die  oberen  Jura-Bildungen  in  Pommern:  651-702. 


m 

A.  V.  Kobnen:  Nachtrag  zu  dem  Aufsatz  über  die  Helmstädter  Fauna :  702-705. 
1S65-1S66,  XYIII,  1;  S.  1—176,  Tf.  I. 

A.  SitzuDgs-Berichte  vom  1.  Nov.  1865  —  3.  Jan.  1866. 
Beyrich:  Nekrolog  von  Pander  und  von  v.  Hagenow:  1— 2j  v.  Seebach:  über 

neue  organische  Reste  aus  der  mitteldeutschen  Trias:  7;  Lutteb:  neue 
Erfunde  von  Rüdersdorf:  7;  Sadebeck  :  Kalkführung  des  Gneisses  im 
Eulen-Gebirge:  8:  Serlo  :  über  die  Möglichkeit  mit  den  Steinsalz-Ab- 
lagerungen in  Lothringen  Kalisalze  zu  finden:  10-11:  Weuding:  Vor- 
kommen und  Zusammensetzung  der  bei  Baux  in  Frankreich,  Antrim  in 
Irland  und  in  der  Wochein  in  Irland  entdeckten  Bauxite:  11-12.  Roth 
legt  Graptolithen  vom  Steinberg  bei  Lauban  vor:  13-14:  F.  Römer: 
Grauwaoke-Gebirge  an  der  0. -Seite  des  Altvater-Gebirges;  über  von 
Zinkspath  umhüllte  Reste  einer  Fledermaus;  fossile  Spinne  aus  dem 
oberschlesischen  Steinkohlen-Gebirge:  14-16;  Beyrich:  über  Conchylien 
aus  dem  Diluvium  des  Weichsel-Thaies,  sowie  über  Felrefacten  aus  dem 
Krebsbachthale  bei  Mägdesprung:  16-17. 

B.  Aufsätze. 

C,  Rammelsberg:  über  das  Buntkupfererz  von  Ramos  in  Mexico  und  die  Con- 
stitution dieses  Jlinerals  überhaupt:  19-23. 

—    —    über  den  Castillit,  ein  neues  Mineral  aus  Mexico  :  23-25. 

A.  V.  Koenen:  über  einige  Aufschlüsse  im  Diluvium  s.  und  ö.  von  Berlin: 
25-33. 

C.  Rammelsberg:  über  den  Xonaltit,  ein  neues  wasserhaltiges  Kalksilicat  und 

den  Bustamit  aus  Mexico:  33-35. 
C.  Schlüter:  die  Schichten  des  Teutoburger  Waldes  bei  Altenbeken:  35-77. 
Herm.  Credner:  Geognostische  Skizzen  aus  Virginia,  Nordamerika:  77-86. 
Stapff:  über  die  Entstehung  der  See-Erze  (Tf.  I):  86-174. 
G.  Berendt:  marine  Diluvial-Fauna  in  Westpreussen :  174-176.  . 


5)    Bruno  Kerl  und  Fr.  Wimmer:  Berg-  und  Hüttenmännische  Zei- 
tung.   Leipzig.    4«.    [Jb.  1866,  814.] 

1S66,  Jahrg.  XXV,  Nro.  36-46;  S.  305-396. 

Igelström:  die  Mineralien  von  Horrsjöberg  in  Wermland:  307-309. 

H.  Reck:  der  Mineralreichthum  und  der  Verfall  des  Bergbaues  auf  dem  Hoch- 
plateau der  Republik  Bolivia:  313-316;  325-327:  334-336. 

L.  Simonin:  Beobachtungen  über  die  Temperatur  und  den  Druck  der  Luft  im 
Innern  einiger  Gruben:  330-331. 

M.  Graff:  über  die  Kupfergruben  von  L'Alp:  346-347. 

Igelström:  über  Schefferit  von  Langban  in  Wermland:  347-348. 

L.  Kleinschmidt:  Naphtha-Bergbau  in  Galizien:  352-353. 

A.  Breitbalpt:  über  das  Vorkommen  des  Küstelits;  368-369. 

H.  Reck:  die  Silberminen  von  Potosi:  389-392. 


91 


6)  Dreiundvierzigster  Jahresbericht  der  Schlesischen  Gesell- 
schaft für  vaterländische  Cultiir.  Breslau.  8".  [Jb.  1863,  851.] 
Jahrg.  1865.    S.  1-218. 

Ferd.  Römer:  Pseudoniorphosen  von  Weissbleierz  nach  Hornblei:  29;  über 
die  Sectionen  Troppau  und  Loslau  der  neuen  geognostischen  Karte  von 
Oberschlesien:  31;  Auffindung  einer  fossilen  Spinne  im  Steinkohlen-Ge- 
birge Oberschlesiens:  33;  Auffindung  von  devonischen  Versteinerungen 
in  Quarziten  bei  Würbenthal  in  Österreichisch  Schlesien:  34:  Grapto- 
lithen  in  silurischen  Thonschiefern  bei  Lauban:  37;  Diluvial-Geschiebe 
bei  Glogau:  38;  Vorkommen  von  Cyanit  bei  Ziegenhals  in  Schlesien:  38. 

Websky:  Auffindung  einiger  seltenen  Mineral-Gattungen  in  deu  Feldspath- 
Brüchen  bei  Schreiberhau  im  Riesengebirge:  39. 

Göppert:  Nachruf  an  v.  Oeynhausen:  41;  über  die  Flora  der  Permischen 
Formation:  42;  über  Urwälder  Deutschlands,  besonders  des  Böhmer 
Waldes:  47;  über  die  Flora  der  Kreide-Formation:  51. 

F.  Cohn:  über  organische  Einschlüsse  im  Carnallit  von  Stassfurt:  54, 


7)  Abhandlungen  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  vater- 
ländische Cultur.  Breslau.  8^,  (Philosophisch  -  historische  Ab- 
theilung.) 

Jahrg.  1865.    S.  1-90 

J.  KuTZEN  :  der  Böhmerwald,  in  seiner  geographischen  Eigenthümlichkeit  und 
geschichtlichen  Bedeutung,  verglichen  mit  den  Sudeten,  besonders  mit 
dem  Riesengebirge  :  1-18. 


8)    Bulletin  de  la  Societe  Imp.  des  N aturalist es  de  Moscou. 

Mose.    8»     [Jb.  1866,  816.] 

1866,  No.  2,  XXXIX,  pg.  299-613. 
J.  F.  Brandt:   nochmaliger  Nachweis   der   Vertilgung  der  nordischen  oder 

SiKLLER'schen  Seekuh  (Rhytina  borealis):  572-598. 
R.  Hermann:  Bemerkungen  zu  Marignac's  Untersuchungen  über  Niobium  und 

Ilmenium:  598-613. 


9)  Bulletin  de  la  s  o  ci  et  e  g  eol  o  gi  que  de  France.  [2.)  Paris.  8". 
(Jb,  1866,  816.J 

1863-1866,  XXm,  f.  30-41,  pg.  465-656. 

Diellafait:  über  die  weissen,  krystallinischen  Kalke  im  mittlen  Jura  der  Pro- 
vence; über  die  Entdeckung  des  Gault  im  Var-Departement  (Schluss): 
465-480. 

LoRY  und  Vallet:  geologische  Karte  der  Maurienne  und  Tarentaise  (pl.  X) : 
480-497. 

Coquand:  über  die  Kreide-Formation  Siciliens:  497-504. 
Ebhay:  Metamorphismus  des  Diluviums:  504-509. 


92 


A.  Gaudry:   Resultate  der  Untersuchungen  über  die  fossilen  Thier-Reste  von 
Pikermi:  509-516. 

Lory:  über  das  Lager  der  Terebratula  diphya  in  den  Kalksteinen  der  Ge- 
gend von  Grenoble;  516  —  521. 
Hebert:  Bemerkungen  hiezu:  521-532. 

Chantre:  Knochenhöhlen  und  Kieselgeräthe  im  Dauphine:  532-536. 
Locard:  Bemerkungen  hiezu:  536-537. 

Saporta:  über  eine  der  botanischen  Gesellschaft  vorgelegte  Notiz:  537-542. 
Goubert:  über  neue  diluviale  Süsswasser-Ablagerungen  in  der  Gegend  von 
Paris:  542-550. 

Leymbrie:  Aufstellung  eines  neuen  Typus  C^VP^  rubienj  im  mittlen  Frank- 
reich: 550-551. 

Damour  :   über  einen   steinernen  Pfeil   von   der  Insel  Qualan  (Oceanien) : 
551-552. 

J.  Marcou:  über  die  Primordial-Fauna  von  Wales  und  über  die  Geologie  Ca- 

liforniens :  552-560. 
Coquand:   über  vorzunehmende  Änderungen  in  der  Eintheilung  der  unteren 

Kreide-Formation:  560-580. 
Benoit:  über  die  Grotte  von  Baume  (Jura)  (pl   XI):  581-590. 
Martins:  eruptive  Gesteine  im  Kohlen-Becken  von  Commentry:  590-591. 
Gruner:  Bemerkungen  hiezu:  591-592. 

Ed  Lartet:  über  im  Becken  der  Garonne  aufgefundene  Säugethier-Knochen: 
592-594. 

NoGuEs:   über  die  Amphibol-Gesteine  der  Pyrenäen,  uneigentlich  Ophite  ge- 
nannt: 595-612. 

Lory:  über  die  Fische  führenden  Schichten  von  Cirin  und  über  die  Schichten 

mit  Zamites  Feneonis  von  Morestel  :  612-617. 
Dumortier:  über  die  Ammoniten  des  unteren  Lias:  617-618. 

BiANCoNi:  über  eine  Periode  des  eocänen  Meeres  :  618  639. 

Lffort:  zur  Geschichte  der  Puddingsteine:  639-643. 

Sauvagb  und  Hamy:  über  Quartär-Gebilde  im  Boulonnais:  643-645. 

Bleicher:  Geologie  der  Gegend  von  Rom:  645-654. 

Hamy:  über  eine  neue  Art  von  Ischyodus:  654-656. 


10)  Comptes  rendus  heb  domadaires  des  seances  de  V  Academie 
des  Sciences.    Paris.    4^.    \}h.  1866,  SM.] 

1866,  No.  6-8,  6.  Aout— 20.  Aout,  LXIII,  pg.  229-360. 

Ch.  Saintk-Claire  Deville:  über  die  Folge  der  eruptiven  Erscheinungen  im 
oberen  Krater  des  Vesuv  nach  der  Eruption  im  Decemb.  1861:  237-240. 

Hebert:  über  die  Kreide  im  N.  des  Pariser  Beckens:  308-311. 

A.  Gaudry:  über  ein  von  Frossard  in  der  oberen  Abtheilung  der  Steinkohlen- 
Formation  bei  Autun  entdecktes  Reptil :  341-344. 

Brrtin:  über  das  Eis  der  Gletscher:  346-351. 


93 


11)  M emoires  de  la  aociete  des  scienees  natur elles  de  Stras- 
bourg.   Torne  VI.    1  livraison.    Paris  &  Strasbourg.  4", 
F.  Engelhard:  über  die  Bildung  des  Grundeises:  1-12. 
HuGueny:  Definition  und  Bestimmung  der  Härte:  1-12. 


12)  Bulletin  de  la  Societe  V  audoise  des  scienees  naturelles. 
Lausanne.    8^.    [Jb.  1866,  221.] 

1866,  No.  54,  IX,  pg.  1-104. 
Dlfour:  Untersuchungen  über  die  electrischen  Ströme  der  Erde:  1-72. 
De  LA  Harpe:  über  das  Eis  der  Gletscher:  85-90. 


13)  H.  Woodward:  The  G'eological  Magasiine.  London.  8°.  [Jb. 
1866,  821.1 

1S66,  No.  28,  October  I,  pg.  433-480. 
J.  Evans:  über  einige  Feuerstein-Geräthschaften   (Flint-cores)  vom  Indus 

in  Ober-Scindia  (pl.  XVI):  432. 
W.  Toplby:  Bemerkungen  über  die  physikalische  Geographie  von  Ost-York- 

shire:  435. 

G.  Maw:  Vergleichung  der  Oberflächenstructur  in  Folge  subaerialer  und  ma- 

riner Fortspülung:  439, 
A,  H.  Chürch:  Untersuchung  einer  Eisenquelle  in  Mimosa-Dale ,  Uitenhage, 
Süd-Afrika:  451. 

Rev.  A.  Cumby:  über  das  relative  Alter  von  steinernen  und  metallenen  Waf- 
fen: 452. 

Auszüge,  Berichte,  Briefwechsel  u.  s.  w, :  456. 

1866,  No.  29,  Kovember,  I,  p.  481-528. 
Fr.  M'Coy:  über  die  australischen  tertiären  Arten  von  Trigonia:  481. 
Rev.  0.  Fischer:  über  den  wahrscheinlich  glacialen  Ursprung  gewisser  Denu- 
dations-Erscheinungen :  483. 

H.  A.  Nicholson:  über  einige  Fossilien  aus  dem  Graptolithenschiefer  von  Dum- 

friesshire  (pl.  XVII):  488. 

G.  H.  Kinahan:  über  die  Bildung  des  „Rock  basin''''  von  Lough  Corrib,  Grafsch. 

Galway  (pl.  XVIII,  XIX):  489. 

H.  G.  Seelky:  Bemerkungen  über  den  Kies  und  die  Drift  der  Moorländer 

(Fenlands):  495. 

J.  A.  BiRDs:  über  ein  Lager  von  Kreidefenersteinen  bei  Spaa:  501. 
Auszüge,  Berichte,  Correspondenz  und  Miscellen:  503  u.  f. 

14)  Report  of  the  thirty-fifth  Meeting  of  the  British  Asso- 
ciation for  t  he  Advanc  ement  of  Science,  held  at  Birming- 
ham in  September  1865.  London,  i866.  8**.  Allgemeines  und 
Ansprache  des  Präsidenten  John  Phillips,  S.  I-LXVII.  Berichte:  S.  1 
bis  386.    Verhandlungen  in  den  Sectionen,  Index  etc.  S.  1 — 223. 


94 


I.  Berichte. 

Erster  Bericht  eines  Comile's  zur  Untersuchung  der  Kent-Höhle  in  Devon- 
shire:  16-25. 

Schlussbericht  eines  Comite's  über  die  Verbreitung  der  organischen  Über- 
reste in  dem  Steinkohlenfelde  von  North  Staffordshire :  42-51;  317-320. 

E.  W.  Brayley:  Neue  Theorie  über  den  Ursprung  und  die  Bildung  der  Meteo- 
riten: 132-136. 

H.  C.  SoRBv:  über  die  mikroskopische  Structur  der  Krystalle :  136;  über  die 
mikroskopische  Structur  der  Meteoriten:  139.  Bemerkungen  hierzu  von 
E.  W.  Brayley  (I):  140. 

G.  J.  Symons:  über  den  Regenfall  auf  den  brittischen  Inseln:  192-242. 
A.  Leith  Adams:  über  die  Höhlen  von  Malta:  257-263.    Mit  Abbildungen. 

H.  HiCKs  und  J.  W.  Salter:   über  die  Lingula-flags  von  South  Wales: 

281-286. 

H.  Woodward:  erster  Bericht  über  die  Structur  und  Classification  der  fossilen 
Crustaceen:  320.  Mit  Abbildungen  der  Turrilepas  Wrighti  [Chiton 
Wrighti)  de  Kon. 

II.  Auszüge  aus  den  Verhandlungen  in  den  Sec- 
tio nen. 

D.  Korbes;  über  einige  Mineralien  aus  Südamerika:  29. 
Maskelyne  :  über  Krystalle  von  Melakonit  und  Tenorit:  33. 
A.  Völker:   über  die  neuerdings  in  North  Wales  entdeckten  phosphatischen 
Ablagerungen:  37. 

Section  für  Geologie:  40-79.  Ansprache  des  Präsidenten  Sir  R.  "J.  MuR- 
chison:  41. 

Rev.  P.  B.  Brodie:  über  die  Fossilien  führenden  Schichten  des  neurothen 
Sandsteins  in  Warwickshire ;  über  einen  Durchschnitt  im  unteren  Lias 
von  Harburg  bei  Leamington ;  über  2  Arten  Korallen  im  Lias  von  War- 
wickshire 5  über  die  Drift  in  Warwickshire:  48-49. 

J.  W.  Dawson:  über  fossile  Pflanzen  im  Poslpliocän  von  Canada :  die  Reihen- 
folge der  paläozoischen  Floren  in  Nordamerika:  50. 

v.  Dechen  und  F.  Römer:  über  die  geologische  Karte  der  Rheinprovinz  und 
Westphalens:  51. 

D.  FoRBEs:  über  goldführende  Eruptivgesteine  Südamerika's ;  über  plulonische 

Gesteine  von  Süd-Staffordshire :  52-56. 
Rev.  W.  Fox:  über  Polacanthus ,  einen  neuen  Saurier  der  Wealdenforma- 

tion:  56. 

W.  V.  Haidinger  :  über  die  Fortschritte  der  K.  K.  geologischen  Reichsan- 
stalt: 56. 

Prof.  Harkness  :  Bemerkungen  über  die  Geologie  der  Lake  Country;  über 
Silurgesteine  der  Insel  Man;  über  die  metamorphischen  Gesteine  und 
den  Serpentin-Marmor  von  Connemara  und  Joyce's  Country:  57-59. 

H.  B.  Holl:  über  vor-cambrische  Gesteine  in  Mittel-England:  60-62. 

Rev.  W.  Holland:  Bemerkungen  über  die  Geologie  der  Sinaitischen  Halb- 
insel :  62. 


95 


J.  G.  Jeffreys:  über  gewisse  fossile  Schalthiere  in  der  an  die  Channel  Is- 
lands angrenzenden  Seescbicht:  62. 

H.  Johnson:  Ausdehnung  und  Nachhaltigkeit  des  Steinkohlenfeldes  von  Süd- 
Staffordshire :  63. 

G.  Ketley:  über  Silur-Gesteine  und  Fossilien  von  Dudley:  63. 

E.  R.  Lankesteb:  Anneliden  von  Guernsey;  über  die  brittischen  Arten  von 

Cephalaspis  und  den  schottischen  Pteraspis:  64. 
D.  Mackintosh  :  über  atmosphärische  und  oceanische  Wegspülung  mit  Bezug 

auf  Yorkshire  und  Derbyshire:  65. 
Rev.  A.  W.  M'Kay:  der  rothe  Sandstein  von  Nova  Scotia:  66. 

G.  Maw:  über  einige  Fossilien  führende  Schichten   zwischen  dem  bunten 

Sandstein  und  Bergkalk  des  Clwyd-Thales  in  N. -Wales:  67;   über  die 
weite  Verbreitung  der  weissen  Sande  und  Thone  in  N.-Wales:  68. 
R.  A.  Peacock:  über  Dämpfe  als  Ursache  der  Erdbeben:  68;  über  ausge- 
dehnte tiefe  Sinkungen  des  Bodens  in  den  Channel  Islands  Seeen  u.  s. 
w.:  70. 

W.  Pengelly:  die  Insulation  des  St.  Michael's-Berg  in  Cornwall:  71. 
L.  Percival:  ein  neues  Beispiel  für  die  Bildung  des  Pyrit  in  einem  Stein- 
kohlenschachte: 71. 
Prof.  Phillips:  über  GletscherschlifTe:  71. 
Rev.  W.  Purton:  über  die  Geologie  von  Coalbrook-Dale :  72. 

F.  Römer:  über  Protolycosa  anthrophila:  73.  • 

J.  W.  Salter:  über  die  Verwerfungen  in  dem  Golddistricte  von  Dolgelly:  73. 
A.  Startin:  über  Drift  von  Exhall,  N.  von  Coventy:  74. 
Rev.  W.  S,  Symonds:  über  alte  Drift-  und  Flussschichten  in  Siluria:  74. 
Rev.  J.  D.  LA  Touche:  über  Knoten  im  Kalksteine  von  Wenlock  Edge:  76 
C.  Twalmey:   über  Verwerfungen  im  Steinkohlenfeld  von  Süd-Staffordshire 

und  ihre  Beziehungen  zu  den  plutonischen  Gesteinen  dieses  Districtes:  76. 
W.  iVl.  Williams:  über  alte  Gletscher  N.  und  0.  von  Llangollen:  77;  über 

einige  vegetabilische  Absätze  in  dem  Aachensee,  NO.  von  Innspruck:  78. 

H.  Woodward:  über  einen  neuen  Phyllopoden  aus  dem  Unter-Silur  von  Dum- 

friesshire;  über  eine  Schicht  bei  Lilleshall,  Salop,  mit  recenlen  marinen 
Schalthieren:  79. 

Edw.  Newton  :  über  die  Entdeckung  von  Didus-Knochen  auf  der  Insel  Ro- 
driguez:  92. 


15)  Selby,  Babington,  Gray  and  Francis :  The  Annais  and  Magazine  of 
natural  history,  including  Zoology,  Botany  and  Geology.  London. 
8°.    [Jb.  1866,  820.] 

1866,  XVIII,  No.  105,  pg.  145-264. 
Pictet  und  Hümbert  :  neue  Untersuchungen  über  die  fossilen  Fische  vom  Li 
banon:  237-247. 

i866,  XVIII,  No.  106,  pg.  265-344. 
Hermann  Burmeister:  über  Glyptodon:  299-304. 


96 


16)  B.  SiLLiM\s  a.  J.  D.  Dana:   the  American  Journal  of  science 

and  arts.    Newhaven.    8".    [Jb.  1866,  821.] 
1866,  September,  No.  125,  p.  141-292. 
J.  S.  Newberry  :  über  das  Alter  der  Kohlenforination  von  China:  151-154. 
J.  D.  Dana  :  Beobachtunfen  über  den  Ursprung  von  einigen  Gestaltungen  der 

Erdrinde:  205-210:  252-254 
Ch.  A.  Gossmann:  Beitrag  zur  Chemie  der  Mineralwässer  von  Onondaga,  New- 

York:  211-218 

J.  Lawrence  Smith:  ein  neues  Meteoreisen,  „der  Colorado-Meteorit",  von 
Rüssel  Gulch,  Gilpin  Co.,  near  Central  City,  Colorado  Terr. :  218-219. 

B.  Silliman:  über  Gaylussit  von  Nevada  Territory:  220. 

J.  M.  Blake:  über  Kryslalle  des  Gaylussit  von  Nevada  Territory:  221. 

Ch.  U.  Shepard:  Mineralogische  Notizen.  Hagemannit  von  Arksutfiord  in 
Grönland,  Cotunnit  von  South  Hampton  Lead  Mine,  Columbit  von 
Northfield,  Mass.,  Spodumen  in  Winchester,  New  Hampshire:  246-249. 

—    —    Notizen  über  einige  Fundorte  von  Meteoreisen:  249-251. 

A.  Remond:  Geologische  Forschungen  in  Nord-Mexico:  261. 

L.  Lesquerelx;  über  Fucoiden  in  der  Steinkohlenformation:  264. 

G.  J.  Brüsh:  Neue  Fundorte  von  Mineralien:  268. 


Auszüge. 


A.    Mineralogie^  Krystallographie^  Mineralchemie. 

Fk.  Scharff:   über  die   Bauweise  des  Feldspaths.     Mit  4  Taf. 
(Abdr.  a.  d.  Abhandl.  d.  SENCKENBERG'schen  Gesellsch.  VI.  Bd.)  Frankfurt. 
4".    S.  46.    Der  Verf.  liefert  in  der  vorliegenden  Abhandlung  einen  neuen 
schätzbaren  Beitrag  zu  den  vielen,  welche  wir  ihm   bereits  über  die  Bil- 
dung der  Krystalle  und  deren  physikalische  Eigenschaften  verdanken.  Nach- 
dem Scharff  sich  zeither  besonders  mit  Quarz  und  Kalkspath  beschäftigte, 
hat  er  nun  seine  Aufmerksamkeit  dem  Feldspat h  zugewendet  und  zwar 
zunächst  dem  rechtwinklig  spaltenden.  Auch  bei  dieser  Arbeit  war  der 
leitende  Gedanke,  dass  der  Feldspalh  —  wie  der  KrystJtll  überhaupt  —  ein 
selbstthäliges  W^esen  sei,   welches  nach   bestimmten,  geordneten  Gesetzen 
wachse,  sich  erbaue:  unter  verschiedenen  äusseren  Verhältnissen  wird  auch 
die  Gestaltung  des  Kryslalls   eine  verschiedene.    Darauf  gestützt,  bespricht 
Scharff  den  Adular  und  Orthoklas   mit  ihren   verschiedenen  optischen  Er- 
scheinungen, Mondschimmer,  Irisiren,  Spaltungsfähigkeit,  die  einzelnen  Flä- 
chen. Zwillinps-Verwachsnng  u   s.  w.    Auf  die  mannigfachen,  interessanten 
Einzelheiten  ~   die  durch  109  Krystall-Bilder  auf  4  Tafeln  noch  weiter  er- 
läutert —  können  wir  hier  nicht  eingehen  und  beschränken  uns  darauf,  die 
Hauptresultate  hervorzuheben,  die  nanientlich  den  Zwillingsbau  betreffen.  Es 
scheint  hier  die  Verwachsung  ähnliche  Folgen  zu  haben,  wie  sonstige  äus- 
sere Störungen:  verschiedene  bei  den  verschiedenen  Zwillingsformen.  Bei 
der  Bavenoer  Verwachsung  streben  die  geeinten  Kry.slalle  süulig  vor  in  der 
Richtung  zweier  Flächen,  der  Basis  und  des  Klinopinakoids,  sie  bauen  vor- 
zugsweise auf  den  Flächen  PQO  und  -j-P;  bei  der  Carlsbader  Verwachsung 
dehnen  sie  sich   meist  tafelartig  aus  nach  zwei  Flächen   des  Klinopinakoids: 
sie  verbreitern  sich  durch  vorherrschenden  Aufbau  auf  den  Flächen  von  QlDP; 
dabei  zeigt  sich   gewöhnlich  2f*(X)  «""t  zwei  Flächen  von  P  statt  dR  QO, 
welch'  letztere  Fläche   bei  der  Bavenoer  Verwachsung  kaum  fehlen  dürfte. 
Von  geringem  Einfluss  nur  scheint  der  Manebacher  (oder  Pfitscher)  Zwillingsbau 
auf  die  Gestaltung  des  Feldspathes  zu  sein.  —  Bavenoer  Zwillinge  scheinen 
bestrebt,  gleichgerichtete  Flächen  auch  in  dieselbe  Ebene  zu  bringen;  tritt 
Jahrbuch  1867.  7 


98 


das  Klinopinakoid  heraus  ober  die  Basis  des  anderen  Zvvillingstheils.  so  baut 
dieser  iinreo^elmässig  weiter  auf  der  basischen  Fläche  die  Ebene  wieder  her- 
zustellen. In  ähnlicher  Weise  zeigt  sich  zuweilen  bei  der  Carlsbader  Ver- 
wachsung eine  Erhebung  der  Fläche  ?  QJO  ;  ""^  mit  dem  ähnlich  gerichteten 
OP  des  Zwillings  in  gleiche  Ebene  zu  kommen.  Damit  zusanmienznstellen 
ist  auch  wohl  das  Umsäumen  fremder,  störend  eingewachsener  Gegenstände. 
Störungen  des  Krystall-Baues  zeigen  sich  äusserlich  meist  auf  verschiedenen 
Flächen  zugleich;  polyedrische  Erhebungen  auf  (XP  sind  gewöhnlich  be- 
gleitet von  Missbildung  auf  PQO  •  neben  und  2-5 (X)  tritt  meist  auch 
^3  auf.  —  Die  Adulare  scheinen  in  einer  anderen  Richtung  vorzubauen, 
als  die  Orthoklase;  die  Carishader  Verwachsung  ist  ihnen  wohl  fremd.  We- 
sentliche Ergebnisse  des  Krystall-Baues  scheinen  beim  rechtwinklig  spalten- 
den Feldspathe  zu  sein  die  Flächen  OP,  (^P  und  PQC)  ,  oder  statt  der 
letzteren  die  Flächen  2PQC  und  H-P-  In  der  Zone  von  PQt)  und  2f-Qt) 
kommen  noch  andere  Flächen  vor,  wie  ^  sf^QID  >  *  si^QJD  ?  mehr  oder  we- 
niger missbildet;  sie  mögen  vielleicht  als  Übergangs-Flächen  zu  bezeichnen 
sein:  ebenso  QC^3,  In  einer  anderen  Zone  scheinen  die  Flächen  F,  ^/aP, 
2P  mit  OPj  PQfO  )  2PQ(D  in  gewissem  Zusammenhang  zu  stehen:  sie  sind 
meist  glänzend  und  eben  und  scheinen  für  den  gestörten  Krystall-Bau  von 
besonderer  Bedeutung  zu  sein  .  gewöhnlich  Begleiter  der  Cbergaugstlächen, 
sind  sie  als  secundäre  oder  ergänzende  Flächen  gedeutet  worden. 


V.  v.  Zepharovich  :  e i  ne  n  e u e  C  al  c it- F  o  r  m  v o  n  Pr i br  a  m.  (Sitzungs- 
ber.  d.  kais.  Acad.  d.  Wissensch.  UV,  Juli-Heft  1866,  S.  1—6.)  Auf  der 
Adalberti-Grube  zu  Pribram  wurden  in  neuerer  Zeit  schöne  Krystalle  von 
Calcit  aufgefunden.  Eine  grössere  Krystall- Gruppe  zei£t  unter  andern  selbst- 
ständig oder  vorwaltend  in  flächenreichen  Combinationen  das  noch  nicht  be- 
obachtete Skalenoeder  ^^/5R^^,io.  Eine  Messung  der  Endkanten  ergab  für 
die  Endkanten  y  =  154<^14'34  '  und  x  —  87  32'26":  die  Rechnung  ergibt 
für  die  Mittelkante  z  =  14i*^49'8".  Von  den  am  Calcit  nachgewiesenen  Ska- 
lenoedern  steht  am  nächsten  4R2  mit  y  =  152"29',  x  =  88057'  und  z  =  144029'. 
Unter  diesen  neuen  Calcit-Vorkommnissen  sind  besonders  zwei  Varietäten. 
Die  eine  zeigt  die  stark  glänzenden,  ziemlich  ebenflächigon  Skalenoeder 
'^/öR^^/io  selbstständig,  oder  mit  sehr  untergeordneten  Flächen  von  OR, 
—  \2R,  R  und  OD  B  •  ein  unbestimmbares  Skalenoeder  in  der  Gegenstellung 
erscheint  noch  mit  sehr  schmalen,  matten,  .«;lark  gereiften  Flächen  als  Zu- 
schärfung  der  scharfen  Axenkanten  von  ^^/öR'^/io.  Als  polare  Zuspitzung 
zeigt  sich  zuweilen  an  demselben  das  Skalenoeder  R^Vs?  ©ine  seltene  an 
Krystallen  vom  Harz  und  der  Dauphine  beobachtete  Form.  —  Die  zweite 
Krystall-Varietät  wird  charakterisirt  durch  minder  glänzende  und  glatte  Flä- 
chen und  durch  grössere  Ausdehnung  der  oben  als  untergeordnet  angeführten 
Flächen:  insbesondere  ist  die  an  vorwaltend  skalenoedrischen  Combinationen 
sellener  vorkommende  Fläche  OR  auffallend.  —  Die  Krystalle  beider  Varie- 
täten kleiden  Hohlräume  aus  ,  die,  zum  Theil  von  dünnen  Wänden  begrenzt, 
durch  ihre  Form  erkennen  lassen,  dass  sie  von  den  bekannten  grossen  Pri- 


99 


bramcr  Baryt-Tafeln  (dem  älteren  Baryt  nach  Reüss)  stammen.  Diese  wur- 
den zunächst  überkrustet  von  einer  dünnen  Lage  skalenoedrischen  Calcits, 
welcher  eine  grössere  Härte  durch  beigemengte  Quarztheilchen  verliehen 
wird,  einige  Stellen  der  Kruste  sind  auch  nur  von  weissem  Quarz  einge- 
nommen. In  den  durch  spätere  völlige  Auflösung  des  Barytes  entstandenen 
Hohlräumen  erfolgte  nun  eine  reichliche  Calcit-Bildung ;  zuerst  in  sehr  klei- 
nen Skalenoedernj  welche  die  Wände  des  Fachwerkes  innen  und  aussen  be- 
kleideten, dann  in  grossen  Krystallen,  von  denen  manche  zu  vorzüglicher 
Entwickelung  gelangten.  Bezüglich  der  letzteren  ist  es  bemerkenswerth, 
dass  sich  die  zwei  Varietäten  in  von  einander  getrennten  Bildungs-Räumen 
finden. 


A.  Weisbach:  über  den  Kupfer wismutViglanz.  (Poggendorff  Ann. 
CXXVIII,  J86ß,  No.  7,  S.  435-441.)  Auf  der  Grube  Tannebaum-Stollen 
bei  Schwarzenberg  in  Sachsen  ist  der  Kupferwismuthglanz  oder  Em- 
plektit  Kenngott's  neuerdings  in  einem  ausgezeichneten  Exemplare  vorge- 
kommen, indem  das  Mineral  nicht,  wie  gewöhnlich,  derb  und  in  Quarz  ein- 
gewachsen erscheint,  sondern  in  aufgewachsenen,  z.  Th.  über  einen  Zoll 
langen,  cylindrischen  Krystall-Nadeln:,  begleitet  von  Quarz,  Brauneisenstein 
und  Kupferkies.  Bekanntlich  ermittelte  Dauber  (1854) ,  dass  der  Kupfer- 
wismuthglanz rhombisch  krystallisire ;  Weisbach's  Untersuchungen  bestä- 
tigen diess  und  fügen  zu  den  von  Dauber  angeführten  Flächen  noch  neue 
hinzu.  Unter  den  von  Weisbach  beschriebenen  (und  abgebildeten)  Krystallen 
ist  besonders  einer  bemerkenswerth;  er  zeigt  folgende  Flächen;  CXjPQO 

PX  (d)}  VsPX  (10,  CXP(z),  QCP'^'3  (u).  Aus  den  Messungen  ergeben  sich 
als  Hauptresultate,  dass  za=136M0';  zz  =  92«20':  da  =  1280  52';  ka  =  104" 
55';  dd  =  102»^  16'  und  kk  —150»  10'.  —  Die  Spaltbarkeit  ist  vollkommen  nach 
dem  Makropinakoid ;  ausserdem  gibt  es  noch  eine  deutliche  nach  der  Basis 
und  eine  wenig  deutliche  nach  einem  Prisma.  —  Da  für  das  specifische 
Gewicht  des  Kupferwismuthglanz  gar  keine  sicheren  Angaben  vorhanden,  so 
bestimmte  Weisbach  solches  zu:  5,18.  —  Die  Angabe  mancher  Lehrbücher 
der  Mineralogie:  dass  der  Kupferwismuthglanz  an  mehreren  Orten  des  Erz- 
gebirges vorkomme,  ist  unrichtig;  er  findet  sich  nur  auf  der  Grube  Tanne- 
baum-Stollen am  Schwarzwasser  bei  Schwarzenberg  auf  einem  Gange  der 
Baryt-Formation,  welcher  Kobalt-,  Nickel-  und  Wismutherze,  sowie  auch 
edle  Silbererze  führt. 


PisANi  :  über  schwarzen  Spinell  aus  dem  Depart.  Haute- 
Loire.  {Comptes  rendus^  LXIII,  No.  2,  pg  49-50  )  Der  schwarze  Spinell 
zeigt  als  gewöhnliche  Form  das  Oktaeder,  dieses  in  Combination  mit  einem 
Triakisoctaeder  und  zuweilen  das  letzlere  vorwaltend.  Das  Triakisoktaeder 
wurde  bis  jetzt  noch  nicht  am  Spinell  beobachtet.  Der  Durchmesser  der 
Krystalle  schwankt  zwischen  5  bis  10  Millimeter.  Bruch  muschelig.  H. 
=  8.    G.  =  3,871.    Schwarz  ins  Braunlichschwarze.    Die  Analyse  ergab: 

7  * 


100 


Thonerde   59,06 

Eisenoxyd   10,72 

Eisenoxydul   13,60 

Magnesia   17,20 


100,58. 

Der  untersuchte  Spinell  stammt  aus  dem  Depart.  Haute-Loire,  doch 
kommt  er  a^ch  unter  ähnlichen  Verhältnissen  in  Cantal  und  in  den  Umge- 
bungen von  Puy-de-D6me  vor.  Er  bildet  nämlich  einen  Gemengtheil  des 
Olivinfels  in  der  Auvergne,  wird  aber  hauptsächlich  lose  in  dem  Sande  ge- 
trofifen.  der  aus  der  Zersetzung  des  Olivinfels  hervorgegangen. 

Eddy:  Anatas  bei  Smiethfield,  Rhode  Island.  {Bost.  Soc. 
Nat.  Bist.  X,  p.  94.)  Der  Anatas  findet  sich  in  Dolomit  in  Gesellschaft  von 
Bergkryslallj  nadeiförmigem  Natrolith  und  Perlspalh;  der  Bergkrystall  schliesst 
Nadeln  von  Natrolith  ein. 


Church:  Woodwarditj  ein  neues  Mineral  aus  Cornwall. 
(Journ.  of  the  ehem.  soc.  TV,  pg.  130.)  Das  Mineral  bildet  traubige ,  zu 
Stalactiten  gruppirte  Aggregate:  krystallinische  Structur  nicht  zu  beobachten. 
H.  =  2.  G.  —  2,38.  Grünlichblau;  Strich  hellblau.  Glanz:  wachsartig, 
matt.    Gibt  im  Kolben  viel  Wasser  und  ist  leicht  in  verdünnter  Säure  löslich. 


Chem.  Zus.: 

Thonerde  17,66 

Kupferoxyd  46,87 

SchAvefelsäure  12,50 

Wasser  .    .  ^  .    .    ...    .  22,86 

99,89. 


Fe.  V.  Kobell:  über  einen  Thomsonit  (Faroelith)  aus  Island. 
(K.  Bayer.  Acad.  d.  Wissensch.  9.  Juni  1866.)  Das  Mineral  bildet  schuppige 
und  kleinstrahlige  Massen,  die  in  Blättchen  endigen,  an  denen  man  bei  starker 
Vergrösserung  theils  rhomboidale,  theils  rectanguläre  Form  erkennt.  H.  =  4. 
G  =  2.17.  Schneeweiss.  Glanz  perlmutterartig.  Die  ßlättchen  sind  meist 
nur  durchscheinend,  selten  durchsichtig.  Descloizeaux  fand  die  Ebene  der 
optischen  Axen  parallel  mit  der  Basis  der  rectangulären  Krystall-Blättchen; 
die  Mittellinie  positiv  und  rechtwinklig  zur  Spaltungsfläche  —  ein  für  den 
Thomsonit  charakteristisches  Kennzeichen.  V.  d.  L.  mit  einigem  Aufblähen 
leicht  schmelzbar.  Grobes  Pulver  bildet  in  concentrirter  Salzsäure  nach  meh- 
reren Stunden  eine  Gallerte.    Chem.  Zus.  des  Minerals: 

Berechnet : 

Kieselsäure   41,00    40,55 

Thonerde   31,66    30,08 

Kalkerde  10,73  10,81 

Natron  4,50  3,98 

Wasser   12,11  11,58 

100,00  100,00. 


101 

Hienach  die  Formel  :  Na  0  .  Si  O3  +  3  Ca  0  .  Si  O3  +  5  (AI2  O3  .  Si  O3) 
+  10  HO. 

Vorkommen:  das  Mineral  bildet  unregelmässige  Rinden  auf  einem  zer- 
sctzlen  Mandelstein  auf  Island. 


Throdor  Petersen:  über. den  Phosphorit  von  Diez  in  Nassau. 
(Im  VII.  Bericht  des  Offenbacher  Vereins  für  Naturkunde,  S.  7 — 11.)  Die 
Lager  von  Phosphorit  in  den  Lahngegenden  im  Nassauischen  haben  wegen 
ihrer  ansehnlichen  Verbreitung  die  Aufmerksamkeit  auf  sich  gezogen""".  Der 
Phosphorit  von  Diez  findet  sich  in  beinahe  farblosen,  durchscheinenden,  trau- 
bigen Aggregaten,  nach  Sandbergers  Mittheilungen  an  der  Grenze  von  Por- 
phyr und  Stringocephalenkalk.  Er  braust  ziemlich  stark  mit  Säuren  und  ist 
leicht  darin  löslich.  Spec.  Gewicht  =  2,93.  In  chemischer  Beziehung  ist 
der  Phosphorit  von  Diez  besonders  interessant,  da  die  von  Petersen  und 
Senfter  ausgeführten  Analysen  einen  (auch  in  anderen  Phosphoriten  bereits 
aufgefundenen)  Gehalt  von  Jod  nachwiesen.  Der  Phosphorit  von  Diez  enthält: 

Kalk  erde  53,30 

Magnesia  0,19 

Kali   0,14 

Natron  ,  0,31 

Eisenoxyd  netst  etwas  Thonerde  0,61 

Unlöslicher  Rückstand,  thoniger  Eisenstein  und 

etwas  Kieselerde  1,05 

Phosphorsäure  36,78 

Fluor  2,46 

Chlor  und  Jod  0,03 

Kohlensäure  4,25 

Wasser  1,65 

100,77. 

ßeachtenswerth  ist  die  beträchtliche  und  constante  Menge  von  Kohlen- 
säure auch  in  den  reinsten  Stücken  ;  sie  beweist,  dass  der  kohlensaure  Kalk 
zur  Mischung  des  Minerals  gehört,  dessen  Zusammensetzung  demnach : 

Phosphorsaurer  Kalk  •    .    .  80,15 

Kohlensaurer  Kalk    .    .   9,18  )  ^ 

Kohlensaure  Magnesia  0,40  ' 

Eluorcalcium  6,34 

Fluorkalium  0,17 

Fluornatrium  0,40 

Chlor-  und  Jodalkalien  0,05 

Eisenoxyd,  Thonerde,  Kieselsäure  und  Rückstand  1.66 

Wasser   1,65 

100,00. 

Wenn  man  die  1,66%  Eisenoxyd,  Thon  als  Verunreinigung  betrachtet, 
so  lässt  sich  das  Übrige  zurückführen  auf  die  Formel:  3  (3Ca  0  .  PO5) -|- 
CaF  +  CaO  .  CO2  +  HO,  welche  verlangt: 


6,96 


*  Über  das  Vorkommen  des  Phosphorit  in  Nassau,  vrgl.  die  Mittheilungen  von  STEIN 
im  Jahrh.  i866,  716  ff.  und  803. 


102 


9CaO  .  3PO5  =  465    .    •    .    .    .    .  82,59 

CaF        39  6,94 

CaO  .  CO2  =50  8,87 

HO  =      9  1.60 

100,00. 


Es  ist  hiernach  wohl  die  Annahme  gerechtfertigt,  dass  bei  Bildung  die- 
ses Minerals  ein  hasisches  Kalkphosphat  ausfiel,  dessen  Kallihydrat  später  in 
kohlensauren  Kalk  überging,  während  das  basische  Wasser  zurückblieb. 


Theodor  Petersen:  Analyse  des  Hyalophan.  (Sep.-Abdr.  aus  dem 
VII.  Berichte  des  OfFenbacher  Vereins  für  Naturkunde,  S.  12—13.)  Ein  klei- 
ner, klarer  Krystall  wurde  der  Analyse  unterzogen  und  die  von  Stockar- 
EsCHER  ermittelte  Zusammensetzung  bestätigt  gefunden. 


Stockar-Escher. 

Petersen. 

....    52,67  ... 

.    .  51,84 

....    15,05    .    .  . 

.   .  14,82 

....     0,46    .    .  . 

.    .  0,65 

....     0,04    .    .  . 

.    .  0,10 

Kali      .    .    .  . 

....  7,82) 

,    ,  10,03 

....     2,14»  ■    ■  ■ 

....     0,58    .    .  . 

.    .  0,48 

99,88 

100,00. 

Priedel:  über  Adamin  ein  neues  Mineral.  (Compt.  rend.  LXII, 
N.  12,  p.  692).  Das  Mineral  krystallisirt  rhombisch  und  ist  isomorph  mit 
Olivenit  und  Libelhenit:  OOP  =  91^^33'.  Ausser  in  sehr  kleinen  Krystallen 
noch  in  krystallinischen  Körnern.  Spaltbarkeit  nach  zwei  Richtungen,  die 
sich  unter  107^  schneiden.  H.  —  3.5,  G.  =  4,338.  Farbe  honiggelh.  Starker 
Glasglanz.  Strich  weiss.  Gibt  auf  Kohle  Zinkbeschlag  und  schwachen  Ar- 
senik-Geruch.   In  Salzsäure  leicht  löslich.    Enthält : 


Arseniksäure   39,95 

Zinkoxyd   54,3'^ 

Eisenoxydul   1,48 

Wasser   4,55 


100,30. 

Findel  sich  auf  eisenschüssigem  mit  Kalk  gemengtem  Ganggestein,  be- 
gleitet von  Embolit  zu  Chanarcillo  in  Chile.  Nanie  zu  Ehren  des  Herrn 
Adam  in  Paris. 


Lawrence  Smith:  über  die  Smirgelgrube  von  Ghester  in  Mas- 
sachusetts, nebst  Bemerkungen  über  den  Smirgel  und  die  ihn 
begleitenden  Mineralien.  (Silliman,  American  Journ.  XLII,  Nro. 
124,  p.  83 — 93.)  In  letzter  Zeit  hat  bekanntlich  die  Entdeckung  eines  be- 
deutenden Smirgel-Lagers  durch  Prof.  Jackson  grosses  Aufsehen  erregt*;  ein 


*   Vergl.  Jahrb.  f.  Min.  1866,  S.  620. 


D.  R. 


103 


Besuch  der  Örtlichkeit  im  März  dieses  Jahres  setzte  L.  Smith  in  den  Stand 
über  das  interessante  Vorkommen  ausführliche  Miltheilun^en  zu  machen.  Die 
Smirgel-Grube  von  Chester  liegt  in  der  Grafschaft  Hampden  in  MassachusettSj 
inmitten  der  „Green  Mountains".  Herrschende  Gesteine  sind  Gneiss  und 
Glimmerschiefer  mit  Einlagerungen  von  Talkschiefer  und  Serpentin;  die  Schich- 
ten derselben  fallen  meist  unter  heträchflichem  Winkel,  75  bis  80^  ein.  In 
der  Nähe  der  Lagerstätte  zeigt  sich  der  Gneiss  von  ganz  eigenthümlicher  Be- 
schaffenheit; er  enthält  nämlich  sehr  reichlich  Partien  von  dunkel  schwarzer, 
stark  glänzender  Hornblende  und  wo  diese  fehlt.  Schnüre  von  Epidot.  Die 
Schichtung  des  Gneiss  ist  oft  sehr  gestört,  gewunden,  auch  erscheint  derselbe 
stellenweise  sehr  zersetzt,  in  eine  Serpentin-ähnliche  Masse  umgewandelt. 
.\uf  den  Klüften  finden  sich  Kalkspath,  zuweilen  etwas  Kupferkies  und  Ma- 
lachit. Auffallend  ist  der  gänzliche  Mangel  von  Quarz  im  Gneiss  in  der  un- 
mittelbaren Nähe  der  Lagerstätte.  —  Der  Smirgel  von  Chester  gleicht  am 
meisten  jenem  von  Gumuchdagh  bei  Ephesus.  Er  ist  feinkörnig,  von  schwärz- 
lichblauer Farbe:  mit  ihm  finden  sich  oft  ansehnliche  Partien  von  Korund. 
Das  Innere  der  Smirgel-Masse  ist  frei  von  Glimmer-Schuppen,  wie  solche 
der  von  Naxos  enthält.  Jedoch  zeigt  die  microscopische  Untersuchung  des 
Smirgel-PuU  ers ,  dass  er  keineswegs  frei  von  Beimengungen  und  dass  na- 
mentlich zwei  Mineralien  vorhanden,  die  man  fast  allenthalben  in  denselben 
trifft:  Korund  und  Magneteisen.  Es  wurden  die  verschiedensten  Abände- 
rungen des  Smirgels  einer  chemischen  Untersuchung  unterworfen;  sowohl 
solche,  die  von  schlechterer  Qualität  und  mehr  Magneteisen  enthalten,  als 
auch  solche  bei  denen  das  Gegentheil  der  Fall. 

Thonerde   44,01    .    60,02    .    51,92    .  74,22 

Magneteisen  ....  30,21  .  44,11  .  42,25  .  19,31 
Kieselsäure   3,13    .     3,25    .     4,46    .  5,48. 

Aus  der  mineralogischen  und  chemischen  Untersuchung  des  Smirgel  von 
Chester  geht  hervor,  dass  er,  gleich  allen  Smirgeln,  ein  Gemenge  von  Ko- 
rund mit  Magneleisen  ist  (Jackson  ist  hingegen  anderer  Ansicht;  er 
analysirte  zwei  Abänderungen  des  Smirgels  von  Chester  und  fand  in  der 
eineti  Thonerde  und  40,95%  Eisenoxydul,  in  der  anderen  60,407o 

Thonerde  und  39,607o  Eisenoxydul.  Zu  Jacksons  Ansicht  neigt  sich  auch 
Shepard,  obwohl  er  die  Übereinstimmung  der  physicalischen  Eigenschaften 
von  dem  Smirgel  mit  gemeinem  Korund  zugibt ,  betrachtet  er  ersteren  doch 
als  eine  selbstständige  Species  mit  der  Formel :  Fe  0  .  Alj  O3  und  nennt 
solche  Em  er  it.  Aber  selbst  bei  dieser  Annahme  wäre  der  Smirgel  von 
Chester  kein  neues  Mineral,  sondern  nur  ein  derber,  körniger  Eisenspinell 
mit  der  Härte  des  Korund.) 

Der  Smirgel  von  Chester  wird  von  folgenden  Mineralien  begleitet: 

Korund:  der  gewöhnliche  Gesellschafter  des  Smirgel,  denselben  in 
Streifen  durchziehend,  häufiger  in  kleinen  Krystallen  von  tafelartigem  Habitus. 

Diaspor:  sehr  ausgezeichnet,  in  prismatischen  oder  tafelförmigen, 
farblosen  Krystallen. 

Emerylith  (Margarit)  von  besonderer  Schönheit.  Die  chemische  Un- 
tersuchung desselben  ergab: 


i04 


Kieselsäure  32,21 

Thonerde  48,87 

Kalkerde  10,02 

Eisenoxyd  2,50 

Manganoxyd  0,20 

Magnesia  0,32 

Natron  and  Kali    ....  1,91 

Lithion  0,32 

Wasser   4,61 

100,93. 

Corundophilit  findet  sich  in  dünnen  Blättchen  und  stimmt  mit  dem 
von  Shkpard  beschriebenen  Mineral  von  Asheville  in  der  Grafschaft  Bun- 
combe,  New-York,  iiberein.  Die  chemische  Zusammensetzung  des  Corundophilit 
von  ehester,  so  weit  das  nicht  reichliche  Material  eine  Analyse  gestattete,  ist: 


Kieselsäure   25,06 

Thonerde   30,70 

Eisenoxydul   16,50 

Magnesia   16,41 


Wasser  10,62 

Biotit  in  dunkelgrünen,  blätterigen  Partien  auf  den  Klüften  eines  weis- 
sen Gesteins,  das  Shepard  Indianit  nennt.    Die  Analyse  ergab: 


Kieselsäure   39,08 

Thonerde   15,38 

Magnesia   23,58 

Eisenoxyd   7,12 

Manganoxyd   0,31 

Kali   7,50 

Natron   2,63 

Wasser   2,24 

Fluor   0,76 


Turmalin  erscheint  zu  Chester  mit  dem  Smirgel  auf  ähnliche  Weise, 
wie  zu  Naxos. 

Ilmenit  in  tafelartigen  Kryställchen  im  Emerylith. 

Brookit  (oder  Rutil.?).  Mit  dem  Diaspor  finden  sich  zuweilen  sehr 
kleine,  dünne  Krystalle  von  haarbrauner  Farbe. 

Magneteisen  kommt  so  reichlich  mit  dem  Smirgel  vor,  dass  es  gewon- 
nen wird. 


Jackson:  Analysen  einiger  Mineralien  aus  den  Smirgel-Gru- 
ben  von  Chester.  (Silliman,  American  Journ.  XLII,  Nro.  124,  p. 
107 — 108.)  1)  Andesin  Derbe  Massen  von  feinkörniger  Textur.  Bruch 
muschelig.    H.  =  7,5.    G.  =  2,586.  Grünlichweiss. 


Kieselsäure   62,00 

Thonerde   24,00 

Kalkerde   3,50 

Magnesia   0,70 

Natron   8,07 

Wasser    1,00 

99,67. 


i05 


2.    Margarit.    H.  =  3,5—4.    G.  =  3,03.  Enthält: 

Kieselsäure   29,84 

Thonerde   53,84 

Kalkerde   10,38 

Magnesia  0,24 

Natron  (und  etwas  Kali)     .  2,46 

Eisoüoxyd  0,30 

Wasser   1 ,32 

98^38. 


3.  Diaspor  findet  sich  in  nadeiförmigen,  bis  zolllang^en  und  in  tafel- 
arligen  Krystallen:  jedoch  sind  nur  die  ganz  kleinen  vollständig  ausgebildet. 
Der  Diaspor  enthält  zuweilen  mikroskopische  Kryslällchen  von  Brookit.  H. 
=  7.    G.  =  3,39. 

Kalkerde  83,0 

Eisen-  und  Titanoxyd     .    .  3,0 

Wasser   14,8 

100,8 

4.  Chloritoid.  Die  Analyse  wurde  mit  möglichst  reinem  Material  aus- 
geführt. 

Kieselsäure  22,50 

Thonerde   23,50 

Eisenoxydul  18,00 

Eisenoxyd  20,25 

Magnesia  l  ,80 

Wasser  11,00 

97,(»5. 


Igelström:  die  Mineralien  von  Horrsjöberg  in  Wermeland. 
(Berg-  und  hüttenm.  Zeitung  XXV,  Nr.  36,  S.  307—309)  Wermeland  ge- 
hört zu  den  gebirgigsten  Provinzen  Schwedens.  Im  westlichen  Theile  ragt 
der  alpinische  Gebirgsrücken  Kölen  empor,  während  der  östliche  von  klei- 
neren Gebirgsketten  durchzogen  ist.  Der  Fluss  lüara  iheilt  die  Provinz  in 
zwei  gegnostisch  verschiedene  Theile.  Der  östliche  Theil  Wermelands,  etwa 
9  schwedische  Quadratmeilen  umfassend,  enthält  bei  Filipstadt,  Persberg, 
Nordmark  u.  a.  0  viele  Eisenerz-Lagerstätten,  während  der  westliche  von 
etwa  145  Quadratmeilen  arm  an  solchen  ist.  Diese  Verschiedenheit  scheint 
durch  den  geologischen  Bau  bedingt.  In  dem  östlichen  Theile  herrscht  das 
so  häufig  mit  Eisenerzen  verbundene  Gestein  Kelleflinta  vor.  während  der 
westliche  hauptsächlich  aus  Granit,  Gneiss  und  Hyperit  besteht.  Letzterer 
bildet  ganze  Bergrücken.  Er  besteht  aus  Labradorit  und  Hypersthen.  ist  meist 
grobkörnig  und  enthält  Granat  und  Titaneisen.  —  Horrsjöberg  liegt  1  ^1^  Meile 
westlich  vom  Flusse  Klara  und  2  Meilen  vom  See  Frykens  im  Kirchspiel  Ny, 
Das  Gebiet  wird  zusammengesetzt  theils  aus  Hyperit,  theils  als  Quarzit, 
der  durch  beigemengten  Cyanit  oft  himmelblau  gefärbt  ist.  Der  letztere 
bildet  zuweilen  selbstständige  Bänke  oder  Lager  von  mehreren  Klaftern  Mäch- 
tigkeit, die  man  füglich  als  ein  besonderes  Gestein,  Cyanitit,  betrachten 
könnte.    Die  Cyanit-Massen  sind  überall  durchzogen  von  dünnen  Lagen  eines 


i06 


schönen,  weissen,  glänzenden  Minerals,  das  etwas  fettig  anzufühlen,  blätterig 
und  in  dünnen  Blättchen  durchscheinend  ist.  Nach  Igelströms  Analyse  (43,41 
Kieselsäure,  35,17  Thonerde,  4,62  Eisenoxyd,  1,40  Magnesia.  10,90  Kali  und 
Natron,  4,50  Wasser)  ist  das  Mineral  Damourit.  In  den  Damoiirit-Lagen 
finden  sich  zuweilen  kleine  Drusen  von  Pyrophyllit,  dessen  Zusam- 
mensetzung nach  Igelström  (59,86  Kieselsäure,  33,44  Thonerde,  0,77  Ei- 
senoxyd, 0,44  Magnesia  und  7,46  Wasser)  dem  sibirischen  Pyrophyllit  am 
ehesten  entspricht.  —  Auch  sitzen  in  dem  Damourit  kleine  Rhomboeder  von 
Svanbergit.  In  dem  O^^rzit  findet  sich  noch  Lazulith,  bald  in  Adern 
und  Bändern,  bald  in  Drusen  und  Nestern,  dicht  oder  körnig,  indigo-  bis 
berlinerblau.  Zuweilen  kommen  undeutlich  ausgebildete  Krystalle  vor,  die 
kleinere  Blältchen  von  Cyanit  oder  Körner  von  Rutil  umschliessen.  Sehr 
häufig  ist  Rutil  im  Quarzit,  mit  dem  Cyanit  und  Lazulith  verwachsen,  zu- 
weilen in  einige  Pfund  schweren  Massen.  —  Endlich  kommt  verwachsen 
mit  Lazulith,  oder  auch  mit  Rutil  und  Cyanit  ein  dichtes,  milchweisses  Mi- 
neral vor,  dessen  Härte  =  6;  die  Analyse  ergab,  dass  es  ein  neues,  dem 
Lazulith  nahestehendes  ist.    Es  enthält: 


98,44. 

Weil  das  Mineral  gewöhnlich  allseitig  von  andern  umgeben  ist  (a//yi- 
3a\,ijf,  bekränzt)  hat  Igelström  demselben  den  Namen  Amphitälit  beigelegt. 


G.  Brush:  Diaspor  bei  Newlin  in  Pennsylvania.  (Silliman, 
American  .lourn.  XLII,  Nr.  125,  268).  Bei  Newlin  in  der  Grafschaft  Chester 
in  Pennsylvanien  sind  neuerdings  schöne  Krystalle  von  Diaspor  vorgekom^^en. 
Sie  sind  von  honiggelber  Farbe  und  auf  Emerylith  aufgewachsen. 


G.  Brush:  Uwarowit  bei  New-Idria  in  Californien.  (Silliman, 
American  Journ.  XLII,  Nr.  125,  268).  Das  Mineral  findet  sich  in  kleinen 
Rhombendodekaedern  mit  Rhodochrom  auf  Chromeisenstein  —  also  ganz  ähn- 
lich wie  der  Uwarowit  im  Ural. 


Websky:  Monacit  bei  Schreiberhau  in  Schlesien.  (Zeitschrift 
der  deutschen  geolog.  Gesellschaft  XVII.  4,  S.  566—568).  In  einem  ver- 
lassenen Feldspath-Bruche  am  Waldsaum  der  Kochelwiesen,  etwa  10  Minuten 
hinter  dem  Rettungshause  in  Schreiberhau  hatte  Websky  Gelegenheit,  folgende 
Mineralien  aufzufinden:  Monacit,  in  Krystallen,  die  denen  von  Norwich 
gleichen,  d.  h.  nach  dem  Orthopinakoid  gestreckt  sind,  in  frischen  Stücken 
deutlich  blätterig  parallel  der  Basis,  gelb,  in  verwittertem  Zustande  röthlicb. 


Phosphorsäure 


30,06 
48,50 
5,76 
1,55 
12,47 


Thonerde 
Kalkerde 
Magnesia 
"Wasser  . 


107 


Fergusonit,  in  diinnen,  bis  3  Linien  langen,  1  Linie  starken,  sehr  sjjitzen 
quadratischen  Pyramiden,  oft  zu  feinen  Strahlen  ausgezogen,  der  Kern  ist 
pechschwarz,  in  Splittern  leberbraun  durchscheinend,  von  gelber  Kruste  oder 
Xenolim  bedeckt.  Gadolinit,  bald  in  schwarzen,  grün  durchscheinenden 
Kernen  bald  in  braun  durchscheinenden  Krusten.  Titan  eisen,  meist  ver- 
wittert, zuweilen  mit  Fergusonit  verwachsen. 


Strüver:  Mineralien  im  Granit  von  Baveno  und  Montorfano. 
(Atti  dell  accad.  delle  sc.  di  Torino  1866,  p.  395  —  397).  Der  rothc  Gra- 
nit von  Baveno  besteht  aus  Orthoklas,  Oligoklas,  Quarz,  und  zwei  Varie- 
täten von  Glimmer  und  enthält  als  accessorische  Gemenglheile :  Älbit,  Horn- 
blende, Epidot,  Laumontit,  Chlorit,  Kaolin,  Hyalith,  Hämatit,  Limonit,  Fluss- 
spath,  Kalkspath,  zwei  Varietäten  von  Stilbit,  Chabacit,  Turmalin,  Scheelit, 
Babingtonit  und  vielleicht  Gadolinit.  Der  weisse  Granit  von  Montor- 
fano, der  jedenfalls  stärker  verwittert  ist  als  der  von  Baveno,  enthält  als 
accessorische  Bestandtheile :  Albit,  Laumontit,  Chabacit,  Stilbit,  Kalkspath, 
Eisenkies. 


A .  Kenngott :  über  das  Vorkommen  von  Flussspath  in  der 
Schweiz,  (Die  Minerale  der  Schweiz,  S.  341 — 350.)  Unter  den  nichtsehr 
zahlreichen  Fundorten  zeichnen  sich  die  vom  Galenstock  am  Rhone-Gletscher, 
an  der  Grenze  von  Bern,  Wallis  und  Uri,  durch  ihr  elegantes  Ansehen  vor 
allen  aus.  Die  Krystalle  des  Flussspath  sitzen  auf  Klüften  oder  in  Drusen- 
räumen eines  granilischen  Gesteins,  in  dem  auch  körnige  Partien  von  Fluss- 
spath, kleine  Kalkspathe  OR  .  R,  farblose  Apatite,  kleine  Tafeln  von  Brookit, 
sehr  kleine  Anatas-Krystalle  P,  sowie  Chlorit-Schüppchen  eingewachsen  sind. 
Die  Krystalle  des  Flussspath  zeigen  die  Combination  des  Octaeders  und  He- 
xaeders in  abwechselnder  Ausdehnung,  stets  noch  mit  den  untergeordneten 
Flächen  des  Rhombendodekaeders.  Die  Flächen  sind  meist  glatt  und  glän- 
zend. Das  Innere  der  Krystalle  ist  rosenrotb  und  diese  Färbung  hat  im  All- 
gemeinen einen  oclaedrischen  Umriss  oder  erscheint  zum  Theil  hell-  oder 
tiefblau  besäumt.  Der  äussere  Theil,  gewöhnlich  die  Hälfte,  ist  farblos  oder 
es  tritt  die  blaue  Färbung  unterhalb  der  Flächen  des  Rhonibendodckaeders 
auf.  Sie  sind  durchsichtig;  als  Einschluss  enthalten  sie  Schüppchen  von 
Chlorit.  sowie  Kryställchen  von  Anatas.  —  Flussspath  findet  sich  ferner  am 
Giebelbach  zwischen  Viesch  und  Laax  in  Oberwallis  auf  Klüften  eines  Gneiss- 
artigen Gesteins,  in  apfelgriinen  Octaedern,  begleitet  von  weissen  Quarz-Kry- 
stallen,  von  Desmin  und  Stilbit  —  Zwei  einander  im  Aussehen  der  Krystalle 
sehr  ähnliche  Vorkommnisse  des  Flussspath  sind  die  vom  Lauchernstock  bei 
Wolfenschiess  im  Unterwaiden  und  von  einer  Nunn  genannten  Gegend  bei 
Brienz  im  Canton  Bern.  Die  Krystalle  von  beiden  Fundorlen  sind  meist 
grosse,  gnine  oder  auch  wasserhelle  Hexaeder,  deren  Flächen  durch  Erosion 
stark  angegriffen,  die  Kanten  und  Ecken  abgerundet  sind.  —  Von  ganz  an- 
derer Art  zeigen  sich  die  rosenrothen  Flussspathe  verschiedener  Fundorte; 


i08 


so  die  von  der  Trift  am  hinteren  Thierberg  bei  dem  Triften-Gletscher,  zwi- 
schen dem  Gadmenthal  und  Guttanen  im  Haslithal,  auch  solche  als  von  der 
Grimsel  stammend  angegeben.  Es  sind  meist  aufgewachsene  Krystalle  in  der 
Comhination  des  Octaeders  mit  Hexaeder,  auch  zuweilen  mit  dem  Rhomben- 
dodekaeder, begleitet  von  Quarz-Krystallen ,  auf  Granit  oder  Gneiss.  —  In 
der  rosenrothen  Farbe  übereinstimmend  sind  halbdurchsichtige  Octaeder  aus 
einer  Krystall-Höhle  des  Zinkenslockes  am  Unteraar-Gletscher  bei  der  Grim- 
sel. die  gleichfalls  von  Quarz-Krystallen  begleitet  werden.  —  Erwähnung 
verdienen  noch  farblose  bis  rosenrothe  Octaeder  auf  dem  Wege  von  Vrin 
auf  die  Grcinn.  die  auf  Klüften  von  Glimmerschiefer  mit  Rauchquarz  vorkom- 
men, bis  1^2  Zoll  im  Durchmesser  zeigen  und  Eisenglimraer  oder  Glimmer- 
Schüppchen  als  Anflug  zeigen;  ferner  rosenrothe  Octaeder  aus  dem  Tavetsch- 
Thale  in  Graubündten,  begleitet  von  Quarz  und  Adular.  -  Im  Maggia-Thale 
im  Tessin  finden  sich  rosenrothe  Krystalle,  0  .  G£)0(X  .  mO  auf  Klüften  von 
Glimmerschiefer,  in  Gesellschaft  von  Adular.  Quarz,  Titanit  und  Chlorit;  fer- 
ner oberhalb  Peccia  im  Maggiathale  farblose  Krystalle,  nach  Wiser  ^ji 
0  .  OOOQO  .  0,  auf  Klüften  von  Gneiss  zugleich  mit Kalkspath-Krystallen  OR.R, 
Adular,  Rauchquarz.  Titanit  und  Chlorit,  welch  letzterer  auch  als  Einschluss 
im  Flussspath  vorkommt. 


A.  Ketjngott  :  über  den  Turmalin  der  Schweiz.  (Die  Minerale  der 
Schweiz,  S.  109.)  Ein  ausgezeichnetes  Vorkommen  ist  das  vom  Campo  longo, 
westlich  oberhalb  Dazio  grande,  an  der  Gotthard- Strasse  im  Canton  Tessin. 
Der  Turmalin  bildet  hier  in  Nestern  und  Lücken  des  körnigen,  weisslichen 
Dolomits  ein-  und  aufgewachsene  Krystalle;  sie  zeigen  meist  das  trigonale 
Prisma  untergeordnet,  an  dem  einen  Ende  die  Basis-Fläche  sehr  häufig,  mit 
— Vi^^  ""d  mit  R,  während  am  anderen  Ende  R  oder  R  .  — 2R  auftritt,  zum 
Theil  auch  mit  GR.  Sie  sind  meist  kurzsäulig,  von  gras-,  apfel-  oder  spar- 
gelgrüner Farbe  und  werden  begleitet  von  rothem  und  blauem  Korund,  Glim- 
mer, gelbem  Diaspor  und  Kalkspath.  —  Ganz  analog  ist  das  Vorkommen  im 
feinkörnigen,  weissen  Dolomit  des  Binnentliales  in  Obervvallis.  Die  hier 
überhaupt  selteneren  Turmaline  haben  das  trigonale  Prisma  vorherrschender 
als  die  vom  Campo  longo,  dagegen  tritt  die  Basis  mehr  hervor.  Farbe: 
selten  hellgrün,  meist  gelblich-  bis  braunlichgrün,  grünlich-  bis  graulichgelb. 
Der  Turmalin  wird  hier  begleitet  von  Pyrit,  Glimmer,  Realgar,  Binnit,  Baryt, 
Blende,  Quarz,  Hyalophan  und  Kalkspath.  —  Von  den  Turpen,  im  Hinter- 
grunde des  Binnenthaies,  stammen  braungelbe  Krystalle.  aufgewachsen  im 

30  R 

Kalkglimmerschiefer,  in  der  Comhination  OD  P2  ,  .  R  .  —  Vs^^  •  — 2R ; 

3D  R 

ebendaher  auch  honiggelbe  Krystalle:  OD  P2  .         ,  welche  von  krystallisir- 

tem  Quarz,  Adular,  Rutil  und  Chlorit  begleitet,  in  demselben  krystallinischen 
Quarz  vorkommen,  der  stellenweise  kleine  Partien  des  körnigen  Dolomit  um- 
schliesst  und  grössere  Ausscheidungen  in  solchem  zu  bilden  scheint.  Beach- 
tung verdient  noch  ein  Vorkommen  des  Turmalin  im  Binnenthale,  da  es  leicht 


109 


mit  Epidot  zu  verwechseln,  indem  grünlichbraune,  plattgedrückte  Krystalle 
reihenweise  an  einander  gewachsen  —  wie  solches  beim  Epidot  der  Fall  — 
und  durch  das  Vorherrschen  zweier  paralleler  Prismen-Flächen  und  die  hie- 
durch  bedingte  unregelmässige  Ausbildung  der  Enden  den  Epidot-Kryslallen 
ähnlich  sind.  Endlich  finden  sich  noch  im  Binnenthale  schwarze,  lange, 
dicke  und  dünne,  meist  cylindrische  Turmalin-Krystalle,  die  einzeln  oder 
auch  stengelig  gruppirt,  auf  einem  Aggregat  kleiner  Ädulare  oder  einem  Ge- 
menge solcher  mit  kleinen  schwarzen  Turmalinen.  mit  braunem  Glimmer,  Ei- 
senglanz und  Bergkryslall,  welch  letzter  auch  Turmalin  als  Einschluss  ent- 
hält. —  Bei  Unterwasser  unfern  Obcrgesleln  in  Oberwallis  trifft  man  braune, 
nadeiförmige  Turmaline  mit  blassgelben  Kutil-Nadeln,  Brauneisenocker  und 
zersetztem  Chlorit  auf  und  in  lockeren  Haufwerken  brauner  Glimmer-Schup- 
pen, die  den  Überzug  eines  körnigen  Gemenges  von  Quarz  und  Glimmer  bil- 
den. —  Im  Gebiete  des  St  Gotthard  kommen  oft  Turmaline  in  Granit,  Gneiss 
oder  Glimmerschiefer,  sowie  in  den  quarzigen  Ausscheidungen  derselben  ein- 
gewachsen und  in  Drusenräumen,  Klüften  und  Nestern  vor,  begleitet  von 
Quarz,  Glimmer,  Chlorit,  Adular,  Albit,  Periklin  und  zu  Brauneisenerz  umge- 
wandeltem Pyrit;  diese  Turmaline  sind  meist  schwarz,  braun  oder  grün,  ihre 
Grösse  ist  selten  bedeutend.  Zuweilen  schliesst  auch  der  sie  begleitende 
Bergkrystall  solche  ein.  —  Ähnliche  Turmaline  finden  sich  im  Maggiathale, 
im  Canton  Tessin,  in  Gesellschaft  von  Adular,  Bergkrystall,  Chlorit,  Eisen- 
glanz, Titanit:  auch  als  Einschluss  in  Bergkrystallen ,  zum  Theil  in  grosser 
Anzahl,  so  dass  dieselben  in  Folge  der  herausragenden  Enden  ganz  stachelig 
erscheinen.  Besonders  interessant  ist  ein  Exemplar  in  Wiskrs  Sammlung  aus 
dem  Bedretto-Thale  in  Tessin:  die  Krystalle  des  Turmalin  sind  in  derben  Quarz 
eingewachsen  und  gebogen,  der  eine,  etwa  3  Zoll  lang,  sehr  stark  und  an 
dem  einen  Ende  sich  in  nadeiförmige  Krystalle  zertheilend.  —  In  Graubünd- 
ten,  im  Tavetscher  Thal,  zumal  am  Caveradi  und  im  Medelser  Thale,  finden 
sich  Turmaline  unter  ähnlichen  Verhältnissen  wie  am  St.  Gotthard,  doch  im 
Allgemeinen  seltener. 


B.  Geologie. 

Ferdinand  Zirkel  :  „Lehrbuch  der  Petrographie".  Erster  Band. 
S.  607.    Zweiter  Band.    S.  635.    Bonn  8«.  1866. 

Der  Verfasser  hat  in  dem  vorliegenden  Werke  versucht,  ein  in  seinen 
wichtigsten  Zügen  möglichst  vollständiges  Gesammtbild  unserer  Kenntnisse 
von  den  die  Erdkruste  zusammensetzenden  Gesteinen  in  ihren  verschiedenen, 
nicht  nur  mineralogischen  und  chemischen,  sondern  auch  geotektonischen  und 
genetischen  Beziehungen  auf  Grund  der  neuesten  Forschungen  zu  entwerfen. 
Weil  Zirkel  in  seinem  Lehrbuche  in  manchen  Punkten  etwas  weiter  greift 
als  frühere  Werke  über  Petrographie,  ist  auch  das  Werk  zu  grösserem  Um- 
fange,  zu  zwei  Bänden  angewachsen.    In  der  „allgemeinen  Petrographie", 


110 


in  welcher  die  Begriffe  von  Gesteinen,  Gemengtheilen ,  Structur,  Lagerungs- 
fbrmen  der  Gesteine  u.  s.  w.  erörtert  werden,  verdienen  besonders  die  Ab- 
schnitte über  die  mineralischen  Bestandtheile  der  Gesteine  (S.  17 — 56),  so- 
wie über  die  Bildungsweise  der  Gesteine  und  ihrer  Mineralien  (S.  154— 171) 
Beachtung,  da  sie  viele  treffende,  wichtige  Bemerkungen  und  Anschauungen 
enthalten-,  ebenso  der  Abschnitt  über  Gruppirung  und  Eintheilung  der  Ge- 
steine (S.171 — 174).  Während  bekanntlich  die  der  einfachen  oder  gleich- 
artigen krystallinischen  Gesteine  (welche  Eintheilung  der  Verfasser  wählte, 
wollen  wir  weiter  unten  bei  der  gesammten  Übersicht  mittheilen)  wenige 
Schwierigkeiten  bietet,  ist  die  Gruppirung  der  gemengten  krystallinischen 
Gesteine  mit  um  so  grösseren  Schwierigkeiten  verbunden.  Zirkel  bringt  die- 
selben in  zwei  Hauptabiheilungen,  indem  er,  auf  Grund  der  Structur-Verhält- 
nisse:  1)  gemengte  krystallinisch-körnige  Gesteine  und  2)  gemengte  kry- 
stallinisch  -  schieferige  Gesteine  unterscheidet.  Der  Betrachtung  der  erste- 
ren  schickt  Zirkel  noch  (S.  412-440)  Allgemeines  über  «lineralogische  und 
chemische  Zusammensetzung,  über  magnetische  und  Textur-Verhältnisse 
voraus  und  bespricht  dann  die  Gründe  für  seine  vorgeschlagene  Eintheilung 
der  gemengten  krystallinisch-körnigen  Gesteine.  Diese  Gründe  sind  folgende. 
Die  31ehrzahl  der  gemengten  krystallinisch-körnigen  Gesteine  sind  Feldspath- 
Gesteine.  Gruppirt  man  sie  nun  nach  den  in  ihnen  vorkommenden  Feld- 
spathen,  so  lassen  sich:  Orthoklas-  (Sanidin-)  Gesteine,  Oligoklas-Gesteine, 
Labradorit-  und  Anorthit- Gesteine  unterscheiden.  Ein  Theil  der  Feldspath- 
Gesteine  ist  quarzhaitig,  ein  anderer  quarzfrei:  zu  jenen  gehören  die  Ortho- 
klas- und  Oligoklas-Gesteine,  zu  diesen  die  Labradorit-  und  Anorthit-Gesteine. 
Ausserdem  bilden  Hornblende  und  Augit  oft  wesentliche  Gemengtheile ;  ihre 
An-  oder  Abwesenheit  bietet  daher  weitere  Anhaltspunkte  für  die  Einthei- 
lung, besonders  für  die  Oligoklas-Gesteine.  Die  drei  Mineralien:  Nephelin, 
Nosean  und  Leucit  stellen  sich  als  Vertreter  der  Feldspathe  ein  und  die  sie 
enthaltenden  Gesteine  lassen  sich  —  da  sie  selbst  meistens  Feldspath  führend 
—  mit  den  Feldspath-Gesteiuen  vereinen.  Die  Feldspath-Gesteine  werden 
nun  auch  noch  geologisch  von  dem  Verfasser  als  ältere  und  jüngere  unter- 
schieden. —  Auf  diese  Eintheilung  gestützt  beschreibt  nun  Zirkel  ausführ- 
lich (Bd.  I,  S.  474—607  und  Bd.  II,  S.  1—335)  alle  gemengten  krystalli- 
nisch-körnigen und  schieferigen  Gesteine  und  bespricht  sodann  in  sehr  ein- 
gehender Weise  deren  mulhniassliche  Entstehungsweise  mit  besonderer  Rück- 
sicht auf  die  neueren,  durch  chemische  und  mikroskopische  Untersuchung 
der  Gesteiue  gebotenen  Resultate.  —  Den  Schluss  des  Werkes  bildet  (II.  Bd., 
S.  514—622)  die  Schilderung  der  Trümmer-Gesteine,  der  Conglomerate, 
Breccien,  Tuffe. 

Die  systematische  Eintheilung  der  krystallinischen  Gesteine  nach  Zirkel 
ist  demnach  folgende: 

A.    Einfache  krystallinische  Gesteine. 

1.  Eis. 

2.  Haloidgesteine. 

Steinsalz,  Flussspath,  Kryolith. 
Kalkstein,  Dolomit,  Mergel. 


III 


Gyps,  Anhydrit,  Phosphorilgestein,  Stassfurtitgesteln,  Schwer- 
spathgestein, 

3.  Kieselgesteine. 

Quarzit  und  Ouarzitschiefer,  Kieselschiefer,  Hornstein,  Jaspis, 
Süsswasserquarz,  Opal,  Flint,  Polirschiefer,  Kieselguhr. 

4.  Silicatgesteine. 

Augitgestein,  Rlalakolithfels,  Hornblendegestein,  Skapolithfels, 
Epidosit,  Erlanfels  (Smirgel). 

5.  Erzgesleine. 

Eisenglimmerschiefer,  Itabirit,  Rotheisenstein,  Brauneisenstein, 
Eisenoolith,  Bohnerz,  Eisenspath,  Sphärosiderit,  Magnet- 
eisenstein. 

6.  Kohlengesteine. 

Graphit,  Anthracit,  Steinkohle,  Braunkohle,   Torf,  Asphalt, 
Brandschiefer,  Guano. 
B.    Gemengte,  krystallinische  Gesteine, 
a)  Gemengte  kryslallinisch-körnige. 
I.    Altere  Feldspathgesteine. 

1.  Quarzhaltige  Orthoklasgesteine. 

Granit,  Granitporphyr,  Syenitgranit,  Felsitporphyr,  Hälleflinta, 
Pechstein. 

2.  Quarzfreie  Orlhoklasgesteine. 

Syenit,  Foyait,  Zirkonsyenit,  Miascit,  Ditroit,  Quarz -freier 
Orthoklasporphyr,  Minette. 

3.  Oligoklasgesteine. 

Hornblende-haltige:  Diorit,  Porphyrit. 
Augit-haltige :  Melaphyr. 

4.  Labradoritgesteine. 

Diabas,  Labradorilporphyr,  Augitporphyr,  Diabasaphanit,  Dia- 
basschiefer, Variolit,  Kalkaphanit.  Gabbro,  Hypersthenit. 

5.  Anorthitgesteine. 

Ältere  Corsite  (Kugeldiorite)  und  Eukrite,  Schillerfels. 
II.    Jüngere  Feldspathgesteine. 

1.  Sanidin-  und  Oligoklasgesteine  oder  Trachytfamilie. 

Quarztrachyt,  Trachyt,  Phonolith,  Hornblende-Andesit,  Augit- 
Andesit. 

Anhang:  Schaum-  und  Glasgesteine  dieser  Gruppe:  Obsidian, 
Bimsstein,  Perlit. 

2.  Nephelin-  und  Leucitgesteine. 

Nephelinit,  Leucitophyr,  Hauynophyr. 

3.  Labradorit-  und  Anorthitgesteine  oder  Basaltfamilie. 

Dolerit,  Anamesit,  Basalt,  jüngere  Anorthitgesteine. 
III.    Feldspath-freie  Gesteine. 

Greisen,  Turmalinfels,  Saussurit-Gabbro,  Eklogit  und  Cyanit- 
fels,  Granatfels,  Kinzigit,  Cordieritfels,  Dunit,  Lherzolith, 
Eulysit. 


V 


112 


b)  Gemengte  krystallinisch-schieferige. 

Gneiss,  Granulit,  Glimmerschiefer  und  Anhänge,  Thonglimmer- 
schiefer. Itakolumit. 


A.  DEL  Gastillo:  über  den  Erzreichthum  Nieder-Californiens; 
mitgetheilt  durch  Burkart  in  Bonn     Zeilschr.  für  das  Berg-,  Hütten-  und 
Salinenwesen  im  Prcuss.  Staate,  XIV,  2.  S.  105 — 119.)    Die  vorliegende 
Abhandlung  •    durch  Geh.  Bergrath  Burkart  ins  Deutsche  übertragen  —  ist 
in  einem  grösseren  Werke  „iiiqiieza  mineral  de  la  Republica^^  des  Herrn 
A.  DEL  Gastillo  in  Mexico  enthalten  und  betrifft  nur  den  südlichen  Theil  der 
Halbinsel  von  Nieder-Gaiifornien.    Der  Verfasser  schildert  die  geologische 
Beschaffenheit  dieses  Landes,  dessen  Hydrographie  und  die  Localitäten,  in 
denen  artesische  Brunnen  mit  Erfolg  erbohrt  werden  können,  die  Hauptberg- 
werksdistricte    und  iheilt   endlich   geschichtliche  Notizen  und  Betrachtun- 
gen mit  über  die  Mittel ,  die  jährliche  Silberproduction  zu  vermehren.  — 
Die  wichtigsten  Bergwerksdistricte  liegen   südlich  von  la  Paz,  der  Haupt- 
stadt des  Gebietes  von  Niedercalifornien.    1)  Reviere  von  San  Antonio 
und  el  Triunfo.    Das  herrschende  Gestein  ist  Glimmerschiefer  mit  vielen 
^Quarz-Einlagerungen:  er  wird  häufig  von  Massen  von  Dioritporphyr  durch- 
setzt.   Sowohl  im  Glimmerschiefer  als  im  Dioritporphyr  treten  Silbererze  füh- 
rende Gänge  in  einer  Gangmasse  von  Quarz  mit  Letten  auf-,  der  Verfasser 
unterscheidet:  a)  rothe  umgewandelte  Erze,  nämlich  Chlorsilber.  Arseniksil- 
ber,  W^eissspiessglanzerz,  Mennige,  Brauneisenerz,  Malachit,  Kupfergrün  und 
Zinkspalh;  b)  schwarze,  unveränderte  Erze:   Silberglanz,  Fahlerz,  Blei- 
schweif, Antimon-  und  Bleiglanz,  Eisenkies,  Markasit,  Arsenikkies  und  Schwe- 
fel.   Wie  in  den  meisten  Bergwerks-Revieren  Mexicos  lässl  sich  die  Umwan- 
delung  derselben  in  Salze  bis  zu  gewissen  Tiefen  verfolgen:  im  Allgemeinen 
ist  der  Reichthum  der  Erze  kein  bedeutender.  —  2)  Reviere  von  las 
Virgen  es  und  Cacachilas.    Hier  waltet  Granit  vor,  der  Krystalle  von 
Orthoklas  und  als  unwesentlichen  Gemengtheil  schwarzen  und  rothen  Tur- 
malin  enthält:  er  wird  von  feinkörnigem  Ganggranit  und  von  Diorit  durchsetzt. 
Bei  las  Virgenes  finden  sich  Erzgänge;  sie  enthalten  in  oberer  Teufe: 
Chlor-  und  Bromsilber,  gediegenes  Silber  und  Silberglanz:  in  grösserer  Teufe: 
Fahlerz,  silberhaltigen  Bleiglanz,  Kupferlasur  und  Bleiglanz;  als  Gangarten 
erscheinen  theils  Baryt,  theils  Quarz.    Im  Revier  von  Cacachilas  ist 
der  Granit  in  der  Nähe  der  Erzgänge  sehr  aufgelöst*,  die  Gangarten  bestehen 
aus  Baryt  und  Kalkspath  mit  Besiegen  von  Letten  und  Speckstein;  die  ein- 
brechenden Erze  sind:  Glätte,  Bleiglanz,  Fahlerz.  gediegen  Silber,  Chlor- 
und  Bromsilber:  Kupferlasur,  Malachit,  KieselkupCer ,  Eisenkies  und  Blende. 
Die  iirzführung  ist  reich,  aber  die  vielen  Gänge  sind  schmal.  —  3)  Die  In- 
sel San  Jose.    In  dem  Granit,  aus  welchem  die  hohen  Berge  dieser  Insel 
bestehen,  setzt  ein  4  bis  6  Varas  "  mächtiger  Gang  auf,  dessen  Ausgehendes 
auf  mehr  denn  1600  Varas  bekannt  ist.    Er  enthält  Kupfer-  und  Silbererze, 


*    Eiue  Vara  oder  Elle  =  0,835  Meter. 


113 


die  auf  Nestern  und  Schnüren  in  Quarz  als  Gangart  einbrechen.  Die  Erze 
sind:  Kupferglanz,  Malachit,  Kupferlasur,  Kieselkupfer,  Chlorsilber,  Silber- 
glanz, Rotheisenerz.  —  Der  Verf.  gibt  ausserdem  noch  weitere  Mittheilungen 
über  andere  Vorkommnisse  von  Erzen  ,  die  aber  noch  nicht  genau  genug 
untersucht  sind,  sowie  über  Gold  führende  Gänge  und  Seifenwerke.  Unter 
ihnen  verdient  namentlich  die  Gold-Grube  San  Rafael  Erwähnung,  die 
zwischen  dem  Tule-  und  Gallinas-Thale  betrieben  wird.  Das  Gold  findet  sich 
auf  einem  Gange  im  Diorit,  eingesprengt  in  Quarz  oder  Kalkspath,  begleitet 
von  Eisenkies  und  Kupferkies  —  Durch  seine  eingehenden  Untersuchungen 
gelangt  Castillo  zu  folgenden  für  die  nationalökonomischen  und  bergbaulichen 
Verhältnisse  des  Landes  wichtigen  Schlüssen  und  Vorschlägen  :  Nieder-Cali- 
fornien  ist  eine  dürre  Gegend,  in  welcher  es  wenig  regnet,  keine  Flüsse  und 
anbauwürdiges  Land  gibt,  also  geringe  Hoffnung,  dieselbe  durch  Ackerbau 
zum  Emporblühen  zu  bringen 5  hingegen  ist  das  Land  reich  an  Silber-,  Gold- 
und  Kupfererzen,  auch  an  Schwefel-  und  Steinsalz-Lagerstätten,  wesshalb  der 
Bergbau  besonders  zu  berücksichtigen.  Die  am  häufigsten  vorkommenden 
Silbererze  können,  wegen  ihrer  mineralogischen  Beschaffenheit  und  wegen 
Mangel  an  Wasser  und  Brennmaterial  nicht  im  Lande  selbst  zu  gut  gemacht 
werden  und  es  sind  daher  besondere  Bergwerks-Gesetze  erforderlich,  welche 
die  freie  Ausfuhr  der  Mineral-Producte  gestatten  und  allen  Bergbau  treiben- 
den Gesellschaften  ihren  Schutz  gewähren. 


H.  Laspeyres  :  die  hohlen  Kalk  stein -  Geschiebe  im  Rothliegen- 
den nördlich  von  Kreuznach  an  der  Nahe  (Zeitschr.  d.  deutsch,  geo- 
log.  Gesellsch.  XVII,  4,  S.  6Ö9 — 638).  Bei  seinen  geognostischen  Unter- 
suchungen der  Ablagerungen  des  Rothliegenden  mit  den  eingelagerten  Erup- 
tivgesteinen in  der  Pfalz  hatte  H.  Laspeyres  mehrfache  Gelegenheil,  hohle 
Kalkstein-Geschiebe  zu  beobachten,  welche  mit  den  von  W.  v.  Haidinger  be- 
schriebenen manche  Analogien,  aber  auch  Verschiedenheiten  zeigen.  H.  Las- 
peyres fand  solche  Geschiebe  an  mehreren  Orten:  im  Winterbach-Thale  unter- 
halb des  Dorfes  Winterburg:  das  Unterrothlief^ende  besteht  hier  aus  einem 
sehr  rothen,  an  Bindemitteln  reichen  Conglomerate ,  mit  vielen,  bis  zu  Kopf- 
grossen Geschieben  von  devonischem  Kalksteine,  von  denen  einzelne  hohl  im 
Innern  und  mit  Braunspath  bekleidet  sind,  auf  dem  sich  auch  noch  Krystalle 
von  Aragonit  und  Asphalt-Kügelchen  finden.  Ausgezeichneter  ist  aber  das 
Vorkommen  bei  Heddesheim  in  den  oberen  Schichten  der  mittleren  Etage 
des  Rothliegenden.  In  einem  rothen,  eisenreichen,  thonigen  Sandstein  liegen 
viele,  bis  kopfgrosse  Geschiebe  von  dolomitischem  Kalkstein  Die  Oberfläche 
derselben  ist  meist  rauh  anzufühlen,  weil  sie  mit  mikroskopischen  Kryställ- 
chen  besetzt;  die  Mehrzahl  dieser  Geschiebe  ist  nun  von  Innen  her,  bald 
stärker,  bald  geringer,  bald  nach  dieser,  bald  nach  jener  Richtung  ausgehöhlt, 
so  dass  die  Hohlräume  oft  sonderbare  Gestalten  zeigen;  ja  nicht  selten  sind 
mehrfach  gehämmerte  Hohlräume,  wenn  die  Aushöhlung  der  Geschiebe  von 
verschiedenen  Stellen  ausging.  Die  W^andungen  der  Hohlräume  sind  mit  Kry- 
stallen  von  Braunspath,  Kalkspath,  Baryt,  Aragonit,  Schwefelmetallen,  be- 

8 


I 


114 

kleidet.  Endlich  verdient  noch  ein  weiteres  Vorkommen  Erwähnung,  im 
sog.  Flulhgraben  bei  Dohrsheim.  Hier  enthalten  die  Conglomerate  der  mitt- 
leren Abtheilung  des  Oberrothliegenden  viele  Kalkstein-Geschiebe,  die  aber 
von  Aussen  nach  Innen  ausgehöhlt  sind.  —  Nach  der  Beschreibung  der  ver- 
schiedenen Vorkommnisse  von  Kalkstein-Geschieben  im  Rothliegenden  der 
Gegend  von  Kreuznach  bemerkt  Laspeyres,  dass  Hohlgeschiebe  in  den  Con- 
glomeraten  mit  Geschieben  dolomitischen  Kalksteines  wohl  in  allen  Sediment- 
Formationen  zu  finden  sein  dürften,  und  führt  zugleich  ein  neues  Vorkommen 
an.  Es  ist  diess  bei  Breitenau  am  Rain  bei  Garraisch  an  der  Loisach,  in 
den  Bayerischen  Alpen  in  einem  Diluvial-Conglonierat.  Das  Bindemittel  des- 
selben besteht  aus  einem  sandigen  oder  thonigen,  porösen  Kalk;  die  Ge- 
schiebe sind  mannigfache  Kalksteine  und  im  Innern  mehr  oder  weniger  aus- 
gehöhlt; ihre  Aussenfläche  ist  mit  den  zierlichsten  Rhomboedern  von  Kalk- 
oder Braunspath  bedeckt.  Beachtung  verdient  bei  diesen  Conglomeraten  die 
Thatsache:  dass  die  Geschiebe  der  dichten  Kalksteine  nicht  ausgehöhlt  sind, 
sondern  nur  die  der  krystallinisch-körnigen.  —  Laspeyres  bespricht  nun  sehr 
gründlich  die  Ursachen,  warum  die  Geschiebe  ausgehöhlt  wurden  und  zwar 
zunächst  die  Frage:  warum  die  Geschiebe  angegriffen  wurden  und 
nicht  die  sie  ums  chli  e  s  s  e  n  d  e  Grundmasse.  Wie  bei  den  Feldspa- 
then  in  der  Feldspath-Grundmasse  der  eruptiven  Silicat-Gesteine.  so  ist  auch 
bei  den  Kalk-Geschieben  in  kalkiger  Grundmasse  die  Ursache  zu  der  leich- 
teren oder  exclusiven  Lösung  der  Einschlüsse  gegen  die  des  Teiges  nicht, 
oder  nur  sehr  untergeordnet  in  den  chemischen,  sondern  in  den  physikali- 
schen und  mechanischen  Verhältnissen  und  Verschiedenheiten  der  Substanzen 
zu  suchen.  Dass  die  Geschiebe  bei  Kreuznach  in  sandig-thonigem  Teig  lie- 
gend besonders  und  dieser  nicht  angegriffen  wurden,  bedarf  keiner  weiteren 
Erörterung.  Was  nun  die  Aushöhlung  der  Geschiebe  von  Innen 
nach  Aussen  betrifft,  so  glaubt  Laspeyres  und  mit  Recht,  dass  solche  auf 
mechanischen  Gründen  beruhe;  sie  setzt  voraus :  1)  einen  ursprüng- 
lichen, wenn  auch  noch  so  kleinen  Hohlraum  im  Geschiebe  mit  wenig- 
stens einer  Kluft,  die  sich  nach  Aussen  und  Innen  öffnet,  oder  statt  beider 
ein  System  von  Sprüngen,  die  im  Innern  der  Geschiebe  eine  grössere  Ver- 
ästelung haben,  als  jn  den  äusseren  Theilen;  2)  eine  ungeschlossene, 
am  besten  poröse  Grund masse  und  3)  eine  geringe  Durchdring- 
barkeit  der  Einschluss-Substa nz  durch  Flüssigkeiten. 


C.  F.  Zincken:  die  Braunkohle  und  ihre  Verwerthung.  1.  Theil: 
die  Physiographie  der  Braunkohle.  Heft  3  und  4.  Hannover  1866. 
8°.  S.  353—818  (Vgl.  Jb.  1865,  748).  --  Mit  diesen  beiden  Heften,  welche 
die  Fundorte  der  Braunkohle,  resp.  deren  Gewinnungspunkte  behandeln,  hat 
der  erste  Theil  dieser  dankenswerthen  Arbeit  seinen  Abschluss  erreicht,  wozu 
wir  dem  Verfasser  nur  Glück  wünschen  können.  Eine  höchst  mühevolle, 
aus  tausenden  verschiedener  Quellen  geschöpfte  und  zu  einem  übersichtlichen 
Ganzen  sorgsam  verbundene  Arbeit,  welche  dem  wissenschaftlichen  Forscher 
ebenso  viele  Anhaltepunkte  für  weitere  Vergleiche  und  Forschungen  dar- 


115 


bietet,  als  sie  dem  Praktiker  in  vielfacher  Beziehung  wichtige  Dienste 
erweisen  wird. 

Eine  grosse  Anzahl  von  interessanten  Flötzprofilen  erhöhet  den  Werth 
dieser  Gabe  und  beweiset  von  neuem  die  Analogien,  welche  zwischen  der 
Bildung  der  Braunkohlenflötze  und  der  älteren  Steinkohlenflötze  staltgefunden 
haben.  Man  kann,  gewiss  mit  nur  sehr  wenigen  Ausnahmen ,  in  beiden  nur 
Torfmoore  der  Vorwelt  erblicken! 

Der  Verfasser  hat  sich  nicht  begnügt,  nur  die  Fundorte  der  Braunkohlen 
in  den  sämmtlichen  Ländern  Europa's  für  seine  Darstellung  auszubeuten,  er 
dehnt  seine  Forschungen  auch  über  Afrika,  Asien,  Australien  und  Amerika 
aus,  indem  er  zugleich,  wie  schon  früher  hervorgehoben,  ausser  den  eigent- 
lichen, tertiären  Braunkohlen  gleichzeitig  auch  das  Vorkommen  von  älteren 
Kohlen  bis  zur  Dyas  herab  in  den  Kreis  seiner  Betrachtungen  zieht.  Wün- 
schenswerth  erscheint  uns  behufs  eines  noch  leichleren  Gebrauches  dieses 
Handbuchs  sowohl  für  diesen,  als  auch  für  den  zweiten  noch  folgenden  Theil 
ein  möglichst  vollständiges  Ort- Regi  ster. 


Dr,  F.  V.  H  0  c  hst  etter :  Geologische  Ausflüge  auf  Java  (Novara- 
Exped.  Geol.  Theil,  II.  Bd.).  4^.  40  S.  1  Taf.  —  Diese  geologischen  Ausflüge 
des  gefeierten  Geologen  der  Novara-Expedition  fallen  in  die  Zeit  vom  6.  Mai 
bis  24.  Mai  1858.  Sein  erster  Ausflug  war  in  das  Gedeh-Gebirge  ge- 
richtet, in  die  luftigen  Höhen  des  Pangerango  undGedeh,  am  nordwest- 
lichen Ende  der  Insel. 

Das  Gedeh-Gebirge  als  Ganzes  ist  eines  der  grossartigsten  Vulcangerüste 
Java's.  Ein  kolossaler  Lavakegel  umschliesst  in  einenv  ungeheuren  Krater, 
dessen  Rande  nördlich  der  G.  Seda-Ratu  (8900  Fuss),  südlich  der  Mandala- 
wangi  (8150  Fuss)  angehören,  zwei  Eruptionskegel.  Der  nordwestliche 
Kegel,  der  Pangerango,  ist  9326  Par.  Fuss  hoch,  und  erloschen,  aus  Lapilli 
und  vulcanischer  Asche  in  der  regelmässigsten  Gestalt  aufgeschüttet.  Neben 
ihm,  in  einem  Abslande  von  nur  ^ji  deutschen  Meile  gegen  S.O.  und  mit  ihm 
durch  den  7870  Fuss  hohen  Rücken  Pasir  Alang  verbunden,  erhebt  sich  der 
zweite  Eruplionskegel ,  G.  Gedeh,  fast  zu  gleicher  Höhe  (9230  Fuss).  Er 
hat  einen  abgestumpften,  innen  durchbohrten  Gipfel,  und  auf  dem  Boden  des 
durch  Einsturz  gebildeten  Kraters  erhebt  sich  ein  kleiner,  neuer  Eruptions- 
kegel mit  einem  Kraterschachte,  dem  thätigen  Krater  des  Gedeh. 

Das  am  Gedeh-Gebirge  vorherrschende  Gestein  ist  ein  feinkörniger, 
grauer  Andesit,  ähnlich  den  Pyroxen-Andesiten  von  Westland  auf  Island,  oder 
manchen  Amphibol-Andesiten  (Mikrolinit  Tscherm.  ,  grauer  Trachyt  v.  Richt- 
hofen) Ungarns  und  Siebenbürgens.  Die  Hauptmasse  bildet  feinkörniger  Mi- 
krolin,  nur  sehr  untergeordnet  sind  Einsprenglinge  von  Amphibolnadeln,  reich- 
licher dagegen  kleine  schwarze  Körner  von  Magneteisen  und  Augit. 

Aus  dem  grossen  Krater  des  Gedeh  zieht  sich  in  nordöstlicher  Rich- 
tung eine  oben  weit  geöffnete  und  durch  eine  hochaufragende  Trümmermasse 
zweigetbeilte,  nach  unten  aber  am  steilen,  äusseren  Gehänge  des  Gedeh- 
Kegels  sich  mehr  und  mehr  verengende  und  vertiefende  Kralerschlucht  oder 


116 


Caldera,  wodurch  der  grosse  Krater  ein  spalten  förmiges  Ansehen  gewinnt. 
Wie  nach  abwärts  eine  Schlucht,  so  hat  sich  aber  oben  am  Fusse  der  Kra- 
terwand durch  die  abstürzenden  Massen  ein  Querdamm  gebildet ,  hinter  wel- 
chem sich  die  atmosphärischen  Wässer  ansammeln  können.  Diese  dringen 
auf  der  tiefen  Spalte  am  Fusse  der  Kraterwand  ein,  bis  auf  noch  nicht  völlig 
erkaltete  Lavamassen ,  und  an  den  glühenden  Massen  zu  Dampf  verwandelt, 
veranlassen  sie  von  Zeit  zu  Zeit  Ausbrüche  aus  dem  noch  thätigen  Krater. 
Wasser,  Schlamm  und  Steine  hat  der  Berg  zu  wiederholten  Malen  bis  in  die 
neueste  Zeit  (am  28.  Mai  1852,  am  14.  März  1863)  ausgeworfen,  ferner 
feinen  Sand  und  vulcanische  Asche,  die  bis  nach  Batavia  flog:  auch  glühende 
Steintrümmer,  glühender  Sand  wurden  mitgerissen  und  bildeten  die  Feuer- 
garben, die  man  sah:  aber  bis  zu  heisstlüssigen  Lavaströmen,  bis  zu  ge- 
schmolzenen Lavatropfen  oder  vulcanischen  Bomben  hat  er  es  in  historischer 
Zeit  nicht  mehr  gebracht.  Er  ist  ebenso  in  seinem  letzten  Stadium,  im  Sta- 
dium der  Fumarolen-  und  Solfatarenthätigkeit,  wie  alle  übrigen  Vulkane  Java's. 
Es  ist  die  letzte  Reaction  des  inneren  Feuers  gegen  das  von  aussen  eindrin- 
gende atmosphärische  Wasser.  Selbst  die  thätigsten  Vulcane  auf  Java,  der 
G.  Guntur,  und  G.  Lamongan,  liefern  nur  „Lavatrümmerströme",  glü- 
hende Gesteinsstücke  und  glühende  Asche,  aber  keine  eigentlichen  Lava- 
ströme. Schon  JüNGHuuN,  dessen  Name  von  Java  unzertrennlich  ist,  hat  die 
drei  Hauptperioden  in  der  Thätigkeit  der  Vulcane  Java's  vollkommen  natur- 
gemäss  geschildert  (Java,  II.  p.  640.).  — 

Ein  zweiter  Ausflug  führte  v.  Hochstetter  nach  dem  auf  der  Nordseite 
des  Plateaus  von  Bandong  befindlichen  Kraterfelde  des  Tangkuban  Prahu, 
dessen  westlicher  Kessel  Kawa  Upas  oder  Giftkrater,  der  östliche  Kawa 
Ratu  oder  Königskrater  heisst.  Auch  die  hierüber  gegebene  Schilderung  ist 
ebenso  anziehend  als  instructiv. 

Die  Lava  des  Tang  Kuban  Prahu  ist  ein  feinkörniges,  von  feinen  Poren 
durchzogenes  rauchgraues  Gestein,  in  welchem  sich  Mikrotinit-Kryställchen 
und  Augit  erkennen  lassen  Eine  Analyse  davon  hat  Dr.  0.  Pbölss  (J -hrb. 
1864.  427;  raitgelheilt  und  das  Gestein  als  Dolerit  bezeichnet;  v.  Hochstetter 
zieht  vor,  dasselbe  als  Pyroxen-Andesit  zu  den  Andesiten  zu  stellen.  — 

Das  südwestliche  Grenzgebirge  des  Plateaus  von  Ban- 
dong, der  District  Rongga,  hat  die  fernere  erfolgreiche  Thätigkeit  v. 
Hochstetter's  auf  Java  in  Anspruch  genommen,  wozu  für  ihn  ein  Reiseplan 
durch  Junghuhn  entworfen  worden  war,  und  wobei  er,  wie  schon  auf  seinen 
vorigen  Ausflügen,  Seilens  der  Holländischen  Regierung  in  der  ausgezeich- 
netsten Weise  Unterstützung  gefunden  hat.  Solche  Episoden  in  dem  Leben 
eines  Geologen,  wie  die  Tage  vom  19. — 24.  Mai  auf  Java,  über  welche  v. 
Hochstetter  hier  berichtet,  gehören  zu  den  schönsten  und  erhebendsten  nicht 
blos  für  den  unmittelbaren  Träger  des  dort  Erlebten,  sondern  gleichzeitig  für 
alle  Genossen  der  Wissenschaft,  welcher  dieser  Tribut  gezollt  worden  ist. 

Wir  heben  von  den  auf  diesem  Ausfluge  gewonnenen  Resultaten  nur 
noch  hervor,  wie  neuerdings  die  Gliederung  der  javanesischen  Terliärforma- 
tion  von  Hochstetxeb  aufgefassl  wird. 


117 


1)  Eocän-Formati  on. 

».  Untere  Gruppe,  k  oh  lenfiihrendes  Schichten  System,  haupt- 
sächlich im  südwestlichen  Java  von  Junghühn  nachgewiesen.  Zahlreiche  ab- 
bauwürdige Flölze  bituminöser  Pechkohlen  sind  eingelagert  in  quarzige,  nicht 
kalkhaltige  Sandsteine  und  in  Schieferthone.  Verkieselte  Baumstämme  häufig, 
aber  wenige  oder  gar  keine  Meeresconchylieo.  — 

b.  Obere  Gruppe,  Orbituliten-  und  Nummulitenkalke  mit  dichtem 
Kalkstein  und  älterem  Korallenkalk,  mächtig  entwickelt  und  in  steiler  Schich- 
tenstellung im  westlichen  Randgebirge  des  Plateaus  von  Bandong. 

2)  M  i  0 c  ä  n -  Fo  rma  ti  0  n. 

a.  Untere  Gruppe,  flötzarmes  Thon-,  Mergel-  und  Sandsteingebirge 
mit  Kalk-Trachytbreccien  und  Tuffsandsteinen,  im  Districte  Rongga  (Preanger- 
Regentschaft) ,  in  den  Thälern  des  Tjiburial  und  Tji  Lanang  sehr  reich  an 
iWeeresconchylien :  Kohlenmassen  und  fossiles  Harz  kommen  häufig  vor,  Braun- 
kohlenflötze  selten.  Dieser  Gruppe  gehören  wohl  auch  die  von  Dr.  H.  R. 
GÖPPERT  beschriebenen  Pflanzenreste  aus  den  Tuffschichten  bei  dem  Dorfe 
Tangung  (Preanger  Reg.-Distr.  Ts(handjur)  an. 

b.  Obere  Gruppe,  trachytische  Tufi'e  und  Conglomerate,  nebst  jün- 
geren Korallenkalken.  Diese  Gruppe  ist  vielleicht  auch  von  jüngerem  als 
miocänem  Alter. 

In  die  Zeit  der  miocänen  Ablagerungen  fällt  der  Anfang  der  grossartigen 
eruptiven  Bildungen  im  indischen  Archipe.1.  Unter  diesen  lassen  sich 
ältere  Masseneruptionen  iheils  auf  nordsndlichen  Querspalten,  theils  auf 
oslwestlichen  Längsspalten,  von  den  jüngeren  vulcanischen  Eruptio- 
nen, welche  auf  ostwestliche  Längsspalten  beschränkt  erscheinen,  sehr  be- 
stimmt unterscheiden. 


Ed.  Sless:  Untersuchungen  über  den  Charakter  der  öster- 
reichischen Tertiärablagerungen.  I.  Ueber  die  Gliederung  der 
tertiären  Bildungen  zwischen  dem  Mannhart,  der  Donau  und 
dem  äusseren  Saume  des  Hochgebirges  (Bd.  LIV.  d.  Sitzungsb.  d. 
k.  Ak.  d.  Wiss.  1.  Abth.  Juniheft,  1868.  66  S.  2  Taf.).  —  Abermals  eine 
gewichtige  Abhandlung,  aus  der  hier  wenigstens  die  Uebersicht  der  Gliede- 
rung entnommen  werden  soll.  Die  darin  zusammengestellten  Beobachtungen 
gestatten,  in  dem  ausseralpinen  Theile  der  Niederung  von  Wien  N.  von  der 
Donau  die  nachfolgenden  Glieder  des  Tertiärgebirges  zu  unterscheiden: 

1)  Nu  mmulitenkalk  und  Sandstein,  gewöhnlich  von  grossen  Blöcken 
begleitet.  Waschberg,  Michelsberg,  Holy  Wrh,  Nadwonaw-Berg  u.  s.  w.  — 
Nautilus  lingulatus ,  Pleurotomaria  concava,  Corbis  austriaca,  Mytilus 
Rigaultianus^  Älveolina  longa  etc. 

2)  Weisse  Mergel  und  Sandsteine.  Nieder-Fellabrunn ,  Auspitz, 
Gurdan  u.  s.  w.  bisher  ohne  organische  Reste. 


*  GÖPPERT,  die  Tertiärflora  auf  der  Insel  Java.  Gravenhage,  i854  und  Jahrb.  i864, 
p.  177. 


H8 


3)  Lage  von  blauem  Tegel  bei  Nikolschitz  mit  Foraminiferen : 
wahrscbeinlich  nicht  von  dem  folgenden  Gliede  zu  trennen. 

4)  Amphisylens  chiefer  (Oelschiefer  der  Karpathen)  —  Simonsfeld, 
Kikolsburg,  Nikolschitz.  Schittboritz,  Kreppitz,  Mautnitz,  Tieschau  u.  s.  w.  — 
Amphisyle,  Lepidopides,  Meletta  crenata.  Diel,  longimana.  Ostracoden.  Fu- 
coiden.  , 

5)  Schichten  von  Alolt.  Wechsel  von  hochgelbem  Quarzsand  und 
buntem  Tegel  gegen  unten,  blauer  Tegel  und  Braunkohle  oben.  Galgenberg 
bei  Horn,  Molt.  Nonndorf,  Bayersdorf?  —  In  den  tiefsten  Schichten  petre- 
factenleer,  höher  Cer.  margaritacetim,  Cer.  plicatum^  Melanopsis  Aquensis, 
noch  höher  Sand  und  Turritella  gradata ;  über  diesem  Tegel  mit  den  Ce- 
rithien,  mit  Murex  SchÖni,  Area  cardiiformis  etc. 

6)  Schichten  von  Loibersdorf.  Sand  von  Drei  Eichen,  Wörders- 
dorf,  Loibersdorf.  ~  Cardium  Kübecki.  Pectunc.  Fichteli:  einzelne  Ueber- 
einstimmungen  mit  dem  Meersande  von  Weinheim,  Als  ein  tieferer  Theil 
dieser  Schichten  sind  die  Bänke  von  Mgt.  Haidingeri  sammt  den  durch 
Vemis  umbonaria  ausgezeichneten  Lagen  anzusehen. 

7)  Schichten  von  Gauderndorf.  Mugelsand,  Kottau,  Gauderndorf, 
Brunnstube,  Lautschi tz  bei  Selowntz.  —  TeUinu  strigosa ,  Teil,  laciinosa, 
Psammobia  Labordei,  bei  Gauderndorf  Einschwemmungen  mit  Tapes  Baste- 
roti.,  Mactra  Bucklandi  u.  s.  w..  dann  mit  Pyrtila  clava  etc. 

8)  Schichten  von  Eggenburg.  Unten  Sandstein,  gegen  oben  Sand, 
Grus  oder  Kalkstein,  auch  Nulliporen-Kalkstein. 

a.  Molassensandstein.  Gauderndorf,  Brunnstube,  Dietmannsdorf 
u.  s.  v^^.  —  Panopaea  Menardi.  Pholadomyn,  Solen,  Pgrula  rustimila  etc. 

b.  Schichten  mit  Pecten  aduncus,  Echinolamp.  Linkt,  Terebratula 
Hoernesi  etc.  —  Unt.-lValb,  Pulkau,  Limberg,  Dürnbach.  Meissau  Grübern, 
Ganderndorf.  Brunnstube,  Zogelsdorf,  Meiselsdorf,  Drei  Eichen  u.  s.  w.  und 
Lautschitz  bei  Selov^'itz. 

9)  Schlier.  Blauvveisser  und  grauer  Mergel  und  Sandlager.  Mürbe 
Sandsteinplatten.  Horizont  von  IVassgallen.  —  Goldgeben,  Streildorf,  Kirch- 
berg am  Wagram,  Feuersbrunn,  Götzdorf,  Platt,  Wülzeshofen,  Laa,  Gruss- 
bach, Nuslau,  Lautschitz  u.  s  w.  —  Unten  Meletta  sardinites.  Nautilus, 
marine  Conchylien,  Cristellarien,  höher  oben  Gypslagen  und  Sandsteinplatten 
mit  Landpflanzen,  auch  brackische  Einschwemmungen. 

Darüber  erstes  Erscheinen  von  Helix  Turonensis ,  Cerith.  lignitarum. 
In  dieses  obere  Niveau  gehört  wahrscheinlich  der  Süsswasserkalk  von  Ämeis: 
es  bildet  dasselbe  eine  vielleicht  selbständige,  vielleicht  mit  dem  nächst- 
folgenden Gliede  zu  vereinigende  Gruppe,  welche  sich  von  den  Schichten 
mit  Mel.  sardinites  in  der  Regel  ziemlich  scharf  abtrennt. 

10)  Höhere  marine  Bildungen.  Unter  diesem  Gesammtnamen  lässt 
SuEss  hier  den  marinen  Tegel  längs  der  Schmieda,  den  Sand  von  Grund, 
Guntersdorf,  Windpassing,  Grussbach  u.  s.  w.,  sowie  die  höheren  Mergel  und 
Nulliporenkalke  von  Mailberg,  dem  Weihon  bei  Selowitz  u.  s.  w.  vereinigt, 
deren  Bedeutung  erst  durch  eine  gleichzeitige  Behandlung  der  Vorkommnisse 
der  alpinen  Niederung  festgestellt  werden  kann.    Die  marine  Fauna  ist  eine 


Ii9 


überaus  reiche  und  mannigfaltige ;  in  dem  Sande  von  Grund  und  Grussbach 
finden  sich  zugleich  die  Landschnecken  des  Süsswasserkalkes  von  Ameis. 

11)  Cer  i ih  i  ens c  h  i  c  h  te  n  kommen  nur  bei  Ober-Hollabrunn  vor. 

12)  Lacustre  und  fluviatile  Bildungen. 

a.  Co ngerien -Tegel  bei  Ziersdorf,  —  Congeria,  Melanopsis. 

b.  ßelvedereschotter:  gelbe  Flussgeschiebe  aus  harten^  krystalli- 
nischen  Felsarten,  insbesondere  aus  Quarz.  —  Stettendorf,  Hohen werlh,  Wetz- 
dorf, Weikersdorfj  Enzersdorf  im  Thale,  Ladendorf  u.  s.  w^,  —  Mastodon 
longirostris,  Hippoth.  gracile  etc. 

Dieses  ist  das  letzte  in  diesem  Gebiete  abgelagerte  Glied  der  Tertiär- 
formalion. 

In  einem  besonderen  Abschnitte  weist  Prof.  Süess  noch  die  Verbreitung 
und  Äequivalente  von  einzelnen  dieser  Glieder  in  Mittel -Europa  nach  und 
als  Anhang  hierzu  wurden  von  Dr.  F.  Steindachner  Bemerkungen  über 
die  fossilen  Fische  des  Aniphisylenschiefers  am  Ober-Rhein 
beigefügt.  (Fortsetzung  folgt  im  nächsten  Hefte.) 


Ed.  Suess:  Über  den  Löss.    Wien,  1866.  8^  16  S. 

Der  Löss  oder  der  „leichte  Grund",  wie  man  ihn  in  der  Umgegend  von 
Wien  häufig  bezeichnet,  besteht  aus  einer  ziemlich  homogenen  Masse  von 
gelbem  und  braungelbem,  kalkreichem  und  wenig  plastischem  Lehm.  Er  zeigt, 
wo  er  rein  ist,  in  seinem  Innern  nie  eine  Spur  von  Schichtung  und  pflegt 
in  steilen  Wänden  abzubrechen.  Die  organischen  Reste,  welche  er  führt, 
rühren  niemals  von  Meeresbewohnern  her,  und  dieser  Umstand,  sowie  seine 
Verlheilung  in  den  Weitungen  der  grossen  Flussthäler  und  sein  Fehlen  in 
der  offenen  norddeutschen  Ebene  lehren,  dass  er  fluviatilen  Ursprungs  sei. 

Der  Löss  ist  von  trübem,  zum  Theile  wenigstens  aus  den  Alpen  stam- 
mendem Flusswasser  abgesetzt.  Das  sporadische  Vorkommen  grosser  Blöcke, 
sowie  die  organischen  Reste  des  Löss  lehren  uns  seine  Gleichzeitigkeit  mit 
der  durch  ihr  strenges  Klima  ausgezeichneten  Diluvial-Epoche  der  grossen 
Gletscher.  Der  Löss  scheint  seine  Entstehung  den  diluvialen,  durch  Abrei- 
bung der  Gesteine  getrübten  Gletscherwässern  zu  verdanken,  womit  die  Art 
seiner  Verbreitung  gut  übereinstimmt.  Er  fehlt  sowohl  den  Hochalpen,  als 
auch  der  norddeutschen  Ebene.  Er  folgt  dem  Rhein,  dem  oberen  Laufe  der 
Maas,  Scheide  und  so  fort,  deckt  die  südliche  Hälfte  von  Belgien,  und  bricht 
ziemlich  scharf  an  einer  Linie  ab,  welche  von  Dünkirchen  südöstiich  gegen 
Cöln  verläuft.  Noch  bei  Laeken,  unweit  Brüssel  trifft  man  ihn  etwa  300 
Fuss  über  dem  heutigen  Meere.  Seine  Nordgrenze  läuft  um  den  Harz,  durch 
das  nördliche  Sachsen  nach  Schlesien  und  gegen  Krakau  hin.  Diese  Nord- 
grenze des  Löss  ist  aber  zugleich  die  Südgrenze  der  sogenannten  nordischen 
Blöcke,  welche  auf  Eisschollen  hierher  transportirt  sein  mögen.  Demnach 
ergänzt  sich  das  Bild  des  damaligen  Europa  etwa  auf  folgende  Weise: 

Im  Hochgebirge  bauen  grosse  Gletscher  ihre  Moränen  auf,  schleifen  ihre 
felsigen  Betten  aus  und  zahlreiche  Bäche  führen  ein  schlammiges  Wasser 
herab.    Mittel-Europa  ist  bis  Dünkirchen,  Cöln,  Leipzig  und  Troppau  schon 


420 


Festland.  Ein  Theil  dieser  schlammigen  Wässer  fliesst  dem  Rheinthale  zu 
und  gelangt  in  dem  geschlossenen  Bette  bis  nach  Belgien  hin.  Ein  anderer 
Theil  derselben  folgt  der  heutigen  Richtung  der  Donau.  Die  Niederungen, 
welche  sie  heute  durchfliesst.  sind  von  Binnensee'n  erfüllt,  ähnlich  der  Kette 
von  Binnensee'n  im  heutigen  Nordamerika,  und  so  oft  der  Strom  wie  bei 
Krems,  in  eine  solche  Weitung  tritt,  fällt  in  Folge  der  verringerten  Strö- 
mungsgeschwindigkeit ein  grösserer  Theil  des  Schlammes  zu  Boden.  So  ent- 
stehen die  Aufschüttungskegel  von  Krems,  Stammersdorf  u.  s.  w.  Die  nord- 
deutsche Ebene  endlich  ist  vom  offenen  Meere  bedeckt;  Eisschollen  streuen 
auf  derselben  Skandinavische  u.  a.  nördliche  Felsblöcke  aus.  Darum  fehlt 
ihr  auch  heute  die  Äckerkrume  (?).  —  So  unterscheiden  wir  auch  drei  Haupt- 
zonen in  Mittel-Europa,  jene  des  Hochgebirges,  jene  des  Löss  und  jene  der 
nordischen  Ebene. 

Die  organischen  Reste  des  Löss  bestehen  aus  Land-,  seltener  aus  Süss- 
wasser-Conchylien  und  aus  Landsäugethieren.  Unter  letzteren  findet  man 
den  Auerochsen,  Hirsch,  Hamster,  Spitzmaus,  Murmelthier,  eine  Art  Nashorn, 
vor  Allem  aber  in  grosser  Häufigkeit  das  Mammulh  C^^^phas  primigeninsj. 


GoDwiN-AusTEN :  über  die  känozoischen  Formationen  Belgiens. 
(Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  Vol.  XXII,  p.  228— 254  )  —  Auch  hier 
wird  des  Löss  es  gedacht,  der  in  Belgien  unter  dem  Namen  „Limon  de 
Hisbaye''^  bekannt  ist,  als  eines  der  jüngeren  Glieder  der  neueren  känozoi- 
schen Bildungen.  Vor  Allem  bezieht  sich  diese  Abhandlung  jedoch  auf  ältere 
känozoische  Ablagerungen  und  besonders  den  C  rag  von  Antwerpen,  welcher 
dem  Systeme  Scaldesien  Dümont's  gleichgesetzt  wird.  Die  Identität  seiner 
Schichten  mit  jenen  in  England  (Jb.  1865,  762)  veranlassten  den  Verfasser, 
die  Verhältnisse  des  Crag-Meeres  im  Allgemeinen  zu  verfolgen  und  eine 
Kartenskizze  über  dessen  allgemeine  Verbreitung  hier  zu  entw^erfen,  die  aus 
der  arktischen  Zone  bis  nach  Afrika  reicht. 


C.  Paläontologie. 

J.  D.  Dana:  über  Cephalisation.  No.  IV.  {American  Journ.  of 
Science  and  Arts,  Vol.  XLI,  p.  163  u.  f.)  Vgl.  Jb.  1863,  251;  tS64,  864.) 
—  Zur  Beseitigung  einiger  Missverständnisse  über  den  Begriff  „Cephalisa- 
tion**, die  aus  einer  Kritik  des  Herrn  B.  D.  Walsh  hervorleuchten  und  wohl 
auch  bei  manchem  Anderen  darüber  noch  vorwalten,  hebt  Dana  hier  noch 
einmal  nachfolgende  Sätze  hervor: 

Cephalisation  ist  einfach  Vorherrschen  des  Kopfes  -  cephalic  domina- 
tion  —  in  einem  Thiere,  welches  in  seinem  Bau  hervortritt,  und  ihre  Höhe 
hängt  ab  von  der  Entwickelung  des  cephalen  Centrums  und  dem  Grade  der 
Unterordnung  der  ganzen  Struclur  des  Thieres  unter  dasselbe. 

Sie  lässt  sich  unter  anderen  auf  folgende  Weise  bestimmen  : 


121 


1)  Mit  höherer  Cephalisation,  wodurch  eine  Speeles  eine  höhere  Stel- 
lung einnimmt,  dient  der  vordere  Theil  des  Körpers  oder  seiner  Glieder 
mehr  und  mehr  zur  Unterstützung  des  Kopfes,  dagegen  bedeutet  eine  nie- 
drigere Cephalisation,  wenn  jene  Unterordnung  unter  den  Kopf  geringer 
und  geringer  wird. 

2)  Bei  höherer  Cephalisation  wird  die  Form  des  Kopfes  oder  der  vor- 
deren Körpertheile  mehr  und  mehr  zusammengedrängt,  vervollkommnet,  ver- 
dichtet oder  verkürzt;  bei  niederer  Cephalisation  verlängern  sich  diese 
Theile  oder  hängen  nur  lose  zusammen  und  erscheinen  unvollkommen  in 
ihren  Theilen  oder  im  Ganzen  ,  der  ganze  Körper  wird  hierdurch  mehr  ver- 
längert oder  ausgebreitet. 

3)  Mit  höherer  Cephalisation  drängt  sich  auch  mehr  und  mehr  der 
hintere  Theil  des  Thierkörpers  zusammen,  wird  hierdurch  compacter  und 
verkürzt  sich,  denn  eine  Concentrirung  nach  vorn  entspricht  einer  Verkür- 
zung nach  hinten.  Ebenso  zeigt  der  Schwanz  den  Grad  der  Entwickelung 
des  Thieres;  grosse  Länge  oder  Dicke  desselben  oder  Zunahme  der  Wich- 
tigkeit desselben  für  die  thierischen  Functionen  weisen  anf  eine  tiefere  Stufe 
des  Organismus  hin. 

4)  Mit  niederer  Cephalisation  ist  nicht  allein  eine  geringere  Concen- 
Iration  oder  Verdichtung  und  ein  vollkommenerer  Zustand  der  ganzen  Structur, 
sowohl  vorn  als  hinten,  zu  bemerken,  sondern  es  dehnt  sich  auch,  in  den 
tieferen  Stufen,  die  Degradation  der  Structur  bis  zu  einem  Verschwinden 
wesentlicher  Theile  aus,  wie  der  Zähne.  Glieder,  Sinne:  ebenso  aber  auch 
zu  einer  starken  Vergrösserung  des  Körpers  weit  über  die  Grösse  hinaus, 
welche  das  animalische  System  des  Organismus  noch  beherrschen  könnte, 
und  in  diesem  Falle  ist  das  Geschöpf  träge  und  dumm.  — 

Man  wird  den  hier  ausgesprochenen  Grundsätzen,  welch)  Dana  schon 
bei  den  verschiedensten  Classen  des  Thierreiches  zur  Classification  derselben 
erfolgreich  verwendet  hat,  nur  beipflichten  können  und  hat  ein  wenn  auch 
nicht  neues,  so  doch  zuerst  von  Dana  in  seiner  Allgemeinheit  erkanntes  und 
durchgeführtes  Princip  für  die  Classification  auch  fossiler  Organismen  ge- 
wonnen. 


J.  D.  Dana:  ein  W^ort  über  den  Ursprung  des  Lebens.  (Ame- 
rican Journ.  of  Sc.  a,  Arts,  Vol.  XLL  1866.  p.  389—394.)  —  Gegen- 
über den  oft  wiederholten  Versuchen,  den  Ursprung  organischer  Wesen  aus 
unorganischen  Körpern  zu  erweisen,  unter  welchen  die  von  Fremy  neuer- 
dings der  Academie  der  Wissenschaften  in  Paris  vorgelegten  wohl  die  ein- 
gehendsten sind,  macht  Dana  geltend,  wie  die  Temperatur,  die  man  den  zu 
derartigen  Versuchen  verwendeten  Flüssigkeiten  ertheilt  habe,  wohl  genügend 
sei,  das  Leben  gewöhnlicher  Pflanzen  und  Thiere  zu  zerstören,  dass  sie  aber 
keinesweges  genüge,  um  alles  vegetabile  oder  animalische  Leben  darin  zu 
vernichten.  Diess  beweisen  Beobachtungen  des  Professor  W.  H.  Brbwer 
über  die  Gegenwart  lebender  Arten  in  den  heissen  und  salzigen  Gewässern 
Californiens,  die  hier  mitgetheill  werden. 


122 


Die  höchste  von  ihm  bis  jetzt  beobachtete  Temperatur  solcher  heissen 
QuelleD ,  in  welchen  noch  niedrige  Pflanzenarten  gediehen,  war  93**  C. 
(gegen  200^  F.).  Dieselben  waren  aber  in  l  berüuss  in  Gewässern  von  52® 
bis  60*^  C.  (125"— 140^  F.)  vorhanden.  In  den  heisseren  Quellen  bemerkte 
man  nur  Pflanzen  der  einfachsten  Art,  anscheinend  einfache  Zellen  von  hell- 
grüner Farbe;  in  Wässern  von  60  -65"  C.  zeigten  sich  fadenförmige  Con- 
ferven  von  sehr  hellgrüner  Farbe.  Von  thierischen  Organismen  wurden  in 
dem  salzreichen  Mono-See,  welcher  ausser  Kochsalz  auch  Soda  und  Borax 
u,  s  w.  enthält,  grosse  Mengen  von  Fliegenlarven  angetroffen,  welche  in 
ähnlicher  Weise  auch  in  dem  grossen  Salzsee  vorkommen  sollen. 

Weitere  Notizen  werden  von  Brewer  angeschlossen,  aus  denen  hervor- 
geht, wie  die  Keime  vieler  Pflanzen  der  Einwirkung  der  Wärme,  der  Salze 
und  der  Säuron  bis  zu  verhältnissmässig  hohen  Graden,  wenigstens  höheren 
als  man  bisher  anzunehmen  pflegte,  zu  widerstehen  vermögen 


W.  King  und  T.  H.  Rowney:  über  das  sogenannte  E  o  fsoon-  Ge- 
stein. (Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  Vol.  XXII.  3.  1866.  p.  185 
bis  218,  PI.  14  u.  15  )  — 

Die  Entdeckung  des  Eo^oon  oder  Dämm  erungsthieres  in  den  älte- 
sten Kalksteinablagerungen  unserer  Erde  (Jb.  1865,  496;  1866,  352,  368, 
481,  579)  hat  eine  gewaltige  Anregung  zu  erneueten  Studien  dieser  uralten 
Gebirgsschichten  gegeben ,  wie  sie  der  Wissenschaft  nur  willkommen  sein 
kann.  Meinen  doch  Viele,  in  dem  Eo%oon  als  dem  ältesten  Organismus  der 
Erde  die  ür-  oder  Stammform  zu  erblicken,  aus  der  sich  die  gesammte  Thier- 
und  Pflanzenwelt  der  Erde  allmählich  entwickelt  hat,  und  es  konnte  die  Ent- 
deckung des  Eozoon  zu  keiner  günstigeren  Zeit  erfolgen,  als  in  den  letzten 
Jahren,  wo  die  Entstehung  der  Arten  durch  natürliche  Züchtung  von  begei- 
sterten Anhängern  Darwins  und  seinen  nüchternen  Gegnern  vielseitig  erwogen 
und  besprochen,  wo  ferner  die  Wirkungen  des  Metnmorphismus  ni(!ht  selten 
über  die  Grenzen  der  Möglichkeit  ausgedehnt  worden  sind. 

Es  lässt  sich  nicht  läugnen  ,  dass  die  als  Eo^oon  unterschiedenen  Ge- 
bilde grosse  Analogien  mit  Forami  ni  feren  darbieten,  wozu  sie  desshalb 
auch  von  den  besten  Kennern  dieser  Klasse  gestellt  werden:  man  wird  ebenso 
zugeben,  dass  ihre  Verwandtschaft  mii  den  Spongien  (Jb.  1865,  496;, 
eine  Ansicht,  die  auch  W.  H.  Baily  (Geol  Mag.  Vol.  II,  p.  388)  gewonnen 
hat ,  vielleicht  noch  grösser  ist .  und  man  wird  endlich  auch  anerkennen 
müssen,  dass  vollständige  analoge  Bildungen,  wie  Eo-zoon,  auch  in  der  un- 
organischen Welt  vielfach  angetroff'en  werden.  Wir  erinnern  an  die  unor- 
ganischen Gebilde  mancher  Moosachate. 

Hatte  schon  Baily  a.  g.  0.  ausgesprochen  ,  dass  das  Eozoon  ihm  weit 
eher  das  Product  einer  eigenthütnlichen  mechanischen  Gesteinsbüdung,  als 
ein  organisches  Gebilde  erscheinen  nuisse,  eine  Ansicht,  die  auch  Prof.  Hark- 
NBss  für  die  serpentinführenden  Marmore  von  Canada  und  Connemara  in 


123 


Irland  verlheidigel  hat  *,  so  bringen  jetzt  die  Professoren  King  und  Rownby 
in  Galway  umfassende  Beweise  hierfür.  Dieselben  basiren  sowohl  auf  mi- 
kroskopischen Untersuchungen  der  für  das  sogenannte  Eoz-oon  und  die  ser- 
pentin-führenden  eozoen  Gesteine  charakteristischen  Structur,  als  auch  auf 
dem  geologischen  Vorkommen  derselben  in  ganz  verschiedenen,  in  ihrem  re- 
lativen Alter  sehr  weit  von  einander  entfernten  Gebirgsarten.  Nicht  allein, 
dass  das  Eozoon  canadense  in  Canada  für  das  Laurentian  bezeichnend  ist, 
während  der  grüne  Marmor  von  Connemara  nach  Mürchison  zur  Silurfor- 
mation gehört,  Prof.  King  weist  das  Vorkommen  ganz  ähnlicher  Formen  auch 
in  weit  jüngeren,  serpenlinhaltigen  Schichten  vom  Alter  des  Ljas,  in  Chal- 
cedonen,  in  dolomitischen  Zechsteinen  der  Gegend  von  Sunderland  und  an- 
deren Gesteinen  nach,  und  für  ihn  ist  „eozonale  Structur"  nur  eine 
eigenthümliche  unorganische  GesteinsbeschafFenheit. 


H.  BuRMEisTEB :  Einige  Bemerkungen  über  die  im  Museum  zu 
Buenos  Aires  befindlichen  Glyptodon- kviaw.  (Zeitschr.  f.  d.  ges. 
Naturwiss.  1866.  No.  VIII,  IX,  p.  138  -149.)  —  Vgl.  Jb.  1866,  873.  — 
In  einer  Schrift  von  L.  Wodot  über  Glyptodon:  Description  d'un  nouveau 
genre  d'Edente  fossile^  renferment  plusieurs  especes  voisines  du  Glyp- 
todon etc.  Dijo»,  1866'''  ist  neben  Glyptodon  eine  neue  Gattung  Schisto- 
pleurum angenommen  worden,  von  welcher  Burmeister  hier  zeigt,  dass  ihre 
angenommenen  Unterschiede  von  Glyptodon  theilweise  nicht  vorhanden,  theil- 
weise  zur  Trennung  einer  Galtung  ungenügend  sind. 

Alle  Glyptodon- S,\\e\^  haben,  so  gut  wie  Schistopleurum,  sechs  z  Th. 
bewegliche  Ringe  am  Anfange  des  Schwanzes  besessen  und  ein  Unterschied 
zwischen  ihnen  ist  nur  auf  die  Form  der  Platten  dieser  Ringe  zu  gründen. 

Die  Einen  ( Glyptodon J  haben  flache  Knochenplatten  in  jedem  Ringe, 
deren  Randreihe  mit  einer  elliptischen  flachen  Erhabenheit,  gleich  einer  Ro- 
selle oder  einem  Medaillon  geziert  ist.  Dahin  gehören  Gl.  fuberciilatus., 
Gl.  clavipes  und  wahrscheinlich  anch  Gl.  reticulatus .  welchen  B.  früher 
mit  GL  tuberculatns  vereinigen  wollte,  jetzt  aber  davon  für  verschieden  hält. 

Die  Anderen  [ ^chistopletirumj  haben  conische,  scharf  zugespitzte, 
hohe  Höcker  am  oberen  Rande  jedes  Ringes,  deren  Oberfläche  eine  gleich- 
mässige  Sculptur  ohne  Andeutung  einer  besonderen  Rosette  darstellt.  Dahin 
gehören  Sch.  typus  =  Gl.  elongatus  Burm.,  Sch  gemmatum,  wahrschein- 
lich einerlei  mit  Gl.  laevis  Burm.,  und  Gl.  subelevatus  Noü.,  welche  wahr- 
scheinlich mit  Gl.  spinicaudus  Burm.  identisch  ist. 

Dieser  zweiten  Gruppe  gehört  vielleicht  auch  Gl.  pumilio  Burm,  an, 
von  welchem  bisher  nur  ein  Unterkiefer  bekannt  ist. 

Interessant  ist  Burmeister's  Mittheilung,  dass  Glyptodon  ausser  dem 
grossen  hochgewölblen  Rückenpanzer  noch  ein  eigenes  flachge wölbtcs 


*  Report  of  the  thirty-fißh  Meeting  of  the  British  Association  ,  held  at  Birmingham  in 
Sept.  ±666.    London,  i866.    Transact.  of  the  Sections,  p.  59. 


124 


Brustschild  von  elliptischem  Umfange  besass,  was  zwischen  den  vier  Bei- 
nen auf  der  Mitte  der  Unterseite  in  der  weichen  Körperhaut  lag  und  eben- 
falls aus  sechseckigen  Knochenplatten .  aber  von  geringerer  Dicke  als  an 
dem  Rückenpanzer  besteht. 

Die  weitere  Begründung  der  hier  niedergelegten  Ansichten  behält  sich 
der  Verfasser  für  die  Zukunft  vor. 


C.  Giebel:  Toxodon  Burmeist eri  n.  sp.  von  Buenos  Aires. 
^Zeitschr.  f.  d.  ges.  Naturwiss  1866.  No.  VIII,  IX,  p.  13,4—138,  Taf.  2.) 
—  Das  hier  beschriebene  Fragment  eines  Unterkiefers  ergänzt  den  von  Owen 
1838  beschriebenen  Unterkiefer  von  Bahia  bianca  in  einer  beachtenswerthen 
Weise  sowohl  durch  die  Form  seiner  hinteren  Partie  als  auch  das  Vorhan- 
densein eines  letzten  siebenten  Backzahnes.  Auch  ergibt  sich,  dass  dieser 
in  dem  zoologischen  .Museum  der  Universität  Halle  befindliche  Kiefer  einer 
von  T.  platensis  Ow.  abweichenden  Art  angehört,  dass  endlich  alle  Form- 
verhältnisse des  Toxodon  entschiedener  auf  C  et a  c e  en  t y  p  us,  als  auf  Pa- 
chydermen-,  iVager-  oder  Edeniaten-VerN^  audtschaft  hinweisen. 


C .  Giebel :  die  im  zoologischen  Museum  derUniversitätHalle 
aufgestellten  Säugethiere.  (Zeitschr.  f.  d.  ges.  Naturwiss.  1866. 
No.  VIII,  IX.  p.  94  —  134.)  —  Mit  Vergnügen  bemerkt  man  in  dieser  syste- 
matischen Anordnung  von  191  verschiedenen  Säugethieren  auch  eine  grös- 
sere Anzahl  fossiler  Formen,  welche  Professor  Giebel  sehr  zweckmässig 
neben  die  lebenden  Verwandten  eingereihet  hat. 

Wo  nur  der  für  ein  Museum  meist  unzulängliche  Raum  und  andere  Ver- 
hältnisse es  gestatten,  verdient  ein  solches  noch  wenig  gebrauchtes  Verfah- 
ren jedenfalls  N'achahraung,  ebenso  wie  das  umgekehrte  Verfahren,  in  einem 
geologischen  Museum  fossile  Formen  durch  lebende  zu  erläutern. 


R.  Kner:  die  Fische  der  bituminösen  Schiefer  von  Raiblin 
Kärnthen.  (Sitzungsber.  d.  K.  Ac.  d.  Wiss.  Bd.  LIIl,  46  S.,  6  Taf.)  - 
Die  ersten  ausführlicheren  Angaben  über  einige  fossile  Fische  der  bitumi- 
nösen Schiefer  von  Raibl  wurden  bekanntlich  von  Bronn  in  den  „Beiträgen 
zur  triassischen  Fauna  und  Flora  der  bituminösen  Schiefer  von  Raibl",  Jb. 
1858  und  1859.  gegeben.  Für  die  sich  hier  anschliessenden  Untersuchun- 
gen von  Prof.  Kner  konnte  ein  weit  reichhaltigeres  Material  verwandt  wer- 
den, welches  durch  Dionys  Stlr  von  Seiten  des  k.  k.  Hofmineraliencabinetes 
in  der  schon  oft  gerühmten  liberalen  Weise  zur  Disposition  gestellt  wor- 
den war. 

Die  Raibier  Fische  gehören  zur  Trias,  wenn  sie  auch  etwas  älter 
sind  als  jene  von  Seefeld  in  Tyrol.  Unter  11  hier  beschriebenen  Arten  sind 
mehrere  zu  neuen  Gattungen  erhoben  worden. 


125 

1)  Graphiiirus  calloplerus  n.  g.  et  sp.  aus  der  Gruppe  der  Coelacan- 
tliini  und  nahe  verwandt  mit  Coelacanthus. 

2)  Orthurus  Sturii  n.  g.  et  sp.,  dem  Semionotiis  nahe  verwandt. 

3)  Ptycholepis  avus  n.  sp. 

4)  Thoracopterus  Niederristi  Br. 

5)  Megalopterus  ruibliamis  n.  g.  et  sp.,  dessen  Unterschiede  von  dem 
verwandten  Thoracopterus  festgestellt  werden. 

6)  Pholidopleurus  tijpus  Br.,  der  unter  allen  Raibier  Fischen  nebst 
Belonorhynchus  am  häufigsten  vorkommt  und  von  welchem  Kner  über  50 
Exemplare  von  verschiedener  Grösse  und  Vollständigkeit  vergleichen  und 
untersuchen  konnte. 

7)  Peltopleurus  splendens  n.  g.  et  sp.,  einem  Pholidopleurus  in  man- 
chen Beziehungen  nahe  stehend. 

8)  Pholidophorus  microlepidotus  n.  sp. 

9)  Pholidophorus  Bronni  n.  sp.  , 

10)  Lepidotus  ornatus  ?  äg. 

11)  Belonorhynchus  striolatus  Br. 

Alle  hier  beschriebenen  Fische  entstammen  der  tiefsten  der  Raibier 
Schichten  5  auf  welche  nach  oben  die  Letlenkohle  folgt,  die  selbst  wieder 
von  der  muschelführenden  Schicht  mit  Myophoria  überlagert  wird.  In  dieser 
obersten  Schicht  kommen  nur  selten  Fischreste  vor  und  zu  ihnen  gehört  eine 
wahrscheinlich  zweite  Art  von  Peltopleurus  und  ein  vereinzelter  Zahn  eines 
muthmasslichen  Gyrodus. 


R.  Kner:  die  fossilen  Fische  der  Asphaltschiefer  von  See- 
feld in  Tirol.  (Sitzungsber.  d.  kais.  Ac.  d.  Wiss.  Bd.  LIII,  32  S.,  6  Taf.) 
—  Zu  einem  genaueren  Vergleiche  der  fossilen  F'ische  von  Seefeld  mit  jenen 
der  Raibier  Schichten  hat  der  Verfasser  ausser  den  in  ^Yien  vorhandenen 
Exemplaren  namentlich  die  reiche  Sammlung  des  Museums  zu  Innsbruck  be- 
nutzt, die  er  zu  diesem  Zwecke  Herrn  Prof.  Pichler  verdankt.  Aus  seinen 
sorgfältigen  Untersuchungen  geht  zunächst  hervor,  dass  beide  Localitäten 
keine  einzige  Art  mit  einander  gemein  haben  und  auch  nur  2  oder  3 
Gattungen. 

Die  Schiefer  von  Raibl  sind  durchwegs  leicht  von  jenen  von  Seefeld  zu 
unterscheiden,  durch  tiefere  schwarze  Färbung,  compacteres  Gefüge  und 
demnach  grössere  Härte;  sie  stehen  in  diesen  Verhältnissen  den  Fischschiefern 
von  Perledo  in  der  Lombardei  ungleich  näher,  wie  auch  in  der  geringen 
Grösse  der  Fische.  See  fei  d  reiht  sich  dagegen  in  letzterer  Beziehung 
viel  näher  den  Lias-  und  jüngeren  Jura-Schichten  an,  indem  die  Zahl  der 
ansehnlich  grossen  Fische  die  der  kleineren  überwiegt. 

Die  geologische  Stellung  der  Seefelder  Fischschiefer,  welche  man  früher 
dem  Lias  zurechnete,  ist  schon  von  Gümbel  als  triadisch  erkannt  worden. 
Die  von  Prof.  Kner  darin  unterschiedenen  und  genau  festgestellten  Arten 
sind  folgende: 


126 


Eugnathus  imfgnis  n.  sp.,  Lepidohis  ornatus  Ac,  Lepidotus  parvu- 
lus  ?  MüN.,  Semionolns  latus  Ag  ,  Sem.  striatus  Ag.,  Pholidophorus  dor- 
salis  Ag.  ,  Phol.  cephaUis  n.  sp. ,  Phol.  latiusculus  Ag.  und  Phol.  pusil- 
Itis  ÄG. 

Ebenso  laktvolle  als  sachkundige  Bemerkungen  über  die  in  diesen  bei- 
den Abhandlungen  Knek's  beschriebenen  Gattungen  und  Arten  erläutern  die 
dazu  gegebeneu  schönen  und  treuen  Abbildungen. 


JohnYoung:  über  die  Verwandtschaften  des  Plat  y  somus  und 
verwandter  Geschlechter.  {Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  1866. 
Vol.  XXII,  p.  301—317,  PI.  XX  u.  XXI.)  —  Nach  einer  specielleren  Be- 
schreibung der  hier  einschlagenden  Gattungen  Platysomus Amphicentrum 
n.  g.,  Eurysoinus  (eingeführt  für  Platysomus  macrurus) ,  Mesolepis  n.  g. 
und  Eurynotus  Ag.  gelangt  Young  zu  folgender  Classification: 

Diese  5  ffattungen  bilden  mit  der  Familie  der  Pycnodonten  eine  natür- 
liche Gruppe  der  heterocercen  Ganoiden,  welche  er  Lepidopleuridae  nennt. 

I.    Bauchflossen  fehlen. 

Platysomidae. 

Zähne  einreihig,  conisch,  scharf.  Gaumenknochen  zahnlos.  —  Platy- 
somus Ag.  zum  Theil.  {PI.  gibbosus.,  rhombus,  striatus  ?  in  der  Zechstein- 
formation und  PI.  parvulus  in  der  Sleinkohlenformation.) 

Amphicentridae. 
Rücken-  und  Bauchrand  scharfeckig.   Zähne  in  der  Form  von  höckerigen 
Tafeln  auf  den  Kiefer-,  Kiemen-  und  Gaumenknochen.    Zwischenkiefer  zahn- 
los. —  Amphicentrum  n.  g.  {A.  granulatum  Huxl.  aus  der  Steinkohlenfor- 
mation von  N.  StafFordshire.) 

E%iry  s  omidae. 

Zähne  in  der  Form  von  abgestumpften  Kegeln,  oder  eines  Stieles  mit 
einem  zusammengezogenen  Halse.  —  Eurysomus  n.  g.  =  Platysomus  Ag. 
z.  Theil.)  —  Typus :  Eu.  macrurus  ^iP/af.  macrurus)  Ag.  in  der  Zech- 
steinformation. 

II.    Bauchflossen  vorhanden. 

Mesolepidae. 

Zähne  ähnlich  denen  von  Eurysomus.  —  Mesolepis  n.  g. ;  Eurynotus 
Ag.  —  Von  Mesolepis  werden  M.  Wardi  und  M.  scalaris  aus  der  Stein- 
kohlenformation von  N.  Staffordshire  beschrieben. 

Py  cnodontidae. 
Zähne  oval,  halbkugelig,  oder,  wenn  sie  verlängert  sind,  stumpfe  Kegel. 
—  Pycnodus,   Mesodon,  Gyrodus  etc.  (mit  Ausnahme  der  von  Cocciu  be- 
schriebenen Labroiden-Formen,  vgl.  Jb.  1S65,  p.  381). 


127 


Miscellen. 

Einem  Briefe  von  Dr.  F.  Stoliczka  in  Calciitta  an  Herrn  Hofrath  W.  v. 
Haidinger  (Yerh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  26.  Nov.  1866)  entnehmen  wir 
folgende,  gewiss  alle  Fachgenossen  lebhaft  interessirende  Mitlheilungen : 

Dr.  Stoliczka  hatte  sich  von  den  furchtbaren  Anstrengungen  seiner  im 
Sommer  1865  in  den  Himalaja  unternommenen  Reise  lange  nicht  erholen 
können  und  lag  im  April  und  Mai  1866  schwer  krank  in  Calcutta  darnieder. 
Ende  Mai  begab  er  sich  nach  Simla  und  im  Juni  nach  Panji  bei  Chini ,  in 
der  Hoffnung,  einige  Arbeiten,  namentlich  im  Spilithale,  ausführen  zu  können. 
Allein  es  war  unmöglich,  er  kehrte  nach  Simla  zurück  und  ging  Ende  Au- 
gust über  das  Gebirge  nach  Missouree,  wo  er  mit  Oldham  zusammentraf, 
der  sich  nach  Naini-tal  begab,  während  Stoliczka  nach  Calcutta  zurückreiste. 
Zur  Zeit  der  Absendung  seines  Schreibens  (10.  Oct.)  war  er  zwar  noch  nicht 
wieder  gänzlich  hergestellt,  aber  doch  wieder  eifrig  beschäftiget  mit  der  Fort- 
setzung seines  Werkes  über  die  Gasteropoden  der  Kreideformalion,  welches 
ebenso  stark  sein  wird,  wie  jenes  über  die  Kreide-Cephalopoden  (Jb.  1866, 
865),  da  es  zwar  weniger  Tafeln,  aber  mindestens  doppelt  so  viel  Text  ent- 
halten wird. 

Mit  grosser  Dankbarkeit  und  Anerkennung  namentlich  auch  gegen  Dr. 
Thomas  Oldham,  spricht  sich  Dr.  Stoliczka  über  die  nun  durchgeführte  Reor- 
ganisation des  Governement  Geological  Survey,  der  geologischen  Reichs- 
anstalt für  Indien  aus.  Folgendes  ist  das  Personale:  Ein  Superintendent  Dr. 
Thomas  Oldham  mit  1000  Thaler  Silber  monatlichen  Gehalt;  4  Geologen  mit 
einem  Gehalte,  der  bis  zu  666  Rthlr.  monatlich  steigt;  4  Geologen-Assisten- 
ten mit  einem  Gehalt  bis  zu  466  Rthlr.  monatlich;  8  Assistenten  mit  einem 
Gehalt  bis  333  Rthlr.  monallicli.  Die  4  Geologen  sind:  W.  Blaisford,  Med- 
LicoTT,  Ch.  Oldham  und  Stoliczka.  l  brigens  beziehen  alle  Geologen  und  As- 
sistenten monatlich  100  Rthlr.  für  Quartier,  Pferde  u.  s.  w.  und  ausserdem 
auf  den  Reisen  noch  2*^  3  Rthlr.  täglich  für  ihre  Person. 

Sicher  kann  man  nur  wünschen,  dass  die  Wissenschaft  überall  eine 
ähnliche  Anerkennung  finden  möge ,  wie  es  bei  dieser  Dotirung  für  Indiens 
Geologen  klar  ausgesprochen  worden  ist. 


K.  K.  geologische  Reichsanstalt  in  Wien.  —  In  der  Sitzung  am 
6.  November  1866  wird  zur  Kenntniss  gebracht,  dass  der  allgemein  verehrte 
Begründer  und  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  der  k.  lt.  Hof- 
ralh  Ritter  v.  Haidinger,  unter  dankbarster  Anerkennung  der  hohen  Verdienste 
desselben,  in  den  bleibenden  Ruhestand  versetzt  worden  sei  und  dass  die 
Leitung  der  geologischen  Reichsanstalt  bis  zu  der  erfolgenden  Wiederbe- 
setzung der  hiemit  erledigten  Stelle  eines  Directors,  wie  bisher  durch  den 
ersten  Chefgeologen  Bergrath  Dr.  Ritter  Franz  v.  Hauer  zu  besorgen  sein 
wird. 


128 


Es  ist  die  geologische  Reichsanstalt  durch  Haidinger,  dessen^Geisteskraft 
man  ihre  Gründung  verdanht  und  der  in  dem  Zeiträume  von  nahe  17  Jahren 
mit  nie  ermüdender  Thätigkeit  ihre  Arbeiten  geleitet  hat,  zu  einer  Entwicke- 
lung  gelangt,  welche  bewundernswürdig  ist  und  sichere  Bürgschaft  gewährt, 
dass  der  herrlich  gediehene  Baum,  der  nach  allen  Richtungen  hin  schon  so 
reiche  Früchte  getragen  hat.  auch  unter  neuen  Verhältnissen  kräftig  fortge- 
deihen werde,  umsomehr.  als  gerade  der  zu  seiner  weiteren  Pflege  seitdem 
definitiv  bestimmte  Sectioiisrath  Franz  R.  v.  Hauer  mit  dessen  innerstem  Leben 
vollkommen  vertrauet  ist  und  in  der  sorgsamsten  Pflege  desselben  seit  langer 
Zeit  schon  mit  dem  früheren  Director  gewetteifert  hat. 


Einen  Nekrolog  auf  Ami  Theodore  Ponson,  geb.  zu  Genf  den  4.  Juli 
1801,  den  Verfasser  des  berühmten  Werkes  „liber  den  Steinkohlenbergbau" 
enthält  die  Berg-  und  Hüttenmännische  Zeitung  Glückauf  in  No.  45,  1866. 

Charles  Maclaren,  geb.  1782,  noch  1865  zum  Präsidenten  der  geolo- 
gischen Gesellschaft  in  Edinburg  erwählt,  ist  im  84.  Jahre  am  10.  Sept. 
1866  zu  Moreland  Cottage,  Grange,  Edinburgh  verschieden.  {The  Geol. 
Mag.  No.  28,  1866.) 

William  Hopkins,  in  den  Jahren  1851—52  und  1852 -58  Präsident  der 
geologischen  Gesellschaft  in  London  und  1854  Präsident  der  British  Asso- 
ciation zu  Huli,  verschied  im  October  1866.  (The  Geol.  Mag.  1866.  No.  33, 
p.  576.) 


S.  10  lies  „WCETTEXBERGER"  Statt  TS'URTEXBERGER. 
In  XAT:MA:ra's  Abhandlung  über  den  Granit  des  Kreuzberges,  Jahrg.  1866,  sind  fol- 
gende Druckfehler  zu  berücksichtigen: 

S.  146,  Z.  2  V.  0.  lies  „denn"  statt  dann. 

„    166,  „    3  V.  u.    „    „25"  statt  15.  ' 
„    17Ü,  „    9  T.  u.    „    „an  dem"  statt  au  den. 

„    174,  „    2  V.  0.  fehlt  nach  dem  Worte  gegenüber  das  Wort  „unter". 
„    176,  „    6  T.  0.  lies  „trümer"  statt  trümmer. 
„     — ,  „  12  T.  0.    „    „Hygiea"  statt  Hygina. 
„    177,  ,.    4  V.  0.    -    „also"  statt  als. 


Berichtigung. 


Iber  die  Bedeutung  der  Krysfallfläclienumrisse  uud  ihre 
Beziehungen  zu  den  Symmetrie-Verhältnissen  der  Kry- 

stallsysteme 

von 

Herrn  Dr.  Gt.  Werner, 

Assistent  und  Privatdocent  an  der  kgl.  polyt.  Schule  in  Stuttgart. 


Man  hat  in  früherer  Zeit  öfters  —  und  zum  Theil  geschieht 
diess  noch  heute  —  die  verschiedenen  Krystallformen  lediglich 
oder   doch  hauptsächlich  nach  der  mathematischen  Gestalt  der 
Umrisse  der  Flächen  in  ihrer  idealen  Form,  d.  h.  derjenigen  be- 
schrieben und  definirt,   wo  allen  gleichwerthigen  (physikalisch 
gleichen)  Flächen ,    beziehungsweise  Kanten  gleiche  räumliche 
Ausdehnung  zukommt.    Würfel  heisst  hiernach  diejenige  Krystall- 
form,  welche  von  sechs  Flächen  umschlossen  ist,  die  sämmtlich 
gleich  grosse  Quadrate  sind,  das  reguläre  Octaeder  ist  nach  jener 
Definition  ein  Polyeder,  das  von  acht  gleichen  gleichseitigen  Drei- 
ecken begrenzt  ist  u.  s.  w.    In  ähnlicher  Weise  wurde  die  Länge 
der  Kanten  und  die  mathematische  Beschaffenheit  der  Ecken  an 
der  idealen  Form  zur  Beschreibung  benützt.    Bekanntlich  finden 
sich  aber  in  der  Natur  höchst  selten,  ja  ohne  Zweifel  niemals 
solche  Vorkommnisse  von  Krystallen,  welche  vollkommen  die 
Umrisse  der  idealen  Gestalt  zeigten.  Es  dürfte  sich  sehr  fragen,  ob 
man  ein  Recht  habe,  alle  die  sogenannten  »verzerrten«  Formen  für 
Abnormitäten  oder  Krankheits-Erscheinungen  zu  erklären,  wie  ja 
eigentlich  durch  den  Ausdruck  »Verzerrung«  geschieht,  und  als  nor- 
male Form  eine  Krystallform  aufzustellen,  welche  wohl  nie  in  der 
Natur  gefunden  wird.  Wollte  man  aber  auch  kein  Gewicht  darauf 
legen,  dass  jene  Bezeichnung  und  Beschreibung  der  Krystall- 

Jahrbuch  1867.  9 


130 


formen  j  welche  die  Umrisse  der  Flächen  an  der  idealen  Gestalt 
in  ihrer  mathematischen  Bedeutung  angibt,  hinsichtlich  des  ange- 
führten Gesichtspunctes  auf  die  in  Wirklichkeit  vorkommenden 
einfachen  Krystalle  meistens  gar  nicht  anwendbar  ist.  so  muss 
man  doch  jedenfalls  zugeben,  dass  es  zum  Mindesten  unpractisch 
erscheint,  den  Anfänger  in  der  Krystallographie  vorzugsweise 
an  die  Flächenumrisse  der  einfachen,  in'"s  Gleichgewicht  der 
Flächen  gesetzten  Krystallgestalten  zu  gewöhnen,  da  er  mit  Hülfe 
dieser  Merkmale  nicht  im  Stande  ist.  die  Körper  wieder  zu  er- 
kennen, wenn  sie  in  Combinatiou  mit  einander  vorkommen.  Nur 
die  Lage,  beziehungsweise  die  Neigung  einer  Flache  gegen  die 
andere,  nicht  ihr  ümriss  kann  unter  allen  Umständen  zur  Bestim- 
mung des  Körpers,  dem  sie  angehört,  dienen. 

Mit  all  diesem  soll  indessen  nicht  gesagt  werden,  dass  das 
Entlehnen  mathematischer  Ausdrücke  für  die  krystallographi- 
schen  Bezeichnungen  durchaus  unstatthaft  sei:  man  kann  im  Ge- 
gentheil  einen  ganz  ausgezeichneten,  ja  in  gewissem  Sinne  un- 
ersetzlichen Gebrauch  von  den  mathematischen  Bezeichnungen 
machen,  wenn  man  sie  nur  sozusagen  symbolisch  gebraucht, 
d.  h.  wenn  man  sich  stets  erinnert,  dass  an  die  Stelle  des  Be- 
griffs mathematischer  Gleichheit  der  der  physikalischen  Gleichheit 
tritt.  Man  darf  also  z.  B.  wohl  von  einem  Quadrat  sprechen, 
muss  aber  darunter  eine  solche  rechtwinklige  vierseitige  Figur 
verstehen,  deren  4  Seiten  physikalische  Gleichheit  haben.  Dann 
kann  die  Fioiur  ein  Oblouürum  werden  im  mathematischen  Sinne 
des  Worts,  sie  bleibt  dennoch  ein  krystallo  graphisch  es 
Quadrat  und  ein  Parallelepiped,  das  von  lauter  solchen  physika- 
lisch gleichen  oblongen  Quadraten  —  man  verzeihe  mir  diese  un- 
mathematische Bezeichnung  —  eingeschlossen  ist,  bleibt  unter 
allen  Umständen  ein  krystallo  graphisch  er  Würfel. 

Obwohl  nun  die  Flächenumrisse  der  Krystaliformen ,  auch 
wenn  sie  in  dem  eben  angeführten  Sinne  bezeichnet  werden, 
nur  einen  untergeordneten  Werth  haben ,  weil  sie  sich  ändern, 
sobald  ein  weiterer  Körper  durch  Combination  hinzutritt,  so  dürfte 
es  sich  dennoch  verlohnen,  diese  Flächenumrisse  genauer  zu 
untersuchen  und  namentlich  durch  die  verschiedenen  Umwand- 
lungen hindurch  zu  verfolgen ,  welche  sie  bei  ungleichmässiger 
räumlicher  Ausdehnung  der  Flächen  einer  einfachen  Form ,  ins- 


I 


131 


besondere  aber  bei  Combinationen  erleiden,  und  zu  untersuchen, 
ob  und  welche  Gesetzmässigkeiten  in  dieser  Beziehung  aufge- 
funden werden  können.  Wir  wählen  zunächst  beispielsweise  die 
Körper  des  regulären  Systems.  Man  kann  hierbei  für  den  Um- 
riss  der  einzelnen  Flächen  eines  Körpers  dreierlei  Fälle  unter- 
scheiden,  nämlich  den  Umriss  der  Fläche  1)  bei  der  einfachen 
idealen  Gestalt,  2)  bei  Combinationen  mit  verschiedenen  anderen 
Körpern,  3)  bei  den  sog.  Verzerrungen,  d.  h.  wenn  zu  der  Ver- 
änderung des  ursprünglichen  Flächenumrisses  durch  Combinatio- 
nen auch  noch  die  durch  ungleiche  räumliche  Ausdehnung  der 
verschiedenen  Flächen  gleicher  Qualität  hinzutritt.  Zunächst  wol- 
len wir  der  einfacheren  Anschauung  wegen  nur  die  zwei  erst- 
genannten Fälle  in  s  Auge  fassen,  wobei  dann  den  Bezeichnungen 
der  Umrisse  zugleich  ihre  mathematische  Bedeutung  bleibt,  ohne 
dass  die  krystallographische  sich  aufhöbe. 

Würfel.  —  Die  Fläche  des  einfachen  Würfels  ist  ein 
Quadrat,  also  eine  Figur  mit  vier  gleichen  Seiten  und  vier  glei- 
chen Winkeln,  eine  Figur,  welche  eine  vierfache  Symmetrie  zeigt, 
nämlich  um  zwei  Linien,  welche  durch  den  Mittelpunct  der  Figur 
gehen  und  parallel  sind  zu  den  Seiten  des  Quadrats ,  und  um 
zwei  Linien,  welche  die  eben  genannten  Sym.metrallinien  im 
Mittelpunct  unter  Winkeln  von  45^  schneiden.  Werden  die  Ecken 
des  Würfels  durch  die  Flächen  des  regulären  Octaeders  abge- 
stumpft, so  wird  die  Würfelfläche  zu  einem  Achteck,  in  wel- 
chem die  ursprünglichen  Quadratseiten  unter  sich  gleich  bleiben, 
die  vier  neuen  Seiten  ebenfalls  unter  sich ,  und  die  8  Winkel 
unter  sich  gleich  (=  135^)  sind.  Rücken  die  Octaederflächen 
näher  und  näher  zusammen,  so  dass  die  Würfelfläche  kleiner  und 
kleiner  wird,  so  wird  letztere  schlie&slich  ,  indem  je  zwei  Oc- 
taederflächen sich  berühren ,  zu  einem  Quadrat ,  das  zwar  noch 
dieselben  Symmetrallinien  hat,  wie  das  ursprüngliche,  aber  um 
450  gegen  dasselbe  gedreht  ist.  In  der  Combination  des  Wür- 
fels mit  dem  Granatoeder  bleibt  die  Würfelfläche  quadratisch, 
nur  wird  sie  um  so  kleiner,  je  mehr  die  Granatoederflächen  an 
Umfang  zunehmen,  und  in  der  Combination  mit  Octaeder  und 
Granatoeder  zugleich  erscheint  wieder  das  beschriebene  Achteck. 
Das  Hinzutreten  eines  Leucitoides  zum  Würfel  ändert  den  Flä- 
chenumriss  des  letzteren  in  gleicher  Weise,  wie  das  Octaeder, 

9 


132 

das  eines  Pyramide nwiirCels  wie  das  Granatoeder  ab;  und  Com- 
binationen  mit  mehreren  dieser  Körper  zugleich  liefern  ebenfalls 
keine  neue  Abänderung  am  Umriss  der  Würfelfläche.  Anders 
ist  es,  wenn  der  Würfel  sich  mit  einem  Pyramidenoctaeder  oder 
einem  Achtundvierzigflächner  combinirt.  Die  quadratische  Wür- 
felfläche wird  alsdann  zunächst  zum  Zwölfeck ,  in  welchem  die 
vier  ursprünglichen  Seiten  gleich  und  die  acht  neuen  Seiten  unter 
sich  gleich  sind.  Unter  den  zwölf  Winkeln  sind  die  vier  in  der 
Gegend  der  ursprünglichen  Quadratecken  gleich,  die  acht  übrigen 
ebenfalls  unter  sich  gleich.  Je  mehr  sich  die  Hachen  der  ge- 
nannten Körper  auf  Kosten  der  Würfelflächen  vergrössern,  desto 
mehr  nähert  sich  die  Gestalt  des  Zwölfecks  der  eines  Achtecks, 
in  welchem  aber  im  Gegensatz  zu  dem  oben  beschriebenen  Acht- 
eck die  acht  Seiten  gleich,  dagegen  die  Winkel  nur  je  zu  4  und 
4  gleich  sind.  Die  Combination  des  Würfels  mit  einem  Acht- 
undvierzigflächner (oder  einem  Pyramidenoctaeder)  und  dem  Oc- 
taeder  (oder  einem  Leucitoid)  gibt  zunächst  ein  Sechszehneck 
mit  4  gleichen,  8  gleichen  und  wieder  4  gleichen  Seiten  und  mit 
je  zu  8  und  8  gleichen  Winkeln,  hernach,  indem  die  ursprüng- 
lichen Quadratseiten  verschwinden,  ein  Zwölfeck,  das  mit  dem 
vorhin  beschriebenen  Zwölfeck  zwar  gleiche  Symmetrieverhält- 
nisse zeigt,  aber  gegen  dasselbe  um  45"  gedreht  ist. 

Überschaut  man  die  ganze  Reihe  der  beschriebenen  Figuren, 
so  sieht  man  leicht  ein,  dass  jene  vierfache  Symmetrie,  welche 
oben  für  das  erste  Quadrat  angegeben  wurde,  auf  alle  diese  Fi- 
guren passt.  Man  kann  kurz  sagen,  mit  Ausnahme  jener  acht  Puncte 
der  Peripherie  des  Polygons,  welche  auf  den  4  Symmetrallinien 
selbst  liegen,  lassen  sich  immer  acht  Puncte  auf  der  Peripherie 
angeben,  welche  unter  sich  gleiche  Lage  zu  den  Symmetrallinien 
haben.  Die  Reihe  der  Figuren,  welche  die  Würfelfläche  unter 
verschiedenen  Umständen  zeigt,  hätte  sich  leicht  noch  vermehren 
lassen;  es  Hesse  sich  z.  B.  bei  der  Combination  von  Würfel  mit 
Octaeder  und  zwei  verschiedenen  Pyramidenoctaedern  oder  Acht- 
undvierzigflächnern  ein  Vierundzwanzigeck  als  Umriss  der  Würfel- 
fläche denken  u.  s.  w. ;  aber  man  sieht  leicht  ein,  dass  unter  allen 
Umständen  die  Figur,  welche  die  Würfelfläche  zeigt,  dem  ausge- 
sprochenen vierfachen  Symmetriegesetz  unterworfen  ist. 

Will  man  eine  Bezeichnung  suchen,  die  für  alle  jene  Figuren 


133 


passt,  welche  die  Würfelfläche  unter  verschiedenen  Umständen 
annimmt,  und  die  zugleich  jene  vierfache  Symmetrie  ausdrückt, 
so  wird  man  kaum  eine  passendere  als  die  einer  viergliedri- 
gen  Figur  finden  (wobei  wir  unter  „Gliedern«  die  Elemente  des 
Umrisses,  Seiten  und  Ecken,  verstehen). 

Die  Umständlichkeit,  mit  der  wir  die  in  Rede  stehenden 
Verhältnisse  am  Würfel  durchgegangen  haben,  gestattet  uns,  bei 
den  übrigen  Körpern  etwas  kürzer  zu  sein. 

Octaeder.  —  Die  Fläche  des  einfachen  Octaeders  ist  ein 
gleichseitiges  (und  gleichwinkliges)  Dreieck  Dasselbe  wird  bei 
der  Combination,  mit  dem  Würfel  zuerst  zu  einem  3  -f-  Sseitigen, 
gleichwinkligen  Sechseck,  dann  wieder  zu  einem  gleichseitigen 
Dreieck,  das  gegen  das  erstgenannte  um  60^  gedreht  ist.  Die 
Combination  mit  dem  Granatoeder  oder  einem  Pyramidenoctaeder 
lässt  das  ursprüngliche  Dreieck  unverändert;  ebenso  liefert  die 
Combination  mit  einem  Leucitoid  (das  dieselbe  Veränderung  wie 
der  Würfel  hervorbringt)  oder  mit  mehreren  der  genannten  Kör- 
per zugleich  keine  neue  Figur.  Dagegen  machen  die  Pyramiden- 
würfel oder  Achtundvierzigflächner  aus  dem  ursprünglichen  Drei- 
eck zunächst  ein  Neuneck,  das  6  +  Bseitig  und  6  +  Swinklig 
ist  (d.  h.  das  sechs  gleiche  und  wieder  drei  gleiche  Seiten  und 
sechs  gleiche  und  wieder  drei  gleiche  Winkel  hat);  hernach  ein 
Sechseck,  das  zwar  6  gleiche  Seiten,  aber  nur  je  zu  drei  und 
drei  gleiche  Winkel  besitzt,  mithin  verschieden  von  den  oben  be- 
schriebenen ist.  Alle  diese  Figuren,  die  sich  durch  complicirtere 
Combinalionen  leicht  noch  vervielfältigen  Hessen,  haben  das  Ge- 
meinsame, dass  sie  um  drei  Linien  symmetrisch  sind,  welche  die 
Lothe  von  den  drei  Ecken  des  ursprünglichen  Dreiecks  auf  die 
gegenüberliegenden  Seiten  darstellen.  Entweder  je  drei  oder  je 
zwei  mal  drei  Glieder  sind  gleich  und  liegen  symmetrisch  zu 
diesen  drei  Linien  und  wir  bezeichnen  desshalb  diese  Figuren 
kurz  als  dreigliedrig. 

Granatoeder.  —  Der  Rhombus,  welchen  die  Fläche  des 
einfachen  Granatoeders  zeigt,  wird  bei  der  Combination  mit  Würfel 
oder  Octaeder  zu  einem  Sechseck ,  welches  in  beiden  Fällen 
4  +  2seitig  und  4  +  2winklig  ist,  aber  mit  dem  Unterschied, 
dass  die  beiden  gleichen  Winkel  bei  der  Combination  mit  dem 
Würfel  die  zwei  stumpfen,  bei  der  Combination  mit  dem  Octaeder 


134 


die  2  spitzen  Winkel  des  ursprüngiichen  Rhombus  darstellen. 
Beide  Sechsecke  sind  symmetrisch  um  die  beiden  Diagonalen 
des  letzteren.  Combination  mit  Würfel  und  Octaeder  zugleich 
gibt  ein  4  +  2  +  2seitiges  und  4  +  4winkliges  Achteck ,  her- 
nach ein  Rechteck,  dessen  Seiten  jenen  beiden  Diagonalen  parallel 
sind.  Allen  diesen  Figuren,  sowie  denjenigen,  welche  sich  durch 
anderweitige  Combinationen  des  Granatoeders  noch  auffinden 
lassen,  ist  eine  doppelte  Symmetrie,  nämlich  um  die  beiden  Dia- 
gonalen des  ursprünglichen  Rhombus,  gemein;  ausser  dieser  haben 
sie  keine  Symmetrie  und  wir  nennen  sie  desshalb  am  passendsten 
zweigliedrig;  denn  zum  Mindesten  sind  je  zwei  Glieder  ein- 
ander gleich. 

Leucitoide.  —  Am  einfachen  Leucitoeder  (Leucitoid  des 
Leucits,  Analcims,  Granats),  wie  an  jedem  Leucitoid,  sind  die 
Flächen  Deltoide,  symmetrische  Vierecke,  an  denen  nur  zwei  und 
zwei  anliegende  Seiten  gleich  sind,  während  von  den  vier  Win- 
keln die  beiden  zwischen  je  zwei  ungleichen  Seiten  liegenden 
einander  gleich ,  die  zwei  andern  diesen ,  sowie  unter  sich  un- 
gleich sind.  Die  Combination  mit  dem  Würfel  gibt  zuerst  ein 
symmetrisches  Fünfeck,  dann  ein  gleichschenkliges  Dreieck,  eben- 
so die  mit  dem  Octaeder;  die  mit  beiden  zugleich  ein  2  +  2 
+  1  -f-  Iseitiges ,  aber  symmetrisches  (2  +  2  +  2winkliges) 
Sechseck  oder,  wenn  Würfel  oder  Octaeder  stark  vorherrschen, 
ein  2  +  1  -j-  Iseitiges,  aber  symmetrisches  Viereck.  Jede  von 
beiden  Figuren  hat  ein  Paar  paralleler,  aber  nicht  gleicher  Seiten. 
In  Combination  mit  dem  Granatoeder  ist  die  Leucitoederfläche 
ein  2  +  2  +  2seitiges  und  2  4-  2  +  1  -|-  Iwinkliges  Sechseck. 
Bei  der  Combination  mit  Würfel,  Granatoeder  und  Octaeder  zugleich 
erscheint  ein  Rechteck,  von  dessen  vier  Seiten  aber  nur  zwei 
absolut  gleich ,  die  zwei  andern  unter  sich  zwar  mathematisch 
gleich ,  aber  qualitativ  (physikalisch)  verschieden  sind ;  seine 
vier  rechten  Winkel  sind  zwar  mathematisch  gleich ,  jedoch 
von  zweierlei  physikalischem  Werth,  denn  sie  gehören  ver- 
schiedenen Ecken  an  und  werden  von  physikalisch  verschie- 
denen Kanten  gebildet.  Alle  diese  Figuren  haben,  wie  man  sieht, 
nur  symmetrische  Ausbildung  zu  beiden  Seiten  einer  einzigen 
Symmetrallinie,  der  Längsdiagonale  des  ursprünglichen  Deltoids. 
Von  den  Seiten  und  Winkeln  sind  die  einen  zu  je  zweien  gleich, 


135 


die  andern  einzig  in  ihrer  Art:  mit  andern  Worten:  die  Glieder 
gruppiren  sich  entweder  zu  zwei  oder  nur  zu  eins;  d.  h.  sie 
sind  zwei-  und  eingliedrig.  Dasselbe  gilt  von  allen  anderen 
Figuren,  die  man  durch  anderweitige  Combinationen  des  Leucitoe- 
ders  auffinden  kann.  Ähnliche  Figuren  und  jedenfalls  dieselben 
Symmetrie-Verhältnisse  zeigen  die  Flächen  der  übrigen  Leucitoide. 

Pyrami  den  Würfel  und  Pyramidenoctaeder,  —  Die 
Flächen  dieser  beiden  Körper  sind,  wenn  sie  für  sich  ohne  Com- 
bination  auftreten ,  gleichschenklige  Dreiecke  und  werden ,  mit 
andern  Körpern  combinirt,  zu  einfach  symmetrischen  Vierecken, 
Fünfecken,  Sechsecken  u.  s.  w.  Deltoide  werden  z.  B.  die  Flä- 
chen der  Pyramidenwürfel,  wenn  sie  untergeordnet  am  Octaeder, 
die  der  Pyramidenoctaeder,  wenn  sie  untergeordnet  am  Würfel 
auftreten :  in  den  umgekehrten  Fällen  entstehen  symmetrische 
Vierecke  mit  einem  Paar  paralleler,  aber  ungleicher  Seiten  u.  s.  f. 
Es  zeigen  sich  also  hier  dieselben  Symmetrie- Verhältnisse,  wie  beim 
Leucitoeder,  d.h. die  Flächenumrisse  sind  zwei-  und  eingliedrig. 

Achtu ndvierzigflächner.  —  Die  Flächen  eines  ein- 
fachen Körpers  dieser  Art  sind  ungleichseitige  Dreiecke,  welche 
zwischen  ihren  Seiten  und  Winkeln  keinerlei  Symmetrie  zeigen. 
Diese  Symmetrielosigkeit  ist  auch  charakteristisch  für  alle  Figu- 
ren, welche  aus  jenen  Dreiecken  bei  Combinationen  mit  andern 
Körpern  entstehen  (mit  Würfel  oder  Octaeder  ungleichseitige 
Vierecke  oder  Dreiecke,  mit  beiden  zugleich  ungleichseitige  Drei-, 
Vier-  oder  Fünfecke  u.  s.  w.).  Jedes  Glied  (Seite  oder  Winkel) 
einer  solchen  Figur  ist  mit  keinem  andern  gleich,  steht  also  einzig 
da  und  die  Flächenumrisse  der  Achtundvierzigflächner  heissen  da- 
her eingliedrig. 

Wir  haben  bis  jetzt  nur  die  Vollflächner  berücksichtigt.  Gehen 
wir  zu  den  Halbflächnern  über,  so  bemerken  wir  folgende  Re- 
geln: 1)  Die  Flächen  eines  Halbflächners  haben  denselben  Cha- 
rakter, was  die  Gleichheit  oder  Ungleichheit  der  Elemente  ihres 
Umrisses  betrifft,  zeigen  dieselben  Symmetrie-Verhältnisse,  wie 
die  des  Vollflächners,  von  dem  er  sich  ableitet.  (Das  Tetraeder 
zeigt  sich  dreigliedrig,  wie  das  Octaeder;  ein  Pyritoeder  zwei- 
und  eingliedrig,  wie  der  Pyramidenwürfel,  aus  dem  er  durch  He- 
miedrie  entstanden.)  2)  Tritt  an  einem  Halbflächner  eine  andere 
Krystallform  in  Combination  auf,    welche  derselben  Hemiedrie 


136 


fähig  ist,  so  behalten  auch  hier  die  Flächen  den  Charakter  der 
Flächen  des  Vollflächners.  (Die  Pyramidentetraederflächen  sind, 
mit  dem  Tetraeder  verbunden ,  zwei-  und  eingliedrig ,  wie  die 
Flächen  des  Leucitoids,  aus  dem  sie  sich  ableiten.  Die  Acht- 
undvierzigflächnerflächen  behalten  ihren  eingliedrigen  Charakter, 
wenn  sie  halbflächig  am  Tetraeder  als  Flächen  eines  gebrochenen 
Pyramidentetraeders,  oder  am  Pyritoeder  als  Flächen  eines  ge- 
brochenen Pyritoeders  erscheinen.)  3)  Erscheint  dagegen  an 
einem  Halbflächner  ein  VoUflächner;  welcher  der  betretfenden  He- 
miedrie  nicht  fähig  ist,  so  wird  letzterer  hinsichtlich  der  Gleichheit 
seiner  Glieder  sozusagen  degradirt,  d.  h.  was  viergliedrig  war, 
wird  am  Halbflächner  zweigliedrig,  was  zweigliedrig  war.  wird 
zwei-  und  eingliedrig  u.  s.  w.  (In  Combination  mit  dem  Te- 
traeder werden  die  VViirfelflächen  zweigliedrige  Sechsecke,  die 
Granatoederflächen  zwei-  und  eingliedrige  Fünfecke,  die  Pyra- 
midenwürfelflächen  eingliedrige  Dreiecke  u.  s.  w.) 

Die  bisherigen  Betrachtungen  galten  zunächst  nur  für  die- 
jenigen Gestalten  der  einfachen  Körper  und  Combinationen ,  an 
denen  den  Flächen  von  gleicher  Qualität  auch  eine  gleiche  räum- 
liche Ausdehnung  zukommt.  Dehnen  wir  nun  aber  unsere  Be- 
trachtungsweise auch  auf  die  sogenannten  Verzerrungen  aus,  d.  h. 
auf  Krystallformen  von  jener  ungleichen  räumlichen  Ausdehnung 
der  physikalisch  gleichen  Krystallelemente ,  wie  wir  sie  in  der 
Natur  immer  finden.  Wir  brauchen  bloss  die  Voraussetzung  zu 
machen,  die  schon  weiter  oben  als  in  der  Krystallographie  giltig 
bezeichnet  worden  ist,  dass  Gleichheit  der  Krystallelemente,  in 
unserem  Fall  zunächst  Flächenelemente  (Seiten,  Winkel) ,  nicht 
sowohl  gleiche  lineare  oder  überhaupt  räumliche  Ausdehnung  als 
vielmehr  gleiche  Qu^ülät,  gleiche  physikalische  Beschaff'enheit,  mit 
einem  Worte  Gleichwerth  igkeit,  bedeutet.  Die  Granatoeder- 
fläche  kann  unter  Umständen  ein  Sechseck  von  lauter  Seiten  ver- 
schiedener Länge  sein:  weil  aber  von  den  sechs  Winkeln  vier 
unter  sich  und  wieder  zwei  unter  sich  gleich  sind ,  so  dass  da- 
durch je  zwei  gegenüberliegende  Seiten  parallel  werden  und 
weil  jene  unter  sich  gleichen  Winkel  an  physikalisch  gleichen 
Ecken  liegen  und  die  den  beiden  gleichen  Winkeln  anliegenden 
vier  Seiten  physikalisch  gleich  sind,  ebenso  die  beiden  übrigen 
Seiten  unter  sich,  so  kann  man  immerhin  die  Fläche  eine  zwei- 


137 


gliedrige  heissen.  So  wird  sich  leicht  verstehen,  in  welchem 
weiteren  Sinne  wir  die  Ausdrücke  viergliedrig,  dreigliedrig,  zwei- 
gliedrig, zwei-  und  eingliedrig,  eingliedrig  gebrauchen,  wenn  nur 
die  oben  als  mathematisch  gleich  beschriebenen  Glieder  auch  bei 
mathematischer  Ungleichheit  physikalische  Gleichheit  besitzen.  — 

Was  ergibt  sich  nun  aus  den  bisherigen  Betrachtungen?  — 
Vor  allem  springt  in  die  Augen,  dass  die  Flächen  der  einzelnen 
Körper  des  regulären  Krystallsystems  gewissermassen  alle  übri- 
gen Systeme  andeuten ,  dass  das  reguläre  System  in  der  vier- 
gliedrigen  Fläche  seines  Sechsflächners  das  viergliedrige ,  in  der 
dreigliedrigen  seines  Achtflächners  das  dreigliedrige ,  der  zwei- 
gliedrigen seines  Zwölfflächners  das  zweigliedrige,  der  zwei-  und 
eingliedrigen  seiner  Vierundzwanzigflächner  das  zwei  und  ein- 
gliedrige und  in  der  eingliedrigen  seiner  Achtundvierzigflächner 
das  eingliedrige  System  repräsentire.  Ein  mechanischer  Druck 
senkrecht  zu  einer  viergliedrigen,  dreigliedrigen,  zweigliedrigen 
u.  s.  w.  Fläche  des  regulären  Systems  müsste  eine  solche  Än- 
derung in  der  Lagerung  der  Moleküle  im  Krystall  hervorrufen, 
wie  sie  dem  vier-,  drei  ,  zweigliedrigen  u.  s.  w.  System  ent- 
spricht und  die  physikalische,  z.  B.  optische  Untersuchung  müsste 
alsdann  dieses  Verhältniss  bestätigen. 

.Jene  Repräsentation  der  übrigen  Krystallsysteme  durch  die 
Flächen  des  regulären  ist  nicht  bloss  Sache  der  Vorstellung,  sie 
lässt  sich  gewissermassen  körperlich  vollziehen.  Sobald  nämlich 
irgend  ein  Krystall  des  regulären  Systems  auf  eine  viergliedrige, 
dreigliedrige  u.  s.  w.  Fläche  gestellt  wird,  so  hat  man  in  Bezug 
auf  die  Vertheilung  der  gleichen  Glieder  des  Krystalls  (Flächen, 
Kanten,  Ecken)  nach  rechts,  links,  vorn,  hinten,  oben,  unten  die 
Ordnung  des  betreffenden  Systems  hergestellt.  Man  wird  sich 
hiervon  leicht  überzeugen,  wenn  man  einen  Krystall  des  regulä- 
ren Systems  der  Reihe  nach  auf  eine  Fläche  des  Würfels  des 
Octaeders,  des  Granatoeders,  eines  der  dreierlei  Vierundzwanzig- 
flächner, eines  Achtundvierzigflächners  stellt.  Ja,  es  kommt  in 
der  Natur  gar  nicht  selten  vor,  dass  Krystalle  des  regulären  Sy- 
stems, welche  in  einer  dieser  Stellungen  aufgewachsen  sind,  den 
Charakter  des  entsprechenden  Systems  an  sich  tragen,  indem  sie 
hinsichtlich  der  räumlichen  Ausdehnung  der  einzelnen  Flächen 


138 


viergliedrige  5  dreigliedrige,  zweigliedrige  Krystalle  nachzuahmen 
scheinen.  * 

Suchen  wir  das  bisher  vom  Standpunct  des  regulären  Systems 
Gesagte  auf  die  übrigen  Systeme  auszudehnen,  so  werden  wir 
ähnliche  Bestimmungen  machen  können .  wie  dort.  Der  Kürze 
wegen  führen  wir  indessen  die  Resultate  der  Untersuchung  nur 
tabellarisch  auf.  es  wird  keine  Schwierigkeit  haben,  nach  dem, 
was  bisher  gesagt  wurde,  den  Sinn  der  folgenden  Angaben  zu 
verstehen. 


Viergliedriges  System: 


Dreigliedriges  System: 


(Sechsgliedr.  System: 


Zweigliedriges  System: 


Endfläche 

Beide  quadrat.  Säulen 
4  4-  4kant.  Säulen 
Beiderlei  Octaide 
Vierkantner 
Endfläche 

Beide  sechss.  Säulen 
6  -f-  6kantige  Säulen 
Rhomboeder 
Dreikantner 
Endfläche 

Beide  sechss.  Säulen 

6  -\-  6kant.  Säulen 

Dihexaeder 

Sechskantner 

Endflächen 

Rhombsäulen 

Octaide  (rhomb.  - 


viergliedrig. 

zweigliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig. 

eingliedrig. 

dreigliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig 

eingliedrig. 

zwei-  u.  eingliedrig.  " 

eingliedrig. 

sechsgliedrig. 

zweigliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig. 

eingliedrig.  > 

zweigliedrig. 

zwei-  und  eingliedrig,  f 

eingliedrig. 


■••  Vgl.  A.  Weisbach,  über  die  Monstrositäten  tesseräl  krystallisirender 
Mineralien.    (Inaugural-Diss.)    Mit  4  lithogr.  Taf.    Freiberg  1858. 

Diejenigen  Säulenflächen ,  welche  die  Zickzackkanten  abstumpfen, 
sind  rhomboidisch  ;  dass  sie  als  zwei-  und  eingliedrig  gezählt  werden  müs- 
sen, soll  weiter  unten  gezeigt  werden.  -  Stellt  man  sich  eine  sechsseilige 
Säule,  verbunden  mit  der  Endfläche,  vor,  so  darf  man  nicht  vergessen,  dass 
vom  Standpunct  des  dreigliedrigen  Systems  die  Kanten  oben  und  unten  an 
einer  Säulenfläche  physikalisch  difl'erent  sind. 

Die  Rhombenflächen  der  Rhomboeder  sind  nicht  zweigliedrig,  son- 
dern nur  zwei-  und  eingliedrig.  Denn  entweder  sind  die  zwei  oberen  Kan- 
ten stumpf  und  die  unteren  scharf  oder  umgekehrt;  es  findet  also  zwischen 
oben  und  unten  keine  Symmetrie  statt. 

f  Die  Säulenflächen  in  Combinationen  mit  der  Endfläche  sind  zwar 
Rechtecke,  aber  die  4  Winkel  sind  von  zweierlei  Qualität,  weil  an  Ecken 


139 


Zwei- u.  einglidr.  System  :    Schiefendflächen  zwei-  und  eingliedrig. 

Medianebene  zwei-  u.  eingliedrig.  * 

/  Augilpaare  oder 

Schiefrhombsäulen  eingliedrig. 
Eingliedriges  System:       Einfache  Parallelflächen- 

paare  eingliedrig. 

Man  sieht,  dass  irn  viergliedrigen  System  das  zweigliedrige, 
zwei-  und  eingliedrige  und  eingliedrige,  im  zweigliedrigen  das 
zwei-  und  eingliedrige  und  eingliedrige,  im  zwei-  und  einglied- 
rigen das  eingliedrige ,  endlich  im  dreigliedrigen  das  zwei-  und 
eingliedrige  und  eingliedrige  System  repräsentirt  ist.  Während 
also  das  reguläre  System  durch  die  Mittelglieder  des  vierglied- 
rigen und  zweigliedrigen  mit  dem  zwei-  und  eingliedrigen  und 
dem  eingliedrigen  System  verbunden  wird,  so  vermittelt  das  drei- 
gliedrige direct  zwischen  dem  regulären  und  den  beiden  letzt- 
genannten Systemen,  wie  denn  auch  weder  das  dreigliedrige  Sy- 
stem im  viergliedrigen  oder  zweigliedrigen,  noch  diese  in  jenem 
repräsentirt  sind. 

Die  gegenseitigen  Beziehungen  der  einzelnen  Krystallsysteme 
sind  durch  das  Vorstehende  in  ein  nicht  uninteressantes  Licht 
gestellt  und  wenn  in  der  doppelten  Stufenfolge  vom  regulären 
bis  zum  eingliedrigen  System  von  einem  zwischen  dem  zwei-  und 
eingliedrigen  und  dem  eingliedrigen  liegenden  (»diklinometrischen«) 
Krystallsystem  nirgends  Etwas  angedeutet  ist,  so  dürfte  hierin 
wohl  ein  weiterer  Beweis  gegen  die  Aufstellung  eines  solchen 
Systems  liegen.  (Der  Hauptbeweis  liegt  freilich  darin,  dass  die 
Symmetrie-Verhältnisse  dieses  hypothetischen  Systems  selbst  voll- 
ständig mit  denen  des  eingliedrigen  Systems  zusammenfallen.) 
Ebenso  ist  die  Existenz  eines  sechsgliedrigen  Systems,  als  dessen 
Halbflächner  die  Körper  unseres  dreigliedrigen  erscheinen  müss- 
ten,  durch  unsere  Betrachtungen  unwahrscheinlich  gemacht;  denn 
es  wäre  dasselbe  weder  im  regulären  System  repräsentirt,  noch 
das  reguläre  im  sechsgliedrigen  und  nur  das  in  beiden,  aber  auf 


von  zweierlei  Qualität  gelegen.  Daraus  folgt,  dass  die  Flächen  jedenfalls 
nur  zwei-  und  eingliedrig  sind. 

■'•  Die  Medianebene  (Endfläche,  senkrecht  zur  Orlhodiagonale)  stellt  in 
der  Regel  ein  Rhomboid ,  oder  eine  davon  abgeleitete  Form  dar;  dass  diese 
als  zwei-  und  eingliedrig  gelten  muss,  wird  unten  nachgewiesen  werden. 


140 


ganz  ungleiche  Weise  repräsentirte  dreigliedrige  System  würde 
dieselben  mit  einander  verbinden.  Da  das  dreigliedrige  System 
in  ganz  analoger  Weise,  wie  das  viergliedrige  aus  dem  regulä- 
ren hervorgeht,  so  würde  die  Annahme  eines  eigentlichen  sechs- 
gliedrigen  Systems  die  Möglichkeit  der  Existenz  eines  achtglied- 
rigen  bedingen,  welches  sich  zum  viergliedrigen  verhielte,  wie 
das  sechsgliedrige  zum  dreigliedrigen.  Uns  scheinen  die  sechs- 
gliedrigen  Formen  eher  die  Rolle  von  (freilich  eigenthümlich  ausge- 
prägten) Zwillingsformen  des  dreigliedrigen  Systems  zu  spielen. 

Gehen  wir  zum  regulären  System  zurück.  In  diesem  sind, 
wie  wir  gesehen  haben,  die  Flächen 

des  Sechsflächners  viergliedrig, 

des  Achtflächners  dreigliedrig, 

des  Zwölfflächners  zweigliedrig, 

der  Vierundzwanzigflächner  zwei-  und  eingliedrig. 

der  Achtundvierzigflächner  eingliedrig. 

Es  springt  von  selbst  in  die  Augen ,  dass  die  Zahlen  auf 
der  einen  Seite  urasomehr  zunehmen,  jemehr  sie  sich  auf  der 
andern  Seite  verniindern ,  und  es  ist  nicht  zu  verkennen,  dass 
hierin  eine  gewisse  Gesetzmässigkeit  liege.  Es  gibt  aber  einen 
einfacheren  Weg,  dieselbe  nachzuweisen.  Die  Peripherie  eines 
Achtundvierzigflächners  lässt  sich  in  sechs  Regionen  eintheilen. 
deren  jede  8  Flächen  umfasst  und  die  Stelle  der  Würfelfläche  ein- 
nimmt: ebenso  ordnen  sich  je  6  Flächen  des  Achtundvierzigflächners 
auf  der  Region  einer  Octaederfläche  zusammen,  je  vier  nehmen 
die  Stelle  einer  Granatoederfläche  ein  und  je  zwei  die  irgend  eines 
der  dreierlei  Vierundzwanzigflächner.  Man  kann  in  gewissem 
Sinn  sagen,  -8  eingliedrige  Flächen  seien  mit  einer  viergliedrigen, 
6  eingliedrige  mit  einer  dreigliedrigen,  vier  mit  einer  zweiglied- 
rigen und  2  mit  einer  zwei-  und  eingliedrigen  äquivalent.  Wollte 
man  hiernach  für  die  viergliedrigen  Flächen  die  Zahl  8,  für  die 
dreigliedrigen  die  Zahl  6,  für  die  zweigliedrigen  4,  für  die  zwei- 
und  eingliedrigen  2,  für  die  eingliedrigen  1  als  einen  Co  effi- 
zienten der  Glie d erigkeit  ansehen,  so  könnte  man  sagen: 
Für  jeden  Körper  des  regulären  Systems  ergibt  sich  als  Product 
der  Flächenzahl  mit  dem  Gliedrigkeits-Coeffizienten  seiner  Flächen 
die  Zahl  48,  nämlich  beim 


141 


Würfel 

6x8  = 

48 

V-*       vtA  \y  VI  V/  J. 

8x6  = 

48 

Granatoeder 

12  X  4  = 

48 

Leucitoide  j 

Pyramidenoctaeder  \ 

24  X  2  = 

48 

Pyramidenwiirfel  ) 

Achtundvierzigflächner 

48  X  1  = 

48 

Ganz  analoge  Verhältnisse  ergeben  sich  in  den  übrigen  Sy- 
stemen und  man  erhält  so  im  viergliedrigen  System  die  Zahl  16, 
im  dreigliedrigen  die  Zahl  12,  im  zweigliedrigen  die  Zahl  8, 
im  zwei-  und  eingliedrigen  die  Zahl  4,  im  eingliedrigen  die 
Zahl  2  je  als  Product  der  Anzahl  der  Flächen  eines  einfachen 
Körpers  und  des  Coeffizienten  der  Gliedrigkeit  der  betretFen- 
den  Fläche.  Man  überzeugt  sich  hiervon  leicht,  wenn  man 
die  Multiplication  für  die  einzelnen  Körper  dieser  Systeme  vor- 
nimmt. Es  stellt  sich  heraus ,  dass  die  Zahl ,  welche  für  eine 
viergliedrige  Fläche  charakteristisch  ist,  halb  so  gross  ist,  als 
die  für  das  viergliedrige  System  u,  s.  w.  —  Nur  in  zwei  Fäl- 
len könnte  man  bei  der  Bestimmung  der  Gliedrigkeitszahl  in 
Zweifel  kommen,  nämlich  im  zwei-  und  eingliedrigen  System  bei 
der  zur  Orlhodiagonale  senkrechten  Endfläche  (Medianebene)  und 
im  dreigliedrigen  System  bei  den  Säulenflächen,  welche  die  Zick- 
zackkanten eines  Rhomboeders  abstumpfen.  In  beiden  Fällen 
stellt  die  fragliche  Fläche  ein  Polygon  dar,  welches  lauter  paar- 
weise gegenüberliegende  und  (physikalisch)  gleiche  Seiten  und 
paarweise  gegenüberliegende  gleiche  Winkel,  sonst  aber  keiner- 
lei Regelmässigkeit,  also  keine  eigentliche  Symmetrie  besitzt. 
Letzterer  Umstand  lässt  die  Fläche  als  eine  eingliedrige  erschei- 
nen ,  während  sie  nach  dem  zuerst  Angeführten  doch  für  eine 
eingliedrige  Fläche  zu  regelmässig  erscheint.  Obwohl  nun  diese 
Fläche  nicht  im  eigentlichen  Sinn  zwei-  und  eingliedrig  ist,  müs- 
sen wir  sie  dennoch  als  den  zwei-  und  eingliedrigen  äquivalent 
rechnen;  denn  ihr  Gliedrigkeits-Coefficient  berechnet  sich  zu  2, 
als  Ouotient  der  Flächenanzahl  in  die  für  das  System  geltende 
Normalzahl.  (Für  den  ersten  der  beiden  genannten  Fälle  erhält 
man  '^ji  —  2,  für  den  letzten  ^^je  =  2.) 

Die  als  charakteristisch  für  die  einzelnen  Systeme  genannten 
Zahlen  (48,  16.  12,  8,  4,  2)  werden   für  die  hemiedrischen 


142 


Körper  nur  halb  so  gross.  Das  reguläre  Tetraeder  z.  B.  mit 
seinen  4  dreigliedrigen  Flächen  liefert  die  Zahl  4  X  6  =  24. 
Da  diejenigen  Körper,  welche  der  betreffenden  Hemiedrie  nicht 
fähig  sind,  an  einem  Halbflächner  vollflächig  auftreten,  so  muss 
ihr  Gliederzahl-Coeffizient  halbirt  sein,  um  die  gleiche  Zahl  zu 
geben.  Wir  haben  auch  wirklich  gesehen,  dass  in  diesem  Fall 
die  viergliedrigen  Flächen  zweigliedrig,  die  zweigliedrigen  zwei- 
und  eingliedrig  werden  u.  s.  w. ,  so  dass  dadurch  der  Gliedrig- 
keitscoeffizient  gerade  halbirt  wird.  Ein  eigenthümlicher  Fall  tritt 
beim  Octaeder  ein,  wenn  es  am  Pyritoeder  auftritt;  da  letzteres 
einer  Hemiedrie  angehört,  der  das  Octaeder  nicht  fähig  ist,  so 
muss  für  die  Octaederfläche  der  Gliedrigkeits-Coeffizient  halbirt 
und  die  Fläche  selbst  aus  einer  dreigliedrigen  eine  halbdrei- 
gliedrige werden.  Dieses  Verhältniss  äussert  sich  am  Körper 
selbst  darin,  dass  die  Octaederfläche  bei  untergeordnetem  Pyri- 
toeder ein  unsymmetrisches,  nicht  dreigliedriges,  übrigens  3  +  3- 
seitiges  und  3  -f  3winkliges  Sechseck  darstellt.  Letzteres  ver- 
hält sich  zum  ursprünglichen  Octaederdreieck  ähnlich,  wie  ein 
Rhomboid  oder  überhaupt  ein  Polypon  mit  je  zwei  gegenüber- 
liegenden gleichen  Seiten  und  Winkeln  zu  einem  Rechteck  oder 
überhaupt  einer  entsprechenden  zweigliedrigen  Figur. 

Unsere  Betrachtungsweise  wäre  noch  mancher  interessanten 
Anwendungen  fähig,  wie  z.  B.  auf  die  verschiedenen  Arten  von 
Halbflächnern  im  viergliedrigen  Systeme.  Wir  beschränken  uns 
jedoch  auf  die  gegebenen  Andeutungen.  Die  Gesetzmässigkeiten, 
welche  wir  aufgefunden  haben,  sind  nichts  Anderes,  als  eine  der 
vielen  Formen,  unter  welchen  die  allgemeinen  krystallographischen 
Symmetrie-Gesetze  zum  Ausdruck  kommen.  Nicht  die  bald  so, 
bald  anders,  je  nachdem  es  dem  Bedürfniss  für  die  Vorstellung 
oder  Berechnung  angemessener  ist,  aufgestellten  Axensysteme, 
sondern  nur  diese  allgemeinen  Symmetrie-Gesetze  sind  es,  welche 
zur  Definition,  Beschreibung  und  Benennung  der  Krystallformen 
und  der  Krystallsysteme  in  erster  Linie  dienen  müssen. 


Uber  den  löss^  besonders  in  Bezug  auf  sein  Vorliommen 
im  Königreiche  Saclisen 


Herrn  Fr.  /IIb.  Fallou 

in  Waldheim. 


Den  Löss  oder  Lössmergel  erklärt  man  gewöhnlich  für  einen 
kalkhaltigen,  lockeren,  sandigen  Lehm.  Im  Königreiche  Sachsen 
lagert  er  hauptsächlich  in  der  Gegend  von  Meissen,  Lommatsch 
und  Mügeln,  mithin  am  linken  Gehänge  der  Elbe,  da,  wo  sich 
dasselbe  immer  weiter  von  der  letzteren  zurückzieht,  zugleich 
immer  niedriger  wird  und  zuletzt  nur  noch  an  500'  absol.  Höhe 
erreicht.  Er  kommt  zwar  auch  thalaufwärts  von  Meissen  bis  in 
die  Nähe  von  Pirna  zum  Vorschein,  aber  nicht  im  Zusammen- 
hange, sondern  nur  strichweise  in  unbeständigen  Lagern,  die  an 
der  Hälfte  der  steilen  Thalwand  wieder  verschwinden ,  dagegen 
aber  zum  Theil  bis  ans  Ufer  der  Elbe  hinabreichen. 

Grösstentheils  ist  er  mit  einer  Lage  von  lockerem  Glimmer- 
lehm und  dieser  meist  auch  mit  einem  festeren  Thonlehmboden 
3 — 4'  hoch  überdeckt  und  daher  kommt  es,  dass  man  über  sein 
Vorkommen,  seine  wahre  Erstreckung  und  Verbreitung  bis  jetzt 
noch  zu  keiner  vollständigen  Gewissheit  gelangt  ist.  Denn  zwi- 
schen dem  Löss  und  Glimmerlehm  ist  in  Farbe  und  Gefüge  kein 
Unterschied.  Dieser  besteht  bloss  darin,  dass  der  letztere  kei- 
nen kohlensauren  Kalk,  auch  meist  ganz  andere  Mineralbestand- 
theile  enthält.  Diess  lässt  sich  aber  äusserlich  um  so  weniger  er- 
kennen, da  sie  im  Aligemeinen  ohne  Mittelglied  unmittelbar  an 
einander  schliessen. 


144 


Über  die  Entstehung  und  Ablagerung  des  Lössmergels  sind 
bereits  sehr  verschiedene  Ansichten  zur  Sprache  gekommen,  und 
dass  man  hierüber  noch  heute  nicht  einig  sei,  ergibt  sich  aus 
einem  erst  neulich  in  Wien  gehaltenen  Vortrage.  * 

In  dem  Geröllschutt ,  welcher  diesem  Boden  gewöhnlich  zu 
Grunde  liegt,  finden  sich  hin  und  wieder  auch  nordische  Blöcke 
und  an  der  nördlichen  Grenze  der  Schweiz  auch  Gletscherblöcke 
der  Hochalpen.    Man  hat  daher  behauptet: 

der  Löss  sei  nichts  anderes,  als  das  von  den  Gletschern 
zerriebene  Grundgestein ,  der  feine ,  schlammartige  Sand, 
welcher  durch  dieselbe  Ursache,  wie  die  Blöcke,  in  die 
Tiefe  geführt  und  weit  von  seiner  Heimath  abgelagert  wor- 
den sei. 

Diese  Meinung  wiederholt  sich  auch  in  folgender  Stelle 
obigen  Vortrags: 

„Das  sporadische  Vorkommen  grosser  Blöcke,  sowie  die  organi- 
schen Reste  des  Löss  leiiren  uns  seine  Gleichzeitigkeit  mit  der  durch  ihr 
strenges  Klima  ausgezeichneten  diluvialen  Epoche  der  grossen  Gletscher. 
Wer  immer  in  unseren  Hochgebirgen  eine  Gletschergegend  besucht  hat, 
wird  von  der,  sonst  in  den  Bergen  ungewohnten,  trüben  Färbung  der 
Wässer  überrascht  gewesen  sein.  Sie  rührt  von  der  fortwährenden  ab- 
reibenden und  glättenden  Wirkung  her,  welche  die  Eismassen  auf  ihr 
felsiges  Bett  ausüben  und  es  ist  begreiflich,  dass  zur  Zeit  der  grösseren 
Ausdehnung  der  Gletscher  ganz  ausserordentliche  Mengen  von  Gestein 
zu  Gletscherschlamm  zerrieben  und  die  Abflüsse  sehr  trübe  gewesen 
sein  müssen.  Diese  Trübung  ist  es,  welcher  der  Löss,  aller  Wahrschein- 
lichkeit nach,  seine  Entstehung  verdankt.  —  Ein  Theil  dieser  schlam- 
migen Wässer  fliesst  dem  Rheinthale  zu  und  gelangt  in  dem  geschlos- 
senen Bette  bis  nach  Belgien  hin,  ein  anderer  Theil  derselben  folgt  der 
heutigen  Richtung  der  Donau.  —  Die  norddeutsche  Ebene  endlich  ist 
vom  offenen  Meere  bedeckt,  Eisschollen  streuen  auf  derselben  scandina- 
vische  Felsblöcke  aus.    Darum  fehlt  ihr  auch  heute  die  Ackerkrume." 

Nach  einer  anderen  Meinung  soll  der  Löss  ein  zersetzter 
Liasmergelschiefer  sein,  der  häufig  Kugeln  und  Nieren  von  ver- 
härtetem Mergel,  calcinirte  Land-  und  Süsswassermuscheln,  sowie 
auch  Überreste  vorweltlicher  Thiere,  übrigens  66  Proc.  Thon, 
16  Procent  kohlensauren  Kalk  und  18  Procent  glimmerhaltigen 
Quarzsand  enthalte.    Er  soll  vorzugsweise  im  Rhein-,  Maas-  und 


■•  Ed.  Süss:  über  den  Löss.  Wien,  1866.  8«.  16  S.  cJb.  J867, 
S.  119.) 


U5 

unleren  Neckarthale  vorkommen  und  nicht  nur  einen  vortrefflichen 
Boden  liefern,  sondern  auch  mit  Vortheil  zur  Düngung  benutzt 
werden  können. 

Noch  hat  sich  eine  Meinung  dahin  geäussert: 

der  Löss  sei  bloss  Lehm,  dessen  untere  Schichten  ihren 
kohlensauren  Kalk  lediglich  durch  einsickerndes  Regen- 
vs^asser  erhalten  hätten ,  wesshalb  diese  unteren  Schichten 
auch  mehr  Kalk  enthielten,  als  die  oberen. 

Eine  ähnliche  Ansicht  ist  es  auch,  v\^elche  annimmt,  der  Löss 
sei  nichts  v^^eiter,  als  die  Wirkung  gewöhnlicher  Regengüsse. 
Ich  würde  sie  nicht  erwähnen,  wenn  sie  nicht  von  einem  be- 
rühmten Geologen  ausgegangen  und  ebenso ,  wie  die  übrigen, 
gedruckt  zu  lesen  wäre. 

Im  Allgemeinen  aber  betrachtet  man  den  Löss  noch  heute 
nur  als  eine  Varietät  des  Lehmes  und  diesen ,  gleichwie  den 
Sand  und  Kies  und  die  erratischen  Geschiebe  mit  eingerechnet, 
als  den  Inbegriff  der  Diluvialgebilde. 

Alle  diese  Ansichten  beweisen,  dass  man  bis  jetzt  weder  den 
Löss,  noch  den  Lehm  nach  ihrer  Lagerung,  ihrem  Mineralbe- 
stande und  ihren  physikalischen  Eigenschaften  gehörig  untersucht, 
dass  man  sie  lediglich  nach  ihrer  äusseren,  oberflächlichen  Er- 
scheinung beurtheilt  und  so  beide  für  eine  und  dieselbe  Sache 
gehalten  habe. 

V^^ir  brauchen  ihnen  nur  einige  Fragen  entgegenzustellen 
und  sie  fallen  in  sich  selbst  zusammen. 

Der  Löss  soll  in  der  sogenannten  Diluvial-Periode  durch 
Niederschlag  und  successive  Aufschlickung  des  Gletscherschlam- 
mes entstanden  sein.  Aller  Löss  enthält  aber  mehr  oder  we- 
niger kohlensauren  Kalk  und  Talk,  er  ist  ein  talkhaltiger  Mergel- 
boden. Der  Gletscherschlamm  entstand  aus  dem  zerriebenen  und 
zermalmten  Gestein,  welches  dem  Gletscher  zu  Grunde  liegt. 
Es  fragt  sich  also : 

liegen  denn  alle  Gletscher  auf  Kalk,  oder  bestehen  die 
Alpen  allenthalben  aus  Kalkgestein  ? 

Einige  Zuflüsse  des  Rheines  kommen  allerdings  aus  Glet- 
schern, welche  Kalkgestein  zur  Unterlage  haben.  Sie  klären  sich 
aber  im  Thuner-,  Luzerner-,  Züricher-  und  z.  Th.  auch  im  Boden- 
see.   Wird  denn  von  ihrem  Gletscherschlamme  so  viel  übrig 

Jahrbuch  1867.  10 


146 


geblieben  sein ,  um  das  ganze  Rheinthal  von  Basel  bis  Bingen 
und  von  Coblenz  bis  Cöln  damit  auszufüllen  und  zwar  in  solcher 
Mächtigkeit,  wie  wir  den  Löss  dort  abgelagert  sehen?  Ist  es 
nicht  wahrscheinlicher,  dass  der  Rhein  seinen  Löss  theils  aus  dem 
Jura,  theils  aus  dem  Muschelkalli  und  Keupermergel  der  schwä- 
bisch-fränkischen Terrasse  erhalten  habe? 

Übrigens  findet  sich  Löss  nicht  bloss  im  Rhein-  und  Donau- 
thale,  nach  GtiMBEL  *  füllt  er  die  Kornkammern  von  Baiern.  nach 
KoRiSTKA  **  umgeben  die  Löss-  und  Lehm -Ablagerungen  die 
ganze  Tatrakette  und  reichen  im  Norden  noch  weit  nach  Polen 
und  Galizien  hinein  und  nach  Herrn  von  Bennigsen-Förder  lagert 
der  Löss  in  den  Flussthälern  der  ganzen  norddeutschen  Niede- 
rung vom  Rheine  bis  an  die  Elbe  und  von  dieser  bis  an  den 
Niemen. 

Hierdurch  widerlegt  sich  zugleich  beiläufig  die  Behauptung, 
Eisschollen  hätten  auf  die  norddeutsche  Ebene  scandinavische 
Felsblöcke  ausgestreut  und  darum  fehle  ihr  noch  heute  die  Acker- 
krume. Wovon  wollten  denn  die  Millionen  Menschen  dieser 
Ebene  leben  und  noch  überdem  die  Nachbarländer  mit  ihrem 
überflüssigen  Getreide  versorgen ,  wenn  sie  keine  Ackerkrume 
hätten  ? 

Ausser  dem  Rheine  kommt  aber  keiner  der  grösseren  Flüsse, 
welche  jene  Ebene  durchziehen,  wie  die  Lippe,  die  Ems.  Weser, 
Saale.  Elbe,  Mulde,  Oder,  Weichsel  und  der  Niemen  aus  den 
Alpen  und  nur  einige  von  ihnen  durchströmen  theilweise  auch 
Kalkgebirge.  Es  findet  sich  aber  Löss  unter  anderen  auch  an 
der  Saale  von  Jena  bis  Halle  und  selbst  in  dem  kleinen  Becken 
der  Freiberger  Mulde  bei  Döbeln.  Es  fragt  sich  also: 

Haben  denn  diese  Flüsse  ihren  Löss  ebenfalls  aus  den 
Gletschern  erhalten? 
und  zugegeben,  ihre  Ouellen  wären  früher  insgesammt  verglet- 
schert gewesen,  so  fragt  sich  weiter: 

Lagen  denn  die  Gletscher  auf  Kalkgestein? 
Weder  die  Saale,  noch  die  Mulde  entspringen  in  Kalkgebirgen 

■"■  Geognostische  Beschreibung  des  baierischen  Alpengebirges  u.  s.  w. 
Gotha,  1S61.    S.  797. 

Mittheilungen  über  wichtige  neue  Erforschungen  auf  dem  Gesammt- 
gebiete  der  Geographie  von  Dr.  Pbtermann.    Gotha,  1864.    Heft  IV,   S.  13. 


147 


und  die  letztere  durchströmt  von  ihrer  O^elle  aus  bis  zu  dem 
Puncte,  wo  der  Löss  sich  findet,  nur  Gneiss-,  Thon-  und  Glim- 
merschiefer. 

Woher  hat  denn  der  Löss  hier  seinen  Kalk  bezogen? 
Diese  Fragen  sind  hinreichend,  um  die  Meinung  zu  wider- 
legen, der  Löss  sei  nichts  Anderes,  als  Gletscherschlamm.  Wäre 
diess,  so  müsste  er  noch  gegenwärtig  sich  bilden;  denn  es  gibt 
in  der  Schweiz .  in  Tirol  und  Salzburg  noch  heutigen  Tages 
Gletscher.  Der  Gletscherschlamm  besteht  aus  zerriebenem  Ge- 
stein, ebenso  wie  der  Gletscherschutt  aus  den  von  den  Sturz- 
und  Gletscherbächen  ihrem  felsigen  Gerinne  entrissenen  Trüm- 
mern. Alle  Gletscherbäche  führen  diesen  Schutt  und  Schlamm 
noch  gegenwärtig,  oft  in  ungeheuren  Massen,  in  die  Tiefe,  wie 
die  Rhone,  Reuss,  Etsch,  Passer,  der  Inn,  die  Salzach  und  viele 
andere  Flüsse  in  den  Alpen.  Die  letztere  setzt  ihren  Schlamm 
schon  beim  Reginn  an  dem  prachtvollen  Wasserfall  der  Krimi 
ab  und  der  Rhein  ist  oberhalb  Rheineck,  bevor  er  den  Rodensee 
erreicht,  ganz  überfüllt  von  Schutt  und  Schlamm,  er  wird  wohl 
heute  noch  ebenso  trübe  fliessen,  als  zur  Zeit  der  grossen  Glet- 
scher, aber  keiner  dieser  Flüsse  setzt  noch  Löss  an  seinem  Ufer 
ab,  der  Schlamm  am  Recken  der  Wasserfälle  aber  ist  ausgetrocknet 
nur  ein  feinkörniger,  völlig  loser  Sand. 

Ebensowenig  kann  er  aber  auch  durch  Zersetzung  des  Lias- 
mergelschiefers  entstanden  sein.  Ich  weiss  zwar  nicht,  ob  er 
irgendwo  auf  diesem  Gesteine  lagert,  soviel  aber  weiss  ich,  dass 
er  ohne  Unterschied  den  Thon-  und  Glimmerschiefer,  den  Granit 
und  Syenit,  Porphyr,  Zechstein,  Plänerkalk  und  Plänermergel, 
den  Rasalt,  die  Doleritlava,  die  Grauwacke  und  zuweilen  auch 
den  Thon  überdeckt,  meist  aber  von  diesen  Gebirgsarten  durch 
eine  mächtige  Lage  von  Geröllschutt  abgeschnitten  wird. 

Im  Norden  von  Deutschland  besteht  dieser  Schult  aus  Mee- 
resgeschieben oder  abgeschliffenen  Trümmern  aller  möglichen  Ge- 
steine, bisweilen  mit  nordischen  Granit-  und  Gneissblöcken  un- 
termengt, im  Donauthale  aufwärts  von  Wien  dagegen  enthält  er 
nur  Flussgeschiebe,  meist  aus  dem  in  der  Nähe  anstehenden 
Sand-  und  Kalkstein  bestehend.  Denn  die  Meeres- Alluvionen 
haben  den  Grenzwall  zwischen  Nord-  und  Süd-Deutschland,  die 
Sudeten,  das  Lausitzer  Gebirge,  das  Erzgebirge,  das  Fichtelge- 

10 


148 

birge.  das  Thüringer- Wald- Gebirge,  sowie  die  Rhön  und  übrigen 
Gebirge  nicht  überstiegen.  Lagert  aber  der  Löss  zum  grössten 
Theile  auf  Gerollen  und  Geschieben,  gleichviel,  ob  sie  durch 
Fluss-  oder  Meeresflulhen  angelagert  wurden,  so  kann  er  auch 
nicht  durch  Zersetzung  des  Liasrnergelschiefers  entstanden  sein, 
da  müsste  er  wenigstens  an  der  Auflagerungsgrenze  noch  Trüm- 
mer dieser  Gebirgsart  mit  sich  führen. 

Der  Zechstein,  Planerkalk  und  Plänermergel  könnten  aller- 
dings das  Material  geliefert  haben.  Wir  finden  aber  diese  Ge- 
steine nicht  überall  mit  Löss,  sondern  auch  z.  Th.  mit  Lehm  be- 
deckt und  den  Löss  dagegen  auch  ohne  Zwischenglied  und  un- 
mittelbar auf  Granit,  Porphyr,  Basalt  und  Doleritlava  abgelagert 
in  einer  Gegend,  wo  es  keine  Kalkgesleine  in  seiner  Nähe  gibt. 
Wäre  aber  der  Löss  aus  dem  Zechstein  hervorgegangen,  so 
müsste  er  auch  in  der  Gegend  von  Geithain  und  Gössnitz  zu  fin- 
den sein.  Hier  ist  aber  nichts  davon  zu  spüren  und  ebensowenig 
enthält  er  Trümmer  desselben  eingemengt.  Wir  müssen  hier  die 
Frage  wiederholen: 

Wie  ist  er  denn  in  dieser  Gegend  zu  seinem  Kalk  und 
Talk  gekommen,  und  würde  der  Löss  in  der  Nord-  und 
Ostsee-Niederung  und  überhaupt  in  so  grosser  Verbreitung 
zu  finden  sein,  wenn  er  lediglich  aus  dem  Liasmergel  her- 
vorgegangen wäre? 

Wir  komttien  zu  der  dritten  Meinung,  wonach  der  Löss 
früher  bloss  Lehm  gewesen,  der  seinen  kohlensauren  Kalk  durch 
einsickerndes  Regenwasser  erhalten  habe. 

Da  jedoch  dns  Regenwasser  an  sich  selbst  keinen  Kalk  ent- 
hält, so  könnte  derselbe  nur  durch  Auslaugung  aus  den  oberen 
in  die  unteren  Schichten  geführt  worden  sein  und  ebendesshalb 
sollen  diese  auch  mehr  davoa  entlialten,  als  die  oberen. 

Nicht  überall  aber  ist  der  Löss  von  Lehm  bedeckt,  er  geht 
bisweilen,  wie  in  der  Gegend  von  Meissen  und  Lommatsch.  völlig 
frei  zu  Tage  aus,  was  auch  in  der  Eifel  zwischen  Brohl  und 
Wassenach  und  an  manchen  andern  Orten  der  Fall  ist.  Nun 
muss  man  sich  zwar  auf  den  Einwand  gefasst  halten:  Hier  sei 
der  Lehm  später  hinweggespült  worden,  es  sei  bloss  der  Löss 
oder  kalkhaltige  Lehm  zurückgeblieben.  Wir  können  dieses  Weg- 
spülen auch  unbedenklich  zugeben,  es  fragt  sich  nur: 


I 


449 


Enthält  denn  der  Lehm  überhaupt  kohlensauren  Kalk  und 
ist  daher  eine  Auslaugung  desselben  denkbar?  - 

Diese  Frage  muss  aber  unbedingt  verneint  werden,  der  Lehm 
enthält  niemals  Kalk,  oder  doch  nur  äusserst  wenig,  wie  der 
Grandlehm  z.  B.  zuweilen  ein  Bröckchen  Kalktuff,  Kreide  oder 
Plänerkalk,  auch  überdem  ganz  andere  Mineralfragmente,  er  mag 
den  Löss  bedecken,  oder  unmittelbar  auf  dem  festen  Gesteine  des 
Grundgebirgs,  oder,  wie  gewöhnlich,  auf  Geröllschutt  lagern.  Er  kann 
mithin  auch  keinen  Kalk  durch  Auslaugung  verloren  und  an  seine 
unteren  Schichten  abgegeben  und  diese  somit  in  Löss  verwandelt 
haben.  Nach  meinen  Beobachtungen  enthält  auch  der  letztere  gerade 
umgekehrt  in  den  oberen  Teufen  —  von  Schichten  kann  überhaupt 
beim  Löss  gar  nicht  die  Rede  sein  —  oft  mehr  kohlensauren 
Kalk,  als  in  den  unteren  und  sonach  hat  auch  diese  Meinung 
keinen  Grund  für  sich,  noch  weniger  aber  die  Ansicht,  welche 
behauptet,  der  Löss  sei  nichts  weiter,  als  die  Wirkung  gewöhn- 
licher Regengüsse. 

Hiernach  müsste  der  meiste  Löss  vorhanden  sein  überall, 
wo  es  viel  regnet,  in  Deutschland  mithin  hauptsächlich  auf  wal- 
digen Rückengebirgen  und  'in  Hochthälern  der  Alpen ,  wie  auf 
dem  flachen  Rücken  des  Erzgebirgs,  im  Böhmer- Wald-Gebirge, 
im  Firhtt^lgebirge,  im  Frankenwalde  und  in  allen  Felsengründen 
der  Hochgebirge;  denn  diese  werden  bekanntlich  weit  mehr  von 
Regen  getränkt  als  das  Flachland  in  den  Niederungen.  Hier  ist 
aber  gleichwohl  keine  Spur  von  Löss  zu  linden ,  nicht  einmal 
Lehm.'  Der  flachgrundige  Boden  ist  hier  durchaus  nur  aus  seinem 
Grundgebirge  hervorgegangen  und  in  den  Thälern  theils  Moor, 
theils  Fluss-Alluvialschutt  und  wenn  auch  hier  und  da  in  den  Ge- 
senken, Hohlen  und  Thalwellen,  in  den  FIuss-,  Bach-  und  Quellen- 
thälern  ein  schwaches  Flötz  von  bündigem,  lehmartigem  Boden 
zu  sehen  ist,  so  kann  man  sich  doch  leicht  überzeugen,  dass  er 
lediglich  durch  Aufschlickung  der  von  den  nächsten  Thalgehän- 
gen abgespülten  Stauberde  und  dem  Grus  und  Getrümmer  des 
Grundgebirgs  entstanden  sei,  es  ist  lediglich  primitiver  Boden, 
oder  auch  ein  aus  der  höheren  Gegend  angeschwemmter  Fluss- 
lehmboden. 

Nun  lässt  sich  zwar  einwenden:  nicht  dieser  Boden  sei  hier 
gemeint,  sondern  derjenige,  welchen  die  Regengüsse  aus  den 


150 


Gebirgen  in  die  Tiefe  herabgeführt  und  über  die  weiten  und 
breiten  Flussthäler  ausgebreitet  und  abgelagert  hätten.  Wir  müs- 
sen hier  aber  die  Frage  aufwerfen: 

Führen  denn  die  Regengüsse  stets  nur  Löss  herab  und 
wenn  diess  wäre,  warum  liegt  denn  oft  der  Löss  nur  auf 
der  einen  und  zwar  höheren  Uferseite  und  auf  der  an- 
deren keiner  und  müsste  er  sich  nicht  noch  heute  bilden  ? 
Diesen  Nachweis  wird  man  aber  schuldig  bleiben. 
Ich  habe  hiermit  die  Gründe  oder  vielmehr  nur  die  Zweifel 
angegeben,  welche  sich  gegen  die  bisherigen  verschiedenen  Mei- 
nungen über  die  Entstehung  des  Lössmergels  aufstellen  lassen, 
welche  aber  insgesammt  nur  dadurch  entstanden  sein  können, 
dass  man  den  Löss  keiner  näheren  Untersuchung  gewürdigt,  son- 
dern im  Allgemeinen  nur  für  eine  kalkhaltige  Varietät  des  Leh- 
mes und  mit  diesem  in  der  Hauptsache  als  identisch  angesehen 
hat.    Indem  ich  aber  dieser  Behauptung  mit  Bestimmtheit  wider- 
spreche ,  wird  man  wohl  sicherlich  auch  die  Gründe  für  meine 
Ansicht  vernehmen  wollen   und  es  möge  mir  daher  vergönnt 
sein,  dass  ich  sie  nachstehend  mittheile,  wenn  sie  auch  nur  an- 
regen sollten,  die  Sache  einer  weiteren  Untersuchung  zu  unterwerfen. 

Der  Löss  ist  allerdings  dem  Lehme,  wenigstens  dem  Glim- 
merlehme, *  der  ihn  gewöhnlich  zunächst  bedeckt,  äusserlich  sehr 
ähnlich,  er  ist  aber  kein  Lehm,  auch  keineswegs  mit  diesem 
gleichzeitig  entstanden. 

Der  Löss  ist  eine  Mergelart,  von  Farbe  lichtgraulich  bis 
bräunlich-  oder  ockergelb,  im  Gefüge  zwar  bündig,  aber  locker, 
feinerdig  und  mehlig  abfärbend.  Bruch  und  Schnitt  sind  matt, 
er  klebt  an  der  feuchten  Lippe  und  erweicht  unter  Wasser  so- 
fort zu  einem  milden ,  fetten  und  schleimartigen  Schlamm.  Es 
zeigen  sich  keine  sichtlichen  Gemenglheile ,  ausser  dass  er  zu- 
weilen viele  Glimmerflitter,  auch  kleine  Flocken  einer  weissen, 
kreideartigen  Substanz  eingesprengt  enthält.  Er  lagert  stets  un- 
geschichtet und  bildet  auch  da,  wo  er  in  40 — 50'  hohen,  senk- 
rechten Wänden  abgestochen  vor  uns  liegt,  in  seiner  ganzen 

Herr  von  Bennigsen-Förder  nennt  ihn  Lösslehni:  ich  brauche  aber 
das  Wort  Lehm  gegenwärtig  nicht  mehr  in  Verbindung  n)it  Löss.  oder  Mergel 
überhaupt,  denn  beide  sind  der  Zeit  wie  dem  Wesen  nach  2  ganz  verschie- 
dene Bodcnarien. 


151 


Mächtigkeit  nur  eine  dicht  geschlossene,  völlig  gleichartige  Masse, 
es  sinri  keine  Schichtungs-  oder  Absonderungskltifte  zu  bemer- 
ken. Doch  finden  sich  in  5,  10 — 15'  Tiefe  bisweilen  sehr  reich- 
lich die  Gehäuse  von  kleinen  Land-  und  Sumpfschnecken  einge- 
mengt. Diese  treten  deutlich  hervor,  weniger  die  ebenfalls  in 
dieser  Tiefe  sehr  häufig  vorkommenden  Kalkmergelnieren  oder 
sogenannten  Lösskindel. 

Die  in  den  erdreichen  Boden  unsichtlich  eingemengten,  festen, 
noch  unzersetzten  Mineralfragmente ,  welche  aber  erst  nach  der 
Abschlämmung  zum  Vorschein  kommen,  bestehen  in  feinkörnigem 
Kalk-  und  Qi^^arzsand ,  dem  sich  nicht  selten  auch  Glimmer  bei- 
gesellt, hauptsächlich  aber  in  kleinen,  zerstückelten,  zarten  Röhr- 
chen und  Nieren  von  Kalktuff,  wie  sie  sich  bisweilen  auch  im 
festanstehenden  KalktufF  zeigen.  Sie  finden  sich  allerwärts  im 
Löss  und  in  allen  Tiefen  und  ergeben  sich  als  Incrustationen 
von  Pflanzenfasern.  Denn  in  den  stärksten  Röhren  hat  sich  bis- 
weilen noch  der  verkohlte  Kern  dieser  Fasern  oder  Wurzeln  er- 
halten, der  sich  wie  ein  schwarzer  Faden  hindurchzieht  und  die 
einzelnen  Theile  der  jedenfalls  erst  beim  Seifen  oder  Abschläm- 
men zerbrochenen  Röhren  noch  zusammenhält.  Wahrscheinlich 
sind  auch  die  korallen-,  trauben-  oder  knollenförmigen  Kalk- 
mergelnieren durch  Übersinterung  verwesender  organischer  Kör- 
per entstanden.  Übrigens  finden  sich  auch  bisweilen  mitten  im 
Löss  deutliche  Abdrücke  von  Pflanzenstengeln. 

Grösstentheils  lagert  der  Löss  auf  Geröllschutt,  von  w^elchem 
er  in  wagrechter  Richtung  scharf  abgeschnitten  wird  und  nur 
bisweilen  ziehen  sich  einige  Schweife  oder  Schnüre  von  Sand 
und  Kies  in  ihn  hinein,  aber  auch  da,  wo  er  unmittelbar  auf  dem 
Grundgebirge  lagert,  mengen  sich  doch  selten  einige  Bröckchen 
desselben  mit  ein. 

Aller  Lössmergel  enthält  kohlensauren  Kalk  und  Talk,  er  ist 
mit  diesen  Stoffen  innig  vermengt,  nicht,  wie  zuweilen  der  Grand- 
lehm, bloss  an  einzelnen  Stellen,  er  brausst  und  schäumt  daher 
auch,  mit  Säuren  benetzt,  in  seiner  ganzen  Masse  sofort  stark 
auf.  Die  Menge  dieser  Stoffe  ist  aber  sowohl  in  verschiedenen 
Gegenden  als  auch  an  einer  und  derselben  Stelle  in  verschiede- 
nen Tiefen  ausserordentlich  wandelbar. 

Nach  Herrn  Krockeb's  und  Bischof's  Analysen  beträgt  im 


152 


Rheinthale  zwischen  Worms  und  Mainz,  sowie  in  der  Gegend 
von  Bonn  die  kohlensaure  Kalkerde  12 — 36,  die  kohlensaure 
Magnesia  1 — 4%,  im  Wiener  Becken  bei  Pilten  nach  Herrn  von 
Hauer  die  erstere  30,68,  die  letztere  dagegen  12,33^/o.  Im  Elb- 
thale  wechselt  der  Gehalt  an  kohlensaurem  Kalk  auf  6  verschie- 
denen Puncten  in  einer  Tiefe  von  3 — 16'  nur  zwischen  7  und  11 
und  die  kohlensaure  Magnesia  zwischen  1  und  4'7o,  und  in  der 
norddeutschen  Ebene  zwischen  Elbe  und  Weichsel  beträgt  die 
erstere  nach  H.  von  Bennigsen- Förder  im  Durchschnitt  nur 
Die  übrigen  Elementarstoflfe  sind 

Kieselsäure  60 — 70 

Thonerde  5—10 

Eisenoxyd     4 — 5 
nebst  Kali,  Natron  und  Spuren  von  Phosphorsäure. 

Im  Königreiche  Sachsen  reicht  der  Löss  nur  bis  auf  Höhen 
von  600',  er  hat  die  Firste  der  Wasserscheide  zwischen  der  Elbe 
und  Fr.  Mulde  nicht  überstiegen  und  lagert  daher  nur  an  der 
nordöstlichen,  der  Elbe  zugekehrten  Abdachung  derselben.  Der 
höchste,  der  Mulde  am  nächsten  gelegene  Punct,  wo  er  sich  findet, 
ist  Rittmitz  bei  Döbeln.  Dieser  wird  sich  aber  wenig  über  600' 
erheben.  Möglicherweise  könnte  er  auf  diesem  Wege  bis  ins 
Muldethal  eingedrungen  sein.  Zwar  findet  er  sich  auch  auf  den 
Hügelrücken  zwischen  Meissen  und  Grossenhain,  oder  zwischen 
der  Elbe  und  Röder  in  der  Gegend  von  Wantewitz,  Piskowitz, 
Kmehlen  und  Blattersleben,  doch  wird  derselbe  schwerlich  eine 
Meereshöhe  von  600^  erreichen.  Die  schon  von  Herrn  K.  C.  von 
Leonhard  und  neuerlich  wieder  von  Herrn  Quenstedt  *  erwähnten, 
im  Rheinthale  so  häufig  vorkommenden,  senkrecht  eingeschnitte- 
nen, tiefen  Hohlwege  finden  sich  übrigens  auch  im  Elbthale,  be- 
sonders zwischen  Lommatsch  und  Mügeln.  Sie  sind  es,  welche 
uns  über  das  Vorkommen  und  die  Verbreitung  des  Lössmergels 
nicht  selten  Aufschluss  geben. 

Wir  müssen  aber  auch  den  Lehmboden  vorerst  nach  seinen 
unterscheidenden  Merkmalen  kennen  lernen,  wenn  wir  nicht,  wie 
diess  bisher  geschehen ,  Löss  und  Lehm  für  eine  und  dieselbe 
Sache  halten  wollen. 


*  Geologische  Ausflüge  in  SchwabeD.    Tübingen,  1864.    S.  55. 


153 


Der  Lehm  hat  einen  grösseren  Spielraum ,  einen  viel  wei- 
teren Verbreitungsbezirli,  er  reicht  im  Königreiche  Sachsen  und, 
so  weit  mir  bekannt,  im  ganzen  nördlichen  Deutschland  viel 
weiter  hinauf,  als  der  Löss.  Seine  äusserste  Grenze  ist  eine 
Meereshöhe  von  llOü',  doch  kommt  er  hier,  ebenso  wie  die 
Meeresgeschiebe,  nur  noch  in  vereinzelten,  schwachen  Plötzen 
zum  Vorschein ,  an  allen  steilen  Gehängen  und  z.  Th.  auch  auf 
flachen  Gebirgsebenen  tritt  hier  schon  das  Grundgestein  mit  sei- 
nem eigenen,  an  der  Atmosphäre  zersetzten  Boden  hervor. 

Der  Löss  ist  daher,  wo  er  nicht  offen  zu  Tage  liegt,  stets 
mit  Lehm  und  zwar  zumeist  mit  einer  schwachen  Schicht  von 
Glimmerlehm  und  dieser  mit  Thonlehm  bedeckt,  niemals  liegt  der 
Lehm  unter  dem  Löss.  Ob  diese  Erscheinung  eine  allgemeine 
Senkung  und  Wiedererhebung  der  ganzen  Bodenfläche  voraus- 
setze, bleibt  dahingestellt. 

Der  Lehm,  worunter  wir  hier  nur  den  Thonlehm  verstehen, 
dessen  Mächtigkeit  oft  20 — 30'  beträgt,  ist  ein  bündiges,  ziem- 
lich festes,  graulich-  bis  ockergelbes  Erdreich.  Er  lässt  sich 
zwar  bröckeln,  aber  nicht  zerreiben,  ist  feinkörnig  bis  dicht,  ent- 
hält keine  sichtlichen  Geniengtheile ,  färbt  wenig  ab  und  bildet 
im  durchnässten  Zustande  eine  schlüpfrige,  geschmeidige  und  füg- 
same (plastische)  Masse,  daher  er  auch  in  unzähligen  Ziegeleien 
zu  Dach-  und  Mauerziegeln ,  Platten  und  in  Gegenden ,  wo  es 
keine  Werksteine  gibt,  selbst  zu  architektonischen  Verzierungen 
nach  Schablonen  verstrichen  wird.  Er  ist  in  mächtigen  Ablage- 
rungen stets  geschichtet,  in  unteren  Teufen  z.  Th.  plattenförmig 
abgesondert,  in  den  oberen  dagegen  findet  häufig  eine  band- 
artige Streifung  von  dunkelen  und  hellen  Lagen,  oder  auch  eine 
Wechsellagerung  von  dichtem  Lehm  mit  Sand  und  Geröllschutt 
statt  und  wo  auch  dieser  fehlt,  wo  sich  die  ganze  Masse  in  Farbe 
und  Gefüge  gleich  bleibt,  ergibt  sich  wenigstens  durch  Abschläm- 
mung, dass  er  periodisch  oder  schichtenartig  sich  abgelagert  ha- 
ben müsse,  in  der  Verschiedenheit  der  eingemengten,  noch  un- 
zersetzten  Mineralien. 

Diese  bestehen  zwar  grösstentheils  in  grobem  und  feinkör- 
nigem Sand  von  Quarz  und  Silicatgesteinen,  doch  zeigen  sich  oft 
auch  kleine,  knollenförmige  Trümmer  eines  faulen,  schwarzbrau- 
nen Gesteins,  das  sich  nicht  mehr  bestimmen  lässt.    Oft  ist  der 


154 


feste  Rückstand  dieses  Bodens  nur  Ouarzsand ,  oder  auch  ein 
braunes  Pulver  irgend  eines  zersetzten  Gesteins  und  so  ändert 
sich,  wenn  man  den  Boden  in  verschiedener  Tiefe  von  Stufe  zu 
Stufe  untersucht,  fast  in  jeder  Schicht  sowohl  das  Wesen  als 
die  Menge  seiner  Mineralfragmente.  Gewöhnlich  hält  auch  der 
Obergrund  an  1 — iO^  q  mehr  von  diesen  noch  unzersetzten  Ge- 
mengtheilen.  als  der  Untergrund,  doch  nur  bis  zu  einer  gewissen 
Tiefe.  Glimmerj  meist  silberweiss,  zeigt  sich  bloss  in  Staubform 
eingesprengt. 

Da,  wo  er  nur  seicht  unmittelbar  auf  dem  Grundgebirge 
lagert,  finden  sich,  wenigstens  im  Untergrunde,  häufig  auch  ein- 
zelne Trümmer  desselben  mit  eingemengt,  wie  in  der  Lausitz 
die  den  dasigen  Granit  bezeichnenden  weissen  Feldspathbröckchen 
und  tombackbrauner  bis  grüner  Glimmer. 

Der  Hauptbestandtheil  des  Lehmbodens,  die  Kieselerde,  be- 
trägt im  Durchschnitt  90  und  es  bleiben  daher  für  die  wesent- 
lichen Nebenbestandtheile,  die  Thonerde,  das  Eisen-  und  Man- 
ganoxyd.  das  Kali  und  die  übrigen  zufälligen  Stoffe  nur  10^  o 
zurück. 

Wie  gesagt,  enthält  der  Lehm  niemals,  oder  doch  nur  äus- 
serst wenig  kohlensauren  Kalk  und  Talk,  mithin  auch  keine  Kalk- 
iiiergelnieren  und  Kalktuff-Incrustate,  wohl  aber  hin  und  wieder 
^'2  — 1^2  Zoll  starke  und  1 — 2  Ellen  lange  Eisennieren,  oder  viel- 
mehr hohle  Stalaktiten  von  rothem  Thoneisenstein.  Sie  ergeben 
sich  ebenfalls  als  Übersinterungen  von  Pflanzenwurzeln  und  ent- 
standen jedenfalls  in  derselben  Weise,  wie  die  hohlen  Röhren 
von  Eisenoxyd  oder  Eisenoxydhydrat,  welche  sich  um  die  Binsen 
und  andere  Pflanzenstengel  im  eisenschüssigen  Lettenboden  bilden. 
Wahrscheinlich  durch  die  Kohlensäure  einer  verwesenden  Wurzel 
angezogen  legt  sich  um  dieselbe  ein  rostbrauner  Ring  von  locke- 
rem Eisenocker.  Wenn  man  die  anfänglich  noch  weiche  Masse 
quer  durchschneidet,  so  bemerkt  man  eine  vom  Mittelpuncte  ra- 
dial auslaufende,  faserige  Structur  derselben.  Am  Ende  verwest 
jedoch  die  Wurzel,  die  Masse  erhärtet  und  wird  zu  einer  hohlen 
Röhre  von  festem  Thoneisenstein.  Ähnliche ,  aber  ganz  kleine, 
zarte  Röhrchen  sind  mir  übrigens  auch  in  dem  unter  dem  Torfe 
lagernden  Moorletten  vorgekommen. 

Schon  aus  der  Lagerung  erkennen  wir,  dass  der  Lössmergel 


455 


nicht  gleichzeitig  mit  dem  Lehme  entstanden  sein  könne  und  da- 
her habe  ich  ihn  auch  bereits  in  den  »Acl^ererden  des  Kö- 
nigreichs Sachsen,  Leipzig, /855«  für  eine  selbstständige  und 
vom  Lehme  völlig  unabhängige  Formation  erklärt,  er  ist  unbe- 
dingt eine  ältere,  abgeschlossene  Bildung.  Diess  führt  uns  aber 
natürlich  auf  die  Frage  nach  dem  eigentlichen  Ursprünge  dieses 
Bodens. 

Wir  blicken  hier  freilich  in  einen  Abgrund,  in  eine  Tiefe 
der  Vergangenheit  hinab,  in  der  wir  nichts  mehr  mit  Gewissheit 
erkennen,  wir  können  nur  rathen  und  meinen  und  müssen  schon 
mit  einer  Hypothese  zufrieden  sein,  die  nicht,  wie  die  vorigen 
Meinungen ,  durch  directe  Gegenbeweisgründe  sofort  zu  wider- 
legen ist.    Wir  wollen  es  versuchen. 

Nach  Herrn  V.  Bennigsen-Förder  *  entstammen  die  Polythalamien 
im  Lehmmergel  und  in  seinen  lössartigen  Varietäten  ganz  unzweifel- 
haft aus  der  Kreideformation.  Unter  der  grossen  Zahl  von  sol- 
chen aus  der  Kreide  verschwemmten  Polythalamien  sind  beson- 
ders Textilaria-  und  Rotalia- Arien  die  verbreitetsten  und  daher 
zu  Bestimmung  der  Gebilde  die  geeignetsten.  —  Sie  zeigen  sich 
im  Löss  des  ganzen  Rheinthaies  und  selbst  der  nördlichen  Schweiz, 
auch  im  Lehmmergel  aus  Böhmen,  Schlesien,  Posen,  Preussen, 
im  Lössmergel  von  Sachsen,  Magdeburg,  Köthen,  Mecklen- 
burg, Pommern  u.  s.  w.  fehlen  sie  nicht.  In  der  jüngeren  Quar- 
tärbildung,  im  Lehme  finden  sich  dagegen  weder  Bryozoen,  noch 
Polythalamien,  oder  nur  ganz  ausnahmsweise,  z.  B.  wenn  Kreide- 
bruchstücke darin  vorkommen. 

Ich  habe  nun  zwar  schon  in  vorerwähnter  Schrift  die  Ver- 
muthung  ausgesprochen,  dass  der  Löss  mit  dem  oberen  Quader- 
mergel  oder  der  Kreide,  die  früher  wahrscheinlich  einen  grossen 
Theil  des  Elbthales  bedeckte,  in  naher  Beziehung  stehen  müsse. 
Allein  wäre  auch  das  ganze  Elbthal  damit  ausgefüllt  gewesen, 
so  kann  er  dennoch  keineswegs  unmittelbar  aus  ihr  hervorge- 
gangen sein.  Da  fehlen  wenigstens  die  Flint-  oder  Feuerstein- 
Geschiebe.  Zwar  kommen  diese  in  der  Gegend  von  Ostrau  bei 
Döbeln  und  überall,  wo  er  auf  Geröllschutt  lagert,  sehr  häufig 


*  Das  nordeuropäische  und  besonders  das  vaterländische  Schwemmland 
u.  s.  w.    Berlin,  186S.    S.  36. 


156 


vor ,  aber  die  Mehrzahl  der  Gerolle  besteht  aus  weissem  Qmrz 
und  anderen  kieselhaltigen  Gesteinen,  im  Lössboden  selbst  aber 
findet  sich  kein  Feuerstein  oder  doch  höchstens  ein  sehr  kleines 
Bröckchen.  Übrigens  sollte  man  meinen,  müsse  sich  die  Kreide 
und  der  Löss  darauf  doch  an  irgend  einer  geschützten  Stelle 
noch  erhalten  haben,  es  ist  aber  bis  jetzt  keine  Spur  davon  ent_ 
deckt  worden,  im  Gegentheile  liegt  er  in  Sachsen,  wie  gedacht, 
ohne  Unterschied  ebensowohl  auf  Pläner,  als  auf  Granit,  Syenit, 
Porphyr,  Zechstein,  Thon-  und  Glimmerschiefer. 

Die  Kreide  enthält  ferner  keinen  Glimmer,  wohl  aber  ist  der 
Löss  oft  sehr  reichlich  damit  durchsprengt. 

Die  Kreide  besteht  fast  ganz  aus  kohlensaurem  Kalk  und 
selbst  der  Plänerkalk  enthält  noch  gegen  10%  desselben,  aber 
der  Lössmergel  des  Elbthales  im  Durchschnitt  nur  9— lO^o,  sein 
%  Hauptbestandtheil  ist  die  Kieselerde. 

Hiernach  zu  urtheilen ,  kann  er  schwerlich  aus  der  Kreide, 
oder  aus  irg^'nd  einem  anderen  Kalkgesteine  unmittelbar  durch 
Zersetzung,  sondern  lediglich  durch  Niederschlag  aus  kalkhaltigem 
Schlammgewässer  entstanden  sein,  möge  der  Kalk  darin  in  schwe- 
bendem oder  in  chemisch  aufgelöstem  Zustande  sich  befunden 
haben. 

Es  muss  also  zu  der  Zeit,  als  der  Löss  des  Elbthales  sich 
abzulagern  begann,  das  Weltmeer  gegen  300'  höher  gestanden 
haben,  als  gegenwärtig.  Das  Elbthal  war  mithin  zu  dieser  Zeit 
von  Lommatsch  abwärts,  gleichwie  die  ganze  norddeutsche  Ebene 
noch  offenes  Meer,  nur  wenige  Holme,  wie  der  Kolmberg  bei 
Oschatz  und  einige  andere  Hügel  ragten  daraus  hervor,  thalauf- 
wärts  aber  war  es  eine  weite  Bucht,  die  sich  erst  von  Meissen 
aus  allmählich  zusammenzog.  In  dieser  Bucht  setzte  das  Mergel- 
meer, und  zwar  am  linken  Ufer,  durch  das  höher  aufsteigende 
Gehänge  geschützt,  seine  Schlamm-Niederschläge  ruhig  ab. 

Doch  mit  der  allmählichen  Erhebung  des  Landes  sank  das 
Meer  und  bedeckte  nur  noch  seicht  die  wellenförmige  Hügel- 
ebene, welche  von  Meissen  aus  nach  Lommatsch  und  Mügeln  zu 
immer  weiter  von  der  Elbe  zurücktritt  und  sich  dem  Höhenzuge 
zwischen  der  Mulde  und  Elbe  nähert,  bis  es  nach  Jahrtausenden 
vielleicht  auf  seinen  jetzigen  Wasserspiegel  sank. 

In  dieser  Hügellandschaft,  dieser  grossen  Strandlagune,  setzte 


157 


sich  der  kalkhaltige  Fluss  und  Meeresschlamm  aus  dem  bei  jedes- 
maliger Fluth  aufgestauten  Wasser  gleichfalls  ruhig  ab,  ebenso 
wie  noch  jetzt,  doch  nur  in  den  vor  Sturm-  und  Wogenandrang 
geschirmten  Buchten,  der  Meeresschlamm  auf  den  Watten  an  der 
Nordseeküste  sich  niederschlägt  und  so  noch  fortwährend  neue* 
Marschland  bildet. 

Dieser  schlammige  Boden  belebte  sich  auch  bald  mit  Algen 
und  Wassermoosen,  deren  Gefaser  sich  mit  Kalktuff  überzog. 
Jetzt,  nach  Jahrtausenden,  nachdem  fast  alles  Organische  ver- 
west, sehen  wir  freilich  nur  noch  die  hohlen  Incrustate,  die  sie 
zurückgelassen  haben. 

Ebenso  fanden  sich  in  diesem  Moorschlamm  hin  und  wieder 
auch  Schnecken  ein,  doch  kommen  dieselben  Schnecken  viel  weiter 
abwärts ,  auch  im  Kalkmoorboden  der  Fuhne  bei  Radegast  auf 
einer  Fläche  von  ca.  200'  Höhe  vor,  wo,  in  der  nächsten  Um- 
gebung wenigstens,  nichts  von  Löss  zu  spüren  ist. 

Die  Bildung  dieses  Bodens  im  Königreich  Sachsen  hält  also 
mit  dem  muthmasslichen  Mergelmeere  gleichen  Schritt ,  sie  be- 
gann auf  Höhen  von  600'  und  schliesst  am  Fusse  des  linken  Elb- 
gehänges in  einer  Höhe  von  300',  als  das  Mergelmeer  so  weit 
gesunken  war.  Die  höchsten  und  tiefsten  Puncte ,  die  hier  der 
Löss  erreicht,  sind  die  Höhen  von  Glaucha  und  Rittmitz  bei  Dö- 
beln ,  die  Höhe  von  Hohenwussen  bei  Mügeln ,  die  Höhe  von 
Wantewitz  bei  Grossenhain  und  der  Hügelrücken  südwestlich 
von  Meissen  an  der  Strasse  nach  Nossen,  sowie  das  Elbufer  bei 
Cotta  und  Wildberg  unterhalb  Dresden.  Ebenso  isolirt,  wie  bei 
Wantewitz,  Baslitz  und  Blattersleben  j|t  auch  der  Hügel  des  Pe- 
tersberges bei  Halle  (angeblich  548'  hoch)  mit  Löss  bedeckt. 

Doch  im  Ganzen  genommen  bildet  der  Löss  des  Elbthales 
nur  einen  schmalen,  durchschnittlich  Meile  breiten  Streif  Ob 
er  gleich  anfangs  sich  nicht  weiter  ausgebreitet,  oder  ob  er  später 
durch  eine  Strömung  wieder  entführt  worden  sei,  wird  sich  wohl 
nicht  entscheiden  lassen.  Ebenso  ungewiss  bleibt  es,  ob  zur 
Zeit  der  Lössbildung  noch  ein  Kreidemeer  bestanden  habe,  das 
freilich  nicht  allenthalben  feste  Kreide  abgeschieden  haben  kann, 
oder  ob  auch  das  MerQ-elmeer  die  im  Lössboden  vorkommenden 
Polythalamien  geführt  habe. 

Die  Schnecken  halte  ich  jedoch  keineswegs  für  ein  noth- 


158 


wendiges  Accessorium  des  Lössmergels ,  sie  finden  sich  auch  in 
anderem  Kalkboden  ,  wie  namentlich  in  der  Fuhne  und  hier  in 
grosser  Menge.  Die  Succinea  ohlonga  soll  dermalen  nur  noch  in 
den  Alpen  in  einer  Höhe  von  5000 — 7000'  lebend  zu  finden  sein. 
Am  Gamskarkogl  bei  Hofgastein  sah  ich  in  ca.  7000'  Höhe 
auf  der  unteren ,  hohl  liegenden  Fläche  vieler  Kalkglimmerschie- 
ferplatten eine  kleine,  graue  Schnecke  kleben.  Ob  diese  der  Fa- 
milie angehöre,  weiss  ich  aber  nicht,  denn  die  Schnecken  trugen 
kein  Gehäuse. 

Diess  ist  für  jetzt  meine  Ansicht  vom  Lössmergelboden. 
Allein  die  Untersuchung  ist  nur  erst  eröffnet^  noch  nicht  ge- 
schlossen, es  wird  wohl  überhaupt  für  die  sogenannten  Diluvial-, 
Alluvial-,  Glacial-,  Drift-  und  erratischen  Formationen  noch  Man- 
ches zu  berichtigen  und  zu  reguliren  geben. 


Näheres  über  das  Jodblei  aus  Atakaraa 


Herrn  Professor  Dr.  I£.  Tli.  Liebe 

in  Gera. 


Vor  Kurzem  sandte  der  Bergingenieur,  Herr  H.  Ferber  ein 
Kästchen  mit  Jodblei  aus  Chaearcillo  an  meinen  verehrten  Freund, 
Herrn  Commercienrath  Ferber,  und  brachte  so  letztern  in  Besitz 
dieses  seltenen  Minerals,  über  welches  er  schon  früher  geschrieben 
hatte,  er  habe  es  in  der  Sammlung  des  Herrn  Prof.  DoaiEYKO  in 
St.  Jago  unter  dem  Namen  Oxyjoduro  de  plombo  gesehen;  es 
seien  schlechte  Stücke  Bleischweif  mit  gelber,  opalartiger  Oxy- 
dationskruste aus  dem  Desierio  de  Atacama  gewesen,  und  es 
sei  das  Mineral  nur  ein  einziges  Mal  vorgekommen.  In  dem  Be- 
gleitschreiben sagt  Herr  Ferber:  »Neuerdings  bin  ich  in  den  Be- 
sitz von  einigen  Stücken  Jodblei  gekommen.  Es  sind  ziemlich 
viel  haselnussgrosse  und  grössere  Stückchen ,  an  denen  Etwas 
von  dem  fraglichen  Mineral  sitzt;  sie  sind  aber  so  übel  behan- 
delt, dass  sie  theilweiso  Gerollen  gleichen.  Ein  deutscher  Pro- 
birer,  Herr  Schwarzemberg  in  Copiapo,  dem  man  Erz  mit  gelber 
Kruste  brachte,  erkannte  dasselbe  als  Jodblei  und  machte  Herrn 
Domeyko  davon  Mittheilung.  Dieser  forderte  ihn  auf,  mehr  davon 
zu  sammeln.  Als  aber  der  Eigenthümer  der  Grube  sah,  dass 
man  eifrig  von  diesem  Erz  zu  haben  wünschte,  Hess  er  den  klei- 
nen Vorrath  auf  der  Grube,  die  in  Desierto  de  Atacama  liegen 
soll,  klar  pochen.  Das  Erz  wurde  dann  in  Säcke  gefüllt  und  nach 
Caldera  geschickt,  wo  es,  wie  es  scheint,  da  die  meisten  und 


160 


selbst  gute  Bergleute  hier  das  Bleierz  gar  nicht  kennen,  in  Folge 
der  Meinung,  es  sei  ein  reiches  Silbererz ,  gestohlen  worden  ist 
oder  sonstwie  abhanden  kam.  Wo  das  Erz  —  es  waren  nur 
einige  Säcke  —  gepocht  worden  ist,  da  wurden  die  beifolgenden 
Bröckchen  noch  zusammengelesen.  Herr  Schwarzemberg  ,  der 
ebengenannte  Entdecker,  hat  selbst  nur  ein  oder  zwei  leidliche 
Stückchen  und  die  beiden  beifolgenden  kleinen  Stückchen,  die 
nicht  so  sehr  beschädiget  sind,  hat  er  mir  gegeben.  Die  ganzen 
anderen  Brocken  aber  habe  ich  aus  dem  Pochrest ,  nachdem  ich 
ihn  gewaschen,  noch  ausgelesen.« 

Soweit  Herrn  Ferber's  Bericht.  —  Das  Muttererz  des  merk- 
würdigen Minerals  ist  ein  antimonhaltiger  Bleiglanz,  welcher  theils 
grossblätterig,  theils  kleinblätterig  oder  fast  dicht  erscheint,  und 
sich  vom  eigentlichen  Steinmannit  nur  dadurch  unterscheidet,  dass 
er  nur  Spuren  von  Schwefelarsen  und  Schwefeleisen  und  mehr 
Schwefelantimon  enthält  Selten  sitzt,  wie  diess  zuerst  Herrn 
Oberbergrath  Breithaupt  auffiel,  das  Jodblei  unmittelbar  auf  dem 
Bleiglanz:  meist  ist  es  getrennt  davon  durch  ein  amorphes,  schalig- 
gebändertes,  ziemlich  weiches,  graues  bis  schwärzliches  Mineral, 
wel(|jhes  deutlich  als  Ümwandlungs-Product  den  Bleiglanz  äusser- 
lich  umgibt  und,  Klüftchen  benutzend,  in  denselben  eindringt. 
Es  enthält  dasselbe  nur  sehr  wenig  Wasser,  ist  leicht  schmelz- 
bar, wird  in  der  Hitze  gelblich  und  hinterlässt  auf  Kohle  untor 
Ausgabe  von  reichlichen  Antimondämpfen  ein  Bleikorn.  An  Jod 
enthält  es  nur  schwache  Spuren.  Man  hat  es  demgemäss  für 
eine  Bleiniere  zu  erklären  mit  Beimengungen  von  Bleiglanzmulm 
und  von  Antimonbliithe. 

Auf  dieser  Bleiniere  nun,  oder  bisweilen  auch  unmittelbar 
auf  dem  Bleiglanz  ist  mit  scharfer  Abgrenzung  ein  gelbes  Mi- 
neral abgelagert,  bald  mehr  bald  weniger  rein,  —  allenthalben 
aber  stark  antimonhaltig.  Die  Beimengungen  bestehen ,  soweit 
sie  sich  an  einzelnen  Bröckchen  aussondern  lassen ,  in  erdiger 
Antimonblüthe  und  andern  Antimonoxydationen,  in  derbem  schwe- 
felsauren Bleioxyd  und  in  grünen  Kupfererzpartikelchen ,  welche 
letztere  aber  sich  nicht  an  allen  Stückchen  zeigen.  —  Die  eigent- 
liche Hauptmasse  des  Minerals  löst  sich  in  verdünnter  Salpeter- 
säure und  in  verdünnter  Salzsäure  nur  theilweise ,  indem  ausser 
den  schwer  löslichen  oder  unlöslichen  Beimengungen  auch  noch 


161 


Jodmetall  hinterbleibt.  Auch  Kalilauge  löst  das  Mineral  nur  lang- 
sam und  unvollständig.  Dagegen  ist  es  fast  vollständig  löslich 
in  heisser,  concentrirter  Salpetersalzsäure  (bis  auf  etwas  Bleisul- 
phat)  und  zwar  unter  Entwickelung  von  Untersalpetersäure  und 
Joddämpfen.  Im  Glaskölbchen  gibt  es  erst  eine  Spur  Wasser  ab,  wird 
dann  röthlich,  —  beim  Erkalten  aber  wieder  gelb  — ,  und  schmilzt 
zuletzt  leicht  unter  lebhaftem  Aufschäumen,  indem  sich  das  Kölb- 
chen  mit  violetten  Joddämpfen  anfüllt,  die  sich  in  Krystallblätt- 
chen  oben  niederschlagen.  Auf  Kohle  vor  dem  Löthrohr  stösst 
es  erst  Joddämpfe  und  dann  Antimonrauch  aus,  und  w^ird,  indem 
es  die  Kohle  mit  Bleioxyd  beschlägt,  zu  Blei  reducirt.  Mit  Soda 
zusammen  geschmolzen  und  mit  verdünnter  Schwefelsäure  be- 
handelt gibt  es  ausser  etwas  Schwefelwasserstoff  (vom  beige- 
mengten Bleisulphat)  reichlich  Jod  aus,  so  dass  sich  die  Flüssig- 
keit bräunlich  färbt,  und  dass  darüber  gehaltenes  Stärkekleister- 
papier blau  wird.    Phosphor-  und  Arsensäure  fehlen. 

Das  Mineral  ist  strohgelb  bis  ockergelb  und  honiggelb,  und 
zwar  ist  die  Farbe  um  so  schöner  und  reiner  honiggelb* je  reiner 
die  Substanz  ist.  Es  ist  amorph  und  derb  oder  erdig  bis  fein 
krystallinisch.  Auf  Drusenräumchen  erscheinen  äusserst  kleine, 
durchscheinende  Krystalle  von  schön  honiggelber  Farbe  und  dia- 
mantartigem Fettgianz,  deren  Gestalt  unter  dem  Mikroskop  eini- 
germassen  erkennbar  ist  und  mit  derjenigen  der  flachen  Eisen- 
spath-  oder  Mesitinspath-Rhomboeder  übereinzustimmen  scheint. 
Der  Bruch  ist  flachmuschlig,  wenig  uneben,  seltener  erdig;  der 
Strich  tief  strohgelb.  Das  Mineral  zeigt  sich  ferner  sehr  spröde 
und  steht  bezüglich  der  Härte  dem  zweiten  Grad  näher  als  dem 
dritten.  Das  specifische  Gewicht  des  gewöhnlichen  Vorkommens 
ist  6,2,  das  der  reinsten  Partien  6,3. 

Bei  der  quantitativen  Analyse  des  Minerals  wurde  das  Jod 
direct  bestimmt.  Da  durch  blosse  Erhitzung  eine  vollständige 
Abscheidung  dieses  Elements  nicht  erfolgte,  vielmehr  eine  nie- 
drigere und  consistentere  Jodationsstufe  zu  entstehen  scheint, 
wurde  das  Mineral  unter  einem  Strom  von  Chlorgas  erhitzt  und 
das  sich  abscheidende  Jod  in  verdünnte  Kalilauge  geleitet  (resp. 
am  Ende  der  Operation  gespült),  wobei  natürlich  auf  die  etwaige 
Bildung  von  Jodsäure  Rücksicht  genommen  ward.  —  Das  Chlor 
war  aus  dem  Mineral  abgeschieden  durch  vorsichtiges  Zusammen 

Jahrbuch  1867.  11 


162 


schmelzen  mit  kohlensaurem  Natron  und  durch  Auflösung  der 
Schmelze  in  stark  verdünnter  Salpetersäure.  Die  dabei  abgehen- 
den Gase  wurden  nochmals  in  verdünnte  Kalilauge  geleitel,  '■ — 
Die  Trennung  von  Chlor  und  Jod  erfolgte  in  beiden  Fällen  durch 
Chlorpalladium.  —  Das  Antimon  ward  getrennt  einmal  durch 
Schwefelammon  und  dann  zur  Controle  durch  Behandlung  des 
Gemenges  von  Cblorblei  und  Chlorantimon  mit  rectif.  Weingeist, 
und  ward  endlich  bestimmt  als  reducirtes  Metall. 
Es  fanden  sich  in  dem  Mineral; 


Antimon 

.  0,77 

Kohlensäure 

.  0,31 

Bleisulphat 

.  5,51 

Chlor     .    .  , 

2,91 

Jod   ...  . 

17,01 

Blei  .    .    .  , 

.  73,01 

Dazu  noch  eine  bedeutende  Menge  von  Sauerstoff,  dessen 
directe  Bestimmung  unräthlich  schien,  da  man  nur  Vermuthungen 
über  die  Oxydation  des  Antimons  aussprechen  kann.  Bei  der 
Berechnung  der  Mineralconstitution  habe  ich  mir  erlaubt,  in  An- 
betracht der  weissen  Farbe  des  eingesprengten  Antimonerzes 
und  in  Anbetracht  des  Umstandes,  dass  das  wenige  Wasser 
sicher  der  Substanz  nur  äusserlich  adhärirt,  die  Anwesenheit  von 
Antitnonblüthe  vorauszusetzen.  Die  Kohlensäure  muss  beige- 
mengtem Bleispath  angehören,  weil  bei  der  Unlöslichkeit  des  Mi- 
nerals in  Wasser  an  Bleihornerz  nicht  zu  denken  ist.  Auch  kann 
das  Carbonat  nicht  wesentlicher  Bestandtheil  des  Jodblei's  sein, 
denn  die  allerreinsten  honiggelben  Partikelchen  zeigen  keine  Spur 
von  Kohlensäuregehalt.  Es  ist  ferner  vorauszusetzen,  dass  alles 
Bleioxyd  chemisch  in  dem  Mineral  gebunden  ist,  denn  einerseits 
wird  bei  Behandlung  des  Minerals  mit  verdünnter  Kalilauge  nicht 
erst  fast  nur  Bleioxyd  und  später  erst  Jod  ausgezogen,  sondern 
zeigt  sich  von  vornherein  ungefähr  dasselbe  Verhältniss  der  gelösten 
Mengen,  und  anderseits  bläut  das  mit  Wasser  angefeuchtete  Pul- 
ver rothes  Reagenzpapier  nicht.  Unsicherer  dagegen  ist  es,  ob 
das  Chlorblei  mit  in  die  Zusammensetzung  des  Jodblei's  eingeht 


*  Bestimmt  theils  direct  aus  dem  Rückstand  der  Auflösung  in  Salpeter- 
salzsäure, der  rein  aus  Bleisulphat  besteht,  theils  aus  der  Schwefelsäureraenge 
in  der  Auflösung. 


163 


oder  ob  es  nur  Beimengung  ist.  Einerseits  findet  es  sich  auch 
in  den  reinsten  Partien  des  fraglichen  Minerals,  und  anderseits 
scheint  es  doch  nicht  allenthalben  in  gleicher  Menge  vorhanden 
zu  sein.  Leider  erlaubten  die  Kostbarkeit  und  der  geringe  Vor- 
rath des  Minerals  nicht,  weiter  eingehende  einschlagende  Unter- 
suchungen anzustellen. 

Es  enthält  demnach  die  Substanz: 

SbOs  0,91 
PbO  .  CO2  1,88 
PbO  .  SO3  5,51 
PbCl  11,40 
PbJ  30,89 
PbO  48,92 
99,51. 

Sehen  wir  von  den  Substanzen,  die  offenbar  nur  Beimen- 
gung sind,  ab  und  nehmen  wir  an,  dass  alles  Bleioxyd  mit  Jod- 
blei zu  Oxyjodit  verbunden  ist,  so  erhalten  wir  den  Quotienten 
^^Vsöi  Näherungswerthen  %  und  zur  Nolh  Yg.    Die  For- 

mel 2PbJ  .  7PbO  ist  an  sich  nicht  wahrscheinlich ;  dazu  kommt, 
dass  bei  obiger  Annahme  in  der  Substanz  freies  Chlorblei  sich 
vorfinden  und  durch  seine  Löslichkeit  in  Wasser  verrathen  müsste. 
Endlich  ist  Cotunnit  (PbCl)  nur  in  Laven  des  Vesuvs  vorge- 
kommen. 

Anders  gestaltet  es  sich  aber,  wenn  man  noch  ein  Mineral 
der  Formel  PbCl  .  2PbO,  also  einen  Mendipit  in  Abzug  bringt. 
Dann  zeigt  das  restirende  Bleioxyd  und  das  Chlorblei  das  Ver- 
hältniss  ^^V2i9  mit  den  Näherungswerthen  und  Vi-  Die  An- 
nahme, dass  eine  chemische  Verbindung  von  Mendipit  und  Jod- 
blei vorliege,  scheitert  an  der  Unwahrscheinlichkeit  der  sich  dann 
ergebenden  Formel.  Dagegen  erhalten  wir,  wenn  wir  das  Chlor 
als  vicarirend  betrachten  und  zum  Jod  verrechnen,  den  Verhält- 
nissquotienten "lil  f'em  Näherungswerth  Yg.  Freilich  kry- 
stallisirt  Mendipit  rhombisch,  was  nicht  zu  vergessen  ist,  allein 
es  ist  wenigstens,  soviel  mir  bekannt,  eine  krystallisirte  Verbin- 
dung der  Formel  PbJ.  2PbO  noch  nicht  bekannt,  und  der  Um- 
stand, dass  das  künstliche  Jodblei  wahrscheinlich  hexagonal  kry- 
stallisirt,  kann  hier  nicht  in  Betracht  kommen.  Es  bleibt  also 
die  Formel: 

11  ♦ 


164 


PbJ  .  2PbO 

*  für  das  Jodblei  von  Atakama  höchst  wahrscheinlich  die  richtige. 
Betreffs  der  Entstehung  des  Minerals  bemerken  wir  noch, 
dass  nach  dem  bisher  Gesagten  und  nach  dem  Habitus  der  Stücke 
hier  Bleiglanzgänge  vorliegen,  deren  Glänze  zuerst  eine  Zeit 
lang  oxydirt  wurden  und  zuletzt  einen  Zeitraum  hindurch  der 
Wirkung  durchsickernder,  jodhaltiger,  alkalischer  Mineralwasser 
ausgesetzt  waren. 


über  den  Granat  als  weseutlicben  Gemengtheil  des 
Gneisses  und  der  Gneissite  des  Sächsischen  Erz- 
gebirges 

Ton 

Herrn  Bergrath  €r.  Jenzscli. 

Bei  Gelegenheit  der  mikroskopischen  Untersuchung  einer 
grösseren  Anzahl  Erzgebirgischer  Gneisse  und  Gneissite  wurde 
meine  Aufmerksamkeit  auf  die  nahe  Verwandtschaft  gelenkt, 
welche  zwischen  dem  Gneisse,  den  Gneissiten  und  dem  Granu- 
lite  besteht.  Der  eigentliche  Zweck  meiner  Untersuchung  war 
die  Natur  der  felsitischen  Gemengtheile  der  wichtigsten  Erzgbir- 
gischen  Gneissvarietäten  festzustellen.  Im  Jahre  1864  veröiTent- 
lichte  ich  in  der  Berg-  und  hüttenmännischen  Zeitung  eine  Ab- 
handlung über  die  felsitischen  Gemengtheile  der  rothen  und  jün- 
geren grauen  Gneisse  und  zeigte ,  dass  erstere  neben  dem  Or- 
thoklase (Pegmatolith)  Albit  (Tetartin),  letztere  dagegen  neben 
dem  orthoklastischen  Feisite  Oligoklas  enthalten ,  und  brachte 
demzufolge  für  Herrn  H,  Müller's  »jüngeren  grauen  Gneiss«  den 
Namen  »Oligoklas  Gneissit«,  für  dessen  »rothen  Gneiss«  dagegen 
den  Namen  »Tetartin-Gneissit«  in  Anwendung. 

Sämmtliche  untersuchte  Exemplare  verdanke  ich  Herrn  Ober- 
einfahrer H.  Müller.  Die  von  mir  mikroskopisch  und  mineralo- 
gisch untersuchten  Oligoklas-Gneissite  waren: 

der  mittelkörnig  schuppige  Müdisdorfer  Gneiss.  oberhalb  des 
schwarzen  Teiches,  östlich  von  Deutsch-Einsiedel; 

der  langgestreckt  flasrige  Reifländer  Gneiss,  aus  der  Nähe 
der  Colonie  Leubsdorf,  zwischen  Leubsdorf  und  Borstendorf; 


166 


der  Reifländer  Gneiss  vom  Westabhange  des  Steinknochens, 
rechtes  Gehänge  der  grossen  Lossnitz,  westlich  von  Öderan; 

der  grobkörnige  und  verworren  flasrige  Drehfelder  Gneiss 
1)  vom  dritten  Lichtloche  des  Rothschönberger  Stöllns  vom  süd- 
westlichen Orte ;  2)  vom  südlichen  Rothschönberger  Stollnorte 
beim  fünften  Lichtloche  zu  Reinsberg;  3)  vom  ersten  Lichtloche 
des  Rothschönberger  Stöllns,  nördliches  Ort;  und  4)  vom  Stein- 
bruche bei  der  Emanueler  Wäsche  unweit  Reinsberg. 

Die  von  mir  mikroskopisch  und  mineralogisch  untersuchten 
Tetartin-Gneissite  dagegen  waren: 

der  normale  rothe  Gneiss  aus  einem  Steinbruche  in  der 
Nähe  der  Tharandter  Eisenbahn,  am  rechten  Münzbach-Gehänge 
bei  Freiberg; 

der  rothe  Gneiss  von  Klein-Schirma; 

der  rothe  Gneiss  vom  Galgenberge  bei  Öderan; 

der  rothe  Gneiss  (Augengneiss)  vom  Dürrenberge ,  südlich 
von  Gründau  und 

der  rothe  Gneiss  vom  rechten  Muldengehänge  bei  Hilbers- 
dorf (oberhalb  des  Glück- Stölln). 

Herrn  H.  Müllers  älterer  und  normaler  grauer  Gneiss  blieb 
damals  von  der  Untersuchung  ausgeschlossen,  und  war  diess  um 
so  weniger  fühlbar,  da  bereits  Herr  H.  Müller  (Berg-  und  hütten- 
männische Zeitung,  1863,  pag.  233  sq.)  erwähnt  hat,  dass  dieses 
Gestein  neben  dem  gewöhnlich  weissen  bis  gelblichweissen  Or- 
thoklas bisweilen  auch  plagioklastische  Natronfeldspathe  (Oligo- 
klas  und  Albit)  gewöhnlich  mit  röthlicher  oder  grünlicher  Farbe 
enthalte.  Inzwischen  hatte  Herr  Obereinfahrer  Müller  die  Güte, 
mir  eine  Anzahl  charakteristischer  Exemplare  seiner  »  älteren  und 
normalen  grauen  Gneisse«  mitzutheilen  und  zwar: 

Freiberger  grauen  Gneiss  von  der  Halde  des  HofFnungs- 
Schachtes  bei  Himmelfahrt  vor  dem  Meissner  Thore  zu  Freiberg; 

Freiberger  grauen  Gneiss  vom  Ludwigschachte  bei  Himmel- 
fahrt ohnweit  Freiberg; 

Brander  grauen  Gneiss  von  der  Halde  des  Röschenschachtes 
zu  Bescheert  Glück  bei  Brand; 

Brander  grauen  Gneiss,  körnig  stänglichen,  von  einem  Puncte 
zwischen  Berthelsdorf  und  Langewiesen  bei  Freiberg; 


167 


Marienberger  grauen  Gneiss  vom  Wolkensteiner  Schloss- 
berge; 

Annaberger  grauen  Gneiss  von  einem  Steinbruche  oberhalb 
der  Chemnitz-Annaberger  Eisenbahn  bei  Wiesa  unweit  Annaberg; 

Wegefahrter  Gneiss  von  dem  südlichen  Thelersberger  StoUn- 
orte  auf  dem  Samuel  Richter  stehenden  bei  Hoffnung  Gottes  zu 
Langenau; 

Rittersberger  grauen  Gneiss  von  der  Halde  des  Heilander 
Schachtes  bei  Alte  drei  Brüder  Fundgrube  im  Kiesholze  bei  Ma- 
rienberg ; 

Seifener  grauen  Gneiss  von  einem  Steinbruche  in  Seifen  bei 
Sayda ; 

feinkörnigschuppigen  grauen  Gneiss,  Krummhennersdorfer 
Gneiss,  vom  sechsten  Lichtloche  des  Rolhschönberger  Stölln; 

Schlettenberger  grauen  Gneiss  aus  einem  Steinbruche  zwi- 
schen dem  Marienberger  Schiesshause  und  Wüstenschlette. 

Da  sich  die  Beobachtungen  an  diesen  Stücken  meiner  frühe- 
ren Untersuchung  anschliessen  sollten,  so  wendete  ich  hauptsäch- 
lich dem  Vorkommen  der  in  ihnen  enthaltenen  Plagioklase  meine 
Aufmerksamkeit  zu.  Bekanntlich  können  parallel  zum  zweiten 
blättrigen  Bruche  M  geschliffene  Plagioklase  die  für  diese  Fei- 
site so  charakteristische  Zwillingsstreifung  nicht  zeigen.  Es  schien 
mir  daher  rathsam,  um  jede  störende  Zufälligkeit  eines  mög- 
lichen Zusammenfallens  der  Ebene  des  Dünnschliffes  mit  den  M- 
Flächen  des  Feisites  für  das  Resultat  der  Beobachtung  unschäd- 
lich zu  machen ,  sämmlliche  Exemplare  nach  drei  rechtwinkelig 
aufeinander  stehenden  Richtungen  hin  zu  untersuchen.  Es  wur- 
den dieserhalb  von  jedem  Probestücke  Dünnschliffe 
1®  parallel  der  Schieferung, 

2^  rechtwinkelig  zur  Schieferung  und  in  der  Richtung  der  am 
Gneiss  mehr  oder  weniger  deutlich  wahrzunehmenden 
Streckung, 

3°  rechtwinkelig  sowohl  zur  Schieferung  als  zur  Streckungs- 
richtung 
angefertigt. 

Die  Untersuchung  lehrte  mich,  dass  in  sämmtlichen  von  mir 
untersuchten  Exemplaren  des  Ȋlteren  und  normalen  grauen  Gneis- 
ses«  Plagioklas  neben  dem  allerdings  vorzuherrschen  scheinen- 


168 


den  Orthoklas  (Pegmatolithe)  vorhanden  und  ohne  Zweifel  als  we- 
sentlicher Gemengtheil  anzusehen  ist. 

Ohne  der  mehr  oder  weniger  wichtigeren  Einschlüsse  Er- 
wähnung zu  thun  und  ohne  auf  die  accessorischen  Gemengtheile 
näher  einzugehen,  sei  bloss  noch  darauf  hingewiesen,  dass,  mei- 
ner mikroskopischen  Untersuchung  zu  Folge  der  Qmrz,  welcher, 
beiläufig  bemerkt,  stets  zahlreiche,  oft  Flüssigkeits-erfüllte  Poren 
enthält,  mit  dem  Orthoklas  weit  inniger  verwachsen  ist,  als  sol- 
ches dem  Piagioklas  gegenüber  der  Fall  ist 

In  allen  Gneissen  —  ich  meine  Herrn  H.  Müllers  »ältere 
und  normale  graue  Gneisse«  —  in  beiden  Gneissiten,  d.  h.  dem 
Oligoklas-Gneissite  (Herrn  H.  Müllers  jüngerem  grauen  Gneisse) 
und  dem  Tetartin-Gneissite  (Herrn  H.  Müller's  rothem  Gneisse) 
ohne  Ausnahme  spielt  nämlich  neben  dem  Quarze,  den  Felsiten 
und  Glimmern  noch  ein  Mineral  die  Rolle  eines  wesentlichen  Ge- 
mengtheiles  : 

der  Granat, 

welcher  nie  fehlt  und  zuweilen  sogar  in  bedeutender^ Menge  vor- 
handen ist.  Er  tritt  immer  in  individualisirten,  'öfters  von  Kry- 
^  stallflächen  begrenzten  Körnern  auf,  meist  von  Felsit,  namentlich 
dem  plagioklastischen,  umschlossen.  An  mehreren  Belegstücken 
konnte  ich  die  durchsichtigen  und  blass-colombinrothen  Körner 
des  edlen,  wohl  dem  Almandin  zuzurechnenden  Granat  schon  mit 
blossen  Augen  als  solche  erkennen.  Von  dergleichen  Stücken  ge- 
nommene Dünnschliffe  waren  besonders  geeignet,  um  mich  über 
das  Verhalten  des  Granates  unter  dem  Mikroskope  aufzuklären. 
Die  einzelnen  individualisirten  Körner  sind  meist  mehrfach  zer- 
klüftet und  trüben  das  mikroskopische  Bild  oft  ganz  ungemein. 

Bei  manchen  der  verschiedenen  Gneiss-  und  Gneissit- Varie- 
täten werden  die  Granatkörner  oft  so  klein,  dass  sie  nicht  selten 
bei  300maliger  Vergrösserung  nur  noch  als  kleine  Puncte  er- 
kannt werden  können,  häufig  liegen  sie  so  dicht  nebeneinander, 
dass  sie  den  Gesammteindruck  des  sie  umschliessenden  felsiti- 
sehen  Gemengtheiles  ganz  stören.  Unter  solchen  ungünstigen 
Umständen  ist  Aufmerksamkeit  erforderlich ,  um  die  bei  Anwen- 
dung polarisirten  Lichtes  für  die  Plagioklase  so  charakteristische 
chromatische  Streifung  noch  zu  erkennen,  jedoch  bei  einiger 


169 


Übung  lassen  sich  sichere  Bestimmungen  immerhin  noch  recht 
gut  ausführen. 

Durch  diesen  wohl  nie  fehlenden  Granat-Gehalt  werden  die 
Gneisse  und  Gneissile  dem  Granulite  näher  gerückt.  Mit  dem 
Granulit  hat  der  Tetartin-Gneissit ,  d.  i.  der  rothe  Gneiss  H. 
Müller's,  ohnehin  petrographisch  viel  Ähnlichkeit;  beide  enthalten 
Quarz,  Orthoklas,  Granat  und  hellen  Glimmer,  und  nahe  liegt  es, 
ihre  Verschiedenheit  im  plagioklastischen  Feisite  zu  suchen.  Von 
Interesse  wäre  es,  wenn  es  sich  durch  genaue  mineralogische 
Untersuchungen  bestätigen  sollte,  dass,  wie  die  Herren  R.  Blum 
(Lithologie  S.  146)  und  B.  v.  Cotta  (Gesteinslehre,  II.  Aufl.  S.  147) 
vermuthen,  der  Granulit  neben  dem  Orthoklase  Oligoklas  enthalte, 
während,  wie  schon  der  Name  andeutet,  der  plagioklastische  Felsit. 
des  Tetartin-Gneissits  von  mir  als  Albit  (Tetartin)  bestimmt  wurde. 

Dann  Hessen  sich  der  Gneiss ,  die  Gneissite  und  der  Gra- 
nulit der  Art  charakterisiren,  dass  neben  dem  für  alle  diese  Ge- 
steine wesentlichen  Qmrz,  Orthoklas  (Pegmatolith)  und  Granat, 

im  Gneiss  (älteren  und  normalen  grauen  Gneiss  H.  Mül- 
ler's)  : 

dunkler  Glimmer  (untergeordnet  auch  etwas  heller), 
Albit  (Tetartin), 
Oligoklas  und 
Rutil; 

im  Oligoklas-Gneissit  (jüngeren  grauen  Gneiss  H. 
Müller's)  : 

dunkler  Glimmer   (untergeordnet  zuweilen  auch  etwas 

heller), 
Oligoklas  und 
Rutil; 

im  Tetartin-Gneissit  (rothen  Gneiss  H.  Müller's)  : 
heller  Glimmer  (nur  selten  etwas  dunkler)  und 
Albit  (Tetartin): 

im  Granulit: 

heller  Glimmer  (nur  selten  etwas  dunkler)  und  wahr- 
scheinlich 
Oligoklas 
enthalten  sei. 

In  nachstehender  Tabelle  ist  das  eben  Gesagte  der  leich- 


170 


teren  Übersichtlichkeit  wegen  der  Art  zusammengestellt  worden, 
dass  die  für  ein  jedes  Gestein  besonders  charakteristischen  Ge- 
mengtheile  durch  ein  t  angedeutet  sind. 


Quarz. 

Ortho- 
klas. 

Plagioklas. 

Glimmer, 

nittl. 

rege- 
ozen- 

Name 
dfis  Gesteins. 

Grana 

Pegma- 

11 

Oligoklas. 

dunkler 

heller 

Rutil. 

Durchsch 
Kieselsäu 
halt  in  Pr 
ten. 

Gneiss 

(^älterer  und  nor- 
maler grauer 
Gneiss  H.  MÜL- 
LER's) 

t 

} 

T 

t 

t 

t 

unterge- 
ordnet. 

T 

66 

OUgoklas- 
Gneissit 

(jüngerer  grauer 
Gneiss  H.  MÜL- 
LER's) 

t 

f 

t 

t 

unterge- 
ordnet. 

f 

65 

Tetartin- Gneissit 

(rother  Gneiss 
H.  MÜLLER's;. 

t 

t 

t 

t 

selten 

x 

76 

Grannlit 

t 

7 

t 

■svahr- 
schein- 
lich  ein 
Gemeng- 
theil des- 
selhen 

selten 

t 

75 

Nachträgliche  Bemerkungen  zu  meiner  Abhandlung 
ttber  Olivinfels 


von 

Herrn  Professor  F.  !§andber^er. 


Fast  gleichzeitig  mit  meiner  Arbeit  über  den  Olivinfels  (Jahrb. 
1866,  S.  385  ff.)  hat  Daubree  eine  in  hohem  Grade  interessante 
Abhandlung '"'^  veröffentlicht,  welche  vielfach  auf  denselben  Gegen- 
stand eingeht  und  in  Bezug  auf  denselben  mit  meiner  Auffassung 
bis  auf  wenige  Puncte  übereinstimmt.  Zu  den  Differenzpuncten 
gehört  namentlich  die  schon  früher  von  mir  gelegentlich  be- 
kämpfte Meinung,  dass  der  Olivinfels  ein  Eruptivgestein  sei. 
Daubree  sagt  in  Bezug  darauf:  »Le  peridot,  quoiqiie  rSpute  in- 
fmihle  ou  tres  peu  fusible  fond  ä  la  haute  tempdrature  ä  la 
'  quelle  on  op^rait.  II  se  convertit  alors  en  une  masse  verte  trans- 
lucide,  r^couverte  de  cristaux  de  peridot  et  entierement  cristal- 
line  ä  l'interieur  Sa  structure  est  souvent  lamellaire,  comme 
Celle  du  peridot  des  scories.  Le  peridot  contraste  donc,  par  sa 
consistance  avec  le  peridot  granulaire  et  peu  coherent,  que  ren- 
ferment  ordinairement  les  roches  basaltiques, 

La  Iherzolite  fond  encore  plus  facilement  que  le  peridot 

Experiences  synthetiques  relatives  aux  Meteorites.    Comptes  ren~ 
dus  LXII,  1866.    (Vergl.  Jahrb.  1866,  738.) 

Dieser  Beschreibung  entspricht  ganz  genau  ein  grosses  Stück  Chry- 
solith, ganz  frei  von  Einmengungen,  welches  ich  vor  Jahren  in  der  Nephe- 
linlava  von  Niedermendig  auffand.  Ich  erwähne  dieses  Fundes  hier  nur,  da- 
mit Andere  gelegentlich  zusehen  können ,  ob  und  unter  welchen  Verhält- 
nissen sich  ein  solches  Vorkommen  wiederholt.  Einen  Schluss  nach  einem 
solchen  Stücke  zu  ziehen,  halte  ich  nicht  für  gerechtfertigt. 


172 


et  donne  des  masses  qui  reproduissent,  ä  s*y  meprendre  la  röche 
naturelle  arec  cetfe  difference  que  l'on  remarque  ä  la  surface 
el  dans  l'interieur  des  aiguilles  denstaüie  que  Von  ne  distinguait 
pas  avant  la  fusion  ßherzolite  de  Vicdessos  et  de  Prades  dans 
les  Pyrenees). 

Certains  peridots  hasaltiques,  melanges  de  pyroxem  et  d'en- 
statite,  offrent  la  plus  grande  ressemblance  avec  la  Iherzolite  et 
se  comportent  de  meme  au  feu  (peridot  de  Beyssac,  Haute  Loire 
et  de  Dreiser  Weiher,  dans  tEifel). 

Par  l'addition  d'une  certaine  quantite  de  silice  on  peut  ä 
volonte  augrnenter  la  proportion  du  bisilicate  ou  enstatite  et  pro- 
duire  ces  melanges  qui  forment  le  passage  du  peridot  ä  la  Iher- 
zolite.^'- 

In  einer  Anmerkung  fügt  Daubree  hinzu:  »Le  hasalte  ne 
parait  pas  avoir  eu  du  moins  en  general.  une  temperature  assez 
elevee  pour  fondre  les  gros  morceaux  de  peridot  qui  y  etaient 
empätes.  Peut-etre  a-t-il  toutefois  pu  en  dissoudre  une  partie 
et  donner  ainsi  naissance  au  cristaux  nets ,  mais  de  petite  di- 
mension,  qui  y  sont  quelquefois  dissemines.^' 

Aus  diesen  Worten  geht  deutlich  hervor,  dass  Daubree 
gleichfalls  die  Olivinbrocken  der  Basalte  für  eingeschlossene  Bruch- 
stücke von  Olivinfels  *  hält ,  wofür  ausser  den  von  mir  beige- 
brachten Beweisen  Zirkel  auch  noch  das  Vorkommen  von  zer- 
brochenen und  durch  Basaltsubstanz  wiederverkittete  Stücke  des- 
selben anführt,  welche  Erscheinung  auch  ich  für  wichtig  halte. 
Daubree  weist  auch  aus  ihrer  Structur  nach  ,  dass  sie  nicht  ge- 
schmolzen worden  sind.  Es  ist  diess  aber  ohnehin  nicht  wahr- 
scheinlich ;  auch  wenn  man  dem  flüssigen  Basalte  eine  höhere 
Temperatur  zuschreiben  würde,  als  sie  bei  Laven  beobachtet  ist, 
da  die  basische  Beschaffenheit  des  Basaltmagmas  eine  Disposition 
zur  Auflösung  von  noch  basischeren  Gesteinen  wohl  ausschloss. 
Vielleicht  trifft  man  in  sauren  Laven  (Trachyten  etc  )  aus  dem 


*  Es  ist  mir  ganz  unverständlich,  warum  Laspeyres  (deutsche  geol.  Ge- 
sellschaft XVIII,  335)  sie  noch  „Ausscheidungen"  nennt,  während  er  ihre 
Identität  mit  dem  Lherzolith  selbst  hervorhebt  und  andere  Mineral-Aggregate 
aus  demselben  Gesteine  ganz  richtig  für  „Einschlüsse"  von  Granit  u.  s.  w. 
erklärt.  • 
Petrographie  II,  S.  283. 


173 


Grunde  keine  Brocken  von  Otivinfels  mehr,  weil  sie  von  diesen 
zersetzt  werden  konnten. 

Eine  feuerflüssige  Entstehung  des  primitiven  Olivinfelses 
wird  durch  den  Umstand  sehr  unwahrscheinlich ,  dass  eine  weit 
höhere  Temperatur  dabei  vorausgesetzt  werden  müsste,  als  sie 
bei  Laven  beobachtet  ist,  dass  an  den  Rändern  solcher  Gesteine 
Umwandlungen  des  Nebengesteins  sich  zeigen  miissten ,  welche 
an  Intensität  alle  seither  beobachtete  ebenfalls  weit  übertreffen 
raüssten,  und  dass  namentlich  bei  kieselsäurereichen  Nebengesteinen 
jedenfalls  eine  grossartige  Enstatitbildung  an  den  Berührungsflächen 
mit  dem  Olivinfels  zur  Beobachtung  gekommen  sein  müsste. 
Die  Beschreibung  aller  Vorkommen  in  den  Pyrenäen  deutet  aber 
lediglich  auf  Entstehung  auf  chemisch-neptunischem  Wege  und 
für  die  Olivinfels-Einlagerungen  in  krystallinischen  Schiefern  wird 
man  wohl  eine  Mitwirkung  des  Wassers  ebensowenig  ausschlies» 
sen  können,  als  bei  diesen  selbst. 

Für  die  Überführung  des  Olivinfelses  in  Serpentin  habe  ich 
noch  einige  Belege  mitzutheilen,  welche  meine  frühere  Schilde- 
rung zu  ergänzen  bestimmt  sind.  Die  wichtigsten  Stücke  fand 
ich  in  einer  Suite  aus  Oberfranken  auf,  welche  schon  seit  längerer 
Zeit  der  academischen  Sammlung  gehört;  sie  waren  durch  einen 
Zufall  meiner  Aufmerksamkeit  entgangen.  Der  Fundort  ist  der 
schon  durch  die  ausgezeichneten,  grossblättrigen  Aggregate  von 
Bronzit  bekannte  »Peterlestein«  bei  Kupferberg. 

In  etwa  20  Stücken  liegen  nussgrosse  bis  kopfgrosse ,  von 
allen  Seiten  von  Serpentin  umgebene  und  in  diesen  an  den  Rän- 
dern unmerklich  übergehende  platte  Brocken  von  Olivinfels,  der 
z.  Th.  an  der  den  Atmosphärilien  preisgegebenen  Oberfläche  zu 
eisenschüssigen  Massen  verwittert  ist,  aus  welchen  Bronzit  und 
Picotitkörner  unzersetzt  hervorragen,  z.  Th.  aber  sich  vollkommen 
frisch,  gelblichgrün,  lebhaft  glänzend  und  mit  der  ursprünglichen 
Härte  findet.  Neben  Bronzit  und  Picotit  sind  auch  lauchgrüne, 
durchsichtige  Körnchen  von  Chromdiopsid  in  diesem  frischen  Ge- 
steine sehr  deutlich  eingesprengt.  Endlich  tritt  das  Gelatiniren 
des  Pulvers  nach  Erwärmung  mit  Salzsäure  sofort  in  charakte- 
ristischer Weise  ein. 

Untersucht  man  den  ansitzenden  Serpentin  von  schmutzig 
schwärzlichgrüner  Farbe,  der  sich  aber  in  dünnen  Splittern  durch- 


174 


scheinend  und  grüngelb  darstellt,  so  gewahrt  man  in  demselben 
grössere  Bronzitmassen ,  welche  weder  ihren  Glanz  noch  ihre 
Härte  verloren  haben  und  daher  von  dem  Zersetzungs-Processe 
nicht  berührt  worden  sind ,  neben  ihnen  aber  kleine  perlmutter- 
glänzende Talkblättchen ,  welche  auch  hier  und  da  den  Bronzit 
parasitisch  umgeben.  Die  kleineren  Bronzitpartikelchen  sind  dem- 
nach bereits  umgewandelt.  An  anderen  Stellen  des  gleichen 
Berges  kommen  bekanntlich  auch  grössere  Bronzit-Ausscheidun- 
gen  gänzlich  in  Phästin  umgewandelt  vor,  den  ich  als  ein  Ge- 
menge von  Klinochlor  und  Talk  in  wechselnden  Verhältnissen 
ansehe.  Klinochlor  habe  ich  in  grossen  Blättern  darin  aufgefun- 
den. Auf  reine  Stücke  desselben  bezieht  sich  v.  Kobell's  Ana- 
lyse des  Klinochlors  von  Leugast,  während  Tscheruiak  *  vor  Kur- 
zem einen  sehr  talkreichen  Phästin  untersucht  hat,  in  welchem 
Klinochlor  nur  in  geringer  Menge  getrotfen  wird. 

Picotit  erkennt  man  in  dem  Serpentin  nur  noch  schwer  und 
Chromdiopsid  nicht  mehr;  beide  kommen  aber  sofort  wieder 
zum  Vorschein,  wenn  der  Serpentin  einige  Zeit  mit  erwärmter 
Salzsäure  gebeizt  worden  ist.  Olivinkörner  sind  auch  unter  die- 
sen Verhältnissen  nicht  mehr  durch  partielles  Gelatiniren  der  Lö- 
sung nachweisbar,  also  vollständig  zersetzt. 

Über  die  Art,  in  welcher  die  Serpentinbildung  vor  sich  ging, 
geben  mehrere  Stücke  sehr  schönen  Aufschluss.  Es  ist  nämlich 
an  einigen  der  Olivinfels  nur  von  dünnen,  dunkelgrünen,  schil-  " 
lernden  Chrysotiladern  durchsetzt,  welche  sich  nach  verschiede- 
nen Richtungen  durchkreuzen  und  noch  grosse  Flächen  von  un- 
zersetztem  Olivinfels  zwischen  sich  lassen,  in  anderen  werden 
jene  Adern  immer  dicker  und  zahlreicher  und  schliessen  zwischen 
sich  nussgrosse  oder  noch  kleinere,  an  den  Rändern  bereits  matt 
und  weich  gewordene  Reste  von  Olivinfels  ein.  Man  sieht  deut- 
lich, dass  die  Serpentinbildung  von  den  Zerklüftungsflächen  des 
Olivinfelses ,  von  aussen  nach  innen ,  erfolgte  und  dass  sie  mit 
dem  Auftreten  krystalliniscber  Serpentinsubstanz  (Chrysotil)  be- 
gonnen hat. 

An  solchen  Stücken,  wo  nur  dünne  Chrysotiladern  sich  ge- 


*  Sitzungsber.  d,  k.  Acad.  d.  Wissensch,  zu  Wien.  Bd.  LIIL  Sep.-Abdr. 
S.  6  fif. 


175 


bildet  hatten,  sind  diese  später  einem  neuen  Zersetzungsprocesse 
anheimgefallen,  welcher  zugleich  eine  sehr  elegante  Pseudomor- 
phose  darstellt,  der  Umwandlung  in  körniges  Magneteisen.  Ganze 
Schnüre  lassen  in  allen  Stadien  die  Umbildung  zu  sehr  feinen, 
seidenglänzenden  Fasern  oder  zu  einer  matten,  weissen  Masse  * 
bei  gleichzeitigem  Auftreten  schwarzer  Magneteisenkörnchen  be- 
merken, deren  Menge  immer  mehr  zunimmt  und  die  schliesslich 
für  sich  allein  mit  genauester  Erhaltung  der  faserigen  Structur 
die  Schnürchen  bilden.  Man  wird  diese  Pseudomorphose,  Mag- 
neteisen nach  Chrysotil,  als  Umwandlungs-Pseudomorphose 
ansehen  müssen,  da  der  eisenreichste  Chrysotil,  und  ein  solcher 
ist  unserer  nach  seinen  Löthrohrreactionen  und  seiner  Farbe 
ebenfalls,  der  von  Zöblitz,  nach  C.  Schmidt  10,03^  Eisenoxydul 
enthält,  während  andere  hinter  dieser  Zahl  weit  zurückbleiben. 
Ebensowohl,  wie  in  den  Chrysotilschnüren  findet  vielfach  auch 
eine  Magneteisen-Ausscheidung  aus  dem  Serpentin  selbst  statt, 
indem  sich  derselbe  stellenweise  gebleicht  und  mit  unzähligen 
feinen  schwarzen  Schnürchen  und  Ringen  angefüllt  zeigt,  die 
Magneteisen  sind.  Der  Eisenoxydul-Gehalt  des  primitiven  Oli- 
vinfelses  wird  also  schliesslich  vollständig  als  Magneteisen  ab- 
geschieden und  es  ist  leicht  erklärlich,  dass  Serpentinkuppen 
magnetisch  und  in  einzelnen  Fällen  polar  sind ,  wie  der  gleich- 
falls in  Oberfranken  gelegene  Haidberg  bei  Zell,  welcher  die  Ver- 
anlassung zu  einer  Abhandlung  A.  v.  Humboldts  **  gewesen  ist, 
die  zuerst  die  allgemeine  Aufmerksamkeit  auf  ihn  richtete.  Dass 
der  Eisengehalt  sich  in  unserem  Falle  als  Magneteisen  und  nicht, 
wie  an  so  vielen  anderen  Orten ,  z.  B.  Kraubat  in  Steyermark, 
Insel  Unst,  Baltimore,  mit  Thonerde,  Magnesia  und  Chromoxyd 
als  Chromeisenstein  ausgeschieden  hat,  dessen  typische  Varietät 
ich  überall  nur  secundär  im  Serpentin  kenne,  ist  leicht  zu  be- 
greifen, da  im  ursprünglichen  Gesteine  chromhaltige  Mineralien, 
Picotit  und  Chromdiopsid,  nur  in  geringer  Menge  vorkommen. 

Ein  weiteres  Beispiel  gewährt  ein  mir  von  Gümbel  zur  Unter- 
suchung mitgetheiltes  Gestein  von  Gugelöd  (Oberpfalz).  In  dem- 
selben ist  Olivin  und  Picotit  ebenso  deutlich  zu  erkennen,  wie 

*  Dieselbe  wird  unter  Abscheidung  von  sehr  viel  pulveriger  Kieselsäure 
durch  Salzsäure  zersetzt.    Die  Lösung  enthält  nur  Magnesia 

V.  Moll's  Jahrb.  d.  Berg-  und  Hüttenkunde  1798^  III,  S.  301  ff. 


t76 


in  dem  Gesteine  von  Wallenfels  in  Nassau,  Bronzit  und  Chrom- 
diopsid  habe  ich  nicht  gesehen,  aber  auch  nur  ein  Stück  un- 
tersucht. 

Beide  eben  erwähnten  Mineralien  waren  auch  sehr  deutlich 
in  einem  gleichfalls  von  Gümbel  eingesendeten  Stücke  von  Gross- 
senget  erhalten,  neben  ihnen  überdiess  noch  grosse  Körner  eines 
malten  fleischrothen  Granats,  welcher  viel  Magnesia,  aber  sehr 
wenig  Chrom  enthielt  und  daher  als  chromarme  Varietät  des  Py- 
rops  zu  betrachten  ist,  wie  solche  auch  von  Delesse  mit  einge- 
sprengtem Picotit  aus  Serpentin  der  Vogesen  beschrieben  wor- 
den sind. 

Enstatit,  Picotit  und  Pyrop,  beide  letzteren  nach  dem  Beizen 
mit  Salzsäure  sehr  deutlich ,  kommen  auch  in  dem  Serpentine 
von  Höfen  im  Schutterthale  (bad.  Schwarzwald)  vor,  wo  ich  1861 
mit  Herrn  Platz  das  anstehende  Gestein  dem  Gneisse  eingelagert 
kennen  lernte. 

An  mehreren  neuen  Fundorten,  zu  denen  ich  nach  Daubree's 
Angabe  Baidissero  in  Piemont  hinzufügen  kann,  ist  demnach  wie- 
der die  Entstehung  Bronzit,  Picotit,  Chromdiopsid  oder  Pyrop  füh- 
render Serpentine  aus  Olivinfels  bewiesen. 

Ich  habe  absichtlich  die  Constatirung  dieser  Mineralien  als 
unerlässlich  für  die  Ermittelung  einer  solchen  Abstammung  des 
Serpentins  bezeichnet,  während  Genth  *,  dem  man  so  wichtige 
Daten  über  diesen  Gegenstand  verdankt,  es  für  wahrscheinlich 
erklärte ,  dass  alle  Nickel  und  Chrom  enthaltenden  Serpentine 
aus  Olivinfels  entstanden  seien.  In  einem  solchen  Gehalte  liegt 
aber  noch  kein  zwingender  Beweis  für  die  Sache.  Nach  Streng 
enthält  nämlich  der  Enslatit  des  in  Serpentin  übergehenden 
Enstatitfelses  von  Harzburg  geringe  Mengen  von  Chromoxyd, 
welches  überdiess  im  Smaragdit,  dem  Hauptbestandtheile  des  so 
oft  (Wurlitz,  Grossari)  in  Serpentin  umgewandelten  Smaragdit- 
felses  und  auch  im  Omphacit  des  ebenfalls  in  denselben  häufig 
übergehenden  Eklogits  niemals  fehlt. 

Ausscheidungen  von  nickelhaltigem  Magnetkiese  darf  man 
aber  fast  charakteristisch  für  Serpentine  nennen,  welche  aus 
Hornblende-Gesteinen  hervorgegangen  sind,  z.  B.  Wiersberg  in 


*  SiLLiM.  Amer.  Journ.  XXXIII,  p.  202. 


177 


Oberfranken  und  Horbach  im  Schwarzwalde  und  sie  kommen 
auch  in  Serpentinen  vor,  welche  aus  Diabas  entstanden,  z.  B. 
auf  der  Grube  Güte  Gottes  zu  Nanzenbach  bei  Dillenburg.  Es 
ist  wohl  keine  gewagte  Vermuthung,  dass  die  primitive  Horn- 
blende und  resp.  der  Augit  solcher  Gesteine  Nickel  enthalten 
müsse. 

Wiirzburgj  den  10.  November  1S66. 


Jahrljuch  IÜ67. 


12 


Briefwechsel. 


A.    Mittheilungen  an  Professor  G.  Leonhard. 

Moskau,  den  28.  December  1866. 
In  dem  letzten  Hefte  des  „Neuen  Jahrbuchs  für  Mineralogie"  1866, 
7.  Heft,  S.  866  ist  ein  Referat  über  einen  Artikel  Eichvvai.d's  „die  Neocom- 
schichten  Russlands"  enthalten.  Es  wird  darin  gesagt,  dass  man  in  Folge 
dieser  Arbeit  Eichwald's  genöthigt  sei ,  Neocom  und  Gault  in  den  Schichten 
bei  Charaschowo  anzuerkennen,  da  er  in  denselben  das  Vorkommen  des 
Pecten  crassitesta,  sowie  des  Itioceramus  sulcattis  und  /.  concentricus 
nachgewiesen  habe.  Die  Unterzeichneten  protestiren  mit  aller  Entschieden- 
heit gegen  diese  Auffassung.  Keines  von  den  drei  genannten  Fossilien  exi- 
stirt  in  den  erwähnten  Jura-Schichten,  und  wenn  Herr  v.  Eichwald  ihr  Vor- 
kommen behauptet,  so  beruht  diese  Behauptung  auf  irriger  Bestimmung  oder 
auf  Selbsttäuschung.  Eine  ausführlichere  Widerlegung  des  betreffenden  Ar- 
tikels V.  Eichwald's  wird  für  die  Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Ge- 
sellschaft vorbereitet. 

H.  Trautschold. 
J.  Auerbach. 


Karlsruhe,  den  6.  Januar  1867. 
Hiermit  möchte  ich  Hinen  mittheilen,  dass  es  meinem  Vater  Franz 
Joseph  Würtenberger  in  Dettighofen,  vor  einiger  Zeit  gelungen  ist,  den  -4m- 
monites  bimammatus  Quenst.  auch  im  Klettgauer  w  eissen  Jura  nachzuweisen. 
Er  zeigte  sich  in  der  von  uns  als  Küssaburg-Schichten  bezeichneten  Abthei- 
lung (Jahrb.  i866,  p.  608) ,  welche  wir  schon  früher  ihren  übrigen  Ein- 
schlüssen zufolge  als  das  Äquivalent  von  Oppel-s  Zone  des  Amin,  bimam- 
matus betrachten  mussten.  Der  Ort,  wo  mein  Vater  diese  Species  fand,  ist 
in  der  Umgebung  der  Küssaburg  selbst;  in  den  gelblichen  Kalkbänken  öst- 
lich von  der  Ruine,  aus  welchen  wir  früher  schon  Ammonites  cf.  Arolicus 


*  Im  Jahrb.  i866,  p.  570,  608  und  609  ist  irrthümficli  von  Brüdern  die  Rede. 


479 


Opp.,  Amm.  semifalcatus  Opp.,  Ämm*  tricristatus  Opp.,  Amm.  Pichleri  Opp  , 
Amm.  Streichensis  Opp.  etc.  kannten  (vergl.  unsere  Abhandl.  üb.  d.  Klettg. 
weiss.  Jur.  in  d.  Verhandl.  d.  naturw.  Ver.  in  Karlsruhe  1866,  p.  31,  Sep.- 
Abdr.  p.  23),  zeigten  sich  mehrere  wohlerhaltene  Exemplare  dieses  Ammo- 
nites  bimammatus.  Durch  diesen  Fund  wird  unsere  früher  schon  ausge- 
sprochene Ansicht,  dass  die  Küssaburg-Schichten  nur  eine  veränderte  Facies 
jener  Ablagerungen  seien,  welche  C.  Mösch  im  Aargauer  Jura  als  Schichten 
des  Hemicidaris  cremtlaris  unterscheidet,  sehr  bekräftigt;  denn  Amm.  semi- 
falcatus Opp.,  Amm.  Streichensis  Opp.  und  Amm.  bimammatus  Ocenst., 
welche  für  die  Crenularis-Sc\i\Q\iien  im  Aargau  so  bezeichnend  sind ,  ge- 
hören jetzt  ebenfalls  zu  den  wichtigsten  Leitmuscheln  der  Klettgauer  Küssa- 
burg-Schichten. 

In  den  Klettgauer  Hornbuck-Schichten ,  welche  schon  so  viele  bezeich- 
nende Arten  der  Scyphien-Schichten  an  der  Lochen  lieferten,  fand  sich  in 
neuester  Zeit  bei  Riedern  ebenfalls  der  Ammonites  eucyphus  Opp.,  welchen 
man  bis  jetzt  nur  von  der  Lochen  kannte. 

Leopold  Würtenberger. 


Saarbrücken,  den  15.  Jan.  1867. 
Die  Abhä'ndlung,  welche  ich  Ihnen  zu  übersenden  die  Ehre  hatte  („Bei- 
träge zur  Kenntniss  der  Feldspalhbildung  und  Anwendung  auf  die  Entstehung 
von  Quarztrachyt  und  Quarzporphyr."  Haarlem,  1866),  jetzt  als  Prets- 
schrift  von  der  holländischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  publicirt,  liegt 
nun  Ihnen  und  dem  geognostischen  Publicum  zur,  wie  ich  hoffe,  nachsich- 
tigen Beurtheilung  vor.  Sie  enthält  eine  weitere  Ausführung  und  Ausdeh- 
nung einer  Reihe  von  optischen  Feldspath-Untersuchungen,  welche  ich  zwei 
Jahre  lang  fortgesetzt  und  durch  eine  vorläufige  Mittheilung  der  erhaltenen 
Resultate  in  der  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1865,  S.  435  bereits 
zum  Theil  der  Öffentlichkeit  übergeben  hatte.  Hiezu  tritt  eine  Anwendung 
der  gewonnenen  optischen  Resultate  auf  die  Theorie  der  Entstehung  gewisser 
krystallinischer  Gesteine,  wofür  Quarzporphyr  und  Quarztrachyt  gewählt  wur- 
den, so  dass  die  ganze  Arbeit  in  zwei  Theile  zerfällt,  wie  auch  schon  der 
Titel  andeutet.  Zunächst  dürfte  der  erste  Theil  Ihr  Hauptinteresse  verdienen, 
wenn  die  Abhandlung  überhaupt  des  allgemeinen  Interesses  würdig  sein 
sollte.  Die  hier  niitgelheilten  Untersuchungen,  welche  zwar  mit  geringen 
Hilfsmitteln  ausgeführt  werden  mussten,  haben  doch  einen  nicht  ganz  kleinen 
Umfang-,  sie  basiren  auf  der  zuerst  von  Descloizeaux  mitgetheilten  Thatsache, 
dass  die  optischen  Axen  des  rechtwinkligen  Feldspaths  durch  Glühen  Ver- 
änderungen erleiden,  so  dass  man  hienach  durch  Beobachtung  der  Lage  der 
optischen  Axen  zur  Beurtheilung  darüber  gelangen  könnte,  ob  ein  Feldspath 
seit  seinem  Festwerden  geglüht  habe  oder  nicht.  Es  wurden  die  verschie- 
densten mir  zugänglichen  Vorkommnisse  von  Feldspath  untersucht  und  ich 
habe  dazu  wohl  über  200  Schliffe  anfertigen  müssen,  und  d^üinoch  bleiben 
noch  auszufüllende  Lücken  übrig.  -  Bei  dem  Versuche,  diese  Beobachtungen 

12 


180 


auf  die  Erklärung  der  Entstehung  obiger  krystallinischer  Gesteine  anzuwen- 
den 5  ist  es  wohl  selbstverständlich ,  dass  auch  alle  anderen  Verhältnisse, 
welche  hiefür  von  Wichtigkeit  sind,  berücksichtigt  wurden  und  sich  also  den 
obigen  Beobachtungen  noch  manche  andere  anreihen,  so  z.  B.  mikroskopische, 
Bestimmungen  von  specifischem  Gewicht  etc.,  worauf  ich  natürlich ,  da  die 
Arbeit  Ihnen  selbst  vorliegt,  nur  zu  verweisen  brauche.  —  Möchten  jene 
Blätter  von  einem  glücklichen  Winde  zu  allen  Freunden  der  Geologie  ge- 
tragen und  von  ihnen  willkommen  geheissen  werden ! 

Dr.  E.  Weiss. 


B.    Mittheilungen  an  Professor  H.  B.  Geinitz. 

Herrn  Prof.  Mabcou  verdanken  wir  nachfolgenden  Auszug  eines  Briefes 
von  L.  Agassiz,  welcher  mit  Bemerkungen  des  Ersteren  in  dem  Bulletin  de 
la  Soc.  ge'ol.  de  France  veröffentlicht  werden  soll. 

Museum  of  Comparative  Zooloyg,  at  Harward  College. 
Cambridge,  Mass.,  den  4.  Nov.  1866. 

Das  ganze  grosse  Thal  des  Amazonenstromes  ist  von  einer  Art  Löss  ein- 
genommen,  worin  man  3  Etagen  unterscheidet.  Die  tiefste  derselben  be- 
steht aus  einem  blätterigen  Thone  von  geringer  Mächtigkeit,  worauf  die  be- 
deutendste Ablagerung  ruhet,  welche  aus  einem  mehr  oder  weniger  groben 
Sande  besteht,  der  oft  durch  Eisenoxyd  zu  einem  ziemlich  harten  Gesteine 
verkittet  ist,  auf  welchem  noch  ein  ockeriger  Lehm  liegt. 

Es  sind  diess  dieselben  Gesteine,  die  A  v.  Humboldt  als  „vieiix  gres 
rouge*^  des  Orenoco-Thales  beschrieben  hat.  Etwas  anderes,  als  diese  Gesteins- 
bildungen, ist  in  dem  ganzen  Thale  bis  zum  Feron  und  in  der  ganzen  Breite 
des  Bassins  nicht  zu  finden.  Ich  habe  diess  verfolgt  bis  zum  Zusammen- 
flüsse des  Rio  Branco  mit  dem  Rio  Negro,  so  dass  ich  von  der  Identität  dieser 
Ablagerungen  mit  jenen  von  A.  v.  Humboldt  beschriebenen  vollständig  über- 
zeugt bin. 

Im  Bassin  des  Amazonenstromes  gibt  es  nur  wenige  Alluvialbildungen, 
es  sind  diess  nur  einige  niedrige  Inseln. 

In  diesem  Löss,  welcher  bisweilen  mehrere  hundert  Fuss,  bei  dem 
Berge  Monte  Alegre  sogar  gegen  1000  Fuss  Mächtigkeit  erreicht,  hat  der 
Amazonenstrom  sein  Bett  ausgehöhlt. 

Die  Wegspülungen  in  dem  ganzen  Thale  sind  sehr  bedeutend  gewesen 
und  an  den  Küsten  tritt  das  Meer  noch  täglich  über  diese  Ablagerungen  hin- 
weg. Schon  hat  der  Ocean  einen  Streifen  von  2 — 300  Meilen  Breite  davon 
weggespült. 

Man  findet  keine  Spur  von  tertiären  Ablagerungen,  dagegen  breitet  sich 
die  Kreide  längs  des  südlichen  Bassinrandes  in  der  Provinz  Ceara  und  an 
den  Ufern  des  Hohen-Purus  aus.    Ich  besitze  von  dort  Knochen  des  Mosa- 


iSi 


saurus  und  Reste  von  Fischen,  welche  denen  von  iMaestricht  sehr  ähnlich 
sind. 

Louis  Agassiz. 

Paris,  den  7.  December  1866. 
Diese  Beobachtungen  von  Agassiz  verändern  einiger  Maassen  raeine  geo- 
logische Karte  der  Erde,    sie  verändern  aber  weit  mehr  die   von  Haidinger 
und  FöTTERLE  veröffentlichte  Karte  von  Südamerika. 

Jules  Marcou, 


Prag,  den  30.  Dec.  1866. 

Ihre  Arbeit  über  die  Vertretung  des  takonischen  Systemes  in 
Deutschland  hat  mich  angenehm  überrascht.  Da  die  Wurzbacher  Schiefer 
so  prachtvolle  Abdrücke  von  Anneliden  enthalten,  so  darf  man  hoffen,  dass 
man  auch  in  einigen  Schichten  derselben  Spuren  von  Trilobiten  dort  auffin- 
den wird,  was  diese  schönen  Entdeckungen  ergänzen  würde. 

Ich  bin  in  diesem  Augenblicke  mit  einer  Tafel  beschäftiget,  welche  alle 
Fossilien  darstellen  wird,  welche  Professor  Wirth  in  den  Schiefern  von 
Hof  aufgefunden  hat.  Dieselben  bilden  eine  l  bergangsstufe  zwischen  der 
Primordialfauna  und  der  zweiten  Fauna,  wobei  die  erstere  jedoch  vorwaltet. 
Auf  alle  Fälle  zeigt  diese  Fauna  von  Hof  den  engen  Zusammenhang  zwi- 
schen der  primordialen  und  der  zweiten  Fauna,  welcher  nicht  gestattet,  die- 
sen in  zwei  verschiedene  geologische  Systeme  zu  stellen. 

Es  scheint,  dass  der  Horizont  der  Wurzbacher  Schiefer,  oder  des  tako- 
nischen Systems,  von  jenen  der  Hofer  Schichten  nicht  entfernt  liege. 

Ich  habe  meine  Ansichten  über  das  lakonische  System  schon  in  meiner 
Abhandlung  vom  Jahre  1861  ausgesprochen.  — 

In  einigen  Wochen  wird  die  erste  Textlieferung  zu  meinen  Cephalopoden 
erscheinen,  wozu  die  letzten  Blätter  im  Laufe  des  Januar  gedruckt  werden 
sollen.    Dieselbe  umfasst  gegen  90  Bogen  mit  mehr  als  700  Seiten. 

J.  Barrande. 


Neue  Literatur. 


(Die  Redaktoren  melden  den  Empfang  an  sie  eingesendeter  Schriften  durch  ein  derenTitel 

beigesetztes  y><.) 

Jl*  Bücher. 

1866. 

Dr.  C.  J.  Anürae:  Vorweltliche  Pflanzen  aus  dem  Steinkohlen-Gebirge  der 
Preussischen  Rheinlande  und  Westphalens.  2.  Hft.  Bonn.  4*^.  S.  19-34, 
Taf.  6-10  X 

W.  Benecke:  Geognostisch-paläontologische  Beiträge;  herausge- 
geben unter  Mitwirkung  von  U.  Schlönbach  in  Salzgitter  und  W.  Waagen 
in  München.  Erster  Band.  II.  Heft.  Enthaltend:  über  die  Zone  des 
Ammonifes  tra  tisve  rs  arius ,  von  A.  Oppel,  beendet  und  heraus- 
gegeben von  W.  Waagen;  zur  Fauna  der  Ilallstädter  Kalke  von 
A.  V.  DiTTMAR.    München,    gr.  8^.    S.  210-397,  Taf.  12-20.  X 

Arnold  Boscowitz:  les  Volcans  et  les  tremblements  de  terre  illu- 
stre de  16  gravures  tire'es  en  couleur ,  et  de  40  compositions  sttr 
bois  par  Eugene  Ciceri.    Paris.    8*^.    604  p. 

A.  Breithaupt:  über  einige  der  wichtigsten  Fortschritte  in  der  Mineralogie 
seil  100  Jahren.  (Aus  d.  2.  Bde.  der  Bergaoadem.  Festschrift  Frei- 
berg.   12  S.  X 

A.  Brezina:  über  eine  neue  Modification  des  KoBELL'schen  Stauro- 
skopes  und  des  NöRREMBERG'schen  P  o  1  a  r i s a  t i  o  n s  - M  i k  ro  s  k  o  p  e  s. 
Mit  1  Taf.    (Sep.-Abdr.  a.  Poggenü.  Ann.  CXXIII.)  X 

E.  Desor:  die  Pfahlbauten  des  Neuen  burger  See"s  Mit  117  in  den 
Text  eingedruckten  Holzschnitten,  gezeichnet  von  L.  Favre.  Deutsch 
bearbeitet  von  Fb.  Mayer.    Frankfurt  a.  M.    8".    156  S. 

Chr.  R.  d'Elvert:  Zur  Geschichte  des  Bergbaues  und  Hüttenwesens  in  Mäh- 
ren und  Österr.  Schlesien.    Brünn.    8°.    438  S. 

A.  Erdmann:  Sueriges  Geologiska  Undersökning.  No.  19-21.  Erläuterungen 
zu  den  Sectionen  Ramnäs,  Wargarda  und  Ulricehamn.    Stockholm.  8°. 

L.  R.  v.  Fellenberg:  Analysen  einiger  neuer  Mineralien.    Bern.  8^.  14  S.  X 

C.  W.  Gümbel:  über  neue  Fundstellen  von  Gosauschichten  und  Vilser-Kalk 


183 


bei  Reichenhall.  (Sitziingsb.  d.  k.  Ac.  d.  Wissensch,  in  München.  II. 
p.  157-192.)  X 

W.  R.  V  Haidinger  :  der  Meteorsteinfall  am  9.  Juni  1S66  bei  Knyahinya. 
(LIV.  Bd.  d.  Sitzb.  d.  U.  Ac.  d.  Wiss.    II.  Abth.    October.)  X 

¥.  Hilgendorf:  Planorbis  multiformis  im  Steinheime r  Süsswas- 
serkalk.  Ein  Beispiel  von  Gestaltveränderung  im  Laufe  der  Zeit. 
(Monatsb.  d.  K.  Ac.  d.  Wiss.  zu  Berlin.    S.  474-504,  1  Taf.)  X 

C.  F.  Naumann:  Lehrbuch  der  Geognosie.  Dritter  Band.  Erste  Liefe- 
rung. (Bog  1-12.)  Zweite  vermehrte  und  verbesserte  Auflage.  Leip- 
zig.   8».    S.  192.  X 

C.  F.  Naumann:  Geognostische  Karte  des  Erzgebirgischen  Bassins  im  Königreiche 
Sachsen.    2  Sectionen  im  Massstabe  757,600  d.  nat.  Gr.    Leipzig.  X 

P ale'ont ologie  franpaise.  Terrain  cretace.  Livr.  21.  Tome  VII. 
Echinides.    Paris.  8^. 

L.  Rütimeyer:  über  Art  und  Race  des  zahmen  europäischen  Rin- 
des. (Bes.-Abdr.  a.  d.  Archiv  f.  Anthropologie.  Heft  II.)  Braunschweig. 
4«.    S.  34.  X 

G.  Tschermak  :  über  den  Silberkies.    (Sond.-Abdr.  a.  d.  Sitz.-Ber.  d.  kais. 

Acad.  d.  Wissensch.  LIV,  S.  9,  1  Taf.)  X 
Ch.  E.  Weiss:    Beiträge  zur  Kenntniss  der  Feldspath  -  Bildung 

und  Anwendung  auf  die  Entstehung  von  Quarztrachyt  und  Quarzporphyr. 

Eine  von  der  holländischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Haarlem 

am  19.  Mai  gekrönte  Preisschrift,  Mit  2  Tafeln.  Haarlem  4.  S.  167,  X 
T.  C.  Winklbr:  Musee  Teyler.    5.  livr,    Harlem.    8^    p.  483-608.  X 

1867. 

B.  v.  Cotta:  über  das  Enlwickelungs-Gesetz  der  Erde.  Leipzig. 
8».    S.  29.  X 

B.  %eits(cht*ifteii. 

1)  Sitzungs-Berichte  der  K.  Bayerischen  Academie  der  Wis- 
senschaften. München.  8^  [Jb.  1866,  813j. 
1S66,  /,  3,  S,  237-433. 

H.  V.  ScHLAGiNTWEiT :  die  thermischen  Verhältnisse  der  tiefsten  Gletscherenden 

im  Himalaya  und  in  Thibet:  290-293. 
Fr.  V   Kobell:  Pektolith  und  Osmeüth :  296-299. 

Vogel,  jun, :  über  den  Einfluss  der  Tiefe  eines  stehenden  Wassers  auf  dessen 
Gehalt  an  festen  Bestandtheilen :  299-308. 


2)    Erdm.\nn  und  Wrrtiikr:  Journal  für  praktische  Chemie.  Leipzig. 
8».    [Jb,  1867,  88.J 

1866,  No.  15-16;  98.  Bd.,  S.  385-508. 

E.  Reichardt:  über  die  Bestimmung  der  von  festen  Körpern  absorbirten  Gas- 
arten: 458-479. 


184 


H.  Weiske:  über  den  Kobalt-  und  Nickel-Gehalt  des  Eisens:  479-485. 
Notizen:  Adamin:  508. 

1866,  No.  17.  99.  Bd.,  S.  1-64. 
R.  Hermann:   Bemerkungen  zu  Marignac's  Untersuchungen  über  Niobium  und 
•41menium :  21-33. 

Notizen.  Über  phosphorsauren  Kalk  von  Estremadura  und  über  Äpatit-Kry- 
stalle  von  Jumilla.  die  zur  Darstellung  von  Cer.  Lanthan  und  Didym  die- 
nen könnten:  50;  über  natürliche  und  künstliche  Bildung  von  krystal- 
lisirtem  Kohlenstoff:  62;  Kainit  und  Kieserit  von  Slassfurt:  63. 


3;    Bruno  Kerl  und  Fr.  Wimmer:  Berg-  und  Hüttenmännische  Zei- 
tung.   Leipzig.    4^    [Jb.  1867,  90.] 

1866,  Jahrg.  XXV,  Nro.  47-52;  S.  397-460. 
H.  Beck:  die  Silberminen  von  Potosi :  399-401. 
Kleinschmidt:  Braunkohlen-Formation  des  Westerwaldes :  401-403. 

B.  Tibley:   der  Zinkbergbau  der  Ältenberger  Gesellschaft   bei  Ammeberg  in 

Schweden:  405-409:  417-420:  425-430:  442-447:  449-454. 

C.  Simon:  Kupfer-  und  Bleierz-Ablagerungen  im  Buntsandsteine  und  Vogesen- 

sandsteine  der  Umgegend  von  Saarlouis  und  St.  Avold:  412-415;  421-423: 
430-433:  440-441. 


4)     Verhandlungen  der  r  u  s  s  i  s  c  h  -  k  a  i  s  e  r  1  i  c  h  e  n  mineralogischen 
Gesellschaft  zu  St.  Petersburg.    Petersburg.  8^.     [Jb.  /^^^,  585.] 
1866,  zweite  Serie.    Erster  Band.    (Mit  6  Tafeln,)    S.  1-366. 

E.  Hoffmann:  ?lesites,  eine  neue  Gattung  der  Crinoideen:  1-6. 

N.  V,  KoKscHARow:  über  das  Krystall-System  und  die  Winkel  des  Sylvanits: 
6-19. 

—  —  Resultate  genauer  Messungen  einiger  Mineralien  (^Phosgenil.  Chry- 
solith, Nephelin,  Dioptas;) :  19-33. 

Herzog  N.  v.  Lülchtenberg  :  über  den  Leuchtenbcrgit :  33-39. 

N.  v.  KoKscuAROw :  Untersuchung  der  Pyroxen-Krystalle  von  russischen  und 
ausländischen  Fundorten  :  39-97. 

W,  V.  Haidinger  :  die  geologische  Reichsanstalt  in  Wien  im  Jahre  1863  : 
97-104. 

N.  Iwanow:   chemische  Untersuchung  der  Umbra-ähnlichen  Mineral-Farhen 

aus  dem  Gouvernement  Twer :  104-111. 
N.  V.  KoKsCHARow  :  Resultate  genauer  Messungen  der  Cöleslin-Krystalle  aus 

Sicilien:  111-113, 

N.  Kulibik:  geognostische  Skizze  des  Gouvernements  Tambow :  113-147. 
Maskelyne:  über  die  Krystall-Gestalt  des  Kupferoxyds:  147-151. 

F.  Pisihewsky:  geognostischer  Überblick  der  Relationen  des  Laurenlinischcn 

Systems  im  Gouvern.  Wiborg:  151-210. 
Zeischnbr:  über  das  Alter  der  Grauwackeschiefer  und  der  braunlichgrauen 


185 


Kalksteine  von  Swietitomasz  bei  Bodzentyn  im  Kielcer  Übergangsgebirge: 
210-217. 

F.  Schmidt:  über  Tijestes  verrucosus  Eichw.  und  Cephalaspis  Schrenkii 
Fand,  nebst  einer  Einleitung  über  das  Vorkommen  silurischer  Fiscbreste 
auf  der  Insel  Oesel :  217-251. 

Bericht  über  den  bei  dem  Dorfe  Dolgowolia.  Gouv.  Wolinsk,  gefallenen  Me- 
teorstein: 251-256. 

N.  V.  KoKsCHAROw :  Bemerkungen  über  den  Klinochlor  vom  Zillerthal  und 
Glimmer  vom  Vesuv  in  Folge  einer  Abhandlung  von  Hessknberg:  256-264. 

Protocolle  der  Sitzungen  der  K.  mineralogischen  Gesellschuft  zu  St.  Peters- 
burg in  den  Jahren  1864  und  1865:  264-366. 


5)    Erman:  Archiv  für  wissenschaftliche   Kunde   von  Russland. 

Berlin.    8».    [Jb.  1866,  815.J 
XXV,  2,  S.  175-348. 
A.  Erman:  über  Bestimmungen  der  Meerestiefen:  196-197. 
Die  Lagerungs-Verhäknisse  auf  der  Insel  Kotlin  am  Ausflusse  der  IVewa  : 

197-202. 

Über  die  neueste  Auffindung  eines  Mammuth-Körpers  in  Sibirien:  202-210.' 
Erloschene  Vuicane  in  Mandjnrien:  210-212. 

Vulcanische  Erscheinungen  auf  dem  Streichungskreise  der  Rocky  mouniains 
in  Asien  und  Amerika:  212-214. 

Über  die  Naphtha-Vorkommen  am  Kaukasus  und  in  dessen  Umgebung:  214-229. 

Beobachtungen  und  Bemerkungen  über  das  Gold-Vorkommen  in  den  Be- 
sitzungen der  Russisch-Amerikanischen  Compagnie.  nach  dem  Bussischen 
von  P.  Doroschin:  229-238. 

Analyse  einer  Kupferschlacke  aus  Chorasan  und  Retrachtungen  über  einen 
vermeintlichen  Mittelpunct  der  vulcanischen  Thätigkeit  in  diesem  Lande, 
nach  dem  Russischen  von  Ä.  Goebel:  307-320. 

A.  V.  Sass  :  Untersuchungen  über  die  Niveau-Verschiedenheit  des  Wasser- 
spiegels der  Ostsee:  320-348. 


6)     Bulletin  de  la  s  o  ci  et  e  geo  l  o  gi  q  u  e  de  France,  [2.]    Paris.  S^. 
jJb.  186r,  91.] 

1863-1866,  XXIII,  f.  42-51,  pg.  657-811. 

Hamy:  über  eine  neue  Art  von  Ischuodus  (Schluss):  657-658 

CoRNUEL :  Beschreibung  fossi-ler  Fichtenzapfen,  aufgefunden  in  der  Neocom- 
Formation  des  Pariser  Beckens  (pl.  XII)  :  658-675. 

Ed   Lartet  :  über  zv^^ei  neue  fossile  Sirenen  aus  dem  Terliarbecken  der  (ia- 
ronne  (pl.  XIII):  675-686. 

Peron:   über  die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgegend  von  Anmale  (Al- 
gier): 686-719- 

L.  Lartet:  Untersuchungen  über  den  Salzgehalt  des  Todten  Meeres:  719-760. 
TovRNOueB:  über  neue  fossile  Sirenen  aus  der  Gegend  von  Sos:  760-763. 


i86 


TouRHoueR :  über  die  Auffindung  Säugethiere  enthaltender  Tertiär-Ablagerun- 
gen durch  CoMBF.s  im  Dep.  Lot-et-Garonne  :  763-764. 
JIercry:  über  Kreide-Ablagerungen  zwischen  Bethune  und  Bresle:  764-769. 
TouRNOieR :  Tertiär- Ablagerungen  im  oberen  Saone-Thale  :  769-805. 
Angelegenheiten  der  Gesellschaft:  805-811. 


7)     V  Institut.    I.  Sect.    Sciences  mathe'matiques .  physiques  et  natu- 
relles.   Paris.    8'-\    [Jb.  1S66,  818.j 

1S66,  13.  Juin— 29.  Aout,  No.  1693-1704,  XXXIV.  pg.  185-280. 

Daubree:  über  den  Meteorstein-Fall  bei  St.  Desmin  im  Aube-Dep.  am  30.  Mai 
1S66:  211-212. 

Lartkt  und  Terreil:  Analyse  des  Wassers  vom  Todten  Meer:  212-213. 
Malaise:  Alter  des  Menschengeschlechtes:  229-231. 

DupoM,  VA>-  Beneden  und  Omaliis  d'Halloy:  über  die  Quartär-Formation  der 
Provinz  Naraur :  244-245. 


8)  Nouvelles  Irchiv  es  du  J^luse'um  d'histoire  natu  r  eile  pu- 
bliees  par  Ics  professeurs  -  administraieurs  de  cet  etablissement. 
Paris.    40.    [Jb.  1S66,  713.] 

1866,  tome  II:  fasc.  3:  pg.  177-2s8. 

(Mehls  Einschlägiges  ) 


9)     Annales  de  Chimie  et  de  Pkysique.    [4.]    Paris.  8^.  [ih.  1866, 
819.] 

1866.  Juin— Aout:  VIII..  pg.  129-512. 
'  Sept.;  IX,  p.  1-128. 
Octob.:  IX,  pg.  129-256. 

Marignac:  Untersuchungen  über  die  Verbindungen  des  Tantals:  249-256. 


10)  Bibliotheque  universelle  de  Geneve.    B.    Archives  des  Scien- 
ces physiques  et  naturelles.    Geneve.    8*^.    [Jb.  1866,  818. j 
No.  104.  Acut.  XX VI,  pg.  481-640. 
E.  Plantamolr;    meteorologische  Resultate   des   J.  1865   für  Genf  und  den 
Grossen  St.  Bernhard  : 

>'o.  105-106,  Sept.  —  Octob.,  XXVII,  pg.  1-320. 
Versammlung  der  Schweizer  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften  zu  Neuf- 

chatel  vom  22.-24.  Aug.  1866:  137-168. 
E.  Desor:  die  Phasen  der  vorhistorischen  Epoche:  296-307. 


11)  The   London,   Edinburgh  a.  Dublin    Philosophical  Maga- 
zine  and  Journal  of  Science.    London.  8*^.  [Jb.  75^^,  819.] 
1866,  July— Sept.:  No.  213-215,  pg.  1-240. 


187 


D.  FoRBEs:  Untersuchung  südamerikanischer  Mineralien:  135-145. 
S.  Haughton:  mineralogische  Notizen:  227-230. 
Geologische  Gesellschaft.    Holland:  Geologie  des  Sinai  n.  s.  w.  — 
Dawson:  über  von  Würmern  herrührende  Höhlungen  u.  s.  \v. :  152-155  und 
230-234.  * 

12)  The  Quarterltj  Journal  of  the  Geological  Society.  Lon- 
don.   80.    [Jb.  1866,  819  ] 

1866,  XXII,  Novb.,  No.  88;  A.  p.  391-639;  B.  p.  25-30. 

BoYD  Davvkins  :  über  den  fossilen  britischen  Ochsen;  Bos  urus:  391-402. 

Hughes:  über  die  Vereinigung  des  Thanet-Sand  und  der  Kreide,  sowie  über 
die  Sandgate-Schichten  und  den  Kentisch  Rag:  402-404. 

Whitakbr:  über  die  unteren  Londoner  Tertiär-Schichten  von  Kent  (pl.XXII): 
404-435. 

Kerne:  über  Erdöl  und  Kohlen  führende  Gebilde  bei  Colley  Creek ,  Liver- 
pool in  Neu  Südwales:  435-439. 

Clarke:  Vorkommen  und  geologischer  Horizont  Erdöl  führender  Schichten  in 
Neu  Südwales:  439-448. 

Baüermann  :  die  Kupfergruben  des  Staates  Michigan:  448-463. 

Tylkr:  über  den  Zeitraum,  welcher  zwischen  der  Bjldung  der  Sand- Ablage- 
rungen in  den  unteren  und  oberen  Theilen  der  Thäler  in  England  und 
Frankreich  liegt:  463-468. 

Egerton:  neue  Species  von  Acantliodes  aus  dem  Kohlenschiefer  von  Longton 
(pl.  XXIII):  468-470. 

H.  Seeley:  Gruss-  und  Sand-Ablagerungen  von  Fenland  :  470-480. 

Harknbss  und  Nicholson:  über  die  Geologie  des  Coldale-Thalcs  nebst  einer 
Notiz  von  Salter  über  zwei  neue  Trilobiten:  480-488. 

—  —    untere  Silurgesteine  der  Insel  Man:  488-491. 
Holland:  Geologie  des  Sinai:  491-493. 

H.  VVoodward:  über  den  ältesten  britischen  Krebi ,  Palaeinachus  tongipes, 
aus  dem  „forest  marble"  bei  Malmesbury  in  Wiltshire  (pl.  XXIV,  fig.  1): 

493-  494. 

—  —  über  Species  des  Geschlechtes  Eryon  Desm.  aus  dem  Lias  und  Oo- 
lith  Englands  und  Bayerns   (pl.  XXIV,  fig.  2-4  und  pl.  XXV,  fig.  1-3): 

494-  503. 

■—  —  über  ein  neues  Krnster-Geschlecht  aus  den  MotFat-Schiefern  (Llan- 
deilo-Platten)  von  Dumfriesshire  (pl.  XXV,  fig.  4-7):  503-505. 

Plant:  Entdeckung  primordialer  Fossilien  in  den  l .inguta-V\nl\,(in  bei  der 
Grube  Tyddyngwladis  :  505-506. 

Ha^rkness:  raetamorphische  und  Fossilien  führende  (icsteine  der  Grafschaft 
Galway:  506-513. 

Geikie:  metamorphische  untere  Silurgesteine  von  Carrick  in  Ayrshire:  513-534. 
Williamson:  Chii^otlieiium-F'dhnen  im  Keupersandstein  von  Daresbury,  Che- 
shire:  534-535. 


*  Die  nämlichen  Mittheilungeu  wie  unten  im  Quartcrly  Journal. 


D.  R. 


188 


Pike:  merkwürdige  Verwerfungen  in  dfr  Penhalls  Grube :  535-538. 
Wood:  über  die  Structur  des  rothen  Crag:  538-553. 

Bristow  :  angebliche  Reste  des  Crag  in  der  Gegend  von  Folkestone:  553. 
0.  Fisher:    über   den  „Warp"   (oder  „tcaiy  of  the  drift^^),  sein  nuithmass- 

licbes  Alter  und  Zusammenhang  mit  den  letzten  geologischen  Vorgänge«  : 

553-565. 

Salter:  Faults  in  den  Drift  Ablagerungen  von  Hitchin.  Herls:  565-567. 
Flower  :  im  Thale  des  Ouse-Flüsschens  bei  Thctford  aufgefundene  Kieselge- 
räthe:  567. 

Wilson:  Geologie  der  Küste  von  Ecuador  und  über  das  Alter  des  Menschen- 
geschlechtes daselbst:  567-570. 

Guppy:  über  Tertiär-Formationen  in  Westindien,  nebst  Notizen  von  Wood- 
ward über  eine  neue  Species  von  Ranina  aus  tertiären  Schichten  von 
Trinidad  und  von  Jones  über  ISummuUna  (pl.  XXVI):  570-593. 

Neald  :  Entdeckung  neuer.  Gold  führender  Ablagerungen  im  Districte  von 
E.smeraldas,  Ecuador:  593-594. 

Leith-Adams:  fossile  Schildkröten  in  den  Knochen-Höhlen  von  Malta;  594-595. 

—  —  Entdeckung  von  Halitherium-Resten  in  miocänen  Ablagerungen  auf 
Malta:  595-596. 

YouNG:  über  Chondrosfens  und  über  einige  neue  Fische  aus  der  Steinkohlen- 
Formation :  596-608. 

Dawson:  über  angeblich  von  Würmern  herrührende  Höhlungen  in  den  Lau- 
rentinischen Gesteinen  von  Canada:  608-610. 

Geschenke  an  die  Bibliothek:  610-639. 


13;  Selby.  Babington,  Gray  and  Francis  :  The  Annais  and  Magazine  of 
natural  history,  including  Zoology.  Botang  and  Geologg.  London, 
8^    [Jb.  1867,  95.}- 

1866,  XVIII.  No.  107-108.  pg.  345-504. 

Fr.  M  Coy:  über  einige  neue  Species  von  Volitta  aus  den  Tertiär-Ablage- 
rungen von  Melburne:  375-381. 

Walker:  über  Phosphorit  führende  Ablagerungen  im  unleren  Grünsand  von 
Bedfordshire  (pl.  XIII):  381-387. 

E.  Strss :  über  die  Existenz  von  Hgalonema  in  fossilem  Zustande:  401-405. 

Owen:  über  Nototherium  Mitchellii  (pl.  XVI):  475-477. 


i4)  S.  HAüGHTor<  :    The  Dublin  Quarte  rly  Journal  of  Science 

Dublin.    8«.    [Jb.  1866,  715.] 

July  ;  No.  XXIII,  pg.  159-234. 
Kinaban:  Bemerkungen  über  die  blätterige  Structur  des  Gneiss  und  der  Schiefer 

von  Yar-Connaught  (pl.  IV):  185-187. 
Stacpoole  Westropp  :   über  ein  Trappgestein  bei  Bray  Head.  Grafsch.  Wick- 

lovv:  187-189. 


189 


W.  Harte:  Vorkommen  von  „Kjökkenmöddings"  in  der  Grafsch.  Doncgal : 
189-193. 

—    —    gewundene  Granitlagon  in  der  Grafsch.  Donegal:  193-195. 

BooKEY  Brownrigg:   Bemerkungen  über  einen  Theil  des  Kohlenfeldes  von 

Leinster  und  daselbst  vorkommende  organische  Reste:  195-197. 
Barry:  submarine  Erdbeben  und  Vulcane:  197-204. 

Beete  Jukbs:  weitere  Bemerkungen  über  die  Classification  der  Gesteine  des 
11.  Devonshire:  204-209. 


15)  H.  Woodward:   The  G eolo gical  Magazine.    London.    8''.  [Jb. 
95.] 

1866,  No.  30,  December  pg.  529-584, 
J.  Geikie:  über  den  metamorphischen  Ursprung  gewisser  granitischer  Gesteine 

und  Granite  in  den  südlichen  Schottischen  Hochländern:  529. 
"W.  Carruthers  :  über  einige  fossile  Coniferenfrüchte  (PI.  20  und  21):  534. 
Dr.  0.  Fraas:  die  vorhistorischen  Wohnsitze  w^ährend  der  Rennthier-Epoche 

in  Süddeutschland:  546. 
W.  B.  Clarkk  :  Bemerkungen  über  die  Geologie  von  Westauslralien :  551. 
Neue  Litteraiur:  556-563. 
Geologische  Gesellschaften:  563-570. 
Briefwechsel  un^j  Miscellen:  570-576. 


16)  Journal  of  the  R.  G  eolo  gic  al  Society  of  Ireland.    Vol.  I. 

Part.  II.    1865—1866.    London,  Dublin,  Edinburgh.    [Jb.  1866,  589.) 
1866.    80.    pg.  103-190.  — 
J.  B.  JüKEs :   Vergleiche  zwischen   den  Gesteinen  des   südwestlichen  Irland 

mit  denen  von  Nord-Devon  und  der  preussischen  Rheinprovinz  in  der 

Umgebung  von  Coblenz :  103-143. 
W.  Harte:  über  gebogene  Granitschichten  in  der  Grafschaft  von  Donegal: 

144. 

W.  B.  Brownrigg:  Bemerkungen  über  einen  Theil  des  Leinster  Steinkohlen- 
feldes: 145. 

G.  M.  Kinahan:  über  die  blätterige  Structur  des  Gneisses  und  Schiefers  von 

Yar  Connaught:  147. 
W.  H.  Stacpoole  Wrstropp  :  über  ein  Trappgestein  bei  Bray  Head,  Cy.  Wiek- 

low:  149. 

Ä.  Carte:  über  benagte  Knochen  des  Cerviis  megaceros  von  Lough  Gur,  Cy. 
Limerick  :  151. 

W.  Harte:  über  das  Vorkommen  von  Kjökkenmöddings  in  der  Grafschaft  Do- 
negal : 

Jahresbericht  u.  s.  w.  :  158, 


190 


17)  B.  SiLLiMAN  a.  J.  D.  D.4NA:  the  American  Journal  of  science 

and  arts,    Newhaven.    8^    [Jb.  186T,  96.] 

1866,  November,  XLII,  No.  126,  p.  293-444. 
E.  W.  Evans:    über   die  ölproducirende  Aufrichtung  von  West-Yirginien : 

334-343. 

E.  W.  Hilgard:  Bemerkungen  über  die  Drift  der  westlichen  und  südlichen 
Staaten  und  ihre  Beziehung  zu  der  Gletscher-  und  Eistheorie:  343-347. 

Ch.  ü.  Sheparu  :  Neuer  Fund  von  Meteoreisen  in  Cohahuila,  N. -Mexico  : 
347-350. 

Ch.  A.  Goessm.4nn:  Beitrag  zur  Chemie  der  Mineralquellen  von  Onondaga, 

N.-York:  368-375. 
J.  D.  Dana:  über  die  mögliche  Identität  des  Turnerit  und  Monazit:  420. 
WuRTz:  Grahamit,  ein  pechschwarzes  Albertit-artiges  Mineral  von  Virginien: 

420. 

Wöhlbr:  Laurit  =  12  (Ru.S.^)  +  OsS^:  422  u.  a.  Miscellen. 


Auszüge. 


A.    Mineralogie^  Krystallographie^  Mineralchemie. 

N.  V.  KoKSCHARow:  über  den  Kupfferit.  {Bull,  de  V Acad.  imp.  des 
Sciences  de  St.  Petersbourg,  tome  VII,  pg.  172—176.)  Bereits  vor  einigen 
Jahren  legte  N.  v.  Kokscharow  der  kais.  Academie  der  Wissenschaften  zu 
St.  Petersburg  einen  Krystail  vor,  der  in  einer  aus  körnigem  Kalk  und  Gra- 
phit bestehenden  Masse  eingewachsen  war,  aus  Transbaikalien  stammte  und 
sich  besonders  durch  seine  smaragdgrüne  Farbe  auszeichnete.  Diess 
Mineral  ergab  sich  als  eine  neue  Art  der  Äraphibol-Gruppe  und  darf  keines- 
wegs mit  dem  sog.  Smaragdit  verwechselt  werden,  welcher  bekanntlich  eine 
Verwachsung  von  zwei  verschiedenen  Mineralien,  von  Amphibol  und  Pyroxen 
ist.  Da  bereits  Lelievre  und  Vauquelin  im  Smaragdit  Chrom  nachwiesen 
und  da  der  Kupfferit  sich  ebenfalls  durch  Chrom-Gehalt  auszeichnet,  so  er- 
gibt sich,  dass  der  Smaragdit  aus  chromhaltigem  Amphibol  oder 
Kupfferit  und  aus  chromhaltigem  Pyroxen  besteht.  Der  von  N.  v. 
Kokscharow  (zu  Ehren  des  Krystallographen  Kupffer)  vorgeschlagene  Name 
hat  bereits  Eingang  in  die  Wissenschaft  gefunden,  indem  bei  Veröffentlichung 
einer  Analyse  des  uralischen,  chromhaltigen  Amphibols  Hermann  denselben 
unter  dem  Namen  Kupfferit  aufführte  Bisher  war  das  Mineral  nur  in 
Transbaikalien  und  im  Ilmengebirge  bekannt;  im  Sommer  1866  gelang  es 
N.  V.  Kokscharow  auch  solches  in  körnigem  Kalk  im  Lande  der  uralischen 
Kosaken  in  der  Nähe  des  Flusses  Sanarka  aufzufinden.  Es  folgt  nun  eine 
kurze  Beschreibung  des  KupfFerit  von  den  genannten  drei  Fundorten.  — 
1)  Kupfferit  aus  Transbaikalien.  Kommt  in  Krystallen  von  12  Millim. 
Länge  und  6  Millim.  Breite  vor,  die  mit  Graphit  in  körnigem  Kalk  einge- 
wachsen sind.  Das  klinorhombische  Prisma  zeigt  den  Winkel  von  124^30'; 
an  den  Enden  sind  die  Krystalle  abgebrochen.  Spaltbarkeit  prismatisch. 
H.  =  5,5.  Sehr  schöne  smaragdgrüne  Farbe.  Glasglanz,  stark  durchschei- 
nend. Chrom  Gehalt  wurde  durch  A.  v.  Volborth  nachgewiesen.  —  2)  Kupf- 
ferit aus  dem  Lande  der  uralischen  Kosaken.  Hier  findet  sich 
das  Mineral  in  den,  dem  Baron  Kotz  gehörigen  Goldseifen  in  ziemlich  grossen 
bis  etwa   15  Millim.   langen,   an   den  Enden   abgebrochenen  Kryslallen  in 


192 


weissen,  körnigen  Kalk  eingewachsen.  Die  Farbe  nicht  so  intensiv  wie  die  des 
Kupffrrits  aus  Transbaikalien.  —  3)  Kupfferit  aus  dem  1 1  m  en  g  e  b  i  r  ge. 
Bereits  von  Hermann  beschrieben.  Aggregate  prismalischer,  in  Granit  einge- 
wachsener Krystalle;  XP  ~  124<'I5'  nach  Hermann.  Spaltbar:  prismatisch. 
Im  frischen  Zustande  besitzen  die  Krystalle  eine  schöne  smaragdgrüne  Farbe, 
die  sich  jedoch  beim  Zutritt  der  Luft  verändert  und  bräunlich  wird.  Nach 
Hermann  ist  die  chemische  Zusammensetzung  folgende: 


Kieselsäure   57,46 

Magnesia   .10,88 

Kalkerde   2,93 

Alkalien   Spur 

Eisenoxydul   6,05 

Chromoxyd   1,21 

Nickeloxyd   0,65 

Glühverlust   0,81 

99,99. 


V.  V.  Zepharovich:  über  den  Wulfenit  von  Pribram.  (Aus  dem 
LIV.  Bde.  d.  Sitzungsber.  d.  kais.  Acad.  d.  Wissensch.  1.  Abth.  Juli-Heft.) 
Auf  dem  Schwarzgriibner  Gange  zu  Pribram  ist  neuerdings  Wulfenit  in  schö- 
nen Krystallen  vorgekommen,  an  welchen  von  Zepharovich  die  bisher  nicht 
bekannten  Prismen  XPVs  und  OOPVs  beobachtete.  Aus  den  Messungen, 
die  derselbe  anführt,  ergibt  sich  aus  20  Beobachtungen  für  die  .\littelkante 
von  P  =  131^43'38",  ein  Resultat,  welches  der  Angabe  Dauber's  für  den 
Bleiberger  Wulfenit  sehr  nahe  kommt.  Beachtenswerth  ist  die  Thatsache, 
dass,  wo  die  Krystalle  mit  dem  Gesteine  verwachsen  sind,  bedeutende  Win- 
kelabweichungen stattfinden,  Störungen,  die  v.  Zepharovich  bereits  am  Ve- 
suvian  wahrnahm  und  wohl  durch  die  Attractiv-Kraft  der  Masse  bedingt  sind. 
So  gering  die  Zahl  der  auftretet)den  Formen,  so  mannigfaltig  ist  die  Gestal- 
tung der  Krystalle  des  Wulfenit:  bald  pyramidal,  bald  tafelartig,  bald  hemi- 
morph,  indem  an  einem  Ende  die  Flächen  der  Pyramide,  am  anderen  die 
Basis  vorhanden.  Die  oktogonalen  i^rismen  erscheinen  vollflächig  oder  he- 
miedrisch  als  Tritoprismen.  —  t'ber  die  paragenetischen  Verhältnisse  des 
Wulfenit  von  Pribram  theilt  v.  ZEpnAROvicn  interessante  Bemerkungen  mit. 
Bei  dem  schönsten  Exemplare  lagert  auf  rissiger  Blende,  die  Bleiglanz-Par- 
tien enthält  und  von  Siderit-Adern  durchzogen  ist,  röthlichweisser  Dolomit, 
Drusen  krummflächiger  Rhomboeder  bildend:  darüber  folgen  Siderit-Linsen 
und  graue  Wulfenit-Krystalle  und  als  jüngste  Bildung  sind  Pyrit-Kryställchen 
aufgestreut.  Neuerdings  hat  man  zum  ersten  Male  Wulfenit  unmittelbar  auf 
Blende  angetroffen:  die  in  hohem  Grade  brüchige  Strahlenblende,  von  Pyrit 
oder  Bleiglanz-Theilchen  durchsetzt,  ist  auf  ihrer  nierenförmigen  Oberfläche 
mit  kleinen  tafelförmigen  Krystallen  von  Wulfenit  bedeckt.  Auch  in  den 
Sprüngen  der  Blende  haben  sich  Wulfenite  angesiedelt:  die  Erweiterung  der 
Klüfte  bei  fortgeschrittener  Entwickelung  der  Wulfenite  ist  deutlich  zu  er- 
kennen, es  wurden  Blende-Splitter  abgelöst  und  von  Wulfenit-Tafeln  um- 
schlossen. 


193 

Sheparü:  Hagemannit,  ein  neues  Mineral  vom  Arksut-Fjord 
in  Grönland.  (Silliman,  American  Journ.  XLII,  No.  125,  pg.  246—247.) 
Das  Mineral  bildet  feine  Schnüre  und  Streifen  zwischen  weissem  Kryolith, 
welche  eine  Dicke  von  Vg  bis  V2  Zoll  erreichen.  Es  ist  nicht  schwer  zer- 
brechlich, hat  ebenen  Bruch,  H.  =  3,0  3,5.  G.  2,59-2,60.  Farbe  wachs- 
bis  ockergelb,  zuweilen  etwas  in's  Grünliche;  Strich  heller.  Undurchsichtig. 
Decrepitirt  stark;  gibt  im  Kolben  Wasser.  Chemische  Zusammensetzung  nach 
G,  Hagem  ANN: 

Aluminium     ......  12,06 

Eisen  5)96 

Calcium  H,18 

Magnesium  2,30 

Natrium     .......  8,45 

Silicium  7,79 

Fluor  40,30 

Unlösliches  1,08 

Wasser  10,44 

99,56. 

Das  Mineral,  welches  zu  Ehren  G.  Hagemann's  (Chemiker  in  Alleghany, 
Pennsylvania)  benannt  wurde,  hat  ganz  den  Habitus  Opal-artiger  Körper. 


S.  Haughton:  Analyse  eines  grünen  Orthoklas  aus  Grünland. 
(Phifosophical  Magazine,  XXXII,  N.  215,  pg.  221.) 


Kieselsäure   64,40 

Thonerde   18,96 

Eisenoxyd   1,04 

Kalkerde  '   0,45 

Magnesia   0,14 

Kali   n,07 

Natron   2,35 


100,41. 


N.  V.  KoKscHARow:  über  den  Lawrowit.  {Bull,  de  T Acad.  imp.  des 
Sciences  de  St.  Petershourg,  tome  VII.  pg.  176 — 177.)  Schon  seit  langer  Zeil 
war  in  den  Sammlungen  /u  St.  Peter.-^burg  unter  dem  Namen  „ Vanadin-Augil" 
ein  Mineral  bekannt,  das  ans  Transbaikalien  stammt,  wo  es  am  Flusse  Sljud- 
janka  vorkommt,  theils  in  undeutlichen  Kryslallen ,  iheils  eingesprengt  in 
einem  körnigen  (iemenge  von  0"arz  und  Kalk.  Spallbar  prismatisch  —  87", 
wie  Augit.  Farbe  schön  smaragdgrün  in's  Grasgrüne.  Auf  N.  v.  Kokscha- 
Row's  Ersuchen  hat  N.  v.  Kulibin  eine  annähernde  qualitative  Analyse  mit  einer 
kleinen  Menge  des  Minerals  vorgenommen:  dasselbe  enthält  Kieselsäure,  etwas 
Thonerde  und  Eisen,  Kalkerde,  Magnesia  und  Spuren  von  Mangan:  die  grüne 
Farbe  rührt  von  Vanadin  her.  —  Zu  Ehren  Herrn  N.  v.  Lawrow's  schlägt 
N.  V.  Kokscharow  den  Namen  Lawrowit  vor. 


.Tahrhuph  1867. 


13 


194 


N,  V.  KoKscHARow:  Platin  mit  ])olarem  M  agnetis  niup.  (Buli.  de 
l'Acad  imp.  des  sciences  de  St.  Petersbourg  VII,  p^,  177  —  178.)  In  den 
Platinwäschen  von  iVischne-Tagilsk  kommen  zuweilen  Klumpen  von  Platin  vor, 
die  einen  so  starken  polaren  Magnetismus  besitzen,  dass  sie  in  dieser  Hin- 
sicht die  stärksten  natürlichen  Magnete  des  Berges  Blagodat  weit  übertreffen. 
Im  Ural  wird  im  Allgemeinen  die  Trennung  der  Eisentheile  vom  gewonnenen 
Golde  vermittelst  eines  starken  natürlichen  Magnetes  hervorgebracht:  um  auf 
annähernde  "Weise  die  Kräfte  beider  Substanzen  zu  vergleichen,  verwendete 
v.  KoKscHAROW  ZU  diesem  Zweck  ein  Stück  Platin  und  beobachtete  dabei, 
dass.  nachdem  der  gewöhnliche  Magnet  nicht  mehr  im  Stande  war.  zu  wir- 
ken, das  Platin  noch  eine  ziemliche  Menge  Eisentheile  herauszog.  Legt  man 
ein  solches  Stück  Platin  unter  Eisenspähne.  so  zieht  es  von  denselben  so 
viel  an  sich,  dass  es  ganz  unter  ihnen  verschwindet  und  nur  mit  Mühe  da- 
von zu  befreien  ist. 


JosiAH  CooKE :  über  den  Danalit,  eine  neue  Mineral-Species 
aus  dem  Granit  von  Rockport  in  Massachusetts.  (Sillimax.  Ame- 
rican Journ.  XLII;  No.  124.  pg.  73 — 77.)  In  dem  Granit  der  Gegend  von 
Rockport,  in  welchem  namentlich  bei  dem  Cap  Aun  viele  Steinbrüche  be- 
trieben werden .  findet  sich  in  Körnern  eingewachsen  ein  fleischrothes  Mi- 
neral; welches  dem  Rhodonit  (Kieselmangan)  gleicht.  Gewöhnlich  sind  an 
diesen  Körnern  weder  Krystall-Flächen  noch  Spaltbarkeit  zu  beobachten; 
nur  an  einem  derselben  erkannte  man  beim  Zerschlagen  im  Innern  ein  deut- 
liches Octaeder  mit  abgestumpften  Kanten;  die  Flächen  des  Rhombendode- 
kaeders parallel  der  längeren  Diagonale  gereift.  H.  ~  5,5 — 6.  Bruch  mu- 
schelig bis  uneben.  G.  —  3.427.  Fleischroth  in's  Graue.  Strich  etwas 
heller.  Durchsichtig.  V.  d.  L.  an  den  Kanten  schmelzbar  zu  schwarzem 
Email.  Auf  Kohle  mit  Soda -Beschlag  von  Zinkoxyd.  Gibt  im  Kolben  kein 
Wasser.  In  Salzsaure  leicht  löslich,  die  Kieselsäure  z.  Th.  gelatinirend. 
Mittel  aus  mehreren  Analysen: 

Kieselsäure    .......  31,73 

Eisenoxydul  27,40 

Zinkoxyd  17,51 

Mang.inoxydul  6,28 

Beryllerde  ■.  13,83 

Schwefel   5,^ 

102,23. 

Sauerstoff,  äquiv.  für  Sch^vefel  2,74 
99,49. 

Die  Metalle,  als  Oxyde  bestimmt,  sind  z.  Th.  mit  Schwefel  verbunden. 
Der  Danalit  steht  in  seiner  chemischen  Zusamraenselzuug  dem  Helvin  am 
nächsten;  er  kommt  bei  Rockport  gewöhnlich  mit  Lepidolith  vor,  bei  Glou- 
cester  in  Massachusetts  mit  Flussspath. 


195 


W.  Blake:  ,,Annotated  Catalogue  ofthe  principal  ininer al 
Speeles  hitherto  recogni  ^sed  in  California  and  the  adj  oining 
States  and  territor  ies.^^  Sacramento,  186ß.  8°.  Pg.  31.  Ein  reich- 
haltiger Beitrag  zur  topographischen  Mineralogie  Californiens,  über  dessen 
geologische  Beschaffenheit  wir  neuerdings  durch  Whitney  so  interessante 
Berichte  erhielten.  Aus  der  grossen  Zahl  von  Mineralien  —  welche  von 
Blake  in  alphabetischer  Ordnung  aufgezählt  werden  —  mögen  einige  der 
wichtigeren  Vorkommnisse  hier  hervorgehoben  werden. 

Chiastolith,  von  besonderer  Schönheit  und  häufig  in  den  Drift-Abla- 
gerungen am  Chowchillas-Fluss,  Grafschaft  Marioposa,  auch  in  Conglomerat- 
Schichten  daselbst. 

Blende,  auf  Gold  führenden  Quarz-Gängen  vielorts  in  der  Grafschaft 
Mariposa:  in  beträchtlicher  Menge  am  Meadow-See  mit  Bleiglanz,  Eisen- 
und  Kupferkies. 

Tinkai,  grosse  Krystalle  in  Thon:  „Lake  County". 

Zinnerzj  häufig  auf  Gängen  in  Granit,  in  der  Zinn- Region  von  Temes- 
cal,  Grafschaft  San  Bernardino;  das  sog.  Holzzinn  von  vorzüglicher  Schön- 
heit im  Idaho-Gebiete. 

Kupferkies  ist  eines  der  wichtigsten  Erze  Californiens,  das  einen  Haupt- 
gegenstand bergmännischer  Gewinnung  abgibt,  au  zahlreichen  Orten  des 
ganzen  Kupfererze  führenden  Gehänges  von  der  Grafschaft  Mariposa  bis  zu 
der  von  del  Norte. 

Ghlorsilber,  ziemlich  häufig,  als  Zersetzungs-Froduct  der  geschwe- 
felten Silbererze:  Lander  Grafschaft,  Nevada. 

Chromeisen,  derbe  Massen,  bedeckt  mit  grünen  Überzügen  von  Nickel- 
smaragd :  Grafsch.  Monterey. 

Zinnober,  gleich  dem  Kupferkies  eines  der  wichtigsten  Erze  Califor- 
niens, sehr  verbreitet  im  Kiisteji-Gebirge ,  zwischen  dem  Clear  Lake  im  i\. 
und  San  Luis  Obispo  im  S.  Es  scheint  vorzugsweise  an  secundäre  Gesteine 
gebunden  zu  sein.  Hauptfundort  sind  die  bekannten  Gruben  von  New  Alma- 
den in  der  Grafsch.  Santa  Clara.  Der  Zinnober  kommt  in  derben  Massen, 
Knollen  und  Schnüren  vor  und  wird  von  Eisenkies,  Kalkspalh  und  Bilumej« 
begleitet.  Auf  der  Grube  von  North  AIniaden,  auf  der  ö.  Seite  des  Thaies 
von  San  Jose  sind  auch  beträchtliche  Massen  von  Zinnober  vorhanden  und 
neuerdings  hat  man  das  Erz  in  ansehnlicher  Menge  und  von  besonderer 
Schönheit  auf  den  Gruben  von  New  Idria,  Grafsch.  Monterey  getroffen.  Nette 
Krystalle  von  Zinnober  finden  sich  in  Quarz,  auf  einem  Gold  führenden  Quarz- 
Gang  bei  Coulterville,  Grafsch.  Mariposa. 

Kupferglanz,  derbe  Massen  in  einem  syenitischen  Granit  auf  der  Maris- 
Grube,  Grafsch.  Los  Angelos;  er  ist  silberhaltig.  Auf  den  Klüften  des  Gra- 
nits finden  sich  als  Zersetzungs-Producte  des  Kupferglanzes  Kupfer  und  Silber. 
Ferner  ist  Kupferglanz  sehr  häufig  in  Arizona,  bei  La  Paz;  er  enthält  Silber 
und  bricht  mit  Gold  auf  Quarz-Gängen. 

Diamant,  tetraedrische  Krystalle  von  lichte  strohgelber  Farbe,  lose: 
Cherokee  Fiat,  10  Meilen  von  Oroville,  Grafsch.  Butte 

Flussspath,  Krystalle  und  krystallinische  Massen,  sehr  verschieden  ge 

13  * 


196 


färbt,  auf  Gängen  mit  Bleiglanz  und  Blende  im  District  von  Castle  Dome 
am  Colorado,  Arizona.    Weisse  Würfel  mit  Kupfererzen:  31ount  Diablo. 

Blei  glänz,  welcher  in  krystallinischen  und  körnigen  Partien  in  ver- 
schiedenen Grafschaften  (Mariposa,  Calaveras,  Nevada  u.  a.)  sehr  verbreitet, 
ist  bis  jetzt  noch  nicht  in  einigerniassen  guten  Krystallen  getrofiFen  worden. 

Granat,  in  losen,  ansehnlichen  Blöcken  am  Pilot  Hill,  Grafsch.  El  Do- 
rado.  Mit  Eisenglanz,  Eisenkies,  Kupferkies  und  Kalkspath  in  Steatit:  Pata- 
luma,  Grafsch.  Sonoma.  Grüner  Granat  von  besonderer  Schönheit  mit  Kupfer- 
erzen: Rogers  claim  im  Hope-Thal  in  der  Grafsch.  El  Dorado. 

Gold  "',  baumförmige  und  krystallinische  Partien  mit  kleinen  Octaedern 
von  Gold  bedeckt:  Irish  Creek  bei  Coloma ,  Grafsch.  Placer.  Kleine,  Pris- 
men ähnliche  (verzerrte)  Krystalle  von  besonderer  Schönheit  bei  Sonora.  Als 
Überzug  auf  Malachit  und  Kupferlasur,  ohne  Zweifel  aus  der  Zersetzung  von 
Gold-haltigem  Kupferkies  hervorgegangen:  Sherman  lode,  Grafsch.  Plumas. 
—  Auf  einem  Gang  von  Perlspath,  in  demselben  eingewachsen,  ohne  Quarz 
oder  Eisenkies:  Dryotown,  Grafsch.  Amador.  Beachtenswerth  ist  die  Ver- 
gesellschaftung von  Gold  mit  Zinnober  im  Küstengebirge:  man  bat 
besonders  derbe  Massen  von  Gold  auf  den  Zinnobererz-Gängen  angetroffen: 
Grafsch.  Colusa. 

Eisenkies,  sehr  verbreitet  auf  den  Gold  führenden  Quarz-Gängen  als 
ein  Hauptbegleiter  des  Goldes,  meist  Gold  haltig,  aber  in  sehr  schwankenden 
Verhältnissen.  Hexaeder  von  besonderer  Schönheit:  Fairmount  unfern  des 
Pilot  Hill,  Grafsch  El  Dorado.  Prachtvolle  Drusen,  Gesteins-Klüfte  ausklei- 
dend :  in  der  Gegend  von  Murphy,  Grafsch.  Calavera.  Kleine,  stark  glänzende, 
hexaedrische  Krystalle  in  Gold:  Georgetown,  Grafsch.  El  Dorado.  Grosse, 
wohlausgebildete  Krystalle  in  den  Schiefern  der  Deville-Grube,  südlich  vom 
Princeton  Hill,  Grafsch.  Mariposa.  Grosse  Krystalle,  zwischen  Auburn  und 
dem  Forest  Hill,  Placer  Grafsch. 

Magnesit,  derbe,  körnige  Massen  von  rein  weisser  Farbe,  bildet  Lager 
von  1  bis  6  F.  Mächtigkeit,  die  mit  Serpentin  und  talkigen  Schiefern  wech- 
seln: Visalia,  Grafsch.  Tulare.  —  Die  Gold  führenden  Quarz-Gänge  in  den 
Grafsch.  Mariposa  und  Tuolumne  werden  häufig  von  einem  fast  nur  aus  Mag- 
nesit bestehenden  Gestein  begleitet,  das  Eisenkies-Krystalle  enthält. 

Magneteiseu,  schöne  Octaeder  und  beträchtliche  Lager  von  vorzüg- 
licher Qualität  in  der  Grafsch  Sierra.  Auf  einem  3  F.  mächtigen  Gange  in 
Kalkstein:  Canada  de  las  Uvas,  Grafsch.  Los  Angelos.  Schöne  Octaeder  in 
Schiefer  eingewachsen  bei  der  Boston-Grube  in  der  Grafsch.  El  Dorado. 

Malachit,  von  seltener  Schönheit  mit  Kupferlasur:  Hughes-Grube  in  der 
Grafsch.  Calaveras. 

Misspickel,  auf  den  Gold  führenden  Quarz-Gängen  in  der  Grafsch. 
Nevada,  besonders  auf  der  Betsey-Grube;  Krystalle  von  Misspickel  sind  zu- 
weilen von  Gold-Blätlchen  durchzogen. 


*  Indem  wir  wegen  des  geologischen  Auftretens  \om  gediegenen  Gold  auf  den  geo- 
logischen Bericht  verweisen  (Jb.  1866,  742),  heben  wir  liier  nur  einige  mineralogische  Vor- 
kommnisse hervor.  D.  R. 


197 


JVlolybdänglanz,  ein  nicht  seltener  Begleiter  des  Goldes  auf  den 
Quarz-Gängen  in  Nevada,  sehr  häufig  namentlich  auf  der  Excelsior-Grube. 

Pyrolusit  bildet  einen  3  bis  4  F.  mächtigen  Gang  in  metamorphi- 
schen  Schiefern:  von  vorzüglicher  Qualität:  Red  Island  in  der  Bay  von  San 
Francisco. 

Pyrargyrit  wurde  zuerst  auf  der  Daney-Grube,  Washoe,  aufgefunden; 
besonders  häufig  aber  auf  den  Gängen  um  Austin,  am  Reese-Fluss,  gewöhn- 
lich mit  Silberglanz,  oft  so  reichlich  durch  die  Gangart,  den  Quarz,  vertheilt, 
dass  solcher  dadurch  roth  gefärbt  erscheint. 

Rothkupfererz,  auf  den  Kupfergruben  in  den  Grafsch.  Mariposa,  Ca- 
laveras,  Del  Norte,  meist  in  Gesellschaft  von  Malachit  und  Kupferlasur. 

Silber  ist  nicht  häufig;  Soledad,  Grafsch.  Los  Angelos,  auf  Klüften  von 
Syenit;  bei  Sonora.  In  der  Grafsch  Lander  in  Gesellschaft  von  Chlor-  und 
Bromsilber,  von  Malachit  und  Kupferlasur. 

Silberglanz,  nicht  krystallisirt :  Comstock,  Grafsch.  Nevada:  in  ziem- 
licher Menge  auf  der  Ophir-Grube,  Nevada,  in  und  durch  Quarz  gewachsen, 
gewöhnlich  in  Gesellschaft  von  Gold. 

Stephanit  kam  auf  den  Gruben  von  Ophir,  Nevada,  sehr  ausgezeichnet 
vor,  in  Krystallen,  die  bis  zu  2  Zoll  Länge  erreichten. 

Tetraedrit,  in  verschiedenen  Grafschaften  ziemlich  häufig  und  meist 
in  Gesellschaft  von  Gold  ;  Mariposa,  Calaveras.  Auf  der  Sheba-Grube  in  Ne- 
vada in  Menge  (Silberfahlerz)  in  Gesellschaft  von  Pyrargyrit,  silberhaltigem 
und  antimonhaltigem  Bleiglanz. 

Tellurerze  (Tetradymit?)  mit  Gold:  am  Carson  Hill  in  der  Grafsch. 
Calaveras. 


L.  R.  V.  Fellenberg:  Serpentin  aus  dem  MalenkerThal  in  Grau- 
bundten.  (A.  d.  Verhandl.  d.  Berner  naturf.  Gesellsch.)  Das  Gestein  kommt 
am  Nordrande  der  Ebene  von  Pirlo  im  Malenker  Thal  vor  und  wurde  von 
Prof.  Theobald  in  Chur  an  die  mineralogische  Sammlung  in  Bern  eingesandt. 
Es  scheint  eher  ein  Gemenge  mehrerer  Mineralien  zu  sein,  indem  in  der  dunkel 
graulichgrünen  Grundmasse  schwarze  und  hellere  Ausscheidungen  bemerkbar. 
Textur:  wenig  krystallinisch,  etwas  schiefrig.  Bruch  grobsplitterig.  H.  = 
4  —  5.  G.  =  2,99.  Matt.  A.  d.  K.  wenig  durchscheinend.  V.  d.  L.  un- 
schmelzbar: gibt  im  Kolben  Wasser.  Mit  Borax  und  Phosphorsalz  grünliche 
Gläser  mit  Eisenreaction.  Von  concentrirter  Salzsäure  unvollständig  zersetzt. 
Mittel  aus  zwei  Analysen : 


Kieselsäure   4I,7'2 

Magnesia   42,15 

Thonerde   3,19 

Eisenoxydul   7,96 

Chromoxyd   0,48 

Nickeloxyd   0,25 

Wasser   5,55 


101,30. 


498 


Weicht  durch  seinen  geringen  Wasser-Gehalt  von  den  normalen  Serpen- 
tinen ab. 


L.  R.  V.  Fbllenberg:  Kalkspath  von  Merl  igen.  (A.  a.  0.)  Bei 
JVIerligen  am  Thuner  See  im  Canton  Bern  finden  sich,  begleitet  von  skalenoe- 
drischem  Kalkspalh  und  von  Flusspath  .  farblose  Kalkspath-Krystalle,  Zwil- 
linge (die  Form  ist  nicht  näher  angegeben).  Oberflächlich  sind  sie  stellen- 
weise mit  dunkelfarbigen,  krystallinischen  Pünclchen  bestreut,  die  sich  nicht 
ablösen  lassen  und  bei  der  Analyse  als  dem  Mineral  fremde  Elemente  auf- 
treten. Spec.  Gew.  =  2,678.  Die  physikalischen  Eigenschaften  weichen 
von  denen  des  rhomboedrischen  Kalkspath  nicht  ab;  ebensowenig  das  Ver- 
halten gegen  Reagentien.    Zwei  Analysen  ergaben  : 

1.  2. 

Kohlensaure  Kalkerde    .    .    .    9S,0ü  ....  98,30 

Kohlensaure  Strontianerde  .    .     0,50  ....  0,60 

Kieselsäure  0,60  ....  0,30 

Phosphorsaures  Eisenoxydul     .    0,74  ....  0,80 
99,84  100,00. 

Da  Kieselsäure  und  phosphorsaures  Eisenoxydul  als  dem  Mineral  fremd, 
und  wahrscheinlich  den  Überzug  bedingend,  in  Abzug  zu  bri^^gen ,  so  be- 
steht der  Kalkspath  von  Merligen  aus: 

Kohlensaurer  Kalkerde  99,44 

Kohlensaurer  Strontianerde  0,56 

100,00. 


Shepard  :  über  Columbit  von  Northfield  in  Massachusetts. 
(SiLLiMAN,  American  Journ.  XLII,  No.  125,  pg.  248.)  Der  Columbit  findet 
sich  in  zienilich  gut  ausgebildeten  Krystallen  und  unterscheidet  sich  durch  sein 
höheres  spec.  Gew.  =  6,5  von  den  Columbiten  aus  Connecticut,  während 
er  sich  darin  dem  von  Bodenmais  nähert.  Derselbe  wird  von  Beryll  be- 
gleitet, dessen  Krystalle  einen  ganz  ungewöhnlichen  Habitus  besitzen,  näm- 
lich tafelartigen  und  zuweilen  bis  zu  10  Zoll  im  Durchmesser  erreichen. 
Beide  Mineralien  kommen  in  grobkörnigem  Schriflgranit  vor,  der  bis  zu  15  F. 
mächtige  Gänge  im  Glimmerschiefer  bildet. 


K.  V.  Haukr  :  Pseudomorphosen  von  Chlorit  nach  Granat. 
(  Jahrbuch  der  geologischen  Reichsanstalt,  XVI,  4,  S.  137.)  Die  bis  zu  Vi  Zoll 
im  Durchmesser  erreichenden  Trapezoeder  zeigen  sich  völlig  in  Chlorit  um- 
gewandelt.   Spec.  Gew.  —  3,04.    Die  cheniische  Zusammensetzung  : 

Kieselsäure  28,02 

Thonerde   23,84 

Eisenoxydul  28,60 

Magnesia  8,09 

Wasser   11,45 

100,00 


199 


entspricht  am  nächsten  dem  basischeren  Gliede  der  Chlorite,  dem  Ripidolith. 
Fundort:  Taszopatak  in  Siebenbürgen  in  Syenit. 


G.  TscHERMAK :  Über  den  Silberkies.  (Sitzungsber.  d.  kais.  Acad.  d. 
Wissenscb.  LIV,  S.  9,  Tf.  I.)  Nachdem  G.  Tschermak  bereits  eine  kurze 
IVlitlheilung  über  den  Silberkies  machte,  gibt  er  nun  eine  ausführlichere  Be- 
schreibung. Der  Silberkies  kommt  zu  Joachimsthal  in  Hohlräumen  eines  zel- 
ligen Dolomits  vor  und  bildet  Drusen,  die  halbkugelige  oder  nierenförrt^ge 
Gestalt  und  oft  eine  Endigung  von  derbem  Markasit  haben.  Die  Krystalle 
des  Silberkies  besitzen  bis  5  Millim.  Länge,  6  Millim.  Breite  und  die  Form 
einer  sechsseitigen  Säule  mit  einer  stumpfen  Pyramide.  Die  Farbe  an  der 
Oberfläche  selten  stahlgrau  oder  speisgelb,  meist  messinggelb,  tombackbraun 
oder  stahlblau  angelaufen.  Begleiter  des  Silberkies  sind  Pyrargyrit,  Arsenik, 
Calcit  und  Bitterspath.  Beim  Zerbrechen  eines  grösseren  Silberkies-Krystalles 
erkennt  man  bald,  dass  es  kein  ursprüngliches  Mineral.  Im  Innern  zeigt  sich 
ein  gelblichgrauer  Kern,  umgeben  von  speisgelber  Rinde  —  Alles  deutet  auf 
eine  Pseudomorphose  hin.  Die  chemische  Untersuchung  ~  so  weit  es  das 
vorhandene  Material  gestattete  —  ergab,  dass  weder  Rinde  noch  Kern  ein 
einfaches  Mineral,  sondern  dass  der  Silberkies  aus  Markasit,  Pyrargyrit,  Pyr- 
rhotin  und  Argentit  bestehe,  welche  Mineralien  in  ihm  zonenweise  vertheilt 
sind.  Die  stattgefundene  Veränderung  dürfte  etwa  so  zu  deuten  sein,  dass 
ein  Mineral,  das  die  Bestandtheile  des  Pyrargyrit  enthielt,  umgewandelt  und 
durch  Eisensulphid  verdrängt  wurde ,  während  sich  Pyrargyrit  bildete ,  der 
theils  vom  Leberkies  umschlossen ,  theils  in  Krystallen  auf  den  veränderten 
Drusen  abgesetzt  ward.  Erst  bei  einer  späteren  Umwandelung,  welche  auch 
die  Pyrargyrit-Krystalle  betraf,  wurde  die  Rinde  der  Pseudomorphosen  mit 
Schwefelsilber  imprägnirt.  —  Es  ist  in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  dass 
die  in  früherer  Zeit  von  Zippe  beschriebenen  Pseudomorphosen  von  Leberkies 
nach  Pyrargyrit  und  Stephanit  keine  solchen,  sondern  Silberkies  gewesen 
und  dass  die  früheren  Angaben  des  Vorkommens  von  Pyrrhotin  in  Joachims- 
thal unrichtig  seien. 


V.  v.  Zbpharovich:  Turmalin  und  Margarodit  von  Dobrowa  in 
Kärnthen.  (Sitzungsber.  d.  kais  Ac^.  d.  Wissensch.  LIV,  Juli-Heft),  S.  11 
bis  16).  Schöne  Turmaline  finden  sich  lose  oder  eingewachsen  in  körnig- 
schuppigen Aggregaten  von  weissem  Glimmer  im  Gneiss-Gebiete  bei  ünter- 
drauburg  unfern  Dobrowa.  Die  Krystalle  zeigen  vorherrschend  O0P2  und 
untergeordnet  VäQOR?  an  dem  einen  Ende  R,  am  anderen  R.  —  2R  und 
erreichen  bei  IV2  CM.  Breite  bis  zu  372  CM.  Länge-,  die  Farbe  ist  gelb- 
braun. Die  Turmaline  schliessen  hin  und  wieder  Schüppchen  von  Glimmer 
ein,  ausserdem  aber  ziemlich  häufig  feine  Krystall-Nadeln  eines  rothbraunen 
Minerals,  das  sii;h  bei  näherer  Untersuchung  als  Rutil  zu  erkennen  gab  und 
welches  auffallender  Weise  daselbst  ausserhalb  der  Turmaline  nur  in  win- 


*   Vergl.  Jahrl),  i866,  726. 


200 


zigen  Kryställchen  vorkommt.  —  Das  Glimmer-arlige  Mineral,  in  dem  die  Tur- 
maline  eingewachsen,  ist  Margarodit,  welcher  —  so  weit  die  kleinen  Tä- 
felehen eine  Messung  gestatten  —  in  krystallographischer  Beziehung  mit  dem 
Muscovit  übereinstimmt.  Spec.  Gew.  =  2,850.  F'arbe  silberweiss.  stark 
perlmulterglänzend,  zeigt  im  Polarisations-Apparat  sehr  schön  die  Interferenz- 
Erscheinung  optisch  zweiaxiger  Substanzen :  mit  einer  Quarz-Platte  geprüft 
ergab  sich  die  auf  der  Spaltfläche  normale  Bisetrix  als  eine  negative.  Die 
durch  E.  Boricky  ermittelte  chemische  Zusammensetzung  ist: 


Kieselsäure   48,74 

Thonerde   37,96 

Magnesia   2,41 

Kalkerde   2,63 

Kali   3,07 

Wasser    5,43 


100,26. 

Hiernach  die  alllgemeine  Formel: 

2R0  .  3Si  O2  +  3  (2AU03  .  3Si  0^)  +  2aq. 
Auffallend  ist  der  geringe  Gehalt  an  Kali  und  der  ansehnliche  an  Kalk- 
erde. 


S.  Haughton:  Analyse  einiger  Zeolithe  von  Bombay.  {Philos. 
iVagasi.  XXXII,  No.  215,  pg.  223  225.)  Durch  Oberst  Montgomery  gelangle 
die  Sammlung  des  „Trinity  College"  in  Dublin  in  Besitz  einiger  Zeolithe  von 
besonderer  Schönheit,  von  denen  Haughton  vier  näher  untersuchte. 

1)  Apophyllit,  in  ausgezeichneten  wasserhellen  Krystallen  auf  Desmin 
sitzend. 

2)  Desmin,  in  den  bekannten  Krystallen  und  strahligen  Partien. 

Apophyllit.  Desmin. 

Kieselsäure   51,60    58,20 

Thonerde   0,24  15,60 

Kalkerde   25,08    8,07 

Magnesia  0,08   — 

Kali  5,04  0,92 

Natron  0,63  0,49 

Fluor  0,97  

Wasser   16,20    .    .    ,    .    .    .  18,00 

99,84  TÖTTsr 

3)  Hypostilbit.  in  faserigen,  ^em  Natrolith  ähnlichen  Partien,  Blasen- 
räume in  Mandelslein  ausfüllend.  (Nach  Haughton  muss  der  Hypostilbit 
als  besondere  Speeles  betrachtet  werden.) 

4)  Harri  ngtonit,»  nadeiförmige  Gebilde,  Blasenräume  in  Mandelstein 
auskleidend. 

Hypostilbit.  Harringtonit. 


Kieselsäure   52,80  ....  45,60 

Thonerde   17;  12  ...    .  27,30 

Kalkerde   7,69  ....  12,1'» 

Magnesia   ........  Spur  ....  Spur 

Kali    0,07  ....  0,63 

Natron   2,35  ....  2,76 

Wässer                                  .  18,52  ....  12,99 


98,75  101,40. 


201 


Ferd.  Römer  :  über  von  Zinkspäth  umhüllte  Reste  einer  Fle- 
dermaus. (Zeitschr.  d.  deutschen  geolog.  Gesellsch.  XVIII  ,  N.  1,  S.  15.) 
Auf  einer  Galmei-Grube  bei  Javvorznow  im  Krakauer  Gebiete  wurde  durch 
V.  Lilienhof  ein  interessantes  Vorkommen  entdeckt.  Auf  einem  handgrossen 
Stücke  von  gelblichgrauem,  dichien  Dolomite  liegen  eckige  Stücke  desselben 
Dolomits,  welche  mit  einer,  etwa  eine  Linie  dicken  Rinde  von  gelblich  durch- 
scheinendem ,  feinfaserig  krystallinischem  Zinkspalh  überzogen  und  durch 
diese  Rinde  zugleich  unter  sich  und  mit  der  Unterlage  verkittet  sind.  Zwi- 
schen diesen  eckigen  Stücken  von  Dolomit  liegen  nun  die  Reste  einer  Fleder- 
maus. Die  Knochen  der  Vorderextremitäten  und  des  Schädels  sind  gut  er- 
kennbar. Die  dünnen  langen  Fingerknochen  ragen  zum  Theil  vor,  zum  Theil 
sind  sie  mit  einer  Rinde  von  Zinkspath  überzogen,  wie  überzuckert.  Der  Schä- 
del ist  ebenfalls  zum  Theil  mit  Zinkspath  überzogen.  Am  Grunde  des  Schä- 
dels hat  sich  noch  ein  dicker  Büschel  von  fuchsbraunen  Haaren,  stellenweise 
mit  Zinkspath  überrindet',  erhalten.  Grösse  und  Form  des  Schädels  passen 
zu  Vespertilio  murinus  L.;  jedenfalls  gehören  die  Reste  einer  noch  leben- 
den Fledermaus-Art  an.  Das  Interesse  des  Fundes  liegt  in  dem  Umstände, 
dass  derselbe  ein  sehr  jugendliches  Alter  des  Zinkspatlies  beweist;  eine 
in  die  Gesteins-Klüfte  gerathene  Fledermaus  der  Jetztzeit  ist  von  Zinkspath 
überrindel  worden.  Da  die  ganze  Erscheinungsweise  des  fraglichen  Gesteins- 
Stückes  ganz  derjenigen  gleicht,  wie  sie  in  Oberschlesien  die  gewöhnliche, 
so  hat  wohl  ein  grosser  Theil  des  oberschlesischen  Zinkspalhes  die  gleiche 
jugendliche  Entstehung  mit  diesem  Stücke  gemein. 


A.  Kenngott:  über  den  Rutil  der  Schweiz,  (Die  Minerale  der 
Schweiz,  S,  238 — 259).  Im  Binnen thale  in  Oberwallis  findet  sich 
Rutil  auf  Klüften  und  in  Drusenräumen  von  Glimmerschiefer,  kurze,  dicke 
Krysfalle,  P  .  PQC  •  Qt)P2  ,  (^D  PQD  ;  Kreuzzwillinge  nach  PQjf  5  schwarz, 
stellenweise  granatrolh  durchscheinend,  begleitet  von  Octaedern  von  Magnet- 
eisen, von  Adular,  von  Eisenglanz  und  Chlorit.  —  Auch  im  Kalkglimmer- 
schiefer des  Binnenthaies  kommt  Rutil  vor:  theils  eingewachsen  in  kleinen, 
undeutlich  ausgebildeten,  stark  gestreiften  Krystallen,  theils  in  auf  Klüften 
aufgewachsenen  :  Qt)P  •  Qt)PQO  •  P  •  Qt)P2  .  PQD  •  P3  von  Bergkryslall, 
Kalkspalh  und  in  Branneisenerz  umgewandelten  Eisenspnlh-Krystallen  be- 
gleitet, welche  letztere  zuweilen  rothe  Rutil-Nadeln  einschliessen.  —  Schöne, 
prismalische  Krystalle  der  Combination  QtlP  •  QfüPQO  •  QIDP2  .  P  .  PQD, 
bald  einfa(^he,  bald  Zwillinge,  werden  auf  Klüften  von  Kalkglimmerschiefer 
an  dem  „in  denTurpen"  benannten  Fundorte  im  Hintergrunde  des  Binnen- 
thaies getrotfen.  Ein  ganz  eigenthümliches  Vorkommen  im  ßinnenlhale  ist 
das  des  Rutil  in  dicktafelartigen  Krystallen  von  Eisenglanz,  ähnlich  jenem 
aus  dem  Tavetsch-Thale  in  Graubündten.  Die  mit  Adular,  GIin)mer  und 
Quarz  vergesellschafteten  Eisenglans-Krystalle  enthalten  gelbe  und  braune 
Rutile  aufliegend  und  oft  reichlich  eingewachsen.  Die  Rutil-Krystalle  haben 
gegen  die  Rand-Flächen  eine  bestimmte  Lage,  den  hexagonalen  Nebenaxen 
des  Eisenglanzes  parallel,  indem  sie,   von  der  Mitte  ausgehend,  sechsfach 


202 


strahlig  und  senkrecht  gegen  die  Combinations-Kanten  von  OR  und  */3P2 
gestellt  sind,  welcher  Lage  auch  die  eingeschlossenen  Krystalle  entsprechen. 
—  Endlich  findet  sich  Rutil  in  dem  an  eingewachsenen  Mineralien  so  rei- 
chen, weissen  körnigen  Dolomit  des  Feldbaches  oberhalb  Imfeid  im 
Binnenthal:  er  erscheint  in  eingewachsenen  oder  in  Drusenräumen  auf- 
gewachsenen, meist  kleinen,  schwarzen  Krystallen,  bald  in  sehr  einfachen 
Formen,  PQ(0  allein,  speisgelb  angelaufen,  bald  in  sehr  flächenreichen  Com- 
binationen.  —  ähnlich  wie  im  Kalkglimmerschiefer  des  Binnenthaies  findet 
sich  Rutil  in  gleichem  Schiefer  an  der  Almagell-Alpe  im^aasthale  in 
Oberwallis,  knieförmige ,  dicke,  stark  gestreifte  Zwillinge.  —  Im  Canton 
Tessin  findet  sich  im  weissen,  körnigen  Dolomit  von  Campo  longo  ober- 
halb Dazio  grande  (ähnlich  wie  im  Binnenthaler  Dolomit)  schwarzer, 
halbmetallisch  glänzender  Rutil  in  prismatischen  Krystallen  eingewachsen 
und  von  Schüppchen  weissen  Glimmers,  Pyrit-  und  Dolomit-Krystallen  be- 
gleitet. —  Am  längsten  bekannt  ist  wohl  das  Vorfiommen  des  Rutil  in  den 
Umgebungen  des  St.  Gotthard  (namentlich  am  Berge  Sella)  ,  auf  Klüften 
von  Glimmerschiefer,  auf  Bergkrystall  und  als  Einschluss  in  solchem,  be- 
gleitet von  Chlorit,  Albit,  Anatas,  Apatit.  An  der  Fibia,  s.w.  vom  Hospiz 
des  St.  Gotthard  findet  sich  Rutil  in  den  sog.  Eisenrosen  und  im  Berg- 
krystall. feine,  nadel-  bis  haarförmige,  zu  Büscheln  oft  verbundene  Kryställ- 
chen.  Vom  Mont-Orsino  (Ur  s  er  en  s  pitze)  am  St.  Gotthard  stammen 
eigenthümliche,  lange,  rothbraune  Rutil-Krystalle,  die  im  Innern  hohl  und  in 
den  Höhlungen  kleine  Titanite  enthalten;  auch  aussen  sind  sie  mit  Kry- 
ställchen  von  Titanit  und  Schüppchen  von  Chlorit  bekleidet.  An  ^ne  Pseu- 
domorphose  —  so  bemerkt  Kenngott  —  kann  man  hier  nicht  denken,  viel- 
mehr ist  anzunehmen,  dass,  wie  es  bei  dem  Pyromorphit  zuweilen  der  Fall, 
lineare  Krystalle  sich  mit  so  paralleler  Axenstellung  neben  einander  bildeten, 
dass  dadurch  im  Ganzen  ein  im  Innern  hohler  Krystall  entstand,  —  Bei  An- 
dermatt im  Urserenthale  wurde  beim  Bau  der  neuen  Oberalpstrasse 
sehr  schöner  Rutil  und  als  Einschluss  in  Bergkrystall,  auf  Klüften  von  Glim- 
merschiefer getroffen,  wie  VViser  im  Jahrbuch  ••'  beschrieb.  —  Im  Tavetsch- 
Thale  in  Graubündten,  wo  Rutil  sich  an  verschiedenen  Orten  findet, 
bildet  er  auf  Gneiss  aufsitzende,  stern-  oder  büschelförmige  Gruppen  braun- 
lichschwarzer,  nadeiförmiger  Krystalle,  begleitet  von  Chlorit  und  Bergkry- 
stall. auch  als  Einschluss  in  letzterem.  Ein  besonderes  Vorkommen  des  Rutil 
ist  das  am  St.  Antonio-Berge  im  Tavetscher  Thal,  auf  und  in  zu 
Brauneisenocker  umgewandeltem  Siderit,  der  grosse,  zu  Gruppen  vereinte 
Krystalle  bildete  und  von  Kalkspath  und  Glimmer  begleitet  wird.  —  Von 
besonderem  Interesse  ist  endlich  das  Vorkommen  des  Rutil  im  Eisenglanz 
vom  Caveradi  bei  Chiamut  im  Tavetscher  Thale.  Prismatische  Ru- 
tile  liegen  auf  den  Basisfläcben  der  sechsseitigen,  tafelartigen  Eisenglanz- 
Krystalle  auf,  sind  zum  Theil  in  dieselben  eingelagert,  oder  ganz  einge- 
wachsen und  zeigen  dabei  eine  eigenthümliche  Regelmässigkeit  der  Lage, 
indem  sie  nicht  allein  von  der  Mitte  der  Basis  Flächen  aus  divergirend  und 


*  Jahrb.  1864,  S.  217. 


203 


senkrechl  gegen  die  Ränder  des  Sechsseils  geslcllt  sind,  sondern  auch  so. 
dass  sie  auf  der  einen  Seile  gegen  drei  abwechselnde  Ränder,  auf  der  an- 
deren Seile  gegen  die  drei  anderen  abwechselnden  Ränder  diese  Lage  haben, 
übereinslinirnend  mit  der  Lage  der  an  den  Eisenglanz-Tafeln  combinirten 
Rhomboeder-FIächen  R.  Die  Eisenglanz-Tafeln  sitzen  auf  Bergkrystall  oder 
Ädular  und  sind  von  Glimmer  begleitet.  Die  Menge  des  Rutil  ist  sehr  ver- 
schieden; entweder  treten  seine  Kryslalle  nur  vereinzelt  auf  oder  sehr  zahl- 
reichj  bisweilen  so  ,  dass  mehr  Rulil  als  Eisenglanz  sichtbar  ist.  Mitunter 
sind  bei  dünnen  Eisenglanz-Tafeln  dicke  Rutil-Krystalle  wie  durch  den  Ei- 
senglanz durchschnitten,  so  dass  die  eine  Hälfte  desselben  Rutil-Krystalles 
oben,  die  andere  unten  zu  sehen  ist.  Auch  der  Quarz  von  diesem  Fundort 
zeigt  den  Rutil  als  Einschluss.  —  Von  Nalps,  einer  Schlucht  am  r.  Ufer 
des  Rheins,  gegenüber  dem  Berge  Giom  im  Tavetscher  Thale  stanimen 
braunlichschwarze  bis  braune,  nadeiförmige  und  dickere,  bis  2  Zoll  lange 
Rutil-Krystalle,  begleitet  von  mehr  oder  weniger  in  Brauneisenerz  umgewan- 
delten Hexaedern  von  Pyrit,  die  den  Rutil  auch  als  Einschluss  enthalten. 


Theodor  Petersen:  über  die  Grauerze  des  Bi  n  n  c  n  th  a  1  es.  (Sep.- 
Abdr.  a.  d.  VIT.  Bande  des  Offenbaeher  Vereins  für  Naturkunde,  S.  13—16.) 

Das  bleiische  Grauerz  des  Binnenthals  umfasst  nach  v.  Rvth's  neueren 
Untersuchungen  "'  drei  verschiedene  rhombische  Mineralien: 

1.  Skleroklas  v.  VYaltbrshausen  (Binnit  Kenngott,  Dufrenoysit  v.  Rath\ 

Zusammensetzung:  Pb^  Äs. 

Paramelerverhältniss :  a  :  b  :  c  =  1,531  :  1  :  0,938. 

2.  .Arsenomelan  v.  Waltershausbn  (Skleroklas  v.  Rath). 

Zusammensetzutjg :  Pb  As. 

Paramelerverhältniss:  a  :  b  ;  c  =  0,619  :  l  :  0,539. 

3.  Jordanit  v.  Rath, 

Zusammensetzung  :  0). 

Parameterverhälmiss:  a  :  b  :  c  =  2,031  :  1  :  0,538. 

Die  erste  Analyse  von  Damour  kommt  1.  nahe,  ebenso  eine  neuere  von 

Behendes,   für  2.  passt  einigermassen  eine  Analyse  von  Stockar- Escher,  3. 

wurde  nicht  analysirt.    Dagegen  zeigen  alle  übrigen  Analysen,  insbesondere 

die   derben   Stücke,   Mischungen   von  1.  und  2.  an  und   zwar  der  Formel 

Pb'*^  As  -f  Pb  Äs  sich  nähernde.  Von  zwei  verschiedeneu,  aber  reinen  Probe- 
stücken erhielt  Petersen  ähnliche  Resultate. 


l. 

IL 

Blei  .    .  . 

.    .    30,74  . 

.    .  51,32 

Silber    .  . 

.    .     0,21  . 

0,12 

Arsen 

.    .    '25,83  . 

.  23,93 

Schwefel  . 

.    .    23,22  . 

.    .  15,00 

100,00 

100,37. 

*  Vergl.  Jahrb.  1864,  ö.  711  ff.  D.  R. 


204 


Ai)geiicht>  der  Thatsache.  dass  die  nieisleii  Analysen  im  Mittel  die  For- 
mel Fb-  As  —  Fb  As  tast  genau  ersebcn  .  scheint  es  .  dass  diese  constaute 
>Fischung  nicht  aufgegeben  wtrdeu  darf.  Man  behalte  dafür  den  lange  für 
diese  Erze  üblichen  CullectiMiameu  „Binuit"  bei  und  bezeichne  die  anderen 
ebenfalls  nach  den  ersten  ßeschreibern  .  wie  es  unten  für  diese  \ier  Mine- 
ralien 2'eschehen  ist,  17  Analysen  \on  Stockir  Eichek.  A'aso^.  Uhrlvlb  und 
Feteksen  geben  im  Mittel  die  folgenden  Werthe.    Zweimal  wird  etwas  Eisen 

aufgeführt  und  als  Fe  in  Abzug  gebracht,  B emerkensu  erth  ist  der  bei  ab- 
nehmendem Blei  zunehmende  Gehalt  an  Silber.  0.02  — 1.62V,. 


aM=  IT 

z  ;                   To  -  A;  -T-  P" 

'  As  vrr::,-g 

Blei    .  . 

.    50. So 

.    .  51,37 

Blei  .  . 

Silber 

.  0.41 

Arsen  .  . 

.  2i:lb 

Arsen  . 

.    .  24.81 

Schwefel  . 

.  -24,31 

Schwefel 

.    .  -23:8-2 

99.S-3 

100,00 

Analyse  von 

Damouk 

:                               Pb2  As 

verlangt : 

Blei    .  . 

,  55.40 

Silber 

.  0:2\ 

Blei  .  . 

.    .  57,18 

Eisen  .  . 

.  0.-14 

Kupfer  . 

.  0.31 

Arsen 

.      20.  D':^ 

Arsen  . 

.    .  20.72 

Schwefel  . 

,  22.49 

Schwefel 

.    ,  22,10 

99. -54 

100,00 

lyse  von  >TC  CXar-EScH 

ER  :                         Pb  As 

verlangt : 

Blei     .  . 

.    4-5. öo 

Silber 

Blei  .  . 

.    .  42,68 

Eisen  .  . 

,  0.45 

Arsen  .  . 

25.55 

Arsen  . 

.    .  30,93 

Schwefel  . 

.  -25,91 

Schwefel 

.    .  26,39 

99. S9 

100,00. 

Das  sehr  seltene  und  nur  in  kleinen  Krystallen  beobachtete  Kuptermi- 
neral.  der  reguläre  Dufrenoysit  .  ist  zweimal  analysirt  worden.  Die  Unter- 
schiede sind  jedoch  so  l)eträchtlich .   dass  vorläufig  auch  hier  eine  Trennung 

vorgenommen   werden   muss.    Uhrl.a  b's  Analyse  fuhrt  zur  Formel  -Gri'^  As'^, 

die  \'on  Stochar-Escher  ist  auf  die  Formel  Gü  As  bezogen  worden.  Wenn 
nun  überhaupt  hier  zwei  verschiedene  Substanzen  \  erliegen  ,  so  luuss  man 
für  letztere  in  Anrechnung  bringen,  dass  ungefähr  2  ^  Silber  für  Kupfer  ein- 
getreten sind,  und  demgemäss  Arsen  und  Schwefel  etwas  geringer  ausfallen 

mussten,  als  wenn  nur  Kupfer  vorhanden,  die  Formel  Gü'^  As  wird  also  bei- 
nahe ebenso  gerechtfertigt,  aber  neben  den  anderen  gleichartig  constituirten 
Schwefelarsen-Verbindungen  um  vieles  wahrscheinlicher  sein.    Auch  müsste 

sonst  ein  Dimorphismus  der  Mischung  GuV\s  angenommen  werden,  indem 
der  Enargit  von  dieser  Zusammensetzung  rhombisch  krystallisirt. 


205 


Analyse  von  Uhrlaub  : 


Kupfer 
Blei  . 
Silber 
Eisen  , 
Arsen  . 
Schwefel 


37,75 
2,75' 
1,23 
0,82 
30,06 
27,54 


^Ü^As*  verlangt: 
Kupfer 


39,13 


Arsen  . 
Schwefel 


100,15 


31, Oö 
29,81 
100,00 


■€ü^  As  verlangt: 
Kupfer  48,22 

Arsen  19,13 

Schwefel  ....    .  32,65 
100,00 


-GÜ^Äs  verlangt; 


52,50 

20,83 
26,67 


100,0». 

also  nach  dem,  was  bis  jetzt 


Analyse  von  Stockar-ESCHER  ; 
Kupfer    .    .  46,24] 
Silber     .    .  1,91 
Arsen     .    .  18,98 
Schwefel     .  32,73 
99,86 

Die  Binnenthaler  Sulfoarsenide  steilen  sich 
darüber  bekannt  ist,  folgendermassen  zusammen: 

Binnil  W  As^  (od.  Pb^  As  +  Pb  As).       Diifrenoysit  €11^  As^ 

Jordanit  ?  (Ob  vielleicht  krystallisirter  fC-ü"*  As  (od.  ^'ü*  As)  ?  | 

Binnit  oder  Pb^  As-[?1)- 

Skleroklas    Pb^  As. 

Arsenomelan  Pb  As. 


W.  C.  Hankel  :  über  die  therm  oelectrischen  Eigenschaften 
des  Bergkrysta!  1  e  s.  (Abh.  d.  malh.  phys.  Classe  d.  K.  Sachs.  Ges.  d. 
Wiss.  No.  III.)  Leipzig,  1S66.  8«  S.  321-392,  2  Taf.  -  In  einer  brief- 
lichen Mittheilung  hat  schon  Geh.  Bergrath  Naumann  (Jb.  i866,  201)  die 
Blicke  auf  diese  gediegenen  thermoelectrischen  Untersuchungen  Prof.  Hankel's 
an  dem  Bergkrystalle  gelenkt.  Dieselben  liegen  jetzt  in  ihrer  ganzen  Aus- 
dehnung der  Beurtheilung  vor  und  bestätigen  von  neuem  den  innigen  Zu- 
sammenhang zwischen  Form  und  physikalischen  Eigenschaften  des  Minerals. 
Durch  sie  ist  erst  jetzt  ein  sicherer  Anhaltepunct  zur  Beurtheilung  der  schon 
früher  von  Naumann  vorgenommenen  Deutung  der  Flächensysleme  des  Quarzes 
gefunden  worden,  woraus  sich  ergibt,  dass  der  Bergkrystall  jedenfalls  zur 
trapezoedrisch  hemiedrischen  Abtheilung  des  hexagonalen  Syslemes 
gehört.  Die  thermoelectrischen  Axen  fallen  bei  Bergkrystallen  mit  den  Ne- 
benaxen  zusammen.  Derartige  Verhältnisse  zeigen  aber,  dass  es  nicht  bloss 
bequem  ist,  ein  hexagonales  System  überhaupt  festzuhalten,  sondern  dass  sich 
ein  solches  auch  auf  das  innerste  Wesen  der  darin  aufgenommenen  Minera- 
lien stützt.  Ohne  auf  speciellere  Angaben  hier  näher  eingehen  zu  können, 
dürfen  wir  jedenfalls  diese  Arbeiten  ,  deren  Endresultate  aus  den  Sitzungs- 
berichten d.  K.  Sachs.  Ges.  d.  Wiss.  1866,  S.  75 — 84  zu  ersehen  sind  ,  für 
alle  ähnlichen  Untersuchungen  als  eine  Musterarbeit  betrachten. 


206 


Ad.  Oborny:  über  einige  Gypsvorkommnisse  Mährens  und 
speciell  das  von  Koberitz  und  Austerlitz.    Brünn,  1866.    8^.    8  S. 

Der  Tegel  der  Miocäu-Formation  enthält  nicht  selten  Krystalle  von  Gyps, 
die  sich  besonders  da  zeigen,  wo  Braunkohle  auftritt.  An  derartigen  Tegel- 
lagern ist  Mähren  nicht  arm,  sie  bilden  die  untersten  Schichten  der  erwähn- 
ten Formation.  Die  Gypskrystalle  treten  sowohl  als  einfache  Krystalle  in  der 
bekannten  Conibination :  QC  P;  C  QOPQC);  auch  in  zierlichen  Zwil- 

lingsformen auf,  welche  hier  näher  beschrieben  sind. 

Der  Verfasser  erklärt  sich  bereit,  an  Freunde  der  Mineralogie  nach 
Maassgabe  seines  Vorrathes  die  einzelnen  Formen  theils  gegen  Tausch,  theils 
gratis  abgeben  zu  wollen. 


B.  Geologie. 

K.  Y.  Hauer:  die  Gesteine  von  den  Mai-Inseln  in  der  Bucht 
von  Santorin.  (Jahrb.  d.  geol.  Reichsanstalt,  XVI,  4.  Heft,  S.  188-181.) 
Die  neuesten  Analysen  vulcanischer  Froducte  von  Santorin,  welche  wir  der 
unermüdlichen  Thätigkeit  K.  v.  Hauer's  verdanken  *,  haben  sehr  interessante 
Resultate  geliefert.  Bekanntlich  wurden  im  Mai  1866  zwei  gesonderte  Ei- 
lande gebildet,  die  den  Namen  Maionisi,  d.  h.  Mai-Inseln  erhielten.  Die  Ge- 
steine von  diesen  Inseln  schienen  besonders  geeignet,  um  über  den  in  ihnen 
ausgeschiedenen,  feldspathigen  Bestandtheil  weitere  Aufklärung  zu  erlangen. 
Die  Untersuchung  zeigte,  dass  dieser  Feldspath  Anorthit  sei  und  legte  so- 
mit die  Vermuthung  nahe,  dass  die  Laven,  in  welchen  ein  an  Kieselsäure 
so  armer  Feldspath  sich  ausgeschieden  hatte,  wohl  nicht  identisch  seien  mit 
den  früher  zerlegten,  an  Kieselsäure  reichen  Laven  von  Santorin.  Die  Ana- 
lyse hat  eine  solche  Vermuthung  gerechtfertigt:  die  Ausbrüche,  denen  die 
Mai  Inseln  ihre  Entstehung  verdanken,  haben  nebst  sauren  Laven  —  deren 
Zusammensetzung  ganz  identisch  ist  mit  jener  der  von  den  kurz  vorher  er- 
folgten Ausbrüchen  herstammenden  Gesteine  -  auch  basische  Producle  und 
zwar  Eukrit-Laven  geliefert.  Ob  aber  diese  Anorthit-Gesteine  als  selbsl- 
ständiger  Erguss  empordrangen  oder  nur  als  Einschlüsse  der  sauren  Laven 
und  dann  wohl  nicht  in  flüssigem  Zustande  zu  Tage  gefördert  wurden,  lässt 
sich  nicht  bestimmen.  —  Das  untersuchte  Anorthit  Gestein  von  der  west- 
lichen Mai-Insel  ist  lichte  grau,  porös,  enthält  viel  ausgeschiedenen  Anor- 
thit; Körner  von  weingelbem  Olivin  und  dunkelgrünem  Augit;  das  spec.  Gew. 
des  Gesteins  ist  2,840  und  die  Zusammensetzung: 


*  Vergl.  Jahrb.  1866,  S.  4o9  ff.  und  837  ff. 


D.  R. 


207 


Kieselsäure  51,62 

Thonerde  18,18 

Kalkerde  11,89 

Magnesia  4,82 

Kali   0,59 

Natron  2,59 

Eisenoxydul  10,35 

Manganoxydul  0,11 

100,15. 

Analysen  von  den  in  diesem  Gestein  ausgeschiedenen  Mineralien  er- 


gaben  : 

Anorthit : 

Augit  : 

Olivin : 

Kieselsäure   .    .  . 

44,81 

.  52,61 

Kieselsäure    .    .  • 

.  38,15 

.  36,02 

Tiionerde  .... 

.  6,70 

39,05 

Kalkerde  .... 

18,01 

.  20,47 

Eisenoxydul  .    .  . 

.  22,42 

0,59 

.  5,22 

99,62 

Kali  » 

.  0,49 

Eisenoxydul  .    .  . 

.  15,05 

Natron  ) 

Manganoxydul  .  . 

.  0,23 

Eisenoxyd     .    .  . 

.  Spur 
99,92 

100,28 

Aus  dem  Anorthit-Gestein  im  Ganzen  lässt  sich  ein  beträchtlicher  Theil 
(58j837o)  niit  Salzsäure  ausziehen.  Eine  Untersuchung  des  unlöslichen  Theiles 
ergab  folgendes  Resultat,  dem  die  hieraus  berechnete  Zusammensetzung  des 
löslichen  Theils  beigefügt  ist. 

Unlösl.  Theil:  Löslicher  Theil: 

Kieselsäure   59,80    45,85 

Thonerde  11,82    22,61 

Kalkerde  9,32  13,67 

Magnesia  5,91  4,07 

Kali  und  Natron    ...     5,16  1,82 

Eisenoxydul  7,99  11,98 

Ein  bestimmtes  Urtheil  über  die  mineralogische  Zusammensetzung  des 
Gesteins  lässt  sich  nicht  fällen;  wahrscheinlich  ist,  dass  neben  Anorthit  noch 
Oligoklas  vorhanden  ist.  —  Jedenfalls  verdient  der  Umstand  noch  besondere 
Beachtung,  dass  das  untersuchte  Anorthit-Gestein  nach  den  sauren  Ergüssen 
zu  Tage  gefördert  wurde  und  dass  solches  eine  ganz  ähnliche  Zusammen- 
setzung besitzt,  wie  eines  der  ältesten  Gesteine  von  Santorin,  dessen  Ana- 
lyse früher  mitgetheilt  wurde."  Es  hat  somit  der  Heerd  von  Santo- 
rin in  der  neuesten  Zeit,  wie  in  früheren  Jahrhunderten,  ab- 
wechselnd saure  und  basische  Gesteine  zu  Tage  gefördert,  die 
in  ihrer  Zusammensetzung  einander  genau  entsprechen. 


C.  Simon:  Kupfer-  und  Bleierz- Ablagerungen  im  Buntsand- 
sleine und  Vogesensand steine  der  Umgegend  von  Saarlouis 
und  St.  Avold.  (Berg-  u.  hüttenmänn.  Zeitung,  XXV,  No.  48,  8.412-415; 
No.  49,  S.  421-423;  No.  00,  S.  430-433. 


*  Vergl.  Jahrb.  1866,  S.  838. 


208 


über  die  Erzablagerungen  bei  Wallerfangen  im  Kreise  Saarlouis  der 
preussischen  Rheinprovinz  und  bei  St.  Avold  im  französischen  Mosel-Depar- 
tement war  zeilher  noch  wenig  bekannt;  am  so  mehr  Beachtung  verdient 
die  sorgfältige,  von  Profilen  und  einer  kleinen  Karte  begleitete  Beschreibung 
Simons,  aus  der  wir  hier  nur  die  Hauptresultale  hervorheben.  Die  beiden 
Glieder  der  unteren  Trias  sind  hier,  wie  an  so  manchen  anderen  Orten,  pe- 
trographisch  ziemlich  scharf  charakterisirt.  Der  Vogesensandstein  ist  grob- 
körnig, oft  conglomeratartigj  frei  von  Kalk ,  arm  an  Glimmer,  enthält  keine 
Versteinerungen ;  die  oberste  Bank  desselben  endigt  stets  mit  einer  wenig 
mächtigen  Schicht  sandigen  Lettens  mit  Dolomit-Knollen.  Der'Buntsandstein 
ist  thonig,  feinkörnig,  reich  an  Glimmer,  oft  kalkig;  Pflanzen- Versteinerungen 
sind  häufig.  Vogesen-  und  Buntsandstein  werden  von  zahlreichen  Klüften 
durchzogen  und  an  diese  Spalten  ist  hauptsächlich  das  Vorkommen  der  Erze 
geknüpft.  Die  Bleierze  finden  sich  nur  im  Buntsandstein:  die  Kupfererze 
dagegen  ausser  in  diesem  auch  im  Vogesensandstein  und  zwar  in  dessen 
oberster  Schicht  unmittelbar  unter  dem  als  Grenzglied  zu  betrachtenden  Do- 
lomite. Die  Bleierze  sind  ini  kohlensauren  und  im  geschwefelten  und  zwar 
ursprünglich  nur  im  geschwefelten  Zustande  im  Gestein  eingesprengt.  Da- 
gegen sind  Kupfererze  nie  geschwefelt,  immer  im  oiydirten  Zustande;  Mala- 
chit und  erdige  Kupferlasur  im  Buntsandsteine  ,  schwarzes  Kupferoxyd  und 
die  beiden  Carbonate  im  Vogesensandstein.  Die  Buntsandstein-Erze  sind  viel 
thonigerj  daher  für  den  Laugereibetrieb  weniger  günstig,  als  die  Vogesen- 
sandstein-Erze.  Die  Bleierze  bilden  Nester  und  Stöcke:  die  Kupfererze  zo- 
nenartige Lager.  Beide  sind  stets  in  der  Nähe  der  Hauptklüfte  und  entfernen 
sich,  wie  es  scheint,  nie  sehr  weit  vom  Ausgehenden  der  Schichten.  Die 
Kupfererze  finden  sich  ausserdem  noch  am  Reichsten  in  unmittelbarer  Nähe 
der  untergeordneten  Klüfte.  Mit  den  Bleierzen  sind  fast  überall  Kalkmergel 
"und  Dolomite  eingelagert;  den  Kupfererzen  fehlen  diese  Begleiter.  Beach- 
tenswerlh  ist  endlich  das  Auftreten  von  Mineralquellen  (bei  St.  Avold)  in  der 
Nähe  der  Klüfte  und  Erze. 


H.  MijLLER:  die  K  u  p  f  e  r  er  z  -  L  a  ge  r  s  t  ä  t  te  n  von  Gumeschewsk 
und  Soimonowsk  am  Ural.  (Verhandl.  d,  bergmänn.  Vereins  zu  Frei- 
berg; berg-  und  hüttenmänn.  Zeitung,  XXV,  N.  29,  S.  252—253.)  Die  Gru- 
ben von  Gumeschewsk  liegen  l^;^  geogr.  Meilen  südwestlich  von  Katharinen- 
burg, V2  Meile  n.  von  Polekowskoi,  in  einem  Längenthaie  ,  dessen  Gehänge 
ans  krystallinischen,  metamorphischen  Schiefern  und  aus  Serpentin  bestehen. 
Im  Grunde  dieses  Thaies  zieht  sich  ein  breiter  Streifen  körnigen  und  dichten 
Kalksteins  hin.  der  in  seiner  .Mitte  von  einem,  oft  von  Granatfels  begleiteten, 
erzführenden  Diorit-Gange  der  Länge  nach  durchsetzt  wird.  Derselbe  steht 
aber  nicht  in  unmittelbarer  Berührung  mit  dem  durchsetzten  Kalksteine,  son- 
dern wird  von  einer  breiten  Ablagerung  gelben,  eisenschüssigen  Thones  be- 
grenzt, der  als  das  Zersetzungs-Product  des  Diorites  und  der  Nachbargesteine 
anzusehen  ist.  Der  Diorit-Gang  selbst  enthält  in  grösserer  Teufe ,  wo  er 
noch  unzersetzt  und  frisch  ist,   kleine  und  grosse  Nester  eines  kupferarmen 


209 


Gemenges  von  Eisen-  und  Kupferkies,  in  oberen  Sohlen,  wo  schon  eine 
Zersetzung  des  Gesteins  staltgehabt  hat,  finden  sich  auch  oxydirte  Kupfer- 
erze, besonders  Malachit,  Kupfergrün,  Rothkupfererz,  sellener  Kupferlasur^ 
Kupferpecherzj  Broohantit.  Diese  Erze  sind  aber  namentlich  in  den  benach- 
barten Thonen  angehäuft,  an  der  Grenze  zwischen  Kalkstein  und  Diorit ;  sie 
wurden  hauptsächlich  abgebaut,  während  man  den  Schwefelerzen  wenig  Be- 
achtung schenkte.  Der  Malachit  kam  zuweilen  in  schönen  und  beträchtlichen 
Massen  vor;  unter  anderen  wurde  in  18  Lachter  Teufe  ein  gegen  60  Ctr. 
schwerer  Block  von  reinem  Malachit  gefunden.  Als  Begleiter  der  Kupfer- 
erze in  den  Thonen  tritt  häufig  Brauneisenerz  und  Thoneisenstein  auf  in  Ne- 
stern, seltener  auch  etwas  Quarz,  Jaspis  und  Hornstein.  —  Die  Lagerstätte 
von  Soimonowsk  befindet  sich  am  ö.  Abhänge  des  Ural,  etwa  20  Meilen  s. 
von  Katharinenburg,  im  Thale  des  kleinen  Flusses  Sak  Elga.  Dieses  wird 
von  hohen  Serpentin-Bergen  eingefasst,  in  seinen  tieferen  Regionen  jedoch 
von  einer  breiten  Zone  körnigen  und  dichten  Kalksteines,  von  metamorphi- 
schen  Schiefern,  als  Chloritschiefer,  Talk-  und  Thonschiefer  durchsetzt.  An 
der  liegenden  und  hangenden  Grenze  des  Kalksteines  treten  verschiedene 
Kupfererz-Lagerstätten  auf;  dieselben  sind  vorzugsweise,  wie  bei  Gume- 
schewsk,  nesterweise  in  eisenschüssigen  Thonen  angehäuft.  Die  wichtigsten 
Erze  sind  Malachit  und  Kupfergrün,  seltener  Kupferlasur  in  Gesellschaft  von 
Braun-  und  Thoneisenstein.  Die  oxydirten  Kupfer-  und  Eisenerze  sind  ver- 
mulhlich  Producte  der  Zersetzung  von  Schwefelerzen ,  welche  in  dem  zu 
eisenschüssigem  Thon  umgewandelten  Diorit  enthalten  waren.  Die  verschie- 
denen Bergbau-Puncte  in  der  Umgebung  von  Soimonowsk  lieferten  den  Nach- 
weis, dass  auf  sämmllichen  Erzlagerstälten  Kupfer-  und  Eisenkies  die  ur- 
sprünglichen Erzarten  waren.  Interessant  ist  das  durch  den  Ekatroinskischen 
Schacht  aufgeschlossene  Vorkommen.  Hier  bricht  mitten  in  Chloritschiefer 
ein  3  bis  4  Lachter  mächtiu,es  Lager  von  mit  wenig  Kupferkies  gemengtem 
Eisenkies,  der  aber  meist  zersetzt,  mehr  oder  weniger  von  Schwefel  be- 
gleitet erscheint.  An  einer  Stelle  dieser  Lagerstätte  fand  sich  der  Schwefel 
in  der  Erstreckung  von  einigen  Lachtern  fast  rein  vor,  so  dass  man  sich 
veranlasst  sah,  zu  seiner  Gewinnung  einen  kleinen  Tagebau  anzulegen.  Ge- 
genwärtig ruht  der  Bergbau  bei  Soimonowsk  ;  die  bessere  Rentabiliiät  der 
nachbarlichen  Goldseifenwerke  einerseits,  andererseits  die  Schwierigkeit,  die 
in  den  unterirdischen  Grubenbauen  vorhandenen  Wasser  zu  entfernen,  gelten 
als  Gründe  des  zeitweiligen  Stillstandes. 


Julius  Andre;  Studien  über  die  Verwitterung  des  Granits. 
München,  1866.  S.  43.  —  Nachdem  der  Verf.  in  sehr  eingehender  Weise  die 
verschiedenen  Stadien  der  Verwitterung  betrachtet,  welcher  die  Bestand- 
thcile  des  Granits  im  Besonderen,  sowie  das  Gestein  im  Ganzen  unterworfen, 
theilt  er  einige  Analysen  mit,  welche  er  ausführte.  Die  untersuchten  Gra- 
nite stammen  von  Hauzenberg  im  bayerischen  Wald  1)  Frischer  Granit, 
feinkörnig,  mit  weissem  Orthoklas  und  braunem  bis  schwarzem  Glimmer,  der 
mit  weissem  fest  verwachsen  ist.  2)  Über  diesem  Granit  liegt  ein  schon  in 
Jahrbuch  I8ü7.  %  14 


210 


Verwitternng  begriffener,  der  ziemlich  stark  braun  gefärbt,  aber  noch  seine 
frühere  Consistenz  besitzt.  3)  Lockerer  Granit,  aus  dem  man  Orthoklase 
herauslösen  kann.  4)  Sandartige  .Masse  von  hellbrauner  Farbe  von  Glimmer- 
blättchen  in  Menge  durchzogen,  jedoch  fehlt  der  ßiotit. 

Verwitterungs-Stufen  des  Granit. 


1.  2.  3.  4. 

Kie3elsäure                      73,13  .  73,71  .  73,78  .  74,57. 

Thonerde  10,50  .  10,78  .  11,61  .  12,02 

Eisenoxyd  3,16  .  3,18  .  3,76  .  3,20 

Magnesia   1,12  .  0,82  .  ü,99  .  0,80 

Kali                                  9,04  .  8.51  .  7,07  .  4,92 

Natron                               1,80  .  0,92  .  0,33  .  0,46 

Wasser                              0,45  .  0,92  .  1,76  .  3,20 

Verlust                             0,80  .  1,16  .  0.70  .  0.83 

10ü,Ü0  100,(J0  ■  100,00  100,00. 


Die  Verwitterung  bringt  im  Granit  im  Ganzen  folgende  Veränderungen 
mit  sich:  a)  eine  stetige  Zunahme  von  chemisch  gebundenem  Wasser,  eine 
Art  Hydratation.  Dass  das  aufgenommene  Wasser  nicht  allein  dem  feldspa- 
thigen  Theile  zukommt,  sondern  dass  der  Glimmer  (und  vielleicht  auch  der 
Quarz)  Theil  daran  nimmt,  ist  nicht  zu  bezweifeln;  in  dem  verwitternden 
Granit  kommt  jedoch  noch  ein  Theil  des  gebundenen  Wassers  dem  Eisen- 
oxyd zu.  b)  Die  relativen  Mengen  der  Kieselsäure  und  Thonerde  nehmen 
in  dem  Verhältnisse  zu,  in  welchem  andere  Bestandlheile  ausgewaschen  wer- 
den, c)  Dagegen  werden  Kali,  Natron  und  Magnesia  durch  den  Verwitte- 
rungs-Process  entfernt,  ihre  relativen  Mengen  werden  mit  zunehmender  Ver- 
witterung geringer. 


W.  Wicke :  über  die  Phosphat  - Knollen  in  dem  Eisenerze  von 
Gross-Bülten  und  Adenstedt.  (Königl.  Gesellsch.  d.  Wissensch,  zu 
Göttingen  1866.  No.  14,  S.  211  —  214.)  -  Die  Phosphat-Knollen  kommen  in 
dem  Eisenerz,  welches  der  oberen  Kreide  angehört,  in  unregelmässiger  Ver- 
theilung  und  wechselnder  Menge  vor.  Sie  zeigen  iheils  rundliche  Formen, 
von  Haselnuss-  bis  über  Hühnerei-Grösse,  theils  längliche,  bis  mehrere  Zoll 
lang.  Die  Farbe  ist  gelblich;  die  dunkelsten  Knollen  besitzen  im  Innern 
einen  weissen,  weichen  Kern  von  härterer,  schwärzlicher  Schale  umgeben. 
Form  und  Aussehen  der  Knollen,  besonders  die  abgeschliffenen,  oft  blanken 
Flächen  sprechen  dafür,  dass  sie  längere  Zeit  im  Wasser  bewegt  wurden. 
Nach  den  bis  jetzt  angestellten  Untersuchungen  hat  es  den  Anschein,  als  ob 
der  Gehalt  an  Phosphorsäure  in  den  runden  geringer  sei,  als  in  den  läng- 
lichen; der  niedrigste  Phosphorsäure-Gehalt  beträgt  26%,  der  höchste  31%. 
Die  Phosphorsäure  ist  indess  nicht  allein  an  Kalk,  sondern  auch  an  Thonerde 
und  Eisenoxyd  gebunden;  in  geringer  Menge  findet  sich  kohlensaurer  Kalk 
und  Fluorcalcium.  Zur  chemischen  Untersuchung  wurden  Knollen  von  ver- 
schiedener Form,  Farbe  und  Grösse  ausgewählt. 


211 


Phosphorsäure   33,33 

Schwefelsäure   0,52 

Kohlensäure   2,45 

Magnesia  •  0,22 

Kalkerde   42,06 

Thonerde   3,56 

Eisenoxyd   6,98 

Fluorcalcium   2,50 

Unlöslicher  Rückstand  .     .  3,34 

Feuchtigkeit      .....  1,67 

Glühverlust   3,34 

99,97, 


M.  Graff:  über  die  Kupfergruben  von  L'Alp.  (Berg-  und  hüt- 
tenmännische Zeitung,  XXV,  No.  40,  S.  346—347.)  —  Verfolgt  man  die  Ro- 
manche  stromaufwärts  von  dem  1657  Meter  über  dem  Meere  gelegenen  Dorfe 
Villard-d'Arene,  so  gelangt  man,  nach  Überschreitung  eines  auf  der  Grenze 
zwischen  Lias  und  Gneiss  liegenden  Engpasses,  in  einer  Höhe  von  2000  Meter 
an  die  nur  im  Sommer  bewohnten  Sennhütten  von  L'Alp.  Südlich  von  diesen 
liegt  eine  hohe,  zum  Massiv  von  Pelvoux  gehörige  Gebirgskette  ,  aus  Gneiss 
bestehend.  In  einem  Seitenarm  derselben  liegen  die  Kupfergruben:  in  der 
Nähe  der  Sennhütten  wird  der  Gneiss  von  Lias  bedeckt,  welcher  an  der 
Grenze  viele  Leitfossilien  umschliesst.  Bis  jetzt  sind  3  Erzlagerstätten  in 
Betrieb.  Die  eine  findet  sich  fast  an  der  Contactstelle  von  Gneiss  und  Lias; 
der  Gang,  bor.  5  streichend  und  43^  nach  W.  fallend,  ist  bis  zu  2  Meter 
mächtig  und  besteht  aus  mehreren,  durch  dünne  Gneiss-Partien  von  einander 
getrennten  Erzadern.  Letztere,  deren  Mächtigkeit  zwischen  0,01  und  0,15 
Meter  schwankt ,  führen  bei  einem  aus  Quarz  und  Bitterspath  bestehenden 
Ganggestein,  Bleiglanz  in  kleinen  Würfeln,  Fahlerz,  Kupfer-  und  Eisenkies. 
Die  zweite  Lagerstätte  liegt  am  ö.  Abhänge;  der  Gang  streicht  hör.  4,  fällt 
unter  50^  nach  0.  und  besteht  gleichfalls  aus  mehreren,  durch  Gneiss  ge- 
trennten Adern.  Seine  Mächtigkeit  beträgt  3  Meter;  die  Erze:  Bleiglanz  in 
Würfeln,  Fahlerz,  Kupferkies,  Kupferlasur  und  Malac-hit  brechen  n)it  Quarz 
und  Kalkspath  ein.  —  Die  dritte  Lagerstätte,  Grande-Carriere  genannt,  ge- 
hört zu  den  sogenannten  Trümmerstöcken.  Silberhaltige  Kupfererze  von  0,01 
bis  0,20  Meter  Mächtigkeit  sind  im  Gneiss  auf  eine  Höhe  von  12  M.  und 
eine  Breite  von  15  M.  verthcilt.  Die  Erze  bestehen  aus  Kupferkies,  Fahl- 
erz, Bunlkupfererz,  Kupferlasur,  Malachit:  sie  finden  sich  nicht  allein  in  den 
Trümmern  ,  die  sich  gegenseitig,  ohne  Verwerfung  durchsetzen,  sondern  sie 
imprägniren  noch  das  Ganggestein  auf  mehrere  Millimeter. 


B.  Silliman:  über  den  Gaylüssit  im  N  e  v  a  da  -  G  eb  i  et  e.  (Silliman, 
American  Journ.  XLII,  No.  125,  pg.  120—121.)  —  In  der  Nähe  von  Rag- 
town,  in  der  Grafschaft  Churchill,  Nevada,  in  der  weiten  Ebene,  liegt  ein 
kleiner  Salzsee,  welcher  eine  trichterartige  Verliefung  ausfüllt.  Form  und 
andere    Verhältnisse    lassen    auf    einen    vulcanischen   Ursprung  desselben 

14* 


-  212 

schliessen.  Er  besitzt  deutliche  Krater-Gestalt  mit  den  Umrissen  einer  dop- 
pelten Ellipse,  offenbar  durch  die  Vereinigung  zweier  Krater  entstanden;  der 
grössere  liegt  nördlich  und  hat  einen  Durchmesser  von  etwa  1^2  Meilen. 
Die  Oberfläche  des  Wassers  ist  ungefähr  200  F.  unter  dem  Kraterrand,  wel- 
cher sich  nur  um  ein  Weniges  über  das  Niveau  der  Ebene  erhebt.  Die 
Krater- Wände  sind  steil ;  sie  bestehen  aus  Lagen  vulcanischen  Materials, 
aus  Asche,  Lapilli,  GeröUen  von  Basalt,  gemengt  mit  Producten  der  warmen 
Quellen.  Die  westlichen  Ufer  des  See's  werden  zum  Theil  von  Kalk  ge- 
bildet und  daselbst  finden  sich  mehrere  kleine  Quellen,  die  in  den  See  flies- 
sen:  eine  derselben  liefert  reichlich  treffliches  Trinkwasser.  Das  Wasser  des 
See's  hingegen  ist  sehr  salzig :  die  Oberfläche  der  Gesteine,  welche  ihn  umgeben, 
ist  allenthalben  mit  salzigen  Krusten  bedeckt.  An  mehreren  Stellen  an  den  Ufern 
des  See's  und  besonders  an  dem  kleinen,  in  dessen  Mitte  gelegenen  Eilande, 
zeigen  sich  reichlich  Anhäufungen  gelblich  weisser  Krystalle  von  Gaylüssit, 
deren  Bildung  hier  offenbar  noch  fortdauernd  statt  hat:  sie  finden  sich  aber 
nicht  in  der  Nähe  der  Quellen.  Andere  krystallisirte  Mineralien  scheinen 
nicht  vorzukommen  Der  merkwürdige  See  verdankt  ohne  Zweifel  vulca- 
nischer  Thätigkeit  seinen  Ursprung,  welche  indess  auf  den  Auswurf  von 
Schlamm,  Asche,  Lapilli  beschränkt  war. 


C.  Naumann:  Lehrbuch  der  Geognosie.  Dritter  Band.  Erste  Liefe- 
rung. Zweite,  vermehrte  und  verbesserte  Auflage.  Leipzig.  8*^.  1866. 
S  192.  —  Nachdem  das  Erscheinen  des  gewiss  von  vielen  sehnlich  erwarteten 
dritten  Bandes  von  C.  Naumann's  Geognosie  sich  wegen  Unwohlsein  und  drin- 
gender Berufsgeschäfte  des  Verf.  verzögert  halte,  liegt  nun  endlich  die  erste 
Lieferung  (Bogen  1 — 12)  vor  uns.  In  derselben  sind  die  Tertiär-For- 
mationen mit  grosser  Vollständigkeit  geschildert;  wir  deuten  hier 
nur  kurz  den  Inhalt  an. 

in  der  Einleitung  bespricht  der  Verfasser  die  <illgemeinen  Verhältnisse 
der  Tertiär-Formationen,  deren  Gliederung  bekanntlich  seit  dem  Erscheinen 
der  ersten  Auflage  seines  Werkes  im  J.  185J  immer  verwickelter  und  com- 
plicirter  geworden  ist.  Naumann  erklärt  sich  für  eine  viertheilige  Ein- 
theilung  in  folgender  Weise: 

A.  Paläogene  Tertiär-Formationen. 

1.  Eocäne  Formationen. 

2.  Oligocäne  Formationen. 

B.  Neogene  Tertiär-Formationen. 

3.  Miocäne  Formationen. 

4.  Pliocäne  Formationen. 

Das  Wort  Paläogen  wird  als  Co  11  e  cti  v  -  N  a  me  vorgeschlagen,  weil, 
wenn  man  die  Worte  eocän'und  oligocän  zur  Bezeichnung  zweier  gleich- 
werthiger  Äbtheilungen  benutzen  will,  das  erstere  nicht  als  Collectiv-Name 
für  beide  Abtheilungen  zugleich  gehraucht  werden  kann. 

Erstes  Capitel.  N  u  m  m  u  1  i  t  e  n  -  F  o  r  m  a  ti  o  n.  Nummulilen-  und 
Flysch-Formation.  ~  Verschiedene  Nummuliten-Formationen. 

Zweites   Capitel.    Einige   Tertiär-Formationen  in  Frank- 


213 


reich.  —  Eocäne  Formationen  des  Bassins  der  Seine;  oligocäne  Formation 
des  Bassins  der  Seine.  —  Süsswasser-Formalion  der  Auvergne.  Miocäne 
Formalion  der  Touraine.  —  Oligocäne  und  miocäne  Formation  der  Gegend 
von  Bordeaux.  —  Oligocäne  und  miocäne  Formation  bei  Dax. 

Drittes  Capitei.  Tertiär-Formationen  im  südlichen  Eng- 
land. —  Eocän-Formation  im  südlichen  England.  —  Oligocäne  Formation 
auf  der  Insel  Wight.  —  Neuere  Tertiär-Bildungen  in  England. 

Viertes  Capitei.  Tertiär-Formation  in  Belgien.  —  Allge- 
meine Übersicht  nach  Dumont.  —  Eocäne  Bildungen  in  Belgien.  —  Oligo- 
cäne und  noch  jüngere  Tertiär-Bildungen  in  Belgien. 

Fünftes  Capitei.  Tertiär-Formationen  im  sü  dlichen  Bayern 
und  in  der  Schweiz.  —  Eocän-Formation  der  bayerischen  Alpen.  Oli- 
gocän-Formation  im  s.  Bayern.  —  Miocän-Formation  im  s.  Bayern.  —  Mo- 
lasse-Formation der  Schweiz. 

Sechstes  Capitei.  Einige  Tertiär-Bildungen  der  österrei- 
chischen Monarchie.  —  Nummuliten-  und  Flysch-Formation  in  Istrien. 

—  Tertiär-Formation  des  Wiener  Bassins.  —   Tertiär-Formation  in  Böhmen. 

Siebentes  Capitei.  Tertiär-Bildungen  des  westlichen  und 
nördlichen  Deutschland.  —  Das  Tertiär-Becken  von  Mainz.  —  Allge- 
meine Übersicht  der  Verbreitung  der  Tertiär-Schichten  im  n.  Deutschland. 

—  Die  norddeutsche  Braunkohlen-Formation. 

So  weit  der  Inhalt  der  ersten  Lieferung;  eine  flüchtige  Vergleichung 
desselben  mit  jenem  der  ersten  Auflage  zeigt  schon  zur  Genüge,  welche  be- 
deutende Bereicherung  das  Werk  erfahren  hat;  welche  Sorgfalt  aber  der 
Verf.  auf  die  Darstellung  verwendete,  davon  wird  Jeder  durch  genaueres  Stu- 
dium sich  überzeugen  können. 


Kleinschmidt  :  die  Braunkohlen-Formation  desWesterwaldes. 
(Berg-  und  hültenmänn.  Zeitung,  XXV,  No.  47,  S.  401 —403.)  —  Die  Braun- 
kohlen des  Westerwaldes  bestehen  vorzugsweise  aus  bituminösem  Holze,  das 
sich  oft  noch  in  vollständigen  Stämmen  findet,  die  Laubholz-Gattungen  ange- 
hören. Am  Rande  des  Westerwaldes  sind  die  Flötze  schwächer  als  inmitten 
des  Gebirges  5  meist  liegen  2  bis  3  Flötze  über  einander,  durch  thonige  und 
sandige  Zwischenmittel  getrennt.  Diese,  die  Kohlen  begleitenden  Schichten 
lassen  manche  interessante  Erscheinung  wahrnehmen,  welche  auf  die  Bil- 
dung der  Kohlenflötze  ein  Licht  wirft  Das  Dach  des  obersten  Kohlenlagers 
besteht  aus  Sandstein  oder  Thon  und  enthält  bisweilen  Stücke  fossilen  Holzes. 

1)  Das  unter  dem  Dach  von  Sandstein  oder  Thon  folgende  bituminöse 
Holz  hat  in  den  Flötzen  der  Kohlen  Ablagerung  oft  eine  Mächtigkeit  von  1 
bis  1^/2  F.  und  eine  Ausdehnung  von  mehr  als  lausend  Quadrat-Klaftern. 
Diese  rein  holzige  Kohle  gibt  bei  der  Destillation  nur  sehr  wenig  Theer  und 
dieser  hat  einen  so  starken  Geruch  nach  Kreosot  und  ist  so  schwer  zu  reini- 
gen ,  dass  von  einer  Verwendung  kaum  die  Rede  sein  kann.  Die  gleich- 
förmige Mächtigkeit,  grosse  Ausdehnung  und  fast  horizontale  Lagerung  dieser 
dünnen  Schichten  ist  höchst  beachtenswerth. 


214 


2)  Hierauf  folgt  eine  2  bis  3  Zoll  in  dünnen  und  5  bis  6  Z.  in  2  bis 
3  Fuss  mächtigen  Flötzen  starke  Schicht  von  sog.  tauber  Kohle.  Sie  ist  von 
bräunlicher  Farbe,  zerfällt  an  der  Luft  in  schieferige  Stücke  und  enthält  oft 
plattgedrückte  Stümnichen.  (Hierher  gehört  insbesondere  die  Blätlerkohle 
der  Grube  Gerechtigkeit  bei  Westerburg,  die  eine  grosse  Menge  von  Blätter- 
Abdrücken  der  Gattung  Acer  enthält,  ja  stellenweise  ganz  daraus  zu  bestehen 
scheint. 

3)  Schiefer.  Geruchlos,  etwas  fettig  anzufühlen,  1  bis  2  F.  mächtig, 
spaltet  beim  Liegen  auf  der  Halde  in  dünne  Lamellen  und  enthalt  Flügel- 
decken von  Insecten. 

4)  Schiefer,  geruchlos,  grau  bis  grünlich,  1  bis  2  F.  mächtig,  auch  in 
Lamellen  zerfallend  und  sehr  häufig  Flügeldecken  von  Insecten  enthaltend. 

5)  Blauer  Thon,  4  bis  5  Zoll  mächtig,  ohne  Insecten-Reste. 

6)  Blauer  Thon,  4  Zoll  mächtig. 

7)  Sandstein,      2    „  „ 

8)  Thon,  1    „  „ 

9)  Sandstein,      2    „  „ 

10)  Thon,  2    „  „ 

11)  Sandstein,      2    „  „ 

12)  Mächtige  Thonablagerung,  gleich  den  über  ihr  liegenden  (6—11) 
keine  organischen  Bestandtheile  enthaltend. 

Sind  mehrere  Flötze  vorhanden,  wie  dies?  am  Oslende  des  Westcrwaldes 
auf  vielen  Gruben  der  Fall,  so  bestehen  die  Schichten  aus: 

1)  Sandslein  oder  Thon,  als  Dach. 

2)  Plötz  schlechter  Kohle  mit  vielen  erdigen  Beimengungen  ,  ^'2  Fuss 
mächtig. 

3)  Sandstein-Schicht,  1  F.  mächtig. 

4)  Kohle,  1  bis  2  F.  mächtig. 

5)  Taubes  Mittel,  IV2  F.  taube  Kohle  und  grüne  Schiefer. 

6)  Kohle,  1-1 V2  F. 

7)  Grüne,  thonige  Schiefer,  1 — 2  F. 

8)  Thonige  und  sandige  Schichten. 

9)  Kohlenflötz, 

Für  die  Erklärung  der  Entstehung  der  Braunkohlen-Lager  und  der  ausgedehn- 
ten, dünnen  Schichten  bot  dem  Verfasser  sein  Aufenthalt  am  Mississippi  interes- 
sante Beobachtungen.  Betrachtet  man  nämlich  die  Ansammlungen  von  Treibholz 
im  Missouri,  so  sieht  man  stets  keilförmige  Massen,  mit  den  Spitzen  gegen 
den  Strom,  die  Baumstämme  oft  in  den  wunderlichsten  Lagen,  zwischen  den 
einzelnen  Stämmen  Sand  und  Schlamin,  aber  nichts  unter  denselben,  was  die 
Schiefer  hätte  erzeugen  können.  Im  Mississippi  Delta  erblickt  man  in  der 
Nähe  der  See  Holzmassen  schwimmen,  oft  Stamm  an  Stamm.  In  der  ISil 
versunkenen  Gegend,  w.  von  Neu  Madrid  am  Mississippi  im  s.  Missouri  hat 
der  St.  Francis-Fluss  eine  Menge  von  Baumstämmen  in  die  Sümpfe  ge- 
schwemmt und  diese  schwimmen  so  dicht,  dass  sie  an  manchen  Orlen  gleich- 
sam Flötze  bilden  und  bieten  somit  eine  Erklärung,  wie  die  dünnen,  holzigen 


I 

215 

Braunkohlen-Ablagerungen  hervorgehen  konnten:  sie  entstanden,  indem  ein 
Sumpf,  in  dem  dicht  an  einander  gedrängt  schwimmende  Baumstämme  sich 
befanden ,  nach  und  nach  austrocknete.  Solche  Erscheinungen  sieht  man 
noch  heute  am  St.  Francis  und  im  Mississippi-Delta;  der  Strom  nimmt,  — 
wie  das  sehr  oft  vorkommt  —  eine  andere  Richtung,  eine  Sandbank  legt 
sich  zwischen  ihn  und  den  Sumpf  und  schliesst  so  denselben  von  dem  Strome 
ab:  der  Sumpf  aber  wird  kleiner,  es  wachsen  Wasser-  und  Torfpflanzen  in 
demselben,  die  schwimmenden  Bäume  aber  verwachsen  mit  Moos  und  Schilf 
und  wenn  eine  neue  Überschwemmung  erfolgt,  können  die  sandigen  und 
erdigen  Massen,  die  sich  über  sie  ergiessen,  nicht  in  dieselben  eindringen. 
Solche  Überschwemmungen  sind  aber  nichts  anderes,  als  die  gewöhnlichen 
Hochwasser,  die  z.  B.  im  Mississippi-Thale  alle  10  Jahre  ungefähr  eintreten. 
Dass  die  Schichten  bald  sandig,  bald  thonig,  lässt  sich  an  jeder  Insel  im 
Mississippi  sehen  und  hängt  von  der  Richtung  des  Hauptstromes  ab.  Dieser 
führt,  besonders  in  seinen  unteren  Theilen,  den  gröberen  Sand  mit,  während 
sich  aus  dem  ruhigen  Theile  des  Wassers  der  feine  Schlamm  als  Thon  ab- 
setzt. So  lagert  sich  z.  B.  auf  der  Duncans-Insel,  gerade  vor  der  Stadt  St. 
Louis  der  Sand  ab,  der  in  derselben  als  Bausand  gebraucht  wird,  während 
zwischen  den  Dämmen,  die  im  unteren  Theil  der  Stadt  in  den  Strom  hinein- 
ragen, sich  eine  plastische  Masse  absetzt.  —  Ähnliche  Vorgänge  haben  wohl 
auch  auf  dem  Westerwald  stattgefunden;  Kohle  und  Schiefer  sind  nicht  scharf 
getrennt,  sondern  gehen  gleichsam  in  einander  über  oder  die  taube  Kohle 
bildet  vielmehr  den  Übergang  in  den  organische  Substanzen  enthaltenden 
Schiefer. 


Th,  Scheeber:  über  das  Vorkommen  des  Silbers  zuKongsberg. 
(Verband!,  des  bergmänn.  Vereins  zu  Freiberg:  berg-  und  hüttenmänn.  Zei- 
tung, XXV,  No.  29,  S.  250—251.)  "  -  Das  Gebiet,  in  welchem  der  fast  250 
Jahre  alte  Kongsberger  Bergbau  betrieben  wird,  gehört  der  primitiven  For- 
mation an  und  besteht  aus  Glimmerschiefer,  Hornblende-  und  Chloritschiefer, 
sowie  aus  Quarziten,  die  in  vielfacher  Wechsellagerung  mit  einander  auf- 
treten. Das  herrschende  Streichen  ist  Nord-Süd  bei  meist  sehr  steilem  Fallen, 
Eiuige  Schichten  machen  sich  durch  ihre  Kies-Imprägnation  (Eisenkies, 
Magnetkies,  Kupferkies)  bemerklich:  seit  alter  Zeit  hat  man  dieselben  Fall- 
oder Fahlbänder  genannt.  Sie  werden  von  sehr  zahlreichen,  aber  selten 
über  einige  Zoll  mächtigen,  in  W.-O.  streichenden  Gängen  senkrecht  durch- 
kreuzt, deren  Äusfüllungs-Masse  meist  aus  Kalkspalh,  Baryt,  Flussspath  und 
Quarz  besteht,  stellenweise  mehr  oder  weniger  reichlich  Silber  enthält.  Aus 
der  Art  der  Vertheilung  hatte  man  das  Gesetz  ableiten  zu  können  geglaubt: 
das  Silber  komme  ausschliesslich  innerhalb  der  Fahlband- 
Gang  kreuze  vor  und  diese  Ansicht  ist  oft  dahin  missverstanden  worden: 


*  SCHEERER's  Mittheilungen  gründen  sich  auf  die  Schrift:  ^Betänlcning  af  den  ved 
Kongelig  Resolution  af  iO.  Juni  i865  nadigst  ned  satte  Commission  angaaende  Kongsherg 
SöJvvärlc.''  •  D.  R. 


216 


dass  in  den  Kreuzen  allenthalben  Silber  auftrete.  Sor'^fältige 
neuere  Forschungen  haben  folgende  Resultate  ergeben.  Die  Kies-Impräg- 
nation  —  welche  für  den  ursprünglichen  ßegriff  eines  Fallbandes  als  mass 
gebend  gelten  muss  —  hält  sich  weder  an  eine  bestimmte  Schicht,  noch  ist 
sie  innerhalb  einer  solchen  eine  gleichmässige.  Man  kann  nur  sagen  ,  dass 
ein  gewisser  Schichten- Coniplex  auf  verhältnissmässig  bedeutende  Länge  und 
Tiefe  von  Kiesen  unregelmässig  durchschwärmt  wird.  Dieser  kiesdurch- 
scliwärmte  Schichten- Complex .  die  F  a  1 1  b  a  n  d  -  Z  o  n  e,  wäre  der  erweiterte 
Begriff  eines  Fnllbandes.  In  denselben  ist  noch  aufzunehmen,  dass  innerhalb 
einer  Fallband-Zone  ein  mehr-,  ja  vielfacher  Schichten-Wechsel  der  genann- 
ten Gesteine  stattfinden  kann.  Das  Vorkommen  des  Silbers  in  einem  Fall- 
band Zonen-Gangkreuze  zeigt  sich  hinsichtlich  der  Beschaffenheit  des  Seitenge- 
steins weder  gebunden  an  eine  Kies  imprägnation ,  noch  an  eine  gewisse 
Schieferart.  Ob  das  Nebengestein  aus  Glimmerschiefer,  aus  Hornblende- 
oder Chloritschiefer  oder  aus  Qnarzit  bestehe  .  ob  diese  mehr  oder  weniger 
mit  Kies  imprägnirt  oder  gar  nicht,  berechtigt  weder  auf  Anwesenheit,  noch 
auf  Abwesenheit  des  Silbers  im  Gange  zu  schliessen.  So  löst  sich  denn 
das  oben  ausgesprochene  Fallband-Gesetz  in  die  umfassendere,  aber  weniger 
concise  Thalsache  auf:  dass  innerhalb  der  F  al  l  b  a  n  d -Zon  e  n  Gang- 
kreuze auf  anscheinend  ganz  un  regelmässige  Weise  vertheiltes 
Silber  gefunden  werde.  In  Bezug  auf  diesen  erfahrungsmässigen  Salz 
lassen  sich  einige  Fragen  aufstellen,  nämlich:  1)  Ist  es  durchaus  gegründet, 
dass  die  Kongsberger  Gänge  ausserhalb  einer  Fallband-Zone  kein  Silber  füh- 
ren? 2)  Hat  man  beim  Fortschreiten  des  Grubenbetriebes  stets  hinreichende 
Sicherheit,  ob  man  sich  vor  Ort  innerhalb  einer  Fallband-Zone  befinde? 
3)  Können  nicht,  ausser  den  auf  der  Gebirgs-Oberfläche  über  Tage  sicht- 
baren Fallband-Zonen,  welche  bisher  der  Bergbau  verfolgte  oder  zu  verfol- 
gen glaubte,  unter  Tage  noch  andere  Fallband-Zonen  existiren?  Durch 
solche  Betrachtungen  sieht  sich  der  Bergmann  zu  Kongsberg  leider  des  siche- 
ren Bodens  einer  alten  Regel  beraubt,  auf  dem  er  seit  mehr  denn  zwei 
Jahrhunderten  vertrauensvoll  hinwandelte. 


E.  Weiss:  „Beiträge  zur  Kenntniss  der  F  e  1  d  s  pa  t  h -B  i  I  du  n  g 
und  Anwendung  auf  die  Entstehung  von  Quarztrachyt  und 
Qua  rzporphyr."  Haarlem,  186ß.  —  Der  Verfasser  hat  bereits  in  einer  brief- 
lichen Mittheilung  auf  die  optischen  Gesetze,  welche  ihn  bei  seinen  Unter- 
suchungen leiteten,  sowie  auf  den  allgemeinen  Inhalt  seiner  von  der  hollän- 
dischen Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Haarlem  gekrönten  Preisschrift 
aufmerksam  gemacht.  Die  Resultate  aber,  zu  welchen  E.  Weiss  durch 
seine  optischen  Untersuchungen  orthoklastischer  Feldspathe  in  Bezug  auf  die 
Entstehung  krystallinischer  Gesteine  im  Allgemeinen  und  von  Quarztrachyt 
und  Quarzporphyr  im  Besonderen  gelangte,  sind  so  wichtig,  dass  wir  solche 
hier  vollständig  aufführen.    Zum  Verständniss  des  Nachfolgenden  sei  nur  be- 

*  S.  oben  S.  179.  Über  die  von  der  holländischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften 
ZU  Haarlem  gestellte,  von  Weiss  teantwortete  Frage  vergl.  Jahrb.  i865,  S.  639,  VIII. 


217 

merkt,  dass  E.  Weiss  das  Verhalten  eines  Minerals,  wenn  es  der  Art  ist, 
dass  während  Erhöhung  seiner  Temperatur  der  scharfe  Winke!  der  wahren 
optischen  Axen  zunimmt,  dagegen  hei  Abnahme  der  Temperatur  gleichfalls 
abnimmt,  ein  analoges  nennt,  hingegen  jenes  Verhalten  aber,  dass  die 
Axen  sich  nähern,  während  die  Temperatur  wächst,  umgekehrt  sich  von 
einander  entfernen,  während  die  Temperatur  sinkt,  ein  antiloges. 

Geologische  Folgerungen.  Versucht  man  die  optischen  Eigenschaften 
der  Feldspathe  zur  Erklärung  ihrer  Bildung  anzuwenden,  so  muss  man  hiebei 
das  Hauptgewicht  auf  die  drei  Factoren  legen:  das  antiloge  oder  analoge 
Verhalten  der  optischen  Axen  beim  Erwärmen;  die  Grösse  des  Axenwinkels 
und  den  Grad  ihrer  Empfindlichkeit. 

Ist  es  richtig,  was  Descloizeaux  gefunden  zu  haben  glaubt:  dass  jene 
Störungen  in  den  ursprünglichen  optischen  Eigenschaften  eines  Krystalls,  her- 
vorgerufen durch  sehr  hohe  Temperaturgrade,  permanente  sind,  so  müssen 
überhaupt  alle  Feldspathe,  welche  in  ihren)  Entslehungs-Momente  oder  seit 
ihrem  Festwerden  geglüht  haben,  Gluth-Spnren,  der  Höhe  und  Dauer  jener 
Temperatur  entsprechend,  zeigen.  Man  kann  also  erwarten,  in  der  opti- 
schen Bestimmung  ein  sehr  empfindliches  Mittel  zu  besitzen,  ob  ein  Feld- 
spath  überhaupt  einstmals  geglüht  haben  kann  ,  und  welchen  Grad  diese 
Gluth  wohl  erreicht  haben  mag.  Aus  den  umfassenden  Untersuchungen 
von  E.  Weiss,  die  in  besonderen  Tabellen  nochmals  übersichtlich  zusammen- 
gestellt sind,  ergeben  sich  folgende  empirische  Gesetze.  In  der  Natur  findet 
sich  eine  fortlaufende  Reihe  von  Feldspathen ,  welche  nach  Lage  und 
Grösse  des  Axenwinkels  alle  möglichen  Grade  der  Temperatur  anzeigen 
würden,  die  bei  oder  seit  der  Entstehung  der  Krystalle  sie  heimgesucht  hat, 
von  der  Temperatur  noch  weit  vor  der  der  Glühhitze  bis  zu  solcher,  welche 
etwa  beim  Schmelzen  des  Kupfers  erreicht  wird.  Also,  um  sich  optisch 
auszudrü(;ken:  es  finden  sich  alle  möglichen  Winkel  von  den  grösslen  der 
antilogen  Periode  bis  zu  ziemlich  grossen  der  analogen  hin.  Mannigfaltiger 
wird  diese  Reihe  durch  die  verschiedene  Empfindlichkeit,  mit  welcher  die 
Krystalle  noch  jetzt  den  Einflüssen  der  Wärme  nachgeben.  Berücksichtigt 
man  diese  mit,  so  kann  man  aus  Lage  und  Grösse  des  Axen-  Winkels  allein 
noch  keinen  Schluss  auf  die  Höhe  der  erlittenen  Wärme-Wirkung  ziehen- 
Denn  es  kann  ein  mit  noch  grossem  Winkel  versehener  antiloger  Kry- 
stall  bei  sehr  geringer  Empfindlichkeit  derselben  hohen  Temperatur 
ausgesetzt  gewesen  sein,  als  ein  sehr  empfindlicher  analoger  Kry- 
stall,  weil  von  zwei  derselben  Glühhitze  gleich  lange  ausgesetzten  Krystalleus 
der  empfindlichere  die  grössten  Eindrücke  erhalten  wird.  Endlich  müssten 
wir  doch  auf  ein  wirklich  genaues  Urtheil  über  die  etwa  stattgefundenen 
Glühungen  bei  Vergleichung  der  verschiedenen  Feld.^pathe  verzichten,  weil 
dazu  auch  die  Kenntniss  des  wahren  Axenwinkels  im  Krystall  ge- 
hören würde.  Diese  Lücken  können  durch  das  Experiment  nur  zum  Theil 
und  bei  günstigen  Umständen  ausgefüllt  werden. 

Bei  weitem  die  meisten  Feldspathe  sind  antilog ,  ja  viele  haben  einen 
so  beträchtlichen  Axen-Winkel,  dass  man  an  so  bedeutende  Gluthen, 
wie  sie  die  alte  plutonische  Theorie  voraussetzte,  gar  nicht  denken  kann 


218 

Dahin  gehören  die  Feläspathe  aus  Granit.  Gneiss,  Syenit,  unler 
welchen  den  geringsten  Axen-Vv'inkel.  bei  schon  merklicher  Empfindlichkeit, 
der  Feldspath  aus  dem  Gang-Granit  von  Elija  zeigt.  Ebenso  verhalten  sich 
auch  viele  glasige  Feldspathe  aus  trachylischem  Gebirge;  aber  auch 
Sanidine  aus  Laven.  Schlacken,  Obsidian  haben  keine  irgend 
bedeutenden  Gluthspuren.  sondern  grossen  bis  höchstens  massigen  Axenvvinkel 
bei  antilogem  Verhalten  und  meist  nicht  geringer  Empfindlichkeit  hinter- 
lassen. Endlich  tragen  lose,  von  Vulcanen  a  u  s  s;  e  w  o  r  f  e  n  e  Sanidiue 
verschiedene  Grade  von  Gluthspuren;  doch  auch  diese  sind  massiger  Art. 
Manche  Porphyre  und  Pechsteine  und  manche  Quarztrachyte  nähern 
sich  in  Bezug  auf  die  optischen  Eigenschaften  ihrer  Feldspathe  zwar  den 
Graniten,  denn  letztere  sind  ebenfalls  antilog.  besitzen  aber  schon  weit  klei- 
nere Axen-Winkel.  Andere  Porphyre  und  Pechsteine  nebst  Quarz- 
trachyten  nähern  sich  mit  ihrem  Feldspath-Winkel  der  Grenze  >'ull  sehr 
bedeutend  und  geben  daher  entschieden  Gluthspuren  zu  erkennen.  Über- 
haupt bieten  sich  durchweg  Analogien  in  beiden  Gesleins-Gruppen.  der  älte- 
ren granilisch-porphyrischen  und  der  jüngeren  Irachytischen.  —  Gluthspuren 
finden  sich  ausserdem  in  Sanidinen  noch  thätiger  Vulcane.  in  einigen  trachy- 
tischen  Gesteinen  vorhistorischer  Vulcane,  in  mehreren  Vorkommen  .  die  als 
fremde  Einschlüsse  von  Sanidin  und  Feldspathgestcin  in  Schlacken  und  Laven 
betrachtet  werden  müssen,  sowie  in  manchen  Feldspathen.  die.  in  granitischen 
und  anderen  Gesteinen  auf  Klüften  aufgewachsen  .  frei  auskrystallisirt  sind. 
Sehr  wichtig  für  die  ganze  Schlussfolgerung  erscheint  die  Thatsache:  dass 
der  künstliche  Sangerhauser  Feldspath  unter  allen  untersuchten  Feld- 
spathen die  stärksten  Gluthspuren  trägt,  da  er  stark  antilog  ist  und 
bis  grossen  Axen-Winkel  besitzt.  —  Besondere  Beachtung  verdienen  jene 
Fälle,  wo  ein  und  derselbe  Krystall  mit  wesentlich  verschiedenen  Stel- 
len versehen  ist.  meist  sogar  analoge  neben  antilogen  Stellen  zeigt 
oder  antiloge  mit  sehr  verschiedenen  Axen- Winkeln.  Es  haben  solche  Fälle 
mit  Zwillings-Bildung  nichts  gemein.  Gewöhnlich  besitzen  dann  die  ana- 
logen oder  vorausgeschriltenen  Stellen  eine  grössere  Empfindlichkeit  als  die 
zurückgebliebenen  antilogen.  Weniger  auffallend  ist  es.  in  demselben 
Gesteine  Krystalle  ausgeschieden  zu  finden,  welche  in  ihren  optischen  Ei- 
genschaften merkwürdig  difFeriren.  Ihr  Vorkommen  erläutert  zugleich  die 
Thatsache  von  optisch  verschiedenen  Stellen  in  einem  urjd  demselben  Kry- 
stall. Denn  wie  in  einem  Gestein  Krystalle  mit  verschiedenen  optischen 
Eigenschaften  neben  einander  auftreten,  so  können  auch  leicht  Verwachsun- 
gen solcher  Krystalle  in  paralleler  Stellung  zu  einem  Individuum  entstehen 
und  kommen  vor.  Es  darf  daher  nicht  befremden  .  dass  die  .Art  de.*  Ver- 
wachsens  sehr  verschieden  ist.  dass  sich  nicht  nur  Krystalle  finden  mit  ana- 
logem Kern  und  anliloger  Hülle  ,  sondern  auch  umgekehrt  oder  verschie- 
dene Arten  des  Durcheinandergreifens  antiloger  und  analoger  Theile.  Die 
Erklärung  der  hierher  gehörigen  Erscheinungen  ergibt  sich  aus  der  Be- 
rücksichtigung der  thermischen  Empfindlichkeit,  welche  eben  weder  bei  Kry- 
stallen  desselben  Gesteins,  noch  bei  verschiedenen  Stellen  desselben  Kry- 
stalls  von  gleichem  Grade  zu  sein  braucht.    Daher  lassen   solche  Krystalle 


219 


mit  Recht  auf  Gluthen  schliessen,  denen  sie  ausgesetzt  waren,  mögen  sie 
stark  oder  schwach  gewesen  sein  und  bestätigen  in  entschiedener  Weise 
auch  wieder  den  nicht  zu  vernachlässigenden  Einfluss  der  Empfindlichkeit. 
Nur  eine  Annahme  könnte  gemischt  werden,  nämlich  dass  die  Verschieden- 
heit der  Stellen  eine  begonnene  Umwandelung  bekunden,  vielleicht  chemi- 
scher Natur,  vielleicht  nur  physikalischer.  Bei  Annahme  dieser  Erklärung 
würden  aber  grosse  Schwierigkeiten  entstehen,  um  z.  B.  den  Kern  eines 
analogen  Krystalls  in  den  antilogen  Zustand  zurückzuführen,  während  der 
Mantel  seinen  ersten  Zustand  behält.  Man  würde  entweder  schon  damit, 
oder,  wenn  man  das  ganze  Gesetz  von  Descloizeaux  oder  vielmehr  dessen 
Umkehrung  (dass  ein  antiloger  Krystall  nicht  oder  schwach ,  ein  analoger 
stark  geglüht  habe)  leugnen  wollte,  mit  diesen  Widersprüchen  zu  unerwie- 
senen ,  vielleicht  unerweisbaren  Annahmen  seine  Zuflucht  nehmen  müssen, 
während  jetzt  sich  Alles  aus  sich  selbst  erklärt.  Mag  also  ein  solcher  Kry- 
stall mit  analogen  Stellen  auf  Kalkspath  aufgesessen  haben,  mag  neben  dem 
antilogen  Feldspath  im  Porphyr,  welcher  nur  sehr  massigen  Axen-Winkel  hat, 
Quarz  mit  Wasserporen  eingewachsen  sein  :  leugnen  lassen  sich  vielleicht  in 
solchen  Fällen  stattgehabte  Gluthen  aber  nur  mit  x\ufgabe  jeder  exacten  For- 
schung; bis  jetzt  deuten  sie  auf  mehr  oder  weniger  starke  Glühhitze  auch 
in  diesen  schwierigsten  Fällen. 

Aus  allen  diesen  Thatsachen  aber  geht  hervor,  dass: 

1)  das  Vorkommen  der  Sanidine  in  Irachytischen  Laven,  besonders  jener 
vom  Arso,  den  Schluss  widerlegt,  es  könnten  Phonolilh,  Trachyt,  Porphyr, 
Granit  keiner  der  Gluth  nur  irgend  genäherten  Temperatur  ausgesetzt  ge- 
wesen sein,  weil  ihre  Feldspathe  keine  GluthspUren  tragen; 

2)  die  Temperatur ,  in  der  sich  die  Feldspathe  in  den  genannten  Ge- 
steinen von  Halle,  Meissen,  Zwickau,  Ungarn,  Siebenbürgen,  Ponza,  Toscana, 
Rieden  und  Arran  ausschieden,  war  keine  so  hohe,  ab  erforderlich  ist,  um 
diese  Gesteine  in  trockenen  Fluss  zu  bringen,  sondern  im  Ganzen  nur 
schwache  Glühhitze,  wahrscheinlich  entsprechend  der  Rothgluth  (4  — 500*^?). 
Möglich,  dass  diese  Höhe  in  gewissen  Fällen  (Granit)  nicht  einmal  erreicht, 
in  andern  überschritten  wurde. 

In  Bezug  auf  diess  letztere  Gesetz  dürften  vielleicht  Zweifel  bei  denen 
zu  beseitigen  sein,  welche  die  einstige  Temperatur  der  Gesteine  bedeutend 
höher  zu  setzen  geneigt  sind.  Natürlich  muss  hiebei  gänzlich  auf  eine  Specula- 
tion  über  diejenige  Zeit,  welche  vor  der  krystallinischen  Erstarrung  lag,  ver- 
zichtet werden.  Aber  es  gibt  noch  eine  llberlegung,  welche  ihres  bestehen- 
den Charakters  willen  eben  der  Widerlegung  bedarf.  Man  könnte  die  Frage 
aufwerfen:  sind  jene  sogenannten  permanenten  Modificationen 
auch  wirklich  permanent?  oder  sollten  nicht  die  Krystalle,  nachdem 
sie  heftige  Gluthen  ausgehalten  haben,  mit  der  Zeit,  sei  es  nur  durch 
diesen  Factor,  sei  es  im  Verein  mit  chemischer  Einwirkung  allmählich  auf 
ihren  ursprünglichen  Stand  wieder  zurückkehren?  Die  Unwahr- 
scheinlichkeit  der  chemischen  Metamorphose  wurde  bereits  erwähnt;  dieselbe 
müssle  sprungweise  geschehen  und  es  können  daher  Fälle,  wo  antiloge 
und  analoge  Stellen   im  nämlichen  Krystall  liegen,   nicht  als  Beweise  für 


220 


diese  Ansicht  aufgeführt  werden ,  da  die  Verbindung  von  Stellen  mit  stär- 
kerer und  massiger  Gluthwirkung  dadurch  nicht  erklärt  sein  würde:  man 
dürfte  dann  nur  sehr  grossen  Axen-Winkel  bei  antilogem  Charakter  als  Re- 
stitution auftreten  sehen. 

Die  Metamorphose  durch  den  Factor  Zeit  lässt  sich  hingegen  nicht 
schwer  widerlegen.  Zwar  könnte  dafür  sprechen,  dass  im  Granit  gar  keine 
deutlichen  Gluthspuren  ,  im  Trachyt  dagegen  schwache  bis  recht  deutliche 
auftreten;  vergleicht  man  aber  die  nahezu  analogen  Kryslalle  aus'' der  Zeit 
der  Kohlenformation  (Porphyr,  Pechstein)  mit  denen  aus  tertiären  Gesteinen, 
ja  noch  mehr  mit  denen  aus  der  Lava  vom  Arso  vom  J.  1802  ,  so  ist  kein 
Zweifel,  dass  die  Natur  ihre  einstigen  Wirkungen  durch  die  Zeit  nicht  zu- 
rücknimmt, dass  wir  vielmehr  noch  denselben  physikalischen  Zustand  der 
Krystalle  haben,  in  welchem  sie  deponirt  wurden. 

Der  Schluss:  es  müsse  der  Erstarrungspunct  bedeutend  unter  dem  Schmelz- 
punct  liegen,  ist  bekanntlich  schon  längst  von  Scrope,  Scheerer  u.  A.  ge- 
zogen worden  und  wird  besonders  bei  Gegenwart  von  Wasser  annehmbar. 
Auch  durch  die  optischen  Versuche  wird  man  dahin  geführt,  diess  zu  be- 
stätigen, weil  bei  gewissen  Krystallen  nur  massige  Gluthspuren  nachweisbar 
sind ,  für  die  übrigen  möchte  man  den  Punct  des  Fest-  und  Kryslallinisch- 
VVerdens  noch  tiefer  herabdrücken  und  wohl  bei  allen  noch  tiefer  als  bisher. 


Durch  seine  weiteren  Forschungen  gelangt  E.  W^eiss  über  die  Bildung 
von  Quarzlrachyt  und  Quarzporphyr  zu  folgenden  Resultaten.  Nicht  alle  Er- 
scheinungen deuten  bei  beiden  Gesteinen  auf  gleiche  Bedingungen  bei  ihrer 
Bildung  hin:  aber  sie  lassen  sich  vereinen  zu  einem  eng  verbundenen  Ganzen. 
Selbst  der  eifrigste  Neplunist  kann  den  ursprünglich  vulcanischen  Ursprung 
der  Q  u  a  r  ztra  c  hy  l  e  und  ihre  eruptive  Natur  nicht  leugnen;  es  ist  ihm 
gegenüber  nur  die  Vt)rstellung  zu  berichtigen,  als  seien  die  Massen  nicht 
bereits  aus  dem  Schmelzfluss  krystallinisch  erstarrt,  sondern  nachträglich 
durch  Wirkung  der  Wasser  krystallisirt.  Die  Bewegungs-Erscheinungen  in 
gewissen  Perlsteinen,  die  optischen  Verhältnisse  der  Feldspathe  liefern  di- 
recte  Beweise  einer  noch  nach  oder  bei  dem  Krystaliisiren  statlgefundenen 
Gluth,  so  niedrig  auch  dieselbe  gewesen  sein  mag.  Auch  die  Gegenwart 
und  Mitwirkung  von  Wasser  bei  der  krystallinischen  Ausbildung  ist  beinahe 
erwiesen;  nicht  allein  in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  sondern  eine  jetzt 
durchaus  nöihige  Annahme.  Die  Krystallisation  des  Quarzes  aber  ist  selbst 
auch  kein  Gegenbeweis  gegen  den  ehemaligen  Schmelzfluss:  es  fällt  somit  auch 
der  letzte  und  wichtigste  Zweifel  an  der  Ausscheidung  der  Gemengtheile 
bei  höherer  Hitze. 

Die  grössten  Analogien  mit  der  Bildung  des  Quarztrachytes  und  den 
Gesteinen  dieser  Familie  bietet  der  Quarzporphyr  mit  seinen  Verwandten 
dar.  Diese  beruhen  hauptsächlich  in  grösster  petrographischer  Ähnlichkeit 
und  Gleichheit  der  bildenden  Mineralien,  in  zum  Theil  sehr  ähnlichen  Lage- 
rungs-Formen, in  den  optischen  Eigenschaften  der  eingewachsenen  Feld- 
spathe, wohl  auch  im  specifischen  Gewicht  der  Quarze,  im  Vorhandensein 


221 


von  Wasserporen  Aber  dazu  kommen  gewisse  abweichende  Erscheinungen, 
welche  entschiedener  auf  Mitwirkung  von  Wasser  deuten,  als  bei  den  Quarz- 
trachyten.  Dahin  gehören  Übergänge  in  andere  Gesteine,  welche  sediment- 
tären  Bildungen  sich  unmittelbar  anreihen,  das  Fehlen  oder  die  Seltenheit 
ächter  Einschlüsse  fremder  Theile,  sowie  der  lavenartigen  Poren,  das  Vor- 
kommen von  Porphyr-Knollen  mit  völliger  Glaskopf-Structur,  die  unverän- 
derte Beschaflfenheit  der  durchbrochenen  oder  berührten  Nebengesteine,  welche 
hier  noch  entschiedener  ist. 

Aus  dem  Allem  geht  hervor:  dass  die  Bildung  oder  Ausbildung  aus 
kalter,  wässeriger  Lösung  weder  von  Quarztrachyt,  noch  von  normalem  Quarz- 
porphyr denkbar  ist,  sondern  dass  noch  hohe  Temperatur  herrschte,  als  die 
Bildung  dieser  Gesteine  staltfand  und  als  sie  krystallisirten,  so  hoch,  dass 
alle  Feldspathe  Gluthspuren  tragen,  manche  stärker,  andere  schwächer;  aber 
auch  so  niedrig,  dass  Wasser  Wirkungen  gleichzeitig  in  höherem  oder  ge- 
ringerem Grade  möglich  waren  und  dass  immerhin  jene  Gluthspuren  massig 
blieben.  Aus  den  Thatsachen  geht  hervor,  dass  Hitze  und  Wasser,  resp. 
Wasserdämpfe  bei  Bildung  von  Porphyr  vorhanden  waren  und  zusammen- 
wirkten. 


Delesse  und  Laugel:  Revue  de  Geologie  pour  les  annees  1862 
'et  1863.  Paris,  1865.  8°.  412  S.  (Ein  Extract  dieser  Übersicht  ist  in 
den  Annales  des  mines,  t.  VI,  1864^  abgedruckt.)  — 

Wie  in  den  früheren  Jahresberichten  (Jb.  1863,  734),  so  ist  auch  in 
diesem  der  reiche  Stoff,  den  die  Forschungen  über  der  gesammteu  Erdober- 
fläche alljährlich  zusammenhäufen ,  in  einer  übersichtlichen  und  kritischen 
-Weise  geordnet,  welche  die  riesenhaften  Fortschritte  der  Wissenschaft  recht 
durchfühlen  lässt.  Derartige  Jahresberichte,  wie  sie  von  neuem  aus  den  sach- 
kundigsten Federn  geflossen,  sind  für  alle  Fachmänner  von  ebenso  hohem 
Werthe,  wie  für  Diejenigen,  die  durch  ihren  Beruf  verhindert  werden,  den 
einzelnen  Zweigen  der  Wissenschaft  specieller  zu  folgen,  dennoch  aber  gern 
wenigstens  mit  ihren  Resultaten  bekannt  werden  wollen. 


EdmondFuchs:  Memoire  sur  le  gisement  salin  de  S  tassfurt- 
Änhalt.    Paris,  186S.    8«.    113  p.,  2  PI.  — 

Das  gleich  hohe  wissenschaftliche  und  technische  Interesse,  welches 
an  die  mächtigen  Steinsalzlager  von  Slassfurt  gebunden  ist,  hat  Chemiker  und 
Ingenieure  aller  Nationen  in  den  letzten  Jahren  dahin  geführt  und  schon  so  man- 
chen schätzbaren  Bericht  darüber  in  das  Leben  gerufen.  Einen  ähnlichen  Be- 
richt hat  Dr.  Fuchs  für  französische  Behörden,  in 'deren  Auftrage  er  1863  die 
Stassfurler  Anlagen  besuchte,  verfasst  und  hier  nie*« ergelegt.  Selbstverständ- 
lich sind  in  demselben  die  gründlichen  Arbeiten  von  Dr.<iREiCH.ARDT  C^^^OJ 
und  F.  Bischof  (  1S64J  über  die  Steinsalzwerke  bei  Stassfiirt  vor/Aigsweise 
zu  Grunde  gelegt  worden,  dagegen  konnte  die  neueste  Abhandlung  von  Prof. 

m 


222 


Rricoardt  darüber  Üb.  1866,  321  u.  f.),  weil  jüngeren  Ursprungs,  noch  nicht 

berücksichtiget  werden. 


Dr.  H.  V.  Dechen:  Geologische  Übersichtskarte  der  Rhein- 
provinz und  der  Provinz  Westphalen.  Berlin,  JS66.  —  Die  Voll- 
endung der  in  34  Sectionen  erschienenen  grossen  geologischen  Karte  der 
Rheinprovinz  und  der  Provinz  Westphalen  in  Vsoooo  der  wahren  Grösse 
(1  Preuss.  Meile  gleich  3.6  Zoll)  ist  schon  im  Jahrbuche  377  und 

854;  notirt.  Der  Rahmen,  welcher  diese  34  Blätter  umfasst,  hat  eine  Höhe 
von  15  Fuss  und  eine  Breite  von  lO'/a  Fuss.  Die  ganze  Karte  kann  daher 
nur  in  wenigen  Localen  ihrer  Grösse  wegen  zusammengestellt  werden  und 
müsste  ausserdem  mit  besonderen  Vorrichtungen  versehen  werden,  um  sie 
dabei  auch  im  Einzelnen  übersehen  zu  können.  Desshalb  begrüssen  wir  die 
jetzt  vorliegende  Übersichtskarte  im  Maassstabe  von  '/500000  (1  Preuss.  Meile 
noch  etwas  grösser  als  ein  halber  Zoll)  mit  ungetheiller  Freude.  Bei  einer 
Höhe  von  28,8  Zoll  und  einer  Breite  von  20.16  Zoll  gestaltet  dieselbe  eine 
bequeme  Übersicht  der  geologischen  Verhältnisse  des  ganzen  auf  der  grossen 
Karte  dargestellten  Gebietes,  ohne  das  darzustellende  Detail  wesentlich  be- 
schränkt oder  die  Deutlichkeit  vermindert  zu  sehen.  Sie  ist  gross  genug, 
um  nicht  allein  das  Flussnetz,  mit  Ausnahme  der  kleineren  Bäche,  sondern 
auch  Städte,  Flecken  und  grössere  Dörfer  mit  ihren  Namen  darauf  einzutra- 
gen. Sämratliche  Eisenbahnen  und  die  Haupistrassen  sind  genau  verzeichnet, 
so  dass  es  nach  denselben,  auch  ohne  Terrainzeichnung,  leicht  wird,  sich 
auf  ihr  zurecht  zu  finden  und  die  Lage  der  angegebenen  geologischen  Gren- 
zen zu  beurtheilen.  Ausser  der  Grailabtlieilung  sind  auf  der  Karte  die  Sec- 
tionen der  grossen  Karte  mit  kräftigen  Linien  angegeben,  die  Namen  der 
Orte  aber,  nach  denen  die  Sectionen  der  letzteren  benannt  sind,  unterstrichen. 
Neben  anderen  Vortheilen,  die  aus  diesem  Verfahren  entspringen,  wird  der 
Besucher  dieser  Gegenden  hierdurch  leicht  in  die  Lage  versetzt,  sich  schnell 
gerade  die  Sectionen  der  grossen  Karte  zu  verschaffen,  denen  er  speclellere 
Aufmerksamkeit  zu  schenken  beabsichtiget. 

Dr.  VON  Dechen  hat  in  einer  Notiz  über  diese  Karte  (Verhandl.  d.  Natur- 
hist.  Vereins  der  preuss.  Rheinlande  und  Westphalens.  XXIIL  Jahrg.  — 
Separatabdruck.  Bonn,  1S66.  48  S.)  die  Geschichte  der  Entstehung  bei- 
der Karten,  sowie  die  Principien  entwickelt,  welche  bei  Ausführung  der- 
selben als  maassgebcnd  betrachtet  worden  sind  und  man  kann  dieser  Ent- 
wickelung  nur  mit  beistimmendem  Interesse  folgen. 

Die  vergleichende  Zusammenstellung  der  auf  der  grossen  Karte  und  auf 
der  Übersichtskarte  unterschiedenen  Formations-Abtheilungen  und  Gebirgs- 
arten  liefert  folgendes  Resultat: 


223 


Grosse  Harte. 

GeröUe,  Sand,  Lehm  in  den  Fluäs- 

thälern. 
Torf  und  Raseneisenstein. 
Kalktuff. 
Muschelmergel. 

Gerolle,  Sand,  Lehm,  Löss  (in  weiter|  =" 
Verbreitung}.  j  ^• 


Grenzlinie  der  Verbreitung  nordischer 
Findlinge. 

c     Muschelsand  von  Crefeld,  Sand  von 
Grafenberg, 

c'    Thon  von  Ratingen  *, 

c2    Rheinische  und  "Wdsterwälder  Braun-  | 
kohle,  Sand,  Thon  und  Sandstein, 
Ceritliien-Kalk, 

c*    Unterer  blauer  Letten  und 
Mergel, 

Meeressand    und  Austerncö] 
glomerat. 


theils 


theil 


U 


d     Tuffkreide  von  Mastricht. 

d  i    Sandige  Gesteine  vom  Alter  der  weis- 
sen Kreide, 


d~  Kalkig-thonige  Gesteine  vom  Alter 
der  weissen  Kreide, 

d3  Aachener  Sand  (Sand  des  Aachener 
TValdes  und  des  Lonsberges), 

d*  Weisser  Kalk  von  Graes  bei  Ahaus 
(oberer  Plan er), 

d*  Pläner  mit  eingelagerten  Grünsand- 
lagen, 

d*  Tourtia  (Grünsand  von  Essen),  Flam- 
menmergel, 

d'  Gault, 

d^   Jseocom  (Hils,  Lower  Greensand), 
e     Weald-Thon  (Walderthont, 


p. 

I 


f     Portland-    (und    Kimmeridge;-  i 

Schichten,  )  -  -■ 

f '    Koralrag,  )  ^  | 

t'2    Mittlerer  Jura  einschliesslich  Oxford- 
thon.   Brauner  Jura, 

fS  Lias, 

f*   Luxemburger  oder  unterer  Liassand- 
stein  CCardinien-Sandstein), 


Übersichtskarte. 

Alluvium.  Gerölle,  Sand,  Lehm  in  den 
Flu.ssthälern,  Torf,  Raseneisenstein, 
Kalktuff ,  Muschelmergel. 

Diluvium.    Gerölle,  Sand.  Lehm,  Löss 
in  -w-eiter  Verbreitung  ,    höhere  Ter- 
rassen der  Flussthäler. 
Grenzlinie  der  Verbreitung  nordischer 
Findlinge, 
c  Miocäu. 

ci  Ober-Oligocäu.  \ 
c  Miocän.  I 
(c^  Ober-Oligocän.  /  » 

Süsswasserbildungen  mit  Braunkohle. ' 
Mittel-Oligocän.  V  ^ 

Brack-  und  Süss-w-asserbildungen  ohne[  ^ 
Braunkohle.  Mittel-Oligocän. 


c*  Marinebildungen 
enthalten  in 
enthalten  in 


Mittel-Oligocän. 


theils 


d   Mucronaten  -  Schichten. 

Ober-Senon.  \ 
d'  Quadraten  -  Schichten. 
Unter-Senon. 
l'd  Mucronaten-Schichten.  Ober- 
I  Senon. 

jd^  Quadraten-Schichten.  Unter- 
[  Senon. 

d'  Quadraten-Schichten.  Unter- 
Senon. 


theils 


d2  Ober-Pläner.  Turon. 

d2  Ober-Pläner.  Turon. 
d^  Unter-Plan  er  einschliesslich 
Tourtia.  Cenoman. 
d3  Unter-Pläner  einschliess- 
in  lieh    Tourtia.  Ceno- 

man. 

d-»  Gault. 

d^  Hils,  Xeocom. 


1 


Wälder-Schi 
bildung. 


•hteu,  Wealden-Zwischeu- 


Weisser  Jura  ,  Portland  ,  Kimme- 
ridge und  Koralrag. 

Brauner  Jura. 
Ober-Lias. 

Unter-Lias   (Luxemburger  oder  Car- 
diuien- Saudstein). 


*  Diese  Bezeichnung  ist  ausserdem  für  den  Litorinellenkalk  im  Mainzer  Becken  be- 
nutzt worden,  welcher  nach  der  Abtheilung  der  Übersichtskarte  zu  c-  gehört. 


224 


g  Keuper, 

Muschelkalk, 

g-    Eöth  (Schieferletten),  \ 

g     Bantsandstein,  / 

g*    Conglomerat  von  Menden  und  Mal-I 

medy,  } 

G    Gyps  der  Trias, 


g  Kenper. 

g^  Muschelkalk. 


g~   Roth  und  Buntsandstein. 


in  jeder  der  Ahtheilungen  einge- 
schlo3=;en. 


h     Zechstein  (einschliesslich  Rauch^vacke 
und  Kupferschieferj, 
Gypä  des  Zechsteins, 
hl  Rothliegendes, 

i  Ohere  fiötzarme  Schichten   des  Koh- 

lengehirges, 

ii  Steinkohlen-Getirge  (productives  mit 

Kohlenflötzen,  Goal  measures), 

12  Flötzleerer     Sandstein  ,  (Millstone- 

gi-it), 

13  Culm  (Kieselschiefer,  Schiefer,  Sand- 

stein, Plattenkalk,  Posidonomyen- 
Schiefer), 
i*  Kohlenkalk, 

k  Yerneuili  -  Schiefer  (thonig  -  sandige 
Gesteine  mit  Spirifer  Vemeuili, 
südlich  yon  Aachen, 


^    }  h  Zechstein. 


k''   Kramenzel  (Sandstein,  Schiefer 


mit  Kalknieren    und   Clyme-/  5 
nien), 

k2    Flinz  (Goniatiteii-Schiefer  von 
Büdesheim  und  Nehden), 

1  Eifelkalk  (einschliesslich  des  Kalk 
von  Paffrath  und  Elherfeld,  Strin- 
gocephalenkalk)  und  dem  Lenne- 
schiefer  untergeordnete  Kalklager, 

It  Lenne -Schiefer  (thonig  -  sandige  Ge-/ 
steine  im  Süden  des  Rheinisch- 
"Westphälischen  Kalkzuges  von  F. 
RÖMER), 

m    Wissenhaclier  Schiefer, 

m'^  Cohlenzschichten  [altere  Rheinische 
Grauvracke  F.  Römer  ,  Spiriferen- 
Sandstein  SandbERGER), 

n  Ardennen  -  Schiefer  (versteinerungs- 
lose, halhkrystallinische  Schiefer), 

D    Dachschieferlager   der  Devongruppe, 

0  Lose  Bimssteine  ,  enthaltene  Grenze 
der  Yerhreituug  loser  Bims- 
steine, 

Bimsstein  -  Conglomerat  (SandsteinI 
Ton  Engers), 
0-    Trass  (Duckstein  im  Brohlthal), 
p     Augithaltender    Tuff  ,  vulcanischer 
Sand, 


1.^    hl    Ober- Rothliegendes. 

I  hl  Unter  -  Rothliegendes  (flötz- 
theils     )  armes  Kohlengehirge). 

|i     Productives  Kohlengebirge. 

i  Productives  Kohlen-Gebirge. 

ii  Flötzleerer  (Sandstein). 

\  i-     Culm  und  Kohlenkalk. 


k    Ober-Devon.      FemeMi7t  -  Schiefer, 
Kramenzel  und  Flinz. 


2    1     Mittel-Devon.  Eifelkalk. 


n  > 


Ii    Mittel-Devon.  Lenne-Schiefer. 


m    Unter-Devon.  Wissenbacher  Schie- 
fer, Coblenz-Schiehten. 

Unter-Devon,  versteinerungslcer.  Ar- 
dennenschiefer. 

in  jeder  Abtheilung  eingeschlossen. 
Vulcanischer  Tuff. 

Grenze  der  Verbreitung  loser  Bims- 
steine, fts 


/ 


Vulcanischer  Tuff. 


225 


Vulcanische  Schlacken, 
Augitlava  (basaltische  Lava  in  Strö- 
men), 

Leucit-Tuff,  enthalten 
Phonolith  ,    Leucit-   und  Sodalithge- 
stein, 

Trachyt-  und  Basalt-Conglomerat, 


B  Basalt, 
T  Trachyt, 


S    Schlacken  und  Lava. 

in  G  Vulcanischer  Tuif. 

P  Phonolith,  Leucit,  Noseangesteine. 

r  Trachyt  und  Basalt-Conglomerat. 

B  Basalt. 

T  Trachyt. 

M  Melaphyr,  Mandelstein,  Eisenspilit. 


M  Melaphyr,  Mandelstein  (Trapp),  /  2  ?1  ^ 
r    Feldspathporphyr  mit  Quarz,  ['i^  ^Z. 


s  Schalstein, 

Gr  Grünstein  (von  nicht  näher  bekannter\ 
mineralogischer  Beschaffenheit), 

L  Lahradorporphyr, 

H  Hypersthenfels, 

ri  Feldspathporphyr  (schieferig  mit  und ' 
ohne  Quarz  im  Gebiet  der  Devon- 
Gruppe), 


enthalten  in 


Felsit-  und 
porphyr. 


Diorit  ,  Hypersthenfels 
Gabbro,  Schalstein. 


g.    enthalten  in 


Felsit-  und 
porphyr. 


Quarz- 


Diabas 


Quarz- 


Die  auf  der  Tbersichtskarte  gegenüber  der  grossen  Karte  eingetretenen 
Beschrankungen  und  Berichtigungen  finden  theilweise  in  dem  kleineren  Maass- 
stabe ihren  Erklärungsgrund,  theilweise  aber  auch  in  einer  Vereinfachung 
durch  den  Fortschritt  der  Wissenschaft.  Viele  Localnamen  sind  den  bekann- 
ten,  am  allgemeinsten  geltenden  Gruppennamen  gewichen.  Diess  ist  der 
Zustand  der  Reife  für  die  sorgsam  gepflegte  Frucht  an  dem  Baume  der 
Geologie,  während  man  den  oft  noch  nothwendigen  Gebrauch  interimistischer 
Localnamen  für  einzelne  Glieder  der  Formationen  als  einen  unreifen  Zu- 
stand bezeichnen  kann.  Dass  in  der  Rheinprovinz  und  Westphalen  diese 
herrliche  Frucht  jetzt  zur  Reife  gelangt  ist,  hat  man  ausser  dem  anhaltend 
und  sorgsam  seil  langen  Jahren  durchpflügten  Boden  ganz  vornehmlich  der 
Energie  und  unertnüdliclien  Pflege  des  grossen  Meislers  zu  danken,  aus  dessen 
Händen  die  Wissenschaft  diese  Gabe  entgegennimmt. 


C.  Naumann:  Geognostische  Karte  des  Erzgebirgischen  Bas- 
sins im  Königreiche  Sachsen.  2  Sectionen,  Lei|)zig,  I86ß.  —  Maass- 
stab ^/57600  der  natürlichen  Grösse.  — 

Wenn  auch  nicht  von  einem  gleichen  Umfange,  so  doch  von  gleicher 
Gediegenheit,  wie  die  geologische  Karte  von  Dechen's,  tritt  uns  hier  Nau- 
MANis's  geognostische  Karte  über  einen  in  geognostischer  und  national-ökono- 
mischer Beziehung  hochwichtigen  Landstrich  des  Königreiches  Sachsen  ent- 
gegen, gleichfalls  das  Resultat  langjähriger,  treuer  Beobachtungen  eines  all- 
verehrten Meisters  in  unserer  Wissenschaft.  Wenn  daraus,  namentlich  unter 
Benutzung  des  in  nahe  Aussicht  gestellten  Textes  und  der  Profile,  zunächst 
für  den  Steinkohlenbergbau  in  diesem  Bassin  ein  lang  gewünschter  sicherer 
Anhaltepunct  geboten  wird,  so  muss  die  Wissenschaft  zumal'  die  von  Nau- 
mann hier  bewirkte  genaue  Gliederung  des  R  o  t  h  1  i  e  g  c  n  d  cn  als  einen  hohen 
Jahrbuch  1867.  15 


Gewinn  betrachten.  Hierüber  bemerkt  Naumann  in  einem  gedruckten  Erläu- 
terungsblatte: 

Die  erste  und  zweite  Etage,  welche  durch  die  zwischen  ihnen  ein- 
gelagerten Thonsteine,  Melaphyre  und  Porphyre  getrennt  werden,  zeigen  im 
Allgemeinen  eine  ziemlich  übereinstimmende  petrographische  BeschaflPenheit. 
indem  sie  wesentlich  aus  Schieferletten  ,  Sandsteinen  und  consistenten  Con- 
glomeraten  bestehen;  wesshalb  dent«  auch  ihre  gegenseitige  Grenze  nur  da 
mit  einiger  Sicherheit  bestimmt  werden  konnte,  wo  jene  Zwischenbildungen 
wirklich  zu  Tage  austreten,  während  solche  ausserdem  mehr  oder  weniger 
zweifelhaft  bleibt.  Es  sind  diess  diejenigen  beiden  Etagen  ,  welche  ihrer 
petrographischen  Ähnlichkeit  wegen  in  der  geognostischen  Beschreibung  des 
Königreiches  Sachsen  (Heft  II,  1838,  S.  427  u,  f.)  als  die  untere  Abihei- 
lung des  Roihliegenden  zusammengef'asst  wurden.  Beide  haben  stellenweise, 
vor  der  Ablagerung  der  folgenden  Etage,  nicht  unbedeutende  Dislocalionen 
erfahren. 

Die  dritte  Etage  erscheint  als  ein  kleinstückiges,  meist  sehr  wenig  co- 
härentes  und  fast  schüttiges  Conglomerat.  welches  in  der  Mitte  des  Bassins 
besonders  reich  an  QuarzgeröUen,  längs  der  westlichen  Grenze  dagegen  sehr 
reich  an  flachen  Geschieben  von  Thonschiefer  und  Grauwackenschiefer  ist. 
Diese  Etage  wurde  a.  a.  0.  S.  430  als  die  mittlere  Abtheilung  des  Roth- 
liegenden aufgeführt. 

Die  vierte  Etage  endlich,  welche  nur  in  der  Gegend  von  Meerane  und 
Crimnitzschau  vorhanden  und  als  ein  zeitliches  Äquivalent  des  unte- 
ren Zechstei  ns  zu  betrachten  ist,  wurde  schon  a.  a.  0.  S.  433  als  die  obere 
Abtheilung  des  Rothliegenden  aufgestellt.  Uber  ihr  folgt  der  obere  Zech- 
stein, und  dann  der  ßuntsandstein,  welcher  besonders  im  Thale  von 
Nieder-Grünberg  und  am  linken  Gehänge  des  Pleissethales,  von  Dreissen  bis 
Gössnitz,  sehr  gut  aufgeschlossen  ist. 

Der  Thonstein  (Felsittuff),  als  ein  nicht  durchgängig  vorhandenes  und 
von  den  Porphyren  und  Älelaphyren  abhängiges  Glied  des  Rothliegenden,  ist 
zwischen  der  ersten  und  zweiten  Etage  des  letzteren  au  allen  Orten  seines 
Vorkommens  angegeben  worden:  doch  wird  er  auch  stellenweise  unmittelbar 
von  der  dritten  Etage  übergreifend  bedeckt. 


Dr.  G.  Stäche:  Geologisches  Landschaftsbild  von  Sieben- 
bürgen. Österr.  Revue,  6.  Heft,  1866.  S.  148.  7.  Heft,  S.  148.  8^ 
Mit  einer  geol.  Übersichtskarte.  — 

Die  Geologie  Siebenbürgens ,  worüber  Franz  R.  v.  Hauer  und  Guido 
Stäche  schon  1863  einen  inhaltschweren  Band  veröffentlicht  haben  (Jb.  1864, 
724),  wird  hier  zu  einem  geologischen  Landschaftsbilde  umgestaltet,  welches 
durch  Umfang  und  Form  auch  für  weitere  Kreise  Anziehung  ausüben  muss. 
Hier  tritt  die  Eigenthümlichkeit  des  Landes,  dessen  individuelle  Abgeschlos- 
senheit mit  seinem  Gebirgsbau  in  enger  Berührung  steht,  um  so  deutlicher 
hervor  und  gestattet  einen  leichten  und  schönen  Überblick  in  seinen  ver- 
schiedenen plutonischen   und   neptunischen  Bildungsstufen.    An  das  krystal- 


227 


linische  Grenzgebirge  lehnt  sich  das  mesozoische  Schollengebirge,  welches 
von  altlertiärem  Randgebirge,  dem  vielgestaltigen,  tertiären  Mittellande  ge- 
folgt ist,  deren  Plastik  und  Physiognomie,  sowie  deren  petrographischen  Cha- 
rakter und  Reichthum  an  Erzen  und  anderen  wichtigen  Mineralprodukten 
uns  der  Verfasser  geschickt  vor  Augen  führt. 

Wir  glauben,  vor  Allem  daraus  einen  Abschnitt  über  die  trachy  tisch- 
basaltischen Eruptiv -Gebirge  wiedergeben  zu  müssen,  da  diese  auch 
in  Ungarn  in  einer  ganz  ähnlichen  Weise  wie  in  Siebenbürgen  auf- 
treten, Diess  lehren  die  früheren  werthvollen  Untersuchungen  v.  Richt- 
hofen's,  sowie  die  neueren  Forschungen  in  Ungarn  von  Franz  v.  Hauer,  G. 
Stäche,  v.  Andrian  und  anderer  thätiger  Geologen  Wiens,  die  in  den  neue- 
sten Heften  des  Jahrbuchs  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  niedergelegt 
worden  sind  *. 

Dr.  Stäche  äussert  sich  darüber  in  folgender  Weise: 
Seit  der  Zeit  der  letzten  Schichtenabsätze  der  Eocänperiode  bis  hinauf  in 
die  Zeit  der  jüngsten  Ablagerungen,  welche  das  jüngere  Tertiärmeer  im  sieben- 
bürgischen  Mittellande  und  den  von  ihm  getrennt  erscheinenden  kleineren  Becken 
des  Randgebirges  absetzte,  wirkte  fortdauernd  eine  Reihe  von  gebirgsbilden- 
den  Masseneruptionen,  Nach  ihrer  wahrscheinlichen  Allersfolge  und  ihren 
chemischen  und  petrographischen  Eigenschaften  lassen  sich  im  Ganzen 
6  Hauptgruppen  von  Eruptivgesteinen  unterscheiden,  von  denen  jede  ihre 
besonderen  geographischen  Eruptionsgebiete  aufzuweisen  hat.  Von  unten 
nach  oben  sind  diese  Gruppen:  1)  Die  Grünsteintrachyle  (ältere  Andesite), 
2)  die  Dacite  (oder  älteren  Quarztrachyle),  3)  die  Andesite  (grauen  Tra- 
chyte),  4)  die  N  o  r m  a  1  tr  a  c  h  y  t  e ,  5)  die  R  h  y  o  I  i  t  h  e  (oder  jüngeren  Quarz- 
trachyle), 6)  die  Basalte. 

Die  G r  ü  n  s  t  e i  n  t  ra  ch y  te  oder  alten  Andesite  sind  im  Wesentlichen 
Gemenge  von  gestreiflein  Feldspath  (Oligoklas)  und  Hornblende.  Sie  zeichnen 
sich  petrographisch  durch  eine  immer  grünliche,  bald  hellere,  bald  dunkelere, 
felsitische  Grundmasse  und  eine  meist  deutliche  Vertheiinng  von  Eisenkies  in 
der  Grundmasse  aus.  Überdiess  ist  ihnen  eine  tiefgehende  Verwitterung  der 
Oberfläche  eigen,  womit  diti  sanfter  gewölbten,  glockenförmigen  Contour- 
formen ,  in  welchen  ihre  Berge  erscheinen,  im  Zusammenhang  zu  stehen 
scheinen.  Durch  das  Zurücktreten  oder  porphyrartige  Hervortreten  des  Horn- 
blende- oder  Feldspath-Gemengiheils  aus  der  dicht  gemengten  Hornblende 
und  zum  Theil  durch  die  theilweise  Vertretung  der  Hornblende  durch  Glim- 
mer entstehet  eine  Reihe  von  Varietäten,  in  denen  sich  die  Haupteigen- 
schaften jedoch  immer  erkennen  lassen.  Die  Grünsteintrachyte  haben  ihre 
Haupteruptionsgebiete  im  Norden  und  Westen  des  Grenzgebirges.  Es  gehören 
ihnen  nämlich  der  Hauptsache  nach  das  Rodnaer-,  das  Gutin-,  Csibles-  und 
das  Nagyäger  Eruptionsgebiet  an. 

*  Vgl.  Dr.  G.  Stäche,  die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebungen  von  Waitzen 
in  Ungarn  (Jahrb.  d.  k.  k.  g.  R.  1866.    16.  Bd.  III.    S   277—328.)  — 

FerD.  V.  Andrian,  das  südwestliche  Ende  des  Schemnitz-Kremnitzer  Trachytstockes. 
(Ebend.  S.  355—417.)  In  letzterer  Abhandlung  sind  auch  zahlreiche  chemische  Analysen 
dieser  Gesteine  aufgenommen. 

15 


228 


Die  Dacite  stehen  den  Grünsteintrachyten  in  der  äusseren  Erscheinung 
nicht  selten  sehr  nahe.  Sie  unterscheiden  sich  jedoch  wesentlich  von  ihnen 
dadurch,  dass  sie  sauerere  3Iischuhgen  sind,  was  äusserlich  schon  dadurch 
ersichtlich  wird,  dass  sie  stets  und  oft  reichlich  ireien  Quarz  ausgeschieden 
enthalten  und  überdiess  bei  ihnen  nicht  selten  neben  Oliooklas,  Hornblende 
und  Glimmer  ein  kieselerdereicherer  Feldspath  „Sanidin**  in  die  Mischung 
tritt.  In  Bezug  auf  Farbe  und  .Mischungs-Verhültnisse  zwischen  der  Gesteins- 
grundmasse und  den  ausgeschiedenen  Mineral-Gemengtheilen  wechseln  die- 
selben in  zahlreichen  Varietäten.  Das  Hauptverbreitungs-Gebiet  der  Dacite 
ist  das  westliche  Grenzgebirge  und  zum  kleineren  Theile  auch  das  nördliche 
Grenzgebiet.  Ihnen  gehören  vorzugsweise  die  Eruptionsgebiete  der  Vlegiäsza, 
des  Szamosmassivs  und  des  siebenbürgischen  Erzgebirges  an.  Das  Alter  der 
Dacite  dürfte  ein.  wenn  auch  nicht  bedeutend,  so  doch  jedenfalls  etwas  jün- 
geres sein,  als  das  der  quarzfreien  Grünsteintrachyte. 

Die  jüngeren  Andesite  oder  grauen  Hargiltrachyte  haben  ihr  mäch- 
tiges und  fast  einziges  grösseres  Verbreitungsgebiet  in  dem  gewaltigen  öst- 
lichen Eruptionsgebiet  der  Hargitta,  und  zwar  vorzugsweise  in  dem  be- 
deutenden nördlichen  Theile  dieses  Gebirgszuges.  Dieselben  sind  mineralo- 
gisch fast  gleichartig  mit  den  Grünsteintrachyten  zusammengesetzt,  also  im 
Wesentlii;hen  gleichfalls  Oligoklas-Hornblende-Gemenge .  wobei  die  Horn- 
blende nur  hin  und  wieder  durch  Augit  vertreten  wird.  Sie  haben  aber 
stets  eine  mehr  dunkelgraue,  bräunliche  bis  schwarze,  mikrokrystaliinische 
Grundmasse.  Die  ausi;eschiedenen  Bestandtheile  treten  weniger  aus  der 
Grundmasse  hervor,  und  eingesprengter  Schwefelkies  ist  nie  in  der  Grund- 
masse zu  beobachten.  Überdiess  zeigen  sie  meist  nur  eine  scharfe,  dünne 
Verwitterungsrinde,  eine  plattige  Absonderungsform  und  scharfkantige  Con- 
tourformen ihrer  Bergzüge.  Sie  nähern  sich  überhaupt  mehr  dem  Typus  der 
Basaltfamilie,  während  die  Grünsteintrachyte  eher  den  Typus  der  alten  Grün- 
steine nachahmen. 

Die  Trachyte,  die  typischen  iVormalgesteine  der  Trachytfaniilie,  haben 
ihre  Haupteruptionsgebiete  im  Süden,  und  zwar  sowohl  im  Süden  des  öst- 
lichen Hauptgebietes  der  basischen  Andesite  in  der  Gegend  des  St.  Annasee's 
und  Büdös,  als  im  Süden  des  westlichen  Hauptgebietes  der  saueren  Dacite 
in  der  Gegend  von  Verespatak.  Nagyag  und  Deva.  Die  Trachyte  sind  quarz- 
freie Gemenge  von  Sanidin  allein,  oder  von  Oligoklas  und  Sanidin,  also  von 
zwei  Feldspathen  mit  Hornblende  und  Glimmer.  Sie  erscheinen  in  Varie- 
täten mit  weisser  bis  hellgrauer,  rother  oder  grünlicher  Farbe  der  Grund- 
masse und  zeichnen  sich  durch  die  meist  rauhporöse  Beschaffenheit  der 
Grundmasse.  und  eine  nieist  sehr  reichliche  und  scharfe  Ausscheidung  ihrer  Ge- 
mengtheile  in  Krystailen  aus.  Dieselben  haben  ein  etwas  jüngeres  Alter, 
als  die  grauen  Andesite  und  geben  vorzugsweise  das  Material  zu  dem  Binde- 
mittel der  Trachytbreccien  und  Tuffe  her.  welche  in  so  bedeutenden  Massen 
an  den  Rändern  des  Hargittazuges  angehäuft  sind.  Sie  sind  an  Kieselsäure 
reichere  Gesteine,  als  die  Andesite  und  bilden  somit  ein  Mittelglied  zwischen 
diesen  und  den  sauersten  Gesteinen  der  ganzen  Trachytreihe ,  den  „Rhyo- 
lithen.". 


229 


Die  Rhyolithe  sind  gleich  der  älteren  Gruppe  der  saueren  oder  quarz- 
führenden Trachyle,  der  „Dacite",  in  ihrer  Verbreitung  auf  das  westliche 
und  das  nördliche  Grenzgebirge  beschränkt.  Sie  sind  in  Siebenbürgen  über- 
haupt in  ihrem  Auftreten  in  festen  Gesteinsmassen  viel  beschränkter,  als  in 
Ungarn,  Doch  zeigen  sie  sich  auch  hier  stets  mit  denselben  mineralogischen 
Hauptcharakteren  als  innige  Gemenge  von  Quarz  und  Sanidin  ausgebildet,  in 
welcher  Grunrimasse  Quurz  allein  oder  Quarz  und  Sanidin  in  deutlichen  und 
scharfen-  Krystallen  porphyrartig  ausgeschieden  ist.  Die  Grundmasse  ist  ent- 
weder dicht  hornsteinartig,  wie  in  dem  Rhyolithe  der  Vlegyäsza,  oder  por- 
ceilanerde-  bis  email-artig,  wie  im  Gebiet  des  „Csicsoberges"  bei  Retteg. 
Mit  der  letzteren  Form  der  Ausbildung  sind  auch  vorzugsweise  die  Rhyolith- 
breccien  und  Tuffe  in  engerem  Zusammenhange,  welche  im  nordwestlichen 
Tbeile  von  Siebenbürgen,  besonders  in  der  Gegend  von  Szamos  Ujvar,  von 
Nyirsid  und  Balla,  bei  Zilah  und  bei  Benedekfalva  zu  nicht  unbedeutender 
Ausdehnung  gelangt  sind. 

Die  Basalte  schliessen  die  Reihe  der  Eruptivgesteine,  welche  während 
der  Tertiärzeit  in  Siebenbürgen  zum  Ausbruch  gelangten.  Sie  sind  die  kie- 
selsäureärmsten Gesteine  und  bilden  als  solche  in  Bezug  auf  ihre  chemische 
Mischung  den  schärfsten  Gegensatz  zu  den  ihnen  dem  Alter  nach  zunächst 
stehenden  Rhyolithen.  Die  Art  ihrer  Verbreitung  in  nur  sporadisch  im  Westen 
und  auch  im  Osten  nur  untergeordnet  auftretenden  Kuppen  oder  kleinen  Berg- 
gruppen deutet  darauf  hin.  dass  sie  einer  besonderen,  von  der  ganzen  Reihe 
der  Trachyt-Eruptionen  schärfer  getrennten  Gesteinsreihe  angehören  und  viel- 
leicht nur  als  weit  entfernte  Ausläufer  eines  der  ausserhalb  Siebenbürgen 
liegenden,  grösseren,  basaltischen  Eruptions  -  Gebiete  zu  betrachten  sein 
dürften.  — 

Die  G  rün  steintrachyte  und  Dacite  sind  die  Träger  der 
edlen  Metalle  und  vorzugsweise  des  Goldes.  Die  Dacite  und  Rhyo- 
lithe sind  aber  auf  die  Gangbildung  innerhalb  der  Erzgebirge  von  so  hervor- 
ragender Bedeutung  gewesen,  ^ass  das  Vorkommen  edler  Erzlagerstätten  im 
Grünsteintrachyt  an  die  Nachbarschaft  der  älteren  oder  jüngeren  Quarztra- 
chyte  des  „Dacites  und  Rbyolithes"  mit  den  Grünsteintrachyten  gebunden 
erscheint. 

Man  kann  die  von  Stäche  gegebene  Charakteristik  der  trachytischen  Ge- 
steine Siebenbürgens  geradezu  auf  jene  in  Ungarn  vorkommenden  übertragen, 
v\'esshalb  wir  uns  vorläuGg  begnügen,  auf  die  neuesten  Untersuchungen  über 
die  letzteren  in  den  schon  genannten  Abhandlungen  verwiesen  zu  haben.  ■ 
Dass  sich  die  Technik  sofort  solcher  Aufschlüsse  der  Wissenschaft  bemäch- 
tiget, ersehen  wir  mit  Vergnügen  aus  einem  Referate  über  die  Wochenver- 
saramlung  am  20.  Jänner  76^6*  (Zeitschr.  d.  österr.  Ing.-  u  Archit.-Vereins. 
IV.  Hft.  1866),  wo  sich  der  Ober-Ingenieur  P.  E.  Szumrak  in  Pest  erbietet, 
über  die  in  Ungarn  vorkommenden  Trasse,  welche  jener  Zone  wahrschein- 
lich entstammen,  und  deren  Verwendung  zu  Trass-Cementen  nähere  Aus- 
kunft zu  ertheilen. 


230 


Dr.  E.  v-r  SoMMARüGA :  Chemische  Studien  üher  die  Gesteine 
der  ung-arisch-siebenbürgischen  Trachyt-  und  Basaltgebiro^e. 
(Jahrb.  d.  k.  U.  geol.  R  -A.  1866.  iV,  p.  461  u.  f.)  —  Diese  schätzbare 
Arbeit,  welche  kaum  die  Presse  verlassen  hat,  gibt  einen  ersten  Abschluss 
durch  eine  grosse  R^ihe  von  chemischen  Analysen  der  in  dem  vorigen  Ar- 
tikel besprochenen  Gesteine,  die  übrigens  im  Laboratorium  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  noch  eifrigst  fortgesetzt  werden. 

Um  den  ganz  allmählichen  llbergang  stark  sauerer  Gemenge  in  basische 
deutlich  zur  Anschauung  zu  bringen,  hat  v.  Sommaruga  folgende  Eintheilung 
festgehalten : 

Rhyolithe  mit  77-70  Proc.  Kieselsäure  und  2,042—2,588  sp.  Gew. 

Dacite  „   69-61      „  „  „    2,577-2,655  „  „ 

Grünsteintrachyte 

und  Andesite      „  61—53      „  „  „    2,583-2,720  „  „ 

Echte  Trachyte      „   59-57      „  „  „    2.569—2,640  „  „ 

Dolerile,  Basalte    „   60—53      „  „  „    2,663-2,768  „  „ 

Die  Hauptresultate  dieser  Untersuchungen  lassen  sich  schliesslich  in 
Folgendem  aussprechen  : 

1)  Viele  ungarische  und  siebenbürgische  Gesteine  zeigen  bei  mineralo« 
scher  Verschiedenheit  oft  gleiche  Zusammensetzung  mit  Gesteinen  von  den 
verschiedenen  anderen  Puncten  unserer  Erde:  es  wiederholen  sich  gewisse 
Typen  der  Gesteinsmischungen. 

2)  Alle  ungarischen  und  siebenhürgischen  Gesteine  enthalten  wahr- 
scheinlich zwei  Feldspathe,  von  denen  der  eine  oft  nur  in  der  Grundmasse 
enthalten  ist.    Die  Gesteine  lassen  sich  hienach  scheiden  in: 

a.  Sanidin-albithaltige :  Rhyolithe; 

b.  Sanidin-oligoklashaltige:  Dacite,  Andesite,  Normaltrachyte : 

c.  Sanidin-labradorhaltige :  Dolerite- 

3)  Aus  sauren  Mischungen  entstehen  auch  bei  schneller  Erstarrung  ba- 
sische Mineralien;  oft  sind  es  die  einzig  sichtbaren  Ausscheidungen. 

4)  Glimmer  und  Granat  sind  jedenfalls  früher  erstarrt  als  die  nndercn 
Bestandtheile,  besonders  früher  als  der  Feldspath. 

5)  Das  Wachsen  der  Dichtheit  der  Gesteine  mit  der  Abnahme  des  Kie- 
selsäureoehaltes  ist  constant  zu  beobachten. 


B.  V.  Cotta  :  über  das  Entwickelungs  -  Gesetz  der  Erde. 
Leipzig,  1867.  8^  29  S.  —  Wir  gewinnen  in  dieser  Abhandlung,  deren 
wesentlichen  Inhalt  der  geehrte  Verfasser  am  24.  Nov.  1S66  vor  einem  ge- 
bildeten Publicum  in  Dresden  vorgetragen  hat,  einen  allgemeinen  Uberblick 
über  den  gegenwärtigen  LStand  der  Geologie.  Dieselbe  basirt  auf  dem  an  die 
Spitze  gestellten  Entwickelungsgesetze,  welches  einfach  lautet:  Die  Man- 
nichfaltigkeit  der  Erscheinungs-Formen  ist  eine  noth wendige 
Folge  der  Summirung  von  Resultaten  aller  Einzel  Vorgänge, 
die  nach  einander  eingetreten  sind,  oder  kürzer:  die  M a  n  n  i  c  h  f a  1  ti  g  k  ei  t 
der  Entwickelungs  formen  ist  Folge  der  Einzel  vorgänge. 


231 


Entsprechend  ihren  Wirkungen 
Weise  an  einander: 

Reihenfolge  der  Wirkungen. 

1.  Gravitation. 


Wärme 
s.  w.) 


(Licht,  Electricität  u. 
(Ausstrahlung.) 


Chemische  Verwandt- 
schaft 

(Krystallisation  ) 


(Wasser.) 


•eihen  sich  die  Vorgänge  in  folgender 

Reihenfolge  der  Vorgänge. 

1.  Ballung  der  Materie  und  dadurch 
immense  Temperatur  des  Gashalles. 

2.  Durch  Wärmestrahlung  in  den  käl- 
teren Wellraum  geht  ein  Theil  der 
gasförmigen  Stoffe  in  den  flüssigen 
Zustand  über.  Ein  flüssiger  Kern 
ist  von  einer  Gashülle  umgeben. 

3.  Durch  weitere  Abkühlung  erstarrt 
ein  Theil  des  flüssigen  Kernes.  Es 
bildet  sich  eine,  aus  Mineralsub- 
stanzen  bestehende ,  feste  Kruste 
um  den  flüssigen  Kern ,  umgeben 
von  einer  Gashülle. 

4.  Durch  noch  grössere  Abkühlung 
wird  auf  der  Oberfläche  der  festen 
Kruste  Wasserbildung  möglich,  und 
von  da  an  Wasserwirkungen.  Zwi- 
schen die  feste  Kruste  und  die 
Gashülle  tritt  demnach  eine  unter- 
brochene Wasserschicht. 

5.  Nach  einer  gewissen  Temperatur- 
erniedrigung bilden  sich  organische 
StofFverbindungen,  und  aus  diesen 
Organismen,  deren  Mannichfaltig- 
keit  sich  nun  stetig  vermehrt,  wie 
die  der  unoroanischen  Gestaltungen. 

6.  Die  Wärmeunterschiede  der  Son- 
nenbestrahlung werden  bemerkbar, 
es  bilden  sich  Klimazonen  und  end- 
lich Eisregionen.  Von  da  an  auch 
Eiswirkungen. 

7.  Im  Thierreich  entwickelt  sich  mehr 
und  mehr  das  geistige  Leben,  und 
erreicht  im  Menschen  sein  augen- 
blickliches Maximum. 

Bezüglich  des  dritten  Stadiums  wird  besonders  geltend  gemacht,  dass 
bei  einer  völligen  Ruhe  die  auf  der  flüssigen  Erde  sich  bildende  Gesteins- 
kruste sehr  einförmig  und  gleichförmig  ausgefallen  sein  müsse,  dass  aber 
von  Anfang  an  mehrere  Ursachen  vorhanden  waren,  welche  eine  solche 
Uuhe  und  Einförmigkeit  verhinderten.  Als  die  entschiedensten  werden  an- 
gesehen: die  veränderlichen  A  n  zi  e  h  u  n  g  s  ri  ch  t  u  n  g  e  n  von  Mond 
und  Sonne,  die  noch  jetzt  Ebbe  und  Fluth  bedingen.    In  solchen 


4.  Organisation. 


(Eis.) 


5.  G  e  i  s  t  e  s  t  h  ä  t  i  g  k  e  i  t. 


232 

Bewegunpfen  oder  Störungen  des  Gleichgewichtes  erblickt  er  die  ersten  Ur- 
sachen von  ßerslungen  der  sich  bildenden  festen  Erstarrungskrnste,  und  vom 
Eindrängen  der  flüssigen  Innenmasse  in  Zerspaltunsen  dieser  Kruste  —  also 
die  ersten  Ursachen  von  eruptiver  G  e  s  t  e  i  n  s  b  i  1  d  u  n  g.  —  Ein  wie  uns 
seheint  ebenso  wichtiges  Moment,  die  Volumenveränderung  durch  Erstarrung 
der  blassen ,   würde  indess  ^^  ohl   gleiche  Berücksichtigung  verdient  haben. 

(D.  R.) 

In  Bezug  auf  Entwickelung  des  organischen  Lehens  stellt  si«  h  v.  C. 
ganz  auf  die  Seite  von  Darwin.  In  dieser  Beziehung  kann  wenigstens  nach 
den  neuesten  Untersuchungen  von  King  und  Rownry  (Jb.  1S6T,  122)  des 
Eo'ioon  nicht  als  Beweismittel  gelten  ,  wie  denn  auch  das  sehr  frühe  Auf- 
treten der  Trilobiten  in  der  Primordialzone  noch  lange  ein  grosser  Anstoss 
für  die  Anhänger  des  Darwinianismus  bleiben  wird. 


Peron:  über  die  Geologie  der  Umgebungen  von  Aumale  in 
Algerien.  (Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2.  ser..  t.  XXIII,  p.  686 
bis  716.)  —  Es  ist  Herrn  Pebon  gelungen,  in  den  Umgebungen  von  Aumale 
eine  recht  vollständige  Schichtenreihe  der  Kreideformation  zu  entziffern,  die 
auf  die  Länge  von  etwa  1300  Meter  zwischen  dem  Dorfe  Bir-Rabalou  und 
Dirah  entwickelt  ist.  Es  Hessen  sich  hier  mit  Hülfe  der  gut  aufgeschlosse- 
nen Lagerungs-Verhältnisse  und  zahlreichen  organischen  Überreste,  unter 
denen  52  Arten  Cephalopoden,  27  Arten  Echinidt^n  und  36  Arten  Mollusken 
aufgeführt  werden,  die  folgenden  Etagen  unterscheiden: 

Wechsel  von  Mergel  und  unreinen  Kalksteinen. 
Wechsel  von  grünen,  schieferigen  Mergeln,  eisenschüssigen 

Sandsteinen  und  Quarziten  ohne  Vereteinerungen. 
Mergel  und  Sandstein, (Lager  mit  Terebratula  Dutemptei. 
Sandiger  Kalkstein.    IZone  des  Ammonites  latidorsatus. 
Dicke  Schichten  von  festen  Kalksteinen,  I  Ohne  Versteine- 
Schieferige  Kalksteine  und  Mergel.  (  rungen. 

Mergel.  —  Zone  des  Ammonites  Nicaisei. 
Kalkschicht  mit  Terebratula  biplicata. 
Nierenkalke.  —  Zone  des  Flemiaster  aumalensis, 
Mergel.  —  Zone  des  Solarium  Vattoni. 
Ef.C/9Mowarj2g«./ K^^ll^stein.  —  Zone  des  Radioliles  Nicaisei. 
\ Versteinerungsleere  Mergel. 

iMergelkalke.  —  Zone  der  Discoidea  Forgemolli. 

/Kalkstein  ohne  Versteinerungen. 

f  Kalkbank.  —  Zone  des  Epiaster  Villei. 

I  Mergel  ohne  Versteinerungen. 

\  Nierenkalke.  —  Zone  des  Epiaster  Heberti. 

Mergel  und  Nierenkalke  mit  Hemiaster  Foni'neli. 
Dessgl.  mit  Micraster  Peinei. 


Unterer  Gault? 
Et.  aptien? 


Gault. 


Turonien. 


233 


Mächtige  Lagfer  von  Merg^el ,   unreinen  ,  theilweise  schiefe- 
rigen Kalken  mit  Austern  der  oberen  Kreide. 

Diese  zur  Kreideformation  gehörenden  Schichten  sind  von  tertiären  Ge- 
bilden bedeckt,  welche  in  der  Gegend  von  Aumale  weniger  Interesse  dar- 
bieten ,  zumal  Fossilien  darin  ziemlich  selten  sind.  Dagegen  überrascht  in 
einem  Profile  von  Oued  Mehadjer,  Oued  ben  Difel ,  Sidi  Sadik  nach  Oued 
Merdja  (p.  713)  das  gangförmige  Auftreten  eines  „Amphibolite^^  (Diorit  der 
Autoren)  zwischen  Gyps  im  Gebiete  der  Kreideformation.  Das  Auftreten 
dieses  Hornblendegesteins  in  Algerien  ist  bei  den»  bekanntlich  weit  höheren 
Alter  der  Diorite  in  Europa  noch  ziemlich  rälhselhaft  und  wird  verschiedene 
Deutungen  zulassen.  In  den  Umgebungen  von  Aumale  ist  die  Anzahl  von 
Gypslagern  eine  sehr  beträchtliche. 

Als  jüngste  Gebilde  der  Umgegend  werden  zwei  von  einander  verschie- 
dene Geröllablagerungen  unterschieden.  In  wie  weit  dieselben  aber  mit  den 
Alluvionen  der  iMetidja,  den  Ablagerungen  in  den  Steppen  und  des  Sandes 
der  Sahara  in  Beziehung  zu  bringen  sind,  wird  noch  nicht  entschieden.  Die 
älteren  5  wahrscheinlich  diluvialen  Ablagerungen,  die  sich  im  Norden  von 
Aumale  an  den  Seiten  der  älteren  Bergrücken  ausbreiten,  erreichen  zuweilen 
900—950  Meter  Mächtigkeit  und  werden  von  jüngeren,  wahrscheinlich  mo- 
dernen Alluvionen  bedeckt. 


L.  Lartet  :  Untersuchungen  über  die  Veränderlichkeit  in 
dem  Salzgehalt  des  todten  Meeres  an  verschiedenen  Stellen 
der  Oberfläche  und  in  verschiedenen  Tiefen,  sowie  über  den 
wahrscheinlichen  Ursprung  der  darin  befindlichen  Salze.  ( ihill . 
de  la  Soc.  ge'oL  2.  ser.,  t  XXIII,  p.  719—760.)  Es  ist  dieser  klassischen 
Gegend  auch  in  geologischer  Beziehung  schon  vis!  Aufmerksamkeit  gewidmet 
worden  (vgl.  Jb.  1S66,  109),  hier  wird  eine  grosse  Reihe  von  neuen  For- 
schungen in  diesem  Gebiete  niedergelegt,  Lartet  schildert  zunächst  das 
Wasser  des  todten  Meeres,  dessen  speciiisches  Gewicht  an  der  Oberfläche 
1162  beträgt,  während  das  des  Oceans  nur  1027  ist,  und  gedenkt  der  ver- 
schiedenen chemischen  Analysen,  welche  darüber  bisher  veröffentlicht  wor- 
den sind.  Er  gibt  ferner  das  Resultat  seiner  neuen  Untersuchungen  über 
die. Zusammensetzung  des  Wassers  an  verschiedenen  Stellen  der  Oberfläche 
und  in  verschiedenen  Tiefen,  beschreibt  auch  den  Apparat,  dessen  er  sich 
zum  Schöpfen  bedient  hat  und  hebt  insbesondere  den  grossen  Gehalt  dieses 
Wassers  an  Brom  hervor,  der  sich  mit  zunehmender  Tiefe  vermehrt  und 
zuletzt  bis  7,093  Gramm  in  einem  Kilogramm  steigt.  Gleichzeitig  werden 
Parallelen  mit  mehreren  asiatischen  Salzseen  gezogen  ,  welche  mehr  oder 
minder  Analogien  mit  dem  todten  Meer  zeigen. 

Aus  den  auch  von  L\rtet  untersuchten  Lagerungs-Verhältnissen  und  der 
Natur  der  salzführenden  Massen  des  Dschebel  Usdura  ( Djebel-Usdom. 
Djebel-el-Melah,  oder  Salzberg)  am  S.W. -Ende  des  todten  Meeres  geht  her- 
vor,  dass  gerade  hier  eine  Hauptquelle  des  grossen  Salzgehaltes  in  diesem 


Se'nonien. 


234 


Meere  liegt.  Da  jedoch  das  Salz  von  Dschebel  Usduni .  auch  nach  einer 
neuen  (p.  747)  mitgetheilten  Analyse  von  Terreil  weder  Jod  noch  Brom  ent- 
hält, von  welchen  das  letztere  für  das  Wasser  des  todten  Meeres  so  cha- 
rakteristisch ist,  so  nüisseti  nocli  andere  Quellen  für  den  Salzgehalt  dieses 
Wassers  in  der  Umgebung  des  todleii  Meeres  angenommen  werden,  deren 
Nachweisung  dem  Verfasser  längs  der  Axe  einer  grossen  Verwerfung  im 
Bassin  des  rothen  Meeres  gelungen  ist. 

Einige  Holzschnitte  veranschaulichen  die  Gegend  von  Dschebel  Usdum, 
sowie  auch  das  Schichtenprofil  zwischen  dem  todten  Meere  und  der  centralen 
Bergkette  in  Judäa. 


F.  V.  HocHsTETTER  :  Beiträge  zur  Geologie  und  physikalischen 
Geographie  der  Nikobar-Inseln.  (Reise  d  Österr,  Fregatte  Novara, 
Geologie  2.  Bd.,  30  S.)  —  Die  Nikobar-Inseln  gehören  einem  Erhebungsfelde 
an,  das  sich  aus  dem  Golf  von  Bengalen  bis  weit  in  die  Südsee  verfolgen 
lässt.  Sie  stellen  ein  Glied  in  einer  Kette  von  Erhebungen  aus  dem  Ocean 
dar,  die  in  früheren  geologischen  Perioden  begonnen  haben  und  heute  noch 
fortdauern,  sehr  bestimmt  charakterisirt  durch  gehobene  Korallenbänke  und 
durch  den  Fortbau  der  Küsteuriffe,  die  langsam,  aber  im  Laufe  von  Jahrhun- 
derten und  Jahrtausenden  merkbar  das  Territorium  der  Inseln  verj^rössern. 
Ihre  mittlere  Richtung,  welche  von  NNW.  nach  SSO.  geht,  fällt  auch  mit 
der  Hauptstreichungslinie  der  Schichten  zusammen,  welche  diese  Inseln  zu- 
sammensetzen. 

Auf  den  nikobarischen  Inseln  spielen  die  Hauptrolle  drei  verschiedene 
Bildungen:  1)  eine  eruptive  Serpentin-  und  G  a  b  b  r  o  f  o  r  m  a  t  i  o  n ,  welche 
am  ausgezeichnetsten  auf  den  mittleren  Inseln  auftreten,  auf  Tillangschong, 
Teressa,  ßomboka ,  Kamorta  und  Nangkauri.  Sie  bilden  hier  Hügelketten 
von  2 — 500  Meereshöhe,  deren  Oberflächenform  mitunter  ausserordentlich  an 
die  Kegellorm  junger  vulcanischer  Bildungen  erinnert.  Ihre  Eruption  scheint 
in  eine  Zeit  zu  fallen,  wo  die  Bildung  der  marinen  Sedimente  auf  diesen 
Inseln  zum  Theil  noch  im  Gange  war.  ^ 

2)  Eine  aus  Sandsteinen,  Schieferthonen.  Thon  mergeln  und 
plastischem  Thon  bestehende,  wahrscheinlich  jung-tertiäre  Meeres- 
formation ,  die  nach  v.  Hochstetter's  Ansii;ht  den  Tertiärbildungen  auf  Java 
entspricht  und  welche  wie  dort  von  den  vorher  erwähnten  Massengesteinen 
durchbrochen  worden  sind.  Kohlenlager  sind  darin  nicht  nachgewiesen  wor- 
den. Das  junge  tertiäre  Alter  der  Serpentin-  und  Gabbrodurchbrüche  auf 
den  Nikobaren  und  auf  Java  hat  ein  vollständiges  Analogen  in^den  Serpentin- 
und  Gabbrü-Durchbrüchen  Central-Italien"s  ,  welche  nach  Perazzi  und  Savi 
theils  der  Eocän-,  theils  der  Miocän-Zeit  angehören. 

3)  Die  dritte  Hauptforination  der  Nikobaren  sind  Korallen-Bildungen, 
jene  Fransenriffe  Darwin's  oder  Küstenriffe,  welche  der  jüngsten 
Periode,  der  Jetztzeit,  angehören.  Auf  Kar  Nikobar,  Bomboka  und  mehreren 
anderen  Inseln  findet  man  mächtige  Korallenbänke,  theils  aus  dichtem  Ko- 
rallenkalkstein, theils  aus  Korallen-  und  iMuschel-Gongloraerat  bestehend,  die 


235 


bis  zu  30  und  40  Fuss  über  den  jetzi<(en  Spiegel  des  Meeres  erhoben-^  auf 
allen  Inseln  aber  sieht  man  das  ursprüngliche  Areal  vergrössert  durch  ein 
flaches  Korallenland,  das  nur  durch  die  höher  aufgeworfene  Sanddüne  des 
Strandes  getrennt  ist  von  den  im  Fortbaue  begriffenen  Korallenriffen,  die  als 
FransenrifFe  särnnitliche  Inseln  umgeben. 

Wie  in  ähnlichen  treuen  Reiseberichten  v.  Hochstetter's  ist  auch  hier 
wiederum  eine  sehr  anziehende  Schilderung  des  Bodens  der  Nikobaren  und 
seiner  Vegetations-Verhältnisse  gegeben. 

Dem  Salz-  und  Brackwassersumpf  oder  feuchten  Salzwasser-Alluvium 
entspricht  der  Mangrovenwald; 

dem  Korallen-Conglomerat  und  Korallensand  ,  einem  trockenen  Meeres- 
Alluvium  der  Kokoswold; 

dem  Korallen-Conglomerat  und  Korallensand  nebst  trockenem  Süsswasser- 
Alluvium  der  Hochwald; 

dem  Süsswassersumpf  und  feuchten  Süsswasser-Älluvium  der  Panda- 
nu  s  wa I d  ; 

dem  plastischen  Thon,  magnesiahalligen  Thonmergel  und  Serpentin  zum 
Theil  die  Grasheide: 

dem  Sandsteine,  Schieferthone,  Gabbro  und  trockenem  Fluss-Alluvium  aber 
der  Buschwald  oder  eigentliche  Urwald,  welcher  das  Innere  der  Inseln 
schwer  zugänglich  macht,  dennoch  aber  ein  Bild  entfaltet,  welches  nur  die 
Kunst  des  Malers  schwach  nachahmen  kann. 

Die  der  Abhandlung  beigefügten  Holzschnitte  von  Situation,  Durchschnit- 
ten und  Ansichten  bilden  eine  sehr  dankenswerthe  Zugabe. 


R.  C.  Selwyn  :  Bericht  über  die  goldführende  Drift  undQuarz- 
riffe  von  Victoria.  —  Beobachtungen  über  das  wahrschein- 
liche Alter  der  „unteren  G  o  i  ddrift".  (TAe  Geo/.  M««/.  No.  28,  Vol.  III, 
No.  10,  1866,  p.  457.)  — 

Aus  einer  Reihe  von  Beobachtungen  ist  Selwyn,  der  Director  der  geo- 
logischen Landesuntersuchung  von  Victoria  zu  dem  Schlüsse  gelangt,  dass 
mindestens  zwei  Reihen  von  Quarzadern  zu  unterscheiden  seien  ,  von  denen 
die  älteren,  deren  Bildungszeit  vor  die  miocäne  Epoche  fällt,  arm  an  Gold 
sind,  während  die  jüngeren  nach  Abschluss  der  miocänen  und  vor  Eintritt 
der  pliocänen  Epoche  entstandenen,  reich  an  Gold  sind  Die  ersteren  haben 
das  Material  für  die  armen  miocänen  Kiesablagerungen,  die  letzteren  das  für 
die  productiven  pliocänen  geliefert.  Es  ruhen  die  ersteren  unmittelbar  auf 
silurischen  Schiefern  und  Sandsteinen ,  welche  jene  Quarzadern  enthalten, 
auf.  Am  Golden  River  besitzen  jene  unergiebigen  Schichten  „false  boltom 
of  miners^^  mit  ihren  Gerollen,  Sand  und  Thon,  eine  Mächtigkeit  von  400  F., 
werden  von  50 — 60  Fuss  pliocänem  Kies  überlagert,  welcher  von  Basalt 
überdeckt  ist. 

In  einem  Durchschnitte  an  der  Morabool ,  W.  von  Steiglitz  folgen  von 
oben  nach  unten: 


236 


1)  Basalt,  49: 

2)  Sandiges  Pliocän,  10-15  Fuss; 

3)  Oberer  Korallenkalk,  niiocän,  13  Fuss  ; 

4)  Älterer  Basalt  mit  Einschlüssen  eines  compacten  Kalksteins  mit  mio- 
cänen  Fossilien: 

5)  Sandiger  Kalkstein,  mit  Fossilien,  30  Fuss,  miocän ; 

6)  Drift  mit  runden  Quarzgeschieben  und  harten  Kiescongloraeraten,  mit 
fossilem  Holz.  90  Fuss,  der  armen  Drift  entsprechend  : 

7)  Silurische  Schiefer  und  Sandstein  mit  Quarzadern.  — 

Einige  Bemerkungen  zu  dieser  Abhandlung  gibt  Rev.  W.  ß.  (^arke  in 
einer  späteren  Nummer  dieses  Journals  {The  Geof.  Mag.  N,  30,  p.  561),  aus 
welchen  hervorgehl,  dass  sich  das  Gold  auch  schon  in  weit  älteren  Forma- 
tionen vorfindet,  als  die  von  Selvvyn  hier  bezeichneten  sind. 


Dr.  L.  H.  Fischer:  das  min  eralogisch -geologische  Museum 
der  Universität  Freiburg.  (Programm.)  Freiburg,  1866.  4^.  74  S. 
—  Wie  man  in  Deutschland  versteht,  mit  verhällnissmässig  bescheidenen 
Mitteln  den  Anforderungen  moderner  Wissenschaft  dennoch  möglichst  zu  ge- 
nügen, lehrt  wiederum  die  Geschichte  dieses  Museums.  Wiewol  1  die  mine- 
ralogische Abtheilung  zur  Zeit  noch  die  reichere  ist,  so  bemerkt  man  doch 
auch  in  den  beiden  anderen  Abtheilungen  für  Petrographie  und  Paläontologie 
gerade  keine  empfindlichen  oder  störenden  Lücken,  vielmehr  ist  auch  in  diesen 
für  den  angehenden  und  den  schon  vorgeschrittenen  Forscher  ein  reiches 
Material  zu  Studien  bis  in  die  verschiedenen  Einzelheiten  dargeboten.  Pro- 
fessor FiscuER.  welchem  die  Direciion  dieses  Museums  seit  1sö4  anvertrauet 
worden  ist,  führt  den  Umfang  und  die  systematische  Anordnung  der  ver- 
schiedenen .  gewiss  sehr  lehrreichen  Sammlungen  hier  vor  Augen  und  es 
leuchtet  das  von  ihm  durchgeführte,  chemische  Princip  bei  der  Anordnung 
der  Mineralien  durch.  Dass  eine  solche  mit  der  Gruppe  der  organisch  sauren 
Salze  begonnen  ist,  dass  ferner  die  Zersetzungs-Producte  der  Feldspathe.  wie 
Kaolin,  den  Feldspathen  vorausgehen,  statt  ihnen  zu  folgen,  würde  man 
schwerlich  naturgemäss  finden,  wenn  nicht  etwa  diese  Stellung  durch  räum- 
liche Verhältnisse  eine  practische  Begründung  finden  sollte,  wie  wir  ver- 
muthen. 


J.  BekteJukes;  über  den  Kohlenschiefer  (oder  Devongestein) 
und  den  alten  rothen  Sandstein  des  südlichen  Irland  und  nörd- 
lichen üevonshire.  [Quart.  Jovrn  of  the  Geol.  Soc.  1866.  Vol.  XXII. 
p.  320  —  371.)  —  Die  Gründe,  welche  Professor  Jlkes  veranlasst  haben,  die 
Gesammtheit  der  devonischen  Schichten  über  den  alten  rothen  Sandstein  zu 
stellen  (Jb.  1866,  238),  werden  hier  noch  specieller  erörtert  und  sie  sind 
sowohl  stratigraphischer  und  lithologischer  als  paläontologischer  Natur. 

Der  Verfasser  sucht  zu  beweisen,  dass  die  carbonischen  Schiefer  {Car- 
boniferous  slate  auf  der  geologischen  Karte  von  Irland  von  Sir  Richard 


237 

Griffith),  welche  in  Irland  zwischen  dem  Old  Red  Sandstone  und  dem 
Kohlenkalk  mit  diesen  beiden  eine  gleichförmige  Lagerung  einnehmen,  den 
devonischen  Schichten  des  nördlichen  Devonshire  entsprechen,  welche  bei 
ßarnstaple  zwischen  dem  allen  rothen  Sandstein  und  der  Steinkohlenformalion 
entwickelt  sind. 

Indem  er  den  bei  Kiltorkan  in  Irland  über  dem  Old  Red  Sandsione 
auftretenden  Yelloiv  Sandstone  (vgl.  Profil  p.  328)  als  die  obere  Etage  des 
Old  Red  Sandstone  betrachtet,  erhält  er  folgende  allgemeine  Skizze  für  die 
hier  in  Frage  kommenden  Gesteinsglieder : 


Untere  Steinkohlenformation,   mit  Posidonomya ,   Aviculopecten ,  Lunulacardium, 
Goniatites,  Orthoceras,  Coelacanthoiden  - Fischen  etc. 


Devonische  Schichten,  oder  carhonische  Schiefer  (Carioniferoua  aJate)  mit  Oypri- 
dinenschiefer,  Stringocephahis-  und  Ca?ceoZa-Kalken,  Spiriferen-Sandstein,  Maar- 
wood- uud  Coomhola-Sandsteinen  u.  s.  w. 


Old  Bed  Satidstone,  mit  Adiantites  oder  CycJopteris ,  und  anderen  Farnen,  Knor- 
ria,  Sagenaria,  Cydostigma ,  Anodonta,  und  Fischen  aus  den  Gattungen  Cocco- 
steus,  GlyptoJaemus^  Phaneropleuron,  Glypto-pomus  etc. 


In  paläontologischer  Beziehung  scheint  ihm  die  Verwandtschaft  der 
devonischen  Schichten  des  nördlichen  Devonshire  mit  jenen  der  Carbonfor- 
mation besonders  durch  ihre  marine  Fauna  begründet  werden  zu  können. 
Dagegen  enthält  der  Old  Red  Sandstone  von  Irland  keine  Meeresthiere  und 
ist  überhaupt,  mit  Ausnahme  seiner  oberen  Schichten,  des  Yellow  Sand- 
stone, sehr  arm  an  Fossilien.  Einige  Pflanzen  des  lelzteren  kommen  neben 
Meeresconchylien  auch  in  jenen  carbonischen  Schiefern  vor  und  unter  ihnen 
solche,  die  auch  in  anderen  Gegenden  Europa's  für  die  ältere  Carbonfor- 
mation charakteristisch  sind,  wie  Sagenaria  V eltheimiana , 

Wir  dürfen  daher  wohl  auch  ferner  die  Ansicht  von  Grtffith,  Murchison 
u.  A.,  wonach  der  Old  Red  Sandstone  eine  limnische  Parallelbildung  für 
die  Devonformation  ist,  noch  festhalten,  an  welche  sich  die  aus  ruhigen 
limnischen  Gewässern  abgeschiedenen  Schichten  des  Yellow  Sandstone  von 
Kiltorkan  unmittelbar  angeschlossen  haben. 

Das  Hervortreten  von  zahlreichen  iMeeresthieren  in  den  darauf  folgenden 
Schichten  deutet  auf  grössere  Niveau-Veränderungen  hin,  mit  denen  in  Ir- 
land und  im  nördlichen  Devonshire  die  Carbonzeit  begann,  die  erst  in  den 
reineren  Absätzen  des  Kohlenkalkes  ihren  wahren  Ausdruck  erhalten  hat. 
Man  wird  wohl  am  besten  derartige  Schichten  wie  die  hier  in  Frage  kom- 
menden carbonischen  Schiefer  als  t'bergangsstufe  (^Passage  bedsj  zwischen 
devonischen  und  carbonischen  Schichten  betrachten  können,  deren  Charakter 
sich  hier  mehr  der  unteren,  dort  mehr  der  oberen  Gesteinsgruppe  nähert. 


238 


G.  ScARABELLi,  GoMMi,  Flamim  :  sulla  probabilita  che  il  sollevamento  delle 
Alpi  siasi  effptuato  sopra  una  linea  ciirva.  Firenze,  i866.  8^.  29  S. 
und  eine  Karte. 

Die  symmetrische  Lage  gewisser  Erhebungslinien  der  Alpen  und  der 
Richtungen  langer  Thäler  gegen  andere  führt  auf  die  Vermulhung,  dass  diese 
gegenseitigen  Verhältnisse,  vermöge  ihrer  öfteren  Widerkehr,  in  einem  ur- 
sachlichen Zusammenhange  gestanden  haben  mögen.  So  ist  die  Erhebungs- 
linie der  Westalpen  in  Italien  die  Basis  eines  gleichschenkligen  Dreiecks, 
dessen  andere  Seiten  durch  die  Richtung  der  Hauptalpenkette  von  den  pen- 
ninischen  bis  an  die  norischen  Alpen  und  durch  die  Erhebung  des  M.  Viso 
gegeben  sind.  Dasselbe  gilt  von  der  Richtung  des  oberen  Pothales  von  Cu- 
neo  nach  Turin  gegenüber  der  Kette  der  Westalpen  Italiens  und  des  M.  Viso  ; 
ebenso  von  seinem  ferneren  Verlaufe  gegen  Sesto  Calende  hin  in  Bezug  auf 
die  West-  und  Hauptal|)en  Zugleich  ist  diesem  Thalstücke  parallel  der  Zug 
des  genuesischen  Appennins.  Desgleichen  hat  das  ganze  untere  Pothal  von 
Sesto  Calende  und  Stradella  bis  zum  Meere,  sowie  der  gleichlaufende  ügu- 
rische  Appennin  .  eine  gleiche  Neigung  gegen  die  Hauptalpen  und  die  Axe 
der  julischcn  Alpen,  während  letztere  und  der  Zug  der  Hauptalpen  wiederum 
unter  gleichen  Winkeln  von  der  Richtung  der  karnischen  Alpen  geschnitten 
werden.  Entsprechend  verhalten  sich  die  Linien,  nach  welchen  der  Lauf 
der  ?iebenthäler  und  Nebenflüsse  und  die  Richtung  der  langgestreckten  Seeen 
Norditaliens  geordnet  sind,  da  sie  rechtwinklig  die  Haupllinien  verqueren. 
Der  Verfasser  hat  die  einzelnen  Erhebungslinien  auf  einer  Karte  zusammen- 
gestellt, Bildungen  ausschliessend,  die  jünger  sind,  als  die  pliocänen.  Vo;i 
den  Meeralpen  angefangen,  lassen  sich  alle,  mit  Einschluss  der  Winkel,  ver- 
möge deren  sie  sich  in  einer  zum  Theil  gebrochenen  Linie  aneinanderreihen, 
zwischen  zwei  Linien  einschliessen .  die  von  den  norischen  Alpen  her  nach 
WSW.  verlaufen.  Während  diese  beiden  Grenzen  weiterhin  im  Westen  sich 
nach  Süden  biegen,  nähern  sie  sich  einander  mehr  und  laufen  zusammen  vor 
Genua.  Hier  schliesst  sich  die  Erhebungsaxe  der  ligurischen  Appenninen  an. 
zu  welcher  parallel  die  Synklinallinie  des  Pothales  .  auf  der  Hohlseite  des 
genannten,  von  den  penninischen.  grachischen,  kottischen  und  Meeralpen  ge-  j 
bildeten  Erhebungsbugens,  gegen  das  adriatische  Meer  gerichtet  ist.  I 


C.  Paläontolog-ie. 

F.  J.  PiCTET  et  A.  Hujibert:  Nou  Vellen  recher  ch  es  sur  les  pois- 
sons  fossiles  du  mont  Liban.  1  vol.  in  4°.  avec  19  planches.  Geneve, 
1866.  —  Nachdem  durch  die  Forschungen  Humbert's  an  der  syrischen  Küste 
im  Jahre  tS60  die  Anzahl  fossiler  Fische  aus  dieser  Gegend  im  Museum  von 
Genf  beträchtlich  vermehrt  worden  war,  erschien  eine  allgemeine  Revision 
der  Fische  des  Libanon  unerlässlich,  zumal  diese  zwei  verschiedenen  Zonen, 
von  Hakel  und  Sahel  Alma,  entstammen. 


239 


Die  Schichterij  um  die  es  sich  hier  handelt,  liegen  am  westlichen  Ab- 
hänge des  Libanon  zwischen  Tripoli  und  Beirut,  der  letzteren  Sladt  mehr  als 
der  ersteren  genähert.  Sowohl  die  Gesteinsbeschaffenheit  als  ihre  Fauna  un- 
terscheiden sich,  verweisen  aber  beide  zur  K  r  e  i  d  e  f  o  r  m  a  ti  o  n.  Es  würde 
zunächst  unmöglich  sein,  sie  der  Jurazeit  zuzurechnen,  sowohl  wegen  der 
grossen  Zahl  der  darin  vorherrschenden  Teleosteer  (Knochenfische)  als  auch 
des  gänzlichen  Mangels  aller  Ganoiden. 

Ebensosehr  entfernen  sie  sich  aber  auch  von  den  Faunen  der  Tertiär- 
zeit, gegen  welche  schon  das  Zusammenvorkoniinen  mit  2  Arten  Ammo- 
niten  in  den  Schichten  von  Sahel  Alma  und  eines  Aptychns  in  jenen  von 
Hakel  spricht. 

Die  Gegenwart  einer  Anzahl  von  Gattungen  oder  Gruppen,  welche  nach 
unseren  gegenwärtigen  Kenntnissen  ausschliesslich  der  Kreideformation  an- 
gehören, wie  die  Gattungen  Scombroclupea  und  eptosomus ,  die  Gruppe 
der  Dercetis  und  Enrtjpholis,  sprachen  für#reideformation,  ebenso 

die  grosse  Anzahl  von  ausgestorbenen  Geschlechtern ,  welche  diesen 
Faunen  eine  eigenthümliche  Physiognomie  ertheilen.  Diese  sind  bei  Hakel: 
Psevdoberyx^  Petalopteryx,  C'occodns ,  Aspidopleuriis  und  Cyclobatis  und 
bei  Sahel  Alma:  Pycnosterinx,  Cheirothrix.  Rhinellus  und  Spaniodon\ 
endlich  die  Thatsache,  dass  diejenigen  Gattungen  der  Fische  vom  Libanon, 
welche  noch  lebende  Vertreter  haben,  gerade  solche  sind,  wie  der  Typus 
von  Beryx,  einer  ausgezeichneten  cretacischen  Form,  die  nur  noch  durch 
einige  Arten  in  den  heissen  Meeren  vertreten  wird,  von  Cliipea  ^  die  ihren 
Ausgang  von  der  Kreidezeit  nimmt;  und  Chirocentrites^  deren  Hauptentwicke- 
lung in  diese  Zeit  fällt. 

Diejenigen  Fische,  welche  nicht  einer  der  eben  genannten  Gruppen  sich 
anschliessen  ,  sind  sehr  wenig  zahlreich  und  spielen  in  den  Faunen  des  Li- 
banon eine  ganz  untergeordnete  Rolle. 

Bei  einem  weiteren  Vergleiche  dieser  Faunen  hat  sich  ergeben,  dass 

die  Fauna  von  Hakel  die  meiste  Verwandtschaft  mit  der  Fauna  von 
Comen  in  Istrien  zeigt,  wiewohl  sie  eine  grössere  Zahl  von  lebenden  Gat- 
tungen enthält  und  daher  etwas  jünger  als  diese  erscheint. 

Dagegen  nähert  sich  die  Fauna  von  Sahel  Alma  unverkennbar  der 
durch  v,  DER  Mark  neuerdings  ausführlich  beschriebenen  Fauna  in  der  oberen 
Kreide  Westphalens. 

Beide  Faunen  unterscheiden  sich  wesentlich  von  den  cretacischen  Fau- 
nen in  England. 

Weh  he  von  beiden  die  ältere  ist,  lässt  sich  mit  Zuverlässigkeit  noch 
nicht  entscheiden. 

Die  in  dem  Hauptwerke  beschriebenen  Arten,  welche  die  Fischfaunen 
am  Libanon  bezeichnen,  sind  folgende: 

Farn.  Percoidei. 

Beryx  syriacus  P.  &  H.  von  Sahel  Alma.  — 

„       vexillifer  P.  .        —  von  Hakel. 


240 


Pseudoberyx  syriacus  P.  &  H.  — 

„           Bottae  P   &  H.  — 

Farn.  Chromidae  Heckel. 
Pycnosterinx  discoides  Hech. 

„           Hecken  P.  * 

„           dorsalis  P.  * 

„  Russegeri  Heck.  * 
„          elongatus  P.  &  H. 

„          niger  P.  &  H.  " 

Imogaster  auratiis  Costa  - 

Omosoma  Sach-el-Almae  Costa  ' 

Farn.  Oarangidea  Günther. 

Platax  minor  P.  — 

Vomer  parvulus  Ag.  (v.  Libanon)  — 

Farn.  Sparoidei. 

Pagellus  leptosteus  Ag.  (v.  Libaaon)  — 

„       Libanicus  P.  * 

Farn.  Sphyraenoidei. 

Sphyraena  Amici  Ag.  (v.  Libanon)  — 

i^am.  Gobioidei. 

Cheirothrix  libanicus  P.  &  H. 

Farn,  des  joues  euirassees. 

Petalopteryx  syriacus  P.  — 

Farn.  Aulostomes. 

Solenognathus  lineolatus  P.  &  H.  ^• 

Farn.  Halecoidei. 

Chipea  Gaudryi  P.  &  H.  — 

„       brevissima  Bl.  — 

„       Bottae  P.  &  H.  — 

„       minima  Ag.  * 

„       sardinoides  P.                                   ■  — ■ 

lata  Ag.  — 

„       laticauda  P.  — 

„       Beurardi  Bl,  — 

„       gigantea  Heck.  — 

Scombroclupea  macrophthalma  Heck.  — 

Leptosomus  macrurus  P.  &  H. 

„  crassicostatus  P.  ^  H. 

Osmeroides  megapterus  P.  .  * 

Opistopteryx  gracilis  P.  &  H,  * 


241 


lihinelhis  furcatus  Ag.  *   

Spaniodon  Blondeli  P.  *   

„         elongatus  Ag.  *   

brevis  P.  &  H.  *   

Chirocentrites  libanicus  P.  &  H.  —  * 

Farn.  Siluroidei. 
Coccodus  armatus  P.    * 

Panx.  Hoplopleuridae. 

Dercetis  linguifer  P.                                           *  — 

Leptotrachelus  triqueter  P.  &  H.  *   

„            Hakelensis  P.  &  fJ.                     —  » 

Eurypholis  Hoissieri  P.                                    —  * 

„          longidens  P.                                     *  — 

Pam.  —  ? 

Aspidopleurus  cataphractus  P.  &  H.  —  * 

Pam.  Squalidae. 
Sctßlium  Sahel  Almae  ?.  &  U.  *  — 

Spinax  primaevits  P.  *  — 

Pam.  Rajidae. 

Rhinobatus  Maronita  P.  &  H.  —  -^^ 

Cyclobatis  oligodactylus  Egerton  —  * 

Im  Allgemeinen  hnben  diese  Faunen  des  Libanon,  wie  diess  auch  bei 
anderen  crctacischen  Fischfaunen  der  F'all  ist,  in  ihren  Hauptzügen  nur  Be- 
ziehungen mit  den  nachfolgenden,  nicht  mit  den  früheren  F'aunen. 

Der  Anfang  der  Kreidezeit  ist  für  diese  Klasse  eine  Zeit  der  Umprägung 
der  Formen  geworden.  Der  Hauptcharakler  liegt  in  dem  plötzlichen  Ver- 
schwinden der  Ganoiden  und  einem  Hervortreten  zahlreicher  Teleosteer. 

Wenn  man  sie  mit  den  folgenden  Faunen  (tertiären  und  modernen)  ver- 
gleicht, so  ergibt  sich,  dass  sie  aus  Familien  bestehen,  welche  in  anderen 
Verhältnissen  vertheilt  sind. 

Am  wichtigsten  ist  die  der  Halecoiden  (Salmones  und  ClupeaceiJ, 
die  man  als  Fortsetzung  einiger  jurassischen  Gattungen  ansehen  kann.  Es 
ist  diess  die  einzige  unter  den  Teleosteern,  welche  einen  so  alten  Ursprung 
hat:  es  ist  zugleich  die,  welche  unter  allen  noch  lebenden  Fischen  ihren  ur- 
sprünglichen Typus  noch  am  meisten  beibehalten  hat. 

Die  grosse  Abtheiiung  der  Ctenoiden.  die  in  der  Gegenwart  *so  man- 
nichfaltig  und  wichtig  erscheint,  ist  in  der  Kreidezeit  zuerst  erschienen. 

Die  dritte  der  Teleosteer,  die  Ordnung  der  H  o  p  I  o  p  l  e  u  r  i  d  e  n ,  steht 
weil  isolirler  als  die  vorigen  da,  indem  man  sie  weder  in  jurassischen  noch 
in  tertiären  Faunen  kennt. 

Diese  drei  Gruppen  aber  bilden  fast  die  Gesammtheil,  der  Teleosteer, 
Jahrbuch  lb'67.  16 


242 

denen  sich  ausser  ihnen  nur  noch  einige  untergeordnete  und  zum  Theil  noch 
ungenügend  gekannte  Gattungen  anschliessen. 

Die  Verfasser  haben  einen  Extract  ihrer  grösseren  Arbeit,  worin  diese 
allgemeinen ,  so  interessanten  Folgerungen  zusammengestellt  worden  sind, 
besonders  abdrucken  lassen  (Geneve,  1866.    8*'.    19  S.) 


A.  Sadebrck:  ein  Beitrag  zur  Kenntniss  des  baltischen  Jura. 
(Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  IS66.  p.  292—298.)  — 

Herr  Sadebeck  hat  im  Jahrgange  t885  derselben  Zeitschrift,  S.  651-701, 
schon  die  oberen  Jurabildungen  in  Pommern  einer  genaueren  Unter- 
suchung unterworfen  und  erwiesen,  dass  der  Fritzower  Mergel,  der 
Klemm  ener  Kalk  und  der  Bartin  er  Kalk,  deren  organische  Überreste 
dort  beschrieben  wurden,  mit  den  K  im  m  e  ri  d  g  e  - B i  1  d  u  n  g  e n  anderer  Ge- 
genden übereinstimmen;  der  gegenwärtige  Beitrag  behandelt  die  zum  brau- 
nen oder  mittleren  Jura  gehörenden  Vorkommnisse  bei  Nemitz  unweit  Gül- 
zow in  Hinterpommern,  deren  Genossen  Prof.  Beyrick  unter  dem  Namen  des 
„baltischen  Jura"  vereiniget  hat.  Aus  seinen  Untersuchungen  ergibt  sich,  dass 
die  Nemitzer  Schichten  in  den  Versteinerungen  nach  Oppel's  Bezeichnung  am 
meisten  mit  dem  Cornbrash,  also  den  oberen  Schichten  der  Bathformation 
übereinstimmen,  und  dass  sie  paläontologisch  dem  Cornbrash  von  der  Egg 
bei  Aarau  sehr  ähnlich  sind.  Nach  Quenstedt's  Bezeichnung  würden  sie  zu 
den  Dentalienthonen  des  braunen  Jura  zu  stellen  sein,  und  in  Norddeutsch- 
land kommt  die  grösste  Anzahl  der  Arten  in  der  Zone  der  Ostrea  Knorri 
vor.  —  (Vgl.  SuEss  im  folgenden  Hefte.  —  D.  R.) 


Dr.  G.  C.  Laube:  die  Gasteropoden  des  braunen  Jura  von 
Bai  in.  (Bd  LIV  d.  Sitzb.  d.  k.  Ac.  d.  Wiss.  Juni,  1866.  6  S.)  —  Wie 
bei  Bearbeitung  der  anderen  Theile  der  Fauna  des  braunen  Jura  von  Baiin 
(Jb.  1866.  862)  hat  sich  auch  bei  der  Bearbeitung  der  Gasteropoden  gezeigt, 
dass  dasselbe  Resultat  zum  Vorschein  kommt,  welches  sich  bezüglich  der 
allgemeinen  stratigraphischen  Bedeutsamkeit  der  D'ORBiGNv'schen  Eintheilung 
des  braunen  Jura  in  Bajocien,  Bathonien.  Gallovien  etc.  ergeben  hat. 
Von  den  aus  Baiin  und  nahegelegenen  Orten  bekannt  gewordenen  Arten 
stimmen  31  mit  französischen,  deren  Niveaus  in  ganz  verschiedener  Höhe 
angegeben  werden.  England  hat  9  und  der  schwäbische  Jura  nur  8  über- 
einstimmende Species,  die  aber  einem  weit  gleichmässigeren  Horizonte  an- 
gehören. 


G.  C.  Laube  :  die  Fauna  der  Schichten  von  St.  Cassian.  IIL  Ablh. 
(Gasteropoden.  L  Hälfte.)  Bd.  LIII.  d.  Sitzungsb.  d.  k.  Ac.  d.  W^iss. 
Mai  1866.  6  S.)  -  (Vgl.  Jb.  1866,  508).  —  Es  ist  höchst  erfreulich,  aus 
der  hier  gegebenen  Ubersicht  zu  ersehen,  dass  auch  die  Untersuchung  dieser 
Abtheilung  jetzt  beendet  ist  und  dass  man  dem  Erscheinen  der  monographi- 


243 


sehen  Arbeit  Dr.  Laube's  wohl  bald  entgegensehen  darf.  Dieselbe  wird  117 
Arten  behandeln,  welche  sich  auf  18  Genera  und  3  Subgenera  vertheilen. 


T.  A.  Pereira  da  Costa:  Notice  sur  les  squelettes  humains 
decouverts  au  Cabepo  d' Arruda.  (^o'^nmissdo  geologico  de  Portugal. 
Da  existencia  do  hörnern  em  epochas  remotas  no  valle  do  Tejo.J  Lisboa, 
IS65.    4".    38  S.,  7  Taf.  - 

Die  „Commissdo  Geologica  de  PortugaV\  deren  Mitglied  F.  A.  Pereira 
DA  Costa  ist,  hat  ihre  Veröffentlichungen  mit  einigen  Abhandlungen  begon- 
nen, welche  Gegenstände  vom  allgemeinsten  Interesse  behandeln,  wie  die 
organischen  Überreste  der  portugiesischen  Steinkohlenformation  und  die  in 
dem  oben  bezeichneten  Hefte  beleuchteten  Vorkommnisse  menschlicher  Über- 
reste in  Portugal.  Dem  portugiesischen  Texte  in  diesen  Abhandlungen  ist 
sehr  zweckmässig  eine  französische  Übersetzung  durch  Herrn  Dalhunty  bei- 
gefügt. 

Die  zunächst  vorliegende  Arbeit  von  Pereira  da  Costa  schildert  die  Auf- 
findung zahlreicher  Menschenskelette,  mindestens  45  von  verschiedenem  Alter 
an  dem  Cabe^o  d'Arruda,  einem  kleinen  Hügel  an  der  rechten  Seite  des 
Thaies  von  Ribeira  de  Muge  und  die  von  der  geologischen  Commission 
dort  beobachteten  Lagerungs-Verhältnisse  und  bringt  dieselben  zur  unpar- 
teiischen Beurtheilung  eines  jeden  Fachmannes  durch  Ansichten  und  Durch- 
schnitte zur  deutlicheren  Anschauung. 

Eine  horizontal  lagernde  Geröllschicht ,  welche  Knochenfragmente  von 
Säugethieren  und  Kohlenbrocken  enthält  und  auf  einer  mit  Menschenskeletten, 
menschlichen  Kunstproducten  und  zahlreichen  Schalen  von  essbaren  Mu- 
scheln, Cardium  edule  und  Lutraria  compressa  bedeckten  Fläche  ruhet, 
wird  von  einer  Reihe  diluvialer  Gesteinsschichten  bedeckt,  welche  mit  45  Grad 
Neigung  darauf  lagern.    Ihre  Gesammtmächtigkeit  beträgt  einige  Meter. 

Viele  würden  geneigt  sein,  bei  dem  ersten  Anblicke  dieser  Verhältnisse 
einen  Beweis  für  das  hohe  diluviale  (oder  postpliocäne)  Alter  des  Menschen 
geschlechtes  heraus  zu  construiren,  Pereira  da  Costa  aber  hat  in  der  aner- 
kennendsten, ruhigen  Forscherweise  alle  möglichen  Fälle  für  die  hier  zu 
beobachtenden  Verhältnisse  sorgfältig  geprüft  und  vertritt  schliesslich  die 
einzige  hier  naturgemässe  Erklärung,  dass  jene  geneigten  Schichten,  in  Folge 
ungenügender  Unterstützung  plötzlich  herabgestürzt  seien  in  einen  mit  Men- 
schen erlullten  Hohlraum,  der  den  letzteren  als  Begräbnissplatz  gedient  ha- 
ben mag, 

Nachdem  eine  Anzahl  der  hier  gefundenen  menschlichen  Oberreste  ein- 
gehend beschrieben  worden  ist,  woraus  eine  wesentliche  Verschiedenheit 
derselben  von  der  gegenwärtigen  caucasischen  Racc,  ebensowenig,  wie  von 
den  bei  Abbeville  gefundenen  Individuen  abgeleitet  werden  könnte,  nach- 
dem auch  ähnliche  Auffindungen  in  Portugal  selbst,  wie  in  anderen  Ländern 
hiermit  verglichen  worden  sind,  gelangt  er  zu  folgenden  Schlüssen: 

1)  Die  cabepo  dWrruda  ist  eine  menschliche  Station,  welche  älter  sein 
dürfte,  als  die  Occupation  des  Landes  durch  die  Gelten. 

16  * 


2M 

2)  Diese  Stelle  war  ein  Begräbnissplatz. 

3)  Die  hier  begrabenen  Individuen  zeigen  Charaktere  der  ältesten  Men- 
schenrace,  von  welchen  man  in  Portugal  Überreste  angetrofFen  hat. 

4)  Der  geringe  Zustand  der  Civilisation ,  in  welchem  diese  Individuen 
gelebt  haben,  ergibt  sich  aus  der  Unvollkommenheit  und  der  geringen  Ver- 
schiedenheit der  damit  zusammengefundenen  Geräthschaften  Diese  Gegen- 
stände gleichen  kaum  den  ältesten  Spuren  der  menschlichen  Industrie  und 
weisen  auf  eine  sehr  weit  zurückliegende  Zeit  hin. 

*  6)  Reste  von  ausgestorbenen  Thierarten,  welche  in  Mitteleuropa  mit 
menschlichen  Überresten  oder  Kunstproducten  zusammenliegend  angetroffen 
worden  sind,  hat  man  hier  nicht  entdeckt. 

Wahrscheinlich  ist  es,  dass  diese  Ablagerungen  ein  ziemlich  gleiches 
Alter  mit  den  Kj  ö  k  k  e  n  m  ö  d  d  in  g  s  in  Dänemark  haben  mögen,  welche 
Lyell  gewiss  sehr  richtig  der  modernen  Zeit,  nicht  der  diluvialen  (oder 
postpliocänen )  Zeit  zugewiesen  hat. 

Die  dem  Hefte  beigefügten  Abbildungen  gehen  Darstellungen  von  ver- 
schiedenen, oft  stark  beschädigten  Schädeln  ,  Kiefern  und  Zähnen  der  bei 
diesen  gefundenen  Thiere,  von  Schwein,  Katze,  Hirsch,  Pferd,  Rind  und  von 
den  wenigen,  sehr  ursprünglichen  Kunstproducten. 


T.  R.  Jones  &  H.  B.  Holl:  Bemerkungen  über  paläozoische 
Entomostraceen.  No.  VI.  Einige  silurische  Species.  {The  Ann. 
a.  Mag.  of  Nat.  Hist     Vol.  16,  No.  96,  p.  414,  PI.  13.)  — 

Den  früheren  Berichten  über  die  Untersuchungen  von  Prof.  Jones  und 
seinen  Mitarbeitern  über  paläozoische  Entomostraceen,  No.  V  und  VII  (Jb. 
1866,  119  und  870)  folgt  noch  eine  Notiz  über  No  VI,  welche  25  silu- 
rische Arten  der  von  den  Verfassern  hier  aufgestellten  Gattung  Primifia 
behandelt.  Letztere  umfasst  eine  Anzahl  früher  zu  Beyrichia  oder  Cythe- 
ropsis  gestellter  Arten,  wie  Beyrichia  strangulala  Salter,  sowie  eine  An- 
zahl von  neuen  Arten.  Sie  sind  früher  von  Jones  meist  als  yyBeyrichiae  sim- 
plices^^  bezeichnet  worden. 


H.  B.  Geinitz  und  K.  Th.  Liebe:  über  ein  Äquivalent  der  lako- 
nischen Schiefer  Nordamerika 's  in  Deutschland  und  dessen 
geologische  Stellung.  (Act.  d.  Leop.  Car.  Ac.  d.  Nat.  Vol.  XXXIII.) 
52  S.,  8  Taf.  — 

Den  im  Jahrb.  1864,  S.  1—9  über  organische  Überreste  in  dem  Dach- 
schiefer von  Wurzbach  bei  Lobenstein  gegebenen  Andeutungen  folgen  hier 
genauere  Mittheilnngen  ,  welche  sowohl  die  Natur  der  darin  aufgefundenen 
organischen  Cberreste  fester  begründen,  als  auch  die  geologische  Stellung 
dieser  ausgezeichneten  Dachschiefer  festzustellen  im  Stande  sind.  Bei  der 
Identität  von  einigen  Hauptformen  der  Organismen  in  dem  Wurzbacher  Schiefer 
mit  den  aus  takonischen  Schichten  Nordamerika's  beschriebenen  Fossilien 
darf  wohl  auf  eine  gleichalterige  Stellung  der  Schichten,  in  welchen  sie 


245 


vorkommen,  geschlossen  werden.  Selbstverständlich  kann  dieselbe  nicht  für 
das  ganze  lakonische  System  im  Allgemeinen,  sondern  nur  für  denjenigen 
Theil  desselben  gelten,  in  welchem  namentlich  die  durch  Emmons  beschrie- 
benen Würmer  und  andere  Organismen  charakteristisch  sind. 

Im  ersten  Abschnitte  werden  von  H.  B.  Geinitz  die  organischen  Über- 
reste im  Dachschiefer  von  Wurzbach  behandelt,  wozu  die  Sammlung  Sr. 
Durchlaucht  des  Erbprinzen  Heinrich  XIV.  auf  Schloss  Oberstein  bei  Gera 
ein  reiches  Material  geliefert  hat;  im  zweiten  Abschnitte  untersucht  Prof. 
Dr.  Liebe  das  Alter  der  im  Reussischen  Oberlande  brechenden  Dachschiefer 
auf  Grund  ihrer  Lagerungs-Verhältnisse. 

Aus  den  letzteren  geht  hervor,  dass  die  Wurzbacher  Schiefer  einen  tie- 
feren Horizont  in  der  unteren  Silurformation  einnehmen,  als  die  Hauptzone 
der  Thüringer  Graptolithen  ist.  Am  naturgemässesten  erscheint  es  vielmehr, 
ihren  geologischen  Horizont  in  der  Trenton-Gruppe  zu  suchen,  wie  diess 
für  die  ihnen  äquivalenten  takonischen  Schiefer  Nordamerika's  auch  schon 
in  Dana's  Manual  of  Geology^  1863,  p.  176  angedeutet  worden  ist. 

Unter  den  organischen  Überresten  au?  den  Schif  fern  von  Wurzbach  be- 
gegnet man  vorzugsweise  sehr  langen  Annulaten  aus  den  Gattungen  Phyllo- 
docites  Gein.,  welche  der  lebenden  Gattung  Phyllodoce  Sav.  am  nächsten 
verwandt  ist,  mit  Ph.  Jacksoni  (Nereites  JacksoniJ  Emm.  und  Ph.  thurin- 
giacus  Gein,  (früher  L'rossopodia  thur.),  Crossopodia,  Nereites,  Myrianites 
und  Naites  Gein.  Die  Verwandtschaft  der  letzteren  mit  dem  lebenden  Bor- 
stenwurm, Nais  proboscidea  Müll,  erhellt  aus  der  treuen  Darstellung  des 
Naites  priscus  Gein.  von  Wurzbach.  Ausser  spärlichen  Überresten  von  Or- 
thoceras  und  Crinoideen  ziehen  Lophoctenium  comosum  Rieux,  und  L. 
Hartungi  Gein.  das  Interesse  auf  sich,  deren  Zugehörigkeit  zu  den  Sertula- 
riden  hier  sicher  erwiesen  wird  ,  sowie  eine  Anzahl  theils  auch  für  tako- 
sche  Schiefer  Nordamerika's  bezeichnender,  theils  neuer  Arten  von  Algen 
aus  den  Gattungen  Palaeochorda  M'Cov,  Palaeophycus  Hall  und  Chondrites 
St.,  neben  welchen  noch  Reste  einer  Artisia  und  einer  Lycopodiacee 
gefunden  worden  sind. 


Ed,  Süss:  Untersuchungen  über  den  Charakter  der  österrei- 
chischen Tertiärablagerungen.  II.  Über  die  Bedeutung  der  so- 
genannten „brackischen  Stufe"  oder  der  „C  eri  t  h  i  e  ns  c  h  i  c  h  t  en". 
(Bd.  LIV.  d.  Sitzb.  d.  k.  Ac.  d.  Wiss.  1.  Abth.  Juli-Heft,  1866,  40  S.)  — 
(Jb.  1867,  117.)  — 

Die  reiche  Fülle  der  einzelnen  Thatsachen,  die  durch  locale  Forschun- 
gen zahlreicher,  thätiger  Geologen  zusammengehäuft  worden  sind,  ist  wie- 
derum von  Professor  Süss,  wie  schon  öfters,  zu  einem  Ganzen  geschickt 
verwebt  worden.  Er  verfolgt  hier  die  Entwickelung  der  als  Cerithien- 
schichten*'  unterschiedenen  Gruppe,  die  gleich  der  Völkerwanderung  sich 
von  Ost  nach  West,  aus  Asien  nach  dem  südlichen  Europa  verbreitet  haben 
mag.  Der  Name  „G  e  rithiensc  hi  chte  n"  erscheint  ihm  nicht  allgemein  ge- 
nug, da  gerade  Cerithien  darin  nicht  überall  vorkommen,  auch  desshalb  nicht 


246 


passend,  weil  Cerithien  auch  in  Bildungen  von  anderen  Altersstufen  gefun- 
den werden  und  er  bezeichnet  desshalb  die  Cerilhienschichten  des  Wiener 
Beckens  samint  dem  Hernalser  Tegel  als  die  sarmatische  Stufe,  jene 
östliche  Fauna  aber,  zu  welcher  Mactra  podolica ,  Donax  lucida  u.  s.  w. 
gehören  (Jb.  1864,  374)  als  s  a  r  m  a  tis  c  h  e  F  a  u  n  a.  — 

2avpo/iiaTai  wurden  von  Hfrodot  u.  A.  die  Bewohner  der  astrachans- 
kischen  Steppe  am  unteren  Don  bis  an  die  Wolga  und  am  Palus  Mäotis  ge- 
nannt. — 

Bis  an  den  Öxus  erlaubt  uns  die  Ausdauer  der  Reisenden,  die  sarma- 
tische Stufe  mit  voller  Sicherheit  und  einer  seltenen  Beständigkeit  ihrer  pe- 
trographiiichen   und   paläontologischen   Merkmale   zu   verfolgen.  Dieselben 
zweischaligen  Muscheln  ,  welche  diese  Ablagerungen  an  der  Türkenschanze 
bei  Wien  erfüllen,  kennzeichnen  sie  auch  am  Ust~Urt;  die  lichtrothen  Kalk- 
steinbänke,  welche  in  Atzgersdorf  zwischen  den  mehr  gelb  gefärbten  und 
muschelreicheren  Bänken  herausgebrochen  werden  ,  um  als  Bausteine  nach 
Wien  gebracht  zu  werden,  dienen  als  Bausteine  in  Stawropol  und  finden  sich 
am  Tüb-Karagan  und  an  den  Ufern  des  Aral  wieder.    Von  den  bescheidenen 
Ufern  des  Göllersbaches  bei  Ober-Hollabrunn  unter  33^45'  ösll.  Länge  bis 
an  den  Ostrand  des  Üst-Urt  und  den  Oxus  zieht  sich  aus  der  Mitte  von  Eu- 
ropa eine  gleichmässige  Ablagerung,   die  unzweifelhafte  Spur  eines  zusam- 
menhängenden Meeres,  bis  in  die  Steppenregion  Vorder- Asiens.    Im  Süden 
ist  dieses  Meer  begrenzt  vom  Balkan  und  den  armenischen  Hochländern.  Es 
bespült  ringsum   den   Kaukasus   und   erreicht  die  taurische  Halbinsel.  Im 
Westen  sendet  es  einen  vielfach  gegliederten  Arm  in  die  heuligen  Donau- 
läuder,  erfüllt  das  untere  Donaubecken,  beide  Hälften  Ungarns,  den  alpinen 
Theil   der  Niederung'  von  Wien  und  reicht  sogar  eine  kleine  Strecke  weit 
über  den  versunkenen  Nordrand  der  Alpen  hinaus.    Gegen  NW.  brandet  es 
an  dem  grossen   transsylvanischen  Vorgebirge  und  reicht  bis  in  die  Buko- 
wina,  zugleich  weithin   die  Ebenen  Bessarabiens  und  Volhyniens  deckend. 
Das  nördliche  Ufer  zieht  durch  den  südlichen  Theil  des  Gouvernements  Je- 
katerinoslaw  und  südlich  von  Ssarepta  und  Astrachan,  so  dass  bei  der  aus- 
serordentlichen Längenerstreckung,   welche  bedeutender  ist,   als  die  Entfer- 
nung von  Gibraltar  zu  den  Dardanellen .   dennoch  die  Breite  allenthalben 
eine  verhältnissmässig  geringe   ist.    Die  Ausdehnung   des  Meeres   gegen  0. 
und  NO.  aber  ist  sicherlich  eine  noch  viel  grössere  gewesen. 

Bei  Wien  lagern  die  sarmatischen  Schichten  auf  Bildungen  von  rein  ma- 
rinem Typus,  welche  neben  einigen  subtropischen  eine  sehr  grosse  Anzahl 
lebender  Mittelmeer-Conchylien  umschliessen  und  welche  überhaupt  eine 
weit  grössere  Ähnlichkeit  mit  der  heutigen  Conchylienfauna  besitzen,  als  die 
nächst  jüngeren  sarmatischen  Ablagerungen.  Diese  selben  Ablagerungen, 
als  deren  eigenthümlichstes  Glied  man  die  Nulliporenriffe  mit  den  grossen 
Arten  von  Chjpeaster  ansehen  kann,  bilden  auch  in  vielen  Theilen  Ungarns 
und  Siebenbürgens  die  unmittelbaren  Vorgänger  der  sarmatischen  Bil- 
dungen und  ihnen  stellt  man  mit  Recht  die  conchylienreichen  Lagen  Vol- 
hyniens und  Podoliens  gleich,  welche  auch  dort  von  denselben  sarma- 
tischen Schichten  bedeckt  werden.    Weiter  im  Osten  ändert  sich  jedoch  die 


247 


Sachlage.  In  der  Dobrudscha  ruhen  die  sarmatischen  Schichten,  nach 
Peters,  unmittelbar  auf  älterem  Gebirge,  im  Gouvernement  Jekaterinoslaw 
bildet  Granit  ihre  Unterlage:  im  Süden  lehnen  sich  die  sarmatischen  Schichten 
an  den  Rand  des  taurischen  Gebirges  und  dringen  stellenweise  tief  in  die 
Thäler  des  Kaukasus,  aber  Äquivalente  der  nächst  älteren  Stufe  sind  dort 
noch  nirgends  gefunden. 

An  allen  Stellen  der  weiten  Depression  also,  an  welchen  vom  Dnjestr 
und  der  Dobrudscha  bis  an  den  Aral  die  Unterlage  der  sarmatischen  Stufe 
bekannt  ist,  verräth  sich  eine  Lücke,  und  der  Beginn  dieser  Stufe  bedeutet 
daher  den  Eintritt  des  Meeres  über  grosse  Strecken  trockenen  Landes,  ein 
Übergreifen,  welches  in  Bezug  auf  seine  räumliche  Ausdehnung  noch  weit 
grossarliger  ist,  als  jenes,  welches  von  Beyrich  in  Norddeutschland  als  der 
Beginn  der  oligocänen  Ablagerungen  angesehen  wird. 

Auf  der  sarmatischen  Stufe  liegen  in  den  Donauländern,  wie  im 
Gebiet  des  Ponlus  und  der  östlichen  Binnenseen-Ablagerungen,  welche  la- 
custren  Ursprunges  sind.  Es  ist  dem  sarmatischen  Meere  durch  das  ganze 
südöstliche  Europa  hin  eine  vielfach  gegliederte  Kette  grosser  Binnenseen 
unmittelbar  gefolgt. 

Als  Conchylien,  welche  weder  in  den  tieferen  marinen  Bildungen,  noch 
irgendwo  in  westlicheren  Gegenden  vorkommen,  sondern  in  dem  sarmatischen 
Meere  aus  dem  Osten  bis  in  die  Gegend  von  Wien  vorgedrungen  sind,  wer- 
den folgende  bezeichnet:  Bnccinum  duflicatum  Sow.,  B.  Verneuili  d'Orb., 
Cerithium  disjunctum  Sow  ,  Troclms  podolicus  Dub.,  T.  pictus  Eichw.,  T. 
qiiadristriatus  Dlb,,  T.  papilla  Eichw.,  Rissoa  inflata  Andrz.  ,  ß.  angu- 
lata  Eichw.,   Paludina  Frnuenfeldi  Hörn.  R.  elongata  Eichw.),  Solen 

subfragilis  Eichw.,  Mactra  podolica  Eichw.,  Ervilia  podolica  Eicbw.,  Do- 
nax  lucida  Eichw.,  Tapes  gregaria  Partsch,  Cardium  plicatum  Eicw.,  C. 
obsoletum  Eicew.,  Modiola  marginata  Eichw.  und  /W.  Volliynica  Eichw. 

Im  Allgemeinen  also  bedeutet  der  Eintritt  der  sarmatischen  Stufe  eine 
bedeutende  Senkung  des  südlichen  Russland,  welche  die  Wässer  des  nörd- 
lichen Asiens  über  das  Gebiet  des  Aral  hereintreten  Hess,  gleichzeitig  auch 
die  Abtrennung  der  jetzigen  Donauländer  vom  Mittelmeere,  welches  bisher 
das  zu  einem  Archipel  aufgelöste  Mitteleuropa  in  vielen  Armen  durchzogen 
hatte,  und  die  Ausbreitung  der  asiatischen  Meeresfauna  bis  über  Wien  hin- 
aus.   Die  Landbevölkerung  ist  davon  ziemlich  unbehelligt  geblieben. 


W.  Carruthers:  über  einige  fossile  Coniferenfrüchte.  {The 
GeoL  Mag.  1866.  No.  30,  p.  534,  Fl.  20,  21.)  -  Die  vorliegenden  Unter- 
suchungen von  Carruthers  beziehen  sich  auf  die  Coniferenfrüchte  der  meso- 
lithischen  Schichten  Englands  und  einige  tertiäre  Arten,  von  denen  man  bis- 
her fälschlich  gemeint  hat,  dass  sie  dem  Grünsande  entstamnien ,  nämlich 
Pinites  macrocephalus  und  P.  ovatus.  Mehrere  bisher  für  Cycadeen  ge- 
haltene Arten  werden  den  Coniferen  zugewiesen,  wie  man  aus  folgenden 
Arten  erkennt: 


248 


1)  Pinites  macrocephalus  (Zamia  macr.  Lindl  &  Hütt.,  Zamio- 
strobiis  macr.  Endl.  ,  Zamifes  macr.  Morris  .  Zamiostrohus  Henslowii 
MiQDEL.)  —  Tertiär. 

2)  Pinites  ovatus  {Zamia  ovata  Lindl.  &.  H. ,  Zamiostrobiis  ov. 
Gö.)  —  Tertiär. 

3)  Pinites  oblongus  Endl.  {Abies  obl,  L.  &  H..  Abiefites  obl.  Gö.) 

—  Oberer  Grünsand. 

4)  Pinites  Benstedi  Endl,  (Ab.  Benst.  Mant..  Abiefites  Benst,  Gö 

—  Unterer  Grünsand. 

5)  Pinites  Su  ss  ex  iensis  (Zamia  Süss.  Mant..  Zamites  Süss. 
MoRR..  Zamiostrobiis  Süss.  Gö.)  —  Unterer  Grünsand. 

6)  Pinites  Dtmkeri  (Abiefites  Diinckeri  Mast,  pars  ).  —  Wealden. 
7;  Pinites  Mantelli  Carr.  —  Wealden. 

8)  Pinites  patens  Carr,  —  Wealden. 

9)  Pinites  Fittoni  (Dammarites  Fittoni  Ung.)  —  Wealden. 

10)  Pinites  elongatus  Endl.  (Strobilites  etong.  L.  &  H.  . 

11)  Sequoiites  Woodwar  dt  Carr.  —  Oberer  Grünsand. 

Ausser  Beschreibungen  und  Abbildungen  von  einigen  dieser  Arten  gibt 
Verfasser  noch  eine  Übersicht  der  au?  verschiedenen  mesozoischen  Schichten 
Englands,  mit  Ausnahme  der  Trias,  ihm  bekannt  gewordenen  Coniferenreste 
überhaupt. 

Aus  der  oberen  Kreide:  Holz  in  Feuersteinknollen; 

dem  oberen  Grünsande:  Blälter  und  Zapfen  von  Sequoiites  Wood- 
taardi.  Zapfen  von  Pin.  oblongus^ 

dem  unteren  Grünsande:  Geschiebe  von  Holz  zum  Theil  mit  Bohr- 
löchern. Zapfen  von  P.  Benstedi  und  P.  Sussexiensis ; 

aus  Wealden:  Treibholz,  Blätter  von  Abiefites  Lincki ,  Zapfen  von 
P.  Dunkeri,  P.  ?Iantelli .  P.  patens,  P.  Fittoni  und  Araucaria  Pipping- 
fordiensis.  Blätter  und  Same  \on  Thnites  Kurrianus  : 

aus  Purbeck-Schichten:  Eossiler  Wald  auf  der  Insel  Portland,  Zapfen, 
nahe  vervs^andt  mit  Araucaria  excelsa; 

aus  Portlandstein:  Treibholz  von  Araucarifes : 

aus  dem  Hauptoolith:  Treibholz  von  Araucarites,  Blätter  von  Thuifes 
acutifolius,  T.  articufatus,  T.  cupressiformis,  T.  divaricatus,  T.  expansus 
und  Taxifes  podocarpoides.  einzelne  Zapfen  bei  Helmsdale,  Sutherland: 

aus  dem  Unteroolith;  Holz  von  l'euce  Eggensis.  Blätter  von  Brachy- 
phyllum  mammillare.,  Cryptomerites  ?  divaricatus  und  Palissya  ?  Wil- 
liamsonis  ^  Zapfen  von  Araucaria  sphaerocarpa.  —  Pinites  primaeva  L. 
«fc  H.  ist  .eine  Cvcadeenfrucht, 

Aus  Lias:  Holz  von  Pinites  Huftonianus  und  P.  lAndleyanns^  Blälter 
von  Araucaria  peregrina  und  Cupressus  latifolius ,  Zapfen  von  Pinites 
elongatus  und  ein  Zapfen  mit  langen  Schuppen,  ähnlich  denen  von  Pinns 
bracteata.  von  Cromarty. 


V 


249 


J.  CoRNUEL :  Beschreibung  von  P  inus -Zspfen  aus  limnischen 
Schichten  der  Neocom-Etage  des  Pariser  Beckens.  (Bull,  de  la 
Soc.  geol.  de  France,  2.  ser.,  T.  XXIII,  p.  658  u.  f.,  PI.  XII.)  —  Cornuel 
gibt  Abbildungen  und  Beschreibungen  prächtiger  Zapfen,  die  meist  in  einem 
oolithischen  Eisensteine  von  Wassy  an  der  Strasse  von  Montier-en-Der  auf- 
gefunden worden  sind.  Es  lassen  sich  deren  4  Arten  unterscheiden;  Pinns 
submarginata  n.  sp  ,  P.  rhombifera  w.  sp.,  P.  gracilis  n.  sp.  und  P.  asper a 
n.  sp.  Ausser  diesen  gedenkt  er  auch  der  von  d"Orbigny  (Conrs  de  pale'on- 
tologie  stratigraphiqve  ^  t.  II,  p.  647)  ohne  Beschreibung  benannten  Pinns 
elongata^  welche  von  ihnen  verschieden  ist,  und  beschreibt  zugleich  einige 
andere  vegetabilische  Reste,  die  mit  jenen  zusammen  vorkommen ,  wie  die 
männlichen  Blöthenkätzchen  und  Samen  von  Pinns  und  die  Frucht  eines 
Quercus. 


Dr.  C.  J.  Andrae:  Vorweltliche  Pflanzen  aus  dem  Stein koh- 
lengebirge  der  preussiscben  Rheinlande  und  Westphalens. 
2  Hefte.    1865— 1SG6.    4^     S.  1—34,  Taf.  I— X.  - 

Den  Stand  unserer  lückenhaften  gegenwärtigen  Kenntnisse  von  der  fos- 
silen Flora  in  den  wichtigen  Steinkohlenrevieren  der  preussiscben  Rhein- 
lande und  Westphalens  hat  man  Gelegenheit,  in:  Geinitz,  Geologie  der  Stein- 
kohlen Deutschlands  u  s.w.  aiiinchen,  1865.  S.  172— 174  und  S.  189-192 
zu  überblicken.  Um  so  dankenswerther  ist  es  anzuerkennen,  dass  Dr.  Andrae 
diese  Lücke  jetzt  auszufüllen  sucht. 

Das  erste  Heft  behandelt  die  Gattungen  Lonchopteris  Brongn.,  von  wel- 
cher L.  Bauri  And.,  L.  Roehli  And  ,  L.  E schiveileriana  And.  und  L,  ru- 
gosa  Bgt.  festgestellt  werden,  sowie  von  Sphenopteris  die  Arten  Hoening- 
hausi  Bg.,  welcher  im  zweiten  Hefte  Sph.  aculilobn  St.,  Sph,  Essinghi 
And.,  Sph.  Schillingsi  And.,  Sph.  irregnlaris  St.,  Sph.  trifoliata  Art.  sp. 
und  Sph.  oblusiloba  Bgt.  nachgefolgt  sind.  Der  gründlich  bearbeitete  Text 
und  die  trefflich  ausgeführten  Tafeln  ,  die  der  genügend  bekannten  lithogra- 
phischen Anstalt  von  A.  Henry  in  Bonn  zur  hohen  Ehre  gereichen,  beweisen 
schon  jetzt,  wie  Verfasser  und  Verleger  gleichzeitig  bemühet  sind,  wiederum 
eine  treffliche  Arbeit  durchzuführen,  deren  rascheres  Vorwärtsschreiten  man 
nur  lebhaft  wünschen  kann. 

Die  am  meisten  verbreitete  und  daher  wichtigste  Art  von  Lonchopteris 
ist  L.  rugosa  Bgt.,  als  deren  Synonyme  L.  Bricii  Bgt.,  L.  Goeppertiana 
Presl,  Woodioardites  obtiisilobns  und  W.  acutilobus  Göpp.  und  Sagenop- 
teris  obtusiloba  Presl.  sehr  richtig  hingestellt  werden.  Die  verschiedenen 
Sphenopteris-Arten ,  welche  meist  nahe  verwandte  Formen  sind ,  hat  der 
Verfasser  naturgemäss  aufgefasst,  wenn  wir  auch  der  Abtrennung  der  Sph. 
nummularia  v.  Gute,  von  Sph.  irregnlaris  St.  nicht  beitreten  können. 


Ed.  Lartet  :  über  zwei  neue  fossile  Sirene  aus  dem  Tertiär- 
becken der  Garonne,  {Bnll.  de  la  Soc.  ge'ol.  de  France,  2.  ser.,  t.  XXIII, 
p.  673,  PI.  XIII.)  —  Einige  grosse  Schneidezähne,  welche  mit  denen  des 


250 


Halitherium  nahe  Verwandtschaft  zeijjen .  sind  nebst  einigen  Knochenfrag- 
menten als  Rytiodiis  Capgrandi  n.  g.  et  sp.  zusammengestellt  worden.  Ein 
anderes,  auf  einen  Siren  zurückgeführtes  Fragment  bietet  für  eine  nähere 
Bestimmung  keine  genügenden  Anhaltepunkte.  Man  hat  diese  Überreste  in 
einem  muschelfnhrenden  Kalksteine  bei  Bournic  ( Lot-et-Garonne)  in  den  Üm- 
gebunsen  \on  Sos  aufgefunden,  worin  Cerifhiinn  plicatiim.  Pyrula  Lainei, 
^lyfilus  aquitanicn^  etc.  häufig  sind.  —  In  einem  späteren  Artikel  {Bull, 
de  la  Soc.  geol.  de  France.  2.  ser„  t.  XXIII;  p.  760 >  wird  von  "Toirnoüer 
Rxjtiodus  Capgrandi  L\rtet:  Halitherium  Capgrandi  genannt  und  dem  mitt- 
leren Mioeän  zugewiesen. 


Dr.  F.  IIiLGENDORF :  Planorbis  multiformis  im  St  ein  heimer 
S  ü  s s  w a  SS  e  r  k  a  Ik.  Ein  Beispiel  von  Gestaltveränderung  im  Laufe  der  Zeit. 
(Monatsb.  d.  K.  Ac.  d.  Wiss.  zu  Berlin.  1866,  S.  474-504,  1  Taf.)  — 

Planorbis  multiformis  (Paludina  multif.  Bb.,  Valvata  mnltif.  v.  Bloh) 
hat  durch  ihr  massenhaftes  Vorkommen  in  dem  Süsswasserkalke  von  Stein- 
heim und  die  grosse  Veränderlichkeit  ihrer  Schale  schon  längst  die  Auf- 
merksamkeit auf  sich  gezogen  und  es  eignet  sich  daher  diese  Art.  wie  wohl 
keine  andere  mehr,  zu  einem  Beispiele  von  Gestaltveränderuiig  im  Laufe  der 
Zeit.  Diess  hat  der  Verfasser  hier  anschaulich  gemacht,  indem  er  den  Nach- 
weis führt,  wie  19  von  ihm  unterschiedene  Varietäten  sich  auf  10  verschie- 
dene Zonen  der  Steiriheimer  Lager  vertheilen.  Auf  Grund  dieser  von  ihm 
beobachteten  Vertheilung  hat  sich  für  die  Entwickelung  der  Formen  der 
Planorbis  multiformis  nachstehender  Stammbaum  erhoben: 


10. 

supremiis 

1 

9. 

crescens 

I 

revertens 

1 

8. 

costatus  crescens 

oxystomus 

denvdatus  \  1 

1 

7. 

\costatus  minufus 

trochiformis  elegans 

pseudotenuis 

1  1 

!  / 

1 

6. 

costatus  minutus 

trochiformis 

pseudotenuis 

1  1 

1  rofundatus 

1 

5. 

costatus  minutus  triquetrus  discoideus  / 

pseudotenuis 

minutus 

1 

minutus 
yninutus 


pari'us 
X 


/  1  .. 

/  Kraussii 

I 

discoideus  firaussii 

1  1 
sulcatus  Kraussii 

I  1 

tenuis  Steinheimensis 

I  / 
Steinheimensis 

/ 


aeqiieumbilicatus 


251 


Die  zur  Seite  gesteilten  Zahlen  bezeichnen  die  Zonen ,  welchen  die 
einzelnen  schneckenführenden  Schichten  angehören. 

Die  vom  Verfasser  genau  beschriebenen  und  gut  abgebildeten  Varietäten 
enthalten  theils  walzenförmige  Schalen  mit  freien  Umgängen  (var.  denudatus), 
theils  scheibenförmige  Schalen  mit  rundlichen;  oder  nur  mit  stumpfer  Kante 
versehenen  Umgängen,  wozu  die  typische  Var.  ^teinheimensis  gehört,  theils 
scheibenförmige  Schalen,  deren  Umgänge  deutliche  Kiele  besitzen,  wie  var. 
tenuis,  sulcahis  und  discoideus,  theils  endlich  nicht  scheibenförmige  Schalen 
mit  vortretendem  Gewinde,  wie  namentlich  var.  trochifortnis. 

Kegelförmige  Schnecken,  wie  die  letztere  Abänderung  ist,  hätten  sich 
demnach  aus  einer  scheibenförmigen  (,Var.  discoidens)  unmittelbar  heraus- 
gebildet, um  eben  so  schnell  wieder  in  eine  Scheibenform  (Var.  oxysfomus) 
zurückzukehren,  was  wenig  wahrscheinlich  ist.  Es  wäre  vielleicht  natur- 
gemässer  gev^esen,  die  Hauptreihe  nach  oben  hin  mit  trochiformis  zu  be- 
schliessen.  während  man  oxysfoinus,  revertens  und  siipremus  an  die  ihnen 
weit  ahnlichere  Varietät  minutus  angeschlossen  hätte. 

Ob  indess  wirklich  säinmtliche  als  Varietäten  zu  Planorbis  muliifor- 
mis  hier  gezogenen  Formen  nur  einer  Art  oder  mehreren  angehören,  wird 
wohl  noch  lange  auch  in  entgegengesetzter  Weise  aufgefasst  werden  können. 


H.  A.  Nicholson:  über  einige  Fossilien  aus  dem  Graptolithen- 
schiefer  v  on  D  umfriesshire.  (The  GeoJ .  Mag.  ISo.  2^.  Vol.  III.  No.  XI, 
p.  488,  PI.  XIII.)  - 

Die  Ober-Llandeilo-Gesteine  des  südlichen  Schottland,  die  sich  durch 
ihren  Reichthum  an  Graptolithen  auszeichnen,  enthalten  neben  denselben 
noch  eigenthümliche  Körper  von  glockenförmiger  oder  ovaler  Form,  die  man 
oft  in  eine  mucroiia  auslaufen  sieht.  Die  Länge  dieser  Körper  schwankt 
um  und  ihre  Substanz  scheint,  wie  die  der  Graptolithen,  hornig  gewesen 

zu  sein.  Nicholson,  der  sie  für  Eierblasen  (Ovarian  vesiclej  hält,  schlägt 
dafür  den  Namen  Grapfogonophora  vor.  Er  bildet  einen  Iflonograpsus  Sedg- 
wicki  ab.  bei  welchem  eine  solche  Eierblase  noch  zwischen  zwei  Zellen 
festsitzt.  Es  haben  diese  Körper,  wie  ganz  richtig  bemerkt  wird,  Analogien 
mit  ähnlichen  Gebilden,  welche  J.  Hall  {Fig.  and  Descr.  of  Canadian  Or- 
ganic  Remains,  Decade  II.  !S65.  PI.  B.  f.  6  -11)  allerdings  an  einem 
zweireihigen  Graplolilhinen  abgebildet  hat. 

Die  Deutung  dieser  Körper  entspricht  ähnlichen  Eierblasen  an  lebenden 
Verwandten  der  Graptolithen,  wie  bei  Crisia  (vgl.  Clvier,  Je  Regne  ani- 
mal^  Zoophytes.  par  M.  Edwards,  PI.  73  etc.)  und  beansprucht  eine  weitere 
Beachtung. 


J.  D.  Whitney:  G  eol  o  gi  cal  Siu'vey  of  California.  Palaeon- 
tology.  Vol.  II.  Sect.  I.  P.  I.  Tertiary  Jnvertebrate  Fossils,  by  W. 
-M.  Gabb.    1S66.    4°.    38  S.  - 


252 


Dem  ersten  Bande  der  Paläontologie  Californiens  (Jb.  1S66^  625)  fol- 
gen hier  Beschreibungen  von  einigen  60  Arten  Inverlebralen  ,  welche  meist 
der  dortigen  Terliärforination  angehören.  Da  die  Abbildungen  derselben 
nicht  mit  veröffentlicht  worden  sind,  müssen  wir  unseren  Bericht  darüber 
beschränken.  Ein  schnelles  Fortschreiten  der  Veröffentlichungen  dieser  wich- 
tigen Untersuchungen  Californiens  ist  im  hohen  Grade  wünschensvverth  und 
wir  stimmen  insbesondere  auch  Herrn  Marcou  ""■  bei ,  dass  man  eine  geolo- 
gische Übersichtskarte  über  die  bisher  behandelten  Gegenden  nur  ungern 
entbehrt.  Bei  unserem  Berichte  über  die  Geologie  Calil'orniens  (Jb.  /<S6"6*5 
610  und  741)  haben  wir  uns  mit  Marcou's  geologischer  Karte  der  Vereinigten 
Staaten  und  britischen  Provinzen  von  N. -Amerika,  Juli  1855  (auch  in  A. 
Petermani^  s  Mitlheilungen  1855^  VI;  und  der  neueren  Karte  von  Blake  be- 
gnügen müssen. 


G.  Berendt:  Mar  i  n  e  D  i  1  u  v i  a  1- Fa  u  n a  i  n  We  s  tpre u  ssen.  (Zeitschr. 
d.  deusch.  geol.  Ges.,  XVIII.  Bd.,  S.  174-176.)  — 

Es  ist  dem  Verfasser  gelungen  ,  innerhalb  wie  südlich  des  preussischen 
Höhenzuges  im  Bereiche  des  Weichsellhales  die  Verbreitung  einer  marinen 
Fauna  des  Diluviums  nachzuweisen.  Dieselbe  besteht  ausser  mehreren  noch 
unbestimmteren  Schaleoresten  aus:  Cardium  edule  L.  (C.  rusticum  Lam), 
Tellina  solidula  Lam.,  Venus,  unter  den  lebenden  am  meisten  V.  pullastra 
MoNT.  entsprechend,  Buccinum  CNassaJ  reticulatum  h. ,  Cerithium  lima 
Brug.  (C  reticulatum  Lov.)  und  zwar  am  meisten  entsprechend  var.  afrum. 
Kur  zum  Theil  (Cardium,  Tellina )  gehören  dieselben  noch  heute  der  Ost- 
see an.  Das  Buccinum  ist  von  der  Nordsee  her  nur  bis  zur  Kieler  Bucht 
hin  beobachtet  worden.  Die  Venus  und  das  Cerithium  gehören  völlig  der 
Nordsee  an,  sind  allerdings  auch  die  selteneren  unter  den  Diluvialformen. 
Eine  weit  grössere  Dickschaligkeil  unterscheidet  die  gefundenen  Schalen 
6ämmtli«:her  genannten  Mollusken  von  den  lebenden  aulfällig  und  deutet 
gleichfalls  auf  ein  salzigeres  und  bewegteres  Diluvialgewässer,  als  das  Brack- 
wasser der  heuligen  Ostsee  ist,  hin.  Spuren  dieser  Fauna  sind  von  Meve, 
ca.  2  Meilen  oberhalb  des  Weichseldelta  s,  mit  kurzen  Unterbrechungen  bis 
zur  russisch-polnischen  Grenze  oberhalb  Thorn  mannichfach  in  den  Gehängen 
des  Weichsellhales  beobachtet  worden,  wo  sich  diese  Schalen  in  der  Regel 
in  den  liegendsten  9 — 12  Zoll  einer  5 — 15  und  20  Fuss  mächtigen  Schicht 
unteren  Sandmergels  (Jb.  96)  unmittelbar  über  nordischem  oder  Spath- 

sand  finden. 


Barbot  DE  Mabny:  über   die  jüngeren  Ablagerungen   des  süd-. 
liehen  Russland.    (Sitzungsb.  d.  kais.  Ac.  d.  Wiss.  in  Wien.  Bd.  LIII)  — 
In  Volhynien  und  in  Podolien  bis  zur  Parallele  der  Siadt  Mogilew  am  Diijester 
hat  der  Verfasser  immer  zwei  tertiäre  Etagen  neisammen  gefunden .  deren 


*  Maecotj  :  la  faune  primordiale  dans  les  pays  de  Galles  et  Ja  geologie  californienne. 
(Bull,  de  la  Soc.  geol.  de  France,  2  ser.,  t.  XXIII,  p.  552  etc.) 


253 


obere  den  Cerithiensrhichten  von  Wien,  die  untere  aber  dem  Leithakalke 
entspricht.  Südlich  von  der  genannten  Parallele  traf  er  nur  die  Cerilhien- 
schichten  an,  welche  hier  schon  unmittelbar  auf  der  Kreideformation  lagern. 

über  den  Steppen  kalk  (vgl.  Jb.  1864,  874)  gibt  Herr  v.  Marny  hier 
noch  folgenden  Äufschluss:  An  den  Ufern  des  Schwarzen  Meeres  versteht 
man  unter  diesem  Namen  einen  durch  viele  Merkmale  ausgezeichneten  Bau- 
kalkstein, der  ein  Agglomerat  von  Muschelfragmenten,  sehr  porös  und  leicht 
zu  bearbeiten  ist.  Es  sind  jedoch  zwei  Steppenkalke,  wenn  auch  beide  von 
miocänem  Alter,  zu  unterscheiden,  jener  am  nördlichen  Abhänge  des  Cau- 
casus  mit  Mactra  podolica  und  der  Kalkslein  am  Schwarzen  Meere  mit  Car- 
dinm  littorale  und  Dreissena  Brardi.  Wir  gelangen  daher  zu  folgender 
Übersicht : 

1)  Wiener  Becken. 

C  e  r  i  t  h  i  e  n  -  S  c  h  i  c  h  t  e  n, 
Congerien-Schichten, 

Sand  und  Schotter  mit  Mastodon,  Dinotherium  u.  s.  w. 

2)  Saum  des  Schwarzen  Meeres. 
(  Kalkstein  mit  Mactra  podolica^  Cardium 

protraetum  u.  s.  w. 


Cerithi  um -  Schi  cht. 


f  Thon  und  Sand,  nur  mit  Mactra  podolica. 
Steppen  kalk  von  Odessa,  Nowo-Tsrherkask  u.  s.  w.  mit  Car- 
dium littorale ^  Dreissena  Brardi  und  Cetaceen.    Die  Höhlen 
und  Spalten  dieses  Kalksteines  enthalten  Thone ,   in  welchen  die 
von  NoRDMANN  beschriebenen  Säugelhierreste  gefunden  werden. 
Recenter  Kalkstein  mit  Cardium  edule. 
3)  Saum  des  Caspischen  Meeres. 


C erithium~S  c\\\c\\i. 


Kalkstein  mit  Mactra  podolica,  Huccimim 
Verneuili  u.  s.  w,  zu  Aigouri  u.  a.  a.  0. 
Steppen  kalk,  nur  mit  Mactra  podolica 
\      zu  Tschalon-Chamur,  Petrowsk,  Derbent. 
Sand  und   Thon  (Caspische  Formation   B.  de  Marny's)  mit 
Adacna  u.  s.  w. 


R.  J.  Lechmerb  Guppy:  über  die  tertiären  Mollusken  von  Ja- 
mal ca.  {Quart.  Journ.  of  the  Geol.  Soc.  1866.  Vol.  XXII,  p.  281—297, 
PI.  XVI  — XVIII.)  —  Mit  Hülfe  der  früheren  Untersuchungen  über  die  fos- 
silen Organismen  der  westindischen  Inseln  durch  J.  Carrick  Moore,  T.  R. 
Jones  und  P.  M.  Düncan  (Jb.  1864.,  249  und  754)  hat  man  durch  die  neue- 
sten Untersuchungen  Güppy's  eine  Basis  zur  Beurtheilung  der  Tertiärschichten 
Jamaica's  und  der  westindischen  Inseln  überhaupt,  die  man  nach  dem  heu- 
tigen Standpuncte  als  miocän  bezeichnen  kann.  Die  von  Güppy  beschrie- 
benen und  zum  grossen  Theile  abgebildeten  Arten  und  ihre  Verbreitung  er- 
gibt sich  Im  Folgenden : 


254 


I 


Verbreitung*. 

I 

Fossil.   Andere  Localitäten. 


— 

— 

* 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

* 
— 
— 

— 
— 
— 

— 
* 

Cuta ;  Anguilla. 
Trinidad  ? 

— 

— 

* 

— 

— 

* 

— 

— 

— 

— 

— 

* 

—      gracilissimus  Gy.  ...... 

— 

— 

- 

— 

* 

* 

— 

* 

* 

* 

— 

— 

* 

— 

— 

— 

— 

* 

— 

— 

* 

* 

N. -America. 

_ 

* 

* 

_ 

— 

— 

* 

—          laevescens  GY  

— 

— 

* 

— 

* 

* 

— 

— 

— 

— 

* 

— 

* 

— 

—          Jamaicense  Gy  

— 

* 

* 

— 

— 

* 

— 

— 

* 

— 

— 

* 

* 

* 

* 

* 

— 

— 

— 

* 

* 

* 
* 

Cuba;  Anguilla;  Trinidad. 

Cyclostrcma  bicari7iata  Gy  

— 
— 

— 
— 

— 

Anguilla;  Trinidad. 

— 

— 

— 

Dentalium  dis.rlmüe  ffY  

— 

— 

— 

* 

* 

* 

Wien. 

—      Woodwardi  Gy  

* 

* 

* 

Piedmont ;  N. -America. 

Cardita  scabricostata  Gy  

* 

* 

—       litigua-leonis  Gy  • 

—       inconsjpicuum  Gy  • 

Corbula  viminea  Gy  • 

* 

—          acuticostatus  SOW.   ,    .    .  • 

* 

* 

* 

* 

* 

—     inaequilateralis  Gy  

* 

* 

* 

* 

N. -America. 

In  einer  zweiten  Abhandlung,  an  demselben  Orte,  S.  295—297,  be- 
schreibt GuppY  drei  Arten  Terebraleln  von  Trinidad,   T.  trinitatensis, 


Arten- 


255 

T.  carneoides  und  T.  tecla ,  die  nach  einer  Bemerkung  von  Davidson  die 
cretacische  und  terliäre  Fauna  mit  einander  verbinden.  Namentlich  zeigt  die 
T.  carneoides  ebenso  den  Typus  der  T.  carnea  in  der  Kreideformation,  wie 
den  der  recenten  T.  vitrea,  wesshalb  er  die  Frage  aufstellt,  ob  die  letzteren 
wirklich  zwei  verschiedene  Arten  sind.  — 

Als  tertiäre  E  c  h  i  n  o  d  e  r  ni  en  von  den  Westindischen  Inseln  fügt  Güppy 
(a.  a.  0  S.  297 — 301)  noch  hinzu:  Cidaris  Melitensis  (Forbes)  Wright, 
Echinometra  acufera  Bl.,  Echinolampas  semiorbis  sp.  n.,  Eck.  lycopersi- 
cus  n.  sp  5  Echinoneus  cijclostomus  Leske,  Hchizaster  Scillae  Desmoül.  und 
Brissus  dimidiatus  Ag.  von  Anguilla,  sowie  Echinolampas  ovumserpentis 
n.  sp.  von  S.  Fernando,  Trinidad. 


Fr.  M'Coy:  über  die  Australischen  tertiären  Arten  von  Tre- 
gonia.  {The  Geol.  Mag.  1866.  No.  29,  p.  481.)  —  Bei  dem  Werth,  den 
man  mit  Recht  auf  das  Vorkommen  von  Trigonien  in  der  Tertiärformation 
Australiens  gelegt  hat,  ist  es  auch  von  Interesse,  zu  hören,  dass  die  von  Jen- 
KiNs  (Jb.  j?<S6'^,  p.  639)  für  'l'r.  Lamarcki  Math,  gehaltene  Art,  welche 
M'CoY  hier  als  Tr.  acuticostata  einführt,  von  jener  noch  lebenden  Art  spe- 
eifisch  verschieden  erscheint. 


Miscellen. 

Das  Januarheft  des  American  Journal  of  science  and  arts ,  1867, 
Vol.  XLIII,  p.  131  u.  f.  benachrichtiget  uns  von  den  neuesten,  wahrhaft 
grossarligen  Schenkungen  und  Stiftungen  des  Herrn  George  Peabody  in  Dan- 
vers, Massachusetts,  für  wissenschaftliche  Zwecke. 

Den  beiden  seit  vielen  Jahren  als  Hauptpflanzstätten  für  exacte  Wis- 
senschaft in  America  berühmten  Universitäten  zu  Cambridge  in  Massa- 
chusetts, dem  Harvard  College^  und  zu  Newhaven  in  Connecticut  dem 
^ale  College,  sind  je  150,000  Dollars  zugewiesen  worden,  dem  ersteren  zur 
Begründung  und  Unterhaltung  eines  Museums  für  Amerikanische  Archäologie 
und  Ethnologie,  dem  letzteren  zur  Begründung  eines  Museums  für  Naturge- 
schichte, insbesondere  Zoologie,  Geologie  und  Mineralogie. 

500,000  Dollars  hat  er  neuerdings  dem  von  ihm  in  Baltimore  begrün- 
deten Peabody  Institute  bestimmt,  wodurch  die  schon  früher  dafür  von  ihm 
gemachte  Stiftung  auf  1,000,000  Dollars  erhoben  worden  ist. 

Ein  Geschenk  für  das  Peabody  Institute  in  seiner  Vaterstadt  Danvers, 
Mass.,  ist  bis  zu  250.000  Dollars  erhöhet  worden.  Ein  jedes  dieser  beiden 
Institute  wird  eine  reiche  Bibliothek  anlegen  und  jährlich  einzelne  Course 
von  Vorlesungen  über  wissenschaftliche  und  literarische  Gegenstände  ver- 
anstalten. 

Mr.  Peabody  widmete  ferner  eine  Schenkung  vot»  25,000  Dollars  der 
Phillips  Academy  in  Andover,  Mass.,  zur  Pflege  der  Naturwissenschaften 


256 


und  Mathematik,  eine  gleiche  Summe  zu  denselben  Zwecken  dem  Kenyon 
College  in  Ohio.  Ebenso  stiftete  er  vor  Kurzem  20,000  Dollars  für  den  Bib- 
liotheksfonds der  Maryland  Historical  Society  und  begründete  öffentliche 
Bibliotheken  zu  Georgetown  in  Massachusetts  und  Thetford  in  Ver- 
mont. 

Diese  munificenten  Stiftungen  des  Herrn  Peabödy  für  die  Förderung  und 
Verbreitung  der  Wissenschaft  erreichen  somit  nahezu  die  Höhe  von  1,650,000 


Henry  Adrian  Wyatt-Edgell ,  ein  junger  talentvoller  Paläontologe,  geb. 
den  17.  Mai  1847,  ist  den  6,  Nov.  1866  in  Belfast  verschieden. 

Alexander  Bryson,  geb.  den  14.  Oct.  /S/6*  zu  Edinburg,  ein  ihätiges 
Mitglied  der  verschiedenen  wissenschaftlichen  Gesellschaften  in  Edinburg,  starb 
am  7.  Dec.  1866  zu  Hawkhill  bei  Edinburg. 

Casiana  DI  Prado  in  Madrid,  Generalinspector  der  Spanischen  Bergwerke, 
Verfasser  der  ,,Descripcion  fisica  y  geolögica  de  la  Provincia  de  Madrid, 
1864^^  beendete  gleichfalls  im  vergangenen  Jahre  seine  irdische  Laufbahn. 
{The  Geol.  Mag.  No.  31.   1867.  46—48.) 

Das  Geological  Magaz-ine,  No.  32,  meldet  den  Tod  von  Frederick  J. 
FooT,  unter  Anerkennung  seiner  Thäligkeit  bei  der  geologischen  Landes- 
untersuchung in  Irland,  sowie  von 

James  Smith  von  Jordan  Hill  bei  Glasgow,  früherem  Präsident  der  geo- 
logischen Gesellschaft  von  Glasgow,  welcher  am  19.  Januar  verschieden  ist. 

George  W.  FEAiHERsioKHAUGn ,  Verfasser  eines  geologisciien  Berichtes 
über  den  Missouri  und  den  Red  River  ,  der  1834  veröffentlicht  worden  ist, 
und  Begründer  und  Herausgeber  eines  geologischen  Journals  (Philadelphia, 
1831  und  1832),  verstarb  am  28.  Sept.  v.  J.  zu  Havre,  wo  er  seit  20  Jah- 
ren als  Consul  gelebt  hat.    {American  Journ.  No.  127,  Jan.  1867,  135.> 

Wach  der  uns  von  Herrn  Dr.  U.  Scoloenbach  in  Salzgitter  zugegangenen 
Mittheilung  ist  am  18.  Januar  d.  J.  der  ältere  El'De-Deslongch.ajips  zu  Caen 
im  Alter  von  73  Jahren  verstorben. 


Eine  sehr  gute  und  geordnete  Mi  n  e  r  a  1  ie  n -  S a  mm  I  u  n  g,  namentlich 
Musterstücke  und  sehr  viel  geschliffene  Steine  enthaltend,  nach  der  genauen 
Taxation  von  einem  Werlhe  von  mindestens  -500  RthIrn.,  soll  baldigst  zu 
einem  angemessenen  Preise  verkauft  werden. 

Näheres  ertheilen  gern  Herr  Goramercienrath  R.  Ferber  in  Gera  und  Prof. 
Dr.  Reichardt  in  Jena. 

Das  Format  der  Stücke  ist  für  Lehrzwecke  geeignet. 


Dollars  ! 


Mineralien-Handel. 


Weitere  Beiträge  zur  nälieren  Reiintniss  der  bayerischen 

Alpen 

von 

Herrn  Professor  Dr.  Scliafliliutl. 

(Hierzu  Tafel  I  u.  II.) 


Seit  zwanzig  Jahren  habe  ich  mich  bemüht,  nachzuweisen, 
dass  in  unseren  südlichen  bayerischen  Alpen  in  der  Regel  die 
tiefsten  Schichten  und  Lager  die  ältesten,  die  höchsten  dagegen 
auch  die  jüngsten  sind ,  und  der  Juraformation ,  ja  hie  und  da 
sogar  der  Kreide  angehören,  ebenso  dass  die  gewaltigen  Kalk- 
massen, welche  die  höchsten  Puncte  unserer  bayerischen  Alpen 
bilden,  durchaus  ein  Werk  von  kalkschaligen  Infusorien  und  Bryo- 
zoen  seien,  was  am  unzweideutigsten  hervortritt,  je  reiner  der 
kohlensaure  Kalk  der  Gebirgsmassen,  d.  h.  je  freier  er  von  Thon- 
erde wird.  Da  tritt  er  in  gewaltigen  und  von  der  Verwitterungsschale 
befreiten,  sogar  etwas  durchscheinenden  Massen  auf,  die  höchstens 
partiell  geschichtet  sind,  d.  h.  das  sogenannte  Schichtungssystem 
tritt  nur  an  bestimmten  Stellen,  aber  auch  da  nur  sehr  unregel- 
mässig auf,  fliesst  dann  an  einem  Ende  wieder  in  eine  untheil- 
bare  Kalkmasse  zusammen,  so  dass  die  sogenannte  Schichtung 
mehr  eine  theilweise  Zertheilung  oder  Spaltung  als  eigentliche 
Schichtung  zu  sein  scheint.  In  der  Nähe  sind  diese  Verhältnisse 
allerdings  sehr  leicht  irreführend;  denn  da  tritt  innerhalb  des 
sehr  beschränkten  Gesichts-  und  Untersuchungs-Kreises  allerdings 
eine  scheinbare  Schichtung  oft  sehr  ausgesprochen  hervor.  Anders 
wird  aber  die  Sache,  wenn  man  die  gegen  Norden  steil  abfal- 

Jahrbuch  1867.  17 


258 


lenden  Gebirgsmassen  in  einer  bestimmten  Entfernung  mittelst 
eines  guten  Telescops  untersucht;  da  wird  es  dann  möglich,  die 
Structur  eines  ganzen  Gebirgsstookes  zu  übersehen,  und  zu  be- 
merken, wie  äusserst  verschieden  an  demselben  Stocke  das  Strei- 
chen und  Einschiessen  der  so  mannichfaltig  gegliederten  Gebirgs- 
theile  auftritt.  Ich  füge  hier  eine  naturgetreue  Skizze  vom  Gipfel 
des  malerischen  hohen  Göhls  bei  Berchtesgaden  an,  die  unseren 


GöTil 


Landschaftsmalern  so  vielen  Stoff  zu  ihren  glänzenden  Gemälden 
gibt,  von  Nordost  aus  gesehen.  Ein  nicht  weniger  charakteristi- 
sches Bild  gibt  das  Vorderhorn  im  nördlichen  Pinzgau  bei  St. 
Martin,  südlich  von  Lofer,  vom  Grubhof  aus  gesehen.  Die  die 
Schichtungen  andeutenden  Linien  geben  genau  an.  wie  weit  sich  die 
Schichtungen  erstrecken;  wo  die  Linien  aufhören,  erscheint  die 
Kalkmasse  als  vollkommen  dicht.  Man  sieht  am  hohen  Göhl  bei 
a,  wie  zwischen  zwei  Schichtungslinien  sich  eine  dritte  hinein- 
drängt, dann  plötzlich  aufhört.  Auch  die  Unregelmässigkeit  die- 
ser Linien,  welche  die  Kalkraasse  bald  in  sehr  dünne,  bald  in 
sehr  mächtige  Theile  oder  Schichten  eintheilen  ,  beweist  hinrei- 
chend, dass  hier  an  einen  regelmässigen  Niederschlag  nicht  ge- 
dacht werden  könne.  Noch  schlagender  tritt  diess  im  Aufrisse 
des  Vorderhorns  im  Pinzgau  bei  St.  Martin  südlich  von  Lofer 
hervor.  Sogenannte  Schichtungslinien  ziehen  über  und  unter  den 
horizontalen  nach  allen  Richtungen  und  selbst  die  horizontalen 
entbehren  aller  Regelmässigkeit,  auch  wenn  ihr  plötzliches  Auf- 
hören durch  Zusammenfliessen  mehrerer  Schichten  in  eine  ein- 
zige erklärt  werden  wollte.  Dass  diese  gewaltigen  Kalkmassen 
bis  zu  ihrer  doppelten  Höhe  unter  dem  Urmeere  gelegen  haben 


259 


müssen,  bedarf  wohl  keines  Beweises.  Wenn  sich  auch  die  Un- 
möglichkeit denken  Hesse,  dass  gespannte  Wasserdämpfe  den  süd" 


Kirchmtha.1 

Vorderhorn  im  Pinzgau  bei  St.  Martin. 

Vom  GruTihof  aus  gesehen. 


liehen  Gebirgszug  aus  dem  Meere  auf  wenigstens  zwölftausend 
Fuss  emporzuheben  vermöchten ,  so  wäre  eine  solche  Hebung, 
die  sich  durch  drei  Längengrade  beinahe  in  gerader  Linie  er- 
streckt, eine  zweite  Unmöglichkeit. 

Den  nördlichsten  und  gewaltigsten  Theil  unseres  südlichen, 
reinen  Kalkgebirgs-Gürtels  bildet  das  sogenannte  Wetterstein- 
und  Karwendel-Gebirge,  die  ich  sehr  oft  und  zwar  zuletzt  in 
diesem  Jahrbuch  i8ö4,  pg.  812;  pg.  18  und  pg.  789  dem 

geognostischen  Publicum  vorzuführen  Gelegenheit  hatte. 

Da  es  in  unserem  Hochgebirge,  wie  ich  immer  und  immer 
erinnerte,  von  geringem  Nutzen  ist,  diesen  so  verwickelten  Ge- 
birgsbau  auf  blossen  touristischen  Durchflügen  in  Augenschein 
zu  nehmen,  so  habe  ich  meine  fortdauernde  Aufmerksamkeit  vor- 
züglich auf  ein  Revier  des  früher  sogenannten  jüngeren  Alpen- 
kalkes gelenkt,  welches  das  Wettersteingebirge  und  seinen  höch- 
sten Punct,  die  Zugspitze  oder  wie  das  Volk  spricht:  den  Zug- 
spitz, in  sich  begreift.  Diese  9125  Pariser  Fuss  über  dem  Spiegel 
des  Meeres  und  6164  Fuss  über  dem  Spiegel  des  den  westlichen 
Fuss  desselben  umspülenden  Eibsee's  emporragend,  besteht 
ganz  aus  oolithischem  Kalk,  der  grösstentheils  nur  Spuren 
von  Bittererde  enthält,  hie  und  da  aber  auch  zum  Hauptdolomite 
wird,  wie  ich  unter  Anderem  in  diesem  Jahrbuche  i8ö4,  p.  813; 
jfSö5,  pg.  18  und  789  erläutert  habe.  Da  Rollstücke  dieses  Ge- 
birgsstockes ,  vom  Fusse  desselben  angefangen,  sich  im  nörd- 
lichen Striche  bis  an  die  Donau  herab  finden ,  und  um  München 

17 


260 


grösstenlheils  die  ganze  Hochebene  zusammensetzen ,  so  muss 
natürlich  ursprünglich  dieser  Gebirgskamm  wenigstens  die  dop- 
pelte Höhe  erreicht  haben 

Die  Zugspitze  selbst,  eigentlich  aus  zwei  an  Höhe  mit 
einander  rivalisirenden  Spitzen  a  und  h  bestehend ,  ist  schwer 
aus  einer  grossen  Entfernung  zu  beobachten,  da  sie  von  anderen 
Gebirgsmassen  verdeckt  und  auf  der  weniger  flach  einfallenden 
Wand  von  Schneemassen  bedeckt  ist.    Indessen  besteht  auch  ihre 


Gipfel  der  Zugspitz-Pyramide. 

Structur  in  grossen,  unregelmässigen  Platten  und  Bänken,  welche 
gegen  die  Tiefe  zu  immer  steiler  einschiessen,  gegen  den  Gipfel 
zu  der  söhligen  Linie  sich  immer  mehr  nähern.  Manche  Kämme 
und  Gipfel  verdanken  hier,  sowie  in  unserem  ganzen  Gebirge 
ihre  zerrissene  Gestalt  den  ziemlich  steil  aufgerichteten  Abson- 
derungs-Bänken, wie  z.  B.  der  von  der  nördlichen  Seite  der 
eigentlichen  Zugspitze  beinahe  ganz  verdeckte  »Hinter-  und 
Vor  d  er-Waxen  s  tein.«  Indessen  tauchen  auch  hier  am  Zug- 
spitz wieder  Bänke  auf  und  verzweigen  sich  oder  verschwinden 
ganz,  so  dass  von  einer  Schichtung,  wie  man  sie  in  allen  eigent- 
lichen Flötzgebirgen  findet,  keine  Rede  sein  kann. 

Die  äusserst  schwierig  und  zum  Theil  auch  gefahrvoll  zu 
erklimmende  Spitze  wurde  zuerst  von  dem  bayerischen  Revier- 
förster in  Kling  Namens  Oberst  am  27.  Sept.  i854  erstiegen. 
Indessen  war  bis  zum  August  des  Jahres  1851  noch  keine  Spur 
von  einer  Versteinerung  von  der  eigentlichen  Pyramide  der  Zug- 
spilze bekannt. 

Erst  durch  die  Expedition  am  11.,  12.  und  13.  August  1851^ 
welche  ein  14  Fuss  hohes ,  vergoldetes  Kreuz  auf  dem  höchsten 


261 


Piincte  der  westlichen  Zugspitze  errichtete,  wurden  von  diesem 
höchsten  Puncte  im  bayerischen  Lande  durch  den  damaligen  Forst- 
gehilfen Max  Thoma  kleine  Kalkstückchen  herab  gebracht,  welche,  wie 
sich  TiiOMA  ausdrückte  5  aus  Muschelkalk  bestanden,  voll  einge- 
wachsener, unzähliger,  kleiner  Schnecken  und  Muscheln. 

Ein  Stückchen  von  kaum  einem  Quadratzoll  Inhalt,  das  ich 
von  Thoma  erhielt  und  vorsichtig  mit  Salzsäure  behandelte,  be- 
lehrte mich  sogleich ,  dass  wir  es  hier  mit  einem  ganz  neuen 
Genus  von  Bryozoen,  zu  den  •  Tubuliporen  gehörig,  zu  thun 
hatten.  Ich  habe  dieses  Stückchen  auch  in  diesem  Jahrbuch  von 
1853  auf  Taf.  VI,  fig.  1,  lit.  a  gezeichnet  und  das  neue  Bryozoon 
selbst  in  natürlicher  Grösse,  sowie  vergrössert  im  Längenschnitt 
und  Querschnitt  abgebildet,  und  zwar  so  genau  im  Detail,  dass 
nur  Absicht  die  Zeichnung  und  Structur  dieses  Bryozoon  ver- 
kennen kann.  Auf  pg.  300  bis  304  dieses  Jahrbuchs  habe  ich 
noch  dazu  eine  genaue  Analyse  dieser  Versteinerung  gegeben. 

Da  in  dem  kleinen  Plättchen  die  Hauptfigur  stets  als  ein 
cylindrisches  Stämmchen,  mit  einander  berührenden  Querrunzeln 
bedeckt,  bestand,  so  hatte  ich  der  Versteinerung  den  Namen 
Nullipora  gegeben;  da  aber  dieser  Name  schon  für  eine  ganz 
andere  Gattung  von  einer  anderen  Thierclasse  gebraucht  wurde, 
so  habe  ich  den  Namen  Nullipora  in  meiner  südbayerischen  Le- 
thaea,  pg.  324  in  Diplopora  umgewandelt. 

Ich  hatte  damals  aus  dem  kleinen  Stückchen  die  innere  Struc- 
tur dieser  5r?/o^oo/i's  so  richtig  entwickelt,  dass  ich  gegenwärtig, 
wo  sich  Hunderte  der  verschiedensten  freien  und  eingeschlosse- 
nen Exemplare  in  meinen  Händen  befinden,  kaum  etwas  hinzu- 
zusetzen vermag,  als  die  Basis  und  das  obere  Ende  der  Diplo- 
pora. 

In  der  gegenwärtigen  Figur  Tafel  I,  Fig.  1  ist  die  ganze 
Diplopora  gezeichnet,  wie  sie  sich  indessen  so  ganz  erhalten 
nur  äusserst  selten  findet,  sondern  immer  in  2  bis  3  Stücke  zer- 
brochen, da  sich  die  einzelnen  Ringe  sehr  leicht  von  einander 
gelöst  zu  haben  scheinen,  so  dass  das  Gestein  ein  Ansehen  er- 
hielt,  wie  es  in  diesem  Jahrbuch  i855,  Tafel  VI,  Fig.  1  ge- 
zeichnet ist. 

Das  Gestein  erscheint  nämlich  in  der  Regel  am  häufigsten 
mit  zahlreichen,  kreisrunden  Ringen  von  ungefähr  2™"^,  4™"^, 


262 


41/2^10  jjjg  5mm^  etwas  seltener  6™™  im  Durchmesser  bedeckt, 
deren  Wanddicke,  je  nachdem  sie  von  der  Basis  oder  von  der 
Haube  oder  von  der  Mitte  der  Länge  genommen  sind,  Vs  bis  \/q 
des  grössten  Durchmessers  des  Ringes  ausmachen.  Erst  unter 
der  Lupe  mit  Säure  behandelt,  oder  ausgewittert,  erscheinen  im 
Querschnitte  die  radialen  Zellen  in  dieser  Wand,  wie  sie  Fig.  1, 
lit.  c  darstellt.  Die  kegelförmigen  Zellen  im  Längenschnitt,  wo 
sie  sich  unter  einem  spitzen  Winkel  gegen  die  Axe  geneigt  nach 
oben  wenden,  habe  ich  schon  in  diesem  Jahrbuch,  wie  bereits 
angeführt,  1853,  Tafel  VI,  lit.  e,  durch  Säure  blossgelegt,  ge- 
zeichnet. Dieser  meiner  Abhandlung  lege  ich  eine  andere  Zeich- 
nung eines  Längenschniltes  bei,  wie  ihn  die  Verwitterung  selbst 
blossgelegt  hat,  und  man  wird  sogleich  sehen,  wie  genau  er  mit 
meiner  vor  13  .fahren  gelieferten  Abbildung  übereinstimmt. 

Indessen  hat,  wie  ich  soeben  sehe,  in  der  letzten  Zeit  Herr 
Dr.  A.  E.  Reuss  seine  Aufmerksamkeit  auch  diesem  neuen  Petre- 
facte  zugewendet  und  darüber  in  der  Sitzung  der  geologisclien 
Reichsanstalt  am  18.  December  vergangenen  Jahres  referirt.  Der 
berühmte  Paläontologe  ist  jedoch  der  Meinung,  die  Stämmchen 
von  Diplopora  seien  ursprünglich  hohl  gewesen  und  die  sich  in 
der  Regel  findende  Ausfüllung  dieser  hohlen  Röhren  rührte  von 
der  Gesteinsmasse  her,  in  welche  diese  Stämmchen  stets  einge- 
bettet liegen.  Desshalb  stellt  er  dieses  neue  Petrefact  unter  Car- 
penius  Dactylopora,  erklärt  jedoch :  aus  vielen  von  ihm  unter- 
suchten Exemplaren  kein  vollkommen  genaues  ,  zu  einer  klaren 
Zeichnung  genügendes  Bild  der  feineren  Structur  gewonnen  zu 
haben. 

Nach  den  Tausenden  von  Exemplaren ,  welche  sich  in  den 
verschiedensten  Zuständen  der  Erhaltung  in  meinen  Händen  be- 
funden, glaube  ich  indessen  meine  Überzeugung  rechtfertigen  zu 
können,  dass  die  Ausfüllung  des  cylindrischen  Hohlraumes  der 
Stämmchen  meiner  Diplopora  wohl  ursprünglich  zum  Thiere  selbst 
gehört  haben  musste.  Schon  1853  erklärte  ich  pag.  301  in  die- 
sem Jahrbuche:  der  Kern  des  Stämmchens  zeigt  sich 
unter  der  Lupe  als  eine  vollkommen  schwammige 
Masse  durchscheinend,  von  einer  zarten,  äusserst  dünnen  Hülle 
umgeben,  welche  unter  dem  Mikroskope  milchweiss  und  undurch- 
sichtig erscheint.    Aus  dieser  Hülle  sprossen  nun  in  der  Rieh- 


263 


tung  der  Radien  des  Kreises  keulen-,  kegel-  und  röhrenförmige 
Zellen  mit  ihrer  Spitze  in  der  oben  erwähnten,  dünnen  Mem- 
brane sitzend  und  die  weitere  Öffnung  Fig.  1,  lit.  e  bis  i  nach 
aussen  oder  der  Peripherie  gerichtet.  Auch  die  Wände  dieser 
röhrenförmigen  Zellen  bestehen  aus  jener  dünnen,  undurchsich- 
tigen, milchweissen  Membrane  etc. 

Weiter  unten  heisst  es:  die  einzelnen  Zellen  sind  gleich- 
falls mit  einer  schwammigen,  nicht  lamellösen  Masse  ausgefüllt, 
welche  sich  bei  Manchen  in  der  Mitte  des  Zellenbeckens  wie  eine 
Spitze  emporhebt. 

So  habe  ich  die  innere  Ausfüllung  der  cylindrischen  Höh- 
lung der  Diplopora  immer  gefunden,  wo  die  ganze  Masse  des 
Petrefi^ctes  nicht  in  dichten  Kalk  umgewandelt  war,  was  aller- 
dings in  unserem  mächtigen  Kalkgebirge  sehr  häufig  der  Fall  ist. 
Wo  diese  Verkalkung  indessen  nicht  stattgefunden  hat,  da  sind 
sehr  häufig  feine,  genau  begrenzte  Zellenwände  zu  bemerken, 
wie  in  Fig.  1,  lit.  f.  Manchmal  ist  die  Zellenmembrane  verwit- 
tert; da  sind  dann  die  Zellenausfüllungen  als  Körnchen  zurück- 
geblieben, welche  die  Axe  des  Petrefactes  erfüllen,  wie  in  lit.  g; 
sind  mehrere  Zellenräume  ineinandergeflossen,  so  erscheinen 
diese  Ausfüllungen  auch  wurstförmig  u.  dgl.,  wie  in  lit.  e  zu 
sehen. 

Herr  Dr.  Reuss  hält  sich  unter  anderem  auch  dadurch  be- 
wogen, die  Diplopora  zu  der  Dactylopora  zu  stellen,  weil  die 
Zellen  in  die  hohle  cylindrische  Innenseite  des  Petrefactes  ein- 
mündeten. Allein  in  nicht  verwitterten  Exemplaren  ist  von  einer 
wirklichen  Mündung  der  Zellen  in  den  hohlen  Achsenraum  nichts 
zu  bemerken.  In  meiner  allerersten  Beschreibung  von  1852  habe 
ich ,  wenn  ich  auf  die  oben  angeführte  Stelle  nochmal  zurück- 
kommen darf,  gleich  mit  aller  Bestimmtheit  ausgesprochen:  die 
Spitzen  der  Kelche  der  Zellen  sitzen  in  der  dünnen,  milchweissen, 
durchsichtigen  Membrane,  welche  die  schwammige  Achse  wie  ein 
Markcy linder  einschliesst,  wie  das  in  meiner  allerersten  Zeich- 
nung in  diesem  Jahrbuche  1853,  Tafel  VI,  lit.  c,  d,  e,  f  ganz 
genau  angegeben  ist,  ebenso  in  Fig.  6  der  Tafel  LXV,  e  meiner 
Lethaea. 

Bei  verwitterten  und  durch  die  Verwitterung  <ler  Länge  nach 
durchbrochenen  Exemplaren  erscheinen   allerdings    die  Zellen- 


264 


mündungen  in  den  hohlen  Achsenraum  sich  öffnend,  weil  die  innere, 
den  markigen  Kern  umhüllende,  milchvveisse,  undurchsichtige  Schichte 
zerstört  ist,  so  dass  eine  Gestalt,  wie  Fig.  1,  lit.  m,  entsteht. 
Der  innere  Raum,  welchen  nach  meinen  Beobachtungen  die  zel- 
lige Substanz  ausfüllt,  ist  indessen  von  sehr  wechselndem  Durch- 
messer. Oft  und  zwar  gewöhnlich  nimmt  er  des  Durchmes- 
sers des  cylindrischen  Petrefactes  ein,  manchmal  beträgt  er  höch- 
stens ein  Fünftheil  des  Durchmessers  der  Röhre. 

Die  Verwitterung  bewirkt  nicht  selten,  dass,  wenn  die  in- 
nere markige  Ausfüllung  der  Röhre  verschwunden  ist,  auch  die 
innere,  in  unverletztem  Zustande  ebene,  oder  nach  den  Quer- 
falten  nur  sanft  wellige  Fläche  in  scharfe  sägezähneartige  Leisten 
umgewandelt  wird,  wie  Fig.  1,  lit  m  lehrt,  in  welcher  zwischen 
je  zwei  Leisten  immer  die  ausgewitterten  Öffnungen  der  zwei 
Zellenreihen  sichtbar  werden.  Einer  jeden  solchen,  im  Profile 
sägezähneartigen  Ringleiste  im  Innern  entspricht  eine  solche 
sägezähneartige  Erhöhung  auf  der  äusseren  Seite,  so  dass  manche 
der  verwitterten  Stängelchen,  ähnlich  einer  feinen  Schraube,  wie 
von  zarten,  dicht  aneinander  liegenden,  aus  einer  scharfen  Kante 
bestehenden  Ringen  umgeben  erscheinen,  wie  Fig.  1.  lit.  n  lehrt. 
Zwei  solche  scharfe  Ringe  sind  gewöhnlich  einem  gerundeten 
Ringe  der  Dipl.  annulata  gleich  und  die  oberste  Zellenreihe 
bildet  gewöhnlich  die  Ringkante  an  der  Aussenseile. 

Neben  der  Diplopora  annulata  *  habe  ich  unter  anderen 
noch  eine  Dipl  porosa  aufgestellt.  Hr.  Dr.  Reuss  ist  der  Mei- 
nung, dass  beide  Specien  nur  auf  den  verschiedenen  Erhaltungs- 
zustand einer  und  derselben  Speeles  hinauslaufen.  Ich  glaube 
indessen,  meine  Specien  wohl  begründen  zu  können;  denn  bei 
Feststellung  dieser  Specien  habe  ich 

erstens  die  Gestalt  der  Zellen, 

zweitens  ihre  Gruppirung  in  den  einzelnen  Individuen  als 
Anhaltspuncte  genommen.  Bei  den  von  mir  beschriebenen  For- 
men kommen  zwei  sehr  von  einander  verschiedene  Formen  von 
Zellen  vor. 

Die  gewöhnliche  ist  die  keulen-,  rüben-,  auch  becherförmige 


"  Vergleiche  die  Beschreibung  in  meiner  Lethaea  pg.  324.  (Nur  ist 
hier  durch  einen  Druckfehler  statt  der  Fig.  5  die  Fig.  6  citirt ) 


265 


Fig.  1,  lit.  e  bis  1 ;  in  diesem  Jahrbuch  1S53  gezeichnet  auf  Tafel  VI, 
lit.  (i  und  in  meiner  Lethaea  auf  Tafel  LXV,  e^,  Fig.  4,  die  zweite 
Form  ist  die  röhrenförmige  Fig.  1,  lit.  q  und  in  meiner  Le- 
thaea im  Holzschnitte  dargestellt  auf  pg.  328,  lit.  a. 

Die  1i  eulenförmigen  Zellen  sind  gewöhnlich  2  mal,  bis 
2y2,  höchstens  3  mal  so  lang  als  weit:  die  röhrenförmigen  Zel- 
len sind  5  bis  sechsmal  so  lang  als  breit  und  stets  cylindrisch. 
Dass  ich  Gestalten  mit  röhrenförmigen  Zellen  von  denen  mit  keu- 
lenförmigen Zellen  trennte ,  dazu  glaube  ich  wohl  nicht  unbe- 
rechtigt zu  sein.- 

Aber  auch  bei  Individuen  mit  keulenförmigen  Zellen  finden 
in  Hinsicht  auf  Anordnung  und  Gruppirung  der  Zellen  zwei  Ver- 
schiedenheiten statt,  welche  die  Festsetzung  zweier  verschiedener 
Specien  wohl  rechtfertigen  können  5  denn  bei  meiner  Diplopora 
annulata  stehen  die  Zellenreihen  immer  zu  zweien  übereinander, 
Fig.  1,  lit.  a,  und  sind  von  der  nächsten  Zellendoppelreihe  regel- 
mässig durch  einen  Zwischenraum  geschieden,  welcher  gewöhn- 
lich so  breit  ist  als  eine  Zellen-  oder  Poren-Doppelreihe  selbst. 
(Siehe  lit.  k,  m.). 

Bei  meiner  Diplopora  porosa  sind  die  Zellenreihen  auf  der 
ganzen  Oberfläche  und  Höhe  des  Petrefactes,  wie  ich  dieses 
schon  in  ^neiner  Lethaea  pg.  327  auseinandergesetzt,  dicht  an- 
einanderliegend, Fig.  I5  lit.  a  und  i,  ohne  irgend  einen  berrterk- 
baren  Zwischenraum.  Zur  Bestätigung  des  eben  Gesagten  füge 
ich  hier  die  Zeichnung  von  2  Exemplaren  bei,  von  welchen  das 
eine  Exemplar  eine  Diplopora  annulata  Fig.  1 ,  lit.  k,  das  an- 
dere Dipl.  porosa  lit  1  in  unverkennbarer  Weise  darstellt.  Die 
Natur  selbst  ist  uns  hiebei  trefflich  zu  Hilfe  gekommen ;  denn 
in  den  beiden  gezeichneten  Exemplaren  ist  die  Epithek  und  das 
die  Zellen  umhüllende  Coenenchym  verwittert,  und  dafür  sind 
die  Zellen  selbst  unverletzt  stehen  geblieben,  deren  birnförmige 
Form  sich  hier  gleichfalls  auf  das  Genaueste  studiren  lässt. 

Die  Aussenseite  der  eigentlichen  Diplopora  porosa  erscheint 
auf  der  Oberfläche  niemals  horizontal  wellig,  quergerunzelt  oder 
mit  Ringen  umgeben,  wie  die  Diplopora  annulata,  sondern  glatt, 
auch  wenn  sie  in's  Gestein  eingebettet  noch  vollkommen  unver- 
letzt auftritt,  Fig.  1,  lit.  i. 

Eine  andere  Eigenlhümlichkeit  von  Diplopora  ist,  dass  die 


266 


Individuen  gewöhnlich  aus  mehreren  Lagen  bestehen,  welche 
stets  gleiche  Organisation  besitzen,  und  es  könnte  sogar  schei- 
nen, als  ob  diejenigen  Stämnichen,  welche  bloss  aus  einer  ein.- 
zigen  Lage  bestehen,  die  übrigen  durch  Verwitterung  verloren 
haben.  Ich  habe  auch  in  meiner  Lethaea.  pg.  326  wörtlich  ge- 
sagt: »es  gibt  jedoch  auch  Formen,  in  welchen  wirklich  zwei 
Cylinder  in  einander  stecken.  Der  innere  Cylinder  ist  gewöhn- 
lich so  von  Kalkmasse  durchtränkt,  dass  man  seine  Zellen  oft 
auf  keinem  Wege  ausfindig  machen  kann ,  bei  einem  Exemplar 
sind  sie  indessen  noch  zu  bemerken,  Leth,  Fig.  14,  was  zugleich 
lehrt,  dass  die  innere  Röhre  dieselbe  Structur  besitze,  wie  die 
äussere.« 

In  meiner  Lethaea  habe  ich  auch  unter  Fig.  10,  lit.  b  und 
Fig.  12,  13,  14,  15,  17,  19,  20  solche  Figuren  gezeichnet,  welche 
lehren,  dass  hier  ein  Irrthum  nicht  wohl  annehmbar  sei.  Zum 
Überflusse  lege  ich  dieser  Abhandlung  noch  zwei  Figuren  bei, 
welche  das  eben  Gesagte  erläutern,  nämlich  zwei  Querschnitte 
(lit.  e  und  h)  und  zwei  Längenzeichnungen  lit.  o  und  p.  Auf 
dem  Qwerschnilte  lit,  e  sind  die  zwei  in  einander  liegenden  Röh- 
ren von  einander  durch  ein  Coenenchym  getrennt,  in  welchem 
noch  die  zellige  Structur  deutlich  zu  bemerken  ist.  Auch  die 
innere  Röhre  besteht  aus  denselben  Zellen  wie  die  äussere.  Bei 
lit.  h  sind  in  der  inneren  Röhre  die  Zellen  verschwunden,  und 
dieser  innere  Ring  bietet,  wie  das  gewöhnlich  der  Fall  ist,  eine 
homogene,  etwas  dunkel  gefärbte  Kalkmasse  dar. 

Auf  der  Längenzeichnung  lit.  c  sieht  man  die  beiden  Lagen 
einander  berührend,  und  zum  Beweise,  dass  die  innere  Lage  nicht 
bloss  ein  Hohlguss  der  inneren  Seite  der  äusseren  Lage  sei, 
dienen  die  Poren,  welche  auf  der  inneren  Lage  gerade  so  in  die 
Oberfläche  eingesenkt  sind,  wie  auf  der  äusseren,  was  ich  auch  ganz 
klar  durch  meine  Figur  14  der  Tafel  LXV  e  in  meiner  Lethaea 
nachgewiesen  habe.  An  lit.  p  erscheinen  sogar  zwei  Lagen 
über  der  inneren,  sehr  deutlich  geringelten  Röhre. 

Räthselhaft  bleibt  immer  z.  ß.  die  Fortpflanzung,  und  der  ur- 
sprüngliche Standort  dieses  Petrefactes.  Millionen  von  Cubikklaf- 
tern  bestehen  grösstenthals  aus  den  Trümmern  dieser  Stämm- 
chen in  wilder  Unordnung  durcheinander  geworfen ,  zu  einer 
Höhe  von  9000  Pariser  Fuss  sich  aufhäufend,  gemengt  mit  an- 


267 


deren  Specien  von  Amorphozoen,  aber  auch  anderen  Geschlech- 
tern von  Bryozoen,  von  deren  Existstenz  man  bisher  keine  Idee 
hatte.  Um  von  diesen  Gestalten  einen  Begriff  zu  geben,  habe 
ich  in  meiner  Lethaea  einige  dieser  neuen  Formen  anf  Tafel 
LXV  e-,  Fig.  5,  6,  7,  8,  9  und  gerade  über  der  Figur  14  Scy- 
phia  capitata  gezeichnet;  eine  Scyphia  articulata,  von  welcher 
ich  heuer  riesige  Exemplare  erhalten  habe,  ist  pg.  320  in  mei- 
ner Lethaea  in  einem  Holzschnitte  beigefügt.  Als  Begleiter 
obiger  Diploporen  will  ich  hier  unter  lit.  r  noch  eine  kleine,  aber 
sehr  wohlerhaltene  Bryozoe  abbilden.  Sie  ist  eine  sehr  wohl- 
erhaltene Cricopora  nur  von  einem  Millimeter  Durchmesser, 
welche  wahrscheinlich  die  Cricopora  elegans  von  Michelin  ist. 
Die  zarten,  hornartigen  Zellen  sind  zahlreich ,  dicht  neben  ein- 
ander liegend  und  die  Zahl  48  erreichend.  Welch  geognostisches 
Gewimmel  von  Leben  und  Bewegung  in  diesem  Ocean  der  Ur- 
welt ! 

Nie  habe  ich  eines  dieser  Stämmchen  auf  einer  Unterlage 
aufgewachsen  oder  auf  seinem  natürlichen  Standorte  gefunden. 
Es  ist  als  ob  diese  Formen,  von  ihrem  ursprünglichen  Standorte 
fortgerissen,  hier  im  alten  Ocean  zu  Boden  gesunken  seien,  oder 
sich  schwimmend  in  dem  Urmeer  fortgepflanzt  hätten ;  ja  manch- 
mal kann  man  sich  kaum  des  Gedankens  erwehren,  als  seien 
diese  cylindrischen  Geschöpfe  Parasiten  oder  auch  Kerne  der 
ungeheuren  Schwammgebilde,  aus  welchen  die  Gesteinsmassen 
der  allermeisten  Gebirgsmassen  unserer  Kalkgebirge  zu  bestehen 
scheinen.  Schon  in  meiner  Lethaea  pg.  336  habe  ich  bei  Be- 
schreibung der  schlingenartig  gefalteten,  lappigen  Gestalten,  die 
ich  Chaetetes  Maeandrinoides  genannt  und  auf  Taf.  LXV  e-, 
Fig.  12  auch  abgebildet  habe,  bemerkt,  dass  diese  Gestalten  häufig 
übereinander  auftreten  und  eine  Diplopora  oder  eine  Reptomulti- 
Cava  mamilla  oder  auch  eine  Scyphia  als  Nuclus  umschlossen 
enthielten. 

(Jb  übrigens  diese  beschriebene  Diplopora  sich  wirklich  in 
den  Schichten  des  ausgesprochenen  Muschelkalkes  finde,  kann 
ich  nicht  entscheiden.  Die  Stämmchen,  welche  Herr  von  Schau- 
ROTH  im  grauen  Kalk  von  Becoaro  fand ,  sind  so  in  Kalkmasse 
umgewandelt ,  dass  eine  nur  einigermassen  genaue  Analyse  un- 
ausführbar ist.    Was  sich  indessen  durch  Behandlung  mit  Säure 


9 


268 

blosslegen  liess,  bewies,  dass  diese  geringelten  Stämmchen  zu 
meiner  Diplopora  nicht  gehören.  Sie  scheinen  mehr  Ähnlichkeit 
mit  d'Orbigny's  Xodicava  digifafa  oder  Plefhopora  certicornis 
zu  haben  oder  gar  zu  den  Amorphozoen  zu  stellen  sein.  Das 
Cylindrum  annulatum  des  Herrn  Eck  ist  mir  nicht  zu  Gesicht 
gekommen,  er  hat  auch,  so  viel  ich  weiss,  keine  nähere  Beschrei- 
bung dieses  Petrefacles  gegeben. 

Da  jedoch  dieses  Genus  von  Bryozoen  neu  ist  und  früher 
noch  nirgends  gefunden  worden  war.  so  ist  es  natürb'ch  in  dieser 
Hinsicht  zur  Bestimmung  des  Alters  unseres  Zugspitzkalkes  nicht 
tauglich.  Ich  habe  indessen  diese  Versteinerung  hier  absichtlich 
angeführt;  weil  sie,  wenn  auch  nicht  direct  zur  Altersbestimmung 
des  Zugspitzkalkes  anwendbar,  dennoch  ein  sehr  werthvolles 
Mittel  bietet,  die  Identität  einzelner  Berggipfel  in  der  weit  ver- 
breiteten Zone  unserer  Kalkalpen  nachzuweisen:  denn  sie  finden 
sich  durch  die  ganze  Verbreitung  unserer  Kalkalpen  von  Osten 
nach  Westen  sehr  häufig  mit  anderen  Versteinerungen  zusam- 
men, welche  in  dem  eigentlichen  Zugspilzkalke,  oder  auch  um- 
gekehrt, noch  nicht  gefunden  worden  sind. 

Zu  diesen  Petrefacten  gehört  eine  Bivalve,  welche  ich  zu- 
erst in  unserem  Gebirge  fand,  und  in  diesem  Jahrbuch  i85i^  dann 
in  meinen  geognostischen  Untersuchungen  des  bayerischen  Alpenge- 
birges pg.  53  Amculainaequiradiata\}Qsc\\v\Qhkix\,  und  in  diesem 
Jahrbuch  1S52.  pg.  284.  Tafel  3,  Fig.  1  a  und  b  auch  gezeichnet 
habe.  Diese  Versteinerung,  welche  Escher  von  der  Linth  im 
Juli  iS53  als  Ävicula  speciosa  Mer..  also  ein  Jahr  nach  meiner 
Publication  gezeichnet,  wurde  später  von  Prof.  Dr.  ^yI^"KLER  mit 
der  Ävicula  contorta  (Portlock)  zusammengestellt,  und  nach 
Portlock  als  eine  Leitmuschel  für  den  Oberkeuper  oder  das  Bone- 
bed  angenommen.  Sie  kommt  aber  östlich  von  der  Zugspitze 
im  Rosssteingipfel  mit  der  Diplopora  annulaia  \oy  :  die  Diplo- 
pora annulata  würde  also  dem  Bonebed  angehören. 

Ich  gebe  hier  die  Zeichnung  eines  wohlerhaltenen  Exem- 
plars Fig.  2  a.  b.,  um  allen  Einwürfen  gegen  die  Richtigkeit  der 
Bestimmung  vorzubeugen.  Allein  mit  diesen  beiden  Petrefacten 
kommt  nun  zugleich  ein  wohl  ausgebildeter  Verficillites  cretaceus 
vor,  welcher  in  meiner  Lethaea  pg.  433  abgebildet  ist:  neben 
ihr  haben  wir  eine  ebenso  wohlerhaltene  Multlivaltia  dispar^  in 


269 


meiner  Lethaea  pg.  434,  und  eine  Cidarites  elegans,  auf  der- 
selben pagina  Fig.  Sab  abgebildet.  Eine  nicht  weniger  cha- 
rakteristische ünivalve  lege  ich  gleichfalls  in  natürlicher  Grösse 
gezeichnet  bei,  Fig.  Sab,  Es  ist  die  Pleurotomaria  rotella- 
formis  von  Deslongchamps  so  genannt,  die  d'Orbigny  der  S.  Etage 
des  mittleren  Lias  einreiht.  Dicht  neben  dieser  Versteinerung 
finden  sich  in  demselben  Handstücke  grosse  Rhabdophyllien  Mstr. 
(Goniocora)  nebst,  merkwürdiger  Weise,  mehreren  Schalenstücken, 
welche  durch  die  auf  der  Schalenfläche  vertikalen  Kalkprismen, 
aus  welchen  die  Schalenfragmente  zusammenzgesetzt  sind,  jeden- 
falls auf  eine  Inoceramus  hinweisen,  wobei  eine  Wirbelspitze 
ziemlich  gut  erhalten  ist.  Diese  sämmtlichen  Petrefacte  sind  dem 
Bonebed  ganz  fremd  und  deuten  auf  viel  höhere  Schichten. 

Dieselbe  Kalkmasse  des  Rosssteins  enthält  eine  grosse  An- 
zahl eines  von  mir  gleichfalls  zuerst  beschriebenen  Petrefactes, 
das  ich  Ämcula  havarica  genannt  habe. 

Ich  gebe  hier  unter  Fig.  Sab  gleichfalls  eine  ganz  ge- 
treue Abbildung,  um  den  Leser  selbst  urtheilen  zu  lassen.  Wenn 
diese  Avicula  nicht  etwa  eine  Varietät  der  Ämcula  Münsteri  ist, 
so  gehört  sie  dennoch  der  jurassischen  Formation  an;  denn  sie 
kommt  zugleich  mit  zahlreichen  Exemplaren  der  Terehratula 
ascia  Giro,  und  den  übrigen  Terebrateln  des  Vilserkalkes  vor, 
der  nach  Oppel's  Untersuchungen  unzweifelhaft  dem  weissen  Jura 
angehört. 

Zum  Überfluss  findet  sich  in  einem  und  demselben  Hand- 
stücke aus  dem  Graswangthale  noch  der  Ammonites  arduenensis 
d'Orb.,  von  welchem  ich  gleichfalls  ein  wohlerhaltenes  Stück  unter 
Fig.  4  a  b  abbilde.  In  denselben  Kalken  findet  sich  eine  Ver- 
steinerung, die  ich  Chaetetes  scutella  genannt  und  auf  Tafel  69, 
Fig.  S  meiner  Lethaea  gezeichnet  habe,  Sie  erfüllt  die  weissen 
Kalke  unseres  ganzen  Hochgebirges,  z.  B.  des  Wendelsteins,  oft 
beinahe  ganz  allein. 

In  meiner  Lethaea  habe  ich  bereits  den  Spirifer  Walcotti 
gezeichnet  und  genau  beschrieben.  Eine  andere  Zeichnung  lege 
ich  hier  unter  Fig.  5  a  b  c  bei ,  um  darzuthun ,  dass  wir  es 
mit  einem  Spirifer  des  Lias  und  nicht  des  Muschelkalkes  zu  thun 
haben.  Er  gehört  dem  Gestein  der  eigentlichen  Zugspitz-Pyra- 
mide selbst  an. 


270 


Zu  diesen  bisher  bekannt  gemachten  Petrefacten  füge  ich 
noch  höchst  interessante  neue  Funde  hinzu,  welche  alle  der 
Zugspitz-Pyramide  angehören.  Ich  erwähne  zuerst  die  Actaeo- 
nella  crassa  d'Orbigny.  Ich  habe  sie  zuerst  in  meiner  Lethaea 
Tafel  LXV  d,  fig.  3  in  natürlicher  Grösse  aus  dem  Reichenhaller 
Gebirge  abgebildet;  eine  andere  Abbildung  folgt  hier  unter  Fig.  10. 

Seitdem  habe  ich  sie  über  einen  Grad  westlich  von  Reichen- 
hall aus  der  sogenannten  Benedictenwand  bei  Benedictbeuern, 
5538  Pariser  Fuss  über  dem  Meere  und  zuletzt  aus  der  Zug- 
spitze noch  weiter  gegen  Westen  erhalten.  Wir  haben  hier  wie- 
der eine  Versteinerung,  welche  die  entferntesten  Kalkgipfel  un- 
seres bayerischen  Vorderzuges  mit  einander  vel'bindet.  Dass 
diese  Actaeonella  dem  Keuper  und  Muschelkalke  nicht  angehören 
könne,  brauche  ich  kaum  zu  bemerken. 

d'Orbigny  beschreibt  seine  Actaeonella  crassa  aus  dem 
ronieriy  wir  haben  sie  auch  im  unteren  Quader  und  den  Gosau- 
schichten. 

Ebenso  charakteristisch  ist  ein  junger  Spirifer  verrucosus 
oder  rostratus  Fig.  6  a  b. 

Das  kleine  Exemplar  ist  9^^^^  breit,  8^2^^^  hoch  und  5^"^ 
dick.  Ich  habe  noch  eine  vergrösserte  Zeichnung  dieses  Spirifer 
lit.  c  d  e  beigefügt,  um  die  Warzen  sichtbar  zu  machen,  welche 
selbst  auf  dem  Steinkerne  oder  der  Steinausfüllung  noch  jvoll- 
kommen  deutlich  erscheinen. 

Dicht  an  diesem  Spirifer  liegt  die  Bivalve  Fig.  7  a  b  c. 
Es  ist  eine  Halobia,  aber  nicht  die  Halobia  Lommelii,  welche 
man  in  unserem  Kalkgebirge  gleichfalls  gefunden  zu  haben  glaubte, 
sondern  eine  Speeles,  die  ich  Halobia  densicostata  nennen  will. 
Sie  steht  der  Posidonomya  Monssoni  Merian's  ,  welche  Escher 
VON  DER  LiNTH  auf  Tafel  V,  Fig.  46—48  seiner  »geologischen 
Bemerkungen  über  das  nördliche  Vorarlgebirge«  ge- 
zeichnet und  pg.  93  beschrieben  hat,  sehr  nahe,  wenn  sie  nicht 
eine  Varietät  derselben  ist.  Escher  fand  sie  in  dem  Vorgebirge 
des  Comersee's  im  bituminösen  schwarzen  Kalk  bei  der  Sauer- 
quelle von  Regoledo. 

Unsere  Halobia  oder  Posidonomya  uuterscheidet  sich  von 
der  Halobia  Lommelii  schon  durch  ihren  äusserst  zarten  flachen 
Bau.    Concentrische  Anwachsstreifen  oder  Runzeln,  welche  die 


271 


Oberfläche  der  Hai  Lommelii  und  Moussoni  so  wellig  machen, 
sind  bei  unserer  Posidonomya  auch  an  ausgewachsenen  Exempla- 
ren nur  in  der  Nähe  des  Wirbels  bemerkbar,  und  auch  da  nur 
angedeutet. 

Die  ganz  flachen,  breiten  Rippen  der  Schale  entstehen  in 
•  der  Art,  dass  die  flache  Schale  durch  scharfe  radiirende  —  oder 
vom  Wirbel  ausstrahlende  Einschnitte,  .so  scharf  und  fein,  als 
wären  sie  mittelst  der  Klinge  eines  Federmessers  gezogen,  in 
30  und  mehr  Theile  getheilt  ist.  An  der  Innenseite  der  Schale 
entsprechen  den  Einschnitten  des  Aussentheiles  der  Schale  scharfe, 
schmale,  ziemlich  niedrige  Rippen-Leistchen,  Fig.  7,  lit.  c,  welche 
eigentlich  nur  eine  Duplicatur  der  papierdünnen  Schale  zu  sein 
scheinen  Die  am  unteren  Rande  bis  2^12^^  breit  werdenden, 
flachen  Rippen  sind  hie  und  da  durch  zarte  Einschnitte,  welche 
vom  unteren  Rande  ausgehen  und  sich  selten  bis  über  die  Mitte 
der  Höhe  erheben,  wieder  in  zwei  Theile  gespalten. 

Der  schwache  kleine  Wirbel  ragt  nicht  über  den  beinahe 
geraden,  nur  nach  hinten  sanft  sich  etwas  abwärts  krümmenden 
Schlossrand  hervor  und  ist  etwas  aus  der  Mitte  nach  vorne  ge- 
rückt. Der  Wirbel  verläuft  sich  dem  Schlossrande  nahe  in  einer 
schwachen  Wölbung  nach  der  vorderen  wie  nach  der  hinteren 
Seite  der  Muschel  bald  sehr  gleichförmig,  so  dass  die  Muschel 
unter  dem  Wirbel  und  Schlossrande  am  gewölbtesten  erscheint,  am 
unteren  Rande  ist  von  einem  Wirbel  und  seinem  Kiele  gar  nichts 
mehr  zu  bemerken  als  die  breiten  Leisten  Fig.  7,  lit.  b,  welche 
sich  aber  von  da  nach  dem  Hinterrande  zu  sogar  in  zwei  Theile 
spalten  und  sich  manchmal  sanft  dem  Wirbel  zu  krümmen. 

Von  den  Univalven  will  ich  ferner  noch  als  neu  von  der- 
selben Zugspitze  anführen:  Turritellenartige  Gasteropoden  kegel- 
förmig bei  3"  Höhe  und  grösster  Breite  mit  breiter  Basis 
des  Hauptkegels,  an  welchen  sich  mit  scharfer  Kante  die  Basis 
eines  umgekehrten  kürzeren  Kegels  anschliesst,  welcher  die  Mund 
öff'nung  in  sich  trägt.  Die  Turritella  gehört  höchst  wahrschein- 
lich einer  Actaeonina  an,  wie  ich  sie  schon  in  meiner  Lethaea 
Taf.  LXV  e,  Fig.  1  a — d  gezeichnet  habe.  Ferner  zahlreiche 
Rissoinen,  Eulimen,  grosse  Fig.  9,  und  kleine  Trochus-kxlk)\\. 
dann  eine  kleine,  3"™  breite  Monodonia  laevigata  ?,  die  einzige 
der  letzten  angeführten  Univalven,  deren  Mundöff'nung  erhalten 


i 


272 


ist,  so  dass  man  eine  Paludina  vor  sich  zu  haben  glaubte,  wenn 
nicht  das  Wärzchen  an  der  Spindel  wäre. 

Wenn  ich  noch  an  die  im  vorigen  Jahre  in  diesem  Jahr- 
buch pg.  790  bis  802  vom  Wetterstein  beschriebenen  und  ge- 
zeichneten  Petrefacte  erinnern  darf,  unter  welchen  sich  der 
Stachel  einer  Cidaris  coronata  und  die  Ostrea  solitaria  befindet, 
so  wird  wohl  kein  Geognost  diese  sämmtlichen  Versteinerungen 
für  Keuper-  oder  Muschelkalk- Versteinerungen  halten. 

Der  Kalk  des  höchsten  Gipfels  unserer  bayerischen  Alpen, 
des  Zugspitzes,  herab  bis  zu  seinem  Fusse,  nebst  dem  gesamm- 
ten  Wettersteingebirge  kann  desshalb  nicht  der  Trias  angehören, 
sondern  er  muss  in  die  jurassische  Formation  eingereiht  werden. 
Da  ich  aber  nachgewiesen  habe,  dass  unsere  Kalkgebirge  im 
ganzen  Verlaufe  unseres  südlichen  Gebirgszuges  mit  dem  Kalke 
des  Zugspitzes  identisch  sei,  so  müssen  auch  diese  aus  der  Trias'- 
schen  Formation  genommen  und  der  jurassischen  Formation  ein- 
gereiht werden,  wie  ich  das  bereits  vor  20  Jahren  aussprach 
und  in  meinen  folgenden  Beiträgen  durch  Versteinerungen  aus 
dem  östlichen  Theile  des  Wetterstein-Gebirges  genommen  noch 
weiter  nachweisen  werde. 


Beiträge  zur  älteren  Flora  und  Fauna 


von 

Dr.  H.  B.  Heinitz. 

(Mit  Tafel  III.) 


1.  Die  fossile  Flora  in  der  Steinkohlen-Formation  von  Portugal 

nach  B.  A.  GoMES. 

Eine  gedrängte  Schilderung  der  Steinkohlenreviere  in  Por- 
tugal ist  nach  den  bis  zu  dieser  Zeit  vorhandenen  Quellen  in 
unserem  grösseren  Sleinkohlenbuche  »die  Steinkohlen  Deutsch- 
lands und  anderer  Länder  Europa's,  von  H.  B.  Geinitz,  H.  Fleck 
und  E.  HartiGj  München,  1865.  I,  p.  340 — 344«  gegeben  wor- 
den. Es  gereicht  uns  zur  grossen  Genugthuung,  hier  ausspre- 
chen zu  können,  dass  die  dort  vertheidigten  Ansichten  über  das 
Alter  dieser  Steinkohlenlager,  die  wir  a,  a.  0.  S.  406  in  die 
vierte  Hauptzone  der  Steinkohlenzeit,  die  Annularienzone ,  ver- 
setzt haben,  durch  die  neuesten  Untersuchungen  darüber  nur  Be- 
stätigung finden.  In  einer  Abhandlung  der  Commissäo  Geolo- 
gica  de  Portugal,  welche  den  Titel  führt:  Flore  fossile  du  ter- 
rain  carbonifere  des  environs  du  Porto ,  Serra  do  Bussaco ,  el 
Moinho  d'Ordem  pres  d' Aleacer  do  Sal,  par  Bernardino  Antonio 
GoMES,  Lisbonne,  i8ö5«  (4«  44  S..  6  Taf.),  erhält  man  nähe- 
ren Aufschluss  über  sämmtliche  in  den  verschiedenen  Steinkoh- 
lenrevieren Portugals  bis  jetzt  aufgefundene  Pflanzenreste. 

Wir  bedauern  nur,  dass  der  Text  nicht  von  einer  grösseren 
Anzahl  Abbildungen  begleitet  ist.  um  auch  die  Bichtigkeit  aller 
Bestimmungen  von  neuem  prüfen  zu  können,  was  ohne  dieselben 
oder  ohne  Originale  geradezu  meist  unmöglich  ist.    Blickt  auch 

Jahrbuch  1867.  18 


274 


überall  die  Mühe  hindurch,  die  sich  der  Verfasser  gegeben  hat, 
die  Wahrheit  zu  finden,  so  hat  man  doch  in  vielen  Fällen  noch 
keine  Garantie  dafür,  dass  sie  auch  wirklich  gefunden  ist. 

Bei  der, Wichtigkeit  des  Gegenstandes,  welcher  in  dieser 
Abhandlung  von  Gomes  behandelt  worden  ist,  können  wir  nicht 
unterlassen,  das,  was  hier  g^egeben  ist,  etwas  näher  zu  be- 
leuchten. 

Die  geologischen  Formationen,  worin  man  diese  Steinkohlen- 
pflanzen in  Portugal  aufgefunden  hat,  sind  auf  die  Umgebungen 
von  Porto,  von  Bussaco  und  von  Moinho  d'Ordem  in  Alem- 
tejo  bei  Aleacer  do  Sol  beschränkt.  Am  wichtigsten  unter  die- 
sen sind  in  Bezug  auf  Gewinnung  von  Kohlen  die  bei  Porto,  be- 
sonders in  dem  Concelho  de  Gondomar,  wo  sie  das  Stein- 
kohlenbassin  von  S.  Pedro  da  Cova  bilden,  welches  durch 
Carlos  Ribeiro  genauer  beschrieben  worden  ist  (Jb.  1862,  p.  257 
bis  283). 

Bei  Bussaco  ist  die  Menge  der  vorhandenen  Kohlen  un- 
bedeutend, indess  finden  sich  dort  zahlreiche  Pflanzenreste,  welche 
schon  in  Charles  J.  F.  Bunbury  einen  gründlichen  Monographen 
gefunden  haben.  Bei  Moinho  d'Ordem  ist  die  zu  der  Stein- 
kohlenformation gehörende  Reihe  von  Gebirgsschichten ,  ebenso 
wie  die  der  dort  vorkommenden  Pflanzenreste,  sehr  beschränkt 
und  die  Kohle  selbst  fehlt,  vielleicht  in  Folge  von  Wegspülung, 
fast  gänzlich. 

Eine  nähere  Beschreibung  der  dortigen  Lagerungsverhält- 
nisse, welche  Gomes  wieder  gibt,  rührt  gleichfalls  von  Carlos 
Ribeira  her,  welchem  man  auch  die  specielleren  Mittheilungen 
über  die  anderen  Kohlenreviere  verdankt. 

Die  von  Gomes  beschriebenen  Pflanzen  sind  folgende: 

Classis  Cryptogamae  vascieulares. 
Ordo  Calamariae. 

Fam.  Calamlteae  Endl. 

1.   Calamites  Suckowi  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova  und  Povoa. 

CCalam,  decoratus  Bgt.,  den  der  Verfasser  hier  erwähnt, 
unterscheidet  sich  von  C.  Suckowi  durch  seine  Knoten  nicht 
nur  am  oberen  Ende,  sondern  auch  am  unteren  Ende  der 


275 


Rippen.  Die  Abbildungen  von  Brongniart,  Veg.  foss.  I, 
PI.  14,  f.  1 — 5  5  sind  verkehrt  gestellt.  Diese  Art  scheint 
der  Dyas  anzugehören,  wenigstens  kommt  sie  ausgezeichnet 
in  einem  hierzu  gehörigen  Sandsteine  von  Niederwörresbach 
im  Birkenfeld'schen  vor.  —  Unsere  Ansicht  über  Calamites 
communis  Ett.  s.  Jb.  1866,  766.) 

2.  Cal.  undulatm  St.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Gehört  zu  C  cannaeformis  Schl.) 

3.  Cal,  cannaeformis  Schl.,  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova  bei  Er- 
vedoza. 

4.  Cal.  Cisti  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova  bei  Ervedoza  und  Mon- 
talto. 

5.  CaL  gigas  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Man  hat  diese  Art  bisher  nur  in  der  unteren  Dyas  auf- 
gefunden.) 

Farn.  Asterophyllitae. 

6.  Volkmannia  gracilis  St.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Povoa,  Er- 
vedoza, Montalto. 

(Diess  ist  ein  Aster ophyllites,  wie  sich  aus  den  hervor- 
tretenden Gelenkringen  ergibt,  zunächst  an  A.  grandis  St. 
sp.  sich  anschliessend.) 

7.  Aster ophyllites  tubercuJata  Gomes,  p,  4,  Taf.  IV,  f.  1,  — 
von  S.  Pedro  da  Cova  —  stellt  die  Fruchtähre  eines  Aste- 
rophyllites  oder  einer  Annularia  dar,  deren  Abstammung 
nicht  ganz  sicher  ist.  Die  citirte  Abbildung  bei  Lindley 
und  HüTTON  {Foss.  Fl.  PI.  180)  glauben  wir,  auf  Astero- 
phyllites  foliosus  Lindl,  zurückführen  zu  müssen,  Bruck- 
mannia  tuberculata  St.  aber  ist  die  Fruchtähre  von  An- 
nularia longifolia  Bgt.  Die  Abbildung  von  Gomes  weist 
vielleicht  am  nächsten  auf  Asterophyllites  grandis  St.  sp. 
oder  Ast.  rigidus  St.  sp.  hin.  (Vgl.  Geinitz,  d.  Verst.  d. 
Steinkohlenformation  in  Sachsen,  1855,  Taf  XVII.) 

8.  Asterophyllites  rigida  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Richtiger:  Asterophyllites  rigidus  St.  sp.) 

9.  Asterophyllites  tenuifolia  Bgt.  —  Ervedoza  und  Montalto. 

(Die  hier  citirte  Bruckmannia  tenuifolia  St.  gehört  zu 
Asterophyllites  grandis  St.  sp.) 
10.  Annularia  longifolia  Bgt.  —  ßussaco. 

18* 


276 


11.  Annularia  hremfolia  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova. 
(Wahrscheinlich  ist  Ann.  sphenophylloides  Zenker  gemeint.) 

12.  Bechera  dubia  St.  —  Povoa,  Montalto,  Vallongo  und  ßus- 
saco. 

(Statt  Beckera  dubia  Gomes.    Das  Exemplar  bei  Stern- 
berg gehört  wohl  zu  Aster ophyllites  foliosus  Lindl.) 

13.  Sphenophyllum  Schlotheimi  Bot.  —  von  Bussaco.    (=  Sph. 
emarginatum  Bgt.) 

Ordo  Filices. 

14.  Neuropteris  cordata  Bgt.  —  Bussaco. 

15.  N.  Scheuchzeri  Hoffm.  —  Moinho  d'Ordem  bei  Aleacer,  Bus- 
saco. 

16.  N.  acutifolia  Bgt.  —  Moinho  d'Ordem. 

17.  iV.  flexuosa  St.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Villa  Verde,  Poqo 
Esperanga  e  Farrobo. 

18.  N.  Loshi  Bgt.  —  Ebendaher. 

19.  iV.  Brongniarti  St.  =  N.  heterophylla  Bgt.  —  S.  Pedro  da 
Cova. 

20.  N.  auriculata  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova ,  Moinho  d'Ordem 
bei  Aleacer. 

21.  Cyclopteris  dilatata  L.  &  H.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

22.  Odontopteris  Brardi  Bgt.  —  Fönte  do  Salgueiro  in  Bussaco. 

23.  Od,  obtusa  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Galeria  Thomaz. 

(Wird  vom  Verfasser  nur  für  eine  Varietät  der  vorigen 
gehalten.) 

24.  Sphenopteris  cristata  St.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

25.  Sph,  chaerophylloides  St.  —  Pedorido,  Villa  Verde,  P090 
Esperanga  e  Farrobo. 

26    Sphenopteris  erosum  Lindl.  &  Hütt.  Foss.  Fl.  I,  p.  41,  PI.  13. 
—  Von  S.  Pedro  da  Cova. 

(Ist  wohl  nur  durch  Versehen  an  diese  Stelle  gekom- 
men und  gehört  neben  No.  13,  da  Sphenophyllum  erosum 
gemeint  ist.)  * 
27.  Hymenophyllites  Costae  Gomes,  p.  13,  Taf.  V,  f.  1,  2.  — 
S.  Pedro  da  Cova. 

(Diese  Art  erinnert  sowohl  durch  die  Form  ihrer  Fie- 
derchen,  als  auch  durch  ihre  einfachen  Seilennerven  zu- 


277 


nächst  an  Cyatheites  arborescens  und  würde,  der  Abbildung 
und  Beschreibung  nach  zu  schliessen,  weit  eher  hierzu,  als 
zu  einem  Hymenophyllites  gehören  können. 

28.  Diplazites  longifolia  Gö.  —  Bussaco. 

29.  Diplaz.  emarginata  Gö.  —  Covelo. 

(Ist  mit  der  vorigen  zu  vereinen.) 

30.  Alethopteris  lonchitidis  St.  —  Fundort  unbekannt. 

31.  AI.  Dournaisi  Bgt.  sp.  —  Ervedoza  und  Montalto. 

32.  AI.  Grandini  Bgt.  sp.  —  Covelo,  Ervedoza,  Passa],  Montalto, 
Valle  do  Deäo. 

33.  AI.  urophylla  Bgt.  sp.  —  Montalto  und  Vallongo. 

34.  AI.  muricata  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Pedorido. 

(Würde  wohl  richtiger  als  Sphenopteris  muricata  Schl. 
sp.  zu  bezeichnen  sein.) 

35.  AI.  Bucklandi  Bgt.  sp.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

36.  AI.  Brongniarti  Göpp.  =  AI.  pteroides  Bgt.  sp.  —  S.  Pedro 
da  Cova. 

37.  Cyatheites  Schlotheimi  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Povoa,  Val- 
verde, Campos  do  Outeiro. 

(Exemplare  mit  einfachen  Seitennerven  gehören  zu  C, 
arborescens  Schl.  sp.,  die  mit  dichotomen  Seilennerven  zu 
C.  Candolleaneus  Bgt.  sp.) 

38.  C.  arborescens  Schl.  sp.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Povoa,  Valle 
de  Carros,  Ervedoza,  bei  Bussaco,  bei  Moinho  d'Ordem. 

39.  C.  lepidorhachis  Bgt.,  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Zu  C.  Candolleaneus  Bgt.  sp.) 

40.  C.  Oreopteridis  Bgt.  sp.  =  C.  oreopteroides  Gö.  —  S.  Pedro 
da  Cova,  Pedorido,  bei  Bussaco. 

41.  C.  3Iiltoni  Artis  sp.,  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Pedorido. 

42.  Hemitelites  gigantea  Bgt.  sp.,  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Valle 
de  Carros,  Ervedoza,  Montalto,  bei  Bussaco. 

(Pecopteris  gigantea  und  Pec.  punctulata  Bgt.  werden 
wahrscheinlich  von  Cyatheites  confertus  St.  sp.  aufgenom- 
men. Diese  Art  gehört  vorzugsweise  der  unteren  Dyas 
an.) 

43.  Polypodites  elegans  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova  —  (=  Cya- 
theites argutus  Bgt.  sp.,  welche  Art  nach  Bünbury  auch  bei 
Bussaco  vorkommt.) 


278 


44.  Aspidifes  Pluckeneti  Gö.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Pa^al,  P090 
Carlola.  — 

C=  Älethopteris  Pluckeneti  Schl.  sp  ) 

45.  Pecopteris  leptophylla  Bcnb.  CQ^ar^.  Journ.  of  the  Geol.  Soc. 
of  London,  Vol.  9,  p.  144,  PI.  7,  f.  11,  Gomes,  p.  22,  Tab.  III, 
f.  2,  3.  —  Bei  Bussaco  und  bei  S.  Pedro  da  Cova. 

(Diese  Art  mag  vielmehr  zu  Sphenopteris  oder  Hymeno- 
phyllites  gehören .  wofür  auch  die  Bemerkung  von  Gomes 
spricht:  »PinnuUs  fructißcantibus  sori  inferiorem  frondis 
paginam  omnino  oblegentes^^J 

46.  Pec.  plumosa  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(=  Cyatheites  plumosus  Artis  sp.) 

47.  Pec.  delicatula  Bgt.  —  S..  Pedro  da  Cova,  Ervedoza.  Mon- 
talto. 

(=  Cyatheites  delicatulus  Bgt.  sp.,  welche  Art  trotz  ihrer 
nahen  Verwandtschaft  mit  C.  plumosus  dennoch  davon  ab- 
getrennt bleiben  mag.) 

48.  Pec.  obliqua  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Ervedoza,  Montalto, 
bei  Bussaco. 

(W^ahrscheinlich  zu  Älethopteris  gehörig.) 

49.  Pec.  unita  Bgt.  =  Cyatheites  unitus  Bgt.  sp.  —  Pedorido. 

50.  Pec.  lanceolata  St.  —  S.  Pedro  da  Cova.  Passal.  Pedorido. 

(Wie  Hytnenophyllites  Cosiae  Gomes  vielleicht  nur  eine 
Varietät  des  Cyatheites  arborescens.) 

51.  Pec.  abbreviata  Bgt.  S.  Pedro  da  Cova. 

(Diese  Art  ist  mit  Cyath.  Miltoni  Bgt.  sp.  zu  vereinen, 
wozu  auch  Pec.  sp.  Gomes  Tab.  III,  f.  1  gehören  dürfte.) 

Ordo  Selagines. 

Stigmaria  ßcoides  Bgt.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Das  Vorkommen  der  Var.  vulgaris,  welche,  zum  Theil 
wenigstens,  eine  selbstständige  Pflanze  ist,  gewinnt  bei  dem 
Mangel  an  Sigillarien  Wahrscheinlichkeit.  Var.  inaequalis 
Gö.,  welche  Gomes  gleichfalls  dort  gefunden  hat,  kann  auf 
eine  Sagenaria  zurückgeführt  werden,  wenn  audi  nicht  auf 
Sag.  Veltheimiana  St.  sp.,  mit  welcher  sie  in  anderen  Län- 
dern oft  zusammen  vorkommt  und  als  deren  Wurzel  man 
sie  dann  betrachten  kann.    In  einer  ganz  ähnlichen  Stig- 


52. 


279 


marienform  tritt  die  Wurzel  der  Sag.  dichotoma  auf.  Sie 
ist  die  als  Stigmaria  ßcoides  Var.  minor  Gein.  bezeichnete 
Form.) 

53,  Sagenaria  aculeata  St.  sp.,  Presl.  —  S.  Pedro  da  Cova. 
54  Sag.  obovata  St.  —  Monlalto.      '  ^" 

55.  Knorria  imhricata  St.  —  S.  Pedro  da  Cova. 

(Wäre  die  Bestimmung  der  drei  letzten  Arten  vollkom- 
men sicher,  so  würde  dadurch  ein  Beweis  für  ein  höheres 
Alter  wenigstens  einiger  Schichten  von  S.  Pedro  da  Cova 
geboten  worden  sein,  da  diese  beiden  Sagenarien  in  den 
älteren  Zonen  der  Steinkohlenformation ,  Knorria  imhricata 
aber  nur  in  der  ältesten  Zone  derselben  mit  Sagenaria  Velt- 
heimiana  und  Calamites  transitionis  Gö.  zusammen  auftritt. 
Von  beiden  letztgenannten  Arten  ist  jedoch  aus  diesen  Ge- 
genden noch  nichts  bekannt  geworden.) 

56.  Lycopodites  piniformis  Bgt.  —  Bei  Bussaco. 

(=  Walchia  piniformis  Sohl,  sp.) 

57.  Lycopodites  affinis  Bgt.  —  Valle  do  Leäo. 

(—  Walchia  filiciformis  Sohl.  sp.  —  Bestätiget  sich  das 
Vorkommen  dieser  zwei  Walchien,  so  weist  diess  auf  das 
Vorhandensein  der  unteren  Dyas  oder  wenigstens  der 
obersten  Zonen  der  Steinkohlenformation  hin.) 

Plantae  monoeotyledoneae. 
Ordo  Palmas. 

58.  Cordaites  horassifolius  St.  sp.  — -  S.  Pedro  da  Cova,  Passat, 
Pedorido,  bei  Moinho  d'Ordem. 

(Ob  hier  C.  horassifolius  oder  C.  principalis  Germar 
vorlag,  kann  nicht  entschieden  werden,  ist  aber  für  die  Be- 
stimmung der  Zone  nicht  unwichtig.) 

59.  Endogenites  striata  L.  &  H.  —  Bussaco. 

(Diese  keinesweges  sicher  bestimmte  Axe  eines  Stam- 
mes bietet  uns  keinen  Anhaltepunct ,  trotzdem  das  selbst 
noch  räthselhafte  Angiodendron  Orientale  Eichwald  damit 
vereint  worden  ist.) 


280 

Ordo  Noeggerathieae. 

60.  Noeggerathia  sp.  Gomes  p.  32,  Tab.  II.  f.  t,  2.  —  S.  Pedro 
da  Cova. 

(Darf  wohl  mit  Asplenites  elegans  Ett.  vereiniget  wer- 
den, welche  Art  v.  Gutbier  zuerst  als  Sphenopteris  Asple- 
nites beschrieb.    Diese  gehört  zu  den  Farren. 

Ordo  Cyperaceae. 

61.  ?  Cyperites  sp.  Gomes.  p.  32,  Tab.  I,  f.  1—3;  Taf.  V,  f.  3. 
—  S.  Pedro  da  Cova. 

(Hier  tritt  uns  dieselbe  Pflanze  entgegen,  welche  v.  Et- 
tingshausen in  den  Abhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  Bd.  IL 
Steinkohlenflora  von  Radnitz  pg.  59,  Taf.  24,  f.  1.  2,  als 
FldbeUaria  Sternhergi  von  Swina  in  Böhmen  beschrieben  hat.) 

Pruetus. 

62.  Trigonocarpon  Noeggerathi  Bgt.  —  Vallongo  und  Povoa. 

63.  Carpolithes  sp.  Gomes,  Taf.  IV,  f.  2.  —  Moinho  d'Ordem. 

64.  Carpolithes  sp.  Gomes,  Taf.  IV,  f.  3.  —  Moinho  d'Ordem. 

(Dem  Rhabdocarpos  amygdalaeformis  Gö.  d:  Be.,  i848, 
sehr  ähnlich.) 

65.  Carpolithes  ?  Gomes,  Taf.  IV,  f.  5.  —  S.  Pedro  da  Cova,  Val- 
longo, Povoa. 

(Ein  sehr  grosses  Exemplar  eines  Cyclocarpon  Gö.  & 
Fiedler,  iS58.)  — 

Diese  von  Gomes  unterschiedenen  Arten  lassen  sich,  wie  ge- 
zeigt, auf  höchstens  60  zurückführen,  da  No.  2  CCal.  undulatus) 
zu  No.  3  (Cal  cannaefj  gehört,  No.  7  CAst.  tuhercJ)  mit  einer 
anderen  Art  zusammenfällt,  No.  28  und  29  nur  eine  Art  bilden, 
No.  37  CCyath.  SchlotkJ  theils  zu  No.  38  (Cyath.  arbor.),  theils 
zu  No.  39  (Cyath.  Candolleanus)  gehört  und  No.  51  (Tee.  abhrev.) 
mit  No.  41  Cyath.  Miltoni)  identisch  ist. 

Unter  diesen  würden,  unter  Annahme  richtiger  Be- 
stimmungen, nur  No.  55  (Knorria  imbricata)  und  vielleicht 
No.  52  (Stigmaria  Var.  inaequalis)  auf  die  älteste  Zone  der 
Steinkohlenformalion  oder  die  Hauptzone  der  Lycopodiaceen  hin- 
weisen.   Beide  stammen  von  S.  Pedro  da  Cova,  von  wo  gleich- 


281 

zeitig  auch  drei  in  der  unteren  Dyas  beobachtete  Formen,  wie 
Calamites  decoratus  Bgt.,  Cal.  gigas  Bgt.  und  Hemitelites  gigantea 
(No.  42)  aufgeführt  wurden.  Die  beiden  in  der  unteren  Dyas 
so  verbreiteten  Walchien  (No.  56  und  57)  rühren  von  anderen 
Fundorten  dar. 

Walchia  piniformis  Sohl,  sp.,  die  wir  mit  Sicherheit  auch 
in  unserer  vierten  Zone  oder  Hauptzone  der  Annularien  beob- 
achtet haben,  ist  übrigens  leicht  mit  den  jungen  beblätterten  Zwei- 
gen verschiedener  Sagenarien  und  anderer  Lycopodiaceen  zu  ver- 
wechseln und  man  kann  ihre  Existenz  in  der  Steinkohlenforma- 
tion meist  nur  dann  mit  Sicherheit  annehmen,  wenn  die  von  ihr 
abstammenden  Fruchtschuppen  (Geinitz  ,  Dyas  II,  p.  143, 
Taf.  XXIX,  f.  5,  6:  Taf.  XXXI,  f.  5—10)  gleichzeitig  damit  zu- 
sammen oder  in  der  Nähe  jener  Zweige  gefunden  worden  sind. 

Der  schon  von  Bunbury  erwähnte  und  auch  durch  Gomes 
noch  nicht  beseitigte  Mangel  an  Sigillarien  in  den  Stein- 
kohlenrevieren von  Portugal  ist  ein  negativer  Beweis  für  das 
Fehlen  der  zweiten  Zone  oder  der  Hauptzone  der  Si- 
gillarien, wiewohl  Sagenaria  aculeata  und  Sag.  ohovata  (No.  53 
und  54)  gerade  diesen  Horizont  lieben. 

GoaiES  ist  selbst  zu  der  Ansicht  gelangt,  dass  die  fossilen 
Floren  von  den  drei  hier  behandelten  Steinkohlenrevieren  im  Ali- 
gemeinen keine  so  wesentlichen  Unterschiede  darbieten,  dass  man 
eine  Trennung  derselben  in  verschiedene  Zonen  vornehmen  könne, 
dass  sie  aber  von  der  Flora  der  älteren  Steinkohlen ,  oder  der 
Hauptzone  der  Lycopodiaceen,  wesentlich  verschieden  sei. 
Darin  müssen  wir  ihm  vollkonnuen  beistimmen ,  indem  wir  zu- 
gleich eine  neue  Prüfung  der  als  Knorria  imbricata  bezeichneten 
Form  anrathen. 

Wenn  man  ferner  nach  den  gegenwärtigen  xAufschlüssen 
auch  die  zweite  Zone,  die  Hauptzone  der  Sigillarien,  dort 
vermisst.  so  wird  man  auf  eine  der  jüngeren  Zonen  der  Stein- 
kohlenformation verwiesen,  die  wir  schon  früher  als  dritte, 
vierte  und  fünfte  Zone,  oder  Hauptzone  der  Calamiten,  der 
Annularien  und  der  Farne  unterschieden  habim  *. 

*  183S,  die  Versteinerungen  der  Steinkohlenformation  in  Sachsen  — 
1S36,  Geogn.  Darst.  d.  Steinkohlenformation  in  Sachsen.  —  1S66,  die  Stein- 
kohlen Deutschlands  und  anderer  Länder  Europa's  L 


282 


Unter  diesen  erscheint  die  Hauptzone  der  Calamiten 
von  einer  weit  localeren  Verbreitung  als  die  ihr  nachfolgenden 
Zonen,  vielleicht  desshalb ,  weW  in  ihre  Bildungszeit  die  Ent- 
stehung von  mehreren  älteren  Porphyren  gefallen  ist,  was  sich 
insbesondere  aus  den  Untersuchungen  in  Sachsen  herausgestellt 
hat.  Nach  ihrem  petrographischen  Charakter  unterscheiden  sich 
die  Steinkohlenflötze  dieser  Zone  durch  das  Vorherrschen  einer 
ganz  vorzugsweise  aus  Calamiten  gebildeten  Russ-  oder  Faser- 
kohle, womit  die  uns  bekannte  Beschaffenheit  der  portugiesischen 
Steinkohlen  keinesweges  übereinstimmt.  Pechkohlenstreifen  in 
den  Russkohlenflötzen  rühren  in  Sachsen  meist  von  Sigillarien 
und  Lycopodiaceen  her,  welche  in  dieser  Zone  nicht  selten  sind. 

Man  erkennt  wohl,  wie  unter  diesen  Verhältnissen  die  jenen 
Steinkohlenlagern  angewiesene  Stellung  in  die  Hauptzone  der 
Annularien  naturgemäss  war,  da  auch  die  von  Gosies  be- 
schriebenen Pflanzen  zum  grössten  Theile  auf  eine  der  oberen 
Zonen  hinweisen.  Dem  Umstände  aber,  dass  einige  unter  diesen 
sind,  welche  man  mehr  in  der  zweiten  und  dritten  Zone  anzu- 
treffen pflegt,  während  andere  wiederum  nur  an  die  vierte  oder 
fünfte  Zone  gebunden  sind  und  sogar  in  die  Dyas  reichen,  ist 
dadurch  Rechnung  getragen  worden,  dass  wir  gerade  die  Annu- 
larienzone  und  nicht  die  Hauptzone  der  Farne  als  die  richtige 
Stufe  betrachten ,  welcher  auch  die  anthracitischen  Kohlenlager 
von  Sardinien,  Insel  Corsica  und  Jane  in  Toscana,  oder  die  Stein- 
kohlenformation des  Plauen'schen  Grundes  bei  Dresden  ange- 
hören. Während  die  untere  Etage  der  productiven  Steinkoh- 
lenformation, die  an  Sigillarien  reiche,  mit  der  Bildung  der  Ca- 
lamitenzone  geschlossen  hat,  wofern  deren  Entwickelung  nicht 
durch  die  Entstehung  plutonischer  Gesteine  verhindert  oder  gestört 
worden  ist,  hat  die  obere  Etage  der  productiven  Steinkohlen- 
formation mit  der  Annularienzone  begonnen  und  mag  allmählich 
in  die  Farnzone  verlaufen  sein. 

Unsere  gesammten  Untersuchungen  im  Gebiete  der  Stein- 
kohlenformation führen  uns  immer  und  immer  wieder  zu  dieser 
Gliederung  hin : 


283 


Ältere  Steinkohlenformation.     I.  Hauptzone  der  Lycopodia 
(Culm.)  ceen. 


Untere  Eldge  der  productiven 
Steinkohlen  -  Formation  oder 
nnittlere  Steinkohlen-Forma- 
tion. 


II.  Haiiptzone  der  S igil  1  ari e n. 


III.  Hauplzone  der  Calamiten. 


Obere   Etage    der   productiven  iIV.  Hauptzone    der  Annula- 
Steinkohlen  -  Formation    oder]  rien. 
obere   Steinkohlen -Forma-  J 

tion.  (  V.  Hauptzoe  der  Farne. 

Untere  Dyas.  VI.  Hauptzone  der  Walchien. 

2.    Über  organische  Überreste  aus  der  Steinliohlengrube  . 
Arnao  bei  Aviles  in  Asturien. 

Taf.  III,  Fig.  1,  2. 

Noch  weit  geringer,  als  von  Portugal,  ist  die  bisherige 
Kenntniss  der  organischen  Überreste  in  der  Steinkohlenformation 
von  Spanien  geblieben ,  wenn  man  auch  so  viel  Anhaltepuncte 
schon  gewonnen  hat,  dass  man  die  Schwarzkohlenlager  im  nörd- 
lichen Spanien  an  den  beiden  Abhängen  der  Cantelabri- 
schen  Gebirgskette,  ebenso  wie  die  Kohlenmulde  von  Bei- 
mez und  Espiel  und  jene  von  Villa  nueva  del  Rio  in  der 
Provinz  Sevilla ,  der  productiven  Steinkohlenformation  und  zwar 
zumeist  deren  Sigillarienzone  zuweisen  konnte.  (Vgl.  Geinitz, 
Fleck  und  Hartig,  die  Steinkohlen  Deutschlands  und  and.  Lander 
Europas,  J865,  h  p.  344—348  und  p.  406.)  Schon  desshalb 
war  es  für  uns  eine  grosse  Freude,  durch  den  uns  befreundeten 
Director  der  Real  Compania  Ästuriana  in  Aviles,  Asturien,  Herrn 
Martin  Flathe,  eine  Sendung  von  Steinkohlenpflanzen  und  ande- 
ren Fossilien  aus  der  dieser  Compagnie  gehörenden  Grube  Arnao 
bei  Aviles  zu  erhalten,  worüber  wir  hier  berichten. 

Die  dort  vorherrschende  Steinkohle  schiiesst  sich  eng  an  die 
Pechkohle  an  und  entspricht  am  meisten  den  Sigillarienkohlen. 
Dr.  H.  Fleck  fand  ihr  specifisches  Gewicht  —  1,357. 

Uber  ihr  chemisches  Verhalten  soll  an  einem  anderen  Orte 
berichtet  werden. 

Ausserdem  waren  eine  Probe  von  Faserkohle  und  ein  paar 


284 


Stücke  verkokte  Kohle  beigefügt,  welche  letztere  durch  einen 
Grubenbrand  entstanden  war. 

Pflanzenreste  sind  in  dem  Kohlengebirge  hier  ziemlich  selten, 
doch  liessen  sich  in  dieser  Sendung  unterscheiden: 

1.  Calamites  cannaeformis  Schl.,  sowohl  im  Schieferthon  als 
auch  im  Kohlensandsteine, 

2.  Calamites  Suckowi  Bgt.  im  grauen  Schieferthone, 

3.  Neuropteris  gigantea  ?  St.  dessgl., 

4.  Odontopteris  Brardi  Bgt.  dessgl., 

5.  Cyatheites  dentatus  Bgt.  im  Schieferthone  und  im  Sand- 
steine, 

6.  Älethopteris  Pluckeneti  Schl.  sp.  im  Schieferthone, 

7.  Cordaites  horassifolius  St.  sp.  Blätter  und  Axe  des  Stam- 
mes (Artisia  approximata  =  Sternhergia  app.  Lindl.  & 
Hütt.), 

8.  Sigillaria  Brardi  Bgt.,  in  mehreren  sehr  deutlichen  Exem- 
plaren auf  einem  sandigen  Schieferthone. 

9.  Sigillaria  cyclostigma  Bgt.  &  Gein., 

10.  Sigillaria  Knorri  ?  Bgt., 

11.  Sigillaria  Dournaisi  ?  Bgt.  und 

12.  Sigillaria  mamillaris  ?  Bgt., 

welche  drei  letzteren  wegen  ihrer  Undeutlichkeit  keine  vollkom- 
men sichere  Bestimmung  zugelassen  haben.  Doch  beweisen  diese 
Pflanzen  von  neuem,  dass  die  Flötze  der  Grube  Arnao  der 
Sigillarienzone  angehören. 

Gleichzeitig  übersandte  Herr  Flathe  zwei  Crinoideen-Kelche 
aus  einem  kalkigen  Rotheisensteine,  der  in  dem  westlichen  Theile 
des  Grubenfeldes  Arnao,  wahrscheinlich  in  Folge  einer  Überkip- 
pung, über  der  Kohle  liegt.  Zur  Bestimmung  des  Alters  dieser 
Schicht  wird  uns  kein  weiterer  Anhallepunct  gegeben,  doch  ge- 
hört sie  wahrscheinlich  der  Carbonformation  an. 

Das  Bemühen ,  diesen  Crinoiden  auf  eine  schon  bekannte 
Form  zurückzuführen,  war  ein  vergebliches  und  wir  müssen  ihn 
selbst  zum  Typus  einer  neuen  Gattung  erheben: 

Tryblioorinus  Gein. 
Taf.  III,  Fig.  1,  2.  —  {rpvßXiov,  Schale,  Becher:  Kpivos^  Lilie.) 

Die  Form  dieses  Crinoiden-Kelches  entspricht  einer  Schale 


285 


oder  einem  niedrigen  Becher  mit  einer  ebenen  oder  flach-con- 
caven,  breiten  Grundfläche.  Das  letzte  Stück  der  verhäitniss- 
mässig  dicken,  rundlichen  Säule,  das  von  den  Tafeln  des  Kelches 
scharf  begrenzt  wird,  senkt  sich  fast  trichterförmig  in  den  Kelch 
hinein  und  lässt  auf  seiner  Gelenkfläche  eine  feine  radiale  Strei- 
fung wahrnehmen.  Daran  stösst  unmittelbar  ein  aus  10 — 12  un- 
gleichen Gliedern  bestehender  Ring,  in  welchem  neben  fünf  un- 
gleichen Basalstücken  auch  die  Kelchradien  unmittelbar 
ihren  Anfang  nehmen.  Die  letzteren  sind  in  der  Abbildung  durch 
punctirte  Linien  hervorgehoben.  —  Dieser  Charakter  nähert  un- 
sere Gattung  dem  Cleiocrinus  Billings  {Geol.  Surv.  of  Canada, 
Dec.  IV,  1859,  p.  52  u.  f.),  doch  ist  sie  weit  unregelmässiger 
und  complicirter  gebauet,  als  diese,  durch  das  Vorhandensein  zahl- 
reicher Interradialstücke  sowohl  zwischen  den  Kelchradien .  wo- 
durch sie  den  Gattungen  Rhodocrinus  Miller  und  Glyptocrinus 
Hall  genähert  wird,  als  auch  durch  Zwischentafeln  in  der  Rich- 
tung der  Kelchradien  selbst,  welche  sich  zwischen  die  Haupt- 
reihen eindrängen  und  den  Kelch  sehr  erweitern.  — 

Jeder  Kelchradius  besteht  aus  2 — 3  Stücken.  Die  mit  a 
und  c  bezeichneten  besitzen  deren  nur  2,  von  denen  das  erstere, 
kleinere  fast  vierseitig,  das  zweite,  grössere  5--6seitig  ist  und 
als  Axillarglied  gilt.  An  dem  mit  b  unterschiedenen  Kelch- 
radius liegen  3  Tafeln  in  einer  Reihe ,  unter  welchen  die  erste 
sehr  niedrig  ist,  die  zweite  ein  regelmässiges  Sechseck,  die  dritte 
aber  ein  regelmässig-fünfseitiges  Axillarglied  bildet.  Die  Kelch- 
radien e  und  d  bestehen  zwar  auch  aus  drei  Tafeln,  doch  in 
einer  anderen  Ordnung,  indem  je  2  untere,  neben  einander  ge- 
legene für  nur  ein  Stück  der  anderen  Kelchradien  eintreten, 
woran  sich  ein  sechsseitiges  Axillarglied  schliesst. 

Es  sind  demnach  7,  .^tatt  fünf,  in  ihrer  Form  und  Grösse 
sehr  ungleiche  Stücke  vorhanden ,  mit  welchen  die  fünf  Kelch- 
radien beginnen  und  welche  mit  den  5  ebenso  ungleichen  Basal- 
stücken den  untersten  Ring  an  der  Basis  des  Kelches  zusammen- 
setzen. 

An  ein  jedes  Axillarglied  der  5  Kelchradien  reihet  sich  nach 
oben  hin  jederseits  eine  öseitige  Tafel  an,  welche  den  Anfang 
von  2  divergirenden  Hauptreihen  bildet,  die  aber  durch  ähnlich 
gestaltete  Zwischentafeln  in  der  Richtung  der  Kelchradien  und 


286 


andere ,  an  letztere  grenzende  Tafeln  von  einander  geschieden 
werden.  Die  Abnahme  in  der  Grösse  der  Tafeln  erfolgt  nach 
oben  hin  in  einer  ganz  ähnlichen  Weise,  wie  bei  Cleiocrinus, 
was  aus  der  Seitenansicht  Fig.  2  hervorgeht. 

Als  Interradialstücke  wird  man  alle  die  ziemlich  un- 
regelmässig gestalteten  und  vertheilten  grösseren  Tafeln  bezeich- 
nen müssen,  welche  sich  zwischen  den  durch  eine  punctirte  Linie 
bezeichneten  Kelchradien  und  den  Basalstücken  einerseits  und 
jenen  von  dem  ersten  Axillargliede  des  [{elchradius  aus  nach 
beiden  Seiten  hin  divergirenden  Tafelreihen  anderseits  ausbreiten. 

Unsere  Abbildung  lässt  von  denselben  zwischen  je  zwei 
Kelchradien  5 — 6  wahrneh?nen,  wie  diess  in  ähnlicher  Weise 
auch  bei  Rhodocrinus  und  Glyptocrinus  der  Fall  ist,  denen  wahr- 
scheinlich nach  oben  hin  noch  eine  weit  grössere  Anzahl  von  klei- 
nen Tafeln  folgt. 

Gl.  Flatheanus  Gein. 
'  Taf.  III,  Fig.  1,  2. 

Die  einzige  bis  jetzt  bekannte  Art  dieser  Gattung  erreicht 
die  doppelte  Grösse  des  hier  abgebildeten  Exemplars  und  zeich- 
net sich  durch  eine  fast  glatte  Beschaffenheit  sämnitlicher  unteren, 
grösseren  Kelchtafeln  aus,  dagegen  nehmen  die  oberen,  kleineren 
Tafeln  eine  höckerige  Beschaffenheit  an.  —  Das  obere  Ende  des 
Fossils  ist  nicht  deutlich  erhalten.  —  An  dem  grösseren  Exem- 
plare erscheinen  die  Tafeln  etwas  flacher  und  glatter  als  an  dem 
kleineren. 

Auf  einem  der  beiden  uns  vorliegenden  Exemplare  ist  eine 
der  überrindenden  Varietät  von  Stenopora  columnaris  Schl.  ähn- 
liche Koralle  befestiget. 

3.  Über  Dictyophpton  ?  Lieheanum  Gein.  aus  dem 
Culmschiefer  vom  Heersberg-e  zwischen  Gera  und  Weyda. 

Taf.  III,  Fig.  3. 

Die  Bemerkungen  von  J.  Hall  über  die  Gattungen  Uphan- 
taenia  und  Dictyophyton  in  dem  16.  Jahresberichte  über  das 
„State  Cabinet  of  Natural  History^^  in  dem  Staate  New-York, 
Albany,  1863,  p.  84 — 91,  haben  eine  Reihe  fossiler  Überreste 
aus  der  zum  oberen  Devon  gehörenden  Chemung-Gruppe  zur 


287 


Anschauung  gebracht,  welche  von  Hall  zu  den  Algen  gestellt 
worderl  sind.  Unter  diesen  ist  Uphantaenia  Chemungensis  Va- 
NUXEM,  die  einzige  Art  dieser  Gattung,  in  folgender  Weise  be- 
zeichnet: 

Uphantaenia  Vanuxem. 

Ein  kreis-  oder  fächerförmiger  Körper,  der  aus  zungenför- 
mig  ausstrahlenden  und  bandförmigen  concentrischen  Streifen  zu- 
sammengesetzt ist,  wodurch  in  seiner  Substanz  eine  netzförmige 
Anordnung  entsteht,  welche  nicht  nur  durch  eine  oberflächliche 
Streifung  hervorgebracht  ist. 

Für  die  durch  ihre  Textur  mit  Uphantaenia  nahe  verwandten 
Körper,  die  sich  jedoch  hiervon  meist  durch  eine  verkehrt-kegel- 
förmige oder  fast  cylindrische  Gestalt  unterscheiden,  ist  der  Gat- 
tungsname Dictyophyton  in  Vorschlag  gebracht  worden. 

Dietyophyton  Hall. 
Fächer-  oder  trichterförmige  Körper  mit  einem  umgekehrt- 
kegelförmigen oder  cylindrischen  hohlen  Stengel  und  mit  zahl- 
reichen, sich  durchkreuzenden  Streifen  bedeckt,  durch  welche  die 
Oberfläche  in  kleine ,  rechtwinkelige ,  vertiefte  Zwischenräume 
zerfällt. 

Bei  einigen  Arten  heben  sich  unter  den  ausstrahlenden 
Streifen  mehrere  rippenartig  hervor,  welche  theils  in  regelmässi- 
gen, theils  in  unregelmässigen  Entfernungen  feinere  Streifen  ein- 
schliessen.  Durch  wiederholte  Einschnürung  des  Stengels  bei 
einigen  Arten  schwellen  die  stärkeren  Streifen  zu  schmalen  oder 
länglichen  Höckern  an. 

Die  von  J.  Hall  unterschiedenen  Arten  sind : 

D.  Newherryi  Hall,  D.  filitextile  Hall,  D,  Redßeldi  Hall, 
D.  Conradi  Hall,  D.  riide  Hall,  D.  fenestratum  Hall,  D.  annu- 
latum  Hall,  D.  tuberosum  Hall  (=  Hydnoceras  tuberosum  Con- 
rad) und  D,  nodosum  Hall. 

Unter  diesen  ist  D.  tuberosum  Hall  von  Dawson  (Quart. 
Journ.  of  the  Geol  Sog.  of  London,  Vol.  XVIII,  p.  325,  PI.  17, 
f.  62) 'mit  Uphantaenia  Chemungensis  Van.  vereiniget  worden. 

Wir  möchten  diesen  Arten,  wenn  auch  nicht  ohne  einiges 
Bedenken,  eine  neue  hinzufügen,  deren  geologischer  Horizont 
von  jenem  der  Chemung-Gruppe  nicht  sehr  entfernt  liegt: 


288 


Diotyophyton  Liebeanum  Gein. 

Diese  Art  bildet,  wohl  nur  in  Folge  der  Zusammendrückung, 
flache,  fächerartige  Ausbreitungen,  welghe  von  eng  aneinander 
liegenden,  ziemlich  gleich  starken,  ausstrahlenden  Streifen  be- 
deckt wird,  die  sich  zu  unregelmässigen,  wellenförmigen,  flachen 
Falten  gruppiren.  Diese  Streifen  werden  von  entfernlliegenden, 
etwas  wellenförmigen  Streifen,  förmlichen  Anwachsstreifen,  durch- 
kreuzt, welche  verbieten,  diesen  Organismus,  trotz  ihrer  übrigen 
Ähnlichkeit,  mit  Noeggerathia  zu  vereinen. 

Die  Dicke,  der  in  Stein  umgewandelten  Substanz  des  Fossils 
beträgt  noch  nicht  1"^°^. 

Unsere  Abbildung  in  der  wirklichen  Grösse  lässt  erkennen, 
dass  sowohl  die  ausstrahlenden,  als  auch  die  jene  durchkreu- 
zenden Streifen  auf  beiden  gegenüber  liegenden  Flächen  des 
Fossils  gleich  gut  bemerkbar  sind.  Der  mit  a  unterschiedene 
Theil  zeigt  die  eine,  der  mit  b  bezeichnete  den  Abdruck  der  an- 
deren Fläche. 

Vorkommen:  Diese  Art  ist  von  Herrn  Professor  Dr.  Liebe 
in  Gera  in  einem  zu  dem  Culm  oder  der  älteren  Kohlenformation 
gehörenden  Grauwackenschiefer  des  Heersberges  zwischen  Gera 
und  Weyda  aufgefunden  worden,  wo  auch  Calamites  transüionis 
Göpp.  vorkommt. 

4.    Über  ?  Trigonocarpus  Roessleri  Gein. 

Taf.  III,  Fig.  4. 

Von  Trigonocarpus  (Trigonocarpon)  Roessleri  Gein.  (Dyas, 
II,  1861—62,  p.  147,  Taf.  34,  f.  1)  ist  bisher  nur  ein  einziges 
Exemplar  aus  der  unteren  Dyas  an  der  Naumburg  in  der  Wet- 
terau  beschrieben  worden,  das  jedoch  scharf  genug  ausgeprägt 
schien,  um  eine  neue  Art  darauf  zu  begründen.  Diese  ist  von 
anderen  Arten  dieser  Gattung  durch  ihre  12  von  dem  Scheitel 
nach  der  Basis  strahlenden  Längsrippen  unterschieden. 

Durch  die  Güte  des  Herrn  Bergmeister  Schütze,  Director 
der  Bergschule  in  Waldenburg,  wurde  mir  das  Taf.  III,  Fig.  4 
abgebildete  Fossil  zur  Bestimmung  anvertraut,  in  welchem  viel- 
leicht der  Jugendzustand  dieser  Frucht  vorliegt. 

Von  einem  gestreiften  Stengel  gehen,  an  dem  vorliegenden 


289 


Exemplare  nur  nach  einer  Seite  hin,  kurze,  abstechende  Zweige 
aus,  an  denen  sich  wenige,  gegen  3,  kurzgestielte  Früchte  be- 
festigen. Diese  erscheinen ,  wahrscheinlich  durch  Zusammen- 
drückung, flach  schildförmig  oder  scheibenförmig,  in  kreisrund- 
elliptischer Form  und  von  etwa  5^^  Durchmesser. 

Wo  diese  Körper  von  der  verkohlten  Substanz  der  Frucht 
noch  bedeckt  sind,  ist  ihre  Oberfläche  rauh,  insbesondere  an  dem 
mit  b  bezeichneten  Individuum,  das  noch  von  der  Fruchthülle  be- 
deckt zu  sein  scheint,  und  zum  Theil  ausstrahlend  gefaltet,  wo 
aber  verkohlte  Fruchtsubstanz  fehlt,  unterscheidet  man  sehr  deut- 
lich 12  regelmässig  angeordnete,  ausstrahlende  Linien,  welche 
die  flach  vertiefte  und  an  ihrem  Rande  meist  wulstförmig  er- 
hobene Scheibe  in  12  keilförmige  Stücke  zertrennen.  (Vgl.  die 
Vergrösserung  A  von  Fig.  4  a).  Diese  Linien  würden  den  schma- 
len Längsrippen  der  Aussenseite  entsprechen ,  welche  für  diese  ^ 
Frucht  bezeichnend  sind. 

Man  hätte  es  offenbar  hier  nur  mit  dem  noch  weichen  Ju- 
gendzustande dieser  Früchte  zu  thun,  an  welchem  die  Längsrip- 
pen noch  eine  zartere  Beschaff'enheit  besassen,  als  an  dem  älte- 
ren, aus  der  Wetterau  abgebildeten  Exemplare.  Auch  die  dünne 
verkohlte  Substanz,  welche  diese  Körper  bedeckt,  weist  darauf  hin. 

Mit  dieser  Deutung  des  noch  räthselhaften  Fossils  würde 
nach  unseren  bisherigen  Erfahrungen  über  die  geologische  Ver- 
theilung  fossiler  Pflanzen  die  Annahme  einer  Cycadeen-artigen 
Form  in  der  unteren  Dyas  weit  mehr  übereinstimmen,  als  die 
Herbeiziehung  einer  anderen  Pflanzenfamilie,  deren  Formen  theil- 
weise  noch  grössere  Ähnlichkeit  hiermit  zeigen,  als  gerade  Tri- 
gonocarpus  Roessleri.  — 

Wenn  man  von  Annularia  sphenophylloides  Zenker,  deren 
Wirtel  diesen  Früchten  nicht  unähnlich  sind,  desshalb  gänzlich 
absehen  muss,  da  an  dem  Stengel  unseres  Fossils  keine  Spur 
einer  Gliederung  wahrzunehmen  ist,  so  würden  etwa  die  Früchte 
von  Malva,  von  Phytolacca  und  von  Hura  crepitans  L.,  bei  ihrer 
scheibenförmigen  und  vielfächerigen  BeschalFenheit,  in  einer  ühn-  - 
liehen  Gestalt  erscheinen.  Gegen  eine  jede  dieser  Gattungen 
lassen  sich  jedoch  nicht  nur  von  geologischer,  sondern  auch  von 
botanischer  Seite  aus  sehr  gerechte  Bedenken  erheben,  wie  der 
Mangel  des  Kelches,  von  welchem  an  den  beiden  obersten  Exem- 

Jahrbuch  1S67.  19 


290 

plaren  eine  Andeutung  wenigstens  zu  finden  sein  müsste ,  die 
Insertion  der  Fruchtzweige,  ein  anderes  Zahlengesetz  in  der  Em- 
theilung  ihrer  Früchte  u.  s.  w. 

Ebenso  gewagt  erscheint  es  aber  auch,  diess  Fossil  mit  den 
Früchten  der  zu  den  Tiliaceen  gehörenden  Gattung  Apeibopsis 
Heer  (Flora  terL  Helvetiae  III,  1859,  p.  37,  Taf,  CXVIII  und 
CLIV)  in  Beziehung  zu  bringen,  wiewohl  hiermit  eine  unverkenn- 
bare Ähnlichkeit  vorhanden  ist. 

Wahrscheinlicher  würde  noch  die  Annahme  sein .  dass  man 
in  vorliegenden  Körpern  mit  gar  keiner  Frucht,  sondern  nur  mit 
einer  kelchartigen  Fruchlhülle  zu  thun  habe,  wie  sie  bei  Gni- 
lielma  und  einigen  anderen  Palmen  gefunden  wird. 

Muss  demnach  eine  sichere  Entscheidung  über  die  Verwandt- 
schaft dieses  Fossils  noch  der  Zukunft  offen  gelassen  werden, 
so  haben  wir  doch  nicht  länger  anstehen  wollen,  die  Aufmerk- 
samkeit darauf  zu  richten,  da  man  hoffen  darf,  dass  der  es  noch 
bedeckende  Schleier  um  so  eher  gelüftet  werde. 

Vorkommen:  Mit  Walchia  piniformis  Schl.  sp.  und  Odont- 
opteris  obtusiloba  Naum.  zusainmen  in  einem  zur  unteren  Dyas 
gehörenden,  bräunlich -grauen  Schieferthone  vom  Ölberge  bei 
Braunau,  dem  berühmten  Fundorte  des  Palaeosiren  Beinerti  Gein. 
(Jb.  i8ö4,  p.  513)  und  vieler  anderer  von  Göppert  beschriebenen 
Arten 


über  die  chemischen  Vorgänge  im  Fossilien-Biidungs- 

Processe 

von 

Herrn  Dr.  H.  Fleck« 

Professor  der  Chemie  am  kgl.  Polytechnicum  in  Dresden. 


Die  wissenschaftlich  allgemein  adoptirte  Annahme  des  Ver- 
moderungs-Processes  als  wichtigste  Grundlage  in  der  Fossilien- 
Bildung  kann  nur  dann  eine  vollgültige  Verwerthung  finden,  so- 
bald es  gelingt,  den  chemischen  und  physikalischen  Umsetzungs- 
Erscheinungen,  wie  sie  in  diesem  Zersetzungs-Processe  unter- 
gehender und  untergegangener  Vegetationen  verlaufen,  einen 
allgemeinen  und  leicht  handhabbaren  Maassstab  unterzubreiten, 
durch  dessen  Annahme  sich  der  Wahrheit  thunlichst  nahe  kom- 
mende Schlüsse  aus  den  gegebenen  Thatsachen  ableiten  und  auf 
bereits  vollendete  übertragen  lassen. 

Dieser  Grundsatz  leitete  den  Verfasser  bei  der  Bearbeitung 
des  chemischen  Theiles  im  II.  Bande  des  Werkes  über  »die 
Steinkohlen  Deutschlands  und  anderer  Länder  Europa's«,  in  wel- 
chem zuerst  eine  Erklärung  des  Fossilien-Bildungs-Processes  nach 
bestimmten  Werthverhältnissen  versucht  wurde,  um  zumal  die 
Bedeutung  der  chemisch-analytischen  Arbeiten  auf  dem  Gebiete 
der  Fossilienkunde  in  das  richtige  Licht  zu  stellen. 

Seit  dem  Erscheinen  des  genannten  Werkes  haben  sich 
durch  fortgesetzte  Arbeiten  auf  diesem  Gebiete  die  Thatsachen 
gemehrt,  welche  zu  Gunsten  der  aufgestellten  Thesen  sprechen 
und  durch  deren  Verwerthung  alle  in  dieses  Gebiet  einschlagen- 
den wissenschaftlichen  Branchen  einigen  Vortheil  gewinnen  kön- 
nen. 

19  " 


292 


Ehrender  Aufforderung  Folge  leistend  gestattet  sich  daher  der 
Verfasser  Dieses,  in  kurzen  Umrissen  die  Grundzüge  des  im 
Allgemeinen  schon  von  ausgezeichneten  und  würdigeren  Männern 
der  Wissenschaft  vorbereiteten  Ideenganges  im  Folgenden  dar- 
zulegen: 

Wenn  Gemische  hochatomisirter  chemischer  Verbindungen,  wie 
die  Vegctabilien  es  sind,  bei  Luftabschluss,  unter  Wasser  und  unter 
dem  Einfluss  mittlerer  Temperaturen  sich  selbst  überlassen  bleiben, 
so  bedingt  der  nach  dem  Erlöschen  des  organischen  Lebens  im 
Innern  der  Pflanzen  fortschreitende  chemische  Umsetzungspro- 
cess  Zersetzungs-Erscheinungen 5  welche,  von  den  höchstatomi- 
sirten  und  am  leichtesten  spaltungsfäbigen  ProteinstofFen  aus- 
gehend, sich  auf  die  niedriger  atomisirten  und  daher  dichteren 
Zellenmassen  verbreiten  und  als  deren  Producte  Sumpfgas  und 
Kohlensäure  austreten  und  kohlenstolFreichere  Fossilien  im  Rück- 
stand bleiben.  Der  Einfluss  des  Wassers  ist  dabei  ein  mecha- 
nischer, insofern  dasselbe  auflösend  auf  die  in  den  vermodern- 
den Pflanzen  aufgespeicherten  und  löslichen  Stoff'e  organischer 
und  mineralischer  Abstammung,  auf  Eiweiss ,  Gummi,  Leimsub- 
stanzen und  auf  die  Salze  in  der  Pflanze  wirkt  und,  von  dieser 
aufgesaugt,  den  in  den  gelösten  Proteinstoff'en  verlaufenden  Zer- 
setzungsprocess  auf  die  Pflanzenreste  überträgt,  in  welchen  so- 
dann die  einmal  begonnene  Vermoderung  auch  dann  noch,  wenn 
auch  viel  langsamer,  fortwirkt,  nachdem  die  formentirenden  Stoff'e 
ihren  Zersetzungs-Process  längst  durchlaufen  haben. 

Diese  in  allgemeinen  Umrissen  gegebene  und  längst  als 
richtig  erkannte  Definition  der  Fossilienbildung  findet  zunächst 
in  der  Torfbildung  der  Jetztzeit  ihre  volle  Bestätigung,  insofern 
im  Verlaufe  derselben  Sumpfgas  und  Kohlensäure  aus  dem  sich 
erzeugenden  Torfe  continuirlich  austreten,  in  dem  Grade,  als 
der  Vermoderungs-Process  in  letzterem  vorschreitet;  der  Aschen- 
gehalt der  reinen,  organischen  Torfmasse  verliert  hierbei  an  lös- 
lichen Stoff'en  und  die  Proteinsubstanz  verschwindet  vollständig 
aus  derselben.  Von  den  sich  hierbei  entwickelnden  Gasen,  unter 
welchen  Sumpfgas  und  Kohlensäure  der  Menge  nach  hauptsäch- 
lich in  Betracht  zu  ziehen  sind,  wird  das  erstere  von  Wasser 
nur  zu  Vi4  seines  Volumens  absorbirt,  also  aus  einer  stagniren- 
den  und  damit  gesättigten  Flüssigkeit  nach  dem  Maasse  seiner 


) 


293 


Erzeugung  abgegeben,  während  die  Kohlensäure  vom  Wasser  zu 
gleichen  Volumen  absorbirt  wird  und  in  dieser  seiner  Auflösung 
als  schwache  Säure  lösend  und  utnsetzend  auf  Kalk-  oder  Eisen- 
oxydul-Verbindungen des  in  dem  Torflager  auftretenden  Unter- 
grundes wirkt,  also  chen>isch  gebunden  wird.  Ausserdem  besitzen 
Kohle  und  poröse  kohlenstoffhaltige  Körper  der  Kohlensäure  ge- 
genüber ein  hervorragendes  Absorptions-Vermögen,  so  dass  also 
mit  dem  fortschreitenden  Vermoderungs-Process  die  sich  bildende, 
kohlenreichere  Substanz  selbst  wieder  als  Verdichtungsmittel  der 
freien  Kohlensäure  auftritt. 

Für  letztere  Auffassung  zeugen  folgende  Thatsachen: 
Die  zwischen  den  Kluftflächen  einzelner  Steinkohlenflötze 
lagernden  Zwischenmittel  bestehen  der  Hauptsache  nach  aus  koh- 
lensauren Salzen.  Der  Kluftflächen-Inhalt  einer  Steinkohle  von 
Grube  Arnao  bei  Aviles  in  Asturien  wurde  aus  kohlensaurem 
Kalk,  kohlensaurer  Magnesia  und  kohlensaurem  Eisenoxydul  zu- 
sanmiengesetzt  gefunden;  eine  gleiche  Verbindung  von  Kohlen- 
säure mit  Kalk  und  Magnesia  tritt  zwischen  der  Steinkohle  der 
Grube  Itzenplitz  in  Saarbrücken,  sowie  auch  zwischen  einzelnen 
Kohlen  des  W^estphälischen  Beckens  auf.  Derartige  Verbindun- 
gen können  nur  als  doppelkohlensaure  Salze  in  kohlensäure- 
reichem Wasser  gelöst  gewesen  und  mit  dem  Zurücktreten  des 
letzteren  in  den  Zwischenräumen  der  Kohlen  als  ausgeschiedene 
Niederschläge  abgelagert  worden  sein;  es  hatte  mithin  die  in 
dem  Vermoderungs-Process  der  Steinkohlenpflanzen  auftretende 
Kohlensäure  die  Lösung,  vielleicht  auch  die  Erzeugung  der  koh- 
lensauren Verbindung  bedingt.  Durch  diesen  Umstand  wird  aber 
auch  zur  Genüge  das  verhältnissmässig  geringere  Auftreten  der 
Kohlensäure  in  den  Grubengasen  erklärt,  denn  nach  den  Unter- 
suchungen Bischof's  waren  in  den  Grubengasen  des 

Wellersweiler-Stollens  87,437o  Sumpfgas  und  4,307o  Kohlensäure 
Gerhardt-  «     79,847o       »         »  3,90% 

enthalten. 

Das  in  allen  Kohlenlagern  wiederholte  Auftreten  von  Sumpf- 
gas deutet  auf  eine,  wenn  auch,  weil  zwischen  dichteren  Massen, 
langsamer  verlaufende  Vermoderung,  in  deren  Folge  Gruben- 
gas und  Kohlensäure  entwickelt  werden  müssen.    Wenn  letztere 


I 


294 

in  den  an  einzelnen  Orten  auftretenden  Grubengasströmen  (Bläser) 
zu  fehlen  scheinen,  so  ist  zunächst  zu  berücksichtigen,  dass  auch 
ein  Gehalt  an  10  Procent  Kohlensäure  die  Entzündlichkeit  des 
Sumpfgases  nicht  aufhebt  und  dass  endlich  sowohl  die  den  Kohlen 
adhärirende  Feuchtigkeit,  wie  auch  die  Kohle  selbst  vorwaltend 
absorbirend  auf  das  nur  in  langsamster  Entwickelung  be- 
griffene Kohlensäuregas  des  Grubengasgemisches  wirkt. 

Wenn  demnach  aus  dem  Vorhergehenden  die  Annahme,  dass 
Kohlensäure  und  Sumpfgas  als  die  wichtigsten  Zersetzungs-Producte 
im  Vermoderungs-Processe  auftreten,  wesentlich  begründet  er- 
scheint, so  nähert  sich  dieselbe  der  Gewissheit,  sobald  man  mit 
Hülfe  der  uns  gegebenen  analytischen  Zahlenwerthe  die  einzelnen 
Vermoderungs-Rückstände  mit  der  Zusammensetzang  der  frischen 
Pflanze  vergleicht. 

Folgende  analytische  Tabelle  bietet  uns  eine  für  diese  Beob- 
achtungen geeignete  Unterlage : 

Die  aschenfreie  Substanz  enthält  von: 

Kiefernholz  50,907o  Kohlenstoff,  6,30  '/q  Wasserst,  42,80%  Säuerst,  u.  Stickst. 

Torf    .    .    58,16,,          „  6,10,,       „         35,73,,       „      „  „ 

Braunkohle  67,25,,          „  5,75,,       „         27,00,,       „       „  „ 
Molassen- 

kohle       71,14,,          „  5,54,,       „         23,11,,       „      „  „ 

Steinkohlen  83,60  ^         „  5,40,,       „         11,00  „       „      „  „ 

Es  geht  aus  dieser  Reihe  zunächst  hervor,  dass  mit  der  Zu- 
nahme des  Kohlenstoffs  in  den  Fossilien  gleichzeitig  eine  Ab- 
nahme an  Wasserstoff  und  Sauerstoff  Hand  in  Hand  geht  und 
dass  diese  quantitative  Veränderung  ein  und  derselben  Pflanze 
jedenfalls  unter  Entwickelung  gleich  zusammengesetzter  Zer- 
setzungs-Producte verlaufen  muss.  Unter  der  Annahme,  dass  Koh- 
lensäure und  Sumpfgas  hierbei  als  Zersetzungsgase  auftreten, 
muss  aber  mit  der  Verminderung  des  Wasserstoffs  und  des  Sauer- 
stoffs auch  eine  solche  von  Kohlenstoff  statthaben.  Bei  dem  gleich- 
zeitigen Austritt  gleicher  Volumina  Kohlensäure  und  Sumpfgas  aus 
der  vermodernden  Pflanze  beträgt  deren  Quantität:  8  Gewichts- 
theile  Sumpfgas  und  22  Gewichtstheile  Kohlensäure,  mit  welchen 
aus  der  Pflanzensubstanz  gleichzeitig  12  Gewichtstheile  Kohlen- 
stoff, 2  Gewichtstheile  Wasserstoff  und  16  Gewichtstheile  Sauer- 
stoff entführt  werden* 


295 


Unter  dieser  Voraussetzung  ist  demnach  das  Verhältniss  des 
Sumpfgases  zur  Kohlensäure  =  8  :  22  =  1  ^/s  :  3^/3  und  so 
oft  aus  einer  vermodernden  Pflanze  1  ^/s  Pfund  Sumpfgas  und 
3^/3  Pfund  Kohlensäure  sich  entwickeln,  werden  2  Pfund  Kohlen- 
stoff, ^3  Pfund  Wasserstoff  und  2^/3  Pfund  Sauerstoff  hinweg- 
geführt. 

Addiren  wir  diese  letzteren  drei  Werthe: 

2  Pfund  Kohlenstoff,  Pfund  Wasserstoff  und  2^/3  Pfund 
Sauerstoff  in  einfachen  oder  vielfachen  Verhältnissen  zu  der  pro- 
centischen  Zusammensetzung  irgend  eines  Fossils,  so  muss  schliess- 
lich die  Zusammensetzung  der  Pflanze  resultiren,  welcher  diese 
Elemente  als  Sumpfgas  und  Kohlensäure  während  der  Vermode- 
rung und  unter  Erzeugung  des  gegebenen  Fossils  entzogen  wor- 
den waren. 

Böhmische  Braunkohle  von  Aussig  wurde  zusammengesetzt 
gefunden  aus: 

67,25  Pfund  Kohlenstoff,  5,75  Pfund  Wasserstoff,  27,00  Pfd. 
Sauerstoff.  Addirt  man  hierzu  das  dreissigfache  Verhältniss  der 
im  Vermoderungs-Process  austretenden  Elemente: 

60,00  Pfund  Kohlenstoff,  iO,00  Pfund  Wasserstofi",  80,00  Pfd. 
Sauerstoff,  wie  diese  in  Form  von  Sumpfgas  und  Kohlensäure 
sich  entwickelt  haben  konnten,  so  resultirt  eine  Pflanzensubstanz 
von  der  Zusammensetzung: 

127,25  Pfd  Kohlenstofi",  15,75  Pfd.  Wasserstoff,  107,0  Pfd. 
Sauerstoff  oder,  in  Procentzahlen  ausgedrückt, 

50,90  Proc.  Kohlenstoft",  6,30  Proc.  Wasserstoff",  42,8  Proc. 
Sauerstoff;  diess  ist  aber  genau  die  Zusammensetzung  des  Kie- 
fernholzes, wie  sie  in  der  obigen  Tabelle  gegeben  ist ,  und  es 
geht  hieraus  hervor,  dass  die  Braunkohle  von  Aussig  aus  einer 
dem  Kiefernholz  ähnlich  zusammengesetzten  Conifere  entstanden 
sein  kann. 

Die  Steinkohle  des  ersten  Flötzes  vom  Bürgerschachte  bei 
Zwickau  wurde  zusammengesetzt  gefunden  aus: 

82,50  Pfund  Kohlenstoff*,  4,20  Pfund  Wasserstoff,  13,30  Pfd. 
Sauerstoff.  Addirt  man  zu  denselben  das  achtzigfache  Verhält- 
niss der  in  Form  von  Sumpfgas  und  Kohlensäure  ausgetretenen 
Elemente,  also 

160,00  Pfd.  Kohlenstoff",  26,66  Pfd.  Wasserstoff,  213,33  Pfd. 


296 


Sauerstoff,  so  ergibt  sich  eine  Pflanzensubstanz  von  der  Zusam- 
mensetzung: 

242,50  Pfd.  Kohlenstoff,  30,86  Pfd.  Wasserstoff,  226,63  Pfd. 
Sauerstoff,  oder,  in  Procentzahlen  ausgedrückt : 

48,50  Proc.  Kohlenstoff,  6,17  Proc.  Wasserstoff,  45,33  Proc. 
Sauerstoff. 

Dieses  ist  aber  die  Zusammensetzung  des  Weissbuchenholzes, 
wie  sie  von  Professor  Heintz  gefunden  wurde,  und  es  erscheint 
die  Annahme  gerechtfertigt,  dass  die  genannte  Steinkohle  durch 
Vermoderung  einer  Pflanze  von  der  Zusammerisetzung  dieser 
Holzart  entstanden  sein  kann. 

Durch  Anstellung  einer  grossen  Anzahl  solcher  Berechnun- 
gen, wie  ich  sie  zur  Begründung  meiner  mehrfach  erwähnten 
Annahme  auszuführen  genöthigt  war ,  gelangte  ich  nun  zu  fol- 
genden allgemeinen  Schlussfolgerungen: 

1)  Der  Fossilienbildungs-Process  ist  zunächst  ein  Vermode- 
rungs-Process  gewesen,  aus  welchem,  soweit  nicht  plutonische 
Einflüsse  die  Zusammensetzung  der  Fossilien  verändert  haben, 
die  Braun-  und  Schwarzkohlen  als  Vermoderungsreste  hervorge- 
gangen sind. 

2)  Der  Vermoderungs-Process  ist  ein  chemisch  messbarer 
Zersetzungs-Process  der  organischen  Pflanzenmasse,  in  welchem 
Kohlensäure  und  Sumpfgas  als  die  qualitativ  und  quantitativ  her- 
vorragendsten Zersetzungsgase  auftreten. 

3)  Die  aus  der  Pflanze  im  Vermoderungs-Process  austreten- 
den Gase,  Sumpfgas  und  Kohlensäure,  werden  zu  gleichen  Vo- 
lumen und  in  ihren  Atomzahlen  entsprechenden  Gewichtsverhält- 
nissen entwickelt,  in  Folge  dessen  man 

a.  durch  Addition  der  letzteren  zu  der  procentischen  Zu- 
sammensetzung eines  Fossils  einen  Schluss  auf  die  chemische 
Constitution  der  ursprünglichen  Pflanze  ziehen, 

b.  durch  Subtraction  obiger  Gewichtswerthe  von  der  pro- 
centischen Zusammensetzung  einer  Pflanze  den  allmählichen  Ver- 
lauf der  Vermoderung  in  der  Zusammensetzung  ihrer  Producte 
vollständig  bemessen  kann. 

4)  Da  nun ,  wie  aus  den  im  Vorhergehenden  gegebenen 
Zahlenwerthen  für  die  procenlische  Zusammensetzung  der  beiden 
Holzarten  ersichtlich,  zwischen  den  elementaren  Bestandtheilen 


297 


der  letzteren  der  Menge  nach  Differenzen  stattfinden,  so  werden 
sich  diese  in  der  Zusammensetzung  des  Fossils  in  hervorragen- 
dem Grade  geltend  machen.  Es  geht  diess  aus  folgenden  Bei- 
spielen hervor: 

Durch  den  Austritt  gleicher  Mengen  der  Zersetzungsgase 
aus  dem  Kiefernholze  und  dem  Weissbuchcnholze  bildet  sich  im 
ersteren  Falle  eine  Steinkohle  von  der  Zusammensetzung: 

83,60  Proc.  Kohlenstoff,  5,40  Proc.  Wasserstoff,  11,00  Proc. 
Sauerstoff,  im  letzteren  Falle  eine  Steinkohle,  welche  enthält: 

74,00  Proc.  Kohlenstoff,  4,68  Proc.  Wasserstoff,  21,32  Proc. 
Sauerstoff. 

Erstere  ist  eine  Backkohle  der  oberen  Westphälischen  Flötze 
und  liefert  einen  dichten  klingenden  Koks,  letztere  eine  Gaskohle 
des  Saarbrücker  Beckens,  welche  gar  nicht  bäckt  und  sich  daher 
zur  Koksfabrikation  nicht  eignet. 

Nehmen  wir  nun  mit  dem  Geognosten  eine  Verschiedenheit 
in  der  Art  und  Structur  der  in  verschiedenen  Epochen  der  Koh- 
lenbildungsperiode auftretenden  Pflanzen  an,  so  sind  wir  berech- 
tigt, den  saftreicheren  und  zellenärmeren  Sigillarien  eine  Zu- 
sammensetzung beizumessen  ,  welche  sich  durch  einen  höheren 
Gehalt  an  chemisch  gebundenem  Wasser  von  der  späteren  zellen- 
reicheren Pflanze  unterscheidet  und  demnach,  dem  Weissbuchen- 
holz ähnlich,  auch  Sauerstoff-  und  wasserstoffreichere  Kohlen,  wie 
die  Sigillarienkohlen  des  Zwickauer-  und  Saarbeckens  es  sind, 
lieferten.  Während  die  einem  späteren  Vegetationsgürtel  ange- 
hörenden Farren  u.  a.  Pflanzen  durch  einen  grösseren  Zellen- 
reichthum  eine  chemisch  dichtere,  d.  h.  Wasserstoff-  und  sauer- 
stoffärmere Holzsubstanz  besitzen ,  und  sich  in  ihrer  Zusammen- 
setzung dem  Kiefernhölze  nähern  und  eine  dessen  Vermoderungs- 
Producten  entsprechende  Steinkohle  mit  backenden  Eigenschaften 
liefern  konnte. 

Zur  Vollständigkeit  ist  in  Folgendem  eine  Tabelle  entworlen, 
welche  den  Verlauf  der  Vermoderung  und  die  Art  der  Vermo- 
derungsproducte  aus  dem  Holze  der  Kiefer  und  der  Weissbuche 
ausführlicher  entwickelt. 


298 


Nach  Austritt  von 


Procente  an 


Procente  an 


2,00>|0,33O/o|  2,66"/o 
4,00%'o,66%l  5,33"', 

i 

6,00>|l,007oj  s,ooo'o 
8,00%;i,337o'10,667o 


50.906,3042,80  Kiefernholz 


10,00%:i,66% 
12,00>|2,00O/o 
14,00O/o!2,33Oo 
16,00O/o|2,66> 


18,00«/o!3,00>  24,00^^1, 


20,000/03,33%  26,667o 

22,00>|3,66%29,337o 
24,00>j4,000/o  32,000, 
26,00> 4,33% 35,66 


13,337 
16,007, 
18,667 
21,337o 


28,007o!4,307o 


38,337, 


30,007o5,007o  40,007 
32,007o5,337o'42,667o 


I  I 
51,47  6.28  42.24 


48,50'6,17  45,33|Weissbuchen- 

j      j        j  holz. 
48,946,1544,911 


52,116.2641,62,)  vermodern- 
'      '    j    '    Ii      des  Holz 

52,826,25140,93 

i 

53,62'6,2240,15 


Torf 


54,53:6,2039,27; 

i 

55,5716,1 7l38,25| 
56,77|6,14j37,09|| 
58,166,1035,73' 
59,82:6,05  34,12!, 
61.8o'6,Oo'32,20, 

^  r  r  ! 

64,225,93'29,84i)  Braunkohle 
67,25|5,75|27,90|. 


49,44,6.11,44,45 

i 

50,006,0843,921 

i  i  ' 
50,62:6,05'43.33, 

i    !  I 

51,33(6,0042,67: 


vermodern- 
des Holz. 


i)  Lignite, 


52,14i5,96:41,90i| 
52,975,91141,12^ 
54.16-5,8340,01! 
55,455,76  38,79 
57,02,5,6837,32 
58,905,56|35,54 

61.25  5.42'33,33| 

I 


Torf. 


71,145,7423,11'Molassenkohle  64.28  5,2630,46  Braunkohlen. 

!  I 

68,33  5,00  26,67 


I  j  i  Steinkohlen 
76,33j5,60 18,06  von 

!        I  Westphalen, 


83,60.5,40  1 1 .00  Oberschlesien, 
94,505.10  0,40Inde-Revier. 


74,00  4,68  21, 32!saarkohlen. 

I  I 
82,504,20 13,30;Zwickauer 


!  Kohlen. 


Es  geht  aus  dieser  Tabelle  hervor;  wie  bedeutend  schon 
ein  geringer  Unterschied  in  der  Zusammensetzung  des  Vegeta- 
bils  sich  in  dem  Verlaufe  der  Vermoderung  geltend  macht  und 
wie  ganz  anders  die  Fossilien  in  ihrer  Zusammensetzung  sich 
gestalten  miissen.  wenn  die  der  ursprünglich  zur  Vermoderung 
gelangenden  Pflanzen  in  ihrer  Elementar-Zusammensetzung  nur 
um  geringe  Zahlengrössen  differirte.  — 


299 


Versuchen  wir  es  nun,  den  durch  die  bisherigen  Erörte- 
rungen gewonnenen  Maassstab  an  die  Vermoderungsreste  zu 
legen,  die  in  den  verschiedenen  Kohlengebieten  der  Vorwelt  zu 
uns  herüberreichen,  so  dürfen  wir  überall  da,  wo  dieselben  ihrer 
ursprünglichen  Lagerstätte  wenig  oder  gar  nicht  entrückt  sind, 
wo  also  Störungen  in  dem  regelmässigen  VerlauT  der  Vermode- 
rung nicht  eintraten ,  wo  weder  durch  das  Emportreiben  heiss- 
flüssiger  Urgesteine,  noch  durch  das  Einbrechen  mechanisch  und 
chemisch  wirkender  Hüssigkeitsmassen  Veränderungen  in  der  Zu- 
sammensetzung der  Kohlen  herbeigeführt  wurden,  dieselben  als 
die  Vermoderungs-Rückstände  von  einer  der  ursprünglichen  Pflan- 
zengattung und  der  an  ihr  unter  gleichen  Verhältnissen  verlau- 
fenden Zersetzung  entsprechenden  chemischen  Zusammensetzung 
betrachten,  die  uns,  wie  aus  dem  im  Vorhergehenden  Entwickel- 
ten ersichtlich  ist,  gestattet,  sogar  einen  Schluss  auf  die  Zusam- 
mensetzung der  Urpflanzen  zu  werfen.  Inwieweit  aber  die  durch 
die  chemische  Untersuchung  gewonnenen  Resultate  gerade  in 
dieser  Beziehung  die  gewünschten  Anhaltepuncte  liefern  und 
Glaubwürdigkeit  verdienen,  geht  aus  folgenden  Thatsachen  hervor: 

1)  Bei  der  im  Laufe  des  Jahres  1864  —  65  vorgenommenen 
Untersuchung  der  Steinkohlen  Deutschlands  ,  vs^elche  von  dem 
Verfasser  Dieses  mit  der  grössten  Sorgfalt  ausgeführt  wurde 
und  zu  welcher  die  Repräsentanten  der  wichtigsten  Gruben  und 
Flötze  aus  den  Haupt-Kohlendistricten  Deutschlands  verwendet 

,  wurden,  ergab  sich  in  den  Resultaten  eine  so  auffallende  Über- 
einstimmung mit  schon  vorhandenen  und  aus  Untersuchungen 
hervorgegangenen,  die  mehrere  Jahre  vorher  mit  Kohlen  des- 
selben Flötzes  von  Heintz,  Regnault,  Erdmann  und  dem  Verfasser 
selbst  angestellt  worden  waren ,  dass  die  Annahme  vollständige 
Geltung  erfahren  darf,  nach  welcher  Kohlen  desselben  Flötzes 
in  ihrer  mittleren  Zusammensetzung  und  in  ihren  physikalischen 
Eigenschaften  sich  völlig  gleich  sind  ,  sofern  nicht  durch  pluto- 
nische  Einflüsse  bedingte  Störungen  im  Hangenden  oder  Lie- 
genden sich  geltend  gemacht  haben. 

2)  Überall  aber,  wo  letzteres  der  Fall  gewesen,  beobachten 
wir  eine  Veränderung  in  der  chemischen  Zusammensetzung  der 
Kohlensubstanz,  welche  sich  zunächst  dadurch  andeutet,  dass  der 
Gehalt  an  Wasserstoff  und  Sauerstoff  ein  unverhältnissmässig  ge- 


300 


ringer  ist  und  dass  es  in  Folge  dessen  nicht  gelingt, 
durch  Addition  der  Elemente  des  Sumpfgases  und 
der  Kohlensäure  schliesslich  eine  Verbi  n  dung  zu  be- 
rechnen, welche  auch  nur  annähernd  Ähnlichkeit  mit 
der  Zusammensetzung  irgend  einer  Pflanzenart  hätte. 

3)  Dasselbe  gilt  selbstverständlich  für  alle  diejenigen  Brenn- 
stoffe, welche  als  eine  mit  Theerölen  und  Asphaltmassen  durch- 
tränkte Thonschiefermasse  auftreten  und  die  verdichteten  Ver- 
gasungsproducte  durch  plutonische  Einflüsse  zerstörter  Vermode- 
rungsreste  einschliessen.  Hierzu  gehören  alle  bituminösen  Schiefer 
und  Schieferkohlen  und  als  Verkokungsreste  die  Anthracite. 

4)  Endlich  aber  können  in  der  chemischen  Zusammensetzung 
eines  Fossils  Störungen  stattgefunden  haben,  welche  bedingt  wa- 
ren durch  den  Einfluss  der  Wärme  unter  stetig  wirkendem  hohem 
Drucke.  Es  ist  nachgewiesen,  dass  man  durch  Verkohiung  von 
Holz  und  Torf  in  einem  hermetisch  geschlossenen  Räume  Pro- 
ducte  erzielt,  welche  in  Dichtigkeit  und  Glanz  einer  Steinkohle 
völlig  gleichkommen  und  zu  betrachten  sind  als  Holz-  oder  Torf- 
kohle ,  in  welcher  Asphaltmassen  als  Zwischenmittel  durch  er- 
höhten Druck  imprägnirt  sind.  Hierher  gehören  jene  durch  ihren 
hohen  Gehalt  an  freiem  Wasserstoff  ausgezeichneten  Gaskohlen 
Englands  und  die  Blattelkohle  der  Pankrazzeche  in  Böhmen, 
welche  in  ihrer  chemischen  Zusammensetzung  schon  ihre  Ver- 
schiedenheit von  den  eigentlichen  Vermoderungsresten  erkennen 
lassen  und  bei  welchen  ebensowenig,  wie  in  den  vorhergenann- 
ten Fällen,  eine  Berechnung  zur  Nachweisung  der  vegetabilischen 
Abstammung  auf  Grund  des  an  ihnen  verlaufenen  Vermoderungs- 
Processes  möglich  ist. 

Im  Laufe  der  Untersuchung  solcher  veränderter  Fossilien 
mussten  sich  selbstverständlich  Ungleichmässigkeiten  in  der  che- 
mischen Zusammensetzung  herausstellen,  welche  aber  ihren  Grund 
in  der  Ungleichartigkeit  des  Materials  und  des  in  und  an  dem- 
selben verlaufenen  pyrochemischen  Um.setzungs-Processes  hatten 
und  zu  der  leider  nur  zu  sehr  verbreiteten  Ansicht  führten,  dass 
die  Steinkohlen  und  Braunkohlen  ungleichartig  zusammengesetzte 
Stoffe  seien,  über  deren  physikalischen  und  chemischen  Charakter 
die  chemische  Prüfungsmethode  darum  nicht  entscheiden  könne, 
weil  die  Erzielung  einer  Mischung  mittlerer  Zusammensetzung 


301 


gegenüber  der  zur  Analyse  verwendeten  j  geringen  Gewichts- 
inenge, zu  den  Unmöglichkeiten  gehörte. 

Inwieweit  diese  leider  von  Chemikern  selbst  ausgesprochene 
Ansicht  Geltung  erfahren  darf,  ist  aus  dem  Vorhergehenden  er- 
sichtlich. 

Aus  dem,  was  über  die  Verwerthbarkeit  der  chemisch-ana- 
lytischen Resultate  zur  Beurtheilung  der  Fossilien  nach  ihrer 
technischen  Verwerthbarkeit  bereits  in  dem  V^erke  über  »die 
Steinkohlen  Deutschlands«  Band  II  und  in  einer  späteren  Abhand- 
lung in  Dingler's  Journal  1866,  Heft  12,  13  und  15  ausführlich 
entwickelt  worden  ist  und  in  Folge  der  in  dieser  Abhandlung  ge- 
botenen Vielseitigkeit  in  der  Verwerthbarkeit  der  ersteren,  glaubt 
der  Verfasser  Dieses  wohl  zu  dem  Schlüsse  berechtigt  zu  sein: 

1)  dass  die  chemische  Untersuchung  der  Fossilien  einen  der 
wichtigsten  Anhaltepuncte  für  deren  technische  Verwerthbarkeit 
bietet, 

2)  dass  dieselbe  schon  in  den  Fällen  vollkommenen  Aufschluss 
über  Natur  und  Charakter  eines  Fossils  bieten  kann ,  wo  eine 
blosse  Bohrmehlprobe  die  Anwesenheit  desselben  nur  verkündet, 

3)  dass  mit  der  Erweiterung  der  chemischen  Kohlenunter- 
suchungen wir  den  sichersten  und  zuverlässigsten  Aufschluss 
über  die  Natur  aller  Vermoderungs-Prodijcte  überhaupt  erlangen 
und  dass  in  Folge  dessen  endlich 

4)  die  Annahme  von  verschiedenen  Vegetationsgürteln  in  der 
Steinkohlenformation  eine  wesentliche  Stütze  erlangen  wird,  sobald 
die  chemische  Verschiedenheit  der  denselben  angehörenden  Fos- 
silien und  der  aus  der  Analyse  berechneten  Pflanzengattungen 
gleichzeitig  Geltung  erlangt  haben  wird. 


über  die  alkalische  Reaction  einiger  Minerale 

von 

Herrn  Professor  A,  Ketingfott. 


Im  Anschluss  an  die  früher  (S.  77  dieses  Bandes)  mitge- 
theilten  Beobachtungen  über  das  alkalische  Verhalten  des  Natro- 
lith  untersuchte  ich  noch  einige  andere  Minerale  und  prüfte  ihr 
alkalisches  Verhalten  in  gleicher  Weise.  Die  Probe  wurde  im 
Achatmörser  möglichst  fein  pulverisirt,  das  Reagenspapier  in  de- 
stillirtes  \yasser  getaucht,  auf  ein  Uhrglas  gelegt  und  ein  Wenig 
des  zu  prüfenden  Pulvers  mit  der  Messerspitze  auf  das  Reagens- 
papier übertragen.  Am  deutlichsten  sieht  man  die  Reaction, 
wenn  zu  den  Reagenspapieren  feines  Filtrirpapier  genommen  wird. 
Zur  Untersuchung  wurden  verschiedene  Minerale  genommen  und 
da  dieselbe  nicht  als  abgeschlossen  betrachtet  werden  kann,  so 
enthalte  ich  mich,  irgend  welche  Schlüsse  daraus  zu  ziehen,  fand 
es  aber  für  zweckmässig,  die  erhaltenen  Resultate  mitzutheilen, 
um  die  Aufmerksamkeit  darauf  zu  lenken  und  ähnliche  Unter- 
suchungen zu  veranlassen. 

Die  bis  jetzt  erhaltenen  Resultate  sind  folgende: 
Ana  leim  von  Montecchio  niaggiore  bei  Vicenza,  farblose 
durchsichtige  Krystalle,  welche  den  früher  untersuchten  Natrolith 
begleiten.  Derselbe  verhielt  sich  ebenso,  nur  dauerte  es  etwas 
länger,  weil  der  Analcim ,  mit  dem  Natrolith  verglichen,  etwas 
schwieriger  schmelzbar  ist  und  daher  auch  die  innere  Verschmel- 
zung mehr  Zeit  erfordert.  Die  Krystallstückchen  werden  im 
Glasrohre  oder  in  der  Zange  in  der  Spiritusflamme  erhitzt  weiss 
und  undurchsichtig:  um  sie  wieder  durchsichtig  zu  machen,  musste 


303 


das  Löthrohr  gebraucht  werden,  dabei  wurden  die  ebenen,  glat- 
ten Krystallflächen  ein  wenig  uneben  und  die  Ränder  der  scharf- 
kantigen Bruchstücke  rundeten  sich  etwas  ab.  Das  Pulver  des 
frischen  Minerals  reagirt  alkalisch,  aber  schwächer  als  das  des 
Natrolith.  Weisser,  durchscheinender  Analcim  vom  Monzoni  in 
Tirol  zeigte  als  Pulver  gleiche  Reaction. 

Stilbit  von  Viesch  in  Wallis  in  der  Schweiz,  farblose, 
durchsichtige  Krystalle.  Er  wird  in  der  Spiritusflarnme  erhitzt 
weiss  und  undurchsichtig,  blättert  sich  etwas  auf,  stärker,  wenn 
er  mit  dem  Löthrohr  angeblasen  wird  und  im  Volumen  mit  Krüm- 
men bedeutend  zunehmend,  an  Borax  erinnernd  und  es  entsteht 
eine  schaumige  fasrige  Masse,  ähnlich  fasrigem  Bimsstein ;  stärker 
erhitzt  schmilzt  er  leicht  zu  weissem,  blasigem  Glase,  wobei  auf 
der  Oberfläche  der  Probe  fortwährend  glühende  Pünctchen  sicht- 
bar werden.  Bei  längerem  Blasen  wird  das  Glas  grossblasig, 
aber  klarer. 

Das  frische  Pulver  reagirt  alkalisch,  wenig  schwächer  als 
Natrolith.  Die  nicht  geschmolzene,  schaumige,  zwischen  den  Fin- 
gern leicht  zerr(3ibliche  Masse  wirkt  pulverisirt  auch  alkalisch, 
ein  wenig  schwächer;  das  pulverisirte  Schmelzglas  wirkt  nur 
äusserst  schwach. 

Desmin  von  Island,  farblose,  fast  durchsichtige  Krystalle. 
Im  Glaskolben  langsam  erhitzt  wird  er  weiss  und  undurchsichtig, 
zerklüftet  und  wird  so  locker  im  Zusammenhange,  dass  er  sich 
zwischen  den  Fingern  leicht  zu  Pulver  zerreiben  lässt.  In  der 
Spiritusflamme  erhitzt,  bläht  er  sich  stark  auf,  staudenförmig  aus 
einander  gehend,  bekommt  aber  mehr  Zusammenhang,  wie  man 
beim  Zerdrücken  zwischen  den  Fingern  bemerkt,  weil  schon  theil- 
weise  Schmelzung  eintritt.  Vor  dem  Löthrohre  schmilzt  er  leicht 
zu  weissem,  blasigem  Glase.  Das  frische  Pulver  reagirt  wie  das 
des  Stilbit  alkalisch. 

Desmin  von  Gran  Canaria,  von  Herrn  Dr.  K.  v.  Fritsch 
zur  Prüfung  übergeben,  blass  gelblichweiss,  durchscheinend,  zu 

u   

Büscheln  aggregirte  Krystalle ,  ooPoo  .  OOPqo  •  P  •  oP  verhalten 
sich  in  der  Spiritusflamme  erhitzt  und  dann  mit  dem  Löthrohre  be- 
handelt vollständig  wie  der  Stilbit  von  Viesch.  Die  alkalische 
Reaction  ist  bei  dem  Pulver  in  gleicher  Weise  zu  beobachten. 


304 


Chabacit  von  Montecchio  maggiore  bei  Vicenza,  weisse 
durchscheinende  Krystalle,  R,  In  der  Spiritusflamme  erhitzt  weiss 
werdend  und  wenig  anschwellend :  mit  dem  Löthrohre  angeblasen 
wenig  mehr  anschwellend  und  unter  der  Lupe  als  blasig-schau- 
mige Masse  erscheinend:  dann  stärker  erhitzt  schmelzbar,  schwie- 
riger als  Natrolith ,  Desmin  und  Stilbit,  zu  einem  kleinblasigen, 
weissen,  wenig  durchscheinenden  Glase,  welches  ebenso,  wie  bei 
Stilbit  und  Desmin  beobachtet  wurde ,  bei  längerem  Blasen  auf 
der  Oberfläche  der  Kugel  aufleuchtende  Pünctchen  erscheinen 
lässt.  Das  frische  Pulver  reagirt  alkalisch,  wenig  schwächer  als 
bei  Desmin  und  Stilbit. 

Laumontit  vom  Berge  Mutsch  im  Etzlithale  in  Uri  in  der 
Schweiz,  lockere  Haufwerke  kleiner,  verwitternder  Kryställchen, 
reagirt  als  Pulver  entschieden,  aber  schwach  alkalisch;  wird  das 
Pulver  im  Glaskolben  erhitzt,  so  wird  die  Reaction  verstärkt,  ein- 
zelne Puncte  des  Papiers  werden  intensiv  gebräunt. 

Prehnit  von  Ratschinges  in  Tirol,  blass  grünliche,  halb- 
durchsichtige Krystalle,  oP  .  ocP,  deutlich  spaltbar  parallel  oP; 
reagirt  als  Pulver  stark  alkalisch,  wie  Natrolith.  Ein  dünnes 
Stückchen,  in  die  Spiritusflamme  gehalten,  wird  weiss  und  un- 
durchsichtig und  schmilzt  sehr  bald  an  den  Kanten  zu  einem 
milchweissen  Glase  mit  glänzender  Oberfläche.  Mit  dem  Löth- 
rohre behandelt  schwillt  er  noch  etwas  an  und  schmilzt  zu  einer 
weissen,  blasigen  Masse  mit  rauher  Oberfläche  '  welche  durch 
das  Ausstossen  kleiner  Bläschen  entsteht  und  nicht  mehr  durch 
Schmelzen  glatt  wird.  Bei  dem  Ausstossen  der  kleinen  Bläschen 
bemerkt  man,  wie  bei  dem  Desmin  und  Stilbit,  das  Erscheinen 
kleiner  Lichtpuncte,  aber  nicht  so  stark  wie  dort. 

Apophyllit  von  Andreasberg  am  Harz,  farblose  Krystalle; 
er  wird  im  Glaskolben  erhitzt  weiss  und  undurchsichtig,  sich  wenig 
basisch  aufblätternd  und  unregelmässig  zerklüftend.  Eine  solche 
Probe,  in  die  Spiritusflamme  gehalten,  begann  sich  aufzublähen 
und  zu  schmelzen ,  ohne  klar  zu  werden.  Das  frische  Pulver 
reagirt  stark  alkalisch,  stärker  als  Natrolith;  dessgleichen  auch 
das  Pulver  rosenrother,  durchsichtiger  Krystalle  desselben  Fund- 
ortes und  farbloser,  durchsichtiger  Krystalle  von  Faroe. 

Brucit  von  Texas  in  Pennsylvanien,  farblose,  durchsichtige 
Spaltungslamellen,  reagirt  schon  als  solche,  aber  sehr  langsam 


305 


alkalisch,  wie  in  diesem  Zustande  erklärlich  ist,  bei  blosser  Be- 
feuchtung durch  das  feuchte  Papier,  dagegen  als  Pulver  sehr  in- 
tensiv, desgleichen  auch  das  im  Glasrohre  geglühte  Pulver,  wel- 
ches durch  das  Erhitzen  blass  rehfarben  wurde. 

Talk  vom  St.  Gotthard,  blassgrünliche,  durchsichtige  Spal- 
tungslamellen, zerschnitten  und  möglichst  fein  zerrieben,  reagirt 
stark  alkalisch,  im  Glasrohre  wird  das  Pulver  durch  Glühen  grau- 
lich, reagirt  aber  etwas  schwächer.  Die  dünnen  Spaltungslamellen 
blättern  sich  vor  dem  Löthrohre  etwas  auf,  werden  weiss  und 
durchscheinend  und  runden  sich  an  den  feinen  Rändern  ab. 

Pennin  von  Zermatt  in  Wallis  in  der  Schweiz,  durchsich- 
tige, grüne  Spaltungslamellen,  mit  der  Lupe  frei  von  etwaigen 
sonst  vorkommenden  Einschlüssen  befunden,  zerschnitten  und  mög- 
lichst fein  zerrieben  reagirt  stark  alkalisch.  Dünne  Lamellen,  in 
der  Zange  über  der  Spiritusflamme  erhitzt,  blättern  sich  schwach 
auf,  werden  blassgelblich-weiss  und  undurchsichtig:  vor  dem  • 
Löthrohre  erhitzt  schmelzen  sie  an  den  Rändern  zu  gelblichem, 
glänzendem  Email  und  werden  innerhalb  der  geschmolzenen  Rän- 
der wieder  durchscheinend.  Der  stark  geglühte  Pennin  ist  zwi- 
schen den  Fingern  zu  feinen  Schüppchen  zerreiblich. 

Serpentinasbest,  langfasrig,  fast  weiss,  zerschnitten  und 
möglichst  fein  zerrieben,  reagirt  ziemlich  stark  alkalisch,  dess- 
gleichen  das  im  Glaskolben  geglühte  Pulver,  welches  gelblich- 
grau ist.  Die  Asbestfasern  sind  vor  dem  Löthrohre  zu  gelben 
oder  braunen  Kügelchen  schmelzbar,  welche  rückwärts  gelrieben 
grösser  und  dunkler  bis  schwarz  werden, 

Serpentin,  die  dichte,  zeisiggrüne  bis  schwefelgelbe, 
Schweizerit  genannte  Varietät  von  Zermatt  in  Wallis  in  der 
Schweiz  reagirt  als  Pulver  vor  und  nach  dem  Glühen  stark  alka- 
lisch. Dichter,  ölgrüner,  durchscheinender,  wachsartig  glänzen- 
der Serpentin  von  Snarum  in  Norwegen,  dessen  Pulver  grünlich- 
grau ist,  verhält  sich  ebenso.  Vor  dem  Löthrohre  wird  er  gelb- 
lichbraun und  undurchsichtig,  schmilzt  aber  nicht  an  den  Rändern. 

Orthoklas,  farblose,  vollkommen  durchsichtige  Spaltungs- 
stückchen von  der  Fibia  am  St.  Gotthard,  zeigen  als  feines  Pulver 
ganz  entschieden  alkalische  Reaction,  nach  dem  Glühen  viel 
schwächer. 

Leucit  vom  Vesuv,  hellgraue,  halbdurchsichtige,  unter  der 

Jahrbuch  1867.  20 


! 

1 


306 


Lupe  als  ganz  rein  befundene  Krystallbruchstücke  reagiren  als 
feines  Pulver  alkalisch,  stärker  als  Orthoklas. 

Hauyn  von  der  Halbinsel  Isleta  auf  Canaria,  von  Herrn  Dr. 
K.  V.  Fritsch  zur  Prüfung  übergeben,  reagirt  als  Pulver  ziemlich 
stark  alkalisch.    Er  ist  blau  und  halbdurchsichtig. 

Nosean  in  Phonolith  von  der  Capverden-Insel  Brava .  auch 
von  Herrn  Dr.  K.  v.  Fritsch  übergeben,  graue,  schwach  durch- 
scheinende Krystallkörner ,  reagirt  als  Pulver  deutlich  alkalisch. 
Der  graulichgelbe  5  matte  Phonolith  reagirt  gleichfalls  alkalisch, 
das  gleichgefarbte  Pulver,  im  Glaskolben  geglüht,  wird  grau,  ver- 
liert Wasser  und  reagirt  stärker  alkalisch  als  vorher. 

Ve  SU  vi  an  von  Zermatt  in  Wallis  in  der  Schwerz,  kleine, 
braune,  gut  ausgebildete  Krystalle,  als  Pulver  gelblichgrau,  rea- 
girt stark  alkalisch,  dessgleichen  auch  nach  dem  Glühen. 

Muscovit  von  Gabon  in  Südafrika,  farblose,  durchsichtige 
Spaltungslamellen,  unter  der  Lupe  betrachtet  frei  von  Einschlüs- 
sen befunden,  zerschnitten  und  möglichst  fein  zerrieben,  zeigt 
deutliche  Spuren  alkalischer  Reaction ,  geglüht  auch  diese  nicht. 
Die  dünnen  Lamellen  schmelzen  vor  dem  Löthrohre  ziemlich 
schwierig  zu  weissem  Email. 

Phlogopit,  braune,  sehr  dünne,  durchsichtige  Spaltungs- 
lamellen, zerschnitten  und  möglichst  fein  zerrieben,  ein  bräun- 
lichgraues Pulver  gebend,  reagirt  stark  alkalisch,  geglüht  bedeu- 
tend schwächer.  Vor  dem  Löthrohre  schmelzen  die  Lamellen 
nicht  schwierig  zu  einem  schwarzen  glänzenden  Glase. 

Augit,  Einsprenglinge  in  vorhistorischer  Basanitporphyr- 
Lava  der  Capverden-Insel  Fogo,  von  Herrn  Dr.  K.  v.  Fritsch  zur 
Prüfung  übergeben,  fast  eisenschwarze  Krystalle  ooP  .  OOPOO 
•  O0P(^  .  P',  an  der  Oberfläche  und  auf  den  Bruchflächen  fast 
pfauenschweifig  angelaufen,  beim  Zerschlagen  dunkelgrüne,  durch- 
scheinende Splitter  gebend ,  reagiren  als  Pulver  stark  alkalisch. 
Wird  das  dunkelgraue  Pulver  im  Glaskolben  geglüht,  so  gibt  es 
Spuren  von  Feuchtigkeit  ab,  ohne  die  Farbe  zu  verändern  und 
reagirt  nur  noch  sehr  schwach  alkalisch.  Der  Augit  schmilzt 
nicht  schwierig  zu  schwärzlichgrünem  Glase. 

Die  Grundmasse  des  Basanitporphyrs,  welche  dicht  grau  und 
matt  ist,  zeigt  nur  sehr  schwache  Spuren  alkalischer  Reaction. 

Nephelin,  Einsprenglinge  in  demselben  Porphyr  bildend, 


■V 


307 


farblose  bis  weisse,  halbdurchsichtige  Krystalle,  ooP  .  oP,  reagirt 
als  Pulver  sehr  deutlich  alkalisch,  nach  dem  Glühen  ebenso.  Der 
Versuch  wurde  desshalb  gemacht,  weil  der  begleitende  Augit 
einen  so  starken  Unterschied  vor  und  nach  dem  Glühen  zeigte. 

Grammatit  von  Monte  Campione  bei  Faido  in  Tessin  in  der 
Schweiz,  in  Dolomit  eingewachsen;  dünne,  farblose,  durchsichtige 
Spaltungsstengel,  welche  unter  der  Lupe  ganz  rein  erschienen, 
nur  Sprünge  zeigten,  reagirten  als  Pulver  stark  alkalisch,  nach 
dem  Glühen  noch  stärker.  Hier  rührt  die  stärkere  Reaction  nach 
dem  Glühen  offenbar  von  eingeschlossenen  Theilchen  von  Carbo- 
nat  her,  weil  die  Spaltungsstengel  und  das  Pulver  mit  Salpeter- 
säure mit  Aufbrausen  Kohlensäure  entwickeln.  Sie  schmelzen  vor 
deni  Löthrohre  leicht  zu  halb  klarem,  weisslichem  Glase. 

Gyps,  von  Ehrendingen  im  Aargau  in  der  Schweiz,  parallel- 
fasrige,  seidenglänzende,  weisse,  halbdurchsichtige  bis  durchschei- 
nende Aggregate;  das  Pulver  wirkt  sehr  schwach,  aber  deutlich  alka- 
lisch, nicht  unmittelbar,  sondern  allmählich;  wird  das  Pulver  im 
Glaskolben  geglüht,  so  nimmt  die  Reaction  bedeutend  zu,  bei 
weiterem  Glühen  noch  mehr. 

W.  B,  Rogers  und  R.  E.  Rogers  (American  Journal  of 
science  and  arts  (2),  V,  401)  hatten  auch  Versuche  über  die 
Zersetzung  und  theilweise  Löslichkeit  von  Mineralen,  Gebirgs- 
arten  u.  s.  w.  durch  reines  und  Kohlensäure  enthaltendes  Wasser 
angestellt  und  eine  Anzahl  Minerale  angegeben,  welche  alkalische 
Reaction  zeigten;  da  aber  nur  die  Namen  angeführt  wurden,  so 
konnten  die  Versuche  nicht  verglichen  werden.  Jedenfalls  wird 
es  meine  Aufgabe  sein,  obige  Vepsuche  an  anderen  Mineralen 
fortzusetzen. 

Da  die  voranstehenden  Mittheilungen,  im  Anfang  des  Januar 
eingesendet,  erst  in  diesem  Hefte  aufgenommen  werden  konnten, 
so  benütze  ich  diese  Gelegenheit,  um  noch  eine  Reihe  weiter  in 
dieser  Richtung  angestellter  Versuche  mitzutheilen : 

Natrolith  aus  der  Auvergne,  farblose,  durchsichtige,  deut- 
lich ausgebildete  Krystalle;  sie  werden  im  Glaskolben  erhitzt 
weiss  und  undurchsichtig  und  erlangen  in  dem  oberen  Theile  der 
Spiritusflanime  nach  einiger  Zeit  oder  mit  der  Löthrohrflamme 
vorsichtig  erhitzt  wieder  die  Durchsichtigkeit,  sich  an  den  Kanten 
wenig  abrundend.    Bei  stärkerer  Hitze  schmelzen  sie  ruhig  und 

20 


308 


leicht  zu  klarem,  etwas  blasigem  Glase.  Das  Pulver  reagirt  frisch 
und  nach  dem  Glühen  stark  alkalisch,  sowie  auch  das  Pulver  des 
durch  Schmelzen  erhaltenen  Glases.  Das  Verhalten  ist  somit 
dasselbe ,  wie  das  des  Natrolith  von  Montecchio  maggiore,  wel- 
ches ich  Seite  77  dieses  Bandes  beschrieb. 

Analcim  von  den  Cyklopen-Inseln  bei  Sicilien,  farblose, 
durchsichtige,  stark  glänzende  Krystalle  202  .  ocOoo;  das  Pulver 
reagirt  stark  alkalisch,  nur  etwas  langsamer. 

Stilbit  aus  Island,  weisse,  durchscheinende,  rhomboidische 
Tafeln.  Das  Pulver  reagirt  deutlich  alkalisch ,  nach  dem  Glühen 
bedeutend  schwächer.  Vor  dem  Löthrohre  blähen  sich  Spaltungs- 
stücke mit  gleichzeitigem  Aufblättern  auf  und  es  entsteht  durch 
dieses  gleichzeitige  Aufblättern  und  Aufblähen  und  das  begin- 
nende Schmelzen  ein  weisses,  verworren  fasriges  Gebilde,  an 
Bimsstein  erinnernd;  ist  vor  dem  Löthrohre  leicht  schmelzbar 
zu  blasigem  Glase,  welches  auf  der  Oberfläche  der  Probe,  wie 
der  oben  beschriebene  von  Viesch,  leuchtende  Pünctchen  zeigt. 
Das  Glas  wird  nicht  klar. 

Desmin  aus  der  Grafschaft  Antrim  in  Irland;  weisse,  halb- 

durchsichtige,  tafelartige  Krystalle  OOPCO  .  XPx  •  Pj  im  Glas- 
kolben erhitzt  undurchsichtig  werdend ,  anschwellend  und  zer- 
bröckelnd:  in  der  Spiritusflamme  erhitzt  bläht  sich  ein  einzelner 
Krystall  stark  auf  und  schwillt,  sich  staudenförmig  verästeli^d,  zu 
einer  weissen,  schaumigfasrigen  Masse  von  fast  zehnfachem  Vo- 
lumen an,  welche  an  der  Oberfläche  kleine  Schmelzkügelchen 
zeigt:  vor  dem  Löthrohre  zeigen  die  Krystalle  dieses  an  Borax 
erinnernde  Aufblähen  und  staudenförmige  Verästeln  in  gleicher 
>yeise  und  schmelzen  leicht  zu  einem  weissen,  blasigen  Glase, 
auf  dessen  Oberfläche  während  des  Blasens  fortwährend  glim- 
mende Pünctchen  aufleuchten.  Das  frische  Pulver  reagirt  lang- 
sam, aber  doch  ziemlich  kräftig  alkalisch,  wogegen  es  nach  dem 
Glühen  nur  sehr  schwach  reagirt,  sowie  auch  das  Pulver  der  in 
der  Spiritusflamnje  erhaltenen,  voluminösen,  schaumigfasrigen 
Masse,  welche  sich  leicht  zwischen  den  Fingern  zerreiben  lässt. 

Chabacit  von  Aussig  in  Böhmen,  Krystalle  R,  weiss,  halb- 
durchsichtig, glasartig  glänzend :  in  der  Spiritusflamme  trübe  wer- 
dend, wenig  anschwellend,  doch  dünne  Stückchen  schon  an  den 


309 


Rändern  schmelzbar;  vor  dem  Löthrohre  stark  anschwellend, 
leicht  schmelzbar  zu  weissem,  blasigem  Glase.  Das  schneeweisse 
Pulver  reagirt  langsam,  aber  deutlich  alkalisch,  nach  dem  Glühen 
viel  schwächer,  die  geschmolzene  Masse  pulverisirt  gar  nicht. 

Laumontit  von  Huelgoet  in  der  Bretagne,  weisse,  schwach 
durchscheinende,  verwitternde  *Krystalle;  das  schneeweisse  Pulver 
reagirt  schwach,  aber  deutlich  alkalisch,  nach  dem  Glühen  etwas 
graulich  und  ebenso  schwach  reagirend ,  was  darauf  hindeutet, 
dass  bei  dem  oben  angeführten  vom  Berge  Mutsch  in  Uri  etwas 
Calcit  beigemengt  war,  besonders  weil  einzelne  Puncte  des  Curcuma- 
Papier  sstark  gebräunt  wurden.  Vor  dem  Löthrohre  schwillt  er  etwas 
an  und  schmilzt  leicht  zu  einem  graulichweissen,  blasigen  Glase. 

Prehnit  aus  dem  Dauphine,  blassgrüner,  krystallinischer 
Überzug  mit  deutlichen  Krystallenden ,  dünne  Stückchen  durch- 
scheinend. Das  weisse  Pulver  reagirt  stark  alkalisch ,  geglüht 
wird  es  graulichweiss  und  reagirt  ebenso.  Dünne  Splitter  schwel- 
len in  der  Spiritusflamme  an  und  schmelzen  an  den  Rändern  zu 
einem  glänzenden  Glase  und  selbst  dickere  Stücke  überziehen 
sich  mit  einem  Glasschmelz.  V.  d.  L.  anschwellend  leicht  schmelz- 
bar zu  graulichweissem,  blasigem  Glase,  welches  an  der  Ober- 
fläche wegen  der  vielen  Bläschen  nicht  mehr  so  glattflächig  und 
glänzend  wird,  wie  der  erste  Schmelz  in  der  Spiritusflamme. 

Apophyllit  aus  dem  Fassathale  in  Tirol,  grossblältrige, 
weisse,  stellenweise  blass  fleischrothe,  an  den  Kanten  durchschei- 
nende, wenig  glänzende  Krystalloide.  Das  weisse  Pulver  reagirt 
stark  alkalisch,  dessgleichen  auch  nach  dem  Glühen.  Vor  dem 
Löthrohre  zerbröckelt  er,  bläht  sich  auf  und  schmilzt  leicht  zu 
einem  weissen,  blasigen  Glase,  welches  pulverisirt  gleichfalls  stark 
alkalisch  reagirt ,  kaum  etwas  schwächer  als  das  frische  Pulver 
des  Minerals. 

Albit  von  Weilburg,  kleine,  aufgewachsene,  durch  die  Längs- 
flächen tafelartige  Krystalle,  Zwillinge,  auf  einem  krystallinisch- 
drusig  körnigen  Aggregate  weissen  Albites,  farblos  bis  weiss- 
lich,  nur  äusserlich  etwas  gelblich  durch  Anflug  von  Eisenoxyd- 
hydrat, halbdurchsichtig,  glänzend.  Als  Begleiter  ein  grosser, 
verbrochener,  weisser  Calcitkrystall  sichtbar.  Der  Albit  pulve- 
risirt sich  leichter  als  der  Orthoklas ,  das  weisse  Pulver  reagirt 
deutlich  alkalisch,  stärker  als  bei  Orthoklas;  nach  dem  Glühen  noch 


310 


stärker.  Der  damit  vorkommende  Calcit  reagirt  als  Pulver  nur 
in  Spuren,  doch  später  mehr  über  den  Calcit  überhaupt.  Der 
Albit  schmilzt  v.  d.  L.  schwierig  zu  farblosem  5  etwas  blasigem 
Glase  und  wird  mit  Kobaltsolution  befeuchtet  und  erhitzt  an  den 
geschmolzenen  Stellen  blau  wie  der  Orthoklas. 

Albit  von  der  Nolla  bei  Thusis  in  Graubündten  in  der 
Schweiz,  weisse,  halbdurchsichtige  Krystalle,  das  Pulver  leicht  zu 
erhalten,  schneeweiss,  reagirt  deutlich  alkalisch,  geglüht  lang- 
samer. Schmelzbarkeit  v.  d.  L.  wie  bei  dem  vorigen  und  ebenso 
die  blaue  Färbung  der  geschmolzenen  Ränder  durch  Kobaltsolution. 
Das  mit  Kobaltsolution  befeuchtete  und  auf  die  Kohle  gestrichene 
oder  am  Platindraht  geglühte  Pulver  ist  grau,  dagegen  wird  es  bei 
längerem  Blasen  an  der  Oberfläche  blau,  sobald  Schmelzung  ein- 
getreten ist. 

An  Orth  it  vom  Vesuv,  farblose,  halbdurchsichtige  Krystalle, 
begleitet  von  Hauyn,  Magnesiaglimmer,  Augit  u.  s.  w.  Das  Pulver 
reagirt  rasch  und  deutlich  alkalisch,  viel  stärker  als  das  des 
Albit,  nach  dem  Glühen  ist  die  Reaction  etwas  schwächer  und 
langsamer. 

Petalit  von  Utö  in  Schweden,  graulichweisse,  krystallinische 
Stücke,  das  weisse  Pulver  zeigt  sehr  schwache,  alkalische  Reac- 
tion, geglüht  ist  es  graulich  und  die  Reaction  kaum  bemerkbar. 
Kleine  Splitter  schmelzen  schon  in  der  Spitze  der  Spiritusflamme 
an  dem  Rande  zu  weissem  Glase,  v.  d.  L.  schmilzt  es  nicht 
schwierig  zu  weissem ,  durchscheinendem,  blasigem  Glase,  das 
mit  Kobaltsolution  blau  wird,  während  die  ungeschmolzene  Sub- 
stanz grau  wird. 

Spodumen  von  Utö  in  Schweden,  blassgrüne,  krystallinische 
Stücke.  V.  d.  L.  zerklüftet  er  stark,  wird  gelb  und  bröckelt  ab, 
doch  bei  vorsichtigem  Blasen  schmelzen  die  sich  ablösenden 
Theile  zu  grauen  Glaskugeln  zusammen,  die  wieder  durch  wei- 
teres Zerklüften  herunterfallen.  Das  weisse  Pulver  reagirt  stark 
alkalisch,  geglüht  wird  es  blass  isabellgelb,  reagirt  aber  nur  we- 
nig schwächer:  wird  dagegen  das  Pulver  angefeuchtet  und  in  das 
Platinöhr  gestrichen  und  bis  zum  Schmelzen  erhitzt,  so  reagirt 
die  Probe  nicht  mehr  oder  kaum  in  Spuren. 

Turnialin  aus  dem  Binnenthale  in  Wallis  in  der  Schweiz, 
sehr  dünne,  bei  durchfallendem  Lichte  braun  durchscheinende 


311 


Nadeln,  deren  grünlichgraues  Pulver  bei  wiederholten  Versuchen 
keine  Reaction  zeigt,  dessgleichen  auch  nicht  nach  dem  Glühen, 
welches  die  Farbe  nicht  verändert.  V.  d.  L.  entsteht  rasch  an 
der  Spitze  der  Turmalinnadel  eine  grosse,  blasige,  graue  Schlacke, 
welche  wie  ein  Kopf  aufsitzt,  im  Innern  hohl  ist  und  sich  leicht 
zerreiben  lässt. 

Hauyn  vom  Vesuv,  kleine  Krystalle  und  Krystallkörner, 
schön  sapphirblaUj  durchscheinend,  glasglänzend,  begleitet  von 
Magnesiaglimmer,  Anorthit,  Augit  u.  a.  Das  weisse  Pulver  rea- 
girt  ziemlich  stark  alkalisch,  nach  dem  Glühen  wenig  schwächer, 
nur  langsamer. 

Muscovit  vom  Berge  Sella  am  St.  Gotthard  in  der  Schweiz, 
graue,  scharf  ausgebildete,  sechsseitige,  tafelartige  Krystalle  mit 
Quarzkrystallen  auf  grauem  Gneissgranit;  zerschnitten  und  mög- 
lichst fein  zu  Pulver  zerrieben  reagirt  er  schwach,  aber  entschieden 
alkalisch,  das  weisse  Pulver  wird  geglüht  blass  fleischroth  und 
zeigt  dieselbe  schwache  Reaction.  V.  d.  L.  wird  er  trübe  und 
weisslich  und  schmilzt  ziemlich  leicht  zu  grauem,  glasartigem 
Email. 

Magnesiaglimmer  (ob  Biotit?)  aus  Tirol,  vielleicht  aus 
dem  Zillerlhale,  grossblättrig  körnige  Massen;  der  Glimmer  ist 
grünlichschwarz  und  starkglänzend,  in  dünnen  Blättchen  bouteil- 
lengrün  durchscheinend,  in  sehr  dünnen  durchsichtig.  Möglichst 
fein  zerrieben  reagirt  er  sehr  stark  alkalisch,  im  Kolben  erhitzt 
gibt  er  sehr  wenig  Wasser ,  das  Pulver  wird  braun  und  reagirt 
noch  stark  alkalisch,  nur  etwas  langsamer.  Die  alkalische  Reac- 
tion ist  so  stark,  dass  wenn  man  das  Pulver  mit  Wasser  über- 
giessl  und  im  Gläschen  einige  Zeit  stehen  lässt,  das  klare  Wasser 
bei  dem  Eintauchen  des  Curcumapapiers  starke  Reaction  zeigt. 
V.  d.  L.  schmilzt  er  an  den  Rändern  zu  schwarzem,  glänzendem, 
undurchsichtigem  Glase,  die  Lamelle  wird  dabei  braun  bronzirend. 

Biotit  vom  Vesuv,  weisse,  lamellare  Krystalloide,  bis  blass 
grünlichweiss ,  in  dünnen  Lamellen  farblos  und  durchsichtig,  im 
Aussehen  wie  ein  heller  Muscovit,  reagirt  als  Pulver  momentan 
stark  alkalisch,  ändert  beim  Glühen  weder  die  Farbe,  noch  die 
Reaction.  In  ganz  gleicher  Weise  verhält  sich  der  hellgrüne  und 
dunkelgrüne  Biotit  von  da  und  der  dunkelgrüne  wird,  wie  der 
Tiroler,  durch  Glühen  braun,  nur  mehr  graulichbraun. 


312 


Biotit  von  Zinnwald  in  Böhmen,  schöne,  tafelförmige,  fast 
schwarz  erscheinende  Krystalle  oR  .  xR,  welche  auf  den  Basis- 
flächen grünlichschwarz  oder  schwärzlichgrün .  an  den  Rändern 
schwarz  erscheinen,  während  dünne  Lamellen  hellgrün  und  durch- 
sichtig sind,  V.  d  L.  ist  er  sehr  schwer  an  den  Rändern  zu 
graulichem  Glase  schmelzbar.  Das  grünlichgraue  Pulver  reagirt 
stark  alkalisch. 

Fuchsit  genannter  Muscovit  von  Passeyr  in  Tirol,  schön 
apfelgrüne,  schuppige  Krystalloide,  eingewachsen  in  grobkörnigem 
Dolomit,  das  grünlichweisse  Pulver  reagirt  nur  schwach  und  lang- 
sam alkalisch. 

Paragonit  von  Monte  Campione  bei  Faido  in  Tessin  in  der 
Schweiz;  das  weisse  Pulver  reagirt  nur  sehr  schwach  alkalisch, 
nach  dem  Glühen  nur  noch  in  Spuren.  Er  gibt  itn  Kolben  wenig 
Wasser.  Da  der  Paragonit  für  unschmelzbar  gehalten  wird ,  so 
untersuchte  ich  sehr  genau  das  Verhalten  und  fand,  dass  er  in 
der  That  an  den  Rändern  der  Lamellen  schmelzbar  ist,  indem 
man  ganz  deutlich  sieht,  dass  an  der  Spitze  eines  Schiefersplit- 
ters ein  Überschmelzen  eintritt,  wodurch  die  glänzeliden  Schüpp- 
chen verschwinden,  während  sie  nach  unten  noch  deutlich  sicht- 
bar sind.  Auch  bei  dem  Befeuchten  mit  Kobaltsolution  sieht  man 
das  Schmelzen,  indem  die  geglühte  Probe  deutlich  verschieden 
blau  gefärbt  wird,  an  den  Rändern  dunkler  wie  Kobaltglas. 
Wenn  man  das  fein  zerriebene  Pulver  mit  Kobaltsolution  anfeuchtet 
und  in  das  Öhr  des  Platindrahtes  streicht,  so  wird  die  Masse 
beim  Erhitzen  grau,  die  Lamellen  glänzen  weiss,  bei  stärkerem 
Erhitzen  tritt  die  kobaltblaue  Färbung  punctweise  ein  und  unter 
der  Lupe  sieht  man  deutlich  den  entstandenen  Schmelz. 

Lepidolith  von  Rozena  in  Mähren;  das  weisse  Pulver  hat 
einen  Stich  in  das  Rosenrothe  und  reagirt  deutlich,  aber  schwach 
alkalisch,  geglüht  erst  nach  einiger  Zeit  sehr  schwach.  V.  d.  L. 
schmilzt  es  leicht  zu  weissem,  blasigem  Glase,  mit  saurem, 
schwefelsaurem  Kali  und  Fluoritpulver  geschmolzen  zeigt  er  ausser 
der  Lithionfarbe  auch  noch  wenig  grüne  Färbung  durch  Borsäure. 
Im  Kolben  erhitzt  gibt  das  Pulver  etwas  Wasser. 

Grossular,  honiggelbe  Krystalle  ooO .  202  .  30^/2  .  coOcxD, 
stark  durchscheinend,  glasartig  glänzend,  auf  den  unebenen  Bruch- 
flächen in  Wachsglanz  geneigt,  auf  Penninschiefer  von  Zermatt 


313 


in  Wallis  in  der  Schweiz,  begleitet  von  stengligem  bis  fasrigem 
Diopsid  5  V.  d.  L.  nicht  schwierig  schmelzbar  zu  glänzendem, 
schwarzem,  nicht  magnetischem  Glase.  Das  gelblichweisse  Pulver 
reagirt  vor  und  nach  dem  Glühen  entschieden ,  aber  schwach 
alkalisch,  die  Farbe  des  Pulvers  wird  durch  das  Glühen  nur  wenig 
dunkler.  V.  d.  L.  mit  Phosphorsalz  geschmolzen  gibt  er  ein 
klares,  nur  wenig  durch  Eisen  gefärbtes  Glas. 

Spinell  von  Ceylon,  0  .  ooO  (ooO  fein  nach  der  längeren 
Diagonale  gestreift)  dunkelroth ;  das  fast  weisse  Pulver  reagirt 
zwar  sehr  schwach,  aber  entschieden  alkalisch,  geglüht  wird  das 
Pulver  gelblichweiss  und  reagirt  bedeutend  stärker  alkalisch.  Ein 
zweiter,  blassrother,  durchsichtiger  Krystall  0  .  coO  von  Ceylon 
ergab  ganz  dasselbe  Resultat  der  Reaction.  Das  mit  Koballsolu- 
tion  befeuchtete  und  geglühte  Pulver  wird  schön  blau,  was  in- 
sofern recht  interessant  ist,  als  die  Reaction  auf  Gurcumapapier 
die  Magnesia,  die  Prüfung  mit  Kobaltsolution  die  Thonerde  anzeigt. 

Korund  von  Ceylon,  ein  blassrother,  durchsichtiger  und 
ein  dunkelrother,  durchscheinender,  undeutlich  ausgebildeter  Kry- 
stall wurden  geprüft;  das  Pulver  ist  weiss,  zeigt  keine  Reaction. 
geglüht  wird  es  ein  wenig  gelblichweiss,  ohne  Reaction.  Das 
Pulver  mit  Kobaltsolution  befeuchtet  und  geglüht  wird  blau.  An  ähn- 
lichen rothen  Krystallen  bemerkte  ich,  dass,  wenn  man  sie  ganz, 
wie  sie  sind,  glüht,  sie  graulichgrün  werden  und  nach  dem  Er- 
kalten ihre  frühere  Farbe  unverändert  wieder  kommt,  was  nach 
Belieben  wiederholt  werden  kann.  Ein  chemischer  Vorgang  kann 
dieser  Erscheinung  wohl  nicht  zu  Grunde  liegen. 

Zirkon  von  Ceylon,  bräunlichrother,  durchsichtiger  Krystall 5 
das  Pulver  ist  weiss,  reagirt  nicht,  nach  dem  Glühen  auch  nicht. 
Ein  gleichgefärbter  Krystall  geglüht  wurde  blass  bräunlichgelb  und 
blieb  durchsichtig;  beim  Abkühlen  erschien  die  frühere  Farbe 
nicht  wieder. 

Staurolith  von  Monte  Campione,  Canton  Tessin  in  der 
Schweiz,  röthlichbrauner ,  durchscheinender  Krystall.  Das  blass 
isabellgelbe  Pulver  reagirt  nicht  alkalisch,  geglüht  wird  es  ent- 
schieden dunkler,  bräunlichgrau,  reagirt  nicht. 

Oljvin  vom  Vesuv,  ölgrüne,  lose  Krystalle;  das  weisse 
Pulver  reagirt  stark  alkalisch ,  geglüht  wird  es  graulichbraun, 
reagirt  gleichfalls  stark,  nur  langsamer. 


314 


Diopsid  von  der  Mussa-Alpe  in  Piemont,  blassgrüner,  halb- 
durchsichtiger Krystall  mit  stark  glänzenden  Flächen:  das  Pulver 
ist  weiss  und  reagirt  stark  alkalisch,  beim  Glühen  bleibt  es  un- 
verändert und  die  Reaction  ist  ganz  dieselbe.  V.  d.  L.  schmilzt 
er  schwierig  zu  blasigem  Glase. 

Augit  vom  Vesuv,  dunkelgrüne  Krystalle  im  Gemenge  mit 
Hauyn,  Anorthit,  Magnesiaglimmer  und  Pleonast:  das  Pulver  ist 
grünlichweiss ,  reagirt  stark  alkalisch,  durch  Glühen  wird  die 
Farbe  des  Pulvers  wenig  verändert,  mehr  grau,  die  Reaction  ist 
dieselbe. 

Wollastonit  von  Orawitza  im  Banat,  krystallinisch,  dick- 
stenglige  Individuen,  verwachsen  mit  Calcit,  weiss  durchschei- 
nend, auf  den  Spaltungsflächen  glasglänzend.  Das  weisse  Pulver 
reagirt  vor  und  nach  dem  Glühen  gleich  stark  alkalisch ,  Calcit 
ist  keiner  dabei  gewesen,  wie  die  Prüfung  mit  Säure  zeigte, 
ausserdem  auch  die  Reaction,  welche  bei  Anwesenheit  von  Calcit 
nach  dem  Glühen  hätte  viel  stärker  sein  müssen,  während  un- 
geglüht der  Calcit  keinen  Einfluss,  oder  höchstens  einen  nur  sehr 
geringen  ausgeübt  haben  könnte.  Da  jedoch  das  Pulver  in 
Säure  nicht  brauste,  so  war  auch  kein  Calcit  darin  enthalten. 
Vor  dem  Löthrohre  war  der  Wollastonit  schmelzbar  und  gab  ein 
farbloses,  halbklares  Glas. 

Datolith  von  Andreasberg,  weisses,  kantendurchscheinendes 
Krystallstück  mit  demantartigem  Wachsglanz  auf  den  unebenen 
Bruchflächen,  wie  bei  Schwefel;  das  weisse  Pulver  reagirt  sofort 
stark  alkalisch,  nach  dem  Glühen  langsamer  und  schwächer:  das 
Pulver  ist  nicht  mehr  schneeweiss,  etwas  graulich  geworden.  V. 
d.  L.  leicht  schmelzbar  zur  farblosen,  durchsichtigen  Kugel,  die 
beim  Abkühlen  klar  bleibt  ,  nur  wenig  an  Durchsichtigkeit  ein- 
büsst  durch  Rauhwerden  (Krystallisiren  ?)  an  der  Oberfläche.  Ein 
dünner  Splitter  schmilzt  schon  in  der  Spirilusflamme. 

Hemimorphit  vom  Allenberg  bei  Aachen,  farblose,  durch- 
sichtige Krystalle:  das  weisse  Pulver  zeigt  keine  Reaction. 

Apatit  vom  Berge  Sella  am  St.  Gotthard,  farblose,  durch- 
sichtige bis  halbdurchsichtige  Krystalle:  das  weisse  Pulver  zeigt 
keine  Reaction 

Kryolith  aus  Grönland,  weiss:  das  Pulver  reagirt  nicht 
alkalisch,  im  Glaskolben  geglüht  auch  nicht,  dagegen  reagirt  der 


315 

Kryolith  in  der  Spiritusflamme  oder  vor  dem  Löthrohre  geschmol- 
zen stark  alkalisch.  Wird  der  Kryolith  auf  der  Kohle  zur  Kugel 
geschmolzen  und  diese  mit  Kobaltsolulion  befeuchtet  und  wieder 
erhitzt,  so  wird  die  Kugel  im  Inneren  blau,  während  sich  aussen 
eine  weisse  Kruste  zeigt. 

Calcit  farbloses  Spaltungsstiick  von  Island  und  farbloser 
Aragonitkrystall  von  Horschentz  in  Böhmen  wurden  genau  ver- 
glichen. Beide  reagiren  als  Pulver  nur  äusserst  schwach  alka- 
lisch, das  im  Glaskolben  geglühte  Pulver  reagirt  bei  beiden  sehr 
stark  alkalisch.  Bei  dem  Glühen  des  Pulvers  auf  Platinblech 
konnte  ich  keinen  Unterschied  im  Zusammenhange  des  Pulvers 
bemerken,  sie  bleiben  beide  gleichmässig  locker,  nur  zeigte  sich 
darin  ein  Unterschied,  dass  das  Pulverhäufchen  des  Aragonit  auf 
dem  Platinblech  leicht  hin  und  her  schwimmt,  während  das  Pulver- 
häuflein des  Calcit  träge  liegen  bleibt.  Legt  man  ein  Stückchen 
Aragonit  und  Calcit  nebeneinander  auf  Platinblech,  so  zerspringt, 
wie  bekannt  ist,  der  Aragonit^  der  Calcit  bleibt  unverändert,  be- 
kommt höchstens  einige  Sprünge;  beide  reagiren  aber  nachher 
schon  alkalisch,  der  Aragonit  natürlich  stärker  wegen  der  viel- 
fachen Zertheilung.  In  Salpetersäure  ist  in  Betreff  der  Löslich- 
keit mit  Brausen  kein  Unterschied  zu  bemerken. 

Dolomit,  in  Drusen  aufgev^^achsene  Krystalle  R  mit  ge- 
krümmten Flächen  von  Bex  im  Canton  Waadt  in  der  Schweiz, 
blass  röthlichweiss,  durchscheinend,  perlmutterglänzend.  Das 
Pulver  reagirt  deutlich  alkalisch,  stark  im  Vergleiche  zu  Calcit 
und  Aragonit;  im  Glaskolben  geglüht  sehr  stark,  bleibt  aber 
weiss.  Lässt  man  ein  Spaltungsstück  im  Kolben  erhitzt  zersprin- 
gen, bis  es  aufhört  zu  decrepitiren  und  nimmt  dann  ein  solches 
kleines  Stückrhen  in  die  Pincette  und  erhitzt  es  v.  d.  L.,  so  wird 
es  an  der  Oberfläche  gelb  bis  braun,  zerklüftet  und  reagirt  sehr 
stark  alkalisch.  Wird  das  weisse  Pulver  auf  Platinblech  erhitzt, 
so  bekommt  es  eine  schwache  gelbliche  Färbung,  bleibt  aber 
locker  wie  vorher.  Man  beobachtet  dabei,  wie  bei  dem  Aragonit, 
das  eigenthümliche  Schwimmen  auf  dem  Platinblech.  Wird  das 
Pulver  mit  dem  Löthrohre  angeblasen,  so  wird  es  gelb.  —  Ein 
ähnliches  Verhalten  ergab  farbloser,  durchsichtiger,  starkglänzen- 
der, krystallisirter  Dolomit  aus  dem  Bouilletschachte  im  Bezirke 
Aigle  im  Canton  Waadt ,  R  mit  kleinen  Basisflächen  und  Krüm- 


316 


mung  der  Rhomboederflächen  gegen  die  Seitenecken  hin ,  ähn- 
lich wie  bei  den  Krystallen  aus  dem  Brossothale  in  Piemont.  Das 
weisse  Pulver  reagirt  recht  deutlich  alkalisch ,  wird  auf  dem 
Platinblech  geglüht  (dabei  als  Häufchen  hin  und  her  schwimmend) 
schwach  isabellgelb,  mit  dem  Löthrohre  behandelt  gelb  bis  braun 
und  reagirt  sehr  stark  alkalisch. 

Magnesit  aus  der  Gegend  von  Frankenstein  in  Schlesien, 
dicht,  weiss,  reagirt  als  Pulver  stark  alkalisch,  nach  dem  Glühen 
sehr  stark. 

Siderit  von  Baigorry  in  den  Pyrenäen,  aufgewachsene, 
grosse,  linsenförmige  Krystalle  V^I^'-oR,  graulichgelb,  durch- 
scheinend, glasglänzend  in  Perlmutterglanz  geneigt,  von  sehr  fri- 
schem Aussehen.  Das  sehr  blassgelbe  Pulver  zeigt  keine  Spur 
von  Reaction.  im  Kolben  geglüht  schwarz,  auf  Platinblech  dunkel- 
braun, nicht  reagirend.  Ein  Spaltungsstück  decrepitirt  im  Kolben 
sehr  heftig  zu  schwarzen,  starkglänzenden  Splittern;  ein  solcher 
Splitter  schmilzt  v.  d.  L  nicht  zu  schwierig  zu  einer  schwarzen, 
glänzenden  Schlacke.  In  Salpetersäure  ist  dieser  Siderit  nicht 
sofort  löslich,  erst  wenn  man  die  Säure  erwärmt.  Mengt  man 
das  Sideritpulver  mit  sehr  wenig,  etwa  den  20.  Theil  Dolomit- 
pulver, so  ist  die  alkalische  Reaction  entschieden  zu  sehen. 

Strontianit  von  Strontian,  blassgrünliche,  stengligfasrige 
!  Massen:   das  weisse  Pulver  reagirt  schwach  alkalisch,  geglüht 

wird  es  etwas  graulich  und  wird  stärker  alkalisch  reagirend :  ge- 
schmolzen reagirt  es  stark.  V.  d.  L.  erhitzt  geht  er  blumen- 
kohlartig oder  staudenförmig  auseinander  und  schmilzt  nicht  leicht 
an  der  Oberfläche  zu  weissem  Email,  die  Flamme  stark  röthend. 

Witherit  aus  Cumberland,  mikrokrystallisch,  fest  verwach- 
sen fasrig,  blassgelb,  durchscheinend,  splittrig  im  Bruche.  Als 
Pulver  sehr  schwach,  geglüht  stärker,  geschmolzen  intensiv  alka- 
lisch reagirend.  V.  d.  L.  schmilzt  er  sehr  leicht  zu  weissem 
Email,  die  Flamme  grünlich  färbend;  in  Salpetersäure  mit  schwa- 
chem Brausen  auflöslich. 

Cer.ussit  von  Mies  in  Böhmen,  blassgelblichgraue,  durch- 
scheinende Krystalle  P  .  2Pco:  das  Pulver  ist  graulichweiss,  rea- 
girt nicht  alkalisch,  im  Glaskolben  oder  auf  Platinblech  geglüht 
wird  es  morgenroth,  kalt  citronengelb  und  reagirt  stark  alkalisch, 
was  die  Löslichkeit  des  Bleioxydes  im  Wasser  mit  Evidenz  beweist. 


317 


Malachit,  fasriger;  das  hellgrüne  Pulver  reagirt  nicht  alka- 
lisch, ebensowenig  das  durch  Glühen  erhaltene  schwarze  Kupfer- 
oxyd. 

Gyps  von  Ehrendingen  im  Canton  Aargau  in  der  Schweiz, 
farbloser,  halbdurchsichtiger  bis  durchscheinender,  fasriger.  wie 
der  bereits  oben  geprüfte ,  zeigte  bei  mehrfacher  Prüfung  bald 
keine,  bald  äusserst  schwache  alkalische  Reaction  als  ungeglühtes 
Pulver,  wesshalb  ich  auch  farblosen,  durchsichtigen,  krystallisirten 
von  Friedrichsrode  in  Thüringen  und  von  Bex  im  Canton  Waadt 
wiederholt  prüfte,  ohne  Reaction  zu  bemerken.  Ich  glaubte  nun 
den  Grund  einer  zufälligen  Reaction  darin  suchen  zu  können, 
dass  etwas  Calcit  beigemengt  sein  könnte  und  mengte  daher  äus- 
serst wenig  Calcitpulver  zu  Gypspulver,  worauf  sich  entschiedene, 
wenn  auch  sehr  schwache  Reaction  zeigte,  die,  wenn  das  Pulver 
geglüht  wurde,  stärker  war.  Besonders  deutlich  sieht  man  die 
schwache  Reaction  durch  etwas  beigemengtes  Calcitpulver,  wenn 
man  das  .Gemenge  im  Achatmörser  mit  Wasser  anreibt.  Beim 
Glühen  des  reinen  Gypspulvers  im  Kolben  bemerkt  man  keine 
oder  nur  äusserst  schwache  Reaction.  Wird  der  fasrige  Gyps 
von  Ehrendingen  nur  langsam  durch  die  Spiritusflamme  bewegt, 
so  trennen  sich  die  Fasern  mit  Heftigkeit  und  die  alkalische 
Reaction  ist  stark,  um  so  stärker,  je  langsamer  er  die  Flamme 
passirt.  Der  krystallisirte  zerspaltet  in  der  Spiritusflamme  nach 
den  untergeordneten  Spaltungsrichtungen,  die  bereits  durch 
Sprünge  angedeutet  sind.  Geschmolzen  zeigt  jeder  Gyps  starke 
alkalische  Reaction. 

Anhydrit  von  Bex  im  Canton  Waadt  in  der  Schweiz,  farb- 
lose, durchsichtige  Spallungsstücke;  das  Pulver  reagirt  nicht  al- 
kalisch ,  im  Glaskolben  erhitzt  äusserst  schwach,  auf  Platinblech 
erhitzt  stärker  und  mit  dem  Löthrohre  angeblasen  sehr  stark. 
V.  d.  L.  schmilzt  er  in  Stückchen  nicht  schwierig  zu  einem  weis- 
sen, stark  alkalisch  reagirendem  Email.  Eine  zweite  Probe  zeigte 
auch  im  Glaskolben  erhitzt  keine  Reaction. 

Cölestin  von  Lerkara  in  Sicilien,  farblose,  durchsichtige, 
stark  glänzende  Krystalle ;  das  Pulver  reagirt  nicht  alkalisch,  das 
Pulver,  im  Glaskolben  geglüht,  wird  vorübergehend  grau,  dann 
blass  gelblichweiss  und  reagirt  stark  alkalisch,  woraus  wohl  auf 
eine  Reduction  durch  organische  Substanz  zu  schliessen  ist.  Vor 


318 


dem  Löthrohre  schmilzt  er  ohne  Schwierigkeit  zu  einem  milch- 
weissen,  stark  alkalisch  reagirenden  Email. 

Baryt  von  Aiston  in  England,  farblos  durchsichtig,  stark 
glänzend,  krystallisirt:  das  Pulver  reagirt  nicht  alkalisch,  im  Glas- 
kolben geglüht  auch  nicht,  erst  wenn  das  Pulver  angefeuchtet  in 
das  Platinöhr  gestrichen  und  in  die  Spiritusflamme  gehalten  wird, 
tritt  starke  alkalische  Reaction  ein  mit  Geruch  nach  Schwefel- 
wasserstoff. Wird  der  Baryt  in  Stücken  im  Kolben  erhitzt ,  so 
decrepitirt  er  nur  wenig  und  bleibt  farblos,  ein  kleines,  so 
abgesprungenes  Stück  schmilzt  v.  d.  L.  ziemlich  leicht  zu  einem 
weissen,  stark  reagirenden  Email.  Blättrige,  roseltenförmig  ver- 
wachsene Krystalloide  von  Badenweiler  zeigten  im  Kolben  er- 
hitzt ein  so  heftiges  Decrepitiren ,  dass  auch  nicht  ein  mit  der 
Pincette  fassbarer  Splitter  entstand,  das  Pulver  reagirt  nicht  alka- 
lisch, geglüht  im  Kolben  auch  nicht,  erst  nach  dem  Glühen  auf 
dem  Platinblech  deutlich  und  mit  dem  Löthrohre  angeblasen  sehr 
stark. 

Phlogopit,  braune,  durchscheinende  Krystalle ,  in  dünnen 
Lamellen  gelb  und  durchsichtig,  reagirt  als  Pulver  von  gelblich- 
grauer Farbe  stark  alkalisch,  nach  dem  Glühen  etwas  heller  ge- 
worden auch  stark,  nur  langsamer.  V.  d.  L.  schmilzt  er  nicht 
schwierig  an  den  Rändern  zu  einem  graulichweissen ,  emailarti- 
gen Glase.  Nachdem  ich  durch  die  verschiedenen  angestellten 
Versuche  die  Überzeugung  gewonnen,  dass  sich  durch  die  höchst 
einfache  Prüfung  des  Pulvers  auf  befeuchtetem  Curcumapapier 
(welches  ich,  um  die  Reactionen  gleichmässig  beurtheilen  zu  kön- 
nen, fast  immer  anwendete,  oder  auch  ebenso  entschieden  auf 
Lakmus-  oder  Fernambukpapier).  der  Kali-  und  Magnesiaglimmer 
sehr  leicht  unterscheiden  lässt,  indem  der  Magnesiaglimmer  stark 
bis  sehr  stark,  der  Kaliglimmer  schwach  bis  sehr  schwach  rea- 
girte,  will  ich  diese  Beschreibung  der  erhaltenen  Resultate  nur 
noch  mit  einem  Exemplare  aus  dem  Zillerthale  in  Tirol  abschlies- 
sen,  w^elches  ein  krystallinisches  Gemenge  von  körnigem,  calci- 
tischem  Dolomit  mit  grünlichschwarzem,  blättrigem  Ghromglimmer 
(einem  chromhaltigen  Magnesiaglimmer  darstellte,  durchzogen  mit 
äusserst  feinschuppigem,  apfelgrünem  sog.  Fuchsit.  Mit  Vorsicht 
ausgelesene  Splitterchen  des  feinschuppigen  Fuchsit  geben  ein 
grünlichweisses  Pulver,  welches  sehr  schwach  alkalisch  reagirt, 


319 


geglüht  aber  intensiv.  Der  Grund  davon  liegt  daran,  dass  es 
innig  mit  Dolomitsubstanz  durchzogen  ist,  die  man  auch  durch 
Behandlung  mit  Salpetersäure  durch  das  Brausen  erkennt.  Dieser 
Fuchsit  schmilzt  v.  d.  L.  leicht  zu  einem  grauen,  glasartigen 
Email.  Der  sogenannte  Chromglimmer  bildet,  wie  erwähnt,  klein- 
blättrige Krystalloide ,  die  sich  bequem  herauslösen  lassen;  das 
grünlichgraue  Pulver  reagirt  stark  alkalisch.  V.  d.  L.  wird  es 
grau,  perlmutterglänzend,  während  es  frisch  mehr  glasartig  glänzt 
und  schmilzt  an  den  Rändern  schwer  zu  einem  grauen  Email. 
Der  kalkige  Dolomit  reagirt  als  Pulver  schwach  alkalisch,  geglüht 
sehr  stark.  Kleine  Stückchen  brausen  in  massig  verdünnter  Sal- 
petersäure, aber  nicht  mit  Heftigkeit,  wie  Calcit,  doch  auch  nicht 
so  schwach,  wie  der  typische  Dolomit. 

Da  ich  die  Versuche  noch  fortsetze,  enthalte  ich  mich  vor- 
läufig, wie  ich  schon  oben  erwähnte,  jeder  Schlussfolgerung,  die- 
selbe dem  Resultate  weiterer  Untersuchungen  überlassend. 


Bunter  Sandstein  in  Formen  von  Kalkspath 

Herrn  Professor  It.  Blum. 


Die  Einförmigkeit  des  bunten  Sandsteins  des  südwestlichen 
Deutschlands  ist  bekannt;  er  ist  weder  durch  grosse  Gesteins- 
verschiedenheit, noch  durch  zahlreiche  Einschlüsse  organischer 
oder  unorganischer  Natur  ausgezeichnet.^  So  ist  es  besonders 
auch  in  unserer  Gegend,  wo  dieses  Gestein  in  bedeutender  Ver- 
breitung und  Mächtigkeit  auftritt.  Der  Königstuhl  (1893'  hoch), 
der  Geisberg  (1252')  und  der  Heiligenberg  (1438')  in  der  näch- 
sten Umgebung  von  Heidelberg  bestehen  aus  ihm.  Nur  einmal 
gelang  es  mir,  unbedeutende  Pflanzenreste  von  Calamites  Mou- 
geoti  Brongn.  in  den  untersten  Lagen  des  bunten  Sandsteins 
zwischen  Rohrbach  und  Leimen  aufzufinden.  Von  Mineralien  aber 
hat  man  in  ihm  getroffen:  Barytspath  auf  Klüften  in  sehr 
schönen,  durchsichtigen,  weissen,  obwohl  kleinen  Krystallen  der 

Form  oP  .  y2P{X)  •  Pcb  •  ?  auch  kämm-  und  fächerförmige  Ag- 
gregate in  einem  Steinbruche  bei  Rohrbach  nicht  weit  von  der 
Kirche;  Kalkspath  in  Lagen  und  Nestern  in  den  oberen  Schich- 
ten des  Sandsteins  in  dem  Bruche  bei  der  sogenannten  Kanzel 
am  Geisberg;  Psilomelan,  welcher  am  häufigsten  in  der  gan- 
zen Umgegend  getroffen  wird,  und  zwar  oft  in  den  schönsten 
dendritischen  Gestalten,  theils  mitten  im  Gestein,  theils  als  Über- 
zug auf  Kluftflächen:  auch  in  traubigen,  kugel-  und  nierenför- 
migen  Massen  kommt  er  vor ,  selbst  in  Pseudomorphosen  nach 
Barytspath  in  dem  Bruche  an  der  Kanzel,  von  welchem  Fund- 
orte das  Mineralien-Gabinet  der  Universität   ein  derbes  Stück 


321 


von  Psilomelan  besitzt,  welches  6  Zoll  lang,  5"  breit  und  2"  dick 
ist,  und  sich  in  einer  Spalte  daselbst  fand  Dass  derselbe  eine 
spätere  Bildung  sei.  wird  nicht  nur  durch  sein  Vorkommen  in 
Pseudomorphosen,  sondern  auch  dadurch  bewiesen,  dass  in  alten 
Steinbruchhalden  oder  sonstigen  Anhäufungen  von  Bruchstücken 
dieses  Gesteins  manche  der  letzteren  rundum  mit  einem  Überzuge 
von  Psilomelan  versehen  sind.  Eisenglimmer  in  kleinen  Blätt- 
chen, stellenweise  im  Sandstein,  auch  in  den  Thongallen  desselben 
am  Geisberg.  Faseriger  Rotheisenstein  mit  schaliger  Ab- 
sonderung in  Trümmern  am  westlichen  Abhänge  des  heiligen 
Berges  nach  Neuenheim  hin;  faseriger  Brauneisenstein  in 
nieren-  und  traubenförmigen  Massen  vom  Judenbuckel  bei  Wein- 
heim. 

Sehr  häufig  kommen  auch  Sandstein-Kugeln  und  Sphäroide 
mitten  in  unserem  Sandsteine  vor,   welche  nichts  anderes  als 
Concretionen  sind ;  denn  obwohl  für  solche  Gebilde  ihre  mine- 
ralische Verschiedenheit  von  dem  einschliessenden  Gestein  als 
besonders  charakteristisch  aufgestellt  wird ,  so  kann  diese  der 
Natur  der  Sache  nach  hier  nicht  gross  sein  und  nur  in  dem  Ab- 
weichen des  Bindemittels  beruhen,  was  allerdings  oft  nur  unbe- 
deutend ist,  und  leicht  übersehen  werden  mag.    Aber  auch  die 
innere  Beschaffenheit  derselben  spricht  in  manchen  Fällen  für 
diese  Ansicht.    Jene,  die  innere  Beschaffenheit  dieser  Concretio- 
nen nämlich,  zeigt  sich  sehr  verschieden,  während  ein  Theil  der- 
selben ganz  geschlossen,  d.  h.  ihr  ganzer  Raum  von  Sandstein- 
Masse  ist,  finden  wir  bei  einem  anderen  Theile,  allerdings  sel- 
tener, grössere  oder  kleinere  Hohlräume,  in  welchen  dann  mehr 
oder  weniger  loser  Sand  getroffen  wird.    Die  eine  oder  die  an- 
dere dieser  Concretionsarten  lassen  dabei  zuweilen  auch  eine 
sehr  schöne  schalige  Absonderung  wahrnehmen,  so  dass  eine 
Lage  leicht  von  der  anderen  getrennt,  und  grössere  Exemplare 
der  Art  zu  kleineren  geschlagen  werden  können.    Eine  weitere 
Abtheilung  dieser  Gebilde  zeichnen  sich  dadurch  aus ,  dass  sie 
eine  fremdartige  Substanz  als  Kern  besitzen,  um  welchen  sich 
die  Sandsteinmasse  angelegt  hat  und  die  ich  desswegen  Kern- 
concretionen  nennen  will.    Solche  Kerne  bestehen  meist  aus 
Thonstückchen  oder  Thonausscheidungen,  den  sogenannten  Thon- 
gallen gleich.    Eine  ganz  eigenthümliche  und  höchst  merkwürdige 

Jahrtucli  1867.  21 


322 


Art  von  Kernconcretionen  wurden  jedoch  vor  ganz  Kurzem  von 
Herrn  Pfarrer  Schmetzer  in  Ziegelhausen ,  im  Bärenthälchen  bei 
diesem  Orte,  in  mehrfachen  Exemplaren  aufgefunden  und  mir  von 
demselben  freundlichst  mitgetheilt,  und  geben  nun  die  Veran- 
lassung zu  diesem  kurzen  Bericht. 

Die  eben  angeführten  verschiedenen  Concretionen  des  bunten 
Sandsteines  bestehen  theils  aus  einer  mürben ,  oft  durch  Eisen- 
oxydhydrat oder  Psilomelan  gefärbten  Masse,  die  leicht  zerbröckelt, 
aus  dem  Sandstein  herausfällt  und  Hohlräume  in  demselben  hin- 
terlässt,  theils  und  häufiger  sind  sie  härter  und  fester,  wie  das 
umgebende  Gestein,  so  dass  dieses  leichter  verwittert,  wie  jene 
und  letztere  dann  herausfallen.  In  beiden  Fällen  sehen  wir,  dass 
das  Bindemittel  der  Concretionen  und  der  umgebenden  Sand- 
steinmassen von  einander  abweichen  muss,  und  in  der  That  ist 
es  viel  kieseliger,  wenn  die  Festigkeit  grösser  ist,  mehr  thonig, 
wenn  diess  nicht  der  Fall.  Aus  dem  oben  angeführten  geht  da- 
her auch  hervor,  dass  es  nicht  auffallend  sein  kann,  wenn  zu- 
weilen lose,  kugelige,  sphäroidische  und  knollenförmige  Concre- 
tionen von  Sandstein  gefunden  werden,  und  solche  hat  man  denn 
auch  in  der  neuesten  Zeit  in  dem  Thälchen  des  Bärenbaches 
oberhalb  Ziegelhausen  getroffen  und  zwar  solche,  die,  wie  ge- 
sagt, zu  den  Kalkconcretionen  gehören.  Der  Kern  -derselben 
aber  wird  von  einer  freien  Krystallgruppe  von  Kalkspathformen 
gebildet,  die  jedoch  gänzlich  aus  buntem  Sandstein  bestehen. 
Diese  Gestalten  zeigen  das  gewöhnliche  Kalkspath-Skalenoeder 
R.5,  und  zwar  einzelne  so  scharf  und  deutlich  erhalten,  dass  sie 
gemessen  werden  konnten.  Die  Spitzen  sind  jedoch  bei  allen 
Individuen  mehr  oder  weniger  zugerundet,  nur  bei  einem  oder 
dem  anderen  ist  eine  Andeutung  der  oberen  Begrenzung  durch 
ein  Rhomboeder,  wie  es  scheint,  durch  — VgR,  vorhanden.  Vm 
diese  Gruppen,  die  2—4  und  mehr  Zoll  im  Durchmesser  haben, 
liegt  eine  ganz  ähnliche  Sandsteinmasse  als  Schale  an,  und  wenn 
diese  jene  vollständig  umgibt,  ahnt  man  nicht,  dass  unter  der- 
selben eine  solche  Krystallgruppe  verborgen  liege  und  den  Kern 
dieser  concretionären  unförmlichen  Knollen  und  Kugeln  bilde. 
Übrigens  zeigt  sich  diese  Schale  sehr  ungleich  dick,  was  jedoch 
auch  eine  Folge  der  Verwitterung  sein  kann.  An  einer  Con- 
cretion  der  Art  ist  nämlich  an  einzelnen  Stellen  die  Schale  so 


323 


dünn  geworden,  dass  hier  die  Spitzen  der  Krystaile  hervorragen. 
Auch  sitzl  die  Sandsteinmasse  der  Schale  nicht  tiberall  an-  der 
Druse  fest  an ,  oft  ist  ein  Zwischenraum  zwischen  dieser  und 
jener,  besonders  an  den  Spitzen  der  Krystaile  oder  an  einer 
Seite  der  Concretion;  aber  auch  da,  wo  die  Schale  auf  den  Kry- 
stallen  der  Druse  fest  aufliegt,  lässt  sich  jene  doch  von  diesen 
ablösen. 

Die  erwähnten  Krystalldrusen  unterscheiden  sich  von  dem 
sogenannten  krystallisirten  Sandsteine  von  Fonlainebleau  sehr 
wesentlich  dadurch,  dass  sie  keine  Spur  von  kohlensaurem  Kalke 
mehr  enthalten;  ich  habe  einen  Krystall  zerstossen  und  das  Pulver 
mit  Säure  Übergossen  und  konnte  auch  nicht  die  geringste  An- 
deutung von  der  Anwesenheit  jener  Substanz  bemerken.  Jedoch 
möchte  die  Entstehung  beider  gleich  sein.  Man  kann  sich  denken, 
dass  der  erste  Bildungsact  der  Kalkspathkrystalle  in  einem  losen 
Sande  stattgefunden  habe,  in  welchem  sich  jene,  trotz  der  Über- 
mengung  mit  diesem  dennoch  zu  Gruppen  gestalten  konnten.  Als 
nun  der  Sand  zu  Sandstein  erhärtete,  bildeten  sich  um  die  freien 
Krystallgruppen  Concretionen  und  es  entstanden  so  die  Kern- 
concretionen.  Aber  die  Kerne  derselben  wurden  im  Laufe  der 
Zeit  verändert,  an  die  Stelle  des  Kalkes,  welcher  von  der  durch 
den  Sandstein  dringenden  Feuchtigkeit,  die  wahrscheinlich  Koh- 
lensäure enthielt,  aufgelöst  und  hinweggeführt  wurde,  setzte  sich, 
wenigstens  theilweise,  das  Bindemittel  des  Sandsteins,  das  zum 
Theil  wohl  kieselsäurereicher  war  als  der  in  letzterem,  wodurch 
die  Krystaile  nicht  nur  zusammengehalten,  sondern  es  auch  mög- 
lich wurde,  dass  sie  sich  fester  zeigen  wie  die  umgebende  Schale. 
Die  Form  der  Krystaile  ist  jedoch  an  den  Individuen  dersell)en 
Gruppen  nicht  immer  gleich  erhalten;  einige  zeigen  sich  ziem- 
lich scharf  und  deutlich,  während  andere  mehr  oder  weniger, 
besonders  nach  den  Spitzen  hin  zugerundet  erscheinen.  Letz- 
teres ist  besonders  da  der  Fall,  wo  sich  ein  Zwischenraum  zwi- 
schen dem  Kerne  und  der  Schale  findet,  in  welchem  dann  ge- 
wöhnlich etwas  loser  Sand  eingeschlossen  ist.  Diese  Erschei- 
nungen beweisen ,  dass  die  Krystallgruppen  an  Volumen  etwas 
abgenommen  haben,  wahrscheinlich  dadurch,  dass  das  hinzuge-^ 
führte  Cement  den  hinweggeführten  Kalk,  namentlich  in  den  obe 
ren  Theilen  der  Krystaile,  nicht  ganz  ersetzt  hat,,  wodurch  ein 

21  * 


324 


Theil  der  früher  eingeschlossenen  Sandkörner  nicht  mehr  festge- 
halten wurde.  Dass  aber  die  Sandsteinschale  allseilig  auf  den 
Krystallen  aufgelegen  habe,  geht  daraus  hervor,  dass  die  abge- 
schlagene Schale  den  Abdruck  von  jenen  in  der  Regel  scharf 
und  deutlich  zeigt. 

Mit  den  Formen  nach  Steinsalz,  welche  verschiedene  Ge- 
steine, besonders  auch  die  bunten  Sandsteine  mancher  Gegenden 
(Fulda,  Hausberg  bei  Jena)  zeigen,  haben  jene  Kalkspathformen 
ihrer  Entstehung  nach  gewiss  nichts  gemein.  Jene  Krystalloide 
nach  Steinsalz  sind  Abgüsse  von  Eindrücken ,  welche  Steinsalz- 
Krystalle  in  der  Oberfläche  einer  Schicht  zurückliessen ,  auf  der 
sie  sich  gebildet  hatten,  und  die  dann  später  von  der  Masse  der 
neuen  Schicht  erfüllt  werden  mussten  und  daher  an  deren  un- 
terer Fläche  als  Abguss  in  erhabener  Form  sich  findet.  Die  Kalk- 
spathformen müssen  mitten  im  Gestein  vorkommen,  denn  obwohl 
dieselben  bis  jetzt  noch  nicht  anstehend  gefunden  wurden,  so 
lässt  sich  diess  der  Analogie  mit  dem  Vorkommen  anderer  -Con- 
cretionen  in  demselben  Gestein  und  in  der  nämlichen  Gegend  und 
nach  der  Beschaffenheit  jener  Kernconcretionen  nicht  anders  an- 
nehmen. Hoffentlich  wird,  wenn  bessere  Jahreszeit  die  genauere 
Untersuchung  der  Fundstätte  möglich  macht,  jene  Ansicht  be- 
stätigt und  solche  Concretionen  im  Gestein  gefunden  werden. 

Eine  Ausfüllung  aber,  welche  zur  Erklärung,  der  Entstehung 
gar  mancher  Pseudomorphosen  angewendet  wird,  ohne  dass  die- 
selbe bewiesen  worden  wäre,  kann  auch  hier  nicht  stattgefunden 
haben,  denn  wie  hätte  die  Sandsteinmasse  sich  in  die  hohlen 
Concretionen  ergiessen  sollen,  da  diese  doch  fest  und  hart  sein 
mussten,  um  die  Form  des  Kalkspaths  zu  erhalten,  damit  ein  Ab- 
guss geliefert  werden  konnte.  Es  dürfte  daher  die  zuerst  ge- 
gebene Erklärung  von  der  Bildung  jener  Krystalloide  und  Con- 
cretionen noch  die  annehmbarste  sein. 

Heidelberg,  im  Fehtu&r  1$6T. 


Die  vulcanischen  Erscheinun^eu  im  Jalire  1866 

von 

Herrn  Dr.  C.         C.  Fuclis. 


Die  Zahl  der  vulcanischen  Erscheinungen,  welche  ich  diess- 
inal  aus  dem  Jahre  1866  verzeichnen  kann,  ist  geringer  wie 
gewöhnlich  5  namentlich  geringer,  wie  im  Jahre  vorher.  Wir 
dürfen  nicht  voraussetzen ,  dass  die  vulcanischen  Erscheinungen 
wirklich  in  geringerer  Zahl  in  dem  abgelaufenen  Jahre  vorge- 
kommen sind,  sondern  die  bewegte  Zeit  war  es,  welche  den 
Zeitungen  hinreichend  Stoff  gab .  so  dass  sie  uns  von  den  ver- 
schiedenen Ereignissen  dieser  Art,  wenn  sie  nicht  durch  ausser- 
ordentliche Heftigkeit  Aufsehen  auf  sich  lenkten,  keine  Nachricht 
brachten.  Das  zeigt  sich  darin  ganz  klar,  dass  gerade  seit  April 
nur  wenig  vulcanische  Erscheinungen  verzeichnet  sind  und  dass 
wir  aus  den  unglücklichen  Sommermonaten  oft  nicht  ein  einziges 
Ereigniss  kennen.  Wenn  diese  jährlichen  Besprechungen  der 
vulcanischen  Erscheinungen  überhaupt  keinen  Anspruch  auf  Voll- 
ständigkeit machen  können,  so  muss  darum  die  diessjährige  als 
besonders  lückenhaft  erscheinen. 


Unter  den  Vulcanen  nimmt  im  Jahre  1866  Santorin  das  weit 
überwiegende  Interesse  in  Anspruch.  Da  von  verschiedenen 
Seiten  eine  Reihe  von  Nachrichten  über  die  Thätigkeit  des  Vul- 
cans  von  Santorin  während  dieses  Zeitraumes  gegeben  wurden 
und  genaue  Untersuchungen  darüber  veröffentlicht  sind,  so  darf 
ich  mich  hier  kürzer  fassen,  als  es  sonst  diese  in  der  Geschichte 


326 


der  vulcanischen  Erscheinungen  so  äusserst  denkwürdige  Erup- 
tion verlangte.  Es  wird  genügen,  wenn  ich  auf  jene  Unter- 
suchungen und  Nachrichten  hinweise  *  und  selbst  nur  ein  zu- 
sammenhängendes Bild  der  daselbst  stattgefundenen  Ereignisse 
zu  geben  und  einige  Folgerungen  daraus  zu  ziehen  suche. 

Die  Insel  Santorin  würde  auch  dann  ihre  vulcanische  Natur 
verrathen,  wenn  wir  nichts  von"  den  daselbst  vorgekommenen 
Eruptionen  wüssten.  Wie  St.  Paul,  die  Columbretes-Inseln,  De- 
ception  und  viele  andere,  besitzt  sie  die  so  auffallende  Ringform, 
welche  sich  leicht  als  Kraterwall  eines  vom  Meere  erfüllten  Kra- 
ters zu  erkennen  gibt.  Durch  den  zerstörten  Tbeü  des  Krater- 
walles steht  das  Wasser,  welches  das  Kraterbecken  erfüllt,  mit 
dem  Meere  in  Verbindung.  Santorin  zeichnet  sich  aber  dadurch 
aus.  dass  zwischen  den  beiden  Enden  des  Halbringes  oder  Krater- 
walles noch  zwei  Inseln  liegen,  Therasia  und  Aspronisi,  den  Wall 
gleichsam  ergänzend.  Im  Innern  des  Kraterbeckens  liegen  drei 
Eruptionskegel,  deren  Gipfel  über  die  Wasserfläche  emporragt, 
so  dass  sie  als  drei  Inseln  erscheinen:  Palaeo-Kaimeni,  Neo- 
Kaimeni  und  Mikra-Kaimeni.  Die  erstere  liegt  gegen  die  Öff- 
nung des  Kraterringes,  Mikra-Kaimeni  zunächst  Santorin  und  zwi- 
schen beiden  Neo-Kaimeni. 

Unsere  Kenntniss  dieser  merkwürdigen  Inselgruppe  reicht 
mehr  als  zwei  Jahrtausende  zurück  und  mehrmals  in  diesem 
Zeitraum'©  hat  dieser,  sonst  scheinbar  ganz  erloschene  Vulcan 
Eruptionen  gehabt.  Nach  einer  durch  Plinius  gegebenen  Nach-, 
rieht  entstand  bei  einer  solchen  Eruption  eine  Insel,  **  welche 
nach  den  von  ihm  gemachten  Angaben  entweder  Aspronisi  oder 
Therasia  sein  muss.  Allseitig  bestätigt,  von  Plutarch,  Plinius 
und  Pausanias,  ist  die  Entstehung  von  Palaeo-Kaimeni  in  histo- 
rischer Zeit.  Die  dabei  vorgekommenen  Erdbeben  richteten  auf 
der  Insel  Rhodus  grosse  Verwüstungen  an  und  eine  andere  kleine 
Insel,  in  der  Nähe  von  Lemnos,  versank  durch  dieselben.  Die 
Zeit  des  Ereignisses  wird  dagegen  verschieden  angegeben.  Es 

■"■  Die  wichtigsten  Nachrichten  und  Untersuchungen  haben  wir  in  einer 
Reihe  von  Artikeln,  die  in  den  Compt.  rend.  LXII  und  LXIII  erschienen, 
»  dann:   Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  Bd.  16,  S.  20—23,  35  —  54  etc., 
ferner  verschied.  Zeitungen,  wie  A.  Allg.  Zeitung  etc. 
**  Natur.  Quaest.  L.  2.  C.  26. 


327 


fand  entweder  im  Jahre  184  oder  107  v.  Chr.  statt.  Spätere 
Eruptionen  vergrösserten  diese  Insel  in  den  Jahren  726  und 
1427  unserer  Zeitrechnung.  In  der  Nähe  fanden  im  Jahre  19 
und  60  Eruptionen  statt,  welche  jedoch  nur  Inseln  von  kurzer 
Dauer  bildeten.  * 

Im  Jahre  1573  wurde  durch  eine  Eruption  die  Insel  Mikra- 
Kaimeni  erzeugt.  —  Die  Eruptionen  in  den  Jahren  1637  und  1650 
gingen  ohne  Inselbiltlung  vorüber. 

Die  grösste  geschichtliche  Eruption  des  Vulcans  von  Santorin 
fand  im  Jahre  1707  statt.  Auch  bei  dieser  war  die  Folge  eine 
Inselbildung  5  von  welcher  man  am  23.  Mai  die  ersten  Spuren 
sah.  Die  Eruption  dauerte  auf  dieser  neuen  Insel,  welche  Neo- 
Kaimeni  genannt  wurde,  mit  kurzen  Unterbrechungen  bis  in  das 
Jahr  1711.  —  Seit  jener  Zeit  schien  die  Inselgruppe  gänzlich  er- 
loschen. Nur  einzelne  warme  Quellen  brachen,  besonders  auf 
Neo-Kaimeni,  hervor,  welche  jedoch  auf  anderen,  viel  länger  er- 
loschenen Vulcanen  sowohl  häufiger  als  auch  wärmer  sind. 

In  dem  Jahre  1866^  also  nach  155  Jahren  (wieder  ein  Be- 
weis dafür,  dass  die  von  A.  v.  Humboldt  festgehaltene  Grenze 
einer  hundertjährigen  Ruhe  nicht  genügt,  um  einen  Vulcan  mit 
Sicherheit  zu  den  erloschenen  zählen  zu  können),  erneuerte  der 
Vulcan  seine  Thätigkeit  und  es  begann  eine  Eruption ,  welche 
durch  die  genaue  Beobachtung,  die  sie  von  vielen  Seiten  er- 
fuhr und  durch  die  sie  begleitenden  Umstände  stets  zu  den  merk- 
würdigsten Ereignissen  auf  diesem  Gebiete  der  Naturerscheinun- 
gen zählen  wird. 

Die  ersten  Anzeichen  der  eintretenden  Eruption  bestanden 
in  schwachen  Erderschütterungen  am  28.  und  29.  .Januar,  welche 
sich  am  30.  heftiger  wiederholten  und  von  einem  dumpfen,  un- 
terirdischen Getöse,  einer  fernen  Kanonade  vergleichbar,  begleitet 
wurden.  Am  darauf  folgenden  Tage  nahm  das  unterirdische  Ge- 
töse immer  noch  zu  und  auch  die  Erdbeben  steigerten  ihre  Hef- 
tigkeit. Das  Meer  nahm  eine  röthliche  Farbe  an  und  aus  dem 
Wasser  des  kleinen  Hafens  von  Neo-Kaimeni,  welcher  Voulcano 
heisst,  stiegen  einzelne  dichte,  weisse  Dampfwolken  auf.  Gegen 
Abend  begann  der  Boden  des  SO.-Theiles  von  Neo-Kaimeni  sich 


Plinius,  hist.  nat.  II,  89.    Vita  Apollonii  IV,  2. 


328 


stetig  zu  senken,  etwa  0,6  Meter  in  der  Stunde:  die  aufsteigen- 
den Dämpfe  verbreiteten  einen  heftigen  Schwefel-Geruch.  Am 
1.  Februar  5  Uhr  Morgens   erschienen  zuerst  Flammen ,  die 
sich  etwa  ein  Meter  hoch  über  das  Meer  erhoben.    Der  Boden 
von  Neo-Kaimeni  spaltete  sich  vielfach  und  von  dem  Gipfel  der 
Insel  lösten  sich  grosse  Blöcke  los,  welche  in  das  Meer  stürzten. 
Das  Meer  gerieth  in's  Sieden,  indem  iauuer  mächtigere  Dampf- 
massen aus  dem  Wasser  sich  entwickelten.  Am  2.  Febr.  war  der 
Boden  von  Neo-Kaimeni  schon  so  tief  gesunken .  dass  man  im 
Kahn  in  die  daselbst  befindlichen  Häuser  fahren  konnte.  Am 
3.  Februar  bemerkte  man  bei  steter  Erhitzung  des  Meerwassers 
und  dichten  Dampfmassen ,  die  unter  zischendem  Geräusch  aus 
dem  Meere  sich  erhoben,  eine  Klippe  im  Innern  des  Hafens  von 
Voulcano  aufsteigen,  an  einer  Stelle,  wo  die  Meerestiefe  im  Jahre 
1848  noch  48  Ellen  betrug  und  wo,  nach  der  Ansicht  von  St.  Claibe- 
Deville,  die  im  Jahre     entstandene  und  bald  wieder  verschwundene 
Insel  sich  gebildet  hatte.    Am  4.  Februar  entwickelte  sich  die 
Klippe  zu  einer  .stets  sich  vergrössernden  Insel.    Ihr  Wachsen 
erfolgte  ohne  heftige  und  gewaltsam.e  Erscheinungen,  ohne  He- 
bung des  Meeresbodens  und  ohne  Eruption,  ja  seit  ihrem  Er- 
scheinen hatten  sogar  der  Rauch  und  die  Erdbeben  aufgehört. 
Schon  am  folgenden  Tage  hatte  die  Insel  70  Meter  in  der  Länge, 
30  Meter  in  der  Breite  und  20  in  der  Höhe.    Die  Oberfläche 
bestand  aus  Lavablöcken  von  verschiedener  Grösse,  dunkel,  aber 
gewöhnlich  noch  heiss,  welche  von  der  Mitte  gegen  den  Rand 
hingeschleudert  wurden.    In  der  Mitte  erschienen  dann  neue, 
aber  roth  glühende  Blöcke.    Im  Dunkel  der  Nacht  leuchtete  da- 
gegen die  ganze  Insel.    Am  Tage  war  sie  von  kleinen  rothen 
Flämmchen  bedeckt,  welche  am  Gipfel  in  grösster  Menge  vor- 
kamen.   Auch  der  Rauch,  welcher  aus  der  Insel  aufstieg,  leuch- 
tete während  der  Nacht,  »wie  ein  Kometenschweif«.    Durch  an- 
dauernde Vergrösserung  vereinigte  sich  die  Insel,  welche  den 
Namen   Georgsinsel  erhalten  hatte .  am  6.  Februar   mit  Neo- 
Kaimeni,  so  dass  sie  seitdem  nun  ein  neues  Vorgebirge  von  letz- 
terer bildet. 

Am  11.  Februar  war  die  Ortschaft  Voulcano  bis  auf  etwa 
20  Häuser  von  dem  sich  vergrössernden  Berge  bedeckt  und  am 
13.  war  der  Hafen  von  Voulcano  ausgefüllt.    An  demselben  Tage 


329 


begannen  auch  daselbst  Explosionen,  auf  welche  ein  Auswurf  von 
glühenden  Steinen  folgte.  Die  Eruptionen  nahmen  seit  dem  20. 
an  Heftigkeit  zu.  An  diesem  Tage  steckte  ein  vom  Krater  ausge- 
worfener glühender  Lavablock  ein  Schiff  zwischen  Neo-  und  Mikra- 
Kaimeni  in  Brand  und  ein  anderer  tödtete  den  Kapitän  desselben. 
Es  flogen  Blöcke  von  mehreren  Metern  im  Durchmesser  wohl 
hundert  Meter  weit  und  kleinere  sogar  2 — 300  Meter.  Die  Höhe, 
bis  zu  welcher  die  Steine  aufstiegen,  ward  auf  900 — 1200  Fuss 
geschätzt.  Am  21.  Febr.  erfolgten  auch  zwei  Ascheneruptionen 
und  am  23.  eine  Eruption,  bei  welcher  Asche,  Schlacken  etc. 
bis  zu  mehr  als  1000  Meter  Höhe  emporgeschleudert  wurden. 
Die  Rauchsäule  ward  mehrfach  von  den  Officieren  des  österrei- 
chischen Schiffes  Reka  bei  den  Eruptionen  gemessen  und  ergab 
sich  zu  2300  Meter. 

Die  Georgsinsel  blieb  seitdem  in  Thätigkeit,  indem  beständig 
Dampf  aus  ihren  Spalten  aufstieg,  theils  von  weisser  Farbe,  theils 
grau  oder  violett.  In  einer  Stunde  kamen  oft  mehr  als  zwölf 
kleine  Explosionen  vor,  die  aus  einer  Öffnung  in  der  Mitte  er- 
folgten, deren  Gestalt  und  Grösse  fortwährend  sich  änderte.  Im 
April  ward  die  Thätigkeit  regelmässiger  und  schien  sich  allmählich 
zu  verringern,  allein  bald  begannen  die  Ausbrüche  wieder  stärker. 
Im  Mai  hörte  man  ein  anhaltendes  Donnern  und  Brüllen  unter 
dem  Meere,  glühender  Rauch  und  heisse  Dämpfe  stiegen  aus  dem 
Boden  und  grosse  glühende  Lavablöcke  wurden  umhergeschleu- 
dert, während  dichter  Aschenregen  zeitweise  die  Atmosphäre 
verdunkelte.  Anfangs  hatte  die  Georgsinsel  nach  übereinstim- 
menden Berichten  von  Seebach  und  Fouque  keinen  Krater,  später 
beschrieb  *  Fouque  den  Krater  als  eine  grosse  Vertiefung,  die 
theilweise  mit  an  der  Oberfläche  erkalteter  Lava  erfüllt  war.  Am 
Fusse  des  Kegels  brachen  Lavaströme  hervor,  welche  in  der 
Richtung  nach  Süden  flössen ;  die  späteren  erstreckten  sich 
300  Fuss  in  das  Meer  hinein.  Cigalla  zählte  im  Laufe  von 
24  Stunden  mehr  als  fünfhundert  Explosionen.  Am  18.  Juli  er- 
folgte eine  besonders  heftige  Explosion,  durch  welche  der  Gipfel 
der  Insel  zersprengt  wurde.  Durch  fortgesetzte  Thätigkeit  ward 
der  Gipfel  im  November  nach  und  nach  von  Lava  wieder  ersetzt. 


*  Compt.  rend.  LXII,  S.  1187. 


330 


Mehrmals  kamen  auch  Explosionen  unter  dern  Meere  vor.  Gegen 
Ende  des  Jahres  schien  die  Energie  der  vulcanischen  Thätigkeit 
auf  der  Georgsinsel  zuzunehmen. 

Am  8.  Febc  ward  das  Meer  in  der  Nähe  von  Palaeo-Kaimeni. 
westlich  vom  Cap  Phlego,  sehr  heiss  und  nahm  eine  gelblichgrüne 
Farbe  an,  während  Gase  und  Dämpfe  in  ungeheurer  Menge  aus 
demselben  aufstiegen.  Am  folgenden  Tage  verstärkten  sich  diese 
Erscheinungen  und  zuweilen  konnte  man  sogar  kleine  Stücke 
schlackiger  Lava  emporschleudern  sehen.  Am  lt.  Februar  ent- 
deckte der  griechis(;he  Dampfer  Aphroessa  an  dieser  Stelle  eine 
Felsklippe  und  am  13.  tauchte  endlich  eine  Insel  aus  dem  Meere 
auf,  welcher  man  den  Namen  Aphroessa  beilegte.  Die  Insel  er- 
schien in  dem  Kanäle  zwischen  Palaeo-Kaimeni  und  Neo-Kaimeni, 
gerade  vor  dem  südwestlichen  Vorgebirge  letzterer  Insel,  etwa 
10  Meter  von  ihrer  Küste  entfernt.  Die  ersten  Blöcke,  welche 
über  dem  Meere  erschienen,  waren  mit  Austerschalen  und  Mol- 
lusken bedeckt.  Das  Wachsthum  von  Aphroessa  ging  langsamer 
und  unregelmässiger  von  statten,  als  dasjenige  der  Georgsinsel, 
ja  anfangs  verschwand  sie  mehrmals  und  tauchte  wieder  auf^ 
erst  seit  dem  Abend  des  13.  Februar  blieb  sie  beständig  sicht- 
bar. Die  neue  Insel  glich  einer  gewaltigen,  zähen  und  langsam 
anschwellenden  Steinmasse,  die  auf  der  Oberfläche  von  grossen 
Blöcken  bedeckt  war.  Dazwischen  fanden  sich  zahlreiche  tiefe 
Spalten,  in  welchen  man  selbst  am  Tage  die  glühende  Lava  sehen 
konnte.  Später  erfolgten  auch  auf  Aphroessa  Explosionen,  bei 
welchen  Steine  oft  von  bedeutender  Grösse  emporgeschleudert 
wurden;  einer  derselben  besass  z.  B.  einen  Durchmesser  von 
100  Meter.  Am  22.  Februar  kündigte  heftiger  Donner  den  Ein- 
tritt einer  Eruption  an.  Bald  darauf  brach  ein  Flammenmeer 
aus  Aphroessa  hervor  und  glühende  Steine  flogen  nach  allen  Rich- 
tungen Nachmittags  wiederholte  sich  die  Erscheinung  und  dauerte 
45  Minuten.  Nach  einem  Zeiträume  von  vierzehn  Tagen  nahmen 
die  Explosionen  ab,  die  Insel  vergrösserte  sich  nur  noch  lang- 
sam und  war  von  einer  zimmtbraunen  Rauchwolke  bedeckt.  Bei 
Nacht  war  Feuerschein  über  der  Insel  zu  sehen.  Im  Mai  kamen 
nur  noch  1 — 2  schwache  Explosionen  täglich  auf  Aphroessa  vor; 
am  18.  Mai  erschienen  wieder  Flammen  von  brennendem  Gas 
und  auf  der  Seite  brach  ein  kleiner  Lavastrom  hervor.  Schon 


331 

am  19.  März  hatte  sich  Aphroessa  mit  Neo-Kaimeni  verbunden, 
so  dass  diese  Insel  nun  zwei  neue  Vorgebirge  hat,  die  ehemalige 
Georgsinsel,  die  sich  als  Vorgebirge  von  Nord  nach  Süd  erstreckt, 
und  Aphroessa,  die  sich  gegen  Westen  ausdehnt.  —  Im  August 
waren  auf  Aphroessa  nur  noch  Fumarolen  vorhanden. 

Am  10.  März,  als  Fouque  auf  einem  österreichischen  Schiffe, 
der  »Reka«,  um  Aphroessa  herumfuhr,  bemerkte  er  eine  neue 
Insel,  welche  er  nach  dem  Schiffe  »Reka«  benannte.  Dieselbe 
war  nur  10  Meter  von  Aphroessa  entfernt  und  anfangs  1,5  Meter 
hoch,  30 — 40  Meter  breit,  bestand  aber  gleichfalls  aus  Lava.  Am 
13.  März  war  Reka  schon  durch  ihre  Vergrösserung  mit  Aphroessa 
verbunden,  zwischen  beiden  blieb  jedoch  eine  merkbare  Vertie- 
fung, die  in  ihrer  Lage  dem  Kanal  entspricht,  welcher  einst  beide 
Inseln  trennte.  Reka  erkaltete  zuerst  und  war  schon  Mitte  Mai 
vollständig  erloschen. 

Fouque  constatirte  schon  im  März,  dass  auch  in  dem  Kanäle 
zwischen  Neo-Kaimeni  und  Palaeo-Kaimeni  der  Boden  sich  er- 
höhe, besonders  zwischen  Reka  und  der  Südspitze  von  Palaeo- 
Kaimeni.  Im  Anfang  der  Eruption  war  daselbst  die  grösste  Tiefe 
120  Meter,  im  März  betrug  dieselbe  kaum  die  Hälfte.  Wirklich 
erschienen  auch  im  Mai  zwischen  Aphroessa  und  Neo-Kaimeni 
zwei  neue  Inseln,  welche  von  den  anwesenden  deutschen  Geo- 
logen den  Namen  »Maiinseln«  erhielten.  Nach  Mypert  entstand 
die  eine  derselben  am  19.  Mai  6  Uhr  Abends.  Die  Bildung 
dieser  Inseln  erfolgte  ohne  merkliche  Temperaturerhöhung  des 
umgebenden  Meerwassers  und  ohne  Rauch-  und  Feuerentwick- 
lung nahmen  dieselben  allmählig  an  Ausdehnung  zu.  Bis  zum 
25.  Mai  hatten  sich  in  der  Nähe  noch  sechs  andere  Inseln  ge- 
bildet, so  dass  nun  gerade  vor  dem  Eingang  in  den  Hafen  von 
St.  Nikolaus  auf  Palaeo-Kaimeni  acht  kleine  Inseln  bei  einander 
lagen.  Alle  vergrösserten  sich  und  besonders  gegen  Süden,  so 
dass  sie  sich  zum  Theile  wieder  vereinigten  und  gegenwärtig 
nur  noch  zwei  Inseln  daselbst  bestehen,  welche  Membliaria  und 
Battia  genannt  werden. 

Die  äussere  Beschaffenheit  aller  dieser  neu  entstandenen 
Inseln  war  dieselbe.  Sie  glichen  zuerst  einem  riesigen  Schwämme, 
der  sich  über  die  Wasserfläche  erhob  und  aus  einer  rauhen, 
scholligen  Gesteinsmasse  bestand,  auf  welcher  zahlreiche,  grosse 


332 


Gesteinsblöcke  unregelmässig  zerstreut  lagen.  Die  ganze  Masse 
war  nach  allen  Richtungen  von  Spalten  zerrissen,  durch  welche 
man  erkennen  konnte,  dass  das  Innere  in  geringer  Tiefe  voll- 
ständig glühend  und  noch  beweglich  war.  Aus  den  Spalten  stie- 
gen auch  Gas-  und  Dampf-Exhalationen  auf  und  erfolgten  zeit- 
weise sehr  zahlreiche  Explosionen,  durch  welche  Blöcke  der  ver- 
schiedensten Grösse,  theils  schon  erkaltet,  theils  noch  glühend, 
emporgeschleudert  wurden.  Erst  durch  die  am  18.  Juli  erfolgte 
grosse  Explosion,  welche  den  mittleren  Theil  von  Georgsinsel 
zerstörte,  entstand  an  jener  Stelle  eine  kraterähnliche  Vertiefung, 
in  welcher  sich  Lava  ansammelte  und  in  welcher  später  vorzugs- 
weise die  Explosionen  stattfanden.  Die  anfangs  flach  gewölbte 
Gestalt  der  Insel  formte  sich  allmählich  zu  einem  regelmässigen, 
stumpfen  Kegel.  Die  Laväströme,  welche  hervorbrachen,  ent- 
sprangen alle  am  Abhänge,  nahe  der  Basis.  Die  Gesteinsmasse 
auf  der  Oberfläche  der  Inseln  ist  jetzt  grösstentheils  durch  die 
Dämpfe  stark  zersetzt,  gebleicht  und  zeigt  stellenweise  gelbe 
und  rothe  Färbung.  Die  unzersetzten  Gesteine  gleichen  manchen 
Ätnalaven ,  sind  jedoch  trachytischer  Natur.  In  einer  dunkeln 
Masse  liegen  zahlreiche  kleine  Feldspathindividuen  ausgeschieden; 
sehr  selten  erscheint  Olivin,  etwas  häufiger  Magneteisen.  Augit 
kann  in  der  Gesteinsmasse  nicht  erkannt  werden.  Eine  Anzahl 
Analysen  dieses  Gesteins  lieferte  v.  Hauer.  I.  Gestein  der  Insel 
Aphroessa.    II.  Von  Georgsinsel.    III.  Von  Reka. 


Spec.  Gew, 

I.  2,389. 

II. 

2,524. 

III.  2, 

I. 

II. 

III. 

SiO* 

.  67,35 

.  67,24 

.  67,16 

.  15,72 

.  13,72 

.  14,98 

FeOjFe^O^ 

.  1,94 

.  2,75 

.  2,43 

FeO 

.  4,03 

.  4^19 

.  3,99 

MnO 

Spur 

Spur 

Spur 

CaO 

.  3,60 

.  3,46 

.  3,40 

MgO 

.  1,16 

.  1,22 

.  0,96 

KO 

.  1,86 

.  2,57 

.  1,65 

NaO 

.  5,04 

.  4,90 

4.59 

Glühverhist  0,36 

.  0,54 

.  0,49 

101,06 

100,59 

99,65. 

Sauerstoff-Quotient:    I.  0,315.    II.  0,293.    lU.  0,298. 


333 


Das  Resultat  der  Analysen  beweist  die  Richtigkeit  der  An- 
sicht, dass  das  Gestein  zu  den  trachytischen  gehört,  denn  basal- 
tische Gesteine  besitzen  keinen  so  hohen  Kieselsäure-Gehalt.  Mit 
557o  SiO^  ist  gewöhnlich  die  höchste  Grenze  erreicht,  ausnahms- 
weise steigt  dieselbe  auf  57—58  Procent  —  Die  ausserordent- 
liche Übereinstimmung  in  der  chemischen  Zusammensetzung  der 
Gesteine  von  den  verschiedenen  Inseln  deutet  darauf  hin,  dass 
dieselben  nur  durch  verschiedene  Ausbruchsstellen  ein  und  der- 
selben Lavamasse  gebildet  wurden. 

Mit  den  hier  genannten  Analysen  stimmt  auch  die  von 
Terreil  mit  dem  Gestein  der  Georgsinsel  ausgeführte  überein. 
Er  fand: 


Spec.  Gew. 

2,594. 

Si02     .  . 

.  68,39 

Äl^O^    .  . 

.  15,07 

Fe^o»   .  . 

.  4,26 

FeO  .    .  . 

.  3,83 

CuO  .    .  . 

.  3,19 

MgO      .  . 

.  0,70 

NaO  .    .  . 

.  3,86 

KO    .    .  . 

.  0,73 

100,03 

Ausserdem  war  eine  Spur  Lithion  und  organische  Substanz 
darin.  Die  Analyse  unterscheidet  sich  von  der  obigen  haupt- 
sächlich durch  die  geringere  Alkalimenge. 

Terreil  suchte  auch  die  in  der  Gesteinsmasse  eingeschlos- 
senen weissen  Krystalllamellen  zu  analysiren.  Das  Resultat  sei- 
ner Analyse  war: 

SiO^  ....  68,42 
APO»  .  .  .  17,89 
CaO  .  .  .  .  ,  4,73 
MgO  .  .  .  Spur 
FeO  ....  Spur 
Alkalien     .    .  8,96 

also  im  Allgemeinen  die  Zusammensetzung  von  Albit  mit  einem 
sehr  hohen  Kalkgehalt. 

F.  Zirkel  unterwarf  die  Gesteine  einer  mikroskopischen  Un- 
tersuchung *  und  fand ,  dass  die  Grundmasse  der  Laven,  selbst 

••  Jahrb.  f.  Min.  1866,  S.  769. 


334 


derjenigen,  welche  sogar  mit  der  Lupe  vollständig  homogen 
und  pechsteinähnlich  aussehen,  doch  bei  dreihundertmaliger  Ver- 
grösserung  eine  glasartige  Masse  und  unzählige ,  darin  zer- 
streut liegende  Krystallnadeln  unterscheiden  lässt.  Die  von  der 
Grundmasse  eingeschlossenen  Feldspathkrystalle  hält  Zirkel  für 
Sanidin.  weil  er  keine  Streifung  bemerken  konnte.  Auch  die 
Feldspathe  sind  unter  dem  Mikroskop  nicht  homogen,  sondern 
von  zahlreichen  stacheligen  Kryställchen  durchwachsen.  Ausser- 
dem werden  durch  die  Vergrösserung  Olivinkörner  sichtbar,  die 
sonst  in  der  Masse  nur  schwer  aufzufinden  sind. 

Die  vulcanische  Thätigkeit  von  Santorin  fand  bei  starker  Er- 
hitzung des  Meereswassers  statt,  ja  dieselbe  begann  zuerst  mit 
dieser  Erscheinung.  Zahlreiche  Fische  starben,  theils  durch  die 
Hitze  des  Wassers,  theils  durch  die  aus  dem  Wasser  aufsteigen- 
den Schwefeldämpfe.  Vögel  kamen  in  Schaaren  herbei,  um  die 
todten  Fische  zu  verzehren ,  bis  die  Schwefeldämpfe  so  sehr 
überhand  nahmen,  dass  sie  dadurch  vertrieben  wurden.  Die 
höchste  Temperatur  besass  das  Meer  beim  Erscheinen  der  neuen 
Inseln:  es  war  an  jenen  Stellen  in  lebhaft  aufwallender  Bewe- 
gung begriffen  und  indem  Georgsinsel  allmählig  an  Ausdehnung 
zunahm,  schien  rings  um  die  neue  Insel  das  Wasser  in  bestän- 
digem Kochen.  Noch  im  Mai  hatte  das  Meer  an  der  Georgs- 
insel eine  Temperatur  von  50 — 60°  C.  und  in  einer  Entfernung 
von  30  Meter  von  der  Küste  noch  40''  C.  Dieselbe  Erscheinung 
und  ungefähr  in  demselben  Maasse  wiederholte  sich  bei  Entstehung 
von  Aphroessa  und  Reka.  Doch  scheint  es,  dass  das  Wasser  nir- 
gends an  der  Oberfläche  wirklich  in  Kochen  gerieth,  obgleich 
alle  Berichte  von  dem  Kochen  des  Meerwassers  sprechen,  son- 
dern dass  man  nicht  zwischen  der  hohen  Temperatur  des  Was- 
sers und  dem  Aufwallen  Unterschied ,  welches  durch  die  sich 
stets  aus  demselben  entwickelnden  Gase  und  Dämpfe  verursacht 
wurde,  denn  die  Messungen  ergaben  gewöhnlich  höchstens  60°  C, 
nur  einmal  fand  T.  Schmidt  68°  R.,  also  etwa  85°  C. 

Die  Gas-  und  Dampf-Exhalationen  waren  sehr  beträchtlich 
und  erfolgten  theils  direct  aus  dem  Meere,  theils  aus  den  Spalten 
der  neu  entstandenen  Inseln.  Vorherrschend,  wie  bei  allen  vul- 
canischen  Eruptionen,  war  dei'  Wasserdampf:  diesem  war  theils 
SchwefelwasserstotF,  theils  schweflige  Säure  beigemengt.  Die 


335 


schweflige  Säure  scheint  besonders  anfangs  vorherrschend  ge- 
wesen zu  sein ,  denn  in  den  ersten  Tagen  war  der  Geruch  so- 
gar auf  der  Insel  Santorin  fast  unerträglich.  Durch  die  Zer- 
setzung dieser  Schwefelverbindungen  ward  das  Meer  öfters  auf 
grosse  Strecken  trüb  und  milchig  gefärbt  von  ausgeschiedenetn 
Schwefel.  Diese  Erscheinungen  wiederholen  sich  gewöhnlich  bei 
allen  Eruptionen ,  dagegen  ist  es  für  diese  Eruption  charakte- 
ristisch ,  dass  Dämpfe  oder  Gase .  welche  sonst  räumlich  oder 
zeitlich  von  einander  getrennt  sind,  zusammen  vorkamen.  Nahe 
bei  der  glühenden  Lava  waren  die  etwas  erkalteten  Blöcke  mit 
Chlornatrium  bedeckt ,  in  geringer  Entfernung  waren  Salzsäure- 
Exhalationen  und  Ausströmungen  von  schwefliger  Säure:  noch 
um  weniges  weiter  vom  Mittelpuncte  der  Thätigkeit  kam  man  zu 
den  Schwefelwasserstoff-Fumarolen  und  endlich  stiegen  aus  dem 
Meere  brennbare  Gase  auf,  die  sich  in  Berührung  mit  der  glühen- 
den Lava  entzündeten.  Die  Insel  Aphroessa  war  zeitweise  rings- 
um von  solchen  Flammen  umgeben,  die  auf  der  Meeresfläche  er- 
schienen. Überhaupt  ist  das  Phänomen  der  Flammen,  welches 
von  Manchen  geläugnet  wird,  bei  dieser  Eruption  so  sicher,  wie 
noch  nie  beobachtet.  Es  waren  Flammen  von  gelber,  rother  und 
zuweilen  grünlicher  Farbe,  die  eine  Höhe  von  5 — 6  Meter  er- 
reichten und  ebensowohl  auf  der  Meeresfläche  brannten,  als  auf 
der  Oberfläche  der  Lava.  Ausserdem  erschienen  kleine  röthliche 
Flämmchen  in  grosser  Zahl  über  den  Spalten  der  Lava.  In  der 
Nacht  vom  5 — 6,  Februar  war  die  Georgsinsel  mit  tausenden  sol- 
cher Flämmchen  bedeckt.  Ganz  neu  ist  die  Beobachtung ,  dass 
die  brennbaren  Gase  selbst  aus  dem  Gipfelkrater  aufstiegen,  wie 
es  scheint,  aus  der  noch  flüssigen  Lava.  Diese  Flammen  waren 
intensiv  gelb  geerbt  von  dem  Chlornatrium,  welches  sie  mit  sich 
fortrissen,  so  dass  aus  ihrer  Färbung  kein  Schluss  darauf  ge- 
zogen werden  kann,  ob  brennendes  WasserstolFgas,  oder  Schwe- 
felwasserstoff, oder  Schwefeldämpfe,  oder  gar  Kohlenwasserstoff- 
gas ihre  Ursache  war. 

Mit  dem  Erscheinen  der  neuen  Inseln  war  eine  Senkung  des 
Bodens  auf  Neo-Kaimeni  verbunden.  Schon  gegen  Abend  des 
31.  Januar  begann  der  südwestliche •Theil  dieser  Insel  zu  sinken. 
Es  standen  auf  einem  kleinen  Vorgebirge  daselbst  etwa  20  Häu- 
ser, welche  im  Sommer  zur  Aufnahme  von  Badegästen  dienten. 


336 


Diese  erhielten  sogleich  tiefe  Risse  und  drohten  einzustürzen. 
In  Folge  der  Senkung  bildeten  sich  zwei  kleine  Süsswasserseen, 
die  sich  beständig  vergrösserten ,  indem  das  Wasser  stündlich 
etwa  4—5  Centiineter  stieg.  Die  Senkung  des  Landes  erfolgte 
jedoch  später  nicht  mehr  continuirlich,  sondern  bald  langsamer, 
bald  schneller;  am  5.  Februar  schien  dieselbe  sogar  gänzlich 
aufzuhören,  begann  jedoch  bald  wieder  von  neuem.  Am  7.  März 
war  das  kleine  südwestliche  Vorgebirge  sammt  den  Häusern  fast 
ganz  versunken  und  der  Boden  4—5  Meter  hoch  mit  Wasser 
bedeckt.  Später  bildete  sich  eine  grosse  Spalte,  welche  Neo- 
Kaimeni  in  zwei  Theile  zerschnitt.  Der  nördliche  Theil  schien 
von  den  vulcanischen  Erscheinungen  nicht  berührt,  der  südliche 
war  dagegen  ganz  von  Spalten  zerrissen,  aus  welchen  Dämpfe 
aufstiegen  und  zwischen  denen  sich  tiefe  Senklöcher  befanden, 
zum  Theil  mit  Wasser  bis  zu  73^  C.  erfüllt. 

(Schluss  folgt.) 


Briefwechsel. 


A.   Mitlheilung-en  an  Professor  G.  Leonhard. 

Zürich,  den  4.  Februar  1867. 

Im  November  vorigen  Jahres  habe  ich  für  meine  Sammlung  eine  Suite 
von  zwanzig  Stücken  Flussspath  angekauft,  die  im  Spätherbst  1866  auf 
der  Nordseite  des  Galenstockes  am  Rhone-Gletscher  in  Ober- 
wallis gefunden  worden  sein  sollen. 

Es  sind  diess  die  f  1  ä c he n rei c hs t en  Flussspath-Krystalle ,  die  meines 
Wissens  bis  jetzt  in  der  Schweiz  vorgekommen  und  von  seltener  Schönheit. 
Sie  bestehen  gewöhnlich  aus  einem  rosenrothen  Kern  und  einer  graulich- 
weissen  Hülie.  Nur  selten  erscheint  diese  letztere  lichte  vollblau  gefärbt 
und  dann  lassen  sich  im  Innern  der  Krystalle  stellenweise  ganz  kleine,  dun- 
kelblaue Flecken  wahrnehmen.  Am  seltensten  aber  ist  die  Hülle  lauchgrün 
gefärbt.  Einige  von  diesen  Krystallen  zeigen  in  ihrem  Innern  auch  die 
NEWTOis'schen  Farben  sehr  schön.  An  einem  derselben  bilden  sich  ganz 
kleine,  kreisförmige  Flecken,  an  einem  andern  hingegen  lässt  sich  diese  Er- 
scheinung in  der  ganzen  Ausdehnung  einer  der  Octaeder-Flächen  wahr- 
nehmen. 

Die  Grösse  der  Krystalle  wechselt  von  472  Cenlimeter  bis  zu  nur  5^*^^ 
Kantenlänge.  Am  häufigsten  kommen  jedoch  circa  2  Centinieter  grosse  Kry- 
stalle vor.  Sie  sind  halbdurchsichtig,  zuweilen  in  hohem  Grade,  und  es  lassen 
sich  daran  folgende  Formen  wahrnehmen :  0  immer  sehr  vorherrschend, 
XO  .  OOOX  .  ^/aO  .  303.  An  einem  der  Krystalle  sind  auch  noch  die  Flä- 
chen eines  spitzeren  Leucitoides  vorhanden  ,  aber  nur  sehr  untergeordnet. 
Auf  allen  sind  mehr  und  weniger,  stärkere  oder  schwächere,  ganz  kleine, 
rundliche  Vertiefungen  wahrnehmbar,  hauptsächlich  aber  auf  den  Hexaeder- 
Flächen.  Ausnahmsweise  beobachtete  ich  an  einem  lauchgrün  gefärbten 
Krystalle  statt  dieser  Vertiefungen  auf  der  Hexaeder-Fläche  ganz  kleine  war- 
zenförmige Erhöhungen. 

Eine  Eigenthümlichkeit  der  Fiussspath-Krystalle  von  diesem  Fundorte  ist 
es,  dass  nur  die  obere  Hälfte  derselben  schön  ausgebildet  erscheint.  Die 
untere  hingegen  hat  ein  rauhes,   zerfressenes  Ansehen  und,  eine  schmutzig 

Jahrbuch   18'vj7.  22 


338 


grünliche  Farbe,  was  beides  sehr  wahrscheinlich  von  der  Zersetzung  des 
fein  eingesprengten  Eisenkieses  herrührt,  womit  die  untere  Hälfte  der  Kry- 
stalle  wie  besäet  erscheint. 

Die  Mehrzahl  der  Krystalle,  welche  ich  gesehen  habe,  sind  lose  und 
einzelne  .  sellener  zu  kleinen  Gruppen  von  zwei  bis  sieben  Individuen  ver- 
bunden. An  keinem  Exemplare  konnte  ich  leider  auch  nur  eine  Spur 
von  einem  Gestein  entdecken,  auf  dem  die  Kfystalle  aufgesessen  haben.  — 
Als  Begleiter  dieser  Flussspathkrystalle  erscheinen  einzig  der  schon  oben 
angeführte,  fein  eingesprengte  Eisenkies  von  messinggelber  Farbe  und  ein- 
zelne, kleinere  und  grössere,  durchsichtige,  lichtbraune  Bergkrystalle,  die 
förmlich  in  den  Flussspath  eingebacken  sind. 

Im  Innern  des  grössten  Krystalls  einer  kleinen,  aus  drei  Individuen  be- 
stehenden Gruppe  hat  Herr  Dr.  C.  v.  Fritsch  zuerst  einen  ganz  kleinen  so- 
genannt en  Was  s  ertrop  fen  entdeckt,  der  sich  aber  deutlich  bewegt  und 
einen  Spielraum  von  circa  IV2  Linien  Länge  hat.  Es  ist  diess  das  einzige 
Exemplar  von  schweizerischem  Flussspath,  einen  Wassertropfen  als  Einschluss 
enthaltend,  welches  mir  bis  jetzt  vorgekommen. 

Erwähnenswerlh  scheint  es  mir  in  Beziehung  auf  den  Localtypus  ge- 
wisser Mineralien,  dass  im  Revier  des  Rhone-Gletschers,  der  Grimsel  und 
des  Triften-Gletschers  nun  schon  wiederholt  ausgezeichnet  schöne,  flächen- 
reiche Flussspath-Krystalle  gefunden  worden  sind,  während  die  schon 
längst  bekannten  vom  Spitzberge,  der  Göschener-Alp ,  dem  Fellithale  etc. 
gewöhnlich  nur  in  der  Grundform  und  einfärbig  vorgekommen  sind. 

Ungefähr  zu  gleicher  Zeit  habe  ich  mit  anderen  Mineralien,  auch  eine 
kleine  Eisenrose  vom  Piz  Cavradi,  südlich  von  Chiamut  im  Tavetscher- 
thale  Graubündtens  erhalten.  Dieselbe  ist  4^2  Centimeter  lang,  3  Centimeter 
breit  und  1  Centimeter  hoch.  Die  einzelnen,  dünn-tafelförmigen  Krystalle 
derselben  sind,  wie  gewöhnlich,  mit  zierlichen  Rutil-Krystailen  bedeckt.  An 
mehreren  Stellen  aber  beobachtete  ich  ganz  kleine  Ziisammenhäufungen,  von 
ebenfalls  ganz  kleinen,  undeutlichen,  honiggelben,  durchscheinenden,  stark- 
glänzenden Krystallen,  die  ich  sofort  für  Xenotim  erkannte.  Die  Verglei- 
chung  mit  den  in  meiner  Sammlung  befindlichen  Exemplaren  von  Xenotim 
aus  dem  Binnenthale  und  von  der  Fibia  bestärkte  mich  in  dieser  Meinung 
nur  noch  mehr.  Trotz  grosser  Schwierigkeit  wegen  dem  innigen  Verwach- 
sensein, der  Kleinheit  und  Undeutlichkeit  der  Krystalle  ist  es  später  Herrn 
Professor  Kenngott  dennoch  gelungen,  darauf  folgende  Flächen  zu  bestimmen: 
P  .  CC  P  QJO  •  2P  GO  •  j  wodurch  meine  Ansicht  eine  für  mich  sehr  erwünschte 
Bestätigung  erhielt.  Somit  wäre  das  Vorkommen  dieses  in  der  Schweiz  noch 
immer  sehr  seltenen  Minerals  auch  auf  der  Nordostseite  des  Gotthardstockes, 
und  nicht  nur  auf  der  Südseite  desselben,  constatirt,  und  zwar  ebenfalls  mit 
Eisenglanz,  wie  an  den  beiden  bisher  bekannten  Fundorten. 

Noch  erlaube  ich  mir,  dreier  Exemplare  von  dem  bekannten  Brookit 
aus  dem  Griesern-Thale  zu  erwähnen,  welche  ich  im  October  vorigen  Jahres 
erhalten  habe.  Ich  habe  daran  nämlich  einen  mir  bisher  unbekannten  Be- 
gleiter des  Brookits  von  diesem  Fundorte  beobachtet,  d.  h.  s  ch  n  e e  we  i s se n, 
kurzfaserigen  Amianth. 


339 


Auf  dem  grössten  der  drei  Exemplare  zeigte  sich  mir  noch  überdiess 
die  sonderbare  Erscheinung,  dass  auf  der  Spitze  eines  ganz  feinen,  kurzen 
Büschels  von  solchem  Amianth  ein  mikroskopischer,  eisenschwarzer,  glän- 
zender Anatas-Krystall  der  Form  P  horizontal  aufgewachsen  ist,  d.  h.  die 
eine  Endspitze  nach  rechts,  die  andere  nach  links  gekehrt.  Er  sitzt  gerade 
mit  einer  seiner  Randkanten  auf  der  Spitze  des  Amianthbüschels. 

David  Friedrich  Wiser. 


Prag,  am  1.  Febr.  186T. 
Eben  erschien  im  Buchhandel  die  vom  Werner-Verein  in  Brünn  heraus- 
gegebene geologische  Karte  von  Mähren  und  öst.  Schlesien,  auf  welche  ich 
Ihre  Aufmerksamkeit  lenken  möchte.    Die  in  Farbendruck  ausgeführte  Karte 
in  2  Blättern   ist  39  Zoll  breit  und  27  Zoll  hoch:  zweiundvierzig  Farben 
und  Bezeichnungen  dienen  zur  Unterscheidung  der  verschiedenen  Gesteine 
und  Formationsglieder,  davon  entfallen  15  auf  die  kryatallinischen,  massigen 
und  geschichteten  Felsarien,  15  auf  die  paläo-  und  mesozoischen,  und  12 
auf  die  känozoiscben  und  die  neueren  Bildungen.    Der  nähere  Inhalt  der  Far- 
bentabelle ist  folgender:  Granit,  Syenit,  Grünstein,  Serpentin,  Teschenit,  Tra- 
chyt,  Basalt,  Basalttutf,  rother  Gneiss,  grauer  Gneiss ,  Granulit,  Glimmer- 
schiefer, krystallinischer  Kalkstein,  Amphibolschiefer,  Talkschiefer  und  Thon- 
schiefer.   Devonisch:  GrauwackenkalU ,   Grauwackenschiefer  und  Sand- 
stein.   Carbonisch:  Schiefer  und  Sandstein  der  Culmschichten ,  Steinkoh- 
lensandstein.    Dyas:    Schiefer  und  Sandstein  des  Rothliegeuden.  Jura: 
Olomutschaner-Kalk  (ob.  brauner  J.)  >  Stramberger- Kalk  (ob.  weisser  J.). 
Kreide:   a)  unt.  Teschner-Schiefer,   b)  Teschner-Kalk ,    c)  ob.  Teschner- 
Schiefer  und  Grodischler-Sandstein  (a— c  TN'eocomien),  Wernsdorfer-Schiefer 
(Aptien,   z.  Th.  Urgonien) ,   Godula-Sandstein  (Albien)  ,  Istebner-Sandstein, 
Quader-Sandstein  (Cenomanien) ,  Pläner  (Turonien),  Callianassen-Sandstein, 
Friedeker- Schichten   (Senonien,  z.  Th.  Turonien).    Eocän:  Nummuliten- 
Sandstein,  Menilith-Schiefer.    Weogen:  marin.  Tegel,  marin.  Sand  und  Sand- 
stein, Leithakalk,  Cerithien-SaAd  und  Sandstein,   Congerien-Sand  und  Tegel. 
Diluvium:   Sand  und  Schotter,   eratische  Blöcke,  Löss,   Torf,  Alluvium. 
Durch  besondere  Zeichen  sind  kenntlich   gemacht   Graphit,   Schwarz-  und 
Braunkohle,  Eisenerze,  Porzellanerde  und  Eisenschnielzwerke.    Die  im  Auf- 
trag des  Werner-Vereines  vorgenommenen  geologischen  Aufnahmen  erstreck- 
ten sich  über  den  Zeitraum  von  1831—60,   und   betheiligten  sich  an  den- 
selben besonders  F.  Foetterle,  F.  Hochstetter,  L.  Hohenegger,  G.  A.  Kenn- 
gott, M.  V.  LiPüLD,  A.  E.  Reuss,  D.  Stur  und  H,  Wolf.    Die  Erläuterungen 
zur  Karte  hat  Bergrath  Foetterle  zu  liefern  übernommen.    Ebenfalls  im  Auf- 
trage des  Vereins  bearbeitete  Prof,  Koristka  eine   Höhenschichten-Karte  des 
Landes,   die,   anerkannt  vorzüglich,  i.  J.  186S  mit  einem  Comentare  veröf- 
fentlicht und  gleich  den  übrigen  Publicationen  des  Vereines  den  Mitgliedern 
zugesendet  wurde.     Der  auf   0.  Frhr.  v.  HinGenvu's  Anregung  i.  J.  1850 
zur  geologischen  Durchforschung  von  Mähren  und  Schlesien  gegründete  Wer" 

22  * 


340 


nerverein  hat  nun  rühmlichst  seine  Aufgabe  gelöst  und  in  seiner  letzten 
Versammlung  noch  einen  ansehnlichen  Betrag  für  die  Aufsammlung  von  Pe- 
trefacten  im  Lande  gewidmet. 

V.  V.  Zepharovich. 


Carlsruhe,  den  6.  März  1861, 
Wollastonit  und  Prehnit  im  Schwarzwald. 

Der  Gneiss  des  Schwarzwaldes  ist  sehr  arm  an  eingemengten  Mineralien, 
um  so  interessanter  aber  das  nachfolgend  beschriebene  Vorkommen  verschie- 
dener Mineralien,  unter  denen  Wollastonit  und  Prehnit  vorherrschen,  welches 
Vorkommen  bei  der  geologischen  Untersuchung  der  Section  Olfenburg,  welche 
ich  im  Auftrage  des  grossh.  Handelsministeriums  ausführte,  aufgefunden  wurde. 

Am  nördlichen  Ende  des  Gebirgszugs,  welches  durch  das  Längenthal 
der  Kinzig  von  der  Hauptmasse  des  Schwarzwaldes  abgesondert  wird,  dem 
Bellenwald,  befindet  sich  eine  halbe  Stunde  nordwestlich  von  der  Stadt  Gen- 
genbach  im  Gneiss  ein  grosser  Steinbruch.  Der  dortige  Gneiss  ist  ausge- 
zeichnet regelmässig  geschichtet:  die  Schichten  fallen  mit  45«  gegen  Westen, 
die  Masse  ist  theils  schieferig,  dunkelfarbig,  theils  mehr  körnig,  glimmerarm 
und  hellfarbig,  welche  beide  Varietäten  schichtweise  gesondert  sind.  Zahl- 
reiche, unregelmässig  geformte  Ausscheidungen  eines  grobkörnigen  Gemenges 
von  bläulichweissem,  natronhaltigem  Orthoklas  mit  wenig  Quarz  und  Glimmer 
sind  in  dem  Gestein  zerstreut.  Das  sehr  harte  und  feste  Gestein  erscheint 
vollkommen  frisch  und  ohne  Spur  von  Verwitterung.  Innerhalb  dieses 
Schichtencomplexes  liegt  nun  eine  fast  ganz  aus  Wollastonit  gebildete 
Schicht. 

Die  nächste  liegende  Gneissschicht  ist  glimraerreich  und  enthält  gegen 
die  hangende  Grenze  einzelne  grosse  Hornblendeblätter  eingesprengt.  An 
diese  Schicht,  fest  mit  ihr  verwachsen,  grenzt  ein  zwei  bis  drei  Linien  breites 
Band,  aus  undurchsichtigem,  grünlich  weissem  Quarz  und  erbsen-  bis  zoll- 
grossen  Partien  von  Prehnit  bestehend.  Stellenweise  ist  derselbe  kry- 
stallinisch,  von  griinlichweisser  Farbe,  stark  durchscheinend  und  in  Höhlun- 
gen deutlich  krystallisirt,  ganz  identisch  mit  dem  von  Fischer  beschriebenen 
Vorkommen  von  Prehnit  bei  Freiburg.  Auf  diese  Lage  folgt  nun  der  Wol- 
lastonit in  1  Zoll  starker  Lage,  durchsichtig,  farblos  und  mit  strahligem  Ge- 
füge. Auf  diesen  folgt  wieder  ein  Band  mit  Quarz  und  Prehnit,  welches  sich 
ebenfalls  fest  an  die  hangende  Gneissschicht  anschliesst. 

Diese  Schicht  besteht  nun  vorherrschend  aus  Wollastonit,  ganz  mit 
Kalkspath  durchwachsen,  stellenweise  auch  mit  Prehnit.  Der  Wolla- 
stonit gelatinirt  vollkommen  mit  Salzsäure;  die  Auflösung  enthält  neben  viel 
Kalkerde  sehr  wenig  Magnesia;  etwas  Eisenoxyd,  Thonerde  und  Natron 
dürften  von  den  schwer  abzusondernden  Beimengungen  herrühren.  Die  ganze 
Masse  ist  nun  reichlich  durchspickt  mit  kleinen,  grünen,  durchsichtigen  Kör- 
nern von  unregelmässig  eckiger  Gestalt,  welche  vor  dem  Löthrohr  zu  schwarzem